Transkript
Dr.med. Ursula Davatz
13.6.2024
Umgang mit ADHS/ADS, Schule am Wasser
Audio
[00:00:00.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank für die Einführung und herzlichen Dank, dass so viele Interessierte
gekommen sind. Das ist nicht gewöhnlich. Es freut mich sehr. Also ich möchte ein paar
Worte zu ADHS und ADS sagen und Ihnen dann die Möglichkeit geben, mir Fragen zu
stellen oder auch direkte Probleme, also Problemsituationen, anzuschauen.
[00:00:30.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe aber zuerst ein paar Informationen. Sie haben vielleicht schon einige selbst,
aber ja. Also ich sage ganz klar: Ich bin Psychiaterin, ich bin Familientherapeutin, ich
bin Mutter von drei Kindern und habe fünf Enkelkinder.
[00:00:47.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch etwas Erfahrung im privaten Bereich.
[00:00:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar: ADHS/ADS ist keine Krankheit. ADHS/ADS ist ein Neurotyp, der
genetisch vererbt wird und der von daher in Familien läuft.
[00:01:04.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Familien anschaue, nehme ich immer drei Generationen auf.
[00:01:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehe ich, da sieht man das Symptom, dort das Symptom.
[00:01:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Symptom ist immer Jähzorn.
[00:01:15.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jähzorn, früher hat man den noch mehr gezeigt oder er wurde nicht diagnostiziert.
[00:01:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat nur gesagt Jähzorn.
[00:01:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Großvater jähzornig ist, dann denke ich: Ah? Da ist vielleicht ein ADHS/ADS
versteckt.
[00:01:34.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die ADHS/ADS-Kinder auszeichnet: das A heißt Aufmerksamkeitsstörung.
[00:01:43.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht Aufmerksamkeitsstörung, sondern breite Aufmerksamkeit.
[00:01:49.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, die nehmen alles wahr, die nehmen auch Details wahr, die Normotypen nicht
wahrnehmen.
[00:01:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer nicht sehr interessant ist oder das Thema sie nicht interessiert, dann
schweift die Aufmerksamkeit ab, geht irgendwo hin, wo es interessanter ist.
[00:02:07.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich könnte auch sagen, diese breite Aufmerksamkeit wird von einem Sucherinstinkt
gelenkt.
[00:02:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Hunde anschauen, die schnüffeln herum.
[00:02:18.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Möwen oder Hühner anschauen, die picken herum, die gehen nie geradlinig,
irgendeine Linie runter.
[00:02:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher ist die breite Aufmerksamkeit auch ein Vorteil.
[00:02:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder überblicken Dinge schneller.
[00:02:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Mütter frage: welches Kind von ihnen merkt zuerst, wenn es ihnen nicht so
gut geht?
[00:02:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen die immer: Das ADHS/ADS Kind.
[00:02:40.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben eine breite Aufmerksamkeit und sie haben auch eine hohe
Sensitivität.
[00:02:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder spüren die Stimmung. Deshalb ertragen sie es schlecht, wenn
schlechte Stimmung ist.
[00:02:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo schlechte Stimmung ist, müssen sie dann irgendwie ablenken,
schützen, den Clown spielen.
[00:03:01.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele spielen den Clown, um die Emotionale Temperatur im Kollektiv wieder zu
verbessern.
[00:03:12.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat natürlich nicht jeder Lehrer oder jede Lehrerin gern, denn die fühlen sich dann
veräppelt.
[00:03:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht sich lustig, wird nicht ernst genommen.
[00:03:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat immer ein Ziel an sich, ein wohlwollendes Ziel.
[00:03:28.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind empathisch, weil sie ja so viel spüren.
[00:03:33.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher sind sie an sich von Natur her kooperativ, aber viel leichter störbar.
[00:03:41.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zweite ist die hohe Sensitivität.
[00:03:44.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich jetzt schon etwas gesagt.
[00:03:47.700] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind empfindlicher auf emotionale Störungen.
[00:03:52.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Weitere ist die hohe Impulsivität.
[00:03:57.630] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben ein stärker erregbares emotionales Gehirn.
[00:04:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher nehmen sie emotionale Reize besser auf.
[00:04:09.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Frau Dr.med. Muff hat schon gesagt, sie können auch besser Grenzen überschreiten.
[00:04:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind sie kreativ. Das wäre wieder die breite Aufmerksamkeit.
[00:04:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man neuropsychologisch schaut, dann ist das emotionale Hirn mehr vernetzt mit
dem Großhirn.
[00:04:29.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bleibt länger so vernetzt.
[00:04:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn von ADHS/ADS Menschen reift etwas später. Sie bleiben länger
Kindsköpfe, als beim Normotyp.
[00:04:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Vernetzung im Großhirn, die gibt ihnen natürlich auch Möglichkeiten, neue Ideen
herauszufinden.
[00:04:48.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war ein ADHS/ADS Kind.
[00:04:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sein Sohn hatte eine Schizophronie, eine Autismus-Schizophronie.
[00:04:59.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch diese Vernetzung können sie mehr Konnektivität herstellen.
[00:05:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn hat mehr Konnektivität, dadurch können sie auch mehr Dinge sehen.
[00:05:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einen Weitblick.
[00:05:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich viel befasst mit ADHS/ADS und Schizophonie, es ist auch ein Buch
dabei, dabei.
[00:05:13.543] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/
[00:05:13.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Eugen Bleurer hat gesagt, dass Schizophreniepatienten Dinge wahrnehmen, die wir
Normotypen gar nicht wahrnehmen.
[00:05:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Bleuler
[00:05:30.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die breite Aufmerksamkeit.
[00:05:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch diese breite Aufmerksamkeit, durch diese hohe Sensitivität, durch diese starke
Impulsivität, gibt es natürlich mehr Probleme mit dem Umfeld.
[00:05:46.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktiven, das sind die ADHSler. Das H ist die Hyperaktivität.
[00:05:53.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler, die werden aktiv nach innen.
[00:06:05.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die irgendeinen Reiz haben, dann beginnen sie zu denken, zu überlegen. Dann
läuft ein Kino innerlich ab, ein Gedankensturm, und dieser Sturm, der kann drehen
stundenlang, tagelang.
[00:06:19.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie versuchen, Probleme zu lösen über Studieren.
[00:06:26.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Probieren geht über Studieren. Die sind häufig ängstlich, die wollen nicht probieren, die
wollen zuerst die ganze Zukunft studieren.
[00:06:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sie ganz viele Schaltstellen im Hirn aktivieren, bis sie dann endlich zu
einem Entscheid oder einer Lösung kommen.
[00:06:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht sie langsamer in Tests und im täglichen Arbeiten.
[00:06:49.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser spezielle Neurotyp, der keine Krankheit ist, aber es ist ein vulnerabler Neurotyp.
[00:06:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist viel anfälliger auf Störungen.
[00:07:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne können viele Folgestörungen auftreten.
[00:07:07.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann folge Krankheiten. Die Psychiatrie sagt noch immer Komorbidität. Da ist
das ADHS/ADS und da ist eine andere Krankheit.
[00:07:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: nein, es kommt aus dem ADHS/ADS heraus.
[00:07:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich ordne Autismus eher dem ADS zu.
[00:07:29.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder sind eine größere Herausforderung für die Erzieher.
[00:07:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt für die Eltern und auch für die Lehrer.
[00:07:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern, die merken schon bald mal, mein Kind ist etwas anders, die versuchen zu
lernen und darauf einzugehen.
[00:07:43.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, was die Eltern selbst für eine Erziehung genossen haben.
[00:07:48.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die sehr strikte war, dann haben die riesige Probleme mit dem ADHS/ADS.
[00:07:54.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben die sich noch besser eingeordnet, weil vielmehr ein autoritärer Stil
geherrscht hat in der Schule.
[00:08:03.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist das so viel freier.
[00:08:05.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann laufen diese ADHS/ADS-Kinder aus dem Ruder, sie übernehmen.
[00:08:10.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann braucht es eine starke Autorität, die sie führen kann.
[00:08:15.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nur führen, wenn man eine Beziehung herstellen kann.
[00:08:19.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur befehlen und gehorchen geht gar nicht.
[00:08:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die medizinische Behandlung, die dann betrieben wird von den Ärzten Psychiatern, die
besteht immer aus Ritalin.
[00:08:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin ist ein Amphetamin.
[00:08:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch viele andere Medikamente, die helfen beim Fokussieren.
[00:08:42.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erhöht natürlich dann die Leistung in der Schule, da wo man fokussieren muss.
[00:08:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hilft nicht beim emotionalen Verarbeiten.
[00:08:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Emotionale wird dann einfach so etwas ausgeblendet.
[00:08:59.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben vermehrt einen Tunnelblick.
[00:09:03.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite auch mit Ritalin oder Concerta oder was dann immer ist.
[00:09:10.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will dem Menschen beibringen, dass er lernt mit seinem Neurotyp besser
umzugehen.
[00:09:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will den Menschen nicht nur über Medikamente korrigieren.
[00:09:22.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorher wurde gesagt, dass bei Mädchen, bei Frauen die Diagnose erst mit 30 oder 35
gestellt wird.
[00:09:30.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat damit zu tun, dass Mädchen anpassungsfähiger sind, besser führbar sind.
[00:09:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann immer den Satz: Stuten sind leichter zu reiten als Hengste.
[00:09:44.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum kastriert man ja die Hengste.
[00:09:46.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt, mit den weiblichen Hormonen ist es einfacher umzugehen, denn wir Mütter
müssen uns ja dann auch an die Kinder anpassen.
[00:09:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es nicht, dass wir so zielgerade durch alles durchschießen.
[00:10:01.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Deswegen passen sich Mädchen, auch wenn sie ein ADHS/ADS haben, vermehrt an.
[00:10:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dieser Anpassung beuten sich die Mädchen häufig aus.
[00:10:13.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum haben die Mädchen dann als Folgekrankheit, als Frauen, eher Depressionen.
[00:10:19.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen Männer, ADHS/ADS-Kinder, wenn es extrem geht, die landen schlussendlich
in der Delinquenz.
[00:10:25.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle, aber die schießen dann über die Rechte hinaus.
[00:10:30.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die findet man eher dort.
[00:10:32.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Suchtkrankheiten, die als Folgekrankheit auftreten und da verwenden die ADHS/
ADSler die Suchtmittel, um ihre Emotionen zu kontrollieren.
[00:10:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche Psychopharmaka, wie Antidepressiva, Neuroleptika, sind alles
Emotionskontrollen.
[00:10:51.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Ziel ist natürlich, dass die Menschen lernen, mit ihrer Emotionalität umzugehen,
sodass sie keine chemischen Hilfsmittel brauchen.
[00:11:01.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die chemischen Hilfsmittel können sehr hilfreich sein, in einer akuten Phase oder in
einer gewissen Phase, aber wenn man nur seine Situation mit chemischen Hilfsmitteln
behandelt, dann lernt man nicht so viel.
[00:11:16.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass die Leute lernen.
[00:11:19.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn ist ein Lernorgan, sehr lernfreudig.
[00:11:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das sollten wir ausnützen.
[00:11:27.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon gesagt, Kinder mit ADHS/ADS sind vulnerabler auf psychische
Krankheiten, psychische Krankheiten zu entwickeln.
[00:11:38.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen, die ADHS/ADS haben, die entwickeln auch somatische Krankheiten.
[00:11:44.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beginnt man erst langsam anzuschauen, was da für Folgekrankheiten entstehen.
[00:11:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin ist halt immer noch stark getrennt.
[00:11:52.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist die somatische Medizin und da ist die Psychiatrie.
[00:11:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bringt das nicht so stark zusammen.
[00:11:59.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen jetzt immer mehr Resultate raus.
[00:12:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit Folgekrankheiten verhindert werden können, ist es aus meiner Sicht ganz
wichtig, dass das Umfeld besser lernt, mit ADHS/ADS Kindern umzugehen.
[00:12:19.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Umfeld gehören natürlich die Eltern und zum Umfeld gehören auch die Lehrer.
[00:12:24.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne habe ich mich gefreut. Zwei Lehrer sind da.
[00:12:29.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo sind sie? Da? Und wo noch? Okay.
[00:12:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schulsystem hat ja die Aufgabe, die Kinder zu sozialisieren.
[00:12:50.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist viel Normierung dabei.
[00:12:55.150] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder lassen sich nicht so leicht normieren.
[00:12:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen über die Grenzen raus und sie haben einen Dickschädel.
[00:13:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie irgendetwas im Kopf haben, dann verfolgen sie das und lassen sich nicht
davon wegnehmen.
[00:13:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann von Vorteil sein, wenn man ein Hobby hat oder einen Sport, dann können die
sehr erfolgreich sein.
[00:13:21.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine Aufmerksamkeitsstörung.
[00:13:24.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihren Fokus gefunden haben und der ist ganz persönlich, dann tun sie hyper
fokussieren und dann gibt es dann nur noch das.
[00:13:31.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind dann die erfolgreichen Sportler.
[00:13:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Michael Phelps ist so einer, der Schwimmer, der lange, der war sehr erfolgreich im
Schwimmen.
[00:13:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Zusätzlich hatte er noch eine Suchtdiagnose, also Alkohol.
[00:13:48.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat auch seine Emotionen mit Alkohol versucht zu regulieren.
[00:13:54.690] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne geht um die Impulskontrolle.
[00:14:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer wieder, dass Eltern und auch Lehrer vom Kind schon, wenn die noch
relativ klein sind, erwarten, dass das Kind Impulskontrolle hat.
[00:14:11.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler erlangen diese Impulskontrolle erst später, nicht so früh.
[00:14:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn reift da nicht so schnell.
[00:14:20.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie häufig ihren Reflexen ausgesetzt.
[00:14:26.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Stressreflexe sind, ich sage es auf Englisch: Fight, Flight, Freeze and Tease.
[00:14:33.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kampf, Flucht, Todsstellreflex und Necken.
[00:14:43.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing steht für Necken, Spassen, Ärgern.
[00:14:45.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Classenclowns, das ist das Teasing, das Necken.
[00:14:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist aus meiner Sicht ein Lernverhalten.
[00:14:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht, den anderen etwas zu stören und schaut, wie er reagiert.
[00:15:01.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand dieses Störens merkt man dann, wer der andere ist und wie er reagiert.
[00:15:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal geht man halt da über die Grenzen raus.
[00:15:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt dann die Erziehungsperson häufig in das Dilemma: der nimmt mich nicht
ernst. Der hat keinen Respekt vor mir.
[00:15:19.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Respekt ist ein Begriff, den die Kinder noch nicht kennen, insbesondere die ADHS/ADS
Kinder nicht.
[00:15:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufpassen, dass man ihr Teasing-Verhalten nicht als Angriff gegen sich
anschaut.
[00:15:35.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Spielverhalten.
[00:15:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können junge Jungtiere, also soziale Jungtiere, anschauen, die haben das alle.
[00:15:45.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ärgern sich einander gegenüber.
[00:15:48.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die jungen Hunde, die rennen einander nach, die zwicken, die machen.
[00:15:52.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter, die lässt das so geschehen.
[00:15:57.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Da rede ich dann immer von Welpenschutz.
[00:16:00.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne haben die ADHS/ADS Kinder noch länger Welpenschutz, Anrecht auf
Welpenschutz.
[00:16:08.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zu persönlich oder persönlich beleidigt reagieren, wenn sie uns teasen, also
wenn sie uns ärgern, necken et cetera, dann haben wir verloren.
[00:16:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen wahrnehmen: ach, da will er jetzt mich necken.
[00:16:24.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man es sogar benennen: ah, du willst mich auf die Rolle schieben, aber ich will
trotzdem, dass du das machst.
[00:16:31.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Contenance, die Haltung bewahren und seine Sache durchführen.
[00:16:39.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulskontrolle kommt etwas später.
[00:16:43.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären die Flucht, also die Stressreflexe.
[00:16:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt sage ich ein paar Dinge und ich habe das auch noch mitgebracht: Was darf man
bei ADHS/ADS Kinder machen und was ist ein absolutes Nein, Do's and Don'ts.
[00:17:00.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage als erstes: nie nein sagen.
[00:17:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt aber nicht, diesen Kindern alles zulassen.
[00:17:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sieht, das Kind macht etwas, das man nicht will, nicht impulsiv rein
schießen: nein, darfst du nicht.
[00:17:24.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern: aha, du bist interessiert an dem.
[00:17:27.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, du willst das!
[00:17:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, das ist interessant.
[00:17:31.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind in seiner Absicht, in seiner Neugier, zuerst validieren.
[00:17:37.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein allgemeines Gesetz.
[00:17:40.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Validieren und dann kommt man mit seiner Haltung rein und sagt: aber aus dem und
dem Grund will ich das nicht.
[00:17:48.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem und dem Grund will ich, dass du das jetzt in Ruhe lässt.
[00:17:53.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern mit ihren ADHS/ADS Kindern zu mir kommen, da haben die Schubladen
rausgezogen und alles Mögliche gemacht. Die Mutter sagte sofort: oh nein, nein, nein.
[00:18:02.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann immer gesagt: ich schaue schon. Wenn es gefährlich wird, dann ist es
meine Sache, zu schauen, dass die bei mir nicht kaputt machen.
[00:18:11.480] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat sich dann alles etwas beruhigt.
[00:18:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sind sie auch davon gerannt und ums Haus herum, aber immer wieder
gekommen.
[00:18:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie automatisch Nein sagen.
[00:18:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Never say never.
[00:18:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Validieren und dann umlenken.
[00:18:35.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiterer Punkt ist, und ich erlebe das halt leider immer noch häufig in den Schulen:
nicht erziehen mit Belohnung und Bestrafung.
[00:18:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Bestrafung funktioniert nicht bei ADHS/ADS Kindern.
[00:18:49.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Paraphrasierung sage ich: man kann die ADHS/ADS Kinder totschlagen und sie
folgen immer noch nicht.
[00:18:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in einen Machtkampf mit ihnen reinkommt, dann gewinnen sie, und im
schlimmsten Fall mit Krankheit.
[00:19:06.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiatrische Krankheit, somatische Krankheit.
[00:19:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in einen Machtkampf reingehen.
[00:19:15.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in einen Machtkampf rein gerät, lieber aufhören und sagen: ich glaube,
heute finden wir keinen Weg, und dann ein neues Mal wieder beginnen.
[00:19:27.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht bestrafen.
[00:19:31.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule erlebe ich das immer noch.
[00:19:33.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bekomme natürlich nur die Problemkinder. Da werden Kleber aufgeklebt, Smilies
und die Sobies.
[00:19:39.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wird gedroht mit Strafe und so weiter.
[00:19:43.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist ihre Schule ganz modern und macht das alles nicht, aber ich erlebe es
doch noch erstaunlich viel.
[00:19:51.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht bestrafen, sondern führen.
[00:19:56.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Schwierige.
[00:19:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man selbst die Kontrolle über sich verliert und verrückt wird und dann bestraft,
dann ist man keine Führungsfigur mehr.
[00:20:06.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher ist es wichtig, dass man selbst die Contenance wieder bekommt, lieber aufhören
und gar nichts machen und dann wieder neu einsteigt und sagt, was man wie will.
[00:20:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder sind an sich sehr kooperativ, aber sie sind nur kooperativ, wenn wir eine
Beziehung zu ihnen haben.
[00:20:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir die Beziehung verloren haben, können wir sie nicht mehr führen.
[00:20:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen wieder neu die Beziehung herstellen.
[00:20:36.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einem ADHS/ADS Kind so genannt ein Befehl geben will, muss man zuerst
den Appell haben.
[00:20:47.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen: ich will dir was sagen.
[00:20:51.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Augen anschauen, schauen, ob er da ist. Man sieht an den Augen, ob
der irgendwo in der Luft ist.
[00:20:58.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen sofort weg, wenn die nicht mehr bei der Sache sind.
[00:21:02.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem kann man die Hand auf die Schulter legen, aber nicht alle haben das gern.
[00:21:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann der Kontakt, das machen die Affen auch.
[00:21:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: das und das will ich.
[00:21:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Befehl, den man durchgibt, der muss relativ kurz, präzise sein und ohne alle
möglichen Erklärungen und Überlegungen.
[00:21:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt nichts.
[00:21:24.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADS Kinder haben kein so gutes serielles Gedächtnis und dann hängt es
nach fünf Wörtern ab. Dann hören die gar nichts mehr und gehen woanders hin.
[00:21:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell Mütter, aber auch Väter, kann das passieren.
[00:21:38.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will erklären und so und so und so.
[00:21:41.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit diesem Erklären hat man sie schon längst überfordert.
[00:21:45.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell auch ADHS/ADS Kinder, die haben das auch nicht gerne.
[00:21:49.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wird gar nichts mehr gehört.
[00:21:50.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher kurz und prägnant und klar.
[00:21:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst die Beziehung herstellen, dem sage ich Appell, man muss den Appell haben und
erst dann gibt man die Botschaft durch. Man muss immer wieder schauen: hat das Kind
die Aufmerksamkeit bei einem?
[00:22:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man hinterher auch fragen: verstehst du, was ich meine? Verstehst du, was
ich will von dir?
[00:22:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sieht man wieder an den Augen, ob sie es wollen.
[00:22:21.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann kein Kommando so quer durchs Zimmer geben.
[00:22:24.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind da und das Kind ist da und ich bin da, oder vom oberen Stock in den unter. Da
geht alles nicht.
[00:22:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch den Hunden nicht sagen: du bleibst jetzt hier sitzen und ich gehe
schnell einkaufen, dann kommst du wieder.
[00:22:37.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur sehr gut dressierte können das. Bei den Kindern geht das nicht.
[00:22:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im erwachsenen Alter müssen die Kinder und die Jungen dann ihren eigenen Fokus
finden.
[00:22:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn ist bei ADHS/ADS Kindern ganz wichtig, dass sie intrinsisch motiviert sind.
[00:23:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, dass sie ihren Fokus finden.
[00:23:05.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihnen zu viel reinredet, dann sind sie verwirrt und wissen überhaupt nichts
mehr, aber den eigenen Fokus hatten sie sicher nicht.
[00:23:15.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern, zu stark und zu autoritär erziehen, dann lernen die ADHS/ADS Kinder gar
nicht, den eigenen Fokus zu finden.
[00:23:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erlebe ich dann auch bei den Erwachsenen.
[00:23:26.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagt eine 50-jährige Frau: ich weiß eigentlich gar nicht, was ich will. Meine Mutter
hat mir immer gesagt, was ich wollen soll, machen muss.
[00:23:36.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem ist es natürlich einfach.
[00:23:38.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einfach den Vorschlägen folgen und muss an nichts denken.
[00:23:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erwachsenenalter ist man dann auf einmal verwirrt oder man wird ausgenützt und
dann klagt man darüber, dass man ausgenützt wurde.
[00:23:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber man hat nicht gelernt, für sich selbst zu schauen.
[00:23:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen intrinsisch motiviert werden.
[00:24:01.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum ist es immer wichtig, dass man sie fragt: was willst denn du? Wie siehst du die
Lösung?
[00:24:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Eltern und solche Kinder habe, ich habe dann häufig schon Teenager, aber
auch bei den Kleinen, frage ich: das und das und das ist das Problem. Wie siehst du die
Lösung?
[00:24:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hole die Kinder rein zur Problemlösung.
[00:24:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht schon als Eltern sagen: ich will es so und so und so und das Kind gar nie
validieren.
[00:24:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Da verwende ich Jesper Juul.
[00:24:39.199] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_Juulhttps://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_Juul
[00:24:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist an sich nicht speziell für ADHS/ADS Kinder, aber alle seine Theorien funktionieren
wunderbar.
[00:24:48.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagt: das Kind ist gleichwürdig. Es ist nicht gleichwertig.
[00:24:54.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind viel stärker als das Kind, aber würdig ist es.
[00:24:58.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir übergehen oft die Würde des Kindes, indem wir gar nicht fragen, was das Kind
eigentlich will, was es denkt, sondern gleich schon unsere Ideen dem Kind überstülpen.
[00:25:10.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wehrt sich das Kind wie verrückt.
[00:25:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen wir nirgendwohin, dann haben wir nur einen Machtkampf.
[00:25:16.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, herauszufinden, wo steht das Kind, was will es, was ist ihm wichtig.
[00:25:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, dass sie dem Kind dann immer nachgeben.
[00:25:27.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das Kind validieren in seinem Willen, in seiner Absicht, dann fühlt es sich
wahrgenommen, respektiert, dann kann es eher kooperativ sein.
[00:25:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Natur her wollen die ADHS/ADS Kinder gerne kooperativ sein.
[00:25:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind an sich empathisch und wollen es einem recht machen.
[00:25:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben nicht gerne, wenn schlechte Stimmung ist.
[00:25:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen schauen, dass wir die Beziehung zum Kind nicht verlieren.
[00:26:03.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zum Beispiel Eltern und Drogensüchtige gehabt habe und die Eltern wollten
das Kind immer wegbringen von der Drogensucht und haben auf dieses eingeredet,
dann habe ich eigentlich nur dorthin gearbeitet, dass wieder eine Beziehung hergestellt
wird.
[00:26:24.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern von schon Teenager Kindern, langsam erwachsenen Kindern, denen sage
ich dann oft, gestern musste ich es einem Vater sagen: die Beziehung zu diesem Kind
behalten, ohne etwas von ihm zu wollen.
[00:26:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig. Wir fühlen uns ja verantwortlich.
[00:26:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen, dass die das alles recht machen, dass sie nicht ins Unglück laufen, aber wir
stören die ADHS/ADS Kinder.
[00:26:53.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dann nicht intrinsisch motiviert sein und nicht ihren Fokus finden.
[00:26:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher nicht: wenn du mir nicht folgst, dann breche ich die Beziehung ab. Das ist gar
nicht gut.
[00:27:06.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht bestrafen mit Liebesentzug, sondern die Beziehung behalten, aber ohne, dass
man das Kind in irgendeiner Richtung dirigieren will.
[00:27:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann im Teenager-Alter dann sagen: aha, okay, ich sehe das.
[00:27:22.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich verstehe, was du meinst. Ich sehe das.
[00:27:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann seine Meinung dem Kind gegenüberstellen.
[00:27:29.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Beziehung hat, überlegt das Kind auch wieder und vielleicht schwenkt
es sogar ein.
[00:27:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einer Mutter von einem ADHS/ADS Jungen gesagt: sie werden sehen, der hat
alle ihre Regeln gehört. Jetzt pubertiert er noch und wehrt sich dagegen, aber
wahrscheinlich hat er mehr von ihnen gelernt, als sie denken.
[00:27:52.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf Jahre später hat die Mutter dann mal gesagt: ja, das hat gestimmt.
[00:27:56.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Derjenige, der am wildesten war, hat dann die Familienregeln am besten eingehalten.
[00:28:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf seine Prinzipien sagen, aber nicht immer gerade sofort gehorsam verlangen.
[00:28:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, was man will und sitzt dann dem Kind im Genick.
[00:28:20.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das macht, dann mobilisiert das Kind nur Widerstand dagegen und es gibt
Krach und es geht gar nichts.
[00:28:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf vertrauen.
[00:28:31.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine mentale Kraft mobilisieren, sagen, was man will, für was man einsteht,
aber nicht das Kind überzeugen wollen.
[00:28:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald wir überzeugen wollen, sind wir emotional übergriffig.
[00:28:47.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben diese Kinder gar nicht gern, denn sie sind ja sensibel.
[00:28:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Übergriffigkeit empfinden sie als unangenehm, als einen Eingriff in die
Persönlichkeit.
[00:29:00.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein wichtiger Punkt ist noch: Viele der ADHS/ADS Kinder, die sind oft eben explorativ,
die stürmen in alles rein, die übernehmen gerade alles.
