Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS

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Dr.med. Ursula Davatz
28.5.2025
Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS
Audio

[00:00:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir das Thema so gegeben: Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS.

[00:00:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS.

[00:00:14.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hiess es frühkindliches POS.

[00:00:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine allgemeine Bemerkung: psychiatrische Krankheiten sind immer
Funktionsdiagnosen.

[00:00:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie etwas Festes wie eine Leberzirrhose oder ein Herzinfarkt oder so etwas.

[00:00:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Gehirn immer funktionell anschauen und das kann sich alles wieder
ändern.

[00:00:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine klare Abgrenzung von einer Krankheit zur anderen.

[00:01:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt signifikante Symptomen.

[00:01:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz

In meinem Medizinstudium wurde gesagt: der Patient kann Läuse und Flöhe haben.
Das sind unterschiedliche Tiere.

[00:01:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer das gleiche Gehirn.

[00:01:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so ein bisschen eine Vorbemerkung.

[00:01:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn funktioniert immer ganzheitlich und ist auch immer verbunden mit dem Körper.

[00:01:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Gehirn werden auch die Körperorgane dirigiert.

[00:01:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ASS (Autismusspektrumsstörung) ordne ich dem ADHS unter. Ich mache
keine neu Krankheit draus.

[00:02:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch die Hypersensibilität.

[00:02:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist lieber hypersensibel, als dass man ein ADHS/ADS hat. Das ist gar nicht
pathologisch.

[00:02:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ein bisschen aufzuzeigen, was für Symptome hervorstechen.

[00:02:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:02:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht immer von Komorbidität.

[00:02:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es nur ein vulnerabler, sensibler Neurotyp, der eher auf Stress anfällig ist
und dann Krankheiten entwickelt.

[00:02:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue zuerst psychiatrische Folgekrankheiten an.

[00:02:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stellt sich heraus, dass es auch viele körperliche Krankheiten gibt.

[00:02:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Lebensende schaut: es gibt eine Studie aus England und Amerika, wo
sie sagen: Frauen mit ADHS/ADS sterben zehn Jahre früher.

[00:03:05.417] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nytimes.com/2025/01/23/health/adhd-life-expectancy.html

[00:03:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer mit ADHS/ADS sterben nur sieben Jahre früher.

[00:03:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen leiden mehr unter dieser Symptomatik.

[00:03:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat einen Grund: Frauen können ihre Symptomatik besser verstecken.

[00:03:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst, Frauen können sich besser anpassen.

[00:03:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu reiten als Hengste.

[00:03:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich an. Mädchen strengen sich wahnsinnig an um sich anzupassen.
Dann merkt man gar nichts.

[00:03:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose wird bei den Mädchen oft erst im Alter von 35 bis 45 Jahren
gestellt, oder mit 70 oder 80 Jahren.

[00:03:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über die Abklärungen, die Tageszeitungen, TikTok. Viele merken dann: ich
habe diese Symptome auch.

[00:04:15.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele haben dann ein Aha-Erlebnis. Darum bin ich so, darum reagiere ich so. Etc.

[00:04:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen, welche im erwachsenen Altern die ADHS/ADS Diagnose
bekommen, die haben eine oder mehrere zusätzlichen psychiatrischen Diagnosen.

[00:04:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Folgeerkrankungen.

[00:04:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich an erster Stelle mit der Folgekrankheit Schizophrenie. Das ist nur eine
Krankheit.

[00:05:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle ADHS/ADSler werden schizophren.

[00:05:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Faktoren dazwischen, damit das geschieht.

[00:05:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist kein Normotyp. Jedes Gehirn funktioniert anders.

[00:05:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer das "Triune Brain" von Paul D. MacLean.

[00:05:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Triune_Brain

[00:05:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige das mit der Hand.

[00:05:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Daumen ist das emotionale Gehirn, die Finger sind das Grosshirn, das Handgelenk
ist das Reptiliengehirn, das primitive Gehirn.

[00:05:44.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das primitive Gehirn ist schon bei den Reptilien sehr gut ausgebildet.

[00:05:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Reptilienhirn sind vegetative Nervenzentren verankert.

[00:06:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Herzrhythmus, unsere Atmung, der Schlaf-Wach-Rhythmus wird gesteuert und
die Motorik.

[00:06:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Motorik, das Kleinhirn, das motorische Kleinhirn, gehört auch zum Reptilienhirn.

[00:06:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler, die haben ein stärkere, reaktives, sensibleres emotionales Gehirn.

[00:06:33.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das limbische System (emotionale Gehirn) überlastet ist, dann sendet es Signale
hoch und runter.

[00:06:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei System Overload gibt es ein Signal in das Grosshirn.

[00:06:44.265] – Dr.med. Ursula Davatz
Das negative Resultat davon ist dann die Schizophrenie. Das Gehirn bricht dann
zusammen.

[00:07:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so gedacht: wenn vom emotionalen Gehirn Signale in das Grosshirn gehen. Dort
werden die Signale auf kognitiver Ebene verarbeitet und als Erinnerung abgelegt, ohne
Emotionen.

[00:07:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das nicht möglich, wenn man seine Emotionen im Grosshirn nicht ablegen kann, weil
man nicht darüber sprechen kann, dann gehen die Signale auch an das Stammhirn.
Dann können alle möglichen psychosomatischen Krankheiten auftreten.

[00:07:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell bei den Kindern, die können noch nicht so gut reden, was sie eigentlich
beschäftigt.

[00:07:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungspersonen, Lehrpersonen, Eltern, sind dazu verpflichtet, das Kind zu
beobachten und herauszufinden, was es beschäftigt.

[00:07:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder Probleme haben, haben sie Bauchschmerzen. Sie können nicht sagen,
was es eigentlich ist.

[00:08:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was davor abgelaufen ist, womit sie sich auseinandergesetzt
haben.

[00:08:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule spielt das Lernen und das Aufpassen eine grosse Rolle.

[00:08:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS hat eine breite Aufmerksamkeit.

[00:08:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Schulbetrieb wird die breite Aufmerksamkeit zu einer Störung, weil man dort
fokussiert aufpassen muss.

[00:08:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man die Gene der Neandertaler, der Jäger und Sammler Kulturen
untersuchen.

[00:08:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort zeigt sich, dass noch 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:08:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns sagt man, dass noch 5% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:09:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer mehrere Gene.

[00:09:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Genkombination, ein Genom, ein Set von Genen.

[00:09:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommt auf anderthalb Knaben ein Mädchen.

[00:09:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Anteil der Frauen nimmt zu. ADHS/ADS wird bei Frauen heute auch diagnostiziert.

[00:09:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Neurodiversität. Das ist ein Zustandsbild, wo noch viel neue Informationen
dazu kommen.

[00:09:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit ist: ADHS/ADSler nehmen sofort alles wahr.

[00:09:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in den Raum reinkommen, gucken sie sofort alles an, nehmen alles wahr,
nehmen Emotionen wahr, etc.

[00:10:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann der Schulunterricht sie nicht interessiert, wo der Lehrer oder die
Lehrerin sie auch nicht packen kann, dann schaut sie aus dem Fenster raus, stören den
Nachbar, schmeissen die Kugeln rum.

[00:10:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Klassenclown.

[00:10:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Konkurrenz zum Lehrer. Das mag der Lehrer nicht.

[00:10:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss die Lehrperson irgendwie eingreifen.

[00:10:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind besser im Multitasking.

[00:10:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Hausfrau muss man das können.

[00:10:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Schule vor sich hat, hat man immer ein Multitasking.

[00:10:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dompteur muss immer die ganze Klasse im Blickfeld haben und dann schauen, wie
man auf was reagiert und möglichst nicht überreagiert.

[00:11:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.

[00:11:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine hohe Sensitivität.

[00:11:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist leichter erregbar und macht eine grössere Welle.

[00:11:18.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist so konstruiert, dass es funktioniert, ein bisschen wie fluide
Medien.

[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Luft und Wasser, da geht immer eine Bewegung durch.

[00:11:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegensatz zur Erde, da wird ganz viel aufgefangen.

[00:11:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Hirn ist so konstruiert.

[00:11:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind gestört wird, Stress ausgesetzt wird, macht es eine grössere
Welle in seinem emotionalen Hirn.

[00:11:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Welle sehr gross ist, dann gibt es ein System Overload und dann System
Overflow.

[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo der System Overflow passiert, können Denkstörungen auftreten oder
es geht ins Reptilienhirn und das stört, das rennt herum, das schreit.

[00:12:15.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen alle Primitiv-Reflexe zum Zug.

[00:12:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden alle vom Kleinhirn gesteuert.

[00:12:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Fight ist Kampf, Flight ist Flucht, Freeze ist Totstellreflex, Teasing ist Spotten, Necken,
Clown spielen, etc.

[00:12:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing-Verhalten tritt immer dann auf, wenn ein Individuum nicht sich sicher ist, wie die
Situation ist.

[00:13:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Annäherungsverhalten.

[00:13:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nähert sich der Situation an auf eine witzige Art und findet dann heraus, ob der
andere jetzt das nehmen kann oder nicht.

[00:13:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der andere verrückt wird, zieht man sich wieder zurück oder auch nicht, je
nachdem, wie frei man ist.

[00:13:20.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist soziales Explorationsverhalten.

[00:13:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sieben Jahre im Basel studiert. Ich bin mit einem Basler verheiratet.

[00:13:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Basler haben im Frühling die Fasnacht.

[00:13:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Fasnacht darf jeder jeden intrigieren.

[00:13:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Volk kann auf den Stadtrat zu gehen und den veräppeln.

[00:13:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Necken. Man darf seine Meinung sagen, den anderen ein wenig herausfordern.

[00:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing-Verhalten wird von ADHS/ADS Menschen mehr verwendet und bleibt
länger erhalten.

[00:14:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing Verhalten wird in der Pubertät auch von den Tieren sehr viel angewendet.

[00:14:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man vom Jungtier in das Erwachsenenalter kommt, dann wird geneckt.

[00:14:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Verschiedene Tierarten necken sich auch gegenseitig.

[00:14:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken ist ein ganz wichtiges Verhalten.

[00:14:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben wir Erwachsenen kein Verständnis mehr dafür und werden verrückt.

[00:14:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem aus welcher Familie man kommt, wird es untereinander gemacht.

[00:15:06.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich.

[00:15:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Knaben sind mit ihrem Fahrrad in das Fahrrad des Mädchens gefahren. Ist das nun
bösartig oder ist das ein Annäherungsversuch.

[00:15:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

[00:15:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann gut sein, dass das Teasing ist.

[00:15:36.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wollte nicht von dem Annäherungsversuch/Angriff beschützt werden.

[00:15:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir neu interpretieren, wenn solche Dinge geschehen.

[00:15:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale System ist sensitiver, reagiert mehr, nimmt mehr auf, hat dadurch mehr
zu verarbeiten und darum sind die Menschen empfindlicher auf Stress.

[00:16:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist bei ihnen mehr erregbar, es schlägt höhere Wellen. Es schlägt länger
höhere Wellen.

[00:16:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät spricht man von: himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

[00:16:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät formatiert sich das Gehirn. Es legt grössere Autobahnen an und kappt
viele Nervenendungen.

[00:16:23.981] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst könnte der Mensch nicht durchs Leben gehen. Sonst wäre alles viel zu
kompliziert.

[00:16:41.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: oh, wenn ich nur nicht so kompliziert wäre, ich wünsche, ich
wäre nicht so sensitiv, dann hätte ich viele Probleme nicht.

[00:16:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt natürlich auch einen Vorteil in Sachen merken, wahrnehmen und
Neues lernen.

[00:16:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine höhere Erregbarkeit.

[00:17:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die höhere Erregbarkeit, die stärkere Reaktion, die bleibt auch länger vorhanden.

[00:17:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis 25 Jahren ist das Gehirn ausgereift.

[00:17:09.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler braucht es ein wenig länger. Sie bleiben Kindsköpfe und sie bleiben
kreativ.

[00:17:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die positive Seite der ADHS/ADSler ist die Kreativität.

[00:17:29.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Grenzen überschreiten, das ist nicht immer angenehm.

[00:17:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Nein, man muss sich damit auseinandersetzen und seinen Standpunkt sagen.

[00:17:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Gitter machen.

[00:17:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Menschen mit ADHS/ADS-Eigenschaften zu restriktiv, zu eng, an einer zu kurzen
Leine erzogen werden, dann werden sie krank.

[00:17:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es psychiatrische Krankheiten geben und es kann auch somatische
Krankheiten geben.

[00:18:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die starke Erregbarkeit bewirkt, dass nur noch der Automatismus funktioniert, das
Reptilienhirn, wo einfach der Reflex, Kampf, Flucht, Totstellreflex und Necken.

[00:18:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn hat dann keine Kontrolle mehr. Das Grosshirn wird dann überrannt.

[00:18:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern wollen ihre Kinder mit Vernunft erziehen.

[00:18:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht man doch nicht, das gehört sich nicht, so kannst du nicht durch dein Leben
gehen.

[00:18:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: er ist noch nicht dort und in dem Zustand hat sowieso keinen Sinn,
etwas zu sagen.

[00:18:43.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll die ADHS/ADS Kinder nie im High Arousal, im übererregten Zustand erziehen.

[00:18:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.

[00:18:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Suppe zuerst abkühlen lassen.

[00:19:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann dürfen wir sagen, dort ist das und das gewesen.

[00:19:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer danach fragen: was hat dich verletzt? Was hat dich aufgeregt? Was
hast du falsch gefunden?

[00:19:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort vom Geschehen her zum Normverhalten gehen.

[00:19:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss immer ihre Sensitivität abfragt werden und dann: okay, ich verstehe.

[00:19:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nennt man Validieren.

[00:19:28.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man validiert sie in ihren überschiessenden Gefühlen, dem System Overload.

[00:19:39.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man die Person abgeholt hat, validiert hat, kann man sagen: in einem nächsten
Moment, was könntest du anders machen? Wie könnten wir es anders miteinander
lösen?

[00:19:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater und die Psychologen bringen den Erwachsenen alle möglichen Tricks
bei.

[00:19:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Pfefferschoten in den Mund nehmen. Dann brennt es einem so fest, dass
man nicht mehr fluchen kann. Man kann ein Gummizug am Handgelenk zupfen, dann
lenkt man sich ab.

[00:20:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle möglichen Tricks.

[00:20:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Skills genügen nicht, wenn man nicht auch den Ursprung der Verletzung
anschaut.

[00:20:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss integriert werden, dass Kind oder die Person muss es verarbeiten können.

[00:20:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur unterdrückt, dann gibt es später wieder Folgekrankheiten.

[00:20:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern bleibt das emotionale System stärker vernetzt mit dem
Grosshirn.

[00:20:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie müssen viel mehr Eindrücke verarbeiten und das macht sie müde.

[00:20:55.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell ADHS/ADS-ler, die alles aufnehmen und nicht mit Aggression reagieren,
sondern nach innen aktiv werden.

[00:21:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gestresst wird mit dem ADHS/ADS, kann man nach aussen aggressiv
werden. Das sind meistens die Jungen.

[00:21:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nach innen beginnen zu überlegen, hirnen, es dreht und macht.

[00:21:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nach innen reagieren, verarbeiten alle Situationen sehr sorgfältig.

[00:21:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erzählen einem auch ihre Geschichten sehr sorgfältig, ohne Punkt und Komma,
sodass man verloren geht.

[00:21:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man abklemmen und sagen: davon kann ich jetzt nicht mehr ertragen, ich
möchte nochmals das fragen.

[00:21:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich wohl fühlen, können sie sehr viel erzählen.

[00:22:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied zwischen Frau und Mann tritt heutzutage auch immer mehr auf.

[00:22:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gendermedizin.

[00:22:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat beim Herzinfarkt andere Symptome als die Frau.

[00:22:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch beim ADHS/ADS.

[00:22:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Untertypen.

[00:22:18.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können sich besser anpassen. Darum zeigen sie eher Empathie ihrem
Umfeld gegenüber und verlieren dann oder vergessen ihre Selbstfürsorge.

[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS passen sich zuerst dem Mann an, es läuft alles gut, sie passen
sich den Kindern an.

[00:22:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Kinder aus dem Haus gehen, dann wissen sie gar nicht, wer sie sind
und haben überhaupt keinen eigenen Fokus.

[00:22:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas, was ganz wichtig ist bei den ADHS/ADS Menschen: sie müssen ihren
eigenen Fokus finden.

[00:23:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, die zehn Jahre früher sterben, die haben wahrscheinlich nie ihren Fokus
gefunden. Denen hat man auch nie geholfen oder man hat sie nie ihren Fokus finden
lassen.

[00:23:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen haben doppelt so viele Depressionen im Alter wie die Männer.

[00:23:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Männer, die depressiv werden mit ADHS/ADS.

[00:23:25.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen wird die Diagnose erst mit 30 oder viel später gestellt.

[00:23:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer reagieren eher aggressiv. Im Extremfall werden sie delinquent, in der
Schule stören sie, folgen dem Lehrer nicht, rennen umher, bringen die Klasse
durcheinander.

[00:23:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Männer werden leicht zu Konkurrenten der Lehrperson. Sie
übernehmen die Klasse.

[00:23:56.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man als Lehrperson gar nicht gerne.

[00:24:05.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher psychosomatische Krankheiten. Das sind häufig
Muskelskelettsystem Sachen.

[00:24:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Rückenschmerzen, überall verspannt, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen,
Erschöpfung, Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach COVID hatte ich viele Frauen mit einem Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:40.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen passen sich so gut an, dass sie sich ausbeuten und am Schluss nichts mehr
haben.

[00:24:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer entwickeln eher das oppositionelle Verhalten, sie folgen nicht, sie sagen: nein.

[00:24:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür gibt es bereits wieder eine Diagnose. Das ist aber nichts weiteres als ein nicht
richtig behandeltes ADHS/ADS.

[00:25:00.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich kommt die Delinquenz.

[00:25:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Männern. Sie sind nicht diagnostiziert.

[00:25:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer und Frauen können eine bipolare Störung entwickeln.

[00:25:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bipolar heisst manisch-depressiv. Die grosse Welle. Man ist absolut begeistert von
allem, braucht keinen Schlaf. Das ist die manische Phase.

[00:25:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht falsche Handlungen, gibt Geld aus. Am Schluss hat man kein Geld mehr.

[00:25:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht alle Leute verrückt, weil man alle Grenzen überrennt.

[00:26:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich bricht man in einer Depression zusammen.

[00:26:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das bei Männern und Frauen.

[00:26:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung ist ein extremes ADHS/ADS Verhalten.

[00:26:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hyperaktive, Agressive dann die Depression. Ich kann nicht mehr.

[00:26:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen entwickeln eher Borderline Störungen. Das sind alles ADHS/ADSlerinnen,
welche zu eng erzogen wurden. Sie passen sich immer an. Mit der Pubertät, mit den
Hormonschüben sprengen sie alle Grenzen.

[00:26:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wild.

[00:26:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht mit ihnen umgehen kann, sind sie allein gelassen, dann fühlen
sie sich im Stich gelassen. Sie machen dann viele Handlungen um Aufmerksamkeit zu
erhalten. Eigentlich wollen sie nur begleitet werden.

[00:27:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die von ihren Müttern im Stich gelassen werden, wenn die sie ablehnen, dann
machen sie weiter mit ihrem pubertären Verhalten.

[00:27:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen sind professionell Pubertierende.

[00:27:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie treiben die Fachwelt zum Wahnsinn.

[00:27:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht erziehen.

[00:27:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Fachpersonen sage ich: Borderline Patientinnen darf man nicht erziehen.

[00:27:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nur sein Position beziehen. Man darf sich mit ihnen auseinandersetzen.

[00:27:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich nicht von ihnen manipulieren lassen.

[00:27:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt: wenn ich der Person entgegenkomme, dann kommt sie nachher auch mir
entgegen. Nein, geht nicht.

[00:28:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nimmt alles und kommt überhaupt nicht entgegen.

[00:28:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernt nur in der Auseinandersetzung.

[00:28:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind lange therapeutische Begleitungen.

[00:28:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige in Therapie. Sie sind immer interessant.

[00:28:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihnen lernt man die Selbstkontrolle.

[00:28:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bringt nichts, so auszurasten wie die Borderline Patienten.

[00:28:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Schizophrenie können beide entwickeln, Knaben mehr als Mädchen.

[00:28:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden die ADHS/ADS Kinder nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentgerecht
erzogen, machen sie Fehlentwicklungen.

[00:29:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Fehl-Erziehungen.

[00:29:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Als stabile Bezugsperson erziehe ich sie nicht. Ich sage was ich finde.

[00:29:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts tun, was ich sage, sie dürfen nur das tun, was für sie stimmt.

[00:29:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen ihre intrinsische Motivation herausfinden und ihren Fokus.

[00:29:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich helfe oft den Fokus zu finden.

[00:29:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist wichtig, dass die Erziehungspersonen lernen, mit diesen neurodivergenten
Kindern umzugehen.

[00:30:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von artgerechter Tierhaltung.

[00:30:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Neu muss auf dem Produkt angegeben werden, falls das Tier bei der Tötung leiden
musste.

[00:30:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Mitleid mit den Tieren, welche wir Essen.

[00:30:34.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nie angeben, wie das Kind gelitten hat unter der Erziehung von seinen
Eltern, von den Nachbarn, den Lehrern.

[00:31:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen, die neurodivergenten Kindern besser zu beobachten, spüren was
sein könnten und es heraus finden.

[00:31:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin lerne ich von meinen Patienten.

[00:31:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Meiste lernt man in der Interaktion wo man sieht was geht und was nicht geht.

[00:31:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lernen kann nicht nur über das Grosshirn laufen, über die Kognition, über den
Intellekt.

[00:31:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang im Schulalltag.

[00:31:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass der Lehrer selber eine klare Haltung hat, dass sie weiss, was sie will.

[00:31:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man ambivalent ist, dort gehen sie rein.

[00:31:59.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Teufel, beim Mephisto der Stern, der ein bisschen offenbleibt, dort gehen sie rein.

[00:32:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas sagen, wenn man selber davon überzeugt ist.

[00:32:06.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wie man es will.

[00:32:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: du musst, sondern in meinem Klassenzimmer, in meiner Stunde, will ich es
so.

[00:32:22.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem ADSH/ADS Kind den Befehl geben: du musst, das ist schon ein Übergriff. Die
ertragen das nicht, weil sie so sensibel sind.

[00:32:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat immer gesagt: ich will.

[00:32:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine eigene Position beziehen, die klar vertreten, klar sagen.

[00:32:43.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen, dass man stärker als das Kind ist.

[00:32:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen warten können.

[00:32:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort und jetzt, sondern ich will.

[00:32:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern muss man ein bisschen warten können.

[00:32:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen dann oft mit Verzögerung.

[00:33:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nur Ja sagen, wenn sie es selber durch ihr Hirn
durchgelassen haben und finden, ja okay, sie hat ja recht.

[00:33:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Also gut, machen wir es halt.

[00:33:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sofort! Das geht nicht.

[00:33:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss Geduld haben und ein bisschen warten können.

[00:33:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Den Müttern sage ich: sagen sie nur Ihre Prinzipen, ihre Erziehungsprinzipen, und sie
werden sehen, in ein paar Jahren hat ihr Kind mehr von dem sich angeeignet, als sie
denken.

[00:33:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich einer jüdischen Mutter gesagt.

[00:33:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat das fast nicht geglaubt.

[00:33:34.537] – Dr.med. Ursula Davatz
Sechs Jahre später sagte die Mutter zu mir: sie hatten Recht.

[00:33:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, an sich zu und seine Prinzipien zu glauben.

[00:33:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wenn etwas schief gelaufen ist, dann hat es eigentlich keinen Sinn, dann
irgendwas zu sagen.

[00:33:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man in high arousal, das Kind ist in high arousal.

[00:33:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, wir lassen es jetzt durchgehen, danach sprechen wir wieder darüber.

[00:34:01.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine Nachbesprechung machen.

[00:34:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gerade an Ort und Stelle die Korrektur anbringen.

[00:34:08.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind die Regel nicht eingehalten hat, welche man möchte, welche man
deklariert hat, muss man zuerst herausfinden, was ist der Grund, dass das Kind die
Regel nicht eingehalten hat?

[00:34:26.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden oft irgendwelche Lügen erfunden.

[00:34:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind sagte: ich will im Bergsee nicht baden gehen, ich sage, dass ich mein
Badekleid vergessen habe. Das ist keine gute Idee. Das Badekleid mitnehmen und
sagen: ich will jetzt nicht Schwimmen gehen.

[00:34:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer fragen: was hat dich abgehalten? Was ist dir durch den Kopf gegangen? Wegen
was hast du es nicht können?

[00:34:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich immer emotional, dass das Kind es ein bisschen erklären muss.

[00:35:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man mit seiner Regel und sagt: aus dem Grund möchte ich es so.

[00:35:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht einhalten können muss validiert werden.

[00:35:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pferd kann man nicht fragen: wieso hast du mir nicht gefolgt? Bei den kleinen
Kindern muss man sich auch selber fragen.

[00:35:22.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie grösser werden, kann man sie schon fragen.

[00:35:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind noch nichts sagen kann, kann man fragen: ist das oder das? Hattest du
Streit mit einer Freundin? Habe ich zu laut geredet?

[00:35:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein albanischer Junge ist immer aus dem Kindergarten geflüchtet. Wenn man gefragt
hat, war die Antwort: die Lehrerin hat zu laut gesprochen. Die Lehrerin war Deutsch und
hat zackig geredet. Am Schluss wurde er von der Polizei in die Schule gebracht. Das ist
keine gute Sache. Dann habe ich ihn aus den Augen verloren.

[00:36:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln werden bösartig übertreten um auszuprobieren. Wo sind die Grenzen?

[00:36:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel werden die Regeln übertreten, weil man es nicht besser kann.

[00:36:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat seine Emotionen nicht im Griff, die übersprudeln einfach und dann kommen
eben die vier Stressreflexe.

[00:36:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man emotional überlastet ist, also System Overflow im emotionalen
Hirn, da kann die Vernunft nicht mehr steuern und darum müssen beide runterfahren,
erst dann kann man wieder vernünftig miteinander reden.

[00:36:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Regeln durchsetzen wollen, müssen sie selber immer in einem ruhigeren
Zustand sein.

[00:36:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mindestens ruhiger sein als das Kind.

[00:36:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind auch nur Menschen, sie sind keine Roboter, sie dürfen von mir aus auch ein
bisschen Emotionen haben, aber sie sollten ruhiger sein als Kind.

[00:37:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ganz starke Emotionen haben und die nicht beherrschen können, dann sage
ich immer, dass sie an die Decke schiessen dürfen, nicht auf das Kind.

[00:37:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so verrückt. Ich könnte aus der Haut fahren und ich könnte jetzt von mir aus
alles zusammen treten.

[00:37:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind losgehen.

[00:37:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Emotionen zeigen, aber so in die Luft schiessen.

[00:37:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Hochzeit wird auch in die Luft geschossen. Manchmal passiert ein Unglück.

[00:37:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie das Kind zerstören.

[00:37:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung über Bestrafung funktioniert bei ADHS/ADS Kindern nicht.

[00:39:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Flugzeug muss man auch zuerst die Maske selber anziehen und dann dem Kind die
Mask anziehen.

[00:39:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geiselnahme muss man zuerst sich selber beruhigen, bevor man irgendeinen
Eingriff macht.

[00:39:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort werden auch viele Fehler gemacht. Dann wird es gefährlich.

[00:39:54.130] – Dr.med. Ursula Davatz
War es früher einfacher?

[00:39:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde eher ein autoritärer Erziehungsstil praktiziert. Alle mussten sich dem
unterordnen.

[00:40:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Klassen sind schwieriger zur führen als grosse Klassen. Es gibt lauter
individuelle Unterschiede. Die Gruppe hilft nicht, das Kollektiv zusammen zu halten.

[00:40:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wollen wir eher individualisierten Unterricht, dann haben wir kleinere Gruppen
und wir probieren, jedem Kind gerecht zu werden. Das kann sehr schwierig sein.

[00:40:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrerinnen und Lehrer haben einen Burnout und mögen nicht mehr.

[00:40:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird politisch riesig diskutiert: ist der Inklusivunterricht gut? Ist der gescheitert?

[00:40:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Parteien diskutieren zusammen.

[00:40:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Politiker diskutieren miteinander, was gut ist für die Kinder, ohne dass sie eigentlich
etwas von der Sache verstehen.

[00:41:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ganz ehrlich bin, sage ich: wer geht in die Schulpflege, wer wird Schulpflege
Präsident? Das sind häufig Leute, die eine politische Karriere hoch gehen wollen. Den
meisten geht es nicht um die Kinder.

[00:41:41.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so schade. Das ist unsere Zukunft. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wir
müssen sorgfältig mit unseren Kindern umgehen.

[00:41:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind eigenwillig.

[00:41:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ADHS/ADS Kinder in der Schulklasse mit seinem Verhalten nicht zum
Einlenken bringt, dann muss man sie eher rausnehmen.

[00:42:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Schulinseln. Eine Abwechslung kann gut tun.

[00:42:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht keinen Sinn, das Kind vor der ganzen Klasse in die Knie zu zwingen.

[00:42:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe einige Opfer, wo das gemacht wurde. Die werden in der Zukunft immer die
Schule verweigern. Das ist gar nicht gut. Einer konnte nicht gut lesen.

[00:42:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig kommt mit ADHS/ADS eine Dyslexie, Dyskalkulie. Das wird häufig zusammen
vererbt.

[00:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind vor der Klasse zwingen will, weil man nicht blöd dastehen will von
der Klasse, gewinnt meistens das Kind.

[00:43:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann die anderen Schüler besser hinter sich bringen und dann verliert der
Lehrer oder die Lehrerin ihr das Gesicht.

[00:43:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht geht, lieber aufhören und irgendwas ganz anderes machen.

[00:43:34.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht man zu Beschämungsmethoden über, darf man die nur anwenden wenn es um
Leben und Tod geht. Wenn ein Eskimo Kind im Frühling auf das langsam brüchige Eis
geht, wird es vor der ganzen Gruppe beschämt.

[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist richtig. Da wollen wir Aversionsverhalten. Man möchte, dass das Kind dies nie
mehr tut.

[00:44:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind für seine Lesestörung beschämt von der Klasse oder für seine
Clown Unterhaltung, dann tut man sein Selbstwertgefühl mindern. Die ganze
Persönlichkeitsentwicklung wird beeinträchtigt.

[00:44:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es Probleme unter den Kindern, kann man keines bestrafen und das andere
bekommt keine Strafe. Nicht mit Täter und Opfer Kette vorgehen. Es gibt keinen
Schuldigen und keinen Unschuldigen. Es immer eine lange Kausalkette.

[00:44:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer schauen: was ist das Problem zwischen den zwei Kindern und wie
können wir das Problem lösen?

[00:45:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, wenn wir das ADHS/ADS Kind mit in die Problemlösung einbeziehen. Dann
kommt wieder die intrinsische Motivation, die Eigenbeteiligung.

[00:45:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern sind von ihrem Wesen her sehr empathisch und hilfsbereit. Sie
wollen helfen. Man kann sie immer in die Problemlösung mit einbeziehen.

[00:45:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können weniger gut Regeln einhalten. Rechtschreiben lernen ist
Regeln lernen. Sie sind schlechter im Regeln lernen. In den Neuropsychologischen
Tests kann man das sehen.

[00:45:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Arbeitsgedächtnis, das Speichergedächtnis spielt eine Rolle.

[00:46:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn es ADHS/ADS Kinder in der Schule hat, dass man vor der ganzen
Klasse seine Regeln am Anfang sagt und nicht erst dann wenn die Regeln übertreten
werden.

[00:46:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald die Regeln übertreten werden, ist man schon zu spät. Dann ist man hinter der
Bewegung.

[00:46:28.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort lohnt es sich, ein wenig autoritär aufzutreten: ich möchte es in meinem Unterricht
so und so.

[00:46:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber nur fünf Regeln als zwanzig Regeln.

[00:46:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das alles aufschreibt und an die Wand hängt und erwartet das Kind wird das
alles machen, das geht nicht.

[00:46:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen alle persönlich gesagt werden, persönlich durchgesetzt werden.

[00:46:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen so wie beim Geld, die müssen mit Golddeckung hinterlegt sein,
also mit ihrer emotionalen Haltung hinterlegt sein.

[00:47:05.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die Regel selber durchsetzt. Hier kommt wieder das "ich will"
von Jesper Juul.

[00:47:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das in meiner Stunde so.

[00:47:18.773] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Regel ganz persönlich vertreten.

[00:47:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Mutter mit einem Kind, welches eine Dyskalkulie hat.

[00:47:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt grosse Diskussionen. Wer bezahlt nun? Die IV? Die Schule?

[00:48:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist ein Kind intelligent, hat aber auf einem Gebiet einen Schwäche, dann wird sein
Selbstwertgefühl laufend beeinträchtigt. Das müsste nicht sein.

[00:48:25.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Schule sein Selbstwertgefühl beeinträchtigt wird und es kommt dann in
Pubertät und dann wird nochmal alles schlimmer.

[00:48:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben wir viele psychiatrische Fälle.

[00:48:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderpsychiatrie, die Jugendpsychiatrie ist übervoll.

[00:48:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle müssen Abklärungen machen. Man muss zum Teil bis zu zwei Jahren warten.

[00:48:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber schon in der Schule schauen, dass das Kind in dieser Hinsicht Unterstützung
bekommt, damit es kein schlechtes Selbstwertgefühl haben muss.

[00:49:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen: das Frühfranzösisch muss man wieder abschaffen. Das ist eine falsche
Idee gewesen.

[00:49:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, dass man es abschaffen muss.

[00:49:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Lehrerin.

[00:49:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele meiner Kinder mit ADHS/ADS haben das Französisch abgewählt.

[00:49:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch hat viele Regeln. Man kann viele Fehler machen.

[00:49:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben da ganz speziell Probleme damit, auch wenn sie nicht
unbedingt eine Dyslexie haben.

[00:49:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Schulkollegin, die unterrichtet Französisch.

[00:49:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch ist eine melodiöse Sprache. Diese Kinder müssen das Französisch über
das Reden lernen, über die Melodie.

[00:50:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in den Fluss reinkommen von der französischen Melodie. Dann haben sie
mehr Freude daran. Zuerst französische Lieder singen.

[00:50:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sagt man: Zweisprachigkeit ist natürlich ein Vorteil für Kinder,
dreisprachig noch besser.

[00:50:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht speziell begabt ist in der Sprache, dann ist es eher ein Nachteil.

[00:50:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es besser, wenn man weniger Fremdsprachen gleichzeitig lernt.

[00:50:40.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, dass für ADHS/ADS Kinder das Lernen von zwei oder mehr
Fremdsprachen, Französisch, Englisch, Deutsch und Schweizerdeutsch eine
Überforderung sein kann.

[00:51:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen dürfen mehr Freiheit walten lassen.

[00:51:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle fest, dass die Lehrpersonen ihre Freiräume nicht ausnützen.

[00:51:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so stark der Bürokratie folgen, mehr der Situation folgen. Das Resultat zählt. Es
zählt nicht, ob wir jetzt alles brav gemacht haben, wie uns vorgeschrieben worden ist.

[00:51:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dem Papiertiger folgen, sondern der Realität und ein gutes Resultat mit den
Kindern erreichen.

[00:51:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Lehrerin wurde kritisiert, dass sie zu viel Wohlfühl Stimmung macht. Sie hatte
auch ein paar Krisen. Alle Eltern waren sehr zufrieden mit ihr. Die schwierigen Schüler
hat sie mir mit besprochen.

[00:52:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind zählt mehr als der Paragraf.

[00:52:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich den Freiraum zu nutzen. Schlussendlich kommt es auf das Kind an
und nicht auf unsere Vorschriften.

[00:52:39.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule muss für das Kind da sein und nicht das Kind für die Schule.

[00:52:57.640] – Bemerkung 1
Als Lehrperson sind wir im Spagat wie man das machen soll im Schulsetting und wie ist
das später in der Welt?

[00:53:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: das ist anders. Das ist bei uns anders.

[00:53:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Ausländerkinder.

[00:53:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Klassen mit 90% Ausländerkinder und 10% Schweizer Kinder. Die Schweizer
haben ihre Kinder rausgenommen. Die Eltern haben angefangen Albanisch-
Schweizerdeutsch zu sprechen. Sie haben den Tonfall der Albaner angenommen.

[00:54:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen klar sagen: bei mir im Klassenzimmer wird so umgegangen, wird so geredet.
Auf der Gasse sprichst du vielleicht anders. Hier möchte ich es so.

[00:54:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass wir es alle richtig machen. Es geht darum, dass wir die
Unterschiede anerkennen.

[00:54:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir läuft es so, bei dir zu Hause läuft es vielleicht ein bisschen anders.

[00:54:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann auch das Umgekehrte, dass Mütter von Akademiker Kindern sagen: da ist
eine brutale Sprache.

[00:54:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ist zum Teil da. Die Sprache ist mehr brutalisiert worden, was nicht heisst, dass
sie als Lehrerin so reden müssen.

[00:54:41.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht redet man ein bisschen burschikoser.

[00:54:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Unterschied aufzeigen.

[00:54:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr wohl lernen: in der Schule läuft es so und zu Hause läuft es so.

[00:54:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass man die gleichen Regeln überall hat.

[00:54:52.870] – Bemerkung 2
Bei uns herrscht ein sehr geschützter Rahmen. Wie soll man mit den Kindern reden?
Aber die Welt funktioniert nicht so.

[00:55:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind lernt nicht besser laufen, wenn man es schon mit zwei Monaten auf die
Beine stellt.

