Die Rolle der Pubertät in der Entwicklung psychischer Krankheiten

Die Pubertät spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung psychischer Krankheiten. 50% der psychiatrischen Krankheiten entstehen in der Pubertät, 75% bis zum 25. Lebensjahr. In dieser Phase wird das Gehirn umgestaltet, ein Prozess, der als Synaptic Pruning bezeichnet wird. Als Kinder haben wir viel mehr Synapsen (Verbindungen zwischen Nervenzellen) im Gehirn. Während der Pubertät werden einige dieser Verbindungen gekappt, um eine effizientere Informationsverarbeitung zu ermöglichen – vergleichbar mit dem Bau einer Autobahn.

Wenn ein Mensch mit ADHS/ADS-Genen in der Pubertät stark gestört wird, kann es sein, dass dieser Prozess nicht richtig abläuft und sich keine gesunde Persönlichkeit entwickeln kann. Die Folge können psychische Erkrankungen sein. Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Jugendliche in dieser wichtigen Entwicklungsphase Unterstützung bei der Fokusfindung brauchen. Wenn sie zu stark abgelenkt oder in eine Richtung gedrängt werden, die nicht ihrer Persönlichkeit entspricht, können sie Folgekrankheiten entwickeln.

Dr.med. Ursula Davatz nennt emotionale Unterernährung als ein Problem unserer Zeit. Jugendliche kompensieren dies oft mit „verbalem Junkfood“, das sie über digitale Medien konsumieren. Sie plädiert für eine ganzheitliche Förderung, die neben der Kognition auch die emotionale Entwicklung berücksichtigt.

Im Schulsystem, so Dr.med. Ursula Davatz, liegt der Fokus oft zu stark auf der kognitiven Leistung. Gerade für ADHS/ADS-Kinder, die intrinsisch motiviert und nicht durch Belohnung und Bestrafung geführt werden können, ist dies problematisch. Sie brauchen Unterstützung, um ihren eigenen Fokus zu finden. Wenn dies nicht gelingt, steigt das Risiko für Folgekrankheiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pubertät eine sensible Phase für die Entwicklung psychischer Krankheiten ist, insbesondere bei ADHS/ADS-Betroffenen. Eine unterstützende Umgebung, die emotionale Bedürfnisse berücksichtigt und individuelle Fokusfindung fördert, kann dazu beitragen, das Risiko für Folgekrankheiten zu minimieren.

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Eine zentrale Rolle bei der Entstehung psychischer Krankheiten

Dr.med. Ursula Davatz vertritt die Meinung, dass ungelöste Ablösungsproblematik eine zentrale Rolle bei der Entstehung psychischer Krankheiten spielt. Sie widerspricht Sigmund Freuds These, dass psychische Krankheiten in den ersten drei Lebensjahren entstehen. Stattdessen sieht sie die Ablösungsphase in der Pubertät als kritische Phase für die Entwicklung psychischer Probleme.

Hier sind die Kernpunkte ihrer Argumentation:

  • Ungelöste Konflikte mit den Eltern: Wenn Eltern selbst nicht vollständig von ihren eigenen Eltern abgelöst sind, projizieren sie ihre eigenen Probleme und ungelösten Konflikte auf ihre Kinder. Dies geschieht oft unbewusst und als Versuch, die eigene Vergangenheit durch die Kinder zu „korrigieren“.
  • Störung der Identitätsbildung: Die Ablösungsphase in der Pubertät ist entscheidend für die Entwicklung einer eigenständigen Identität. Wenn dieser Prozess durch ungelöste Konflikte mit den Eltern gestört wird, kann dies zu Unsicherheit, mangelndem Selbstwertgefühl und psychischen Problemen führen.
  • Vererbung von Verhaltensmustern: Ähnlich wie Gene werden auch Verhaltensmuster und emotionale Reaktionen innerhalb der Familie weitergegeben. Kinder lernen von ihren Eltern, wie man mit Stress, Konflikten und Emotionen umgeht. Wenn Eltern ungesunde Bewältigungsstrategien vorleben, können diese von den Kindern übernommen werden und zu psychischen Problemen führen.
  • Schwierige Interaktion zwischen Gen und Umwelt: Dr. Davatz räumt ein, dass genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung psychischer Krankheiten spielen. Sie betont aber auch die Bedeutung der Interaktion zwischen Gen und Umwelt. Ein Kind mit einem „heftigen Temperament“ kann beispielsweise in einer Familie, die nicht damit umgehen kann, negative Erfahrungen machen, die die Entwicklung einer psychischen Krankheit begünstigen.