[00:29:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Einige haben auch Mühe mit Übergängen.
[00:29:18.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich ADS-Kinder noch mehr.
[00:29:21.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss das Zimmer wechseln oder es kommt eine neue Schule oder man muss
zum Arzt gehen.
[00:29:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz
So Übergänge, mit dem haben sie Mühe.
[00:29:35.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sie nicht kennen, macht ihnen Angst.
[00:29:38.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Angst kommt wieder der Reflex.
[00:29:41.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt dann der aggressive Reflex, also Kampfreflex, Fluchtreflex.
[00:29:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing kommt da dann nicht, das könnten wir vielleicht verwenden.
[00:29:51.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder es kommt der Totstellreflex, also wirklich Angst.
[00:29:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher muss man sie vorbereiten.
[00:29:59.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man so etwas rausfinden zwei Tage vorher, nicht gerade vier Wochen vorher,
das geht nicht.
[00:30:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Woche vorher ist vielleicht zu viel, das müssen sie selber herausfinden.
[00:30:11.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: dann machen wir dann das und das läuft so und so ab, damit sich das
Kind vorbereiten kann.
[00:30:18.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind aufhören sollte mit Spielen, also Übergang vom Spielen, in die Schule
gehen oder in den Kindergarten gehen.
[00:30:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer Viertelstunde müssen wir weg gehen.
[00:30:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt es verschiedene Methoden. Manche stellen die Sanduhr auf oder den Wecker
oder irgendetwas.
[00:30:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wieder hingehen. Jetzt läuft es dann ab und dann müssen wir gehen.
[00:30:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sie nicht stoßen, man muss sie ziehen.
[00:30:49.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eher vorausgehen, eben vorbereiten.
[00:30:55.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle haben da wieder unterschiedliche Methoden.
[00:30:58.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist dieser Übergang.
[00:31:02.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Was mit diesen Kindern gar nicht geht: also sich beeilen: beeil dich, wir müssen gehen.
[00:31:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht gar nicht.
[00:31:09.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht Stress und dann kommt der Widerstand der Aggressions Reflex.
[00:31:15.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, wir sind nicht immer so ausgeruht und gelassen.
[00:31:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal geht es uns halt dann schief.
[00:31:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Eltern entschuldigen sich dann.
[00:31:32.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, entschuldigen ist nicht so gut, aber man kann beschreiben: ich habe da etwas
überreagiert. Es tut mir leid, aber ich habe mich nicht besser im Griff gehabt.
[00:31:45.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Kind lernen: ja, die Eltern sind auch nicht immer perfekt und das ist
okay.
[00:31:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern dürfen auch emotional werden und die Pedalen verlieren.
[00:31:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Übergängen, wenn man dem Kind sagt: ich will dann das und das.
[00:32:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind sagt: nein, nein, nein, ich will nicht, da muss man schauen, dass man bei sich
bleibt.
[00:32:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch bei dem bleibt: ich will das.
[00:32:22.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann gleich drückt: du musst, dann hat man den Krach.
[00:32:29.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man erleben, man sagt dem Kind: ich will das und das.
[00:32:35.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind macht Widerstand.
[00:32:39.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt eher Distanz, wartet etwas, nicht ganz woanders hingehen.
[00:32:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Distanz nehmen, damit das Kind sich selber entscheiden kann.
[00:32:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder die intrinsische Motivation.
[00:32:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe die Richtung an und das Kind will zwar was ganz anderes, es kann überlegen
und dann kann es sagen: also gut, dann mache ich halt das.
[00:33:09.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind im Genick sitzt, dann kann es das nicht.
[00:33:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Kind nur Abwehr machen.
[00:33:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind selber überlegen darf, dann kann das Kind umschwenken.
[00:33:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man fördert das Kind eher im Widerstand, wenn man ihm im Genick sitzt.
[00:33:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dem Kind etwas Raum lassen, damit das Kind selber entscheiden kann.
[00:33:33.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Druck aufsetzen bringt nichts.
[00:33:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären ein paar Gedanken, Ideen.
[00:33:42.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin daran, ein Buch zu schreiben und da habe ich 13 Thesen, praktische
Anleitungen, die sie nachher mitnehmen dürfen.
[00:33:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie nicht vorher vorbereitet, damit sie nicht darin lesen.
[00:34:00.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt natürlich noch viele andere Dinge, die man besprechen kann.
[00:34:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Was mir als Psychiaterin sehr am Herzen liegt, ist, dass ich psychiatrische Krankheiten
und auch somatische Krankheiten verhindern will.
[00:34:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin fest überzeugt, dass wenn wir diese Kinder persönlichkeitsgerechter,
temperamentgerechter erziehen, dass wir dann viele, viele Krankheiten verhindern
könnten.
[00:34:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald sie ins medizinische System reinkommen, wird das Krankheitssymptom fixiert
und an dem herum gebastelt.
[00:34:43.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles schon ganz schlimm ist, ist das die einzige Möglichkeit.
[00:34:48.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist vernetzt mit dem ganzen Körper.
[00:34:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist unsere Schaltzentrale, die eigentlich alles dirigiert.
[00:35:04.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das beste Instrument, um gesunde Reaktionen auszulösen und nicht in
eine Krankheit rein zu kommen.
[00:35:17.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich insbesondere mit der Schizophrenie befasst, ADHS/ADS und
Schizophrenie.
[00:35:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
In den drei Generationen sehe ich die verschiedenen Krankheiten.
[00:35:38.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ADHS/ADS werden viel mehr Krankheiten verbunden. Es gibt viel mehr
Folgekrankheiten.
[00:35:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genome-wide association studies (GWAS) zeigen das.
[00:35:49.850] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Genomweite_Assoziationsstudie#:~:text=Eine%20genomweite%20Assoziationsstudie%
20(GWAS%2C%20engl,Allelen)%20zu%20assoziieren.
[00:35:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat psychiatrische Diagnosen, Menschen mit fünf verschiedenen Diagnosen,
genetisch untersucht.
[00:36:00.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Schizophrenie, manisch depressiv, schwere Depression, das wären die Frauen, ADHS/
ADS und Autismus, die hatten alle den gleichen genetischen Lokus, der verändert war.
[00:36:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behaupte da, es ist das ADHS/ADS, das zu all diesen anderen Krankheitsbildern
führt.
[00:36:20.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch Suchtkrankheiten. Es gibt die Borderline Persönlichkeitsstörung. Es gibt
die dissoziale Persönlichkeitsstörung. Etc.
[00:36:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen nicht Angst machen.
[00:36:30.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Kinder haben, die ADHS/ADS haben, die gehen dann in diese Krankheit.
[00:36:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil.
[00:36:37.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen die Möglichkeit geben, dass das verhindert werden kann.
[00:36:42.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein sehr lernfähiges Individuum, das Gehirn ist so lernfähig, dass sie da
noch viele Fehler machen können und das Kind stürzt dennoch nicht ab.
[00:37:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern dann, speziell Mütter, große Schuldgefühle haben, weil sie alles falsch
gemacht haben, dann sage ich: wir sind so resistente Wesen. Die Kinder ertragen das
besser, als wir denken. Wir dürfen nur nicht herumreiten auf unseren Fehlern.
[00:37:19.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen bei der Erziehung selbst auch weiterhin lern bereit sein.
[00:37:25.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mit dem Kind zusammen lernen.
[00:37:30.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich dann immer den Witz: wir Psychiater werden oft ausgelacht.
[00:37:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner, die wissen alles, aber können nichts. Die Chirurgen, die können alles,
aber wissen nichts. Die Pathologen, die wissen alles, aber zu spät, wenn der Mensch
schon tot ist.
[00:37:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater, die können nichts und wissen nichts.
[00:38:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich einem Kieferchirurgen gesagt: wir Psychiater lernen jeden Tag von
unseren Patienten.
[00:38:09.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das, was ich da jetzt auch sage und Ihnen weitergeben will.
[00:38:13.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Eltern und Lehrer können sie von ihren Kindern im Austausch, in der Interaktion
täglich lernen.
[00:38:22.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das behält jung.
[00:38:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das behält das Gehirn in Aktion.
[00:38:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so meine Botschaft.
[00:38:31.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt möchte ich ihnen die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.
13 TIPPS FÜR ERZIEHENDE
Dr. med. Ursula Davatz
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ganglion.ch
Elterliche Erziehungsstile passen nicht immer zum angeborenen kindlichen Naturell.
Bei Kindern mit ADHS und ADS kommt dies besonders häufig vor und führt bei ihnen
in vielerlei Hinsicht zu Verhaltensauffälligkeiten und später zu psychischen und
körperlichen Krankheiten. Um solche Krankheitsentwicklungen schon im Kleinkind-
und Jugendalter zu verhindern, fügen wir diesem Buch im Sinne einer Frühprävention
dreizehn Ratschläge für Eltern und Erziehungspersonen mit ADHS/ADS Kindern bei.
Das Kind gehorcht nicht,
hört nicht zu
Bevor Sie einen Wunsch oder einen Befehl an Ihr unaufmerksames, eigenwilliges Kind
richten, reden Sie es immer zuerst mit seinem Namen an. Holen Sie sich seinen
Appell, das heißt seine Aufmerksamkeit durch Augenkontakt, allenfalls auch über
Körperkontakt, in dem Sie ihm die Hand auf die Schulter legen. Allerdings vertragen
in diesem Augenblick nicht alle Kinder körperliche Tuchfühlung, manche fühlen sich
dadurch schon bedrängt, dann sollte es beim Augenkontakt bleiben.
Suchen Sie den Augenkontakt, um feststellen zu können, ob Sie seine
Aufmerksamkeit wirklich haben oder ob es in seinen Gedanken ganz woanders weilt.
Erst dann geben Sie Ihren Auftrag, ihren Befehl mit möglichst wenig Worten und
emotional neutral an das Kind weiter. Sagen Sie nicht: «Du musst …du sollst»,
sondern «Ich will …», «Ich möchte, dass …» oder «Die Regel ist …»
Wiederholen Sie Ihren Auftrag aber nicht unzählige Male. Wenn beim dritten Mal die
Kommunikation nicht klappt, versuchen Sie herauszufinden, woran dies liegt. Warum
kann Ihnen das Kind nicht zuhören und auch nicht gehorchen? Wieso kommen Sie mit
Ihrem Befehl nicht durch? Sind Sie selbst nicht ganz überzeugt von Ihrem Befehl?
Oder war der Auftrag unklar formuliert oder unpassend zur Situation? Ändern Sie
allenfalls Ihre Wortwahl und Ihren Ton, oder brechen Sie die Übung ganz ab und
überlegen, ob Sie zu Ihrem Auftrag wirklich stehen können. Falls ja, beginnen Sie zu
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einem späteren Zeitpunkt nochmals, sobald sie die Bedürfnisse des Kindes wirklich
wahrgenommen haben, aber nicht mit der Haltung wie: ich kann mich ja sowieso nicht
durchsetzen. Mit einer solchen Einstellung lassen Sie es lieber gleich sein. Nehmen
Sie einen neuen Anlauf erst, wenn Sie von Ihrer Durchsetzungskraft innerlich
überzeugt sind.
Das Kind lässt sich nicht abbringen von dem,
was es will oder tut
Wenn Sie unter Zeitdruck stehen und von ihrem Kind etwas wollen, es aber partout
nicht einlenken will, geben Sie ihm zuerst Wertschätzung für das, womit es gerade
beschäftigt ist. Validieren Sie seine Interessen und sein Tun. Lassen Sie ihm dann ein
bisschen Zeit, ohne von seiner Seite wegzugehen und fordern Sie es erst leicht
verzögert erneut zu dem auf, was Sie von ihm wollen. Dabei darf aber nicht
durchscheinen, dass Sie unter Zeitdruck stehen und nicht mehr warten mögen.
Sagen Sie auch nie: «Du musst … », «Du solltest endlich …», sondern: «Ich
möchte, dass …», «Ich will … und wir müssen jetzt gehen.»
Der Ausdruck «Du musst …» ist schon ein Übergriff auf die Persönlichkeit eines
sensiblen Kindes, der Satzbeginn «Du solltest endlich …» ist eine Kritik an seinem
Verhalten und seiner Persönlichkeit.
«Ich will …» ist eine klare Absichtserklärung, die Sie als Mutter oder Vater dem Kind
gegenüber unzweideutig zum Ausdruck bringen. Ihre emotionale Energie, die mentale
Kraft liegt dabei ganz bei Ihnen, sie darf nicht als emotionaler Druck im Sinne von
vermeintlicher Motivation auf das Kind übertragen werden.
Sagen Sie zu einem eigenwilligen Kind nie «Nein», oder «Ich hab’s dir schon 10-mal
gesagt», sondern versuchen Sie es erneut mit einer Ablenkung, um es dadurch, fast
spielerisch, in die gewünschte Richtung zu lenken. Fordern Sie es in emotional
selbstmotiviertem, lockerem Ton dazu auf und sagen dabei, was Sie wollen, und nicht,
was Sie nicht wollen.
Mit selbstsicherem, überzeugtem Auftreten, aber ohne intellektuelles Argumentieren
und ohne mit hochemotionaler Unbeherrschtheit bringen Sie Ihr Kind eher zur
Kooperation, ohne dabei Gehorsam im Sinne von Unterordnung von ihm verlangen zu
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müssen. Vor allem ADHS-Kinder müssen stets eigen motiviert, das heißt, intrinsisch
motiviert sein, sie ordnen sich sonst nur widerwillig oder gar nicht ein. Von Natur her
sind sie eigentlich sozial empathisch, kooperativ, begeisterungsfähig und hilfsbereit.
Das Kind wird aggressiv,
wenn es nicht nach seinem Kopf geht
Wird das Kind Ihnen gegenüber ausfällig, wenn es an seiner Tätigkeit gehindert wird,
versuchen Sie als erstes, sich selbst zu beruhigen und – ohne Wut im Bauch – etwas
abzuwarten. Moralisieren sie in diesem Augenblick auch nicht mit Worten wie «Das
darfst du nicht», «Das gehört sich nicht», das ist respektlos.
Wenn sich die Situation etwas beruhigt hat, fragen Sie zuerst sich selbst, was das Kind
wohl verletzt haben mag, fragen sie aber das Kind nicht auf erwachsene Art und Weise
nach der psychischen Verletzung, äußern Sie allenfalls ihre Vermutung, was hätte
vorgefallen sein können oder machen Sie Vorschläge. Jüngere Kinder können meist
noch nicht über ihre emotionalen Verletzungen Auskunft geben. Wenn das Kind alt
genug ist, dann ist es durchaus sinnvoll, noch einmal nachzufragen.
Wenn es aggressiv auf eine Verletzung reagiert, moralisieren Sie auch nicht mit dem
Satz: «Austeilen kannst du ganz schnell, aber einstecken kannst du überhaupt
nicht!» Diese scheinbare Verhaltenslogik ist eine Verurteilung des Kindes in seinem
noch unkontrollierten impulsiven Verhalten, und hilft ihm nicht, sich besser zu
beherrschen. Es fühlt sich dadurch nur in seinem sensiblen Wesen und seiner
impulsiven Emotionalität beschämt, verurteilt und abgelehnt.
Wenn das Kind etwas dazu sagen kann, versuchen Sie, ihm Verständnis
entgegenzubringen und seine Gefühle zu validieren. Erst danach erarbeiten Sie mit
ihm zusammen, mit etwas Abstand, wie es seine negativen Gefühle auf eine andere,
sozial verträglichere Art und Weise in Zukunft zum Ausdruck bringen und so eine
konstruktivere Problemlösung finden könnte. Dadurch schafft es sich weniger Feinde
in seinem sozialen Umkreis, was ein großer Vorteil ist für das spätere
Erwachsenenleben.
Kleinere Kinder haben ihre Verletzlichkeit, ihre Sensitivität und gleichzeitige reaktive
Impulsivität noch nicht unter Kontrolle. Diese zwei wichtigen Reaktionsmuster von
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ADHS-und ADS-Kindern müssen sich die Erziehungsverantwortlichen immer wieder
vor Augen halten. Vor allem geht es darum zu wissen, dass die aggressive Impulsivität
grundsätzlich stets der Verteidigung verletzter Gefühle dient und nicht primär böse
Absicht ist.
Sobald sich Kinder, aber auch Erwachsene mit ADHS und ADS, verletzt fühlen,
können sie keine Empathie mehr für ihr Gegenüber aufbringen. Erst wenn sie sich
beruhigt haben, ist dies wieder möglich. Deshalb ist auch die erzieherische
Aufforderung an das impulsiv aggressive Kind, sich sofort beim Opfer zu
entschuldigen, nicht zielführend, da sich das Kind für sein impulsives Handeln und
sensibles Wesen dadurch selbst verurteilen und schuldig sprechen muss. Dies kommt
einer Selbstablehnung gleich, schädigt sein Selbstwertgefühl und ist unter diesem
Aspekt eine leere Phrase.
Streit unter den Kindern
Geht ein Kind gegen ein jüngeres Geschwister, eine Mitschülerin oder einen Mitschüler
aggressiv vor, ergreifen Sie nicht automatisch Partei und verurteilen das aggressive
Kind als böse, sondern gehen Sie dazwischen und fragen nach, was das Problem
zwischen beiden ist. Machen Sie sich ein Bild über den zwischenmenschlichen
Konflikt. Häufig ist eine subtile Beleidigung vorausgegangen. Versuchen Sie dann, die
Auseinandersetzung auf konstruktive, bilaterale Art und Weise im Sinne einer Win-
Win-Lösung zu entschärfen, bei welcher beide Seiten als Lernende hervorgehen
dürfen und ihr Gesicht wahren können. Das Erlernen von konstruktiven
Konfliktlösungsstrategien ist eine Fähigkeit, die im Leben gut zu gebrauchen ist und
ADHS-Kinder besonders als Erwachsene benötigen.
Das Kind ist hypersensibel,
ist schnell beleidigt
Fühlt sich Ihr Sohn oder Ihre Tochter schnell verletzt und beleidigt, und zieht sich
zurück ins Schneckenhaus, was vor allem bei Kindern mit ADS der Fall ist, machen
Sie sich nicht lustig darüber, wenn es sich zurückzieht. Versuchen Sie auch nicht, es
möglichst schnell aus seinem Schneckenhaus wieder herauszuholen. Bedrängen Sie
es auch nicht mit Fragen, lassen Sie Ihm etwas Zeit, um sich zu beruhigen und wieder
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zu sich zu kommen. Erst dann fragen Sie nach, wodurch es gekränkt wurde. Allenfalls
können Sie auch zu erraten versuchen und Vorschläge machen, was zu seinem
Rückzug geführt haben könnte, davon kann es dann auswählen, was zutrifft. Dies ist
vor allem bei jüngeren Kindern nötig und hilfreich.
Das Kind vergisst, verliert,
hat keine Ordnung in seinem Zimmer
Ärgern Sie sich, dass Ihr Kind immer wieder alles Mögliche vergisst? Übernehmen Sie
nicht die ganze Verantwortung dafür, es zu ermahnen, daran zu erinnern oder schaffen
die Ordnung gar selbst. Dauerndes Ermahnen, woran es noch denken sollte, hilft nicht
gegen Vergesslichkeit. So lernt es nie, selbst daran zu denken und sich selbst zu
organisieren.
Entwickeln Sie Strategien mit ihm zusammen, wie es selbst daran denken und sich
selbst organisieren kann. Bleiben Sie nicht seine Erinnerungshilfe, sein Gedächtnis,
sonst bleibt es abhängig von Ihnen. Im Erwachsenenalter ist es dann weit mühsamer,
sich Strategien gegen die eigene Zerstreutheit und Vergesslichkeit anzueignen.
Das Kind hat schlechte Noten,
macht keine Hausaufgaben, schwänzt die Schule
Wenn Ihr Kind trotz guter Intelligenz in der Schule ungenügende Noten schreibt,
auszuweichen beginnt oder es ihm schwerfällt, in verschiedenen Fächern Leistung zu
erbringen, finden Sie heraus, warum seine Motivation verloren gegangen ist. Verbieten
Sie ihm nicht seine Hobbies, die es gerne betreibt, zum Beispiel Fußball, Judo oder
Musik, Theater etc. Unterstützen Sie seine Hobbies weiter, bis es die Leistung auch in
den Pflichtfächern erbringen kann. Wichtig dabei ist, dass es seine Motivation und
Selbständigkeit nicht verliert, sondern beibehalten kann. Verbieten demotiviert.
Wenn es die Schule verweigert, versuchen Sie herauszufinden, warum das Kind nicht
mehr gerne in die Schule geht und wovor es ausweicht. Sind es die schlechten Noten
oder soziale Konflikte mit Mitschülern, eine Beschämung durch seine Kollegen oder
die ablehnende Haltung einer Lehrperson? Setzen Sie dabei jedoch keinen
emotionalen Druck auf und halten Sie vor allem mit Ihrem eigenen Ehrgeiz zurück und
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Ihrer eigenen Ungeduld. Sie geraten sonst in einen Teufelskreislauf und das Kind
verweigert sich noch mehr. Ziehen Sie ungeniert eine Fachperson zur Hilfe bei, die
sich mit ADHS/ADS auskennt und systemische Erfahrung hat.