[00:55:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind darf den geschützten Rahmen haben.

[00:55:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind kann man auch sagen: bei uns gibt es einen geschützten Rahmen. Ich kann
dich im geschützten Rahmen nicht vorbereiten auf die böse Welt.

[00:55:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind bei ihnen einen guten, geschützten Rahmen hat, dann nimmt das Kind
mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstsicherheit mit, in der Welt zu bestehen.

[00:55:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht die Mutter.

[00:55:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter das Kind überall beschützt, dann ist es nicht tauglich für die Welt.

[00:56:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: ich will einen gepflegten Rahmen, damit du stark wirst.

[00:56:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Darauf kann man Bezug nehmen.

[00:56:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Draussen läuft es nicht immer so einfach.

[00:56:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Lehre läuft es ein bisschen anders.

[00:56:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Darum bleiben viele Kinder in der Schule. Dort haben sie immer noch den geschützten
Rahmen.

[00:56:25.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 20 Jahren gehen sie dann in die böse Welt hinaus.

[00:56:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Lehrperson dürfen ihren gepflegten Rahmen behalten. Sie sollen das auch.

[00:56:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind nicht besser auf die Welt vor, wenn sie schon die Rauheit
verkörpern.

[00:56:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab einen groben Lateinlehrer, der sehr mit dem Herz dabei war. Die Schüler haben
den Lehrer bewertet. Der Lehrer hat ein Kind mit dem Fuss getreten. Das haben alle
gesehen. Der war sonst so engagiert, die haben den Lehrer sehr gut bewertet.

[00:57:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt nicht auf die einzelne Handlung darauf an.

[00:57:40.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die Grundhaltung, welche man zum Kind hat.

[00:57:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind nicht auf die schreckliche Welt vorbereiten.

[00:57:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind besser vor, wenn sie sozial, menschlich gepflegt, wohlwollend,
zusammenarbeitend vorgehen.

[00:57:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Pflegen sie die sozialen Regeln.

[00:58:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht der intelligenteste hat immer Recht.

[00:58:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt mehr auf das soziale Benehmen an. Das ist wichtiger. Damit kommt man
weiter.

[00:58:11.320] – Bemerkung 3
Erziehung mit Bestrafung funktioniert bei den ADHS/ADS Kindern nicht. Wie funktioniert
Belohnung bei einem ADHS/ADS Kind?

[00:58:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Generell sage ich, weder Belohnung noch Bestrafung.

[00:58:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist eigentlich, wenn sie eine gute Beziehung haben zum Kind und wenn
sie Freude haben.

[00:58:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf Franken für eine gute Note finde ich keine gute Idee.

[00:58:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder lernen eigentlich von sich aus gern.

[00:59:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll etwas Natürliches sein. Das muss nicht mit Geld oder mit Süssigkeit berappt
werden.

[00:59:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch nicht für die Smilies Strategie.

[00:59:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn die Lehrerin Freude hat, dass es gut gemacht wurde und sagt: da
hast du dich super verbessert und wir können noch an dem arbeiten.

[00:59:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist die Beziehung.

[00:59:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, sie dürfen es nicht verwenden. Sie sind frei.

[00:59:56.500] – Bemerkung 4
Wie soll man mit der Mathematik umgehen?

[01:00:01.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Lerntherapeutinnen, Legasthenietherapeutinnen.

[01:00:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Lerntherapeuten für die Mathematik.

[01:00:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule in Zürich, ist das offensichtlich noch nicht so bekannt.

[01:00:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wehrt sich gegen die Lerntheraphie.

[01:00:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind zu einem Lerntherapeuten schicken, zu einer Aufgabenhilfe.

[01:00:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau haben wir Aufgabenhilfe, wo man nach der Schule noch lernen kann.

[01:00:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Student nehmen.

[01:00:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich besser, wenn es ein Lerntherapeut ist, weil der besser weiss, wo es
knackt.

[01:00:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen extra Coaches.

[01:00:58.070] – Bemerkung 5
Kann man die auch einfach im 1:1 begleiten? Wir können das auch selber anbieten.

[01:01:07.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wunderbar.

[01:01:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn das Kind nicht allzu viele Bezugspersonen hat.

[01:01:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Klasse das Kind vorführen, das geht nicht.

[01:01:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn bei Freddy Knie etwas mit den Pferden nicht geht, dann lässt er es sein und
versucht es ein anderes Mal wieder.

[01:02:06.380] – Bemerkung 6
Ganz individuell.

[01:02:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind mit seinem Nichtkönnen nicht der Klasse vorführen. Das ist eine riesige
Beschämung und dann rechnet man nie mehr.

[01:02:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut.

[01:02:28.890] – Bemerkung 7
Wenn die Kinder zu uns kommen, haben sie die Beschämung meistens schon erlebt.

[01:02:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man nicht wiederholen.

[01:02:38.130] – Bemerkung 8
Wie kann man den Frust knacken? Wir haben viele, die Mathematik nicht mögen.

[01:02:42.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind nicht so gut in der Mathe, wird gesagt. Ein Mathelehrer sagte mir, dass
alle gleich sind. Es liegt am Lehrer.

[01:02:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mathe muss man jeden Schritt mitmachen. Wenn man einen Schritt verpasst,
fällt man raus.

[01:03:10.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache kann man immer wieder reinkommen. Bei der Mathematik nicht.

[01:03:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind nicht aufpasst, verpasst es einen Schritt, dann verpasst es
den Anschluss.

[01:03:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Einzelbegleitung lohnt sich. Die Schritte einzeln durch gehen lohnt sich.

[01:03:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Kind etwas nicht gut kann, weicht man aus und lässt das weg.

[01:03:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Demostenes hatte einen Sprachfehler. Er hat Kieselsteine in den Mund genommen.
Damit hat er gegen das Meer geredet.

[01:03:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du etwas lernst, das du nicht so gut kannst, bist du danach doppelt stolz, wenn
du es kannst. Den Ehrgeiz kann man motivieren.

[01:04:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es doch kann, hat man Freude.

[01:04:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Joe Biden war ein Stotterer. In den Sommerferien hat er geübt fliessend zu reden.

[01:04:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man das Kind dazu motiviert, weisst du, es ist an sich eine grössere Leistung,
wenn du das jetzt mit mir zusammen übst, wo du ein bisschen mehr Mühe damit hast.

[01:04:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du es kannst, dann hast du doppelte Freude.

[01:04:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Freude am Lernprozess.

[01:05:01.050] – Bemerkung 9
Von welchem Fokus sprechen sie?

[01:05:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe viel mit Erwachsenen um. Der Berufsfokus, was interessiert mich.

[01:05:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern: was interessiert das Kind?

[01:05:27.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern sagen oft: wenn das Kind nicht gut in der Schule ist, darf es nicht in den Fussball
gehen, wo es gerne geht.

[01:05:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterhin in den Fussball gehen.

[01:05:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind das wegnimmt, was es gerne tut, macht es das andere noch
weniger.

[01:05:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das wegnehmen, was das Kind gerne macht, sondern das behalten.

[01:05:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivierend: hier können wir noch zusammen üben. Du hast Freude, wenn du es dann
kannst.

[01:06:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, welche ein Hobby haben: Klavier spielen, Geige spielen, Sport, Fussball, die
halten sich dann immer an dem, was sie gerne machen und das ihnen ein gutes
Selbstwertgefühl.

[01:06:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können Profifussballer werden. Nicht alle werden grosse Geigenspieler.

[01:06:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas finden, was das Kind gerne macht.

[01:06:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig machen die Eltern zuviel mit den Kindern.

[01:06:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber weniger tun, dafür das intensiver.

[01:06:48.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, dass Kinder keine Freizeit mehr haben zum spielen.

[01:06:48.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Kinder selber nicht mehr beschäftigen können, sind sie nur noch am
Handy.

[01:06:56.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer die intrinsische Motivation beim Kind finden.

[01:07:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es noch keinen fixen Fokus, sondern die intrinsische Motivation.

[01:07:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Miteinander, nicht einfach: wir machen jetzt das.

[01:07:19.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gruppenunterricht wird das und das gemacht.

[01:07:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Individualunterricht, in der Lerntherapie, du willst oder du solltest besser das lernen.
Wie machen wir das, dass das spassig ist?

[01:07:35.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Spass hat am Lernen, dann lernt man auch besser.

[01:07:46.440] – Bemerkung 10
Wir haben einige Borderline Mütter. Dort stehen wir an in der Zusammenarbeit mit
ihnen. Man kommt in der Auseinandersetzung nicht weiter. Sie sind wie resistent.

[01:07:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet. Wenn ich eine Borderline-Patientin habe,
dann frage ich immer: wie war ihre Jugend?

[01:08:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mich getrauen, als Fachperson zu fragen: wie haben sie die Schule erlebt
und wie sind sie erzogen worden?

[01:08:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben dort alle ein Defizit.

[01:08:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sagen: es geht mich nichts an. Doch es geht einem etwas an. Man will
etwas für das Kind.

[01:08:40.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter fragen: wie hat ihre Mutter ihnen geholfen, wenn sie Schwierigkeiten hatten
in der Schule?

[01:08:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer nach der Beziehung zwischen Mutter und Grossmutter fragen.

[01:08:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Beziehung anschauen und sagen: aha, dann verstehe ich.

[01:09:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patienten sind Menschen, denen alles ein bisschen misslungen ist. Sie
bekommen nicht viel Akzeptanz. Sie machen immer alles falsch.

[01:09:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher wollen sie, dass ihre Kinder es ganz speziell gut machen.

[01:09:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann oft überengagierte Mütter oder vernachlässigende.

[01:09:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wechselt es hin und her. Überengagiert, vernachlässigend, überengagiert.

[01:09:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ein bisschen entlasten von dem Überengagierten und ein bisschen
Verständnis haben, wie sie zu kurz gekommen sind.

[01:09:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: haben sie jetzt eine Freundin oder eine Tante oder
irgendjemand, der ihnen ein bisschen den Rücken deckt? Man muss ihnen dann ein
bisschen helfen.

[01:09:51.440] – Bemerkung 11
Haben sie erlebt, dass die Veränderungen machen konnten?

[01:09:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja!

[01:10:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Borderline Frau hat ihre Kinder weg gegeben. Die waren in einer Pflegefamilie. Wir
haben die Kinder zurück geholt. Beide Kinder Kinder haben eine Lehre gemacht.

[01:10:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das merken, wenn sie merken: nicht auf die Mutter los gehen, der Mutter ein
bisschen Unterstützung geben, dann haben sie schon sehr viel gemacht.

[01:10:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten.

[01:10:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Prävention der ersten Stunde.

[01:10:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Borderline Mütter sind, versuche ich immer auf die Grossmutter Bezug zu
nehmen und dort ein wenig zu helfen, das ein wenig zu flicken.

[01:10:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die vorgehen, sondern ein Schritt zurück gehen und fragen: wie haben sie
es gehabt.

[01:10:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde frage ich immer: was sind die Erziehungsmethoden von ihrer
Mutter, von ihrem Vater gewesen?

[01:11:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Was für Wertvorstellungen haben sie gehabt? Was ist ihnen wichtig gewesen? Auf was
haben sie geschaut?

[01:11:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich schon ein besseres Verständnis.

[01:11:18.490] – Bemerkung 12
Verhalten aufzuzeigen, das bringt nicht sehr viel?

[01:11:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Indirekt, in dem sie über die Grosseltern fragen vom Kind, kommen sie besser an die
Person ran. Dann haben sie eine beruhigende Wirkung dort.

[01:11:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Verhalten aufzeigt, was sie schlecht machen, das erinnert mich fast so
ein bisschen an, früher, wenn Hunde reingemacht haben, hat man ihnen die Nase in
ihren Urin gedrückt.

[01:11:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war gang und gäbe. Heute sagt man: ganz falsch.

[01:11:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Du machst etwas falsch! Auf das sind sie sehr allergisch.

[01:12:09.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich habe herausgefunden, dass wenn ich so und so mit dem Kind
umgehe, geht es besser. Haben sie das auch schon beobachtet?

[01:12:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich immer: Ich schaue schon, das ist mein Zimmer.

[01:12:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen die Eltern, wie ich mit dem Kind umgehe.

[01:12:25.270] – Bemerkung 13
Man kann sie so ein bisschen ranholen.

[01:13:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie mal mit dem Kind in einer Stunde drinnen sein? Dann sehen sie, wie es läuft.

[01:13:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern. Nicht sagen: du machst es falsch, du musst es
besser machen. Dann wird man sofort zur Konkurrentin der Mutter. Das ist nicht gut.

[01:13:10.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf alles, wenn es einem hilft.

[01:13:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt eine grosse Rolle, wie man selber erzogen wurde, wie man dann mit seinen
Kindern umgeht. Das wird weiter gegeben. Das können sie durchbrechen.

[01:13:45.340] – Bemerkung 14
Ab welchem Alter macht das Coaching Sinn und macht es auch Sinn, als Eltern von
einem Kind mit ADHS/ADS das Coaching zu machen?

[01:14:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man die Eltern Coachen. Nur die Eltern Coachen. Die Eltern sind am
meisten um das Kind herum.

[01:14:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer können sich Coaching holen: wie gehe ich mit dem ADHS/ADS Kind um?

[01:14:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird von den Eltern und vom Lehrer erzogen. Die müssen das Coaching
machen. Das Kind braucht keinen extra Coach.

[01:14:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch gar nicht für die Therapie vom Kind.

[01:14:45.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterstütze nur das Umfeld.

[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal bringen die Eltern das Kind mit. Ich sehe die Interaktion.

[01:14:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Kindertherapeutin.

[01:14:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde das Kind nie alleine therapieren.

[01:15:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal lasse ich die Eltern das Kind mitbringen, dann frage ich das Kind aus, habe
noch einen besseren Überblick.

[01:15:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht das Kind beraten.

[01:15:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen Bezugspersonen soll man beraten, coachen, damit sie lernen, mit
dem neurodivergenten Kind geschickter umzugehen.

[01:15:20.080] – Bemerkung 15

Wie sieht das bei den Teenagern in der Pubertät aus?

[01:15:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch.

[01:15:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet.

[01:15:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer die Eltern reingeholt.

[01:15:34.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade in der Teenager-Phase ist es ganz wichtig, dass die Eltern lernen, mit den
Teenagern umzugehen.

[01:15:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten beginnen im Teenageralter.

[01:15:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort läuft es schief.

[01:15:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich nicht das Kind korrigieren. Ich muss das Umfeld korrigieren, damit das
Umfeld mit den neurodivergenten Teenagern umgehen kann.

[01:16:00.730] – Bemerkung 16
Wie ist es mit der Medikation, Methylphenidat? Das ist auch eine Therapieform.

[01:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Methylphenidat und alle die ähnlichen Medikamente sind Stimulanzien. Die bewirken im
Gehirn, dass man mehr gestresst ist. Wenn man mehr gestresst ist, fokussiert man sich
mehr. Das hilft dem Gehirn, sich besser zu fokussieren.

[01:16:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson sagt: du musst das Medikament nehmen.

[01:16:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen: nein, das will ich nicht.

[01:16:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern dürfen bestimmen, ob das Kind Medikamente nehmen muss oder nicht.

[01:16:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch.

[01:16:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe nicht nur als Erstes.

[01:16:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem erwachsenen Pärchen nehmen es beide. Das ist für die wie Tag und Nacht,
die haben Freude. Dem Kind wollen sie es noch nicht geben.

[01:16:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind schon sehr früh Ritalin gibt, dann werden all diese kreativen
Fähigkeiten verdrückt.

[01:17:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind all diese Reaktionen ein Feedback: es läuft etwas nicht ganz richtig.

[01:17:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mutter von dem Kind, die macht jetzt Homeschooling und geht raus in den Wald.

[01:17:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kontrolle kam nach Hause. Das Kind hat einen Vortrag vorbereitet, er hat das
perfekt gemacht und die waren total beeindruckt. Das Kind war nachher kaputt.

[01:17:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHS/ADS Kinder konzentrieren müssen, kostet sie das mehr Energie als
bei einem Normotyp.

[01:17:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen immer alle ihre Schafe sammeln, damit die an das richtige Ort gehen.

[01:18:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Medikamenten kann es gut sein, dass die Note um einen Punkt hoch geht.

[01:18:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man in der Schule lernt, ist nicht alles.

[01:18:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Lernen ist auch wichtig, das Kreative ist auch wichtig.

[01:18:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Abwägen.

[01:18:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keinen Eltern oder keinem Kind Methylphenidat.

[01:18:27.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht als erstes: das ist die Lösung.

[01:18:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer das Umfeld dazu zu bringen, dass es lernt, mit dem Kind
umzugehen.

[01:18:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Noten noch nicht so wichtig sind und wenn es dem Kind egal ist, wenn es nur
einen Vierer hat, ist es okay.

[01:18:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ja durch.

[01:18:46.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den ehrgeizigen Eltern nachrennen.

[01:19:03.090] – Bemerkung 17
Bei uns geht es um den sozialen Stress. Dort hat es einen Erleichterung gegeben.

[01:19:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das soziale Setting?

[01:19:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Bergkantonen, waren die Kinder früher auf der Weide.

[01:19:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Reiche Familien haben sie auch auf Weide getan.

[01:19:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist alles durchgetaktet. Die Kinder haben weniger Zeit um einfach zu spielen,
nichts zu machen.

[01:19:24.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Die heutigen Kindern sind zu stark eingeengt.

[01:19:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht man wieder Waldschule, Erlebnispädagogik, etc. Dort kommt es wieder
rein.

[01:19:57.090] – Bemerkung 18
Unsere Kinder sind eher im Vakuum. Die Eltern haben kein Freizeitverhalten.

[01:20:18.220] – Bemerkung 18
Die Geschichte unserer Kinder hat sich über die Jahr verstärkt.

[01:20:24.390] – Bemerkung 18
Wir haben das Know-How nicht, um die ganzen familientherapeutischen Sachen zu
machen.

[01:20:44.700] – Bemerkung 18
Das ist ein Dilemma.

[01:20:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von wohlhabenden Eltern haben in den Sommerferien unterschiedliche
Aktivitäten.

[01:20:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Organisieren die Schulen nichts?

[01:21:18.980] – Bemerkung 19
Es geht um die Finanzierung.

[01:21:19.100] – Bemerkung 19
Für gewisse Mädchen ist es schwierig irgendwohin zu gehen.

[01:21:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann eine Auszeit organisieren im Val Müstair. Das ist eine andere Gegend. Eine
Auszeit bei Bauern, eine andere Aufgabe. Das ist ein Sozialprogramm.

[01:22:08.890] – Bemerkung 20
Das ist eine gute Idee.

[01:22:09.080] – Bemerkung 21
Es beginnt im Alltag. Sie kommen Abends nach Hause und versumpfen an ihrem
Smartphone. Das Freizeitsverhalten ist gleich null. Die sozialen Beziehungen fehlen
auch.

[01:22:09.290] – Bemerkung 21
Das mit der intrinsischen Motivation ist ein grosses Thema.

[01:22:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand muss mit den Kindern private Projekte begleiten.

[01:22:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie nicht noch zusätzlich tun. Dazu braucht es noch andere Leute.

[01:22:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab der Pubertät kommt es manchmal ein bisschen.

[01:22:51.320] – Bemerkung 22
Wir sind in einem Schulinternat. Unsere Mädchen haben gar keine Peers. Sie haben die
Herkunftsfamilie im System und sonst kennen die niemanden.

[01:23:10.010] – Bemerkung 22
Es gibt noch Vereinstätigkeiten.

[01:23:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie die Organisation Shelter Schweiz?

[01:23:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.shelterschweiz.ch/

[01:23:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Familienorganisation, welche Kinder platziert, die nicht zu Hause bleiben
können. Das ist weil es nicht funktioniert. Vielleicht bieten die auch Ferienplätze an.

[01:23:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Jugendliche wollte ich in den Landdienst und ging auf Grindelwald zu einer
Bergbauernfamilie. Ich war dort für vier Wochen.

[01:24:15.020] – Bemerkung 23
Es gibt einzelne Anbieter. Es immer finanziell eine Geschichte. Die sind immer gut
ausgebucht. Man muss weit im voraus planen. Für das Kind kann man nicht so weit
planen.

[01:24:33.380] – Bemerkung 24
Wir arbeiten auch mit Entlastungsfamilien, wenn es zu Hause viel zu Krisen kommt. Es
ist schwierig diese Plätze und die Finanzierung dafür zu bekommen.

[01:24:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen sie zu den Entlastungsfamilien?

[01:24:55.820] – Bemerkung 25
Wir haben welche, mit denen wir bereits zusammenarbeiten. Es gibt auch externe
Anbieter. Wer hat Platz und wer nicht?

[01:25:04.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel haben sie da?

[01:25:10.020] – Bemerkung 26
Zur Zeit ca. drei. Die sind an die Mädchen gebunden und gehen über das KESB, die
Beistandschaften. Wir haben nur den Schulauftrag.

[01:25:31.420] – Bemerkung 26
Weil sie in der Schule aufgefallen sind, kommen sie zu uns.

[01:25:34.300] – Bemerkung 26
Nach der letzten Massnahme kommen die zu uns.

[01:25:53.420] – Bemerkung 27
Die sozialen Interaktionen fallen den Mädchen schwerer.

[01:26:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, Mädchen sind da vorsichtiger.

[01:26:11.590] – Bemerkung 28
Was heisst Freundschaften zu pflegen? Die werden einem nicht vorgelebt.

[01:26:13.600] – Bemerkung 28
Die Eltern sind selber nicht in der Lage ihre Probleme zu lösen.

[01:26:46.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre gut, wenn sie Zugriff auf Ferienprogramme hätten, die nicht wahnsinnig teuer
sind.

[01:27:07.120] – Bemerkung 29
Ich habe noch eine Frage zur intrinsischen Motivation. Wie kann man diese wecken?

[01:27:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind zuerst gut erfassen, was es für ein Typ ist. Wofür interessiert sich
das Kind? Was macht das Kind nicht gerne? Dann darf man das Kind ein wenig necken.
Das ist bei jedem Kind anders.

[01:27:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken muss auch zu ihnen passen.

[01:27:55.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Thema gerne haben, lustig finden, interessant finden. Es muss auch zu
ihrem Typ passen.

[01:28:01.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder merken sofort, wenn etwas gespielt ist. Sie sind speziell sensibel auf
Unehrlichkeit. Man muss diesen Kindern gar nichts vormachen.

[01:28:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für die Borderline Personen.

[01:28:52.358] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen es lustig haben mit ihnen.

[01:28:53.420] – Bemerkung 30
Geht ADHS/ADS/ASS alles unter einen Hut der Neurodivergenz?

[01:29:14.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[01:29:24.550] – Bemerkung 30
Man klärt dann noch ganz viel ab.

[01:29:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde das absolut unnötig.

[01:29:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kostet viel Geld, ist viel Aufwand und es kommt immer wieder das gleiche raus.

[01:29:53.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn kann verschiedene Varianten von Dysfunktionen
machen. Es geht immer um das Gehirn.

[01:29:54.070] – Bemerkung 31
Das wollte ich noch einmal hören.

[01:29:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen immer eine Diagnose haben.

[01:29:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch den Ehrgeiz, wenn man eine seltene Diagnose findet, kann man seinen
Namen dran hängen.

[01:30:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt.

[01:30:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[01:30:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat im zweiten Weltkrieg versucht die Kinder zu beschützen, damit sie nicht
umgebracht werden.

[01:30:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte, dass die alle ganz wahnsinnig gescheit sind. Er nannte das Asperger.
Asperger ist ASS, Autismus Spektrum-Störung.

[01:30:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute möchte man auch von der ADHS/ADS Spektrum-Störung sprechen.

[01:31:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht auch von ADHS ohne Hyperaktivität.

[01:31:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von ADHS/ADS.

[01:31:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss bei allen beobachten, interagieren und schauen was geht.

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Wie schätzen sie das PDA (Pathological Demand Avoidance) ein?

[01:31:34.668] – Bemerkung 32
https://en.wikipedia.org/wiki/Pathological_demand_avoidance

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Die darf man ja nicht unter Druck setzen. Ich darf nicht direkt etwas fragen.

[01:31:35.030] – Bemerkung 32
Bei uns sind die ganzen Systeme lahm. Alles hat eine lange Geschichte.

[01:31:36.230] – Bemerkung 32
Soll man nach dem PDA Prinzip arbeiten.

[01:32:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, dann fördert man die Pathologie.

[01:32:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre gesunde Sensibilität verwenden.

[01:32:14.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die weichen aus. Jedes Kind weicht aus, wenn es etwas nicht so gut kann.

[01:32:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Beziehung zu einem Kind haben, können sie sich alles leisten, wenn sie
selber ihre Sensitivität verwenden.

[01:32:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nach einem Programm vorgehen.

[01:32:34.610] – Bemerkung 33
Gewisse Schülerinnen kommen sehr unregelmässig. Das geht in den
Schulabsentismus rein. Da stehen wir an.

[01:33:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind viel fehlt, muss man nach Hause gehen und versuchen herauszufinden
wieso das Kind fehlt.

[01:33:26.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist Ausweichverhalten, weil das Kind etwas nicht kann. Das andere ist
Ausweichverhalten, weil das Kind mit einem Klassenkollegen Probleme hat. Vielleicht
will es die Lehrerin nicht enttäuschen.

[01:33:58.970] – Bemerkung 34
Wie gehe ich mit dem Ausweichverhalten um?

[01:34:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes fragen: was ist der Grund, wieso du ausweichst? Wem gehst Du aus dem
Weg?

[01:34:19.660] – Bemerkung 34
Ihr fällt die soziale Interaktion in der Gruppe sehr schwer.

[01:34:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Lehrer begleitet in der BEZ.

[01:34:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge ist immer ausgewichen.

[01:34:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten ein Sitzung mit der Klassenlehrperson, den Eltern und der Schulleitung, ohne
Kind.

[01:34:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorgeschlagen, dass immer ein Kind der Klasse den Jungen begleitet. Ein
Tutor, der neben ihm sitzt, ihn beschützt, ihn begleitet und auch ein bisschen kritisieren
darf. Die Mädchen haben begonnen. Die ganze Klasse hat mitgemacht. Er war immer
im Zweierpack mit jedem zusammen.

[01:35:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines Tages ist er wieder geflüchtet. Das war eine Turnstunde. Ein Mädchen hätte ihn
begleiten müssen, durfte aber nicht mitgehen.

[01:36:05.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mir dort in den Sinn gekommen.

[01:36:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gross sind ihre Klassen?

[01:36:17.360] – Bemerkung 35
6 Kinder wobei oft nur 3 kommen.

[01:36:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine kleine Gruppe.

[01:36:37.310] – Bemerkung 36
Die haben zum Teil ein sehr lange Diagnoseliste mit Ängsten, Zwängen und
Depressionen, Suizidalität, Selbstverletzungen. Wir kriegen die viel zu spät. Das
familiäre System ist auch am Anschlag.

[01:37:24.860] – Bemerkung 37
Das Kind hat das System im Griff, 15 Jahre alt.

[01:37:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lange muss die noch in die Schule gehen?

[01:37:44.560] – Bemerkung 38
Ein Jahr ist sie noch verfügt bei uns.

[01:37:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat das Kind für eine Begabung?

[01:37:58.570] – Bemerkung 39
Sprachen.

[01:38:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will das Kind werden?

[01:38:14.160] – Bemerkung 40
Das ist schwierig herauszufinden, den Fokus zu finden. Was will sie, was will der Vater?
Ursprünglich wollte sie Lehrperson werden.

[01:38:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, hier geht es um einen Fokus.

[01:38:33.760] – Bemerkung 41
Wenn man immer nur ausweicht, lernt man nichts.

[01:38:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht Ausweichverhalten.

[01:38:42.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in einer so kleinen Klasse ist, muss man ihr immer Aufgaben für zu Hause
geben. Was der Vater möchte, was die Mutter möchte.

[01:38:56.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie behalten die Beziehung zu ihr und geben ihr Heimaufgaben. Du machst mit dir
selber Homeschooling.

[01:39:14.900] – Bemerkung 42
Wir sind auf die andere Schiene gegangen, dass sie kommen muss und hier gefördert
wird. Wir stellen auch Veränderungen fest, dass sie ab und zu auch gerne kommt. Das
entlastet auch die Eltern.

[01:39:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand soviel Widerstand macht, macht man die paradoxe Verschreibung in der
Systemtherapie.

[01:39:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die paradoxe Verschreibung in diesem Fall ist: du musst jetzt zu Hause bleiben, ich
geben dir jeden Tag Aufgaben. Du darfst erst in die Schule kommen, wenn du dazu
bereit bist.

[01:39:53.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Eltern zu entlasten. Es wäre auch gut.

[01:40:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nur machen, wenn es für sie stimmt.

[01:40:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Faden nicht loslassen.

[01:40:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: wir haben jetzt abgemacht, dass du kommen musst. Du bist auch
gerne gekommen. Es hat dir auch etwas gebracht. Ich sehe, du schaffst es noch nicht
ganz selber. Ok, jetzt ändern wir die Strategie, jetzt bleibst du immer zu Hause, ich
gebe dir immer die Aufgaben und du musst sie mir dann bringen. Dann wird es
diskutiert.

[01:40:22.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie sich das vorstellen?

[01:41:00.350] – Bemerkung 43
Ich habe versucht ihr Vorstellungen ernst zu nehmen.d

[01:41:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es keine Auseinandersetzung.

[01:41:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Alter brauchen wir die Auseinandersetzung.

[01:41:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine bösartige Auseinandersetzung. Nicht: du bist falsch. Sondern: ich sehe es so.

[01:41:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich eine paradoxe Verschreibung zu machen?

[01:41:23.880] – Bemerkung 44
Das wäre eine Variante. Das nehme ich mit für das Gespräch.

[01:41:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab jetzt bleibst du zu Hause. Es macht dir so viele Schwierigkeiten in die Schule zu
kommen. Ich will dir nicht weh tun. Du sagst, wann du bereit bist.

[01:41:48.900] – Bemerkung 45
Man muss nicht das Kind therapieren, sondern die Eltern.

[01:41:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist bereits 16 Jahre alt.

[01:41:53.980] – Bemerkung 46
Wieviel Sinn macht es, auch mit den Eltern, dem System zu arbeiten?

[01:42:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht immer Sinn.

[01:42:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Eltern informieren: ich wechsle jetzt, ich mache es jetzt so. Wenn das
Kind bereit ist, darf es kommen. Das wäre dann intrinsisch motiviert.

[01:42:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen es den Eltern. Sie machen das nur mit dem Kind ab.

[01:42:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mal schauen ob die intrinsische Motivation kommt.

[01:42:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es dann interessanter in der Schule zu sein, als zu Hause.

[01:42:48.730] – Bemerkung 47
Wie lange gibt man dem Kind Zeit? Wann verliert man den Faden, wenn das Kind zu
Hause bleibt.

[01:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Faden über die Hausaufgaben muss bleiben. Das geht heute, mit all den
technischen Mitteln.

[01:43:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass es für sie interessant ist.

[01:43:46.940] – Bemerkung 48
Die Systeme mögen nicht mehr tragen zu Hause. Das finde ich ein Dilemma.

[01:44:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann man sagen: gibt es ein Starbucks, wo sie die Aufgaben machen kann?

[01:44:05.280] – Bemerkung 49
Oder in die Bibliothek senden.

[01:44:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja klar, in die Bibliothek. Die Studenten machen das auch so. Du erträgst die Schule
nicht, du gehst in die Bibliothek und machst dort die Aufgaben.

[01:44:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie in Bezug bleiben und etwas verlangen von ihr. Sie dürfen nicht
aufgeben. Sie geben ihr eine neue Idee und sagen: ich bin gespannt, was du aus dem
machst.

[01:44:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran glauben.

[01:44:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gespannt sind, was sie daraus macht, ist eine Neugier vorhanden. Das ist gut
für sie.

[01:44:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal Aufgaben geben, die mehr dem Vater passen und einmal Aufgaben geben die
mehr der Mutter passen. Dann schauen was geschieht.

[01:45:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist die Interaktion. Sonst bleibt man stehen. Sie dürfen alles erfinden. Die
Kreativität ist wichtig.

[01:45:30.470] – Bemerkung 50
ADHS/ADSler darf man nicht zu eng führen. Wir führen die Mädchen sehr streng. Sie
müssen die Regeln einhalten. Das kann psychische Krankheiten auslösen.

[01:46:00.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist noch schwierig. Da sind sie an einem blöden Punkt.

[01:46:15.130] – Bemerkung 50
Die Beziehung ist wichtig.

[01:46:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer wieder in die Auseinandersetzung gehen und nicht in Gehorsam.

[01:46:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben strenge Regeln. Keine Regel ohne Ausnahme. Ab und zu macht man eine
Ausnahme, meistens nicht. Da müssen sie schauen.

[01:46:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dich jetzt ganz alleine hätte, dann könnte ich das alles zulassen. Aber wir sind
da diese Institution und da funktionieren wir nicht, wenn wir nicht gewisse Regeln
haben.

[01:46:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sich alle ein bisschen daran halten.

[01:46:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass du das lernst.

[01:47:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Kindern, welche nicht ausziehen wollen oder die nichts machen, sage ich: was
denkst du, wie lange du hast, bis du das gelernt hast?

[01:47:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, es ist für dich schwierig, Regeln zu lernen, aber wir müssen alle Regeln
lernen.

[01:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkst du? 20 Jahre? Bis ans Lebensende. Dann langsam runter kommen.

[01:47:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Es wird ein Wetten.

[01:47:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: ich will dass!

[01:47:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu fest diesen Druck, sondern miteinander ein bisschen wetteifern.

[01:47:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf das Mädchen und sie darauf an.

[01:47:39.920] – Bemerkung 51
Ich finde wir sind hoch präsent und es gibt einen Rahmen. Ich finde, das ist ein
Unterschied.

[01:47:50.060] – Bemerkung 51
Bei einem Haufen ADHS/ADSler braucht man diesen Rahmen. Viele kriegen
Unterstützung im sozialen. Sonst läuft es aus dem Ruder.

[01:47:58.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.

[01:48:17.420] – Bemerkung 52
Das ist mein Schulzimmer, ich will, dass es in meinem Schulzimmer so läuft und
"Regeln".

[01:48:31.900] – Bemerkung 52
Respektvoller Umgang ist eine Regel und auch eine innere Haltung. Das ist fluid.

[01:48:46.400] – Bemerkung 52

Sobald du es erklären kannst, dass es aus einer inneren Haltung kommt, ist es für das
Kind auch objektiv.

[01:48:48.130] – Bemerkung 52
Wenn es einfach heisst: ich will das jetzt so, weil ich das so will, dann ist das etwas
anderes. Weil es so ist.

[01:49:01.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln muss persönlich vertreten sein. Absolut. Sonst geht es nicht. Sie muss total
persönlich vertreten sein.

[01:49:09.180] – Bemerkung 53
Es ist wichtig für dich, dass du das lernst, weil du das später brauchst.

[01:49:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, ob der Augenkontakt vorhanden ist oder nicht.

[01:49:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen und dann warten. Merkst du was ich meine? Überleg es dir mal und morgen
sprechen wir wieder darüber.

[01:49:41.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ewig lange warten, bis sie es haben.

[01:49:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotional Geduld haben, dass es rein geht.

[01:50:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte zu mir: ich war konsequent inkonsequent.

[01:50:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Das funktioniert nicht. Nicht drücken.

[01:50:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit lassen, dass es das Kind bei sich selber intrinsisch einbauen kann.

[01:51:26.420] – Bemerkung 54
Unsere Schule sagt, das ist eine Behinderung.

[01:52:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit der Behinderung ist alles eine Definitionssache.

[01:52:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im medizinischen System oder im regulären Schulsystem sagt man dem: Behinderung.

[01:52:14.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen es als Neurodiversität, als Unterschied an.

[01:52:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Veranlagung ist einerseits eine Handicap oder ein Plus.

[01:52:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen: inwiefern ist es ein Plus?

[01:52:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler wünschen, dass sie es nicht haben, dann würden sie nicht alles
merken, dann würden sie nicht so stark leiden.

[01:52:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Vorteil hat auch einen Nachteil.

[01:52:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Das medizinische System bezeichnet es als Behinderung.

[01:52:51.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bezeichnen es als anders, als Neurodiversität.

[01:52:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Evolution wäre nicht vorwärtsgekommen, wenn man nicht so viele
unterschiedlichen Menschen gehabt hätte.

[01:53:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles hat seine Vor-und Nachteile.

[01:53:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur auf die Nachteile fokussieren oder man kann auf die Vorteile fokussieren.

[01:53:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier arbeite ich jetzt mit meinem Nachteil aber ich nütze auch meinen Vorteil.

[01:53:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Glas ist halb voll oder halb leer.

[01:53:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizinisch ausgedrückt ist das Glas immer halb leer, pädagogisch ausgedrückt ist es
halb voll.

[01:53:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben weiter.

[01:53:46.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Weg ist das Ziel. Wir haben es beide interessant.

[01:53:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass eine interessante Interaktion läuft.

[01:54:14.560] – Bemerkung 55
Die Eltern sagen immer: das ist eine Schule für Behinderte.

[01:54:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein alter Ausdruck. Der moderne Ausdruck ist, das ist eine Schule für
neurodivergente Kinder.

[01:54:30.260] – Bemerkung 56
Das ist ein Hinterfragen von uns.

[01:54:46.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin macht immer Symptombekämpfung.

[01:55:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alle negativen Symptomen bekämpfen, hier funktioniert das medizinische
Modell nicht richtig.

[01:55:07.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von der Neurodiversität. Wir sind eine Schule für neurodivergente Kinder. Wir
wollen denen eine Möglichkeit geben, dass sie sich in diesem Umfeld entwickeln
können.

[01:55:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht die Behinderung wegmachen.

[01:55:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Neurodivergenz umzugehen.

[01:55:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Silicon Valley hat es lauter ADHS/ADSler.

[01:55:39.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk ist ein Autist. Er hat sehr viel Geld verdient.

[01:55:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Richard Branson ist aus allen Schulen geflogen. Er hatte wohlhabende Eltern, die
standen immer hinter ihm.

[01:55:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Mozart war ein ADHS/ADSler.

[01:55:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht behindert. Er war begabt. Sein Sohn wurde schizophren.

[01:56:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Schule können wir mit neurodivergenten Kindern besser umgehen. Wir sind
spezialisiert.

[01:56:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weg von dem Wort "behindert". Wir sind alle irgendwie behindert. Das ist immer eine
Sache der Betrachtung. Das ist Sprache.

[01:57:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit welchen Situationen haben sie am meisten Mühe?

[01:57:35.630] – Bemerkung 57
Wenn die Person zu introvertiert ist, vermeidend, verdrängend. Extrovertiert ist
einfacher.

[01:57:37.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Introvertierten muss man unglaublich geduldig werden.

[01:58:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Patient hat nicht gesprochen. Er hat sich auf die Couch gelegt. Das war eine
friedliche Stimmung. Die Mutter wollte, dass er unbedingt kommt.

[01:58:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat mir das beigebracht. Wenn man mit den Patienten nicht
weiterkommt, nichts mehr bewirken wollen, sondern einfach etwas lernen wollen.

[01:58:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere gut zu beobachten, aber ich will gar nichts bewirken.

[01:59:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab und zu darf man etwas sagen.

[01:59:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Mütter mit schwierigen Teenager sage ich: sie dürfen ihre Position beziehen, aber
sie dürfen nichts bewirken wollen.

[01:59:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind enorm sensibel, wenn man Druck auf sie aufsetzt.

[01:59:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht bei allem mitmachen. Kein Druck aufsetzen, aber dennoch: ich sehe es
so.

[01:59:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen doch etwas zur Verfügung stellen.

[01:59:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man ihnen auch nur Ruhe zur Verfügung stellen.

[01:59:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand fragte mich: muss ich noch weiter zu ihnen in Therapie kommen? Nein, das
müssen sie nicht. Bis jetzt wollte es immer die Mutter. Sie dürfen aus eigener Initiative
kommen.

[02:00:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat immer geredet. Mit der Zeit hat der Sohn auch angefangen zu sprechen.

[02:00:29.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schule muss man etwas erreichen. Versuchen sie zu meditieren in der Anwesenheit
oder etwas zu machen.

[02:00:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht aufgeben, wenn die nicht mitmachen.

[02:00:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Penelope hat an ihrem Schleier gestrickt, während ihr Mann abwesend war. Wohlwollen
anwesend sein. Weniger ist mehr. Ihre wohlwollende Anwesenheit ist schon sehr
wertvoll.

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Penelope_(Mythologie)

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Ehrgeiz zurückfahren. Nicht rumlaufen; sein.

[02:01:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz

In Königsfelden gab es Möglichkeiten zur Beschäftigung. Die konnten einfach ins Kaffee
kommen und zuschauen.

[02:02:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zuviel etwas wollen, setzen wir Druck auf und bewirken genau das Gegenteil.

[02:03:09.230] – Bemerkung 58
Herzlichen Dank!

Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene

Transkription

Transkript

Dr.med Ursula Davatz
25.3.2025
Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene
Audio

[00:00:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Titel meines Vortrags heißt: Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene.

[00:00:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:00:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn hat eine ganzheitliche Funktion.

[00:00:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das Gehirn funktioniert immer als ganzheitliches Organ.

[00:00:24.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin teilt man auf in verschiedene Körperorgane und dann gibt es
verschiedene Diagnosen.

[00:00:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Hirn funktioniert das nicht so gut.

[00:00:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich in der Psychiatrie tätig bin, als Familientherapeutin und Psychiaterin,
komme ich immer weiter weg von diesen starren Diagnose stellen.

[00:00:48.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein Anpassungsorgan, ein soziales Anpassungsorgan.

[00:00:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Gehirn ist immer in Aktion mit dem Umfeld.

[00:00:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird über seine genetisch determinierte Veranlagung, ASS, also Autismus,
gehört zu einer genetischen Veranlagung, wird es immer auch noch über das Umfeld
beeinflusst, bestimmt und verändert sich.

[00:01:18.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dank der Epigenese – das ist jetzt ein modernes Wort –, früher haben die Ärzte an die
Genetik geglaubt, die ist immer noch wichtig.

[00:01:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Gehirn spielt die Epigenese eine viel größere Rolle.

[00:01:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das Hirn kann sich verändern und unser Genom, also unsere Gene, können
sich auch verändern.

[00:01:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene bringen viele Anlagen mit sich, die dann eingeschränkt und bestimmt werden
über die Interaktion mit dem Umfeld.

[00:01:51.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ja jetzt gehört, wie wichtig es ist, dass das Umfeld mit diesen Menschen
umgehen kann.

[00:01:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Da spielt eben die Genetik eine ganz wichtige Rolle.

[00:02:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Weiteres vom Gehirn.

[00:02:05.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn, und das ist das emotionale Gehirn und ein Teil im emotionalen Gehirn, der
Hippocampus, der produziert neue Nervenzellen bis zum Tod.

[00:02:17.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wir können lernen bis zum Tod.

[00:02:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat noch gesagt, mit 40 ist ausgelernt und dann kommt nichts mehr
Neues. Das stimmt nicht.

[00:02:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind tatsächlich in der Lage, noch weiterzulernen.

[00:02:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, die wurde schon angesprochen, da lernt man ganz speziell viel,
respektive, was man lernt, wird eingeprägt in die Persönlichkeit dieses Menschen.

[00:02:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man dann ein gesundes Verhalten lernen oder auch krankes Verhalten lernen.

[00:02:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät passiert eine Umstrukturierung des Gehirns.

[00:02:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dem Synaptic Pruning.

[00:02:58.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich ähnlich wie bei den Genen.

[00:03:02.590] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt viele Vernetzungen im Gehirn.

[00:03:05.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das gesehen in diesem Bild, da haben die Autisten eine viel breitere,
flächenhaftere Beleuchtung gehabt.

[00:03:21.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche über die ADHS/ADSler.

[00:03:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn bleibt stärker vernetzt mit dem ganzen Hirn.

[00:03:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät passiert ein Synaptic Pruning.

[00:03:44.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Anlagen werden gekappt, also zugemacht, und das Hirn entwickelt eine Autobahn,
entwickelt funktionale Netzwerke.

[00:03:59.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese funktionalen Netzwerke sind natürlich wichtig für unsere täglichen Aufgaben.

[00:04:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind dann schneller.

[00:04:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles immer weiterhin vernetzt bleibt, dann ist es schwierig.

[00:04:11.980] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler (also auch Autismus-Spektrum-Störungen) sind verlangsamt in der
Pubertät um das alles zu lernen.

[00:04:23.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen viel mehr Eindrücke mit in das Gehirn zur Verarbeitung.

[00:04:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychiatrischen Diagnosen sind aus meiner Sicht konzeptuelle Konzepte.

[00:04:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Funktionelle Zustände des Gehirns werden eingefroren und in einer Diagnose
zusammengefasst.

[00:04:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kritisiere ich.

[00:04:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Funktion geht ja immer weiter und es bleibt flexibel.

[00:04:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Diagnosen sind zwar wichtig für uns Ärzte, wir verstehen dann besser, worum es geht.

[00:05:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um den einzelnen Patienten geht oder die Patientin, dann bringt die Diagnose
oft nicht so viel.

[00:05:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie Frau Hedi Wallmüller gesagt hat: jeder Autist ist anders.

[00:05:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Patient ist anders.

[00:05:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Da mache ich immer Witze mit den Ärzten.

[00:05:22.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schulmedizin sagt man, die Chirurgen können alles, die Mediziner, die wissen
alles, aber können gar nichts machen. Die Chirurgen wissen nichts, aber sind sehr
potent. Sie sind am höchsten in der Leiter der Beurteilung der Mediziner.

[00:05:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pathologen, die wissen alles, aber zu spät. Der Patient ist schon tot.

[00:05:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Physiater, die wissen nichts und können nichts.

[00:05:53.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: aber wir lernen täglich.

[00:05:59.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir täglich, bleiben wir offen.

[00:06:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir interagieren mit den Patienten, mit den Eltern.

[00:06:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht kein Tag vorbei, ohne dass wir nicht etwas lernen.

[00:06:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychische Störung, die psychiatrischen Krankheiten, Diagnosen, sind an sich
immer funktionelle Störungen des Gehirns, in Interaktion mit dem sozialen Umfeld.

[00:06:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Störungen in der Beziehungsinteraktion.

[00:06:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie arbeiten mit Patienten täglich oder mit ihren Bewohner täglich, also sie sind ständig
in Interaktion.

[00:06:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher ist es ganz, ganz wichtig, dass sie lernen, mit diesen speziellen Menschen
umzugehen.

[00:06:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer Vergleiche mit der Tierwelt.

[00:06:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Tiere erziehen wollen, dann können ihr dem Elefanten nicht erklären, wie er
den Baum hochsteigen könnte.

[00:07:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[00:07:06.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Tierarten umgehen, dann müssen wir auf die Tierart eingehen.

[00:07:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Autisten umgehen, müssen wir lernen, auf diesen Menschen einzugehen,
mit ihm lernen umzugehen, sonst kommen wir nirgendwo hin.

[00:07:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir ja auch von Frau Hedi Wallmüller gehört.

[00:07:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um persönlichkeitsgerechten Umgang mit unserem Gegenüber.

[00:07:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie man „artgerechte Tierhaltung" sagt. Die Tierhaltungen sind auch nicht immer so
toll artgerecht.

[00:07:44.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen persönlichkeitsgerecht mit diesen Individuen umgehen.

[00:07:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS ist Aufmerksamkeitsdefizitstörung.

[00:07:56.470] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches-Syndrom.

[00:08:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt die Aktivität nach außen dazu.

[00:08:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS ist Autismusspektrumsstörung.

[00:08:10.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man nur von Autismus geredet, jetzt sagt man Autismus-Spektrum.

[00:08:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man da mehr reinpacken.

[00:08:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte haben gemerkt, dass man eben nicht nur ein Modell hat.

[00:08:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Asperger gibt es auch noch.

[00:08:26.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein Kinderarzt, der hat vor dem letzten Weltkrieg versucht, Kinder die
andersartig waren, zu schützen.

[00:08:39.360] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[00:08:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man dann gesagt, das sind ganz speziell intelligente Kinder.

[00:08:43.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die funktionieren nicht wie normale Kinder und die müssen geschützt werden.

[00:08:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war im dritten Reich in Deutschland.

[00:08:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetisch sind alle drei vererbt: ADS, ADHS und ASS, ist genetisch vererbt.

[00:09:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es handelt sich um einen neurodivergenten Typ, Menschentyp, im Vergleich zu den
Durchschnittsmenschen.

[00:09:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch schon mehrfach gezeigt.

[00:09:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autismus, die Autismusspektrumsstörung, ist am stärksten genetisch vererbt, ich
sage jetzt mal, 90%.

[00:09:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS und ADHS ist ungefähr 80% vererbt.

[00:09:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus, Autismusspektrumsstörung und ADS sowie auch ADHS haben einige
gemeinsame Reaktionstypen, einige gemeinsame Verhaltensweisen.

[00:09:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind allesamt hochsensibel.

[00:10:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind durch ihre hohe Sensibilität leicht störbar.

[00:10:06.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede nicht von Aufmerksamkeitsstörung.

[00:10:08.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung kommt aus dem Schulbereich.

[00:10:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann nicht gut aufpassen, wenn der Lehrer langweilig ist.

[00:10:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht Störung, ich sage, die haben eine breite Aufmerksamkeit.

[00:10:26.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS-ler haben eine breite Aufmerksamkeit nach außen.

[00:10:29.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler auch nach außen, aber auch nach innen.

[00:10:35.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es langweilig ist, dann driften die ab in Träumereien. Die Autisten auch.

[00:10:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen dann in Geschichten.

[00:10:45.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne Leute, die erzählen sich dauernd Geschichten, wenn es ihnen langweilig ist.
Die haben da ganze Roman Fortsetzungen.

[00:10:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Über diese breite Aufmerksamkeit sind sie leicht störbar, leicht ablenkbar, haben eine
breite Wahrnehmung.

[00:11:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der anderen Seite, emotional, sind sie hochreaktiv.

[00:11:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Reize können sie schon durcheinanderbringen.

[00:11:16.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Und der ADHSler, der kämpft dann nach außen, der wehrt sich, der schimpft, der wird
aggressiv.

[00:11:24.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADSler geht eher nach innen. Der zieht sich eher zurück. Das sind dann auch die
Autisten, die ziehen sich eher zurück.

[00:11:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zu sehr in die Enge treibt, dann können auch die explodieren.

[00:11:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es einen Raptus geben.

[00:11:43.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich auch noch sagen muss: alle drei sind ungeduldig.

[00:11:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der ASSler, der Autist etwas will, kann man ihn nicht auf eine Verzögerungsbahn
schicken.

[00:12:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist so gedrängt, es muss etwas gemacht werden.

[00:12:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sowohl beim ADHSler als auch beim ADSler so.

[00:12:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben keine Geduld. Ihre Emotionen gehen so hoch, dass man nichts verzögern
kann.

[00:12:19.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil können sie es schon lernen, aber nicht gleich am ersten Tag.

[00:12:26.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die emotionale Selbstregulierung.

[00:12:30.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, die regulieren ihre Emotionen mit Sport, mit Abenteuer.

[00:12:39.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet dann von Novelty Seeking und Sensation Seeking.

[00:12:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler, gehen eher auf Rückzug, Träumereien und auch Hyperfokus.

[00:12:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Idee, ein Interesse gefunden haben, das sie sehr interessiert, das sie
fasziniert, dann können sie daran bleiben, die ganze Nacht durch und sehr gut
fokussieren.

[00:13:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt von Albert Einstein er ist in die Kantonsschule in Aarau gegangen, jetzt heißt
es Einstein Haus, dass er hat die ganze Zeit gerechnet und seine Frau musste ihm
sagen: du musst wieder mal essen oder trinken oder auch schlafen gehen.

[00:13:23.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen sich dann selbst auch nicht mehr recht wahr.

[00:13:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Albert Einstein hat man gesagt, er sei ein ADSler, man könnte auch sagen, ein
Autist, denn er hat bis fünf nicht gesprochen.

[00:13:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld geht natürlich immer vom Normotyp aus.

[00:13:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich etwas sage, muss das Kind das verstehen.

[00:13:51.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich etwas verlange, muss es gehorchen.

[00:13:55.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Früher war das noch stärker.

[00:13:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein autistisches Kind, das haben wir auch gehört, da kommt die Antwort oft verzögert.

[00:14:06.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt einen Befehl, da kommt nicht gerade was.

[00:14:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann das Umfeld ungeduldig ist und wieder auf das Kind einredet, dann wird der
Autist, ich sage jetzt auch der ADSler, immer mehr zurückgedrängt und am Schluss
redet er gar nicht mehr.

[00:14:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Bezugspersonen müssen lernen, mit ADSlern, mit Autisten umzugehen, indem wir
Geduld haben, etwas warten können und nicht sofort wieder Druck machen.

[00:14:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Druck ist absolutes Gift für diese Menschen.

[00:14:46.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind braucht Zeit, um zu seiner Antwort anzusetzen, also es überlegt.

[00:14:53.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört zu diesem Hirn, das wir da gesehen haben, das so stark vernetzt ist.

[00:14:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss zuerst ganz viele Stationen durchmachen, bevor es selbst entscheiden kann.

[00:15:05.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Diese Kinder, denen muss man immer die Zeit lassen, dass sie intrinsisch entscheiden
können.

[00:15:11.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit gehorsam, sondern sie müssen zuerst alles überlegen und: aha, ja, dann geht
es.

[00:15:21.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld, und in diesem Fall, wenn sie solche Autisten haben oder
ADHSler, müssen sie ihrem Gegenüber Raum und Zeit lassen, damit sich diese Person
überlegen kann und dann formulieren kann.

[00:15:39.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch gilt: die sind selber schon sehr stark erregt.

[00:15:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte immer in einem Zustand von "low arousal" mit denen kommunizieren.

[00:15:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich zuerst selber runterholen und erst dann irgendetwas sagen.

[00:15:59.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man hypererregt ist, lieber gar nichts sagen.

[00:16:02.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sowieso nichts einen Sinn.

[00:16:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Müttern sage ich: sagen sie gar nichts. Sie müssen zuerst sich selbst beruhigen
und dann können sie mit dem Kind aus handeln.

[00:16:15.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht zu viel auf diesen Menschen einreden, denn dann wird er wieder verwehrt und
dann blockiert das Hirn.

[00:16:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ASS, ADHS/ADS muss man sorgfältig und geduldig begleiten, man muss
gut beobachten, damit man merkt, wenn ich das mache, passiert das bei meinem
Gegenüber.

[00:16:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, das geht nicht so gut.

[00:16:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein ständiger Lernprozess und das ist interessant, aber es kostet von ihnen
Geduld und Ausdauer.

[00:17:01.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person darf nicht gedrängt werden, der Erwachsene darf nicht gedrängt werden,
sonst kann auch beim Autisten ein Raptus passieren, also dass er völlig aggressiv
ausrastet.

[00:17:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS Menschen werden häufig vom erzieherischen Umfeld gebremst. Du machst
das falsch, kannst du dich nicht zurücknehmen und so weiter.

[00:17:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie stehen ständig Kritik gegenüber. Das macht sie aggressiv.

[00:17:39.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wenn sie ganz ausscheren, werden sie delinquent.

[00:17:45.650] – Dr.med. Ursula Davatz

In den Gefängnissen hat es viele von denen.

[00:17:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nachvollziehen.

[00:17:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSser scheren eher ganz aus, reden überhaupt nicht mehr.

[00:18:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen ADSler begleitet. Der hat in der frühen Pubertät schwierige Konflikte in
seiner Schulklasse erlebt.

[00:18:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war vorher eine Plaudertasche, die nicht aufgehört hat zu reden.

[00:18:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den einen Schulkameraden und dessen Eltern wurde er moralisch verurteilt.

[00:18:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat aufgehört zu reden und hat jetzt jahrelang Kommunikation verweigert.

[00:18:36.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt beginnt er langsam wieder.

[00:18:37.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab auch eine sexuelle Situation, wo er sich über ein Mädchen hergemacht hat, weil
er absolut ungeschickt war und unerfahren in diesem Bereich.

[00:18:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist wirklich verschwunden im Autismus, er hat überhaupt nicht mehr kommuniziert.

[00:18:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich schon über 40 Jahre mit ADHS/ADS, ich habe auch ein Buch über
Schizophrenie geschrieben.

[00:19:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Schizophrenie.

[00:19:19.989] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1034584660

[00:19:22.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können in einen schizophrenen Zustand übergehen.

[00:19:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen in diesen Zustand über, wenn ihr emotionales Hirn völlig überlastet ist, über
längere Zeit.

[00:19:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, da die so überlastet sind in ihrem emotionalen Hirn, passiert der System
Overload und dann ein System Overflow.

[00:19:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Systemüberlastung des emotionalen Gehirns stattfindet, dann geht als
erstes eine emotionale Monsterwelle in das Stammhirn.

[00:20:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort geschieht die Hyperaktivität.

[00:20:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Psychiatrie wird dann das Großhirn mit Impulsen überschwemmt, sodass die
Funktion des Großhirns zusammenbricht.

[00:20:22.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann die Schizophrenie.

[00:20:24.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kognition funktioniert dann nicht mehr.

[00:20:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erfinden schlussendlich paranoiden Ideen etc.

[00:20:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erfinden Fake News. Sie rücken sich ihre Welt nach ihren Vorstellungen zurecht.

[00:20:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat immer die Funktion, dass sie nicht mehr so unter Gefühlsdruck stehen, also
unter unangenehmen Emotionen.

[00:20:55.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede nicht von Komorbidität.

[00:21:07.400] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS, ADS, ADHS, ist alles genetisch vererbt.

[00:21:14.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankheiten, die dann entstehen, sind aus meiner Sicht alles Folgekrankheiten.

[00:21:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nicht artgerecht, persönlichkeitsgerecht, neurotypgerecht mit diesen Menschen
umgegangen wird, dann können sich alle möglichen Krankheiten daraus entwickeln.

[00:21:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Man macht jetzt Statistiken.

[00:21:34.410] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen im Erwachsenenalter, welche die Konstellation von ADHS/ADS
haben, haben eine zusätzliche oder mehrere psychiatrische Diagnosen.

[00:21:48.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In letzter Zeit kommt auch immer mehr raus: sie haben auch körperliche Diagnosen.

[00:21:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da beginnt man erst, Statistiken zu machen.

[00:22:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher eine Fibromyalgie, Schmerzen und so weiter.

[00:22:08.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer machen eher Herzinfarkte, also solche Krankheiten.

[00:22:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist Erst daran, das statistisch zu erfassen.

[00:22:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht sind das alles Folgekrankheiten.

[00:22:23.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Weitere Folgekrankheiten sind: Persönlichkeitsstörung bei Frauen.

[00:22:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind meistens ADHSlerinnen, hyperaktive Frauen, die zurück gebremst werden.

[00:22:39.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Die entwickeln eine Borderline Persönlichkeitsstörung.

[00:22:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS Frauen ritzen sich. Viele entwickeln Essstörungen.

[00:22:50.660] – Bemerkung 1
Werden Frauen häufiger mit Borderline diagnostiziert?

[00:22:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Diagnose ist eine absolute Frauendiagnose.

[00:23:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Depression wird auch viel mehr bei Frauen gestellt.

[00:23:08.030] – Bemerkung 2
Wieso wird ADHS mehr bei Männern diagnostiziert?

[00:23:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen können sich viel besser kontrollieren, die können sich besser anpassen. Die
können ihre Impulsivität besser zurücknehmen. Die haben Gene und Hormone, die
leichter sich anpassen.

[00:23:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen werden dann auch erst mit 35, 45 diagnostiziert, weil sie sich vorher immer
angepasst haben.

[00:23:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann diagnostiziert werden, haben die meisten schon eine Depression.

[00:23:42.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Die haben alle ihre Energie in die Anpassung gesteckt. Dann sind sie so erschöpft, dass
sie nicht mehr können und eine Depression haben.

[00:23:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer, die sind eher ADHS und aggressiv nach außen. Das merkt man, das sieht
man, die stören im Unterricht.

[00:24:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung ersetzt die Hysterie.

[00:24:23.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man den Frauen gesagt, dass sie hysterisch sind.

[00:24:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Diagnose verwendet man nicht mehr. Du bist hysterisch wird nur noch im
Sprachgebrauch verwendet.

[00:24:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern ist eher die antisoziale Persönlichkeitsstörung.

[00:24:41.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kommen dann ins Gefängnis, die Buben ins Jugendheim.

[00:24:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide Geschlechter zeigen Suchtstörungen.

[00:24:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS, die verwenden Suchtmittel, um ihr starkes Temperament
runter zu zähmen.

[00:25:09.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Das können alle Suchtmittel sein.

[00:25:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verwenden auch Medikamente um sich runter zu zähmen.

[00:25:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Leider werden da bei den Jugendlichen häufig Beruhigungsmittel, starke
Beruhigungsmittel verschrieben, die dann süchtig machen.

[00:25:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophrenie tritt auch bei beiden Geschlechtern auf.

[00:25:29.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist es noch etwas komplizierter, was da alles noch dahinter steckt.

[00:25:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bipolare Störung ist auch eine Störung, die bei ADHS/ADSlern auftritt.

[00:25:43.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zu engstirnig erzogen worden sind, dann befreien sie sich mit der Manie, also
mit dem manischen Schub, von ihren Fesseln, von ihren erzieherischen Fesseln.

[00:26:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie bei sich ADHS/ADS Frauen haben und dann noch Diagnose Bipolare
Störung, ist es wichtig, dass sie nicht versuchen, diese zu erziehen.

[00:26:13.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur Beziehung pflegen und auseinandersetzen.

[00:26:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Auseinandersetzungen laufen bei diesen viel heftiger als vielleicht beim Normotyp.

[00:26:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich.

[00:26:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Frauen mit der Borderline Persönlichkeitsstörung bekommen, vom
Vorgänger des Töpferhauses.

[00:26:40.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit diesen auseinandergesetzt.

[00:26:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen gibt es unzählige Muskel-Skelettsystem-Probleme, Schmerzen am
ganzen Körper.

[00:26:55.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was Frauen auch noch tun: sie schneiden sich, ritzen.

[00:26:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder schwierig, damt umzugehen.

[00:27:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frau, ca. 20 Jahre alt, hatte Probleme in ihrem sozialen Umfeld. Sie ist in eine
Klinik gegangen. Dort ist sie mit fünf Medikamenten rausgekommen.

[00:27:17.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist sicher ein ADHS.

[00:27:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald Medikamente verwendet werden, um die Emotionen zu kontrollieren, dann greift
man immer nach dem.

[00:27:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, in dieser Umwandlungsphase des Gehirns, ist etwas vom Wichtigsten,
dass der junge Mensch lernt, mit seinen Emotionen umzugehen.

[00:27:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie hier Patienten bekommen, müssen sie natürlich auch lernen, mit ihren und
den Emotionen ihrer Schützlinge umzugehen.

[00:27:52.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann heiß zugehen, aber es lohnt sich, das zu lernen.

[00:27:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht vielleicht etwas länger.

[00:27:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die pubertieren etwas länger oder das Hirn reift etwas später, aber es ist durchaus
möglich.

[00:28:11.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schlussfolgerung von all diesen Ausführungen sage ich: eigentlich müssten Eltern,
Lehrerinnen und Lehrer, Erziehungspersonen, Kindergärten – es beginnt schon dort –
möglichst früh Unterstützung bekommen zu lernen, kompetent, neurodivers-adäquat mit
diesen Kindern umzugehen.

[00:28:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür brauchten sie wahrscheinlich etwas Unterstützung.

[00:28:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wartet, bis diese Menschen psychiatrische Diagnosen erhalten, ist es schon
sehr spät.

[00:28:55.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Never too late.

[00:28:56.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schwöre auf Prävention, müsste man viel früher dem Umfeld lehren, wie
umzugehen mit ADHS/ADS.

[00:29:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Kinder, die verweigern die Schule, die Eltern sind verzweifelt und ich
muss dann nach irgendwelchen Lösungen suchen, dass diese Kinder, Jugendlichen,
normal durch die Pubertät kommen.

[00:29:21.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kind, ein Mädchen, das war dann zwei Jahre zu Hause, bis die
schlussendlich selbst entschlossen hat: ich mache jetzt Homeschooling übers Internet.

[00:29:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht es und der Bruder macht es auch.

[00:29:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt da viel Möglichkeiten, fantasievoll, erfinderisch, kreativ, mit diesen nicht
neurotypischen Menschen umzugehen.

[00:29:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das lernt, ist es interessant.

[00:29:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt immer auch von seinem Gegenüber.

[00:29:57.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir beim Sokratischen Lernen angelangt.

[00:30:02.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sokrates hat gesagt: nicht nur die Schüler lernen von mir. Ich lerne mehr von ihnen oder
ich lerne viel von ihnen.

[00:30:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie eine solche Haltung diesen neurodiversen Menschen gegenüber einnehmen,
ist ihr Beruf spannend, interessant und sie sind dauernd am Lernen, so wie die
Psychiater.

[00:30:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt dürfen sie noch Fragen stellen.

[00:30:34.540] – Bemerkung 3
Das Spektrum ADHS/ADS ist also alles genetisch?

[00:30:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:30:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Veranlagung ist genetisch.

[00:30:57.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist ein plastisches Organ, ist epigenetischen Prozessen unterworfen.

[00:31:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese genetische Veranlagung kann in der Interaktion mit dem Umfeld stark beeinflusst
werden, zum Guten und zum Schlechten. Die Gene können wir nicht verändern.

[00:31:18.300] – Bemerkung 4
Ist man den Genen somit ausgeliefert?

[00:31:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene interagieren viel mehr miteinander, als wir denken.

[00:31:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum redet man von Epigenetik.

[00:31:37.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben zum Teil Gene, die bei primitiven Tierarten vorhanden sind.

[00:31:43.770] – Dr.med. Ursula Davatz
99% unserer Gene sind gleich wie die vom Schimpansen.

[00:31:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen sind trotzdem ganz anders als die Schimpansen.

[00:31:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Möglichkeiten.

[00:32:02.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind überhaupt nicht den Genen ausgeliefert.

[00:32:03.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Flexibilität des Gehirn.

[00:32:25.450] – Bemerkung 5
Meint die Epigenetik nicht die Veränderbarkeit der Gene sondern die Interaktionsweise
der Gene?

[00:32:25.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:32:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Epigenetik ist die Interaktion unter den Genen.

[00:32:32.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es noch viele Prozesse. Ich kenne die auch nicht alle.

[00:32:34.700] – Bemerkung 6
Wäre es nicht schön, wenn man nicht einfach immer individuell auf den Menschen
eingehen würde?

[00:32:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Ich bin total einverstanden.

[00:32:56.900] – Bemerkung 6
Schön

[00:32:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was gut ist für ADHS/ADS/ASSler ist gut für alle.

[00:32:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Normotypen hinterlässt es weniger schlimme Spuren.

[00:33:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen bei diesen genetisch vulnerablen Menschen, da hinterlässt es mehr Spuren.

[00:33:20.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre für alle gut. Absolut. Ich kann nur beistimmen.

[00:33:29.180] – Bemerkung 7

Ab welchem Alter empfehlen sie die Abklärung bei den Kindern bei einem Hinweis, dass
es Richtung ASS geht?

[00:33:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Abklären kann man immer.

[00:34:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache keinen Neurotest.

[00:34:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme die Anamnese auf über drei Generation.

[00:34:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue, was da alles im Familiensystem vorhanden ist und von meinem Gespür her
sage ich: ja, das ist das.

[00:34:20.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist, es wird abgeklärt.

[00:34:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ASS Sprechstunden sind heute überall überlastet.

[00:34:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Und danach, wer macht etwas mit den Kindern? Wer redet mit den Eltern? Niemand.

[00:34:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die HOTA im Aargau macht schon bei den kleinen Kindern viele Abklärungen.

[00:34:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man noch Leute finden, welche die Mütter Väter beraten.

[00:34:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es wollen, dürfen sie gerne eine Abklärung machen und jetzt müssen wir
sofort mit dem Coaching beginnen.

[00:35:12.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen mit diesen Menschen umzugehen.

[00:35:12.860] – Hedi Wallmüller
Mit einer ADHS/ADS Abklärung kann man in der Schule auch zusätzliche Zeit bei den
Prüfungen verlangen. Im Kanton Aargau gibt es drei Jahre Wartezeit, bis sie einen
Termin kriegen. Im Kanton Aargau ist man mit einem autistischen Kind arm dran.

[00:35:54.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: ja, das Kind hat ADHS/ADS. Ich stelle die Diagnose einfach.

[00:36:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den Psychiatern sagt man: sie stellen ihre Diagnosen in drei Minuten.

[00:36:22.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schreibe ein Zeugnis und sage: der braucht einen Nachteilsausgleich.

[00:36:39.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann dürfen die mehr Zeit verwenden und allenfalls an einem ruhigen Ort.

[00:36:44.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Eltern wollen dennoch klar abklären.

[00:36:54.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man drei Jahre warten muss, also Hallo.

[00:36:56.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Da läuft das Kind schon davon. Auf Wiedersehen.

[00:37:01.410] – Bemerkung 9
Es geht um die Frühanmeldung bei der IV.

[00:37:26.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man vom frühkindlichen POS. Dann musste man es bis zum 6.
Lebensjahr anmelden.

[00:37:30.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche melden an, manche nicht.

[00:37:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es nicht mehr so klar.

[00:37:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer sagen: das Kind hat diese Diagnose. Das ist ein Geburtsgebrechen,
das bleibt ein Geburtsgebrechen. Es ist ja genetisch, kommt mit der Geburt.

[00:38:00.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wo dann die Leute sind und wer die regionalen Ärztedienste sind, geht es
oder es geht nicht.

[00:38:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da streiten wir dann zwischen IV und Krankenkasse.

[00:38:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat Anrecht auf eine Sonderbehandlung.

[00:38:26.140] – Bemerkung 10

Bei den IV Gutachten wird fast nie das nahe Umfeld angeschaut. Man hat in der
zweistündigen Sitzung Zeit, das nahe Umfeld wird nicht angeschaut.

[00:39:11.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, IV ist da schwierig.

[00:39:13.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich streite immer mit der IV.

[00:39:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann die PatientIn zehn Jahre begleitet haben.

[00:39:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jurist behauptet dann ich würde mich nur für den Patienten interessieren.

[00:39:30.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gutachterarzt, der sieht den Patienten eine Stunde und der hat dann Aussagekraft

[00:39:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir immer wieder am Diskutieren.

[00:39:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen autistischen Jungen.

[00:39:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat immer wieder gesagt: das geht nicht, er muss das und das erreichen.

[00:39:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben den Patienten immer wieder geschützt vor diesem Druck.

[00:40:02.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Jetzt macht er den Abschluss in der IT.

[00:40:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind da wie Löwenmütter, welche diese Menschen schützen müssen.

[00:40:13.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat nicht viel Erfahrung mit ADHS/ADS. Die sagen dann immer: der ist nur faul
und der muss jetzt usw.

[00:40:26.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine junge Patientin, die wurde mit 15 Jahren zur IV geschickt.

[00:40:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir mussten mit der IV alles abbrechen, die hat jetzt Rente, aber die entwickelt sich
weiter.

[00:40:49.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wen man hat bei der IV sagt man lieber Rente und macht selber weiter
oder man versucht eine berufliche Eingliederung.

[00:40:49.330] – Bemerkung 11
Dort wartet die nächste Schwierigkeit, einen Platz zu finden in der Gesellschaft.

[00:41:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nächste Schritt wäre dann Supported Employment.

[00:41:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist das Training und ein weiteres ist: Supported Employment.

[00:41:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich hatte einen Schizophrenie Patienten. Er war im Töpferhaus, dann jahrelang im KV
Atelier. Er hat noch eine Ausbildung gemacht, eine normale, aber immer bezahlt von der
IV-Rente. Schlussendlich hat er eine Stelle bekommen im IT Bereich und hat 90'000
verdient pro Jahr. Wir haben sehr lange gewartet.

[00:41:56.360] – Bemerkung 12
Eine schöne Geschichte.

[00:42:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Niemals aufgeben. Ich sehe ihn jetzt immer in den sozialen Medien, was er publiziert.

[00:42:10.440] – Bemerkung 13
Wo ist die Abgrenzung zwischen ADHS und ADS?

[00:42:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn ist ein kompliziertes, funktionelles Organ, das
wechseln kann.

[00:42:44.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir auch eine Geschichte durchschauen, dann haben die oft viele Diagnosen.

[00:42:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer auf die Situation und was mache ich mit diesem Menschen?

[00:42:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Was rate ich?

[00:42:58.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Funktion ist nicht, die Diagnose zu behandeln, sondern meine Funktion ist, den
Menschen zu begleiten, dass er sich weiterentwickelt.

[00:43:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache wie eine Berufsberatung.

[00:43:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mit ihnen: würde das passen oder das?

[00:43:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir erfolgreich sind, irgendwann mal findet man es.

[00:43:23.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich halte mich dann nicht so fest an die Diagnosen, sondern an die Situation und die
Begabungen.

[00:43:28.830] – Bemerkung 14
Wo werden sie hellhörig bei den Unterschieden zwischen ADHS und ADS?

[00:43:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Unterschiede sind nicht so gross.

[00:43:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS kann zu ADS wechseln und umgekehrt.

[00:43:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht ob es genetisch wirklich so unterschiedlich ist.

[00:43:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir beginnen jetzt eine Studie, in der wir die ADHS/ADSler genetisch untersuchen.

[00:44:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In den GWAS war ADHS, Autismus, Schizophrenie, manisch-depressiv und schwere
Depression, die hatten alle den gleichen geänderten Gen-Lokus.

[00:44:25.702] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Genomweite_Assoziationsstudie

[00:44:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es klar, das hängt alles zusammen.

[00:44:42.920] – Bemerkung 15
Bei ADHS/ADS ist die Affektreaktion beeinträchtigt, welche durch Stress dominiert wird.
Dort greifen die Medikamente ein.

[00:45:44.210] – Dr.med. Ursula Davatz
ich weiß nicht, ob ich alles richtig verstanden habe.

[00:45:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie, wenn ein Mensch psychiatrische Symptome hat, die greift an erster
Stelle ein mit Medikamenten.

[00:45:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Akutsituation mache ich das auch, aber langfristig versuche ich eher, dem Umfeld
beizubringen, wie kann man mit diesen Menschen besser umgehen.

[00:46:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ihm natürlich beizubringen: wie kann er mit seinen Emotionsregulationen
besser umgehen?

[00:46:20.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Studenten mit Schibitis oder Prokrastination, denen gebe ich dann
Tipps.

[00:46:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Dort spricht man von ADHS/ADS Coaching.

[00:46:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Emotionalität umzugehen.

[00:46:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur vor allem flüchten.

[00:46:49.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen jungen Hund, mit dem geht man Zug fahren, damit der lernt, mit der Situation
umzugehen.

[00:46:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autisten muss begleiten.

[00:47:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie sorgfältig begleiten. Man kann sie nicht einfach nur rausschicken. Auch
nicht einfach nur sich verkriechen lassen im Zimmer.

[00:47:15.560] – Bemerkung 16
Wenn das genetisch vererbbar ist, über wie viele Generationen kann das laufen?

[00:47:23.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Über alle.

[00:47:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme immer drei Generationen auf, manchmal auch mehr.

[00:47:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern gehen mit ihrem Kind zur Abklärung. Dann kommt ADHS/ADS raus.

[00:47:32.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denken die Eltern: ich bin ja auch so. Dann beginnen die Eltern zu sehen: ich
habe ja auch diese Eigenschaften. Dann gehen die Eltern sich auch abklären. Dann
kommt es auch raus.

[00:47:44.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schaue ich zurück.

[00:47:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Symptomatik bei ADHSlern, da kann der Grossvater jähzornig gewesen sein. Er
kann ein Alkoholiker gewesen sein.

[00:47:59.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe dann die Symptome in den Generationen.

[00:48:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehen verschiedene Formen weiter.

[00:48:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder lernt etwas ein wenig anders damit umzugehen.

[00:48:18.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk war ganz klar ein Autist. Er hat jetzt seinen Größenwahn.

[00:48:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist auch groß, er hat ja viel Geld.

[00:48:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir jetzt zwei am Werk, die beide nicht Normotypen sind.

[00:48:37.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Gene werden weitergegeben, aber man sagt, es sind 20 bis 100 Gene, welche
gemischt werden.

[00:48:48.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Fortpflanzung kommt von zwei Seiten. Irgendeine Form wird weitergegeben.

[00:48:55.620] – Bemerkung 17
Es kann ja auch sein, dass ein Generation davor ganz anders gelernt hat damit
umzugehen und dann kommt es erst drei Generationen später zum Vorschein.

[00:49:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, absolut.

[00:49:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war die Erziehung noch viel autoritärer und da haben sich die ADHS/ADSler
auch mehr untergeordnet.

[00:49:19.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute mit unserer modernen demokratischen Erziehung, im neuen Lehrplan haben die
ADHS/ADS Kinder oft zu wenig Struktur.

[00:49:34.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, man soll zurückgehen zur autoritären Befehlsstruktur.

[00:49:38.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die funktioniert gar nicht gut.

[00:49:40.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer eine sehr gute Beziehung hat zu Kind, dann kann er einiges
verlangen.

[00:49:47.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er keine hat, dann kann er gar nicht.

[00:49:52.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst Beziehung und dann Erziehung.

[00:49:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Schule riesige Probleme, zu wenig Lehrer, alle haben Burnout, steigen
aus, man holt Hilfspersonen rein.

[00:50:04.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss viel sorgfältiger in die Schulen investieren.

[00:50:12.230] – Bemerkung 18
Nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Gesellschaft. Sie sind jetzt eine
Psychiaterin, die sich dem widmet. Man kann auf die Suche gehen, man findet
niemanden.

[00:50:23.670] – Bemerkung 18
Bei uns laufen dann die Leute rein, bei denen alles falsch gelaufen ist.

[00:50:23.770] – Bemerkung 18
Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit. Es sind fantastische Leute, es sind geniale
Leute, aber die wenigsten erhalten die Möglichkeit zum lernen. Sie sind in einem
Umfeld wo sie nie genügen. Unser Schulsystem ist noch nicht bereit dazu. Sie setzen
bei einem kleinen Teil an. Man müsste viel mehr Lehrpersonen ausbilden.

[00:51:09.330] – Dr.med. Ursula Davatz
ich versuche es.

[00:51:10.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe eine Zeit lang im Kanton Aargau an den Schulen Lehrer unterstützt, etwas
unterstützt. Dann wollte man nichts mehr.

[00:51:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
In Zürich läuft etwas, weil ich dort wohne.

[00:51:30.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

[00:51:33.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste viel mehr dort rein investieren. Ich bin dran, solange ich noch kann.

[00:51:43.960] – Bemerkung 19
Wenn die Diagnosen alle zusammen verwoben sind, dann sollte man selber dafür ein
Gespür entwickeln? Soll man dazu selber eine kritische Grundhaltung entwickeln, und
nicht zu stark Diagnose gläubig sein?

[00:52:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Einverstanden!

[00:52:04.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele diagnostizieren sich heutzutage selbst über das Internet. Mit dem Internet kann
man das.

[00:52:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin sage nicht: das darf man nicht. Das ist keine Charlatanerie. Man
darf sich selber anschauen.

[00:52:44.020] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS sind Persönlichkeitstypen. Ich darf meinen Persönlichkeitstyp analysieren
und sagen: ich passe eher in diese Kategorie oder in diese.

[00:52:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich geht es immer darum, dass man lernt, mit seinen Persönlichkeitszügen
umzugehen.

[00:52:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die neurodivergenten Menschen, die werden immer kritisiert: du bist falsch, nein, so
nicht.

[00:53:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss denen dann immer wieder beibringen: du bist richtig, so wie du bist.

[00:53:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Du musst mit der Freundschaft schließen und erst dann kannst du dich handhaben.

[00:53:19.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss ich allen meinen Patienten sagen.

[00:53:23.350] – Bemerkung 20
Wir sind hier mit Diagnosen konfrontiert. Auch dort ist ein kritischer Blick wichtig.

[00:53:43.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf ihren gesunden Menschenverstand, auf ihr gesundes, natürliches Gefühl.
Es ist nicht nur Verstand.

[00:53:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss emotionale Fähigkeiten haben, um mit diesen Leuten umgehen zu lernen.

[00:54:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt auch wieder an ihnen.

[00:54:05.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Hören sie auch auf sich und nicht nur auf die Fachleute. Das ist ganz wichtig.

[00:54:12.180] – Bemerkung 21
Wir als Fachpersonen können auch hinterfragen. Wir haben eine Klientin gehabt, wo wir
hinterfragt haben: stimmt die Diagnose? Jetzt hat sie eine ganz andere Diagnose,
welche ihr mehr entspricht. Sie fühlt sich mit dieser Diagnose viel wohler.

[00:54:32.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Hedi Wallmüller hast das auch gesagt: getrauen sie sich zu hinterfragen!

[00:54:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf ihre Intuition!

[00:54:40.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Menschen.

[00:54:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die menschliche Beziehung.

[00:54:53.340] – Hedi Wallmüller
Wenn sie das Gefühl haben, dass es nicht passt, dann passt es wohl auch nicht.

[00:54:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.

[00:55:00.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auf sich vertrauen.

[00:55:07.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch eine kurze Reklame für mich.

[00:55:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin daran, ein neues Buch zu publizieren.

[00:55:15.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vorhergehende war ADHS und Schizophrenie.

[00:55:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie-ebook/

[00:55:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das neue Buch heisst:

[00:55:19.890] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS und seine Folgekrankheiten, Psychiatrie im Offside.

[00:55:29.140] – Bemerkung 22
Wann wird das Buch publiziert?

[00:55:32.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann dieses Jahr. Ich hoffe möglichst bald.

[00:55:32.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke für das Zuhören. Ich hoffe sie können etwas davon anwenden. Sonst fragen sie
einfach wieder. Fragen sie sich gegenseitig. Setzen sie sich mit den anderen
auseinander. Sie haben sicher viel Spass.

[00:55:43.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den ADHS/ADS Kinder hat man eine zeitlagn gesagt: das sind Indigo-Kinder und
die drei treiben eigentlich unsere Entwicklung voran.

[00:56:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:56:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Und wir müssen noch genauer hinschauen.

Apéro zum Thema ADHS/ADS

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

4.4.2024
Apéro zum Thema ADHS/ADS
Audio

[00:00:01.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Also ich möchte sie alle ganz herzlich begrüßen.

[00:00:04.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe nach dem Thema gefragt. Die Antwort war eindeutig: ADHS.

[00:00:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS heißt Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung.

[00:00:14.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Erscheinungsbild, das heute in aller Munde ist.

[00:00:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein großer Hype.

[00:00:26.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren damit.

[00:00:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals wollten die Psychiater noch nichts davon wissen.

[00:00:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man ADHS/ADS mit bildgebendem Verfahren darstellen.

[00:00:39.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Seitdem hat die Medizin, die Psychiatrie dieses Erscheinungsbild ergriffen.

[00:00:48.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche sagen, es ist eine Modekrankheit und die anderen sagen: Nein, nein, es ist
eine psychiatrische Krankheit.

[00:00:57.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Es ist keine Krankheit.

[00:01:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Neurotyp, eine Neurodiversität.

[00:01:07.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Erscheinungsbild, das vererbt wird.

[00:01:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt deshalb in Familien vor, in vielen Variationen natürlich.

[00:01:14.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Von 20 bis 100 Gene sind daran beteiligt.

[00:01:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist erst am Erforschen.

[00:01:21.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage kurz ein paar wichtige Faktoren.

[00:01:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann natürlich nicht alles bringen und Sie dürfen mir nachher gerne Fragen stellen.

[00:01:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche nicht vom Aufmerksamkeitsdefizit.

[00:01:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist eine breite Aufmerksamkeit.

[00:01:45.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese breite Aufmerksamkeit wird zum Defizit, wenn man in der Schule aufpassen sollte
und sich nur auf den Lehrer fokussieren muss.

[00:01:54.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer langweilig ist, dann schaut man zum Fenster raus, stört seinen
Nachbarn, schaut in sein Handy oder macht irgendetwas anderes.

[00:02:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird vom Lehrer als Defizit angeschaut und auch von der Schulbehörde.

[00:02:09.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage müssen die Lehrer viel interessanter sein als früher, denn sie haben viel
mehr Konkurrenz.

[00:02:17.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre die Aufmerksamkeit.

[00:02:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Eigenschaften beschreibe vom ADHS/ADS: einerseits sind sie hochsensibel.
Dann geht man in die Hypersensibilität.

[00:02:33.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht wieder eine neue Diagnose daraus.

[00:02:35.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich subsumiere alles unter dem ADHS/ADS.

[00:02:40.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hypersensibilität, sie merken alles, sie merken schnell, wenn sie in einen Raum
kommen, was die Stimmung ist, wer da wie dran ist. Das sagen einem auch alle: Ich
sehe sofort, was alles los ist.

[00:02:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die breite Aufmerksamkeit.

[00:02:56.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der anderen Seite, wenn dann etwas schiefläuft, dann sind sie hyperreaktiv.

[00:03:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler werden dann aggressiv, also impulsiv.

[00:03:10.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sagt man dann, sie haben eine schlechte Impulskontrolle.

[00:03:14.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihre Gefühle schlecht kontrollieren.

[00:03:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Hypersensibilität zusammen mit der sogenannten schlechten Impulskontrolle, die
kann natürlich viele Schwierigkeiten machen.

[00:03:30.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage werden Statistiken angelegt: Menschen mit ADHS/ADS haben mehr
Scheidungen, haben mehr Jobabbrüche, mehr Konflikte, mehr Stress usw.

[00:03:45.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin, die funktioniert mit Medikamenten, auch die Psychiatrie.

[00:03:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein ADHS/ADS Kind hat, heutzutage wird abgeklärt.

[00:03:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden neuropsychologische Abklärungen gemacht, zum Teil stundenweise.

[00:04:04.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wartezeit ist 6, 8 bis 12 Monate, bis man da abgeklärt werden kann.

[00:04:11.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als erfahrene Psychiaterin, ich mache nur eine Anamnese, ich mache eine
Familienanamnese und ich schaue, wie da die Symptome innerhalb der Familie
vorhanden sind.

[00:04:21.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche keine große Abklärung. Ich mache einfach die alte Kunst der Medizin, die
Anamnese, also die Krankengeschichte.

[00:04:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann ein ADHS/ADS festgestellt wird, dann, was ist die Reaktion?

[00:04:36.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heißt es, man muss Medikamente geben.

[00:04:39.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente, die man gibt, sind alles Amphetamine, das heißt, es sind
Stimulantien. Es sind Weckamine.

[00:04:48.447] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Weckamine

[00:04:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann man auch auf der Gasse kaufen – da sind sie vielleicht gleich teurer oder
teurer – und die kann man verschreiben.

[00:04:56.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt unterdessen viele verschiedene Medikamente, die verschrieben werden und die
bewirken an sich, dass man etwas gestresst ist.

[00:05:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente bewirken, dass die Aufmerksamkeit besser fokussiert wird.

[00:05:07.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Schule ist das hilfreich.

[00:05:07.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder Ritalin, Concerta, Elvanse bekommen, irgendeines der Amphetamine,
dann können die zum Teil um eine Note besser werden.

[00:05:27.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer intellektuellen Leistungsgesellschaft ist das natürlich von Vorteil.

[00:05:32.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will studieren, das nimmt ständig zu.

[00:05:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Medikamenten können ADHS/ADS Kinder eine bessere Performance erreichen
in der Schule.

[00:05:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Was diese medikamentöse Fokussierung macht, ist, dass man die breite
Aufmerksamkeit nicht mehr hat und auch die Aufmerksamkeit nach innen.

[00:06:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann aufmerksam dem Umfeld gegenüber sein und aufmerksam seinen eigenen
Gefühlen gegenüber.

[00:06:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen: ich habe das nicht so gern. Ich bin nicht mehr so mich selber. Ich will es
lieber nicht nehmen.

[00:06:18.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe die Medikamente vielen Kindern und Erwachsenen wenn sie Prüfungen
machen müssen, wenn sie intensiv lernen müssen, wenn sie eine Steuererklärung
ausfüllen müssen. Die Steuererklärung ist langweilig und auf die fokussiert man sich
nicht so gerne.

[00:06:25.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse auch immer die Eltern entscheiden, ob die das wollen oder nicht.

[00:06:30.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse auch das Kind entscheiden.

[00:06:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist man sehr auf die Schule ausgerichtet. Die Lehrer sagen: ich kann das
Kind nicht unterrichten, wenn es nicht Ritalin bekommt oder ein anderes Amphetamin.

[00:06:57.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Ärztin sage ich natürlich: Kommt nicht infrage. Die Lehrer dürfen nicht bestimmen,
was das Kind an Medikamenten nehmen muss.

[00:07:06.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist eine ärztliche Verschreibung.

[00:07:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern das nicht wollen, akzeptiere ich das.

[00:07:12.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente sind nur eine Methode um da einzuwirken.

[00:07:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fokussierung wird beruhigt.

[00:07:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist nur noch auf einen Punkt fokussiert.

[00:07:30.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Weckamin hat die Wirkung, wenn man besser fokussiert, dass man auch besser
schlafen kann.

[00:07:41.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Gedanken im Zeugs herum Rasen, dann kann man nicht schlafen.

[00:07:47.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Großhirn lässt nicht los, dann bleibt man wach.

[00:07:49.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine paradoxe, kontroverse Wirkung.

[00:07:49.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Medikament ist nur ein Weg.

[00:08:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin ausgebildete als Familientherapeutin.

[00:08:06.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich berate vor allen Dingen die Eltern.

[00:08:10.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde auch die Lehrer beraten.

[00:08:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Never teach a teacher. Die Lehrer wollen sich häufig nichts sagen lassen.

[00:08:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule von heute funktioniert aus meiner Sicht noch mit Methoden aus dem
Mittelalter, aus dem alten Testament, mit Belohnung und Bestrafung.

[00:08:26.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS Kindern sage ich ganz klar: Bestrafung bringt nichts.

[00:08:31.400] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man totschlagen, sie folgen immer noch nicht.

[00:08:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerhard Polt sagt: Was die Gene versaut haben, kann man mit Schlägen nicht alleine
korrigieren.

[00:08:55.567] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Polt

[00:08:55.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr wahr.

[00:08:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Leider hat unser Erziehungssystem immer noch Probleme mit den ADHS/ADS Kindern.

[00:09:03.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher waren die ADHS/ADS Kinder besser eingeordnet, weil einfach eine autoritäre
Erziehung geherrscht hat.

[00:09:10.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder habe sich einfach in der Gruppe untergeordnet.

[00:09:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute hat man einen sehr individuellen Stil, selber lernen.

[00:09:10.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das überfordert sehr viele ADHS/ADS Kinder und die gehen dann verloren.

[00:09:11.100] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man nicht mit Bestrafung und Belohnung erziehen.

[00:09:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man nur mit persönlicher Führung erziehen.

[00:09:20.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den ADHS/ADS Kindern muss man eine Beziehung herstellen, dann kann man von
ihnen etwas verlangen.

[00:09:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die ADHS/ADS keine Beziehung haben zum Lehrer, funktioniert gar nichts.

[00:09:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Vorgehensweise als Familientherapeutin ist, dass ich die Eltern berate.

[00:09:55.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Eltern wie man mit den ADHS/ADS Kindern umgehen könnte.

[00:09:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei jedem Kind wieder anders.

[00:09:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind alle Methoden massgeschneidert, auf die Situation, auf die Mutter, den Vater
und das Kind.

[00:09:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter hat gesagt, dass ihr elfjähriger Sohn Selbstmordgedanken hat.

[00:10:16.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist überhaupt nicht mehr zufrieden in der Schule.

[00:10:20.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Mutter bestellt, den Sohn habe ich nie gesehen.

[00:10:22.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Anamnese aufgenommen und wir haben herausgefunden, dass der Sohn
sehr intelligent ist im Bereich der Mathematik.

[00:10:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihr gesagt, sie muss dem Kind mehr Lernfutter zur Verfügung stellen, damit er
sein Gehirn beschäftigen kann, denn sonst kommt er auf blöde Gedanken.

[00:10:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat das gemacht. In den Ferien ist das sehr gut gegangen und es war überhaupt
kein Problem mehr.

[00:10:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit relativ wenig hat man viel bewirkt.

[00:10:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte dann auch die Lehrer instruieren, dass die dem Kind mehr Futter geben,
wenn er fertig ist mit seinen Mathematikaufgaben, dass man ihm noch mal mehr Stoff
gibt.

[00:11:10.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer haben gesagt: Das geht nicht. Ich kann das nicht. Wir müssen alle Kinder
gleich behandeln.

[00:11:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert nicht.

[00:11:18.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nur ein kleines Beispiel.

[00:11:20.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Eltern von ADHS/ADS Kinder beraten.

[00:11:23.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern lernbereit sind, dann können die relativ schnell etwas bewirken mit dem
Kind.

[00:11:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern auf ihrem alten Erziehungsstil fest sitzen, den sie erfahren haben, dann
funktioniert es nicht.

[00:11:43.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe auch einige Lehrer in der Mittelstufe beraten, die sind immer zu mir
gekommen, das war im Kanton Aargau.

[00:11:51.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle Kinder durchgebracht, bei denen die Lehrer auf die Kinder etwas speziell
und individuell eingehen konnten.

[00:12:03.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es liegt unglaublich viel in der Aufklärung, im Know-how, was die Erzieher haben oder
was sie sich aneignen könnten, wenn sie wollten, dass man schwierige Kinder
durchziehen könnte.

[00:12:22.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulsivität ist natürlich immer ein Problem.

[00:12:27.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind nur leicht verletzt wird, fliegt alles gleich durch das Zimmer.
Sie gehen auf jemanden los.

[00:12:27.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden ganze Mobiliare zerschlagen.

[00:12:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer dann, wenn man das Kind nicht richtig spürt.

[00:12:48.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht noch ein Begriff: Die Psychiater, die Ärzte reden dann immer von
Komorbidität.

[00:12:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wir haben ADHS/ADS als Krankheit und dann noch eine zusätzliche
Krankheit.

[00:13:03.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine zusätzliche Krankheit ist dann die bipolare Störung, manisch-depressive
Psychosen.

[00:13:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, es ist keine Komorbidität, es ist das ADHS/ADS, das vulnerabel ist für alle
möglichen Krankheiten.

[00:13:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft etwas unterschiedlich.

[00:13:22.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer mit ADHS/ADS, die landen eher im Gefängnis, die werden delinquent.

[00:13:27.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS, die die zu eng erzogen werden, die agieren es dann in einer
bipolaren Störung aus oder haben eine schwere Depression.

[00:13:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man Untersuchungen gemacht, genetische Untersuchungen, von fünf
psychiatrischen Krankheitsbildern.

[00:13:46.395] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nature.com/articles/s41588-022-01285-8

[00:13:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war Schizophrenie, manisch-depressiv, schwere Depression, Autismus und ADHS/
ADS. Alle hatten den gleichen veränderten Gen-Lokus.

[00:14:01.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Das beweist meine Hypothese, dass das ADHS/ADS die genetische Konstellation ist,
die dann zu Schizophrenie, bipolare Störung, schwerer Depression und so weiter führen
kann. Essstörungen kommen dazu, Suchtkrankheiten kommen dazu.

[00:14:18.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus diesem Grunde ist es ganz, ganz wichtig, dass diese Kinder die entsprechende
Behandlung bekommen, aber nicht nur mit Medikamenten.

[00:14:29.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld muss lernen mit diesen ADHS/ADS Kindern umzugehen.

[00:14:38.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von einer artgerechten Tierhaltung.

[00:14:42.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist auch nicht immer so artgerecht, aber man gibt sich mindestens Mühe.

[00:14:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müsssen persönlichkeitsgerecht gehalten und erzogen werden.

[00:14:56.970] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem Punkt sind wir noch lange nicht.

[00:14:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mehr in diese Richtung arbeiten würden, könnten wir viele Krankheiten
ersparen.

[00:15:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich habe als erstes das ADHS/ADS und die Schizophrenie angeschaut.

[00:15:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe mich immer für Schizophrenie interessiert.

[00:15:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe ganz klar den Zusammenhang zwischen Schizophrenie und ADHS.

[00:15:26.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen schaue ich alle anderen Krankheiten mit an und schaue dann, wie es zur
Schizophrenie, zur manisch depressiven Krankheit, zur Depression und so weiter
geführt hat.

[00:15:41.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Da spielen natürlich viele Faktoren mit, biografische Faktoren, der Erziehungsstil der
Eltern, der Lehrer etc.

[00:15:49.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann ich nicht auf alles eingehen.

[00:15:53.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Letztes möchte ich noch sagen: ADHS/ADS Kinder haben ein etwas spezielles
Gehirn.

[00:16:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gedächtnis von ADHS/ADS Menschen ist mehr vernetzt mit dem
ganzen übrigen Gehirn.

[00:16:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reifen auch später.

[00:16:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn von ADHS/ADS Kindern schließt weniger früh seine Synapsen ab um dann
so Autobahnen im Gehirn zu haben.

[00:16:28.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS sind in der Regel kreativ.

[00:16:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Fähigkeit, welche wir nicht zerstören sondern pflegen wollen.

[00:16:41.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in einer Zeit mit KI, wo der Computer alles macht.

[00:16:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz
An die Kreativität des menschlichen Gehirns kommt kein Computer heran.

[00:16:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nzz.ch/technologie/google-forscher-sprach-ki-saugt-den-sauerstoff-aus-dem-raum-es-bleibt-nichts-fuer-andere-ideen-ld.1820642

[00:16:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten unsere Menschen mit ADHS/ADS, unsere Kinder, Jugendlichen und auch
Erwachsen, sollten wir besser pflegen, also besser mit ihnen umgehen.

[00:17:17.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, dass sie einfach eine anti-autoritäre Erziehung bekommen oder ein
Free-Right haben.

[00:17:24.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sorgfältiger mit ihnen umgehen.

[00:17:28.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Wissenschaftswelt hat es viele herausragende Figuren, die ADHS/ADS haben.

[00:17:39.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Sir Richard Branson, Steve Jobs, Bill Gates, Mozart, usw.

[00:17:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass alle ADHS/ADS Kinder zu berühmten Persönlichkeiten werden.

[00:17:52.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Im ADHS/ADS steckt die Kreativität genau weil ihr Gehirn etwas was anders ist.

[00:18:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind hier in einer Gesellschaft mit viele kreativen Menschen.

[00:18:01.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher plädiere ich dafür, dass man diese menschliche Kreativität unterstützt, dass man
die schützt und nicht mit Medikamenten langweilig macht.

[00:18:21.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre so etwas mein Credo.

[00:18:24.300] – Bemerkung 1
Sie haben von Kindern gesprochen, welche sie betreuen. ADHS/ADS ist eine moderne
Krankheit. Es gibt die Generation, wo das einfach noch nicht visibel war, das heißt, die
sind jetzt im Zweifel so alt wie ich. Es wurde nicht darüber gesprochen, nicht
diagnostiziert. Es ist sicherlich auch nicht jeder kriminell geworden und sitzt im
Gefängnis. Nicht jeder ist kreativ geworden. Wo erkennt man selbst an seiner eigenen
Person oder an seinem gegenüber, dass man Ansätze für die Krankheit hat?

[00:19:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mir die Frage so stellen, dann schauen sie nur das Individuum an.

[00:19:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die Interaktion.

[00:19:40.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist unser soziales Organ.

[00:19:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn interagiert sozial, das lernt und das unterdrückt.

[00:19:49.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wie man erzogen wird.

[00:19:55.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch mit ADHS/ADS, impulsiv, experimentierfreudig, explorierfreudig ist,
wenn dieser Mensch als Kind, als Adoleszenter oder noch später zu sehr eingeengt
wird, dann kann es in alle möglichen Krankheitsrichtungen gehen.

[00:20:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen hat es sicher 30% bis 40% ADHS/ADSler.

[00:20:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man früher überhaupt nicht angeschaut.

[00:20:30.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war über mehrere Jahre in der Strafvollzugskommission.

[00:20:39.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste immer alle Berichte lesen.

[00:20:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat man immer POS Kind gesagt. POS steht für: frühkindliches psychoorganisches
Syndrom.

[00:20:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Früher hat man dem ADHS/ADS Psychorganisches Syndrome gesagt.

[00:20:57.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich die Geschichten anschaue, wenn diese Kinder zu sehr mit Strafen erzogen
wurden, dann wurden sie eher delinquent.

[00:21:07.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein nicht sehr intaktes Elternhaus war meistens auch der Fall.

[00:21:13.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben auch das ADHS/ADS. Es gibt Scheidungen, Alkoholismus und so
weiter und so weiter.

[00:21:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer die Interaktion. Man kann es nicht am Menschen selber sehen.

[00:21:33.000] – Bemerkung 2
Die Selbstreflexion. Man muss sich ja auch selbst erst mal reflektieren im ehrlichen
Sinn, wo man überhaupt auf diesen Gedankengang trifft.

[00:21:41.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau. Als erstes müssen die Eltern lernen damit umzugehen und natürlich die Lehrer.

[00:21:46.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann erwachsen ist, muss man sich selber erkennen.

[00:21:50.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele diagnostizieren sich heutzutage am Internet und sagen: Jetzt verstehe ich endlich.
Aha, so bin ich, etc.

[00:22:03.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann muss man sich mit sich selber auseinandersetzen.

[00:22:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man aufgewachsen ist mit dauernder Kritik: du bist nicht recht, so wie du bist,
dann muss ich diesen Leuten zuerst helfen, wieder sich zu erkennen und sich zu
akzeptieren.

[00:22:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte heute eine Patientin. Ihrer Mutter war nie etwas recht. Wenn irgendjemand
oder ihr Freund eine schlechte Laune hat, denkt sie immer, dass es ihre Schuld ist.

[00:22:22.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler saugen durch ihre hohe Sensibilität alles auf und sehen dann nur wie die
anderen nicht zufrieden sind und vernachlässigen sich.

[00:22:39.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man erwachsen ist, muss man an sich arbeiten.

[00:22:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss man sich selber akzeptieren, so wie man ist.

[00:22:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: oh ich bin falsch, ich wollte, ich wäre lieber so.

[00:23:07.100] – Bemerkung 3
Ist ADHS/ADS immer noch eine Krankheit?

[00:23:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie wird es als Krankheit gehandelt. Ja, und das ist ein Problem.

[00:23:17.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin Vizepräsidentin von ADHS20+.

[00:23:22.856] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs20plus.ch/

[00:23:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort sind alles Laien. Die haben auch Fachleute, die mitmachen.

[00:23:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ganz klar die Haltung, es ist keine Krankheit, es ist ein Neurotyp und läuft
unter Neurodiversität.

[00:23:38.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Gesellschaft überlebt besser, wenn sie heterogene Veranlagungen hat.

[00:23:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle gleich sind, dann ist das gar nicht gut.

[00:23:51.420] – Bemerkung 4
Wenn ich sie höre, dann leuchtet mir das alles ein. Ich habe drei Kinder, der Tag war
streng, man kommt nach Hause, man muss allen gerecht werden. Es ist manchmal
schwierig dieses Ohr für das ADHS/ADS Kind zu haben. Manchmal kann man das
nicht. Was soll man dann tun?

[00:24:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gehen wir schon in die Beratung.

[00:24:22.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ich kann nicht einfach so ins Leere raus beraten.

[00:24:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein Rezept für alle Grössen gibt es nicht.

[00:24:35.151] – Dr.med. Ursula Davatz
One size fits all, das funktioniert nicht.

[00:24:39.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verhaltenstherapie arbeitet mit festen Programmen, für alle das Gleiche.

[00:24:47.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie drei Kinder haben, sie kommen müde nach Hause, dann muss ich schauen:
Was sind das für Kinder? Wie ist der Mann? Wie machen sie es?

[00:24:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Familien sage ich oft: lieber weniger Regeln, aber diese dann
durchsetzen.

[00:25:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit Bestrafung, sondern indem man sie immer wieder anmahnt.

[00:25:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss vielen Eltern sagen: nicht auf das Kind losgehen, sondern die Energie bei sich
behalten, mentale Energie.

[00:25:21.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich einer Mutter etwas rate und die antwortet mir: ich kann schon probieren, aber
das geht sowieso nicht.

[00:25:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Antwort: wenn sie denken, es geht nicht, dann geht es nicht, dann müssen sie
überhaupt nicht anfangen.

[00:25:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man beim ADHS/ADS Kind etwas durchsetzen will, dann muss man wirklich
überzeugt sein, dass man das will und es auch kann.

[00:25:49.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist: ADHS/ADS Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Menschen, müssen
intrinsisch motiviert sein. Dann können sie sehr gut gehen.

[00:26:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihnen befiehlt, dann geht es gar nicht.

[00:26:11.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihrem Kind sagen: du musst jetzt das machen. Das geht das nicht.

[00:26:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: "ich will" oder "wir machen jetzt das".

[00:26:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist mir wichtig.

[00:26:20.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Energie muss bei ihnen bleiben. Dann geht es eine Weile und dann kann das Kind
das eher übernehmen.

[00:26:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf zu diesem Zeitpunkt keinen Druck aufsetzen, das funktioniert überhaupt nicht.

[00:26:34.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich nicht alle ihre Probleme gelöst.

[00:26:41.540] – Bemerkung 5

Ich habe ADHS/ADS, ich arbeite in der kreativen Branche. Es war und ist anstrengend.

[00:26:57.580] – Bemerkung 5
Ich war als Schüler besonders anstrengend. Das Schulsystem ist einfach gaga.

[00:27:02.980] – Bemerkung 5
Die Kinder im Kindergarten müssen sich einfach hinsetzen. Was soll das?

[00:27:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht kindergerecht.

[00:27:12.810] – Bemerkung 5
Nein, überhaupt nicht.

[00:27:13.860] – Bemerkung 5
Mir hat es sehr geholfen, dass man früh erkannt hat: hey, der Junge braucht Auslauf.

[00:27:21.370] – Bemerkung 5
Ich brauche Reize uns Herausforderungen an denen ich mich ausarbeiten kann. Dann
bin ich am Abend wieder gut drauf.

[00:27:22.060] – Bemerkung 5
Es ist sehr wichtig, dass man das erkennt und irgendwie auch versucht beim Kind zu
sehen. Vielen Dank für den Vortrag.

[00:27:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt er ihnen entgegen?

[00:27:48.260] – Bemerkung 5
Es ist keine Krankheit, es ist eine Fähigkeit. ADHS/ADS ist eine Fähigkeit, genauso wie
es andere Fähigkeiten gibt.

[00:28:14.480] – Bemerkung 5
Wir müssen integrativ denken. Wir müssen diesen Leuten Sorge tragen.

[00:28:14.960] – Bemerkung 5
Wir dürfen die ADHS/ADSler nicht stumm schalten. Don't mute them. Challenge them.

[00:28:29.790] – Bemerkung 5
Es triggert mich, wenn ich höre, dass wir diesen Kindern Ritalin geben und still stellen
müssen. Alle gleich fahren. Die müssen alle gleich rauskommen. Das ist Bullshit.

[00:28:29.860] – Bemerkung 5
Jeder ist verschieden, jeder kommt anders raus.

[00:28:37.580] – Bemerkung 5
Wir müssen die unterschiedlichen individuellen Talente erkennen.

[00:28:48.920] – Bemerkung 6
Vera F. Birkenbihl ist so eine Persönlichkeit, die mich immer weiterbringt.

[00:28:54.500] – Bemerkung 6
https://de.wikipedia.org/wiki/Vera_F._Birkenbihl

[00:28:59.810] – Bemerkung 6
Vera F. Birkenbihl hat mal in einer Studie gesagt oder geschrieben, dass es falsch
gewesen sei, im preussischen Schulsystem Jungs und Mädchen zusammen in die
Klassen zu schmeißen. Man dürfe sie in Schulen zusammenlassen, die Klassen jedoch
getrennt lassen, weil Jungs eine völlig andere Wahrnehmung haben, beweglicher sind,
technisch mit den Händen schaffen.

[00:29:27.990] – Bemerkung 6

In der Regel wollen Mädchen etwas erfinden, etwas aufschreiben, etwas schön
machen.

[00:29:36.160] – Bemerkung 6
Heutzutage gilt das Muten, es muss alles gleich funktionieren.

[00:29:36.530] – Bemerkung 6
Ich selber haben einen 16-jährigen Jugendlichen. ADHS/ADS war am Anfang seiner
Schulzeit auch ein Thema. Es wurde abgeklärt, danach war es kein Thema mehr.

[00:29:47.140] – Bemerkung 6
Ich habe mich gefragt: spielt das eine Rolle, diese Mischung von Mädchen und Jungs in
den Klassen und dieses Aufzwingen von gleichen Lernmethoden für verschiedene
Wahrnehmungen?

[00:30:11.850] – Bemerkung 6
Von der Natur her haben Männer und Frauen andere Interessen.

[00:30:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher sind Mädchen und Jungen unterschiedlich.

[00:30:22.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig wird diskutiert: ist das nur anerzogen oder ist es auch anlagemässig?

[00:30:31.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiß, dass das Gehirn zum Teil auch unterschiedlich ist.

[00:30:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich bin in eine gemischte Schule gegangen, das Leben lang. Ich plädiere für
gemischte Schulen.

[00:30:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Situationen könnte man die auch wieder auseinander nehmen.

[00:30:50.270] – Bemerkung 6
Vera F. Birkenbihl sagt gemischte Schulen behalten. Wenn es klingelt gibt es getrennte
Klassen. Die Schulen bleiben gemischt.

[00:31:01.170] – Bemerkung 6
Sie sind auf dem Pausenplatz gemischt, Sport findet gemischt statt.

[00:31:03.770] – Bemerkung 6
Mathematisch kann ein Junge anders etwas auffassen, als ein Mädchen.

[00:31:09.320] – Bemerkung 6
Ein Gedicht aufzuschreiben, ist etwas, wo ein Junge vielleicht keine Freude empfindet.

[00:31:19.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann in der Schule sicher die verschiedenen Talente fördern.

[00:31:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Talente der Jungs und die Talente der Mädchen fördern.

[00:31:27.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle gleich machen wollen.

[00:31:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre sehr hilfreich.

[00:31:37.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird ja jetzt diskutiert, dass man die Noten aufhebt.

[00:31:38.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss viel mehr individuell fördern und nicht alle gleich und alle auf die gleiche
Note.

[00:31:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich sofort unterstützen.

[00:31:47.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sexualunterricht müssen die Mädchen und Knaben separat instruiert werden.

[00:31:52.210] – Bemerkung 6
Die Köper sind anders.

[00:31:52.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir könnten sicher in unserem Erziehungssystem mehr auf diese Unterschiede
eingehen.

[00:32:08.640] – Bemerkung 6
Diese beiden Domäne müssen unterschiedlich gefordert werden.

[00:32:15.740] – Dr.med. Ursula Davatz
In Bezug auf Unterschied zwischen Mann und Frau, männlichem und weiblichem
Gehirn, gibt es jetzt auch Untersuchungen.

[00:32:22.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Elena Brivio ist eine Forscherin in Israel.

[00:32:24.212] – Dr.med. Ursula Davatz
[ PhD from Max Planck Institute of Psychiatry | Science communication enthusiast |
Researcher in sexdifferences in stress with single-cell transcriptomicsRehovot,
Zentralbezirk, Israel ]

[00:32:24.320] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00885-9

[00:32:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat mit Ratten geforscht.

[00:32:35.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die weiblichen Gehirne haben unter Stress mehr Nervenendungen gemacht, sie haben
sich besser vernetzt, Synapsen gebildet mit Oligodendrozyten.

[00:32:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die männlichen Gehirne sind einfacher geworden.

[00:32:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat Vor-und Nachteile.

[00:33:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Evolutionstechnisch kann man das erklären, dass die Männer das Territorium
verteidigen mussten und ihre Weibchen neue Lösungen finden mussten.

[00:33:27.470] – Bemerkung 6
Die Männer mussten die Struktur bewahren.

[00:33:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die Männer mussten die Autorität bewahren.

[00:33:34.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder, die Geschwister und die Mütter haben gelernt. Der dominante Affe hat nie
gelernt, weil er zu sehr beschäftigt war mit der Verteidigung des Territoriums.

[00:33:51.540] – Bemerkung 6
Er hat einen anderen Fokus.

[00:33:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss evolutionsgeschichtlich erklärt werden.

