Dr. med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag, dass Rückfälle im Suchtkontext keine Misserfolge, sondern wertvolle Lernchancen sind. Anstatt den Betroffenen zu verurteilen, sollten Rückfälle als Teil des Lernprozesses betrachtet und genutzt werden, um die Auslöser des Suchtverhaltens zu identifizieren und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Rückfälle als Lernchance:
- Was ist passiert?: Arbeitgeber und Therapeuten sollten den Betroffenen nach dem Rückfall fragen, was im Vorfeld passiert ist. Welche Situation, Gefühle oder Gedanken haben zum Rückfall geführt?
- Wie wurde das Suchtmittel eingesetzt?: Für was hat der Betroffene das Suchtmittel gebraucht? Wollte er Stress abbauen oder ein positives Gefühl verstärken?
- Was wurde gelernt?: Was hat der Betroffene aus dem Rückfall gelernt? Welche Erkenntnisse hat er über sein Suchtverhalten und seine Auslöser gewonnen?
Verständnis und Unterstützung:
- Scham: Süchtige schämen sich oft für Rückfälle. Arbeitgeber und Therapeuten sollten daher sensibel mit dem Thema umgehen und dem Betroffenen signalisieren, dass er mit seinem Problem nicht allein ist.
- Verantwortungsübernahme: Der Betroffene ist für sein Suchtverhalten verantwortlich. Arbeitgeber und Therapeuten sollten diese Verantwortung nicht übernehmen, sondern den Betroffenen dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden.
- Lernatmosphäre: Schaffen Sie eine Atmosphäre, in der der Betroffene offen über seinen Rückfall sprechen kann, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Zeigen Sie Verständnis und bieten Sie Unterstützung an.
- Motivieren Sie den Betroffenen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn er alleine nicht mit dem Suchtverhalten zurechtkommt.
Langfristige Begleitung:
- Kontinuierlicher Prozess: Die Überwindung von Sucht ist ein langfristiger Prozess mit Höhen und Tiefen. Rückfälle gehören dazu und sollten als Lernchance genutzt werden.
- Geduld: Arbeitgeber und Therapeuten sollten Geduld haben und den Betroffenen auch nach Rückfällen weiterhin unterstützen.
Zusammenfassend: Rückfälle sind Teil des Genesungsprozesses und bieten die Chance, aus Fehlern zu lernen und neue Strategien zu entwickeln. Ein verständnisvoller und unterstützender Umgang mit Rückfällen ist entscheidend, um den Betroffenen zu helfen, seine Sucht langfristig zu überwinden. Arbeitgeber können durch gezielte Fragen, eine offene Kommunikation und die Förderung von Reflexion den Lernprozess positiv beeinflussen. }
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