Eine Begleitung und Unterstützung des Kindes durch den Vater, auch nach längerer
Schulverweigerung, kann beim Wiedereinstieg behilflich sein und eine unterstützende
Wirkung haben.
Das Kind ist vorlaut, redet dauernd drein,
kann den Mund nicht halten
Das impulsive Sprechen und Dreinreden gehört zur noch nicht vorhandenen
Impulskontrolle eines Kindes. Vor allem bei Kindern mit ADHS setzt diese
Impulskontrolle häufig erst verspätet ein. «Man kann dem Hund das Bellen nicht
verbieten!», heißt es so zutreffend. Lassen Sie ihr Kind wissen, dass Sie an seiner
Meinung interessiert sind, aber zuerst ihren Satz noch fertig sprechen oder Ihr
Vorhaben zu Ende führen möchten. So lernt es allmählich, seine Impulsivität vermehrt
unter Kontrolle zu bringen, seine Ungeduld zu zügeln und seine Frustrationstoleranz
und Belohnungsaufschub zu verbessern.
Das Kind hat kaum Freunde,
wenig Sozialkontakt, ist immer zu Hause
Wenn Sie sich sorgen, dass ihr Kind nur wenige Freunde hat, was bei ADS-Kindern
häufig der Fall ist, fordern Sie es nicht dauernd dazu auf, sich mehr zu verabreden,
weil Sie selbst eine äußerst soziale Person sind. Sie können es jedoch dazu
motivieren, andere Kinder zu sich nach Hause einzuladen oder sie organisieren eine
Einladung mit ihm zusammen. Drängen Sie es aber keinesfalls dazu. Besuchen Sie
allenfalls andere Familien oder laden von sich aus andere Familien mit Kindern zu sich
nach Hause ein, so kann es seine Scheu vor neuen Sozialkontakten mit Ihrer
Unterstützung allmählich überwinden.
Das Kind hat zu viel Sozialkontakt, ist nie zu Hause
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Geht Ihr Kind in der Pubertät für Ihr Ermessen zu viel aus und hat Kontakt mit anderen,
die Ihnen missfallen, schimpfen oder verbieten Sie ihm nicht seine Kontakte, Sie
bewirken nur das Gegenteil. Es wird dann seine Kollegen heftig verteidigen und den
Kontakt mit Ihnen meiden.
Es ist aber von Vorteil, wenn Sie seine Kameraden selbst kennen lernen, um
herauszufinden und zu verstehen, worum es geht und warum ihr Kind gerne mit ihnen
zusammen sein möchte. Falls Sie mit dem Verhalten der Kameraden nicht
einverstanden sind, nehmen Sie gegenüber dem Kind in Anwesenheit seiner Kollegen
und der ganzen Gruppe klar Stellung zu Ihren Wertvorstellungen und Regeln.
Unterstützen Sie Ihr Kind vor allem in seiner Selbstorientierung, Selbstbestimmung
und in der Eigenverantwortung, sodass es nicht nur zum Mitläufer wird. Es sollte
persönlich wählen und bestimmen können, was ihm passt und was nicht, ohne sich
dabei dem Gruppendruck anpassen und einfach folgen zu müssen, um bei seinen
Peers Akzeptanz zu erhalten. Für den Erwerb einer solchen selbständigen Haltung
müssen Sie ihm aber den Rücken stärken, wenn ihm Fehler passieren.
Das Kind isst in seinem Zimmer,
hinterlässt schmutziges Geschirr
Wenn Ihr Kind in seinem Zimmer Chaos hat, sagen Sie nicht: «Du solltest endlich
mal wieder aufräumen» oder «Wann räumst du endlich wieder auf?» Kommen Sie
mit ihm überein, an welchem Wochentag es regelmäßig aufräumt. Anschließend erhält
es sein Taschengeld oder Sie unternehmen etwas zusammen mit ihm. Fragen Sie sich
aber auch, warum es vom gemeinsamen Esstisch ins Zimmer ausweicht. Vielleicht
wurde es am Esstisch durch zu viel Kritik bedrängt?
Wenn es nach draußen will, aber nicht aufgeräumt hat, sagen Sie: «Du darfst gerne
ausgehen, aber ich möchte, dass du vorher noch dein Zimmer aufräumst!» Sie
müssen aber stets anwesend sein, um sich durchsetzen zu können, sonst wird Ihre
Aufforderung nicht befolgt, denn das Kind hat die Haltung, später nur nicht heute, ein
Verhalten, das im Erwachsenenalter zur sogenannten Prokrastination, zum
Verschieben anstehender Aufgaben führt, einer Verhaltensweise, die häufig bei
Personen mit ADHS und ADS vorkommt.
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Das Kind hilft nicht im Haushalt,
drückt sich um alles, weicht aus
Wenn sich ihr Kind nicht an den Haushaltspflichten beteiligt, geben Sie ihm nicht
unaufhörlich neue Aufträge zur Mithilfe und Mitarbeit in der Gemeinschaft. Erinnern
Sie es auch nicht ständig an die verpassten Pflichten oder bezeichnen es gar als
asozial und egoistisch. Setzen Sie sich mit ihm zusammen, wenn Sie genügend Zeit
und Ruhe dafür haben und erarbeiten einen Plan mit ihm, wer wann was macht.
Lassen Sie das Kind sich selbst in den Plan eintragen. Hängen sie ihn an der Familien-
Pinnwand oder am Kühlschrank auf, wo er für alle stets sichtbar ist.
Wenn eine Aufgabe vergessen geht, erinnern Sie an den Plan und nicht an die
Aufgabe. So lernt das Kind Selbständigkeit und Selbstkontrolle, übernimmt
Eigenverantwortung und ist nicht täglich auf Ihre Erinnerungshilfe angewiesen, die es
ohnehin ablehnt.
Das Kind hat chronisch Streit mit den Geschwistern
Wenn ein Kind dauernd in Streit gerät mit einem anderen Geschwister, intervenieren
Sie möglichst nicht. Sie stören damit die Auseinandersetzung unter den Geschwistern
und fördern nur die Weiterführung des Streits bis ins Erwachsenenalter.
Falls Sie eingreifen, moralisieren Sie nicht und spielen vor allem nicht Richter, sondern
suchen Sie nach gemeinsamen, kooperativen Konfliktlösungen und schlagen eine
Problemlösung vor. Es geht darum, miteinander nach Lösungen zu suchen und nicht
darum, Täter und Opfer zu bestimmen.
Geschwisterstreit gehört für die Kinder zum sozialen Lernen. Sie üben dabei, Konflikte
auszutragen und sich Sozialkompetenz zu erwerben. Dazu gehört auch das kindliche
Teasing Verhalten, das sich Necken, Herausfordern und Provozieren. Teasing
gehört zu den vier Sressverhalten fight, flight, freeze, tease. Auspropieren und
Provozieren ist für Jugendliche eine wichtige Lernstrategie.
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