[00:33:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute haben wir eine ganze Welt. Wir sind alle im gleichen Territorium.

[00:34:03.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher müssen wir eher die Vernetzung lernen, auch die Männer.

[00:34:08.830] – Bemerkung 7
Ich hatte meine Diagnose erst mit 30 Jahren erhalten. Für mich war das eine Erlösung.
Medikamente muss man individuell geben.

[00:35:15.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[00:35:21.200] – Bemerkung 7
Sie haben gesagt, ADHS/ADS ist genetisch nachweisbar.

[00:35:24.570] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS wird genetisch ist vererbt.

[00:35:32.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erscheinungsbild, vom Genotyp zum Phänotyp, von den Genen zum
Erscheinungsbild, da ist eine lange Strecke.

[00:35:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist viel Erziehung und Interaktion dazwischen.

[00:35:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir den Genotyp anschauen, dann sind wir noch lange nicht beim Phänotyp.

[00:35:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir unser genetisches Material mit den Schimpansen vergleichen, haben wir 99%
gleiches genetisches Material.

[00:35:58.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Erscheinungsmäßig sind wir ziemlich anders, oder?

[00:36:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eben viel komplizierter.

[00:36:11.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner haben immer gemeint, wenn ich die Gene habe, dann kann ich alles
erklären.

[00:36:15.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt überhaupt nicht.

[00:36:17.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen der Expression der Gene ist ein langer Weg und so viele Interaktionen.

[00:36:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Genen sitzen ganz viele Eigenschaften, die dann irgendwann mal ab gekappt
werden.

[00:36:31.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Hirn ist es auch so: Das Kleinkind hat viele Synapsen.

[00:36:35.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät werden viele von diesen Synapsen gekappt.

[00:36:41.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nennt das Synaptic Pruning.

[00:36:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Synaptic_pruning

[00:36:44.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Verzweigungen abgeschnitten und Autobahnen gemacht.

[00:36:54.530] – Bemerkung 8
Auf jeden Fall gibt es die Möglichkeit, Ritalin zu verschreiben, was in gewissen Fällen
auch eine gute Lösung ist.

[00:37:08.660] – Bemerkung 8
Es braucht ja auch begleitend Veränderung.

[00:37:14.020] – Bemerkung 8
Das ist ja das Wichtige.

[00:37:17.500] – Bemerkung 8
Auf die Dauer braucht es nicht das Ritalin, sondern eine Umfeldveränderung, eine
Veränderung von Gepflogenheiten, Gewohnheiten.

[00:37:32.220] – Bemerkung 8
Das merkt man auch bei Erwachsenen, Koffein mit wenig Schlaf. Das ist alles urkrass
beeinflussbar.

[00:37:41.920] – Bemerkung 8

Die Ernährung spielt auch eine Rolle.

[00:37:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da kann man auch etwas machen.

[00:37:48.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Zeit lang hat man gesagt, die dürfen keinen Zucker haben, keine Phosphate und
so weiter, keine Gumbibärchen.

[00:37:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin verschreibe ich nie nur Medikamente.

[00:38:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe Medikamente immer nur zusammen mit Beratung.

[00:38:04.740] – Bemerkung 9
Wo stehen wir denn mit dem Stigma von der Krankheit?

[00:38:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Von diesem Erscheinungsbild, dass ADHS/ADS eine Krankheit ist.

[00:38:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unterschiedlich.

[00:38:16.100] – Bemerkung 9
Wird das schon in der Breite diskutiert?

[00:38:16.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Zeitungen spricht man zum Teil von Modekrankheit.

[00:38:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Solange man von Krankheit spricht, sagen die Ärzte das ist unsere Domäne.

[00:38:36.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte müssen die Diagnose stellen.

[00:38:38.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: nein.

[00:38:40.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele stellen heutzutage selbst ihre Diagnose am Internet und so weiter.

[00:38:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Da finde ich überhaupt nichts Schlimmes dabei.

[00:38:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte finden: oh nein, das darf man gar nicht.

[00:38:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wird den Ärzten ein Monopol weggenommen.

[00:38:56.010] – Bemerkung 9
Gibt es eine Bewegung unter professionellen Leuten jetzt, wie Ihnen, dass man in eine
Stoßrichtung geht?

[00:39:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin unter den Professionellen eher einsam.

[00:39:09.990] – Bemerkung 9
Echt?

[00:39:17.550] – Bemerkung 9

Das verstehe ich jetzt nicht. Wieso macht es bei denen keinen Sinn?

[00:39:24.400] – Bemerkung 10
Money, Money, Money.

[00:39:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, es gibt viel mehr Leute heutzutage, die sich damit beschäftigen und etwas
darüber wissen, austauschen miteinander, die es nicht mehr schlimm finden.

[00:39:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Von ärztlicher Seite her wird immer noch von Krankheit gesprochen.

[00:39:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dann, die Krankenkasse bezahlt es sonst nicht.

[00:39:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss eine Diagnose stellen, damit die Krankenkasse bezahlt.

[00:39:57.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann immer eine Zusatzdiagnose stellen und dort schreibe ich auch unter den
Diagnosen.

[00:41:22.950] – Bemerkung 12
Vielen Dank, Mega!

Where does Schizophrenia come from?

Dr.med. Ursula Davatz

Prof. Dr.med. Luc Ciompi

PDF: Where does Schizophrenia come from?

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Prof. Dr.med. Luc Ciompi

24.7.2021
Where does schizophrenia come from?
Audio

[00:00:02.540] – Ursula Davatz, MD
Dear Luc Ciompi, I am very pleased to welcome you for a second conversation together. We are both
specialists in the field of schizophrenia. You have done a lot of research in it and I have done a lot of
therapies, among others with schizophrenia families, so I have looked at those. As a guiding principle, I
call our conversation "Where does schizophrenia come from?" I'm coming from my field of experience
now. When I look at all the schizophrenia families that I've treated, accompanied, something like that, I
always look for patterns. That's where the pattern came to me, and I'm making a pun now. Acute
schizophrenia occurs when the system itself, that is, the family system, would have to shift something,
change something. The patient who then gets the psychosis then becomes "crazy" in the colloquial
language. So it's the same word again. In Swiss German you also say "I'm crazy", "I'm angry". So there
are a lot of emotions involved in this craziness. I have made the observation that something in the system
should be shifted. But the system has resistance to it. It is the schizophrenic who actually draws attention
to something. But of course it is not always possible to shift this system in such a way that the index
patient no longer has to be crazy.

[00:02:12.170] – Ursula Davatz, MD
I'm always working on it, trying to do that, and in the end I had another story like that and thought, yes, I
have to tell the parents that I'm done with this, let's say, hypocrisy. The truth has to come to the surface.
Before that, your son can't become normal. These are such thoughts. I ask myself then, and I can ask
you, you have had to do with the schizophrenia families, what are the handicapped moments that shackle
the system, the restrictions that the system cannot change, cannot shift, moral, social, religious, and also
political depending. Then as a further, of course, I say, please tell me your hypothesis, your explanatory
model of schizophrenia. But if you could go into that a little bit first.

[00:03:23.810] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, so what are the impediments that slow down, that make a family system not want to change. First of
all, I would like to underline what you said, that there are strong emotions involved. These are actually
always, even in my view, namely before the onset of psychosis. You once spoke of an emotional tsunami,
there is a lot going on in the family, there are fierce tensions, there are antagonisms, there are taboos by
name as well, there are frequent secrets that one is not allowed to talk about, unpleasant incidents that
arouse emotions and what prevents one from addressing these taboos or also traumas, conflicts,
incidents of all kinds that can happen in a family history, that is most unpleasant to do.

I see in this fact that touching a wound hurts. Therefore, one tries to cover up this wound much rather
and to do as if nothing at all would be and at least just what it is about would not be. Yes, I think that is
the most common and the most important reason for inhibition. Of course, one can also mention all kinds
of social, conventional, and perhaps even political, in a small sense, political obstacles. Conventions are
often violated, social conventions. Maybe something like a family reputation or a family facade is at
stake, a bourgeois one let's say, but it happens in all kinds of families. It's an example a nice appearance
that you can of course for very many social reasons up to maybe, yes, if someone has a position that
they don't want to put in jeopardy, especially today, where as soon as something somewhere isn't quite
right, then that's in the media, that's in the social media, that's centered. Those are the barriers that I see,
first and foremost.

[00:06:35.560] – Ursula Davatz, MD
Yes, I think that resonates well with me, I can only agree. If you could explain your theory or your
explanatory model of schizophrenia? If you could explain a little bit there, how you arranged that for
yourself.

[00:06:53.420] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
I will try to do this very briefly, but it is not easy, because schizophrenia is a highly complex disease.
There are many factors that have an effect, and so to bring it down to a single denominator, a short
denominator, threatens to oversimplify the matter. But I think to start from this emotional tsunami, from
this emotional tension situation that we have been talking about, that also applies to my understanding of
schizophrenia. I've been particularly concerned with the emotions and what the emotions do to us,
particularly to our thinking. They change our thinking, they change our ways of looking at things. In my
understanding, a branch of science called synergetics, the interaction of factors, but also especially then,
that interaction of emotions plays an important, I would say central, role in the outing of psychosis. We
are also back to this tsunami. If in a system we are both system theoretically also oriented, if in any
system, not only in a psychic system, in a social system, but also even in a chemical or physical system
the energetic tension rises to a critical point, then the pattern of the system overturns. The overriding
pattern. So if we think of a psychological system, a family, a group, a business forms a system. If we
pump more and more tension into it, if there are things going on that make tremendous conflicts, that
make people angry, that make people sad, insecure. So when the tension rises critically, then at some
point it pops, so to speak. Something happens. Either someone snaps, or someone kills himself, or
someone goes crazy, or the system goes crazy. Or the whole thing collapses. In any case, the usual
functional pattern no longer works. Under certain circumstances, which in my opinion are only partially
clarified and are based on certain vulnerability factors, it can happen that the system, the whole system
collapses due to the craziness and perhaps one or, more rarely, the whole system, when everything goes
haywire. That is a, I think we are on quite common ground. These are important elements of my

understanding of schizophrenia. Then there is a lot more to it, which I don't want to talk about very
intensively now. But you have recently seen an article of mine, which also talks about the so-called
embodiment. Embodiment is a new branch of science for something that is actually well-known, namely
that our emotions, but in a certain sense also our entire thinking, that is, the psyche is anchored and
rooted in our body.

[00:11:27.240] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
When I get angry, then I turn red, then my heart goes up, then my pupils dilate, and many other things, or
I sweat, many other things. So there are no stronger emotions without corresponding physical changes. It
has also been shown that thinking is somehow anchored in the body in various ways. The memory, one
talks of a body memory lately. But it is something banal. As a child, I learned to ride a bicycle, to ride a
bike. I can do that now. It's my body that knows that. I don't know it anymore. How to do it. This
embodiment also plays a big role for me, because in schizophrenia there are also very many bodily
misperceptions, namely seen from the school of phenomenology, that play a very important role. There
find certain people are of the opinion that the very roots of schizophrenia could lie in a wrong body or
altered body perceptions. And there is another element that has become increasingly interesting to me in
recent times. That is this Free Energy Principle, free energy by Carl Friesen. He is an English psychiatrist
and mathematician. He has mathematically proven, in various ways, it is complex to read, but
nevertheless, that actually the system, that is, the physical system, the mental system, the body system,
the organism, but also each individual subsystem, that is, up to the cells to the brain, that they are all
constantly striving to keep the energy loss as low as possible.

[00:13:42.100] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
So no free energy, that means no surprises. Thus, in order to exclude or minimize these surprises, there
is something like an implicit model of reality. That which the organism makes for itself. So when there is
lightning, there is thunder. These are things like that, correlations. When this happens and that happens,
or when there's a hole, then I have to pay attention. All these things, they are stored in an implicit internal
model. The living organism also tries to avoid this, that is, not to fall into the hole or to panic when it
thunders after the lightning. Sometimes it thunders quite violently, then there is lightning, then there is
thunder, then the world is all right again, so to speak. All these elements play together in my opinion. I'm
sure this all sounds very complex. I think you can, to simplify it, go back to this tsunami image. High
emotional tensions, they make certain people crazy, which then also shows how one can at best proceed
therapeutically, namely to sustain these tensions, not just to minimize them through a small tension
exercise.

[00:15:30.000] – Ursula Davatz, M.D.
I'll try to put some thoughts on what all came to mind. I'll have to see if I can get it together when I start on
the emotions. So it's true that when acute psychosis breaks out, the whole family is in turmoil and
everything is in turmoil, and the patient

of course, too. My first reaction is always to shut down, do nothing, do less. So I actually always have to
calm the system down. If I myself am calm and not nervous, then I can do that. But if I'm also somehow
under time pressure and restless, then everything falls apart. That's when I say this saying "You never
have a second chance to make a first impression". If a schizophrenic family approaches me and they find
me unsafe, I can forget it. I really have to be absolutely sure. So to be able to keep my calm. Speaking of
emotions, most schizophrenias occur in young adulthood, puberty, young adulthood.
People always talk about controlling emotions. So the young person has to learn to control his emotions.
The child doesn't have to do that yet. The mother, the child or the father must calm them down.
When you become an adult, you should have some control over your emotions. I might first come to the
embodiment. In the occidental way of thinking, one has separated mind, body and soul. For
understanding schizophrenia at all in general, for medical understanding, that's actually not a good thing.
Especially in schizophrenia, so the body is now slowly playing more and more of a role, people are doing
body therapy, and so on. But in thinking it is often still separated. For two years I gave continuing
education to nurses who had become nurses in the second course, that is, in the second half of life,
psychosomatics. Then I always thought about psychosomatics and then I always looked for proverbs, so
the fright in the neck, what is on my stomach or what makes me sick.

[00:18:14.820] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
It sends shivers down my spine.

[00:18:16.940] – Ursula Davatz, MD
Yes, exactly. And so on. There are so many good proverbs that make no boundary between mind and
body. It's all still together and there's a lot of wisdom in it. From there, I think we have to create this unity
again in medicine and think back and forth. Our organ that we are researching is the brain, and when I
examine and look at it more closely, I always use the model of the "Triune Brain" by Paul D. MacLean. In
the new modern neuroscience, this is perhaps outdated. He built on the three hemispheres of the brain,
the reptilian brain, that is, the brain stem with the cerebellum, which is part of it, that are the automated
movements, that we can ride a bicycle. Then the middle brain, the limbic system, which controls or
contains, houses the emotions. And then the cerebrum. He specifically says "triune brain," so it's not a
hierarchy.

[00:19:37.080] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
The threefold, the threefold brain.

[00:19:40.880] – Ursula Davatz, MD
Yes, you can say. Not simple-minded, but three-fold. Depending on the situation, a different brain takes
over. The tsunami, it probably originates in the emotional brain, and then it floods, it can flood the
cerebrum, and it can also flood the brain stem. In the preliminary phases, before schizophrenia breaks out,
you often have other symptoms, depression, rituals, compulsive behavior,

so all behaviors that belong a little bit more into the brain stem, so into the reptilian brain. When the
psychosis breaks out, the cognitive brain, the cerebrum, is flooded and then everything collapses. Now,
when I talk about tidal wave, In the "Zeit" it has had an article last week about the gut feeling and
intuition. The article starts with the millennium wave that a surfer from Hawaii rode off. He has behaved in
a way according to usual surfing behavior completely wrong. He leaned back and stretched his leg in
front and he rode the wave. How did he manage to do that? He was able to do it, of course, because he
has ridden off so many waves, but at that moment the usual laws are gone. He had to use something
else. His body could do it. I'm switching now from affect logic to intuition.

[00:21:40.800] – Ursula Davatz, MD
That is the good side of the logic of affect. Through his quick decision-making ability, through his intuition,
which is always quick, he grasped the moment correctly and survived. In this sense, we in the Western
world and with our education are very strongly influenced by our intellectual abilities and if these fall
away, and in the case of the schizophrenic they fall away, then the person is worth less. But that's not
necessarily true. I say yes, the schizophrenic is usually very sensitive, and they notice things that
perhaps someone else is better at suppressing. In that sense, before the emotional monster wave,
there's a lot of, like you said, stress hoarding. They notice all kinds of stimuli, notice situations that
somebody else might not notice. That's where Eugen Bleuler even said, schizophrenics perceive things
that normal people don't perceive at all. That's true. They take in much more and at some point it
explodes. I think it's a biological law that when a system is overtaxed, when it reaches its limits, it jumps
over. For a while, people said "Natura non facit saltus," meaning nature doesn't make jumps. But that is
not true.

[00:23:26.320] – Ursula Davatz, MD
In the biological system, the jumps make. The brain makes the jumps. A sea that is polluted, or a lake,
can still compensate for a long time, but at some point it can no longer do so, and then it turns around. I
think that's how it works in the brain. Then the whole system collapses. It is overstrained. So the people
who then become psychotic, their emotion control and regulation, that is, their emotion regulation, fails.
Then, I could say more primitive, I'm already evaluating again, but other behaviors, emotional
expressions come into play, into expression. Does that make sense?

[00:24:25.440] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, yes, I am with all of that.

[00:24:28.020] – Ursula Davatz, MD
Totally agree. Maybe even now I'll go back to your family and your mother. You reflected her in your
book, "Ciompi," you said, the crazy mom or something like that. In the normal world she appeared crazy.
But she made a decision at that time. It was very clever. She forbade you, the elder, and your sister to go
to school. Her

have benefited greatly from it. You had every freedom. That was a wonderful school of life, I can well
understand that. That was one thing. But later it came out that there were ideas or intentions that wanted
to kidnap you as children. So your father's family wanted to kidnap you. Because you were children of
your father's family and children of your mother's family. In that sense, with wise intuition, she forbade you
to go to school, because if you had gone to school, your behavior would have been predictable. You
could have been picked up from school and then it could have happened. By releasing you and telling
you not to go to school, your behavior as you walked through the forest was not predictable at all. That
was the salvation. So no one could pick you up at school. So highly intelligent, highly intuitive, highly
skillful, and situationally appropriate. So all kudos to your mom.

[00:26:34.340] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, yes, I am also of this opinion that one can see it that way. After just this taboo then came out some
time, that the whole, so one must perhaps still say that the marriage of my mother with her husband in
Italy, she was Swiss, that the relatively early more or less went to pieces. My mother went with us to
Switzerland and then came the war and then came all kinds of things and in this, it was even in the war
situation, the family of my mother or my father or my father, as then his sister told us, wanted to kidnap
us effectively and there were very clear plans, via Jesuits in Switzerland, the beds had already been
made, our aunt, so my father's sister, then betrayed us later once. That was very concrete. It actually
turned out that this crazy behavior of my mother not to send us to school anymore, we were between
nine and eleven years old at that time, was actually a good thing. It would not have been a good thing if
we had gone to this then chaotic Italy, where very soon afterwards the front between the Allies, who were
coming from the south, and the Germans, who were still trying to defend Italy, was exactly there, along
the Arno, where we would actually have been.

[00:28:31.790] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
There was a lot of bombing and so forth, but that's just in passing. So in that light, effectively, my mother's
craziness doesn't seem so crazy.

[00:28:44.510] – Ursula Davatz, MD
No, that wasn't crazy at all. That was super intuition. She pushed through it, away from the norm. You'd
actually have to go to school. But it was very clever. If I say something further about intuition, and we go
back and forth there from living human systems to other biological systems, that was also in this article,
Gerd Gigerenzer says that intuition is actually a brilliant achievement of evolution. What you said about
free energy. Nature tries to leave as little free energy as possible, so it binds it, actually, and evolution, it
also shows us, it is very efficient. So it's always about making adaptations, saving energy, etc. You can't
afford to waste so much energy. Gerd Gigerenzer mentions a funny term, which I wrote down, "ecological
rationality", i.e. ecological wisdom.

[00:30:08.920] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, I also immediately find that a very good concept.

[00:30:14.630] – Ursula Davatz, MD
We are now going into a wave of eco and so on and so forth. A lot of it is still just lip service. In my view,
the understanding is not always so profound, especially in the medical field – I'm saying this now – and also
in the psychiatric field. But I think we could make some use of this concept.

[00:30:39.110] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
That's very good, yes.

[00:30:43.710] – Ursula Davatz, MD
There I still quote now, this comes also from this article of Albert Einstein, who obviously said: "The
intuitive spirit is a holy gift, the rational mind a faithful servant".

[00:31:07.890] – Ursula Davatz, MD
We have the tendency nowadays to turn much more to the rational mind and to believe in that and to
neglect the intuitive mind rather a bit. I think it would also be good for science that we emphasize
something there. Then I can give again an example of Johannes Kepler. Johannes Kepler first dreamed
that the disciples were around Jesus and then he calculated the planetary orbits in eleven years. So
sometimes it needs such intuitive thoughts that come to the surface and which one calculates only
afterwards.

[00:32:01.100] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
I have not met this dream of Keppler yet. He has dreamed this quasi as an entrance gate to his
researches about the planetary orbit. The chickens would go around Jesus. Very funny, I did not
know that.

[00:32:19.870] – Ursula Davatz, MD
The same thing happened with the benzene ring. This is what one hears in medicine. August Kekulé
dreamed of the snake pointing into the tail. Then he thought, no, it's not linear, it must be circular. That's
how biological chemistry came about.

[00:32:41.400] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
If I can interject something small. The book of Arthur Koestler, the divine spark is called it, there exactly
such things among other things the benzene ring and other are pointed out and which is interesting for our
topic, thus Arthur Koestler, has creativity, artistic creativity, humor

and scientific creativity are all actually traced back to such intuitive premonitions, because he didn't make
the bridge to going crazy in his book, but I then took that up when I developed the logic of affect and tried
to make a bridge. So these intuition things, that is something highly interesting.

[00:33:56.970] – Ursula Davatz, MD
In the statistical studies, it now comes out that in families with schizophrenia or manic depressive, that
there are also increased artistic abilities.

[00:34:13.100] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
These are non-conventional thought processes that have two sides. They can freak out and seem or be
crazy. Or they can reveal something new.

[00:34:32.420] – Ursula Davatz, MD
John Forbes Nash Jr is the famous example in "A Beautiful Mind". So he was psychotically wandering
around the grounds of Princeton for almost 20 years, I think. Then at some point he decided to go back
to normal. They say he was put on medication. But he says no, he didn't take any. Then he got the
Nobel Prize for game theory.

[00:35:01.620] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, this is madness.

[00:35:02.640] – Ursula Davatz, MD
Yes, that's incredible.

[00:35:04.210] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Madness.

[00:35:04.850] – Ursula Davatz, MD
Yes, exactly. There we go again with the word. It's madness. It's extreme things.

[00:35:15.000] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
That is why schizophrenia is so fascinating, because it touches the border between many very interesting
psychological phenomena.

[00:35:27.150] – Ursula Davatz, MD
I then thought even more about how does the brain jump around? How does it get the tensions? You've
already said some things. How does the function jump away from the ratio to the

Crazy and of course also highly interesting. I then also coined a word like that again. I said the
schizophrenics, they communicate via crypto-communication. Very nice, yes. It's always an encrypted
communication.

[00:36:09.120] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
I am of exactly the same opinion.

[00:36:13.220] – Ursula Davatz, MD
They actually communicate with metaphors. Through the Bible, we have partly learned to deal with
metaphors. Today it is no longer so common to use metaphors. But when a schizophrenic tells me he
sees black shadows or he hears those voices and those voices. When I was a student, I was still taught
that all this cannot be seen, that you can't do anything with it. But I always try to decipher this crypto-
communication. I tell some patients this directly, I say that this shadow is their bad conscience. Then I
look, why does he have a bad conscience. An intelligent young man has dropped out of education, lost all
his jobs, has a guilty conscience. He smoked hashish, became psychotic, and to his parents he has a
guilty conscience that he didn't get ahead. Some people get into that, too. I then always actually try to
bring these feelings that they have and that they also repress, that they project outward and project onto
someone else or project onto some figure, I try to bring them home and locate them again in the
emotional world of the person.

[00:37:44.060] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
I am of the same opinion. From my point of view or in my habit, I explain exactly the same as you have
said now, with the dream. We know since Freud among other things that the dream is not senseless,
even if it seems crazy, what one dreams only nightly sometimes therefore. But one knows that it has
meaning. It has relations to experiences, to hopes, to fears and so on. It is exactly the same with the
schizophrenic symptoms, with the strange behaviors, with the hallucinations, with the delusions. They
make sense, but hidden crypto-sense.

[00:38:42.530] – Ursula Davatz, MD
They all make sense. You can't always figure it out, but I always try to look and when you do figure it
out….

[00:38:50.780] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Then you can do something with it. Can establish communication.

[00:39:05.950] – Ursula Davatz, MD
Another question: You know my hypothesis and my conviction. One has always looked for the genes and
the environment in schizophrenia. In English they say "nature versus

nurture". Is it the genes or is it the environment? I think we agree that it's actually always both. Of course,
I then looked at the genes. My firm belief is that ADHD and ADD is a genetic constellation that is
vulnerable to developing schizophrenia. But not only schizophrenia, also bipolar disorder, major
depression, delinquency, that is, misbehavior in the social domain. If I pick out two characteristics of
these people, one can of course say many other things, then one is the high sensitivity, very easily
vulnerable, partly also high sensitive perception, so again what Eugen Bleuler said, they see more than
we normal people see, and on the other hand the impulsivity. Impulsivity can lead to this monster wave,
to this emotional tsunami. In this sense, children are much more difficult to educate. So they are quickly
hurt, if they defend themselves emotionally, they then become aggressive, then you have to discipline
them, then they don't feel understood and then a vicious circle happens. They can also, when they feel
hurt, more the ADD kids then just withdraw, then you can't get to them and then a vicious cycle happens
again.

[00:41:10.860] – Ursula Davatz, MD
So the more they withdraw, the more the environment talks for them and that then gives these autistic
people who only live in the inner world. In this sense, such children cause much more unrest in a
system, more educational difficulties and more distortions. If the system is already weakened for various
reasons, it can be illness, financial problems, etc., then the system is weakened. If the system is already
weakened, it is not able to address all these needs of these children. Then I see an illness developing.
Not only mental, but also physical. I have adult patients who come from an ADHD family and then by the
time they're 50, some of them are already or a little bit older, they're a physical tails. I think of a man who
was a boy, was diagnosed as a POS child. I say that's the same thing to me. Today you would say
ADHD child. The mother came from a family that was not intact, so she did everything she could to
make this boy a perfect boy. He was wild and rascal and so on. Has integrated well at work. Humanly,
privately, nothing and now he is in physical tailcoat, so x diseases.

[00:43:03.240] – Ursula Davatz, MD
There I think, yes, there is that his brain, his body, his vegetative system has been tamed down much too
strongly as that he could have developed. I'm asking you now, what's your thinking about my hypothesis? I
don't know how you've dealt with ADHD.

[00:43:32.040] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
I have known this hypothesis for a long time.

[00:43:33.920] – Ursula Davatz, MD
Sure.

[00:43:34.660] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi

We've known each other for a long time and you've also written a book and I've even written a foreword to
it there, which argues this thesis. So I'm going to say my opinion about it today. I think there's certainly
something to it. I think there is something to it. In this respect, I would like to add that this ADHD,
Attention Deficit Hyperactivity Syndrome, i.e. attention deficit disorder and hyperactivity in essence, is not
as new as one might think. Since the 90s, it has suddenly become incredibly fashionable, especially
because of Ritalin. It was noticed that the drug Ritalin, which is actually a stimulant, sometimes works
wonders. Then the pharmaceutical industry became very interested in it. But the whole thing, so already
in the 60s, in the 70s, there was talk about the so-called POS, psychoorganic syndrome, or minimal brain
syndrome. These were such attention disorders, cognition disorders, partly behavioral disorders. Already
at that time, the assumption was made, and to some extent also proven, that sometimes, not always, in
the run-up to psychoses, that such POS children can, let's say, become psychotic under certain stress
conditions. That was actually said at that time. What you are saying is essentially the same thing. You say
this ADHD syndrome can lead to anything. It is by no means obligatory that it becomes schizophrenia.

[00:46:05.240] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
One also speaks in schizophrenia theory and science since the 1970s at the latest of vulnerability, so-
called vulnerability concepts, which J. Zubin and B. Spring, these are two American researchers I have
met. They first formulated this hypothesis in such a way that it then became more or less common
knowledge. Vulnerability-stress-hypothesis, vulnerability, so there is a vulnerable terrain and on it, when
certain stress situations come, then it can come to madness, to craziness. So in this respect, what you
represent, I say, there is certainly something to it, there is something to it. You also represent it with a lot
of conviction and emphasis, sometimes you cause a little offence, as far as I have perceived. You are
sometimes accused of being too one-sided. But if one listens to you carefully, you are not one-sided, but
you say that this is not an obligatory way. It can also become different things. It can be schizophrenia, it
can be depression, it can be aggressive behavior, it can be anything. Emerge on that vulnerable terrain,
and to that extent I think that's a useful hypothesis. As much as I know, and what I know is, these days I
am an old man and long out of touch with what is known.

[00:48:11.960] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
I am even convinced that nobody can know everything. Even about such a circumscribed problem as
schizophrenia. As far as I know, that's what I wanted to say, this hypothesis is only insufficiently empirically
proven. These are educated guesses. There are studies that certainly speak in favor of it, but one can, I
think, so with reservation, based on my knowledge, I don't think one can speak of an established fact there
yet. That's the way I see it.

[00:48:59.300] – Ursula Davatz, MD
Who were the researchers who linked POS and schizophrenia?

[00:49:09.620] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Reinhart Lempp was a very well-known German child psychiatrist in Tübingen. He made this link in
several books between the POS, i.e. the Minimal Brain Syndrome, these disorders, where also a
hereditary factor is known in it. There were certainly more studies, but I can't quote them now.

[00:49:59.290] – Ursula Davatz, MD
He was a child psychiatrist?

[00:49:59.830] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
He was a child psychiatrist, professor of child psychiatry in Tübingen.

[00:50:04.260] – Ursula Davatz, MD
But was Reinhart Lempp's theory ever taken up by adult psychiatry?

[00:50:11.930] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Reinhart Lempp was very well known and very well respected in Germany, but how…. He was certainly
not the only one to argue this thesis, but nowadays, what is based on German is provincial, not as far as I
know Reinhart Lempp hardly published in English, so was hardly well known in the English-speaking
world. That's the handicap of people who don't publish in English? Nowadays, everyone publishes in
English, because otherwise they are not noticed at all. That was in the 60s, 70s, 80s.

[00:51:06.040] – Ursula Davatz, MD
When you say there is no empirical evidence yet, I always use these GWAS, the Genome Wide
Association Studies, where they tried to look at the gene set and then analyzed it in relation to different
diseases. It came out that schizophrenia, bipolar disorder, major depression, autism and ADHD, so the
same or strongly overlapping gene locus.

[00:51:42.460] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
That would be good empirical evidence.

[00:51:51.360] – Ursula Davatz, MD
One was then really very astonished, and it was repeated again, but now I don't see anything about it. So
somehow it was not taken up by the psychiatrists. I don't know why.

[00:52:05.180] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
This study you cite is from when, do you know?

[00:52:10.280] – Ursula Davatz, MD
I forgot to mention it in my bibliography. I was then resented or criticized for that. 2019.

[00:52:25.700] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
My experience is that the theses that are not quite so common need a lot of time in science, especially in
psychiatry, because very often there is more circumstantial evidence than in physics quasi hard evidence.
Until a new paradigm is established, it takes decades in schizophrenia.

[00:53:01.040] – Ursula Davatz, MD
I always quote Barbara McClintock. At the age of 40, she proved or established the translocation,
something in the genetic field. 40 years later, at the age of 80, she was awarded the Nobel Prize.
Because it simply didn't fit in with the current theory.

[00:53:29.800] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
There are many such examples.

[00:53:39.620] – Ursula Davatz, MD
I ask that now nevertheless, from your view where should one – to each little animal its Pläsierchen –
everyone should do what he can well and makes gladly. Where should one advance more in the area of
schizophrenia research nowadays? That would be your focus?

[00:54:09.200] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
There I have to make reservations again. At my age, I no longer overlook everything that happens. I can't
really validly say there's a gap and there's too much done there, etc. These are impressions based on the
information available to me. That caveat made, I find there are two areas for me where there is a huge
research deficit and which I see as very important for schizophrenia. The first one touches considerably
on your view, your hypotheses. It's about vulnerability. What is this schizophrenogenic vulnerability? Why
is it that vulnerable people, for example, with an ADHD, but also with other vulnerability factors, trauma or
others, some become schizophrenic, some become depressed, the third become aggressive or have an
aggressive and personality disordered, as they say today, they used to say psychopathic behavior, and
the fifth, it doesn't do anything to them. That is for me one of the important, big, unsolved mysteries,
where in my opinion still much more research is necessary than that, which I can perceive still
approximately now that it happens. The other area, also highly important in my opinion, is why do certain
schizophrenias heal? What are the factors that make it so? I myself conducted large long-term studies in
the 60s, 70s, where we studied hundreds of schizophrenics, among others, but also other diseases,

but we're talking about schizophrenia now, schizophrenics have followed up, 30, 40, 50 to 60 years, it was
37 years on average, after their initial hospitalization.

[00:56:52.960] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
It has been shown and with the question, what has become of them, it has been shown that about a
quarter was cured. That another quarter was improved and that the remaining 50 percent were either bad
or even very bad, that they were bad. But what the factors are, it's not drug factors, it's not other
therapeutic factors, at least as far as we could find out. It's to some extent probably certain personality-
structure factors. The only thing we could find out with some probability is life circumstances. Some
people find certain niches, favorable niches, and suddenly it goes again. Even without therapy. We are far
from being the only ones who have done such long-term studies. In Switzerland, Manfred Bleuler, among
others, has done such studies. In Germany, the research team of G. Huber and R. Schüttler did studies
almost at the same time. We all found out about the same things about the long-term courses. It is certain
that a part, rather a minority, but still a quarter to a third of schizophrenics heal. That in itself was a
tremendous result. Even today, some people don't believe that. Although we found that out 50 years ago,
and in fact there are at least 20 to 30 studies in the world that confirm that, because I know that, because
of course I follow them a little bit…. I have collected them. This knowledge is far from really penetrating
medicine and psychiatry as a clear, certain fact, but it is. So my, I think that should be fully noted, first of
all, and researched, secondly. There's a deficit there.

[00:59:34.690] – Ursula Davatz, MD
Yes, I agree with you on that. In the popular mind, people still think that schizophrenia is not curable. Even
the medical profession has written off the have attitude, oh dear. Yet the other evidence is there.

[00:59:51.250] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
To add to this, in our studies there were people who were crazy for 15, 20 years, were schizophrenic, and
then late recovered. Others recovered very quickly after one or two psychotic episodes. We have
statistics on that. I'm just saying that even if someone is sick for the longest time, that doesn't mean that
they can't turn around in the next 10 or 20 years, under favorable circumstances.

[01:00:36.640] – Ursula Davatz, MD
You would have to be able to examine the psychosocial environment much more closely. That is, of
course, very time-consuming.

[01:00:45.640] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
That is also difficult.

[01:00:48.140] – Ursula Davatz, MD
Difficult to categorize. That's probably why it's not done.

[01:00:56.000] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, to shoot a little provocative arrow there. If you do a neurobiological IRM study of so and so many
people and then the brain findings and then see what happens over a year or two. Then you can do a
publication. If you don't publish, and predominantly also in this area, in the neurobiological area with the
modern technical means, then you don't make progress in today's university psychiatry landscape,
predominantly. That's a bit of a gross oversimplification. But it's a jab at the short-term perspectives and
the purely neurobiological perspectives. Those are both interesting and right, but there are long-term
perspectives, there are psychosocial realities, there are social, societal realities, for example urbanism is
an overt risk factor. Why is there now a Lausanne team researching this, interestingly enough. It's not
just the brain and the synapse mechanics.

[01:02:25.440] – Ursula Davatz, MD
Yes, I always say that the brain is a social organ and it is influenced by the social environment and also
changes. This should be taken into account.

[01:02:35.920] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
But to be fair, these are of course highly complex interrelationships. That's why it's perhaps no wonder that
people can't simply see through them right now.

[01:02:54.810] – Ursula Davatz, MD
I also worked a lot with addiction patients. Then we also looked at who was getting out of addiction and
who was not. A very simple factor was, I don't know all the details now, that the addicted patients always
had a caregiver who believed in them, which could be a parent, a sibling, a teacher, a friend. A
relationship aspect.

[01:03:24.880] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Very interesting. We found similar for rehabilitation chances.

[01:03:30.670] – Ursula Davatz, MD
I believe that. Someone in this world who doesn't give up. In that sense, when I accompany
schizophrenia or difficult situations, I try to maintain that, also to pass it on. I think there is still a
development in that.

[01:03:56.840] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
It is very important that the families, the relatives, do not simply say, yes, now the diagnosis is there, lost,
and therefore nothing can be done.

[01:04:06.680] – Ursula Davatz, MD
Untreatable. It's not always easy, so people go through difficult situations. I have one last thought. I'm
very interested in evolution, after all, and I'm also always looking at all things, what's the evolutionary
value of that? In that sense, then I got into the sociobiologists or ethologists, like Edward O. Wilson. He
wrote such a great bible on sociobiology. An interesting primatologist is Franz de Waal. He's written
several books and it's easier to observe the animals and how they behave socially because there's no
preconceptions, or you've put those away now, you don't look at them with anthropocentric, human-
centered views anymore, you just try to observe. Have you looked into that? I wonder why doesn't
psychiatry use more from that area? There was a famous research by Michael Meaney. He specializes in
biological psychiatry, neurology and neurosurgery, so he's not a medical doctor with the "high licking
mothers" and "low licking mothers." That is, the rats who lick their little ones a lot. These rats, or is it
mice? I think they are mice. So they're much more resistant to stress. So they can take more.

[01:06:00.380] – Ursula Davatz, MD
Then there are lowlicking mothers and these little ones, when they grow up, they are less resistant to
stress. But then there were adoption attempts. The children of lowlicking mothers were foisted on the
highlicking mothers. These mothers also licked them a lot. Then they were also resilient, that is, resistant.
So the social environment plays a big role. In Tienale's studies, it also came out that if the family was
disturbed, then the vulnerable genes came through. If the environment was normal, the vulnerable genes
did not show through in schizophrenia. That actually shows everything, how the environment is so crucial.
I think, yes, we would have to go more to the sociobiologists or ethologists and see what their experience
is.

[01:07:09.370] – Ursula Davatz, MD
Have you dealt with it?

[01:07:11.140] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, I have not delved into sociobiology.

[01:07:19.320] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
You quote E. O. Wilson, Frans de Waal, I know a lot about it. After my retirement, which was a long time
ago, in 1994, I was a visiting professor at the Konrad Lorenz Institute in Vienna for about one and a half
years. There, of course, it was all about evolution and the whole research institute was actually in the
wake of Konrad Lorenz's research was designed to study the behavioral patterns of

animals in their evolutionary processes, how this has developed, and to establish the relationship to
humans. One of Konrad Lorenz's goals was actually to understand the human mind, based on animal
behavior. If I understand correctly, that is virtually identical to the field of interest of sociobiology. Less
from those sociobiologists you quoted than from my work at the Konrad Lorenz Institute, I took away the
conviction that there is a great continuity between animal and human behavior, feeling and thinking. One
can say it also differently, one can say that the human behavior, feeling, thinking did not appear simply in
such a way one day and then humans were there and functioned in such a way, as we function now, but
that millions, thus several millions to very minimum processes are, of which, thus one can 80 million
years back up to the beginning of the primates.

[01:09:49.960] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Creatures similar to humans have been proven about three million years ago, three to four million years
ago, and then they have also developed further and further with the brain development and obviously
with the behavior. In short, I just want to say that I think I'm very interested in sociobiology and I think it's
a very important science, as you do, because first of all it shows a certain continuity between how
animals behave and how humans behave. Especially in the field of emotions, it's quite certain that the
animals have very similar, that our emotions are rooted in the emotions of the animals actually and have
developed further, have differentiated further. What you have also emphasized very much, to this
sociobiology also belongs the environmental effects and also there I am actually quite from my point of
view completely of your opinion.

[01:11:14.380] – Ursula Davatz, MD
Beautiful. I was an admirer of Konrad Lorenz when I was 18. I read the book 'How Man Came to Be a
Dog'. For a while, Norbert Bischof, the psychologist here in Zurich, always offered guest lectures on
Fridays. I went to these for a while and then also experienced Primark, as he told how he learned the
monkey to talk. Maybe one more thing, Jörg Hess, a primatologist in Basel, we once attended a guided
tour by him and he said that the gorillas can read facial expressions better than we can and he has only
learned about 50% of what they can do in his long research phase. Because we just go for the words and
the meaning, we listen more to that and then we are not so used to reading the facial expressions. When
we as family therapists somehow got stuck in a session, then we turned off the sound, then we had to
read all the gestures, and then the behavior comes back, the facial expressions, the gestures had to be
looked at and then you can go deeper. So you suddenly understood better what was actually going on.

[01:12:49.920] – Ursula Davatz, MD
I also experienced when I traveled to countries of which I did not know the language, I had to be much
more attentive, what is he thinking now, what is going on there now. Observe. I experience the same with
mentally handicapped people. I don't have so much in treatment, but there I go again like back to animal
research. I have to get people to observe. What was there? What was

there? Only when they observe better do they learn how to deal with these people. That's where we meet
again.

[01:13:36.090] – Ursula Davatz, MD
Okay, Luc Ciompi, thank you very much for coming. It was very interesting for me. I hope it wasn't so
exhausting for you either.

[01:13:47.250] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Yes, I thank you of course also for the invitation to this conversation. We have very many common
interests and also very many common orientations, I would say, in our understanding, namely of this
fascinating phenomenon and difficult phenomenon of psychosis.

[01:14:07.810] – Ursula Davatz, MD
Beautiful. Thank you very much.

Depression ist der Anfang zur Selbstfindung

Transkription

Das Thema ist „Depression ist der Anfang zur Selbstfindung“, ich könnte auch eine andere Definition sagen und ich manchmal den Leuten präsentieren und das heisst dann die „Depression ist eine Verliererkrankheit“. Aber das tönt ein bisschen negativ und sie sehen dann, warum ich so nenne, aber heute wollen wir noch positiv sein. Es ist zwar 1. April, es ist kein Aprilscherz, wir meinen es ganz ernst, aber sie dürfen es trotzdem auch ein bisschen lustig haben dann das ist wichtig zum Vorwärtskommen. Ich sage was ist sagt eigentlich der Begriff Depression. Vielleicht noch schnell zu meiner Person. Ich bin Psychiaterin und ich bin Familientherapeutin Ausgebildet in Amerika. Ich bin Mutter von 3 Kindern und habe 5 Enkelkinder. Also das einfach zu meinem Hintergrund. Der Begriff Depression zeichnet eigentlich etwas also will etwas bezeichnen eine Art eine Absenkung. Man redet ja auch in der Wirtschaft der von Depression. Wir haben jetzt eine Depression, wenn die Wirtschaftsproduktion zurückgeht, die Absenkung bei der Depression sind Emotionen, das heisst Emotionen gehen an, die Emotionen werden in unserem Hirn generiert und zwar im limbischen System, also im Mittelhirn.

Selbstwert und Selbstvertrauen im beruflichen Alltag

Transkription

Also ich möchte sie auch alle ganz herzlich begrüssen zum Thema „Selbstwert und Selbstvertrauen im beruflichen Alltag“. Ich denke, das Thema schliesst sehr gut an, an das frühere Thema der Berufsfindung und ich habe mir wieder ein paar Gedanken dazu gemacht, die ich ihnen sagen will und dann tue ich gerne mit ihnen wieder in Interaktion treten. In unserer westlichen Gesellschaft in unserer westlichen Welt verbringen wir mehr Zeit am Arbeitsplatz als in der Familie und mit Freunden. Also der Arbeitsplatz hat eine ganz eine wichtige Funktion. Die Arbeit ist ein wichtiges soziales Umfeld und man meint jeweils, das könnte die Familie ersetzen, aber das kann es nicht. Er ist nicht mit der Familie gleichzusetzen, obwohl viele Menschen manchmal Arbeitsfeld und Familienumfeld miteinander vermischen und speziell solche Menschen, wo zuhause kein gutes Familienumfeld gehabt haben. Die haben die Tendenz dann am Arbeitsplatz ein Familienumfeld zu suchen und erwarten Sachen, wo sie eigentlich von der Familie her hätten müssen bekommen also diese Sicherheit. Das Urvertrauen, man redet ja manchmal vom Urvertrauen beim Menschen, das sollte an sich in der Familie entstehen können und zwar über Beziehung zu den primären Bezugspersonen, also Vater, Mutter, Geschwister, vielleicht noch erweiterte Familie, wenn das Urvertrauen aber aus verschiedenen Gründen nicht entwickelt hat werden können, weil die Eltern ausgefallen sind, Streit gehabt haben, weil ein anderes Geschwister, mehr emotionale Energie absorbiert hat, dann ist der Mensch, der zu kurz gekommen ist in seiner Familie mit seinem Urvertrauen.

ADHS – Schwierigkeiten bei Kindern und Jugendlichen

Transktiption

Zu diesem heutigen Tag, zu diesem Seminar. Es heisst „Do’s and Don’ts mit AHDS Kinder“ und die etwas seriösere Unterschrift ist „ADHS – Schwierigkeiten bei Kindern und Jugendlichen“. Ich werde meinen Vortrag aufnehmen, wenn Sie dann mehr Fragen stellen. An sich sind Fragen sehr interessant und die Antwort darauf auch. Also verwenden Sie halt keinen Namen. Dann könnte ich es auch aufnehmen. Wäre das okay für sie? Dann ist es mehr Lerneffekt, wenn es in der Interaktion ist. Gut, dann sage ich ein paar erste Gedanken zum Thema ADHS. Und zuerst noch zu mir. Ich bin Medizinerin, Psychiaterin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Grossmutter von fünf Enkelkindern. Also von dort her habe ich auch eigene Erfahrungen im Umgang mit Kindern. Ich befasse mich seit über 40 Jahren mit dem ADS. Damals sagte man noch, es sei ein frühkindliches POS, also ein psychoorganisches Syndrom. Man sagte, das Hirn sei etwas anders. Heute sagt man ADHS und ADS. Als Medizinerin sage ich ganz klar, ADHS ist keine Krankheit. ADHS ist ein Genotyp. Das heisst, er wird genetisch vererbt. Er bringt mit sich einen Neurotyp, also gewisse neurologische Eigenschaften, die relativ kompliziert sind, wo es auch viele Mischungen gibt. Und in diesem Sinn kann man ADHS nicht wegtherapieren.

How to survive university with AD(H)D

Datum: 11.10.2022

Zeit: 18:15 – 20:00

Ort: RAA-G-01 Aula klein (Asien-Orient Institut, 4min Gehweg vom Hauptgebäude)

Treffpunkt: 18:00 im Hörsaal

Teil 1: Was ist AD(H)S und wie sind Erwachsene im Studium davon betroffen?
Kurzer Theorieinput/Vortrag
Frau Davatz gibt einen kurzen Überblick über ADHS bei Erwachsenen und wie sich welche Symptome im Studium bemerkbar machen können.
Beni gibt einen Einblick darüber welche Anfragen betreffend ADHS (wer stellt wie viele Anfragen mit welchem Inhalt) die Fachstelle Studium und Behinderung erhält und welche Rolle das Thema für die Fachstelle spielt.

Interaktiver Teil
Frage an die Teilnehmenden:
• Gibt es Fragen zum Theorieinput/Vortrag?
• Welche Erfahrungen/Beobachtungen/Gedanken haben die Teilnehmenden zum Thema ADHS im Studium und was ist die Motivation für den Besuch des Workshops?
-> Inputs werden gesammelt und falls möglich in Workshop eingebaut

Teil 2: How to survive uni with ADHD?
Die Teilnehmenden werden nun in zwei Gruppen aufgeteilt und können in den Kleingruppen spezifische Fragen stellen. Dabei wird eine Gruppe von Frau Davatz und eine von Beni betreut. Nach der Pause wechseln die Referent*innen die Gruppen.
Vorbereitete Frageliste:
• Wie kann ich meinen Vorgesetzten (Profs, etc.) AD(H)S erklären und falls möglich
Hilfestellungen einfordern?
• Wie kann ich meinen Angehörigen die Schwierigkeiten von AD(H)S erklären?
• Was sind konstruktive Entgegnungen auf falsche Aussagen zu AD(H)S? (z.B. „du musst dich einfach mehr anstrengen“, „das wächst sich aus“, „Ritalin ist nur zum dopen da“, „ADHS ist eine Modediagnose“, „ADHS macht sich nur in der Schule beim Stillsitzen bemerkbar“, etc.)
• An wen kann ich mich wenden wenn ich denke, dass ich ADHS habe und mich abklären lassen möchte?
• An wen kann ich mich wenden, wenn ich eine Diagnose erhalten habe und einen Nachteilsausgleich abklären möchte?
• Welche Hilfestellungen beinhaltet ein Nachteilsausgleich?
• Welche Hilfestellungen kann mir die UZH ausserhalb eines Nachteilsausgleichs bieten?

• Ist es hilfreich bei AD(H)S-bezogenen Schwierigkeiten im Studium den Vorgesetzten (Profs, Seminarleiter:innen, etc.) davon zu berichten und habe ich ein Recht darauf Hilfestellungen einzufordern?

Autismus, Menschen mit Hochsensibilität

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
13.2.2022
Autismus, Menschen mit Hochsensibilität
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema eurer Weiterbildung ist Menschen mit Hochsensibilität. Menschen mit Hochsensibilität
nehmen ihr Umfeld stärker wahr, intensiver wahr. Ich mache ich eine gedankliche Überlegung.
Wahrnehmung wird oft mit Wahrheit verknüpft. Wahrnehmung ist noch nicht Wahrheit. Hier hat man das
Gleichnis, wo fünf blinde Personen einen Elefanten berühren, jeder hat Recht. Man muss es
zusammensetzen und erst dann kommt das ganze Bild heraus. Wir Durschnittswahrnehmer denken
natürlich unsere Wahrnehmung ist Wahrheit. Die Wissenschaft macht das so. Das was sie wahrnehmen
ist in dem Moment wahr. Dann hat man die Tendenz, diese Wahrnehmung dem anderen aufzudrücken.
Das geht nicht.

[00:01:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahrnehmung läuft über unsere Sinne. Wir haben verschiedene Sinne. Den Geschmackssinn, den
Geruchsinn und den emotionalen Sinn. Also wir nehmen auch emotionale Stimmungen um uns herum
wahr. Kinder sind dort besser in dieser Wahrnehmung, Tiere sind auch besser in der emotionalen
Wahrnehmung. Wir überdecken unsere Wahrnehmung dann häufig mit intellektueller Wahrnehmung. In
unserer westlichen Gesellschaft ist die intellektuelle Wahrnehmung sehr hoch gewertet. Das heisst, wir
gehen dann schlussendlich nur noch nach dieser intellektuellen Wahrnehmung. Die intellektuelle
Wahrnehmung, die ist dann gleich "wahr". Da hat man dann Glaubenskämpfe zwischen dieser
Wahrnehmung und dieser Wahrnehmung. Das sieht man zwischen den verschiedenen Kulturen. Das
sieht man zwischen den verschiedenen Religionen. Das gibt dann diese Glaubenskriege. Das ist etwas
vom Gefährlichsten.

[00:02:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefüttert werden diese aber von der Emotionalität. Wir tun unsere Wahrnehmung emotional unterlegen.
Wenn unsere Wahrnehmung nicht durchkommt, dann versuchen wir nochmals aufzudrehen und die
Wahrnehmung emotional durchzudrücken. Dann sollte sie mehr wahr sein. Das stimmt natürlich nicht.
Wenn ihr alle diese verschiedenen Sinne anschaut und wenn ihr Menschen mit Hochsensibilität habt,
Kinder oder Erwachsene, ich kategorisiere sie in der Regel unter ADS. Bei den ADHSler, die, wenn sie
gestört werden, reagieren aggressiv. Dann nehmen wir nur noch ihre Aggression wahr. Ihre
Hochsensibilität nehmen wir oft nicht mehr wahr und diesbezüglich werden sie auch übergangen. Wenn
wir ein Kind oder einen Erwachsenen gegenüber von uns haben, der hochsensibel ist – und nicht alle sind
in diesen Sinnbereichen gleich hochsensibel, manchmal sind es mehrere Sinne, manchmal ist es nur
einer – dann passiert bei diesen, wenn wir mit unserer normalen Kommunikation reinkommen, passiert bei
diesen sehr viel schneller ein Systemoverload. Sie werden überfordert, von unseren sogenannten
normalen Verhaltensweise. Wir haben die Haltung, was geht denn hier, ich verstehe das nicht, das ist
verkehrt. Als Reaktion, ich bleibe immer noch beim Hochsensiblen, haben sie die Tendenz sich
zurückzuziehen, um sich zu schützen, sie wollen ihr Systemoverload abstellen, sie müssen weggehen,
sie weichen aus, sie ziehen sich zurück und im Extremfall werden sie auch autistisch. D.h. sie ziehen sich

völlig ihre eigene Welt zurück und man erreicht sie nicht mehr. Sie suchen ihre Ruhe. Wenn man sie nicht
lässt sich zurückziehen, also wenn man ihnen den Fluchtweg abschneidet, können sie auch aggressiv
werden.

[00:04:39.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können die bravsten, rügsten Individuen auf einmal umschlagen in eine riesige Aggression. Das
kann bei den kleinen Kindern passieren und das kann auch bei den Erwachsenen passieren. Die
Aggression ist eigentlich immer eine Schutzabwehr gegen System Overload. Ich bringe ein praktisches
Beispiel.

[00:05:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein Junge, der viel plapperte, den ganzen Tag geredet hat. Ich würde auch sagen, er war
hochsensibel. Die Mutter hat sich oft aufgeregt über sein vieles Sprechen. Man konnte es fast nicht
aushalten. Dann ist in seinem Umfeld in der Schule, etwas passiert, wo er ungerecht behandelt wurde.
D.h, er wurde ungerecht behandelt, d.h. für etwas schuldig gemacht wurde, was er nicht handhaben
konnte. Was ist passiert? Er ist in einen autistischen Zustand gefallen Er hat jetzt von 14 Jahren weg,
also 6 Jahre lang einfach nicht mehr kommuniziert. Er war vorher ein Überkommunikator und hat nicht
mehr kommuniziert. Man hat alles mögliche probiert, um an ihn ran zu kommen und es hat einfach nicht
funktioniert. Da müsste ich noch etwas dazu sagen, bei dieser Wahrnehmung, ich habe gesagt, es geht
um emotionale Wahrnehmung, aber auch um Gerechtigkeitswahrnehmung. Hochsensible Menschen sind
viel empfindlicher auf Ungerechtigkeiten. Das sagt man auch viel von den ADHS/ADS Kindern. Nur die
ADS Kinder zeigen es nicht. Die ADHS Kinder rasten dann aus.

[00:06:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eine Wahrnehmung vom sozialen Gefüge. Wenn irgendetwas ungerecht läuft, nicht nur einem
gegenüber, sondern auch den anderen gegenüber, also das soziale Netz funktioniert nicht gerecht, dann
wird reagiert auf das. Also sie sind sehr sensibel auf Ungerechtigkeiten. Bei dem ist das passiert, dass
der das nicht mehr verarbeiten konnte und man konnte es nicht einrenken. Jetzt fängt er wieder an von
Ja und Nein zu sagen. Vorher nur den Daumen nach oben und den Daumen nach unten, gesprochen hat
er nicht mehr. Innerhalb von seinem Hirn laufen ganz viele Kommunikationen und Argumentationen. Die
Wahrnehmung ist absolut anders.

[00:07:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch über ADHS und Schizophrenie habe ich ein Zitat von Eugen Bleuler, dem Begründer von
der Terminologie Schizophrenie. Da sagt er, die Schizophrenen nehmen Sachen wahr, die wir gar nicht
sehen. Ich denke, da merkt er schon, dass da so etwas wie ein ADHS dahinter steckt. Ich sage das so.
Diese sensible Wahrnehmung, die kann auch in Bezug auf visuelle Wahrnehmung, also viel eine
differenziertere Wahrnehmung, wo wir darüber hinweg schauen. Die Menschen sehen zum Teil auch
Details, die wir nicht sehen. Wir haben schnell eine allgemeine Wahrnehmung. Das erwachsene Hirn
lernt Dinge schnell zu prozessieren und lässt dann all diese Details weg.

[00:08:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochsensible haben auch eine hochdifferenzierte Wahrnehmung. Da kann man auch wieder sagen,
visuell, auditiv und optisch. Was löst das im Umfeld aus? Das Umfeld hat eine Reaktion auf die
Hochsensiblen. Das Umfeld fühlt sich dann oft selber nicht verstanden, wenn sich das Gegenüber
zurückzieht und nicht zuhört oder nicht das macht was man von ihm erwartet. Dann verstärkt das Umfeld
seinen Reiz. Ich habe es Dir doch bereits einmal gesagt. Das Umfeld macht einen Overkill. Mit dem
Overkill geschieht, dass der sensible Wahrnehmer den Schirm zumacht und gar nichts mehr hört. Also es
passiert dann sofort ein System Overload.

[00:09:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die andere Reaktion vom Umfeld ist, der hört mir nicht zu, der nimmt mich nicht ernst, ich bin beleidigt.
Der akzeptiert meine Autorität nicht und dann ist man enttäuscht und zieht sich zurück. Also bricht die
Beziehung ab. Beleidigung und Beziehungsabbruch. Das ist natürlich nicht das, was die Kinder brauchen.
Sie brauchen eine Beziehung, aber nicht so eine intensive und nicht so eine überfordernde. Oder das
Umfeld kommt zum Schluss, der nimmt gar nichts wahr in seinem Umfeld, der ist nicht empathisch. So
sagt man ja, Autisten haben keine Empathie. Das wird gesagt, aber das stimmt nicht. Sie haben eine
Überempathie. Sie haben eine Überwahrnehmung, aber sie kommen sehr schnell in ein System
Overload. Im Augenblick, wo sie in diesen System Overload kommen, müssen sie sich abschirmen,
kapseln sich ab und nehmen dann gar nichts mehr wahr.

[00:10:29.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Also nichts mehr wahrnehmen ist schon eine Schutzreaktion. Das ist eigentlich nicht die ursprüngliche
Haltung dieser Leute. Henry Markram, ein Forscher in Lausanne, der selber einen autistischen Sohn hat,
wollte dann über die künstliche Intelligenz den Autismus erklären oder verstehen. Der sagt selber auch,
es stimmt überhaupt nicht, dass die Kinder nicht empathisch sind. Im Gegenteil, sie sind überempathisch.
Man hat sogar Versuche gemacht mit Mäusen oder Ratten, die überempathisch sind. Also die sind auch
ins System Overload reingekommen und haben dann abgeblockt. Also das Abblockieren, der Mangel an
Empathie, ist eine Schutzreaktion gegen die Überlastung.

[00:11:18.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie reagiert dann das psychiatrische Umfeld? Wir sind an sich eine medizinische Disziplin, aber wenn
man in andere Länder schaut, zum Beispiel Russland, dann ist Psychiatrie auch eine soziale
Disziplinarmaßnahme, eine politische Disziplinarmaßnahme. Wir Psychiater müssen dann quasi die Norm
vertreten. Im Augenblick, wenn wir mit der Norm an diese Menschen heran treten, dann überfordern wir
sie wieder. Wir versuchen sie mit allen möglichen Therapien in Richtung Normalität zu manipulieren, dass
sie doch in die normale Wahrnehmung oder Verhaltensweise hineinkommen. Die Wahrnehmung sehen
wir ja gar nicht. Wir wollen sie in die normale Verhaltensweise hineindrücken. Da geschieht wieder eine
Überstimulierung. Die andere gegenteilige Reaktion ist, wir packen sie in Watte, wir getrauen uns gar
nichts, wir müssen wahnsinnig Rücksicht nehmen auf sie. Man mutet ihnen gar nichts mehr zu, sodass
sie auch nichts mehr lernen.

[00:12:42.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man sie nur in den Watte packt, passiert keine Auseinandersetzung mehr. Dann kann man sie
sogar zu kleinen Tyrannen erziehen. Sobald etwas nicht passt, wird ausgerastet. Dann vermeidet man
das alles, damit keine Ausraster passieren, weil man selber den Ausraster nicht aushält. Das ist natürlich
auch nicht gut. In diesem Sinne ist die Tendenz oft da, weil wir von der sogenannten Norm ausgehen,
dass man die Pathologie eher fixiert und die Dysfunktion fixiert.

[00:13:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen hochbegabten, musikalisch, hochsensiblen Patienten. Ich bin angesprochen worden von
seiner Ergotherapeutin an einem Vortrag. Ich habe die Familie übernommen. Als erstes kam er mit der
Mutter. Ich fragte, was er gerne möchte. Dann hat er gesagt, er wolle, dass Mutter nicht so viel Rücksicht
auf ihn nehme und ihn ganz normal behandle und nicht so viel ein Theater um ihn herum mache. Ich
habe lange Zeit nur Mutter behandelt, oder beraten würde ich jetzt sagen. Sie hat natürlich dann alle die
Beispiele von früher gebracht, wo er ausgerastet ist, wo er nicht normal reagiert hat. Und um ihn herum
war er eine Ergotherapeutin, eine Psychiaterin, eine Gruppentherapeutin, ein Coach der IV und natürlich
die Mutter und der Vater. Alle haben um mich herum haben gehypert und haben auf eine Art seine
sensible Wahrnehmung verstärkt und vom ganzen System ein System Overload gemacht.

[00:15:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind dann alle weggefallen. Die Ergotherapeutin ist abgefallen. Er ist noch in eine Gruppentherapie
gegangen. Die Psychiaterin ist abgefallen. Die Gruppentherapeutin ist abgefallen. Der IV Coach hat sich
nicht mehr so fest involviert. Was ich gemacht habe, ist eigentlich an erster Stelle die Mutter beraten. Und
seine Geigenlehre. Ein Geigenlehrer hat es sehr gut mit ihm gekonnt. Er hat ihn schon von Kindheit her
gekannt. Aber er ist auch verzweifelt und hat gesagt, er soll gescheiter irgendeine Lehre machen. Von mir
aus eine Schuhmacherlehre. Er ist handwerklich natürlich sehr begabt. Zum Geigen spielen muss man ja
mit seinen Fingern sehr geschickt sein. Der ist verzweifelt und hat gesagt, er soll gescheiter eine Lehre
machen. Das klappt nicht mit dem Musizieren. Ich habe dann dem Geigenlehrer angerufen und gesagt,
Blödsinn, das Kind ist enorm begabt, musikalisch. Das ganze Leben war darauf ausgerichtet und wir
machen weiter. Aber wir dürfen nicht so viel stören. Ich habe dann dem privaten Geigenlehrer
beigebracht, dass er das anders macht. Er hat dann auf mich gehört und hat gemerkt, es läuft auf einmal
sehr viel besser läuft. Er war sehr dankbar für den Ratschlag. Er hat sich nicht dagegen gewehrt. Dann
musste aber wieder in die Schule gehen, also in den Musikunterricht zu einem bekannten Geigenlehrer.
Er hatte riesige Angst vor dem bekannten Geigenlehrer.

[00:16:40.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich schildern lässt, wie die Stunde gelaufen ist, dann hatte er Angst vor der Verurteilung des
Geigenlehrers und der Geigenlehrer hatte Angst vor seinem Schüler. Ja, der war auch sensibel und hatte
Angst, das gehe nicht. Dann hat er ihm gesagt, ich bin nicht sicher, dann hat er ihm so Ratschläge
gegeben und hat ihm gesagt: "Ich bin nicht sicher, ob du für eine Musikerkarriere gemacht bist, denn dort
da muss man doch einigen Stress aushalten." Also er hat ihn demotiviert.

[00:17:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann habe ich mir die Telefonnummer von diesem Geigenlehrer von diesem Professor geben lassen und
habe ihn dann auch mal erreicht und habe ihm probiert zu erklären. Dann ist herausgekommen, der
Geigerlehrer möchte natürlich Erfolg haben mit seinem Schüler, das ist klar. Man möchte nicht investieren
in einen Schüler der misslingt. In diesem Sinne ist er auch unter der Beobachtung der ganzen Schule
gestanden. Er hat sich unter Druck gefühlt. Ich habe ihm dann auch ein wenig Ratschläge gegeben. Wir
haben das so angeschaut. Er spürt seinem Schüler seine Nervosität und der Schüler spürte seinem
Geigenlehrer seine Nervosität und dann schaukelte sich das auf bis zur Dysfunktion.

[00:18:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht zu beruhigen und zu sagen, er soll einfach nur mal Geigenstunde geben, aber nicht
noch irgendwelche psychologische Bemerkungen machen. Das ist meine Sache, also die Psychologie,
die behandle ich. Er soll einfach Geigenstunde geben. Wir hatten regelmässig Kontakt gehabt und ich
habe ihm auch gesagt, dass er einfach so spielen soll, wie es für ihn stimmt. Er hatte einen
emotionaleren Stil, der Geigenlehrer einen technischeren. Aber da kann man auch etwas lernen. Und
diese Kombination ist sogar gerade sehr interessant. In diesem Sinne habe ich mich dann auch immer
mit dem Patienten unterhalten und jetzt läuft das sehr gut. Vorher hat er nicht geübt. Die Mutter wollte ihn
immer zum Üben bringen. Ich musste X mal sagen, dass ich sie aufhören muss. Das Kind ist begabt. Die
Begabung geht nicht weg. Auch wenn er drei Monate keinen Ton spielt. Die Begabung ist immer noch da.
Die Mutter war sehr engagiert im vorwärts bringen. Jetzt läuft es gut. Er hat Freude daran. Er übt
genügend, ohne dass man es ihm sagt. Ich musste das Umfeld so büscheln, dass es keine
Überfokussierung macht

[00:19:31.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir mussten nur sein Umfeld so gestalten, dass er sich entfalten kann. Das ist das Typische bei den
Hochsensiblen. Man muss sie wahrnehmen. Man darf nicht die Beziehung abbrechen. Man darf sie aber
auch nicht in irgendeine Norm hineindrücken wollen, dass sie dann gut an die Norm angepasst sind. Man
darf also keine politische Funktion übernehmen, sondern muss sie dort abholen, wo sie sind.

[00:20:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gute Beziehung hat, man kann auch Fehler machen, sie melden sich einem ja zurück,
indem sie verrückt werden oder nicht in die nächste Stunde kommen oder irgendeine Reaktion haben.
Man darf einfach die Beziehung nicht abbrechen. Man muss, wie soll ich sagen, eine flexible Beziehung
haben, eine tolerante Beziehung haben und, und da komme ich wieder mit einem Spruch, mit dem
sokratischen Lernen, man muss selber lernbereit sein. Also man muss von ihnen auch etwas lernen.

[00:20:33.930] – Bemerkung 1
Maria Montessori hat doch gesagt, dass die Kinder so sind.

[00:20:40.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht denken, ich muss diesen Menschen erziehen zur Norm, zur Gesundheit, weiss ich nicht
was. Sondern man muss mit diesem Menschen interagieren, man muss gut auf diesen Menschen hören,

verstehen wie er wahrnimmt und dann ist es auch für uns eine Horizonterweiterung. Aha, so kann man es
ja auch anschauen. Aha, der sieht das jetzt so. Dann ist es hochinteressant. Also ja, das Kind oder diese
Person ist eigentlich der Chef von seiner eigenen Wahrnehmung und wir müssen lernen diese
wahrzunehmen.

[00:21:24.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget war Biologe und kam dann in die Psychologie rein. Seine Entwicklungstheorie hat er anhand
der Beobachtung seiner 3 Kinder entwickelt und zwar anhand der Fehlwahrnehmung, also der anderen
Wahrnehmung der Kinder. Ein berühmtes Beispiel ist, wenn man einem kleinen Kind ein Gefäß zeigt,
welches einen kleinen Durchmesser hat und hoch ist. Und ein breites und grosses Durchmesser hat und
dann Wasser hin und her leert und dann fragt, wo mehr Wasser drin ist. Dann sagt es immer, dann geht
es von der visuellen Wahrnehmung aus, und denkt im grösseren Gefäss ist mehr Wasser drin. Erst ab
einem gewissen Alter kann das Kind sagen, dass es gleich viel ist.

[00:22:22.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dem Kind zeigen, wie man das Wasser hinüber leert und es sagt trotzdem, da ist mehr drin.
Weil es sich von der visuellen Wahrnehmung leiten lässt und nicht von der transformativen, also von der
logischen Wahrnehmung. Je nachdem, welcher Wahrnehmungstyp man ist, hört man besser auf das oder
das oder das. Dann kann die eine Wahrnehmung die andere überschatten und verzerren. Das macht
man auch mit den Vexierbildern. Da muss man so ein bisschen vage schauen und dann sieht man auf
einmal die Figur. Und wenn man zu genau schaut, sieht man gar nichts.

[00:23:08.480] – Bemerkung 2
Die Eltern beruhigen. Den Eltern auch die Sicherheit geben, dass sie dem Kind auch Zeit lassen können.
Auch Zuversicht vermitteln. Das machen wir viel. Wir werden ja mehr Familien haben im Kontext der
Schule. Dort sind ja auch die Lehrer und die Schulleitung ein grosser Teil. Vielleicht kannst Du auch dazu
etwas sagen? Wie vermitteln wir zwischen Eltern und Schule?

[00:24:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst die Fehlwahrnehmungen anschauen. Ich habe viel mit Schulen, mit Lehrern und den
Eltern gearbeitet. Ihr als Aussenstehende müsst zuerst die Wahrnehmung Wenn man zum Lehrer geht,
muss man zuerst seine Wahrnehmung anschauen. Man muss zuerst den Lehrer validieren in seiner
Wahrnehmung. Er sagt, er hat einen ganze Klasse, er kann nicht auf jedes Kind Rücksicht nehmen,
darum muss er alle normieren. Man muss den Lehrer genügend wertschätzen. Dann eine Pause. Dann
schauen wir von der anderen Seite her.

[00:25:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann immer das Beispiel vom Knie, von dem, der die Pferde dressiert hat. Er hatte eine freie
Pferdeshow, in der sie verschiedene Figuren laufen mussten. Dann ging es nicht. Dann hat er gesagt,
jetzt ist es nicht gegangen, jetzt probieren wir es noch einmal. Aber wenn es nicht geht, dann trainieren
wir es am Mittwoch Nachmittag. Dann hat er gesagt, es gibt solche Pferde, die alles ganz genau so

machen wollen, wie man es von ihnen will. Andere sind eher störisch und eigenwillig. Also die
Pferdeherde hat unterschiedliche Individuen, das gleiche mit einer Schulklasse. Ich würde jetzt sogar so
weit gehen, dass es hilfreich wäre, wenn der Lehrer lernt, mit diesen unterschiedlichen Individuen
umzugehen. Wenn er nicht Rücksicht nimmt auf das eine Individuum und das der Norm anpassen will,
verbraucht er die ganze Zeit, um das Individuum zu disziplinieren und anzupassen.

[00:26:42.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man aber überlegt, was man mit dem störenden Kind machen könnte und eine bessere
Handhabung innerhalb des Kollektivs hat, dann spart man so viel Energie und Zeit. Es braucht am
Anfang eine kleine Investition, aber nachher kommt ein Rendement. Er spart nachher, er spart Kräfte etc.
Da könnte natürlich die Mutter fragen, was macht sie, wenn das und das und das passiert. Vielleicht kann
es die Mutter, vielleicht kann sie es auch nicht. Dann kann man den Vater fragen, wie macht er es. Alle
die Ressourcen, die im System drin sind, kann man dann nutzen. Aber ich denke, wenn man in die
Schule geht, muss zuerst den Lehrer wahrnehmen.

[00:27:34.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer und Eltern haben voreinander Angst. Der Lehrer hat Angst vor den Eltern, es kommen auch viele
Eltern in die Schule, die reklamieren. Und die hat natürlich nur das Interesse von ihrem Kind. Dann
wehren sich die Lehrer oft sehr schnell gegen die Eltern. Die Eltern kommen dann wieder zu einem und
klagen, wie die Lehrer sich nichts sagen lassen wollen und sie wissen doch, dass ihr Kind anders ist und
das muss man anders behandeln etc. Also beide wollen voneinander nichts lernen. In dem Sinn seit ihr
dann die Vermittler, also ihr versteht zuerst die Lehrer, die Eltern habt ihr schon verstanden, als ihr den
Besuch zuhause gemacht habt und dann die beiden Wahrnehmungen zur Darstellung bringen, also zum
Ausdruck bringen.

[00:28:29.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sucht man nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Der kleinste gemeinsame Nenner ist, die
Eltern wollen das Beste für das Kind will, und der Lehrer will das Beste für das Kind. Also, ihr wollt ja
beide das Beste für das Kind. Wie machen wir das jetzt? Dann kann man eher zu einem Konsens
kommen, als zu einem debattierenden Gespräch. Denn das bringt überhaupt nichts. Denn das Kind
merkt, dass es eine Spannung zwischen Lehrer und Eltern gibt und kommt in einen Loyalitätskonflikt.
Denn eigentlich will das Kind seinen Lehrer lieben. Er will ja gerne in die Schule gehen. Man sagt immer,
man lernt nicht für den Lehrer. Aber man lernt sehr wohl. Innerhalb der Lehrer/Schüler Beziehung. Die
Beziehung ist das Wichtigste. Ohne Beziehung ist auch kein Lernen möglich. In diesem Sinne würde ich
sagen, wenn ihr in die Schule geht, muss man zuerst den Lehrer respektieren, validieren, dann die Eltern,
dann den kleinsten gemeinsamen Nenner und dann miteinander ein Ziel führende Sache.

[00:29:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Beispiel von Vater und Mutter. Die Eltern kamen wegen einem ADHS Kind, das in der Schule
immer gestört hat. Sie haben immer miteinander gekracht. Sie hatte einen sehr autoritären Vater. Sie war
auch ein ADHS Kind, aber Frauen können sich besser anpassen. Sie hat sich dann halt einfach
untergeordnet, dem autoritären Vater. Der Junge hat das nicht gemacht. Sie haben ständig miteinander

gestritten und waren schon kurz vor der Scheidung. Dann habe ich ihnen einfach nur gesagt, ihr müsst
nicht gleichzeitig die Verantwortung für das Kind übernehmen. Einen Tag macht es die Mutter, einen Tag
der Vater. Dann wird nicht drein geredet. Dann hat die Mutter gesagt, dass es der beste Ratschlag war,
den sie je gehört hat. Und sie wollten nicht mehr scheiden. Dies nach einer Sitzung.

[00:30:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her ist es sehr wichtig, dass wir die verschiedenen systemischen Wahrnehmungen herausholen
können, aufzeigen, dass sie recht sind. Also wie beim Elefant. Der hat recht und der hat recht und wie
bringen wir es jetzt zusammen? Also dass man nicht aus allen Unterschieden einen Kampf macht.

[00:30:54.070] – Bemerkung 3
Könnte man in gewissen Fällen den Eltern sagen, dass sie aufhören dem Lehrer drein zu reden?

[00:31:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jeden Fall. Man kann den Eltern sagen, sie dürfen gerne mal einen Schulbesuch machen und
zuschauen wie das Ganze läuft, wie sich das Kind benimmt. Das Kind erzählt zu Hause natürlich nur
seine Seite und nicht die andere. Dass sie einen Schulbesuch machen, das sie aber nur beobachten,
aufschreiben und dann könnten sie das vielleicht mit euch besprechen, was dort abgelaufen ist, was sie
wahrgenommen haben, was ihnen weh getan hat, was sie gut gefunden haben. Dass ihr wieder als
Vermittler zwischen Eltern und Lehrern sagen könnt, dass das die Interaktion ist. Es geht nie um richtig
oder falsch, es geht nur um eine Interaktion. Den Eltern muss man ganz allgemein sagen, ja sie sind
interessiert an ihrem Kind, aber das Kind wird auch sozialisiert in der Schule. Dort geht es nicht nur um
intellektuelles Zeugs zu lernen, sondern auch um Sozialisierung. Der Lehrer ist beauftragt, auch die
Sozialisierung voranzubringen.

[00:32:34.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass Eltern und Lehrer eine gewisse Wertschätzung voneinander haben. Ich habe mit einer
Lehrerin gesprochen und dort haben die Eltern immer drein geredet, das war eine BEZ Lehrerin, immer
gekracht zwischen Eltern und Lehrern. Da hat sie gesagt, im Augenblick, wo wir einen Stammtisch für
Eltern und Lehrer eingeführt haben, am diesem Stammtisch konnte man dann Probleme diskutieren
zwischen Lehrer und Schülern. Dann ging das ganze Reklamieren zurück. Sie haben ein Gefäß
eingerichtet, in das die beiden sehr engagierten Bezugspersonen, Lehrer und Eltern, miteinander in Ruhe
austauschen konnten und dann zu einer Konfliktlösung kamen. Schlussendlich muss man helfen.
Systemtherapie zwischen Lehrer und Eltern. Ein wenig so.

[00:33:39.560] – Bemerkung 4
So wie ich verstanden habe, würdest Du empfehlen, dem störenden Kind zuerst einmal die
Aufmerksamkeit zu schenken und mit ihm eine Regelung zu finden. Danach hat der Lehrer wieder den
Raum für die ganze Klasse. Es gibt ja auch Phänomene von Kindern, von denen ich höre, dass sie immer
die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lehrers haben. Und den anderen gar keine Möglichkeit geben, um
sich einzubringen.

[00:34:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier würde ich sagen, dass es schon aus dem Ruder gelaufen ist. Ich würde nicht sagen, der Lehrer soll
dem Kind die Aufmerksamkeit geben, aber er muss es besser verstehen. Wenn der Lehrer nur bei der
Norm bleibt, wird das Kind nicht gehört. Ein Störverhalten ist immer eine Appellation, dass etwas nicht
recht läuft. Von daher muss man das Kind besser verstehen. Er muss fragen, was war denn da? Vielleicht
kann es das Kind nicht sagen, vielleicht muss er beobachten. Er muss herausfinden, was für ein
Mechanismus abläuft. Er muss herausfinden wollen warum etwas geschieht. Ah, du hast das sagen
wollen. Ah, das hat dich verletzt, ok, ich kann es verstehen. Er muss dann das Kind validieren. Im
Augenblick, wenn er es validiert hat, kann er sagen, dass er es verstanden hat. Jetzt schildere ich meine
Situation. Meine Situation ist, dass ich vielen gleichzeitig etwas beibringen muss und dann bist Du sehr
störend. Du verhinderst dann alle anderen. Das will ich nicht und das willst Du wohl auch nicht. Das Kind
ist nicht absichtlich böse. Das Kind ist aus dem nicht verstanden werden schwierig. Nicht einfach nur
Aufmerksamkeit für das Kind, das reicht nicht, sondern auch Verständnis. Man muss wirklich selber
verstehen, was dort abläuft.

[00:36:31.390] – Bemerkung 5
Gewisse Lehrerinnen und Lehrer sagen dem Kind dann auch, dass das Kind früher kommen kann. So
konnte eine neue Beziehung entstehen. Das hat geholfen, dass sich das Kind im Unterricht
zurücknehmen konnte.

[00:37:00.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genauso ein Beispiel. Die Lehrperson ist auf das Kind zu gegangen. Er hat dem Kind etwas Extra
angeboten. Das war eine zusätzliche Leistung des Lehrers. Aber das kam dem Lehrer wieder zu gut im
Klassenzimmer. Man muss vielleicht eine etwas grössere Leistung einsetzen. Aber nachher hat man auch
ein Rendement. Es kommt auch etwas zurück. Es lohnt sich so, diese extra Leistung einzusetzen. Wenn
man das System oder die Situation verändern will, muss man mehr investieren, um nachher mehr
Energie zu haben.

[00:37:35.600] – Bemerkung 5
Danke.

[00:37:35.800] – Bemerkung 6
Meine Erfahrung, was du sagst, bestätigt so fest, dass wenn Schule oder Eltern sich gegenseitig
beschuldigen, funktioniert das nie. Ich sehe meine Aufgabe bis jetzt immer in der Übersetzungsarbeit
zwischen Lehrer und Eltern. Wer ist wie überlastet? Wie gibt es einen gemeinsamen Nenner? Es ist so
erstaunlich, man kann bei den Kindern sofort einen Fortschritt sehen, wenn sich die Fronten wieder
entspannt haben. Es muss ja nicht harmonisch sein, aber doch eine Zusammenarbeit. Es ist fast wie ein
Wunder wie die Kinder einfach besser werden in der Schule und gerne in die Schule gehen.

[00:38:37.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja, Du bist eine Übersetzerin zwischen Lehrer und Eltern. Wenn man Verständnis auf beiden Seiten
hinbekommt, denn das Kind leidet unter dieser Spannung. Wir sind ja soziale Wesen. Jedes Kind will
kooperativ sein und mitarbeiten. Wenn man das Kind besser versteht, den Lehrer besser versteht, die
Eltern besser versteht und dann den gemeinsamen Nenner sucht, dann auf einmal können alle
kooperativ werden. Das Kind kann die Situation für das Lernen verwenden und kann sich dann auch
zurücknehmen. Das Kind fühl sich wahrgenommen. Wenn ich sage, die Kinder sind sehr sensibel auf
Spannungen im Umfeld, die Spannungen gehen dann weg und das Kind kann sich wieder auf sich
konzentrieren.

[00:39:47.090] – Bemerkung 6
Ich finde man kann mit wenig ganz viel herausholen. Wenn die Lehrer merken, dass wir respektvoll ihnen
gegenüber sind, dann sind sie sehr offen. Ein Lehrer hat mich auch mal gefragt, gibt es denn einen
Weiterbildung? Der Bedarf ist vorhanden. Es ist immer eine Frage wie man es rüberbringt. HOTA wollte
mal etwas mit den Schulen machen.

[00:40:20.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Super, das kann ich nur unterstützen. Ich denke, es wäre super, wenn die HOTA eine Weiterbildung für
Lehrer anbietet. Ihr seid neutrale Gesprächspersonen, nicht die Eltern. Ihr seid Vermittler. Ich denke, viele
Lehrer wären so froh, wenn sie mehr Unterstützung erhalten würden. Ich habe versucht, etwas über den
offiziellen Kanal rein zu bringen, also über das Lehrerseminar oder die Weiterbildung, und ich bin nie
durchgekommen. Man hat sich immer schon bedroht gefühlt. Aber jetzt, wenn ihr schon im praktischen
Feld drin seid, dann hättet ihr viel mehr Echo und es gäbe sicher einige Lehrer, die kommen würden. Vor
Jahren haben wir mit meinem Oberarzt ein Seminar angeboten für Lehrer und das ist dann sogar in der
offiziellen Weiterbildung gekommen. Ihr könntet eure Weiterbildung in die offizielle Lehrer Weiterbildung
hineingeben. Das wird immer veröffentlicht. Man muss es einfach früh genug sagen, damit es publiziert
wird. Aber ich denke, es wäre sicher ein Bedarf da.

[00:41:30.830] – Bemerkung 6
Ich habe eine Frage zum vorherigen Beispiel: die Kinder, die so in Watte gepackt werden, werden werden
kleine Tyrannen. Jetzt habe ich eine Familie. Die Familie hat Angst vor dem Kind. Das Kind will immer die
Fernbedienung. Es ist wichtig, dass man das Ausraten aushält. Das ist ein wichtiger Teil.

[00:42:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen hätten es immer gern sehr harmonisch und sensibel und ruhig aber bei Kindern mit
Temperament geht das nicht. Man muss es aushalten, wenn das Kind ausrastet, auch wenn das Kind
etwas kaputt macht. Man muss standhalten. Denn das Kind braucht ein Gegenüber, das stark ist und
nicht ein Gegenüber, das immer nachgibt.

[00:42:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist ja zum Teil die Summerhill Bewegung, die antiautoritäre Erziehung ist zum Teil falsch verstanden
worden, dass das Kind immer das Sagen hat. Das ist nicht. Man nimmt das Kind wahr, man nimmt in dem

Sinn auf seine Wahrnehmung Rücksicht, aber man setzt sich mit ihm auseinander. Da fällt jegliche
Auseinandersetzung weg. Und das ist nicht gut.

[00:43:02.815] – Bemerkung 6
Danke.

[00:43:03.310] – Bemerkung 7
In meiner Praxis mache ich hauptsächlich das, mit Schwerpunkt kleine Kinder. Es geht genau da los,
wenn die zwei werden oder noch jünger sind und die Eltern das gar nicht aushalten, dass dieses Kind
schreit. Also im schlimmsten Fall sind natürlich Schreibabies, die machen dich auch fertig. Wenn du
sowas schon in der Vorgeschichte hast, hältst du auch als Eltern nicht lang durch. Und ich sehe, es
werden immer mehr. Und das ist natürlich schwierig, finde ich. Wenn die Kinder in der Schule sind, dann
ist es schon sehr spät. Vorher ist es auch relativ gut behandelbar, wenn die Eltern das einmal verstanden
haben, um was es geht, haben die riesen Erfolgserlebnisse, weil die dann wirklich auch sich in die
Beziehung trauen. Darauf spricht das Kind ja sofort an. Je jünger desto besser.

[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein sehr sensibles Baby hat und einen sensible Mutter, die Mutter kann das Kind nicht
beruhigen, wird sie immer nervöser und am Schluss ist es nicht mehr zu handhaben. Ich habe lange
Mütterberaterinnen beraten, die haben mir erzählt, dass sie in solchen Situationen eine soziale
Hospitalisation im Kinderspital machen mussten. Dann sind die Profimütter gekommen, die das Kind in
den Arm genommen haben und es wieder beruhigen konnten. Bei den sensiblen Schreikindern und
sensiblen Müttern läuft es wie bei meinem Geigenlehrer und Geigenschüler. Sie stecken sich gegenseitig
an, schaukeln sich gegenseitig hoch und machen sich gegenseitig nervös. Das muss man beruhigen.
Wenn die Eltern einmal erlebt haben, dass sie es können, dass es recht ist, dann werden sie
kompetenter.

[00:45:00.000] – Bemerkung 8
Etwas zur Hochsensibiltität. Was so ein bisschen auch speziell ist, finde ich, ist das ist auch so ein
Nimbus, der so ein Kind umgibt. Die Eltern brauchen das auch, damit ihr Kind was Besonderes ist. Das
erlebe ich als ganz, ganz schwierig, weil du musst ja quasi den Nimbus von diesem Kind zerstören. Wie
ist da deine Erfahrung? Die lassen sich, also die wollen das eigentlich nicht. Das muss ein besonderes
Kind sein. Das muss, weil sie sich manchmal auch selber darin sehen und es die Erklärung für ihren
eigenen Frust ist oder für eigene schwierige Schicksalsschläge.

[00:45:38.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt ein Schema. Die Mutter war oft auch hochsensibel, wurde aber nicht korrekt behandelt.
Sie hat sich schlecht und recht durchgeschlagen und angepasst als Frau. Wenn sie ein hochsensibles
Kind hat und sie findet, dass jemand das nicht recht behandelt, ist sie wie eine Löwenmutter und
verteidigt das. Sie überkompensiert ihre unkorrekte Behandlung, indem sie um das hochsensible Kind
einen Riesentäter macht.

[00:46:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche auch die Psychiatrie schuldig. In den USA war eine lange Diskussion um die psychiatrische
Diagnose. Jemand hat beim DSM-5 mitgemacht und alle möglichen Diagnosen rausgeschmissen. In der
Medizin profiliert man sich, indem man seinen Namen in einem Symptom oder Syndrom gibt.

[00:46:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochsensibilität ist eine neue Modediagnose. Dabei ist es ein Symptom eines grösseren
Persönlichkeitsbildes. Dann wird das hochgeschaukelt und man ist besonders, das Kind ist besonders.
Hyperintelligent wird auch so gehandelt. Hochbegabt, und jetzt heisst es hochsensibel. Man ist auf die
Emotionen gerückt. Ich finde, man sollte es in das Ganze integrieren. Man sollte es nicht so
herausstreichen.

[00:47:23.160] – Bemerkung 8
Diese Eltern sind nochmals speziell finde ich. Da musst du eigentlich erst validieren, wie sie ihr Kind
sehen, damit sie sich da aufgehoben fühlen. Dass du dann nicht anfängst mit denen zu argumentieren,
sondern erst mal sie selber ernst nehmen. Es ist gar nicht so einfach genau diese Schulgeschichten mit
genau diesen Kindern und Eltern.

[00:48:01.670] – Bemerkung 8
Bisher war es so, wenn wir die Kinder kriegen, dann ist es ganz oft schon so gewesen, dass es völlig
verkachelt war und die Schule schon so da saß. Bei uns in der Schule, wir wissen wie wir es machen,
aber die Eltern machen es nicht richtig. Die Eltern, die fühlen sich ja dann nur bestätigt. Das tolle Kind
wird ja nicht gesehen. Da finde ich, wo die Systeme schon so aneinander vorbeischrappen, finde ich es
als Ehetherapeut ziemlich schwierig. Also auch für unsere Mitarbeiter.

[00:48:32.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist schwierig, ja. Da denke ich, man muss immer dann jeden Teil validieren. Also da hat ja der Iván
Böszörményi-Nagy den Begriff "Multi Directed Partiality" geprägt, vielgerichtete Parteilichkeit. Man ist
nicht einfach unparteilich. Man kann sagen, ich verstehe dich, ich verstehe dich, ich verstehe dich und ich
verstehe das Kind. Jetzt setzen wir es zusammen. Also da muss man als Systemtherapeut alle validieren.
Nicht nur einen. Das ist auch das Anstrengende, dass man alle validiert. Man muss den Lehrer validieren,
man muss die Eltern validieren, man muss die Mutter validieren, man muss den Vater validieren, man
muss die Kinder validieren und wie machen wir es? Oft ist dann auch, also solche Fälle habe ich auch,
wo dann zwischen Mutter und Vater, der Vater wäre auf der Seite von streng und bestrafen und weiss ich
was, die Mutter auf der Seite von verwöhnen und beide Extreme sind nicht gut und es braucht von beiden
ein bisschen. Also Bestrafen nicht, aber Führen. Grenzen setzen, Strukturen setzen.

[00:50:04.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Was du da sagst, wenn sich die Eltern selber nicht recht behandelt gefühlt haben und sie wollen es bei
dem Kind ganz recht machen, das ist ja auch ein Phänomen, das man oft erlebt. In der Kindheit wurde
man zu streng erzogen und selber wird man dann zu lasch. Das sind die Flipflopseiten der Medaille.
Denen muss man dann auch wieder helfen.

[00:50:30.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder, die in Watten gepackt werden, werden isoliert von der Umgebung. Michael Meaney, der mit
den high-licking Mothers und low-licking Mothers gearbeitet hat, hat herausgefunden, dass die Kinder, die
von ihren Müttern, also Rattenkinder, viel abgeleckt wurden, viel Interaktion war, die sind viel robuster.
Die Kinder haben eine grössere Resilienz. Als ich mit ihm gesprochen habe, hat er gesagt der
Kindergarten macht das gleiche. Aber es muss ein Lehrer oder eine Gruppenleiterin dabei sein, die das
Kind handhaben kann. Wenn sie es nur in den Arm hinein tut, dann kann es untergehen und dann
beschäftigt das Kind den ganzen Kindergarten. Haben Sie so einen Fall?

[00:51:37.180] – Bemerkung 9
Ich bin 20 Jahre Kindergärtnerin. Die Kinder in ihrer Individualität wahrnehmen, das ist sehr streng
umzusetzen. Das sind grosse Fragezeichen für mich. Die Gruppen sind sehr gross.

[00:52:06.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist es Mode, dass man auch auf die Individualität eingeht und theoretisch wird das alles mit
dem integrativen Schulsystem gesagt. Praktisch geht alles durcheinander.

[00:52:27.080] – Bemerkung 9
Zu wenige Ressourcen um das umzusetzen.

[00:52:32.270] – Bemerkung 9
Oder es wird ausgelagert. Also dass du nicht mehr als Kindergärtner zuständig bist, sondern es gibt eine
Assistentin, Psychomotorik, Ergotherapie.

[00:52:51.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich nicht so gut. Ich würde eher sagen, man muss den Lehrern mehr Skills beibringen, dass
sie es leichter können. Nicht, dass noch x Zusatzpersonen reinkommen. Aber das ist das medizinische
System der Spezialisten. Das ist in der Schule gar nicht so gut. Eine gute Lehrerweiterbildung wäre
hilfreicher als noch eine Zusatzperson.

[00:53:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Patientin, sie war 14 Jahre alt, die ist genau an dem Tag, an dem die Sozialpädagogin kam,
nicht in die Schule, weil sie nicht aussinguliert werden wollte.Du brauchst einen extra Helfer, weil du
verkehrt bist. Das ist keine gute Botschaft beim Integrierungsprozess. Da ist das medizinische System
viel zu stark und überlagert alles. Da muss man sich dagegen wehren.

[00:54:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast die Frage gestellt, wie Mutter und Kind oder Eltern und Kind aus dieser Teufelsspirale
herauskommen können?

[00:54:46.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Eltern sind ja immer darauf aus, dem Kind zu helfen, das zu erziehen, in die richtige Richtung zu
leiten. Wir wollen etwas von ihm. Ich sage meinen Müttern, wenn die Kinder so ausrasten, nicht
Beziehung abbrechen. Also viele machen dann, du gehst jetzt ins Zimmer geht und wenn du dich
beruhigt hast, kannst du wieder zurückkommen. Wenn du normal bist, kannst du wieder mit mir reden.
Beziehungsabbruch ist gefährlich. Das Kind ist in einer Verzweiflung und da dürfen wir nicht Beziehung
abbrechen. Ich würde auch nicht unbedingt die Haltetherapie empfehlen, das Kind in den Arm nehmen
und drücken. Die sind ja hochsensibel, das haben sie zum Teil gar nicht gerne. Von dort her sage ich, in
der Situation bleiben und ich sage sogar extra, meditieren. Also dort bleiben, sich auf sich konzentrieren,
ruhig durchatmen und anwesend sein. Alle emotionalen Ausbrüche haben eine Steigerung und kommen
irgendwann wieder runter. Das ist das Aktionspotenzial unserer Nerven. Sie werden gereizt und dann ist
es ein Höhepunkt und sie kommen wieder runter. Man sagt sogar bei der Depression, wenn man lange
genug wartet, geht sie irgendwann weg.

[00:56:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht noch Öl ins Feuer giessen oder ins Wasser schlagen, sondern einfach sich selbst
beruhigen. Sich selbst beruhigen, aber nicht die Beziehung abbrechen. In dem Eltern irgendetwas
verhindern wollen oder das Kind dirigieren, geht es genau verkehrt.

[00:56:28.000] – Bemerkung 10
Kann ich auch Öl ins Feuer werfen, wenn ich meditiere? Ruhig bleiben?

[00:56:35.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich gar keine Reaktion mehr zeige, dann ist das wie ein Beziehungsabbruch. Bei der Spitex
Krankenschwester habe ich immer gesagt, Bezug nehmen auf das Symptom auf eine ruhige Art, also nur
tangential. Man kann sagen ja, jetzt sind wir in einer schwierigen Situation. Du bist in einer schwierigen
Situation, ich auch, jetzt muss ich etwas überlegen. Dass man die Verbalbeziehung nicht abbricht. Wenn
man nur stoisch ruhig ist, dann ist das auch wieder ein Affront.

[00:57:12.220] – Bemerkung 10
Wenn ich vom Kind angegriffen werde?

[00:57:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind Kinder, die sind nocht so stark wie wir. Nicht zu nahe aufrücken.

[00:57:35.080] – Bemerkung 10
Wir hatte eine Familie, das ist der Junge mit dem Messer auf die Mutter los.

[00:57:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich jetzt fragen, was vorne dran war. Was hat das Ganze so aufgeheizt. Auch wenn er ein
Messer in der Hand hat, heisst das nicht, er geht auf sie los. Die Mutter denkt dann gerade, er will mit
dem Messer etwas gegen sie machen. Er denkt, mit dem Messer verteidige ich mich. Da ist der Spruch:
Angriff ist die beste Verteidigung. Das ist eine Schlachtszene, das ist männlich. Nein, einfach auf
genügend Distanz gehen, aber nicht Beziehung abbrechen, dann beruhigt sich das wieder. Nicht gleich
dem Messer schon eine Aktion geben. Ich kenne einige solche Szenen, wo Kinder, wo sie eigentlich ein
defensives Verhalten an den Tag gelegt haben, aber das Gegenüber nimmt es als aggressiv.

[00:58:44.950] – Bemerkung 10
Was ist wenn Geschwister dabei sind? Der kleine kommt immer voll drunter.

[00:58:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Teilen, auseinandernehmen.

[00:59:07.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es unter Geschwistern ist, muss man sie auseinandernehmen. Da muss man dazwischen stehen.
Dann langsam herausfinden, was eigentlich abläuft. Aber sicher nicht Täter/Opfer Verteilung machen,
dann läuft es immer weiter. Man muss sie immer prozessartig auseinandernehmen. Jeder hat seine Rolle
und jeder hat eine andere Sicht und das ist alles in Ordnung. Dann versuchen, den Prozess zu
verlangsamen und jedem seine Möglichkeiten zu geben, was er dazu beitragen kann, dass es besser
läuft.

[00:59:52.930] – Bemerkung 11
Wenn meine vierjährige Tochter völlig überladen ist, totmüde ist, dann gibt es manchmal eine Kleinigkeit
und dann überläuft das Fass. Dann bleibt sie beim Eingang stehen, beginnt zu schreien. Wenn ich zu
nahe gehe, schlägt sie um sich. Mein Strategie ist, dass ich sie dort schreien lasse und meine Sachen
weitermache und ihr immer wieder Angebot mache. Irgendwann ist es vorbei, abgehakt. Wenn ich stehen
bleibe und zuschaue, treibt sie das noch mehr an.

[01:00:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so. Wenn du im gleichen Raum bist, die kennt dich und du machst deine Sache, aber du bietest
dich immer wieder an. Das ist gut. Wenn man zu nahe ist, stört man sie. Da muss man herausfinden, da
sind Kinder auch unterschiedlich, dass man nicht zu nahe darf, andere mögen es, wenn man nahe ist.
Das stimmt, wenn du zu nahe bist und sie beobachtest, dann fühlt sie sich gestört. Aber du bleibst im
gleichen Raum. Also wenn man das Kind in sein Zimmer schickt, dann macht man

Beziehungsunterbruch, das ist ungesund. Beziehungsmässig, bindungsmässig ist das nicht so geschickt.
Im gleichen Raum ist gut. Und im gleichen Raum deine Sache machen ist auch gut.

[01:01:42.620] – Bemerkung 11
Ich kann es auch ankündigen.

[01:02:09.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du so bist, dann habe ich dich nicht gern. Dann musst du weggehen. Das ist ein schwieriges Signal
als Kind. Das ist ein Erziehung mittel Liebesentzug. Das wird zwar viel praktiziert und propagiert, aber ich
finde es nicht so gut. Gleicher Raum ist gut. Du lässt dich auch nicht stören, du machst deine Sache,
aber du gehst ab und zu wieder zu ihr. Wenn sie aus ihrer Refraktärperiode herausgekommen ist, dann
kommt sie. Das ist okay. Ein Teil der Kinder brauchen länger und andere weniger lang. Ein Teil will mehr
Nähe und andere weniger.

[01:02:47.670] – Bemerkung 11
Das braucht schon auch die Fähigkeit sich nicht anstecken zu lassen.

[01:02:54.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut!

[01:02:55.460] – Bemerkung 11
Wenn es eben schon passiert ist und die Mutter auf 180 ist, dann finde ich es ganz schwierig noch
überlegt handeln zu können. Bei Mütter mit einer depressiven Erkrankung ist es schwierig.

[01:03:22.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja sogar, depressive Mütter haben dann so aggressive Kinder. Die Kinder wollen die Mütter aus
ihren Reserven rausholen. Das hat schon einen therapeutischen Auftrag. Das wird nicht immer so
angeschaut, aber Kinder nehmen wahr. Diese Kinder stimulieren über die Aggression.

[01:03:49.210] – Bemerkung 12
Das mit dem Timeout, das war früher im Heim gang und gebe. Das war vor 20 Jahren noch die richtige
Erziehung. Das ist noch fest in den Köpfen.

[01:04:18.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird auch jetzt noch gemacht. Wenn Heime mit einem Kind überfordert sind, wird das Kind in eine
Bauernfamilie geschickt. Das ist immer Beziehungsabbruch. Aus meiner Sicht ist das nicht gut. Das
Gleiche ist mit Eltern und Drogensüchtigen passiert. Da hat man auch gesagt, schicken sie sie auf die
Gasse, also lassen sie sie einfach auf die Gasse gehen, nein, schicken sie sie sogar und dann merken
sie schon, da kommen sie dann reuig wieder zurück. Das ist keine gute Entwicklungshilfe. Aber wenn

man es gar nicht mehr aushält, darf auch die Mutter sagen, jetzt fange ich an auszurasten. Bevor ich
ausraste, gehe ich das und das machen. Sie darf sich auch offen zeigen und sagen, jetzt ist es mir zuviel,
aber ich bin erreichbar. Wichtig ist, dass sie die Beziehung nicht abbricht. Sie darf sich selbst schützen.
Sie muss nicht das Kind ins Zimmer schicken. Sie kann sagen, dass sie etwas anderes machen muss,
sonst drehe ich durch oder raste aus. Aber immer in Verbindung, in kommunikativer Verbindung.

[01:05:27.530] – Bemerkung 13
Die eine Mutter hat mir gesagt, dass sie zwei kleine Kinder hat. Der eine ist ADHS, der rastet sofort aus.
Wir haben gefragt, was hilft der Mutter. Jetzt hat sie Kopfhörer an und hört Musik.

[01:05:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Und wie reagiert sie darauf? Sie ist ja noch anwesend?

[01:06:04.920] – Bemerkung 13
Sie ist abgelenkt und lässt sich nicht ablenken.

[01:06:07.690] – Bemerkung 14
Das ist auch eine stufenweise Deeskalation letztlich. So meditativ sind die wenigsten Mütter. Ich habe
eigentlich gute Erfahrungen damit gemacht. Es braucht manchmal ein Abschirmen. Auch schon bei
Kleinen. Die Eltern nehmen sie in ihr Zimmer und sie sind dabei oder vor der Tür und sie sprechen mit
dem Kind. Weil manchmal braucht es für die Eltern, wenn die Eltern das noch nie erlebt haben, dass so
ein Wutausbruch auf sie da abebbt ohne dass sie mitsteigen. Da braucht es wie, ich finde das fast ein
bisschen schwieriger für das Kind, wenn es die Mama sieht, aber es kann sie nicht erreichen. Ich höre
dann wie sie lauter schreien. Die Mama sieht, wie das Kind ausflippt, als wenn da noch eine Tür
dazwischen ist, die nicht auf keinen Fall versperrt sein darf. Aber ich bin da und das ist spannend. Wenn
die das öfter erlebt haben, dass das Kind sich wieder beruhigt, dann geht auf einmal auch mehr bis hin
zu, dass die Mama sich ankündigen kann. Also dass sie das viel besser halten kann. Ich glaube nur, es
ist selten möglich von Anfang an schon so zu reagieren; wir kriegen ja dann die Fälle, wo es schon in alle
Seiten eskaliert. Für die Eltern ist es wichtig, dass sie das einmal oder mehrere Male erleben können,
dass es wieder aufhört. Das musst du denen irgendwie ermöglichen.

[01:07:41.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich denke, da gibt es viele Methoden. Und das ist absolut eine Methode, dass man miteinander in
einen anderen Raum geht. Tür wird nicht zugemacht.

[01:07:50.660] – Bemerkung 14
Manchmal ist das viel zu eskalieren, wenn das Kind dann "Waah" und alles rumschmeißt. Das halten die
nicht aus.

[01:08:00.380] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem man es ankündigt, wird die Beziehung aufrecht erhalten. Das ist eine kommunikative Beziehung
und dann geht das besser. Das ist allgemein etwas, dass wir besser lernen über die Situation und unsere
Emotionen zu sprechen, diese sagen, nicht nur das Kind fragen, was ist, was hast Du, was spürst Du.
Man soll es selber vor machen. Über die Kommunikation ist der Faden erhalten.

ADHS und ADS bei Jugendlichen und Erwachsenen

ADHS und ADS bei Jugendlichen und Erwachsenen, Stiftung Wendepunkt.

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
13.2.2022
"ADHS und ADS bei Jugendlichen und Erwachsenen. Wo sind Gemeinsamkeiten, wo sind
Unterschiede?"
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank, ich möchte Sie auch alle ganz herzlich begrüssen zum Thema: "ADHS und ADS bei
Jugendlichen und Erwachsenen. Wo sind Gemeinsamkeiten, wo sind Unterschiede?"

[00:00:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes, ich befasse mich schon seit über 40 Jahren mit ADHS und ihren Auswirkungen innerhalb von
Familiensystemen. Ich beobachte das immer und ich sehe mich als Expertin auf diesem Gebiet. Ich sage
ganz klar, ADS und ADHS sind Genotypen, d.h. Genetisch bestimmte Neurotypen, d.h. die Gene
beeinflussen das Hirn, sie haben eine Auswirkung auf das, wie das Hirn funktioniert. Schlussendlich
führen dann die Neurotypen zu Persönlichkeitstypen. Zu einer Entwicklung, zu einer gesunden
Entwicklung oder auch zu Krankheiten. Ich sage dann immer, ADHS ist keine Krankheit, ich sage nicht
noch keine Krankheit. 25% von Menschen mit ADHS nehmen eine normale Entwicklung und das hängt
von ihrem Umfeld ab. 75% entwickeln eine psychische Krankheit. Wenn man ADHS im erwachsenen
Alter untersucht, dann haben 75% eine psychiatrische Krankheit. Die Psychiatrie spricht von
Komorbidität, also von zwei Störungen. Ich sage nein, es ist keine Komorbidität, es sind Folgestörungen.
Aus den Neurotypen des ADHS entwickeln sich Folgekrankheiten. Es entwickeln sich psychiatrische
Folgekrankheiten, aber es können sich auch somatische Folgekrankheiten entwickeln. Auf die gehen wir
heute nicht so ein. Aber ich schaue eher die psychiatrischen Folgekrankheiten an. Damit wir verstehen,
wie sich die Folgekrankheiten daraus entwickeln, sage ich, muss man ein paar wichtige Eigenschaften
von ADHS und ADS im Auge behalten.

[00:02:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Hauptmerkmal von ADHS und ADS sind eine breite Aufmerksamkeit. Das A steht für
Aufmerksamkeitsstörung. Ich sage dem nicht Störung, sondern breite Aufmerksamkeit. Das heisst
ADHSler und ADSler nehmen alles mögliche wahr, Sachen die wir nicht wahr nehmen. Die fokussieren
nicht so schnell, vor allen Dingen, wenn es nicht interessant ist, dann haben sie eine breite
Aufmerksamkeit. Wenn etwas Sie interessiert, dann können Sie auch sehr hyperfokussiert sein. Aber da
die Schule oft nicht interessant ist für sie und viele andere Sachen auch nicht interessant sind, dann
schweifen sie quasi immer umher, wo könnte es etwas Interessantes haben? Also in dem Sinn haben sie
einen breiten Sucherinstinkt. Für Jäger ist das an sich gut, denn die schauen dann immer herum, wo das
Tier aus dem Wald kommt. Dort nützt es ja nichts, wenn man nur an einem Ort schaut. Für unser
Durchschnitts-Bildungssystem ist es nicht so interessant. Denn dann passen sie halt nicht auf, wenn der
Lehrer etwas langweiliges erzählt und sie sind überall nur nicht beim Unterricht. Sie schauen zum Fenster
aus oder sie träumen. Sie sind weg. Ich nenne es bewusst positiv. Ich sage eine breite Aufmerksamkeit
und nicht eine Aufmerksamkeitsstörung. Aber wenn man natürlich fokussierte Aufmerksamkeit will, dann

ist es eine Störung. Wenn man es nur als Aufmerksamkeit ansieht, kann man sagen, dass es eine breite
Aufmerksamkeit ist.

[00:04:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Des Weiteren haben sie eine hohe Sensitivität, also sie sind empfindlich. Man kann dann auch sagen, sie
sind leicht verletzlich. Also wenn ihnen Sachen widerfahren, die sie verletzen, also die sie nicht gerne
haben, wo sie gekränkt werden, dann reagieren sie stärker. Also eine starke emotionale Reaktivität. Auch
diese hohe Empfindlichkeit kann man wieder in etwas Positives übersetzen. Sie haben eine sehr
differenzierte Wahrnehmung. Wenn Sie etwas anschauen, nehmen sie das sehr differenziert wahr. Das
kann auditiv sein, also in den Ohren sein, das kann visuell sein, das kann tastsinnmässig sein und das
kann natürlich auch emotional sein. Wenn ich Eltern von ADHS Kindern frage, also es gibt noch andere
Geschwisterte, wenn ich frage, wer von ihren Kindern merkt zuerst, wenn es ihnen nicht gut geht, sagen
sie immer das ADHS Kind. Denn die haben diese Empfindlichkeit. Dadurch haben sie auch eine starke
Empathie. Wenn sie zu viele Reize bekommen, dann passiert ein System Overload. Dann machen sie zu
und können nichts mehr aufnehmen. Aus den ADSler entwickeln sich auch autistische Zustandsbilder.
Denen sagt man dann nach, sie merken dann gar nichts mehr. Sie haben keine Empathie, aber das
stimmt nicht. Sie haben eine Hyperempathie, aber die kann überladen oder überfordert werden, sodass
Sie zumachen und dann gar nichts mehr wahrnehmen.

[00:05:58.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben emotional eine starke Reaktivität. Das heisst, weil Sie so empfindlich sind, weil Sie so viel
wahrnehmen, gibt es schnell eine Verletzung, gibt es schnell ein System Overload. Dann reagieren
ADHSler mit aggressiver Abwehr. Die ADSler reagieren mit Rückzug nach innen, also Flucht nach innen.
Die weichen dann aus, lassen den Laden runter und man weiss nicht mehr wo sie sind. Am Augenkontakt
sieht man, jetzt sind sie weg.

[00:06:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler sind motorisch stark, sie reagieren mit Aggression, Dreinschlagen, Schreien, Schimpfen,
Tobsuchtsanfällen, was auch immer. Das ist eine aggressive Abwehr. Sie sind nicht eigentlich aggressiv,
von Natur aus. Sie können die liebsten, empfindsamsten Menschen sein. Aber wenn sie verletzt werden,
dann schützen sie sich aggressiv. In dem Sinne sage ich, Angriff ist die beste Verteidigung. Das sagt man
ja und das ist das, was sie machen.

[00:07:22.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wenn sie fragen, was ist der Unterschied zwischen Erwachsenen mit ADHS und Kinder,
Jugendlichen mit ADHS. Da es ja genetisch ist, bleibt an sich die Konstellation das ganze Leben lang.
Früher hat man gesagt, ADHS wächst sich aus. Man hat gesagt, das ist eine mangelnde Reifung oder
verspätete Reifung der Isolierschicht der Nerven und des Hirns. Das waren so mechanische
Vorstellungen. Heutzutage weiss man, es wächst sich nicht aus. Es ist ja genetisch bestimmt. Das Hirn
bleibt so, wie es ist. Aber was sich ändert, ein kleines Kind kann seinen Impuls weniger gut steuern als
ein erwachsener Mensch. Bei allen, ob ADHS oder nicht. In diesem Sinne sagt man, ADHSler lernen ihre
Impulse im Erwachsenenalter besser zu steuern. In gängiger Sprache sagt man, sie lernen mit ihrem

Neurotyp, mit ihren speziellen Eigenschaften, besser umgehen. Je besser sie es lernen, umso weniger
stossen sie an. In der Kindheit, wo sie es noch nicht so gut haben, stossen sie überall an, weil sie schnell
dreinschwatzen, dreinschreien, schimpfen, in der Schule den Clown spielen, etc.

[00:08:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene Menschen, das geht bei allen so, können ihre Impulse und Gefühle besser kontrollieren und
somit können auch ADHSler das besser. Es kostet sie eine relativ grosse Anstrengung. Jetzt, ich sage, es
hängt vom erzieherischen Umfeld ab, ob die 25% sich zu gesunden, zum Teil hervorragenden
Persönlichkeiten entwickeln. Also unter vielen berühmten Persönlichkeiten gibt es ADHSler, Musiker,
Forscher, Politiker, Ärzte usw. Wenn das Umfeld mit diesen Eigenschaften, mit dieser Sensitivität, mit
dieser Aggressivität, mit dieser Impulsivität gut umgehen kann, also gut abfangen kann, also tolerant ist,
aber doch gewisse Strukturen hat, dann können sich diese eben zu interessanten Persönlichkeiten
entwickeln und viel leisten.

[00:09:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld aber mit ihren Eigenschaften nicht gut umgehen kann, dann kann es verschiedene
Krankheiten daraus ergeben. Ein gesundes Umfeld für ADHSler wäre ein strukturiertes, aber tolerantes
Umfeld, das gewisse Flexibilität hat und auf das Wesen der Kinder eingehen kann.