Dr.med. Ursula Davatz sieht den Ablösungsprozess als lebenslange Aufgabe. Auch im Erwachsenenalter können ungelöste Konflikte mit den Eltern zu psychischen Problemen führen. Therapeutische Arbeit besteht für sie daher in der Unterstützung des Patienten bei seiner Weiterentwicklung und Ablösung.

Zusätzlich zu diesen Kernaussagen erwähnt Dr. Davatz auch weitere Faktoren, die zur Entstehung psychischer Krankheiten beitragen können:

  • Traumata: Sie betont, dass Traumata, insbesondere in der Kindheit, die psychische Gesundheit beeinträchtigen können.
  • Genetische Prädisposition: In Bezug auf ADHS/ADS erklärt sie, dass es sich um eine genetische Konstellation handelt, die die Entstehung verschiedener psychischer Krankheiten begünstigen kann.
  • Falscher Umgang mit ADHS/ADS: Dr.med. Ursula Davatz kritisiert, dass ADHS/ADS oft als Krankheit stigmatisiert wird. Ihrer Meinung nach ist es wichtiger, Eltern im Umgang mit ADHS/ADS zu unterstützen, anstatt die Kinder mit Medikamenten zu behandeln. Ein falscher Umgang mit ADHS/ADS kann zu sekundären psychischen Erkrankungen führen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz‘ Sicht auf die Entstehung psychischer Krankheiten komplex und vielschichtig ist. Sie betont die Bedeutung der familiären Beziehungen, insbesondere der Ablösung von den Eltern, räumt aber auch die Rolle von genetischen Faktoren, Traumata und Umwelteinflüssen ein.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_6.5.2014.pdf

Die Entstehung psychischer Krankheiten

Laut Dr.med. Ursula Davatz sagte Sigmund Freud, dass alle psychischen Krankheiten in den ersten drei Lebensjahren entstehen. Dr. Davatz teilt diese Ansicht jedoch nicht und argumentiert, dass psychische Krankheiten eher in der Ablösungsphase während der Pubertät entstehen. Sie räumt zwar ein, dass es bereits vor der Pubertät viele Einflüsse gibt und die Interaktion zwischen Gen und Umfeld eine Rolle spielt, sieht die Ablösungsphase aber als den Zeitpunkt, an dem sich aus diesen Einflüssen tatsächlich eine psychische Krankheit entwickelt.

Dr. Davatz veranschaulicht dies anhand des Drei-Generationen-Schemas. Demnach entstehen psychische Krankheiten, wenn Eltern selbst nicht vollständig von ihren eigenen Eltern abgelöst sind. Die zweite Generation projiziert dann ihre eigenen ungelösten Probleme auf die dritte Generation und trägt so zur Entstehung psychischer Krankheiten bei.

Zusammenfassend:

  • Freud postulierte die Entstehung psychischer Krankheiten in den ersten drei Lebensjahren.
  • Dr.med. Ursula Davatz widerspricht dieser These und sieht die Ablösungsphase in der Pubertät als entscheidenden Faktor.
  • Sie betont die Bedeutung des Drei-Generationen-Schemas und die Rolle der Ablösungsproblematik bei der Entstehung psychischer Krankheiten.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_6.5.2014.pdf