Dr.med. Ursula Davatz verwendet in ihrem Vortrag den Begriff „Hirtenhund“ als Metapher für unser Schuldgefühl. Sie erklärt, dass unser Schuldgefühl uns wie ein Hirtenhund zurück zur Gruppe führt, wenn wir von den etablierten Normen und Regeln abweichen.
Schuldgefühle und Gruppenzugehörigkeit:
Schuldgefühle entstehen, wenn wir gegen die Regeln des Systems verstoßen, in dem wir leben. Dieses System kann die Familie, die Schule, die Berufsgruppe oder die Gesellschaft im Allgemeinen sein. Das Schuldgefühl dient als eine Art innere Kontrollinstanz, die uns daran erinnert, dass unser Verhalten Konsequenzen für unsere Gruppenzugehörigkeit haben kann.
Beispiel: Abweichende Meinungen und Kritik:
Dr. Davatz beschreibt, wie sie selbst Schuldgefühle erlebt, wenn sie von der allgemeinen Meinung in der Psychiatrie abweicht und Kritik von ihren Kollegen erfährt. In diesem Fall fungiert die Berufsgruppe als das soziale System, dessen Regeln sie durch ihre abweichende Meinung potentiell verletzt.
Die Notwendigkeit der Überwindung:
Obwohl Schuldgefühle wichtig für die soziale Integration sind, betont Dr. Davatz, dass wir sie manchmal überwinden müssen, um uns persönlich weiterzuentwickeln. Wenn wir uns zu sehr von unseren Schuldgefühlen leiten lassen, kann dies unsere Freiheit und Unabhängigkeit einschränken.
Entwicklung einer eigenen Ethik:
Dr. Davatz ermutigt dazu, eine eigene Ethik zu entwickeln, die nicht nur auf den Regeln unserer Erziehung oder unserer Berufsgruppe basiert. Dieser Prozess kann mit Schuldgefühlen verbunden sein, da wir uns von den Erwartungen unserer Umgebung lösen und unseren eigenen Weg gehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Der „Hirtenhund“ des Schuldgefühls spielt eine wichtige Rolle in unserem Leben. Er sorgt dafür, dass wir uns in unsere sozialen Systeme einfügen und die Regeln der Gruppe respektieren. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir lernen, unseren „Hirtenhund“ zu kontrollieren und uns nicht von ihm dominieren zu lassen. Nur so können wir unsere eigene Individualität entfalten und ein authentisches Leben führen.
https://ganglion.ch/pdf/Gesellschaft%20unter%20Hochdruck.m4a.pdf
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