[00:10:30.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann immer man muss persönlichkeitsgerecht die Kinder erziehen. Ich übersetze es immer in
die Tierwelt. Man sagt artgerechte Tierhaltung. Man nennt es artgerechte Dressur. Eine Kuh behandelt
man anders als ein Araberpferd. Es sind beides Säugetiere, aber sie haben eine andere neurologische
Struktur.

[00:10:48.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld zu rigid, zu streng und bestrafend ist, dann laufen die ADHSler, eher die ADHSler
laufen natürlich ständig in eine Wand hinein. Bei den Jungen gibt es dann Aggressionen,
Tobsuchtsanfälle, Zerstörung, man sagt dann zuleide werken. Aber es geht eigentlich immer darum, dass
sie sich wehren. Sie wehren sich, sie schützen ihre hohe Sensitivität. Wenn das in eine Krankheit
hineinführt, in eine psychiatrische Diagnose, dann gibt es eine dysoziale, antisoziale
Persönlichkeitsstörung. Das heisst, sie landen im Gefängnis, also delinquent. Dort werden sie dann
wieder mit einer Bestrafung erzogen, die aus meiner Sicht überhaupt nicht funktioniert. Das Problem ist,
man schaut bei ihnen nur das Endresultat an, also ihr aggressives Verhalten. Man schaut aber nicht ihre
Verletzung an. In diesem Sinne müsste man eigentlich immer zuerst die Verletzung anschauen und dann
ihnen die Sozialkompetenz beibringen. Wenn man die Verletzung aber nicht anschaut und von ihnen
gleich verlangt, dass sie sich korrekt benehmen und nicht so verletzt sind, dann fühlen sie sich nicht
verstanden, machen nicht mit und es funktioniert alles nicht.

[00:12:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Man sagt, 30% der Strafgefangenen haben ADHS. Ich würde behaupten, es ist mehr. Aber es gibt, ich
weiss gerade keine anderen Statistiken, aber sicher hat es in den Gefängnissen vermehrt ADHSler,
Männer.

[00:13:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich zusammennehmen und trotzdem versuchen, ihr Temperament unter Kontrolle zu behalten,
wenn sie sehr streng und gut und brav erzogen sind, dann können sie in Zwangsverhalten hinein gehen.
Sie wollen nicht anecken, sie wollen es ja richtig machen, sie wollen es ihrer Bezugsperson recht
machen. Jungs wie Mädchen können dann Zwangsstörungen entwickeln. Mädchen wahrscheinlich noch
mehr, aber auch Männer können dann Zwangsstörungen entwickeln. Der Mensch ist ein soziales Wesen,
er will ja eigentlich gut zurechtkommen mit seinen sozialen Gefährten, mit seiner Gruppe. Sie müssen
sich viel mehr sich anstrengen, um die Anpassung hinzubringen. Da hört man dann manchmal, dass
Kinder in der Schule sich gut benehmen und zu Hause, wenn sie nach Hause kommen, sind sie so
erschöpft, dass alles explodiert und sie nicht mehr zum haben sind. Es kann aber auch umgekehrt sein,
dass sie zu Hause brav sind, weil sie dort sehr bestrafend und streng erzogen werden. Dann verhalten
sie sich zu Hause vielleicht einigermassen korrekt. Ausserhalb, also in der Schule und auf dem
Pausenplatz, kommt dann die ganze Aggression heraus.

[00:14:32.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, ob sie das noch miterlebt haben, unter Rebellen oder der Bader Meinhof Gruppe, also die
dann einen gefangen und umgebracht haben, wenn man bei denen in ihren Haushalt hineingeschaut hat,
also in das Familienumfeld, sind sie eher streng erzogen worden. Die Aggression wurde unterdrückt. Zum
Teil sind es Pfarrerkinder, zum Teil Lehrerkinder. Also zu Hause haben sich angepasst und im politischen
Feld haben sie dann agiert. Ich könnte jetzt eine Bemerkung dazu machen oder ich mache sie sogar.
Jetzt zusammen mit dem Covid Virus gibt es ja die, die folgen und sich impfen lassen und auch Masken
anziehen. Sie gehören zu denen, und solche, die dagegen rebellieren. Das sind häufig spät
Pubertierende. Die haben jetzt Chancen, zu rebellieren. Was ja interessant ist, die Kinder, die zu Hause
sehr streng erzogen worden sind, die sich unterordnen, brav sind, anpassen, die rebellieren dann erst,
wenn sie ein Kollektiv um sich herum haben. So entstehen die politischen Rebellierer.

[00:15:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht auch von dem, der den Präsidenten in Israel umgebracht hat. Er kam aus einem sehr
strengen, orthodoxen Milieu, war ein braver Student, der alles wunderbar gemacht hat. Er hat sich dann
der politischen Gruppe angeschlossen und den Präsidenten umgebracht. Das ist das, was ich beobachte.

[00:16:15.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her ist es nicht hilfreich, wenn man das Temperament, die leichte Verletzlichkeit und die
aggressive Abwehr in der Erziehung allzu streng behandelt. Man muss ihnen einen gewissen Freiraum
lassen und man muss ihnen eher helfen, ihre Verletzungen zu sagen, die zum Ausdruck bringen und
dann ihre Bedürfnisse sagen. Aber wenn man ihr aggressives Verteidigungsverhalten gerade bestraft,
dann können sie die Persönlichkeit nicht entwickeln.

[00:16:53.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zu den Frauen gehen. Die Frauen haben kein Testosteron, sondern Östrogen, Ozytozin. Frauen
mit ADHS, die sich nicht ausleben können, die tun sich anpassen, denen fällt es einfacher sich
anzupassen, die sind dann empathisch. Wenn die dann aber in die Pubertät kommen und eigentlich ihre
Persönlichkeit entwickeln sollten, dann entwickeln sieh eher Depressionen oder Zwangsstörungen oder
Persönlichkeitsstörungen, wie Bulimie, also zuerst Anorexie, das heisst Essstörungen, sie gehen ins
Fasten hinein, dann können sie nicht so aggressiv sein. Oder Bulimie, da essen sie aggressiv und dann
erbrechen sie wieder. Sie regulieren ihre Emotionen dann mit einem Suchtverhalten. Sie können auch
Borderline Persönlichkeiten entwickeln, das heisst sie sind mal aggressiv und dann wieder ganz brav. Sie
wechseln hin und her zwischen völlig ausser Rand und Band sein und dann wieder sehr angepasst.

[00:18:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch passieren kann bei den Frauen, und das könnte auch bei den Männern passieren, dass sie
sich einigermassen noch angepasst haben als Kinder und Jugendliche. Auf einmal bricht ihre
Emotionalität aus ihnen aus. Dann machen sie eine manische Episode und schlussendlich bipolare
Störungen. Auch Männer können das ebenfalls machen. ADSler, wenn sie sich nicht richtig entwickeln
können, gehen eher in Richtung Autismus, also dass sie sich von der Welt ganz zurückziehen und nur
noch in einer vorgestellten Welt oder auch in einer wissenschaftlichen Welt leben, also dass sie dann an
irgendwelchen Formeln studieren und den Rest interessiert sie nicht mehr. Sie schliessen sich dann ab
von der Welt. Was weiter sein kann, wenn man ein starkes Umfeld hat, das mit den Pubertierenden
umgehen kann, dann gibt es Auseinandersetzungen, es fliegen die Fetzen, aber Vater und Mutter gehen
nicht zu Grunde, die sind standhaft genug. Wenn das Umfeld geschwächt ist, wenn eine Krankheit
vorhanden ist, bei einem Vater oder eine Mutter krank ist, dann haben die Mädchen eher die Tendenz,
sich anzupassen, sich selber zu unterdrücken und ihre Emotionalität nicht auszuleben. Wenn sie dann
aber ins Leben herauskommen und sich nicht mehr so fest anpassen müssen, dann kann es auch wieder
explodieren und dann kann eine bipolare Störung entstehen.

[00:20:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Was Frauen oft auch haben, ist, weil sie sich nicht richtig ausleben konnten, aber das kann auch bei
Männern passieren, weil sie ihre Persönlichkeit nicht richtig entwickeln konnten, entwickeln sie
Depressionen, schwere Depressionen.

[00:20:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beweis, also zur Unterstützung meiner Hypothese, dass sich aus ADHS und ADS
Folgenkrankheiten entwickeln können, ziehe ich die Genome Wide Association Studies (GWAS) bei. Das
heisst, man hat grosse Kohortenstudien gemacht, wo man fünf verschiedene Krankheitsbilder genetisch
untersucht hat. Die Krankheitsbilder sind Schizophrenie, bipolare Störung, schwere Depression, Autismus
und ADHS. Diese hat man alle auf ihre Gensätze untersucht und nach Ähnlichkeiten gesucht. Man wollte
herausfinden, ob gewisse Gene bei diesen verschiedenen Krankheiten wichtig sind. Und da hat sich
herausgestellt, dass bei allen diesen fünf Krankheiten der gleiche Genlokus, sagt man da, am gleichen
Ort vom Gen verändert ist. Vielleicht nicht ganz genau gleich, aber doch sehr stark überlappend. Also der
gleiche Gensatz hat zu den verschiedenen Krankheiten geführt. Dann war man sehr erstaunt und hat

gesagt, wie kann das sein, so verschiedene Krankheiten können die gleiche genetische Ursache haben.
Ich habe natürlich gesagt, ist für mich klar, es ist der ADHS Gensatz, der zu all den verschiedenen
Folgenkrankheiten geführt hat, beeinflusst durch das Umfeld. Denn die Umfelder dieser verschiedenen
Menschen waren sehr unterschiedlich. Sie waren die Weichensteller, dass sich die Krankheit, die
Krankheit, die Krankheit oder die Krankheit entwickelt hat.

[00:22:15.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat es nicht weiter erforscht, warum es so ist, aber ich schaue bei allen drei Generationen die
Familienschemas an, wo es Zeichen nach ADHS hat. Ich schaue dann zum Beispiel so Dinge an wie die
Jähzornigkeit eines Vaters, Grossvaters, Ablenkbarkeit in der Schule, Kreativität, weil sie eine breite
Aufmerksamkeit haben, können sie gut über den Tellerrand denken, was nicht immer gefragt ist, aber
wenn man kreativ sein soll oder wenn Kunst gefragt ist oder auch wenn Wissenschaft, also Erfindertum
gefragt ist, dann ist das hilfreich. So schaue ich nach Erfindern. Dann hat es zum Teil Grossväter, die
irgendwelche Patente angemeldet haben, und dann denkst du, ah, die klingen nach ADHS und suche
dann so.

[00:23:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Also in dem Sinn, ist der Genotyp von ADHS und ADS hat viele Möglichkeiten, kann in die Gesundheit
gehen, in ausserordentliche Persönlichkeiten und kann natürlich auch in die Krankheit hinein gehen. Die
Behandlung von ADHS ist heutzutage mit Stimulantien, das heisst mit Weckamin, Ritalin ist das
Grundmedikament, aber es gibt viele andere noch. Diese Weckamine, die helfen, eigentlich stressen die
ja das Hirn und die helfen, dass man dann ein bisschen besser fokussieren kann.

[00:24:06.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mehr gestresst ist, kann man besser fokussieren. ADHSler haben die Tendenz, ihre Sachen
aufzuschieben, weil sie nicht gerne unangenehme Sachen machen. Sie wollen lieber das machen, was
ihnen leicht fällt. Wenn sie dann aber kurz bevor sie ihre Arbeit abliefern müssen, genügend gestresst
sind, dann schütten sie selber Dopamin aus und können dann die Arbeit auch noch in Nachtarbeit
erledigen. Wenn man ihnen Ritalin verschreibt, dann können sie besser lernen und können vielleicht
früher ihre Arbeit fertig stellen.

[00:24:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHSler einen System Overload haben, dadurch dass Sie so breite Aufmerksamkeit haben, dass
viel um Sie herum läuft, viele Störfaktoren, können sie je nachdem darüber hinaus fallen und dann
können sie psychotisch werden.

[00:25:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Buch geschrieben über ADHS und Schizophrenie. Ich habe dort nur Schizophrenie und
ADHS miteinander verbunden. Seitdem, das ist jetzt schon eine Weile her, seit ich das Buch geschrieben
habe, schaue ich natürlich alle anderen psychiatrischen Krankheiten an im Zusammenhang mit ADHS,
nicht nur Schizophrenie. Das ist die extremste Krankheit. In der Schizophrenie gibt man Neuroleptika, das

sind Medikamente, die Dopamin heruntersetzen. In der Zwischenzeit gibt man den Kindern bereits Ritalin
und gleichzeitig Neuroleptika. Die Übererregtheit, die sie haben, geht oft nicht weg mit dem Ritalin. Sie
können zwar besser fokussieren, aber sie sind immer noch sensibel und können leicht übererregt
werden. Dann gibt man Ritalin zum Stimulieren, damit sie besser aufpassen können. Man gibt
Neuroleptika, damit sie nicht ganz so empfindlich sind auf all die Reize, die sie aufnehmen.

[00:26:11.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt wird und die sind ohne Ritalin durchgekommen,
dann gebe ich in der Regel nicht einfach Ritalin. Wenn sie aber eine zweite Ausbildung machen und
lernen wollen, dann bin ich durchaus bereit ihnen auch für diese Lernzeit Ritalin oder Ähnliches zu geben.
Damit sie ihre Lernzeit besser durchbringen können.

[00:26:39.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben Ärzte auch Ritalin genommen wenn sie auf die Prüfungen lernen mussten, das war damals
noch verboten. Man konnte die ganze Nacht lernen und so seine Prüfungen schreiben. Heutzutage sagt
man in Amerika, dass ein Viertel der Studenten oder mehr, Ritalin nehmen, um die Prüfungen zu
absolvieren. Das ist in der Schweiz noch nicht so.

[00:27:08.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären so ein paar Gedanken zu ADHs und ADS. Jetzt bräuchte ich Fälle von Ihnen, wo Sie mir
praktische Beispiele bringen, mit denen wir schauen können, wie man damit umgehen kann.

[00:27:45.000] – Bemerkung 1
Können sie mehr zur Bipolaren Störung sagen, die sich daraus entwickeln kann?

[00:28:05.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Bipolare Störung heisst manisch depressiv. Früher hat man NDK, manisch depressive Krankheit gesagt.
Heute sagt man bipolar. In der Pubertät ist man himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt. Bei der bipolaren
Störung fällt man in eine manische Phase. Dann ist man distanzlos. Man gibt meistens viel Geld aus,
kauft ein, macht mit allen per Du. Man braucht wenig Schlaf. Man schlaft nur noch vier Stunden oder
weniger und hetzt in der Gegend umher. Irgendwann wird man dann erschöpft, wenn man sich so
verausgabt hat. Dann fängt man an zu sehen, was man alles für Mist gemacht hat. Dann fallen sie in eine
Depression. Dann bereuen sie alles, was sie gemacht haben. Dem sagt man bipolare Störung. An sich
gehört die bipolare Störung auch zu der Psychose wie Schizophrenie, weil sie zum Teil den Grössewahn
haben und meinen, sie seien die grossen Erfinder. Wenn sie dann depressiv werden, haben sie zum Teil
auch Versündigungswahn, Verfolgungswahn. Also, alle schauen mich an, alle wissen, was ich für einen
Mist gebaut habe, etc. Aber sie haben in der Regel nicht so einen gut ausbildeten Wahn wie die
Schizophrenen. Aber ich sage immer, wir haben nur ein Hirn und dieses Hirn kann verschiedene Sachen
machen. Wir Psychiater nennen es dann bipolare Störung, manisch depressiv oder Schizophrenie.

[00:29:49.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Man nennt es auch schizoaffektiv, das ist wieder näher bei der bipolaren Störung. Das sind alles solche
Varianten. Aber das Hirn macht diese verschiedenen Störungen. Haben Sie irgendjemanden, der diese
Diagnose hat?

[00:30:16.700] – Bemerkung 1
Ich habe jemanden, er ADS ist. Er konnte sich damit sehr viele Privilegien herausholen. Er ist sich dem
bewusst. Er begründet alles mit dem.

[00:30:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für Privilegien holt er sich dann?

[00:30:47.650] – Bemerkung 1
Er arbeitet in einem anderen Raum. Er kann viele Arbeiten nicht machen. Man muss ihm alle Arbeite zu
tragen. Das Anrufen habe ich weggebracht. Er hat die Diagnose ADS.

[00:31:44.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, das ist interessant. Was ADSler zum Teil auch noch haben, z.T. ADHSler auch, sie haben Mühe
mit neuen Situationen. Sie sind scheu und haben Angst vor neuen Situationen. Wenn sie es noch nicht
kennen, Abstand etc. Darum sagt er, er müsse immer alles wissen. Aber es ist nicht okay, wenn er lauter
Sonderbedingungen hat. Das ist ja nicht gesund. Er muss ja lernen, mit dem Leben umzugehen. Und bei
einem ADSler, das ist dann wie bei einem scheuchenden Pferd, dann dürfen sie sagen, du hast Angst vor
neuen Situationen haben. Du kannst etwas früher kommen, dann kann ich dir zeigen, was auf dich
zukommt. Dann kannst du dich angewöhnen und dann kannst du anfangen. Aber nicht, dass du
bekommst diese Sondersituation, damit du anrufen kannst. Das ist nicht so gesund. Man will es ja
möglichst gut an die Normalität anpassen. Aber diese Anpassung braucht ein wenig Zeit. Sie geht nicht
ganz so schnell. Sie können nicht so gut umstellen.

[00:33:01.980] – Bemerkung 1
Es braucht viel Kraft.

[00:33:04.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen ein wenig Kraft. Da muss man nicht bei allem nachgehen. Es geht um den Prozess, wie sie
ihn einführen, aber nicht er darf übernehmen. Sie verstehen, er hat Mühe mit neuen Situationen, aber
dann müssen sie es auf eine Art machen, dass man ihn etwas langsamer begleitet. Darum sage ich, er
soll früher kommen, anstatt dass er anruft und ihren ganzen Arbeitsgang blockiert.

[00:33:33.590] – Bemerkung 1
Was noch das Phänomen ist bei ihm, ist, dass er etwas fragt, er braucht Hilfe. Du gibst ihm die
Hilfestellung, erklärst ihm alles, aber es passt nicht in sein Schema und dann ist alles nicht gut, dann ist
er blockiert. Für ihn gibt es nichts kleineres als Millimeter.

[00:34:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da hat er ein sehr rigides Denken. Da blockiert er dann. Da ist wieder die Kunst, dass man sagt, jetzt
kommt etwas Neues, du lernst jetzt etwas Neues. Sie wollen natürlich ihrer Komfortzone verharren in
dem, was sie gelernt haben. Aber der Mensch ist ein lernfähiges Wesen, wenn man nicht bereit ist etwas
neues zu lernen, bleibt man still stehen. Und das wollen wir nicht. Ich will dir das beibringen. Ja, sie
haben die Tendenz, dann sind die anderen falsch und dann muss er nichts lernen. Sie dürfen aber als
Lehrer sagen, ich will, dass du etwas lernst. Es ist eine differenziertere Interaktion zwischen ihnen und
ihm. Er kann nicht befehlen, wie es geht. Sie können verstehen, wie es bei ihm läuft, aber ich möchte,
dass du das jetzt lernst. Du kannst das lernen. Jedes Hirn kann lernen. Wie alt ist er?

[00:35:39.770] – Bemerkung 1
Er ist 40 Jahre alt.

[00:35:43.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Freud hat einmal gesagt, nach 40 würde man nichts mehr lernen. Also man könne sich in nichts mehr
entwickeln. Das stimmt nicht. Heutzutage weiss man, das Hirn ist noch plastisch. Die Neurogenese, sagt
man, noch bis man stirbt. Und auch du kannst noch lernen. Und lernen heisst lebendig bleiben. Und okay,
er hat Angst vor neuen Sachen, er will sich hier festsetzen in seiner Komfortzone. Und jetzt gehen wir
aber ein bisschen raus aus dieser Komfortzone. Also es braucht von ihnen schon ein bisschen ein Zickeln
oder ein Kitzeln oder ein bisschen ein Fordern. Wichtig ist, dass sie nicht verrückt werden. Sobald sie
verrückt werden, haben sie verloren.

[00:36:33.280] – Bemerkung 1
Verrückt werden hat keinen Sinn.

[00:36:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das hat überhaupt keinen Sinn. Aber gibt Ihnen das einen Anhaltspunkt? Ja. Und Sie dürfen sagen,
ich habe den Ehrgeiz, mit dir noch etwas zu lernen.

[00:36:49.000] – Bemerkung 1
Er hat schon viel gelernt. Es braucht einfach viel Energie.

[00:36:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
So gut! Ja, das braucht es. Hier können sie an Sokrates und das sokratische Lernen denken. Wir Lehrer
lernen auch an Hand von unseren Schülern. Man lernt viel an diesen schwierigen Leuten. Vor allen
Dingen Geduld und auch neue Methoden.

[00:37:17.220] – Bemerkung 2

Könnte man sagen, dass ADHS eher bei den Jungs sichtbar wird und ADS eher bei den Mädchen?

[00:37:34.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss immer noch nicht genau, ob die genetisch wirklich unterschiedlich sind. Bei allen Genstudien
hat man es nicht auseinandergenommen. Bei den Jungs kommt eher das ADHS raus, aggressiv, etc, das
sieht man dann. Die Jungs, welche ADS haben, kriegen dann eher die Diagnose Autismus. Die Mädchen,
die ADHS vielleicht hätten, die gehen dann eher ins ADS rein, sie ziehen sich eher zurück. Man trifft das
ADS mehr bei den Mädchen an und das ADHS mehr bei den Jungs. Und wenn man dann das ADHS bei
den Mädchen antrifft, dann hat das Umfeld oft auch riesige Schwierigkeiten, mit denen umzugehen. Die
kommen dann von Heim zu Heim, wild, machen alles mögliche, Verrückte und kein Mensch kann mit
ihnen umgehen.

[00:38:43.250] – Bemerkung 2
Was wäre das Ideale, wenn man ein Umfeld finden müsste, das klare Strukturen hat und gleichzeitig sehr
flexibel ist? Es gibt ja überall gewisse Regeln und Strukturen.

[00:38:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld für ADHSler braucht gewisse klare Strukturen, einen Rahmen und innerhalb davon relativ viel
Beweglichkeit. Es braucht Autoritäten, die konfliktfähig sind, also sich auseinandersetzen können mit
denen, die keine Angst vor Kampf haben. Bei der ADSlern braucht es ein Umfeld, das sehr aufmerksam
ist. Das merkt, oh jetzt ist er abgedriftet ist, oh, jetzt ist er nicht dabei. ADSler gehen in der Schule
verloren. Jungs und Mädchen. Mädchen noch ganz speziell, aber Jungs auch. Da braucht es ein sehr
aufmerksames Umfeld, das sieht, hmm ich glaube ich habe den verloren. Dann braucht es, dass der
Lehrer oder der Chef ihn reinholt. Sonst geht er einfach verloren, geht weg, träumt und ist überhaupt nicht
dabei. Also es braucht mehr Aufmerksamkeit vom Umfeld beim ADSler, gute Beobachtungsfähigkeit.

[00:40:10.840] – Bemerkung 2
Das heisst, man muss in den Kampf einsteigen und in die Konfliktfähigkeit einsteigen und gewisse
Sachen aushandeln, Diskutieren, Stellung beziehen, das würde dem ADHSler helfen?

[00:40:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut, wenn ich zum Beispiel ADHSler Jugendliche habe und ihre Eltern, dann frage ich immer zuerst
den Jugendlichen, was ist dein Vorschlag zur Lösung? Wenn er dann sagt, er will sieben Tage in der
Woche für sieben Abende in der Woche ausgehen. Dann sagt man natürlich, das ist zu viel. Das passt
mir nicht, da bin ich nicht zufrieden. Also ich frage in der Regel immer zuerst den Jugendlichen, was für
eine Problemlösungsstrategie. Dann wird ausgehandelt. Dann hin und her, und was meinen sie, und was
du meinst. Dann kommt man zu einem Konsens.

[00:41:12.510] – Bemerkung 2

Das heisst, der zu verhandelnden Spielraum ist sehr sehr wichtig. Es darf nicht alles schwarz-weiss
vorgegeben sein. Es muss die Möglichkeit geben, etwas zusammen zu erarbeiten, diskutieren.

[00:41:21.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau so sehe ich das. Wenn Eltern mit ihrem Jugendlichen schon festgefahren sind, und es geht alles
drunter und drüber es gibt dann böse Kämpfe, sie machen ihre Väter und Mütter auch völlig runter, dann
sage ich den Eltern, sie müssen durch eine Phase gehen, wo man ein bisschen loslässt und dann wieder
neu einsteigen. Also nicht sich verkrampfen. Ich sage den Eltern, die verzweifelt sind weil sie sich nicht
mehr durchsetzen können sage ich dann, sie müssen nicht 100% in den Machtkämpfen siegen. Sie
dürfen auch verlieren. Sie dürfen auch zugeben, dass sie verloren haben. Und wenn die Eltern im
Machtkampf mit den Jugendlichen ab und zu verlieren, dann haben sie etwas für das Selbstwertgefühl
des Jugendlichen getan. Aber klar, sie dürfen nicht in 90% immer verlieren, dann haben sie ein
schlechtes Selbstwertgefühl, dass sie ihre Kinder nicht erziehen können. Und der Jugendliche fühlt sich
schuldig, dass er ihnen soviel Mühe macht.

[00:42:38.640] – Bemerkung 2
Siebe Tage Ausgang, da steigt man ein bisschen in die Verhandlung ein, dann trifft man sich in der Mitte.

[00:42:55.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau, der Verhandlungsprozess. Es gibt ja das Buch von Diana Rosenstein: "Gewaltfreie
Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen in der Pubertät. Mit der Giraffensprache". Gewaltfreie
Kommunikation besteht aus dem Anmelden seiner Bedürfnisse. Man muss die aggressiven ADHSler
dazu bringen, dass sie ihre Bedürfnisse formulieren können, damit sie nicht nur in die aggressive
Verteidigung reinkommen. Dazu braucht es Zeit. Wenn ich solche Jungendliche habe, zusammen mit den
Eltern, muss ich sie immer dazu bringen, dass sie ihre Bedürfnisse formulieren.

[00:43:41.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhandeln ist ganz wichtig. Man darf sie nicht zum Gehorsam bringen, man muss sie zur Kooperation
bringen. Kooperation ist etwas anderes als gehorsam. Sie sind sehr empfindlich wenn sie sich
unterordnen müssen, dann werden sie gleich wieder verrückt. Aber kooperieren, das können sie. Darum
sagen auch viele ADHSler, ich kann nicht unter einem Chef arbeiten. Wenn sie dann noch einen Chef
haben, den sie nicht so intelligent finden, oder den sie sonst irgendwie blöd finden, dann lassen sie sich
von dem natürlich gar nichts sagen. Darum wollen alle ein eigenes Geschäft aufmachen. Ja, das geht
durchs Band weg. Aber, wenn sie einen Chef haben, der eben den Spielraum geben kann, der mit ihnen
verhandeln kann, der sie auch hört und ernst nimmt, dann fressen sie einem aus der Hand, wenn man so
sagen will. Dann machen sie mit. Aber sie müssen immer spüren, man nimmt sie ernst, man nimmt sie
wahr, man sieht sie auf Augenhöhe, was nicht heisst, dass man bei allem nachgibt, überhaupt nicht. Es
sind zähe Verhandler. In dem Sinn lernt man auch verhandeln.

[00:45:15.000] – Bemerkung 3

Kann das sein, dass aus ADHS und ADS Gene ein ASS (Autismus, Spektrum, Krankheit) entstehen
kann?

[00:45:39.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich sind Autisten in der Regel ADSler, zum Teil sehr extreme ADSler, die meistens dann noch eine
veränderte Wahrnehmungsstörung haben, eine veränderte Wahrnehmung. Für mich gehören sie in die
gleiche Kategorie. In der Genstudie sind sie ja dabei, sie haben die gleiche Genstruktur. Auf jeden Fall.
Wenn man dort genauer schaut, wenn man das ADS Kind anschaut, das dann autistisch wird, dann
haben sie meistens entweder eine hyperaktive Mutter oder ein Geschwisterkind, das allen Platz
wegnimmt, dass sie nur noch nach innen flüchten können. Man redet für sie, und je mehr man für sie
redet, umso weniger reden sie. Das braucht dann wieder Geduld, dass man warten kann, zuhören kann,
beobachten kann und verlangsamen kann.

[00:46:49.400] – Bemerkung 4
Was kann man machen, wenn man mit den Medikamenten nicht arbeiten kann, wenn diese depressiv
machen? Ritalin, Concheta etc.

[00:47:14.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Medikamente fokussieren mehr und eigentlich will man ja die breite Aufmerksamkeit haben. Dann
kann man versuchen, sich Gewohnheiten zuzulegen. Ich muss den Leuten beibringen, wie sie zum
Beispiel am Morgen aufstehen. Der Wecker läutet, ich mag nicht x Mal und dann erst um 10 Uhr
aufstehen. Da sage ich ganz klar nein, wenn der Wecker klingelt, wird aufgestanden. Nicht immer das
rausschieben. Wenn sie Dinge tun sollten, dann sage ich im Hinterkopf vornehmen und sagen, dann
mache ich das. Wie innerlich sich vorbereiten, dass man dann das macht. Nicht die Haltung, ich sollte
noch, ich sollte noch, ich sollte noch, ich habe aber keine Lust. Also diese Prokrastination, das
Rausschieben ist ja ganz typisch für die ADHSler und ADSler. Die müssen sich eine gewisse Disziplin
zulegen, eine gewisse Struktur. Etwas machen, was man gerne macht. Also ein Hobby, das kann Sport
sein, das kann Tanzen sein, das kann ein Musikinstrument spielen sein, das kann Puzzle sein, also etwas
für sich machen. Dass man sich selber eine Struktur gibt. Ich würde natürlich sagen, vielleicht einen
Coach zuzutun, der so ein wenig Erfahrung hat. Und es gibt jetzt immer mehr ADHS Coaches, die einem
an sich helfen bei diesen Sachen.

[00:49:02.090] – Bemerkung 4
Okay. Und Konzentration?

[00:49:06.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man etwas macht, also etwas für sich lernt, man kann etwas Handwerkliches noch lernen, das
bringt dann die Fokussierung. Viele machen Yoga, viele machen auch Achtsamkeitstraining, also dass
man sein Hirn in die Mitte holt und sich selber fokussiert. Neurofeedback kann man auch machen, das
heisst, da wird man an eine Maschine gehängt und man sieht einen Film und wenn die Konzentration

weg geht, dann stellt der Film an und dann merkt man, dass man nicht aufgepasst hat. Dann muss man
die wieder zurückholen.

[00:49:46.360] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man sein Hirn trainieren, sich besser zu fokussieren. Ist das eine Antwort darauf? Sie sind nicht
ganz zufrieden. Was möchten sie noch?

[00:50:03.000] – Bemerkung 4
Wie ist es denn beim theoretisch etwas lernen? Wörtchen lernen? Aufgaben machen? Eine Pause
machen?

[00:50:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kinder, die brauchen absolute Ruhe, um sich konzentrieren zu können. Andere doodeln in der
Schule, dann können sie besser aufpassen. Dann findet der Lehrer hör auf mit dem. Aber nein, die
brauchen das, um sich über die Handbewegung zu stimulieren. Malen ist eine gute Sache. Gewisse
gehen ins grosse, also die gehen dort an den Küchentisch oder an den Esstisch lernen, wo alle drum
herum sprechen. Also die können sich besser konzentrieren können, wenn ein Lärmpegel hintendran ist.
Auch Musik hören. Beim Lernen schauen, wie lange man mag. Dann eine Unterbrechung machen, ein
wenig Seilspringen oder etwas motorisches und dann wieder dran gehen. Also nicht so lange
Lernperioden, mehr unterbrechen. Aber nicht dann etwas ganz anderes machen. Nicht auf einmal
aufräumen oder so. Das machen dann die meisten. Das geht nicht. Es muss dann immer das Gleiche.

[00:51:50.820] – Bemerkung 5
Ich habe eine Frage zur Kooperation. Das, was sie angesteuert haben. Ist es dann auch so, dass man
mit der Kooperationsbereitschaft rechnen kann? Ab und zu ist er oder sie nicht kooperationsbereit. Ist das
so, weil man die Strukturen zu eng gesetzt hat?

[00:52:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Strukturen zu eng gesetzt hat dann gibt es einfach Widerstand, Widerstand, Widerstand
und in dem Moment bringt man keine gute Kooperation hin. Aber zur Kooperation muss man sie
hinführen. Jeder gute Leader kann begeistern. Wenn Sie etwas beibringen wollen und selber Freude
daran haben, dann macht der andere auch besser mit. Sie können ihn zur Kooperation bringen mit ihrer
eigenen Faszination, mit ihrer eigenen Begeisterung. Wenn sie Freude haben, jemandem etwas
beizubringen, also das was ich vorhin gesagt habe. Ich will dir noch beibringen, dass du auch mit 40 noch
lernfähig bist, und ich glaube auch, dass du das kannst, dann will man etwas und denkt, man bringt das
auch hin. Oft sagen sie dann, das hat keinen Sinn und nichts, aber wenn man selber ein wenig begeistert
ist, kann man den anderen auch anstecken.

[00:53:36.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich Mütter habe, die ein Kind zu irgendetwas bringen wollen, und dann gebe ich eine Idee, und
dann sagt die Mutter, ich kann es ja mal probieren, aber wahrscheinlich geht es nicht. Dann sage ich, Sie
müssen gar nicht anfangen. So geht es nicht. Sie müssen voll dahinter stehen, sonst geht gar nichts.
Dann lieber gar nichts machen. Also man muss wirklich dabei sein.

[00:54:01.120] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man schon Kinder, die irgendetwas nicht wollen, die tut man auch so, zum mitmachen bringen:
nicht "du musst jetzt", sondern "oh, jetzt machen wir das". Also die Aufmerksamkeit wecken durch die
eigene Begeisterung.

[00:54:40.000] – Bemerkung 6
Ist ADS/ADHS eine Krankheit?

[00:54:56.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagt vielleicht die Psychiatrie, dass es eine Diagnose ist.

[00:54:58.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Erfahrung ist, dass es keine Krankheit ist. 25% derjenigen, die ADHS haben, sind nicht krank, also
müssen nie einen Psychiater aufsuchen. Wie kann es dann einen Krankheit sein? 75% haben noch eine
zusätzliche Diagnose. Die Psychiatrie ist da nicht einig mit mir. Ich bin da noch ein wenig alleine auf
weiter Flur. Spass beiseite, es gibt einige Psychiater, die das auch so sehen. Es ist keine Krankheit, es ist
eine gewisse Vulnerabilität. Aber nicht auf eine spezifische Krankheit, sondern einfach eine Vulnerabilität.
Je nach Umfeld und Interaktion mit dem Umfeld gibt es das, das, das oder das. ADHSler selber, die
haben das auch nicht gern, wenn man ihnen sagt, du bist krank. Man muss einfach lernen, mit seiner
Persönlichkeit umzugehen. Mit seinem Neurotyp umgehen. Man sagt ja, man lernt besser damit
umzugehen. Es wächst sich nicht aus, kann sich gar nicht auswachsen. Das Hirn ist ein bisschen anders
konstruiert. Von dort her kann man auch sagen, es ist eine Normvariante. Bei der Gaussschen
Glockenkurve ist es irgendwo mehr am Rand, es ist nicht gerade in der Mitte. Von den Genen her, zuerst
hat man gesagt ein paar Gene, jetzt sagen wir über 20, zum Teil über 100 Gene.

[00:56:30.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen den verschiedenen Genen läuft ja auch noch Interaktion. Je nachdem, was man da noch für
andere Kombinationen hat, kommt es auch wieder ein bisschen anders raus. Die Hauptmerkmale sind
immer ein wenig ähnlich.

[00:56:53.280] – Bemerkung 7
Ich kann das und das und das nicht wegen ADHS. Können die ADHS Charaktere unterschiedlich sein?

[00:57:20.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Ganz allgemein, wenn mir jemand sagt, ich habe eine Depression, dann sage ich, das interessiert mich
nicht. Ich frage dann: wo sind die Schwierigkeiten? Wenn die sagen, ich habe ein ADHS. Ok, ich weiss
ungefähr was das ist. Wo hast du Schwierigkeiten? Also ganz konkret werden, wo die Person anstösst,
was ihr ihr Mühe macht, auf was sie sehr empfindlich ist, also viel konkreter in die Interaktion
hineingehen. Das andere ist so wie ein Feigenblatt oder ein Schild, ich muss gar nichts machen, ich habe
ja die Diagnose. Nein, das würde ich überhaupt nicht akzeptieren. Man weiss dann vielleicht, es geht ein
bisschen in diese Richtung, aber die Leute müssen viel genauer sagen, was ihnen Schwierigkeiten
macht. Dann können sie sagen, ok, ja, ich glaube es, aber jetzt lernen wir. Es gibt ja die Geschichte von
dem griechischen Philosophen, Redner, Demosthenes, der einen Sprachfehler hatte und der hat dann mit
Kieselsteinen im Mund trainiert und schlussendlich ist er Redner geworden. Joe Biden hat ja auch einen
Stotterer, also hat gestottert und hat dann eine Sommerferien lang trainiert, bis er reden konnte. Also sie
können sagen, okay, du hast da Schwierigkeiten, aber weisst du, die werden dann zu besseren Rednern,
denn die müssen üben. Die, die es einfach können, die werden schlampig und geben sich gar keine
Mühe.

[00:58:49.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt üben wir. Also sie können eigentlich die Lernbereitschaft bei solchen Leuten aktivieren. Dann ist es
für sie spannend und für ihre Mitarbeiter interessant. Da müssen Sie sich begeistern.