Das limbische System als zentrale Hirnregion bei der Traumaverarbeitung

Dr.med. Ursula Davatz betont in den bereitgestellten Quellen wiederholt die zentrale Rolle des limbischen Systems, auch bekannt als das emotionale Gehirn, bei der Verarbeitung von Traumata. Sie erklärt, dass traumatische Erlebnisse im emotionalen Gedächtnis des limbischen Systems gespeichert werden. Diese ständige Präsenz traumatischer Erinnerungen im limbischen System verringert die Verarbeitungskapazität des Gehirns.

Die Folgen dieser Beeinträchtigung sind vielfältig:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Ein Gefühl der Abwesenheit
  • Wiederkehrende Gedanken und Träume über das Trauma

Dr.med. Ursula Davatz vergleicht den Zustand des limbischen Systems mit einer „Besetzung“ durch das Trauma. Dies verhindert, dass das Gehirn neue Erfahrungen frei verarbeiten und im Grosshirn (intellektuelles Gehirn) abspeichern kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das limbische System laut Dr. Davatz die entscheidende Hirnregion für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Traumata darstellt. Die emotionale Belastung, die durch das Trauma entsteht, wird im limbischen System gespeichert und beeinflusst die Funktionsweise des gesamten Gehirns.

https://ganglion.ch/pdf/PTBS-20.6.2024.m4a.pdf

Welche Rolle spielt das limbische System bei der Angst und der Bindung?

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt das limbische System, auch bekannt als emotionales Hirn oder Mittelhirn, als Schlüsselstruktur für die Verarbeitung von Emotionen, einschliesslich Angst, und für die Ausbildung von Bindungen.

Angst

  • Angst als Auslöser für reflexartige Anpassung: Wenn das limbische System eine Situation als bedrohlich wahrnimmt, werden die primitiven, reflexartigen Anpassungsmechanismen aktiviert: Kampf, Flucht oder Todstellreflex.
  • Angst als Folge von Überforderung: Das limbische System kann durch zu viele Reize oder durch Situationen, die die erlernten Anpassungsmechanismen überfordern, überflutet werden. Dies führt zu einem „Energiestau“ im emotionalen Hirn, der sich als Angst manifestieren kann.
  • Angst in der Gruppe: Angst kann auch im sozialen Kontext entstehen, wenn die Zugehörigkeit zu einer Gruppe gefährdet ist. Dr. Davatz erklärt, dass Angst dazu führt, dass Gruppen zusammenrücken und Mitglieder, die die Gruppenkohäsion stören, sanktionieren.

Bindung

  • Limbisches System als „Beziehungshirn“: Das limbische System ist laut Dr. Davatz das „Beziehungshirn“ und damit essentiell für die Ausbildung von Bindungen.
  • Mutter-Kind-Bindung: Die erste und wichtigste Bindung entsteht zwischen Mutter und Kind. Das limbische System des Kindes ist von Anfang an auf die emotionale Verbindung zur Mutter ausgerichtet.
  • Bindung in der Gruppe: Das limbische System spielt auch eine Rolle bei der Bindung an Gruppen. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bietet Schutz und Sicherheit, kann aber auch zu Konflikten und Angst führen, wenn die Gruppenregeln verletzt werden.
  • Bindungsverhalten bei Überforderung: Wenn das limbische System überfordert ist, kann es zu Regression kommen, d.h. der Mensch fällt in kindliche Verhaltensmuster zurück, um Bindung und Sicherheit zu suchen.

Zusammenfassend:

Das limbische System spielt eine entscheidende Rolle sowohl bei der Entstehung von Angst als auch bei der Ausbildung von Bindungen. Es ist das emotionale Zentrum des Gehirns und steuert unser Verhalten in bedrohlichen Situationen sowie unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit und sozialer Verbindung.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf