Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag das Konzept der „Anspruchsberechtigung“, das im Englischen als „Entitlement“ bezeichnet wird. Dieses Konzept spielt eine wichtige Rolle im Verständnis von Narzissmus.
Anspruchsberechtigung beschreibt die Haltung eines Menschen, dem bestimmte Dinge – wie Anerkennung, Lob oder besondere Behandlung – zustehen, ohne dass er dafür etwas leisten muss. Diese Haltung entsteht oft als Folge von negativen Kindheitserfahrungen, in denen wichtige Bedürfnisse, wie Anerkennung, Geborgenheit und Respekt, nicht erfüllt wurden.
Kinder, die diese Art von Mangel erfahren haben, entwickeln oft das Gefühl, dass ihnen diese Dinge im späteren Leben noch zustehen. Sie erwarten dann von ihrem Umfeld, dass es ihnen diese fehlende Anerkennung und Bestätigung gibt. Dr. Davatz betont, dass dies eine natürliche Reaktion ist: Menschen versuchen unbewusst, das nachzuholen, was ihnen in der Kindheit verwehrt wurde.
Bei Narzissten ist diese Anspruchshaltung besonders stark ausgeprägt. Sie haben oft das Gefühl, dass sie etwas Besseres sind und deshalb besondere Behandlung und Bewunderung verdienen. Bekommen sie diese nicht, reagieren sie mit Kränkung, Wut, Rückzug oder Aggression.
Die Anspruchsberechtigung von Narzissten stellt für ihr Umfeld eine grosse Belastung dar. Die ständige Forderung nach Anerkennung und die mangelnde Bereitschaft, selbst etwas dafür zu leisten, kann zu Konflikten und emotionaler Erschöpfung bei den Mitmenschen führen.
Zusammenfassend spielt die Anspruchsberechtigung eine zentrale Rolle im Verhalten von Narzissten. Sie ist eine Folge von unerfüllten Bedürfnissen in der Kindheit und führt zu einer übertriebenen Erwartungshaltung an das Umfeld. Diese Haltung kann Beziehungen belasten und Konflikte verursachen.
https://ganglion.ch/pdf/Narzissmus%20und%20Persoenlichkeitsfindung%20Wendepunkt_15.6.2023.pdf
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