Die Quellen betonen die zentrale Rolle der Selbstwahrnehmung im Prozess der Identitätsfindung. Um eine gesunde Identität zu entwickeln, ist es unerlässlich, dass man ein realistisches und positives Selbstbild hat. Dies bedeutet, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein und Freude an der eigenen Person zu empfinden.

Eine verzerrte Selbstwahrnehmung hingegen kann die Identitätsfindung erheblich erschweren. Menschen, die sich selbst über- oder unterbewerten, haben Schwierigkeiten, ihren Platz in der Welt zu finden und authentische Beziehungen zu gestalten.

Dr.med. Ursula Davatz verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff „Spiegeln“. In der Therapie, aber auch im Alltag, geht es darum, durch Feedback von anderen ein klareres Bild von sich selbst zu gewinnen. Durch die Rückmeldungen von Menschen, denen wir vertrauen, können wir unsere Selbstwahrnehmung korrigieren und unsere blinde Flecken erkennen.

Ein Beispiel dafür ist das Mitarbeitergespräch. Hier erhalten Mitarbeiter Rückmeldungen von ihrem Vorgesetzten zu ihrer Leistung und ihrem Verhalten. Diese „Spiegelung“ kann helfen, die eigene Selbsteinschätzung zu überprüfen und sich weiterzuentwickeln.

Problematisch wird es, wenn die Selbstwahrnehmung stark von der Realität abweicht. Dies ist häufig bei Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung der Fall. Sie haben oft ein unrealistisch positives Selbstbild und reagieren überempfindlich auf Kritik. Diese verzerrte Selbstwahrnehmung ist oft die Folge von negativen Kindheitserfahrungen, in denen die Betroffenen nicht genügend Anerkennung und Wertschätzung erfahren haben.

Die Quellen zeigen, dass eine realistische und positive Selbstwahrnehmung essenziell für eine gesunde Identitätsfindung ist. Durch Feedback von anderen und die Bereitschaft zur Selbstreflexion können wir unsere Selbstwahrnehmung schärfen und ein authentisches Selbstbild entwickeln. Dies ermöglicht es uns, unsere Stärken zu nutzen, unsere Schwächen zu akzeptieren und unseren Platz in der Welt zu finden.

https://ganglion.ch/pdf/Narzissmus%20und%20Persoenlichkeitsfindung%20Wendepunkt_15.6.2023.pdf