Wichtigste Unterschiede zwischen Borderline-Persönlichkeitsstörung und Psychose

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz bietet wertvolle Einblicke in die Unterschiede zwischen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und einer Psychose.

1. Realitätsbezug:

  • Psychose: Menschen in einer Psychose erleben einen Verlust des Realitätsbezugs.
    • Sie können Halluzinationen haben (Dinge sehen oder hören, die nicht da sind) und Wahnvorstellungen entwickeln (falsche Überzeugungen, die trotz gegenteiliger Beweise festgehalten werden).
    • Beispiel: Die Patientin, die ihr Kind wie ein Stück Holz sah, zeigt einen Verlust des Realitätsbezugs, der für eine Psychose typisch ist.
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung: Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben im Allgemeinen einen intakten Realitätsbezug.
    • Sie erleben zwar starke emotionale Schwankungen und können impulsiv handeln, aber sie verlieren nicht den Bezug zur Realität.

2. Symptome:

  • Psychose: Die Symptome einer Psychose können sehr vielfältig sein und umfassen u.a.:
    • Halluzinationen
    • Wahnvorstellungen
    • Denk- und Sprachstörungen
    • Sozialer Rückzug
    • Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse
    • Angst und Verwirrung
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung: Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen typischerweise folgende Symptome:
    • Instabile Beziehungen
    • Starke Stimmungsschwankungen
    • Impulsives Verhalten
    • Selbstverletzendes Verhalten
    • Angst vor dem Verlassenwerden
    • Identitätsstörungen

3. Behandlung:

  • Psychose: Eine Psychose wird in der Regel mit Medikamenten (Neuroleptika) behandelt, die helfen, die psychotischen Symptome zu lindern.
    • Zusätzlich können psychotherapeutische Maßnahmen eingesetzt werden, um den Betroffenen im Umgang mit ihrer Erkrankung zu unterstützen.
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung: Die Behandlung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erfolgt in erster Linie durch Psychotherapie.
    • Ziel der Therapie ist es, dem Betroffenen zu helfen, seine Emotionen zu regulieren, mit zwischenmenschlichen Beziehungen besser umzugehen und selbstzerstörerisches Verhalten zu reduzieren.
    • Medikamente können ergänzend eingesetzt werden, um bestimmte Symptome wie Angstzustände oder Depressionen zu behandeln.

4. Ursache:

  • Psychose: Die Ursachen von Psychosen sind komplex und noch nicht vollständig geklärt.
    • Es wird angenommen, dass genetische Faktoren, neurobiologische Veränderungen im Gehirn und psychosoziale Stressoren eine Rolle spielen.
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung: Bei der Entstehung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung wird ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren, frühkindlichen Erfahrungen und Umweltfaktoren angenommen.
    • Traumatische Erlebnisse in der Kindheit, wie z.B. Vernachlässigung oder Missbrauch, können das Risiko für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erhöhen.

5. „Borderline“ als Zwischenbereich:

  • Der Begriff „Borderline“ weist darauf hin, dass diese Persönlichkeitsstörung im Grenzbereich zwischen Neurose und Psychose liegt.
    • Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind nicht psychotisch, aber sie sind anfälliger für psychische Krisen und können unter starkem Stress psychotische Symptome entwickeln.
    • Dies unterscheidet sie von Menschen mit einer Neurose, die in der Regel einen stabileren psychischen Zustand haben.

Zusammenfassend:

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung und die Psychose sind zwei unterschiedliche Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Symptomen, Ursachen und Behandlungsansätzen. Während bei der Psychose der Verlust des Realitätsbezugs im Vordergrund steht, ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung durch starke emotionale Instabilität, Impulsivität und selbstzerstörerisches Verhalten gekennzeichnet.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf

Psychose und Schizophrenie

Dr. med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag vom 5. Mai 2014 den Unterschied zwischen Psychose und Schizophrenie. Für sie sind die beiden Begriffe im Wesentlichen synonym. Sie erklärt, dass eine akute Psychose, die über einen längeren Zeitraum anhält, als Schizophrenie bezeichnet wird.

Man könnte also genauso gut von einer „akuten ersten schizophrenen Episode“ sprechen, was Dr. Davatz als Psychose bezeichnet. Sie verwendet „Psychose“ als Überbegriff für manisch-depressive Erkrankungen und Schizophrenie.

Zusammenfassend:

  • Dr. Davatz differenziert nicht stark zwischen Psychose und Schizophrenie.
  • Eine anhaltende akute Psychose wird als Schizophrenie bezeichnet.
  • Der Begriff „Psychose“ wird als Überbegriff verwendet.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf