Multikulturelle Gesellschaft Schweiz

Dr.med. Davatz erwähnt explizit, dass die Schweiz eine multikulturelle Gesellschaft ist. Sie führt aus, dass 30% der Bevölkerung Ausländer sind. Weiterhin weist sie auf die Existenz vieler multikultureller Heiraten hin.

In diesem Kontext der Multikulturalität kommen verschiedene Erziehungsmodi zusammen. Dr. Davatz merkt an, dass diese Erziehungsstile sich gegenseitig bekämpfen oder ergänzen können. In ihrer Praxis erlebt sie häufig Familien, in denen die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, was kein förderliches Klima für Kinder darstellt.

Auch die Sprachentwicklung in den Schulen zeigt die Auswirkungen der multikulturellen Gesellschaft. Dr. Davatz beobachtet, dass sich in den Schulen das albanische Schweizerdeutsch stärker durchsetzt als das traditionelle Schweizer Schwyzerdütsch. Sie interpretiert dies als ein Beispiel dafür, dass sich jemand, der sich dominant verhält, auch in der Sprache durchsetzt.

Des Weiteren betont Dr. Davatz, dass die verschiedenen Kulturen auch verschiedene Wertesysteme mit sich bringen. Da die Schweiz stark von der christlichen Kultur geprägt ist, kann es bei Begegnungen mit anderen Kulturen schnell zu Streitigkeiten kommen. Sie erachtet keinen Streit als so schlimm wie den Religionskrieg und betont die Notwendigkeit zu lernen, wie mit Andersdenkenden kollektiv umzugehen ist. Hierbei ist es wichtig, sich einander anzunähern, zu dezentrieren und herauszufinden, wie andere etwas sehen.

Dr. Davatz unterstreicht, dass es wichtig ist, dass wir Schweizer wach sind und für unsere Werte einstehen und diese auch weitergeben. Gleichzeitig plädiert sie dafür, Unterschiede ohne Kampf wahrzunehmen und zu akzeptieren. Heterogene Gemeinschaften mit grosser Diversität überleben besser als homogene. Jeder hat seinen Platz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Davatz die multikulturelle Realität der Schweiz anerkennt und auf die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen in Bezug auf Erziehung, Werte und soziale Interaktion hinweist. Sie betont die Bedeutung des Respekts vor Unterschieden, der Kooperation und der Fähigkeit, sich mit verschiedenen Wertesystemen auseinanderzusetzen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Das Schweizer Schulsystem im Umgang mit ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz übt in ihrem Vortrag starke Kritik am Schweizer Schulsystem und dessen Umgang mit ADHS/ADS. Sie sieht in der mangelnden Anpassung der Schulen an die Bedürfnisse von ADHS/ADS-Kindern einen entscheidenden Faktor für die Entstehung von Folgeerkrankungen und die Behinderung der Potentialentfaltung dieser Kinder.

Hauptkritikpunkte:

  • Mangelndes Wissen und Verständnis: Dr. Davatz bemängelt, dass an den Pädagogischen Hochschulen nicht ausreichend Wissen über ADHS/ADS vermittelt wird. Junge Lehrerinnen und Lehrer sind deshalb oft überfordert und wissen nicht, wie sie mit ADHS/ADS-Kindern umgehen sollen.
  • Unangepasste Lehrmethoden: Das Schulsystem ist stark auf Ruhe, Konzentration und Anpassung ausgerichtet. Dies stellt für ADHS/ADS-Kinder, die von Natur aus eine breite Aufmerksamkeitsspanne, hohe Sensitivität und Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle haben, eine grosse Herausforderung dar.
  • Fokus auf Defizite statt auf Stärken: Statt die besonderen Stärken von ADHS/ADS-Kindern, wie Kreativität, Ideenreichtum und Energie, zu fördern, konzentriert sich das Schulsystem oft auf ihre Schwächen und versucht, sie anzupassen. [Dr. Davatz erwähnt dies nicht explizit, aber es lässt sich aus ihren Ausführungen ableiten.]
  • Druck und Zwang: ADHS/ADS-Kinder lernen am besten, wenn sie intrinsisch motiviert sind. Druck und Zwang, die im Schulsystem oft eingesetzt werden, führen nur zu Widerstand und blockieren ihre Entwicklung.

Konsequenzen:

  • Überforderung und Frustration: Die Kinder fühlen sich im Schulsystem oft überfordert und frustriert. Sie können den Anforderungen nicht gerecht werden und erleben immer wieder Misserfolge.
  • Entwicklung von Folgeerkrankungen: Die ständige Überforderung und Frustration kann zu psychischen Problemen führen. Dr. Davatz sieht einen klaren Zusammenhang zwischen einem ungünstigen Schulsystem und der Entstehung von Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen.
  • Verschwendung von Potential: Statt ihre Talente zu entfalten und ihre Stärken zu nutzen, werden ADHS/ADS-Kinder im Schulsystem oft gebremst und ihre Entwicklung blockiert.

Lösungsansätze:

Dr.med. Ursula Davatz fordert ein Umdenken im Schulsystem und plädiert für folgende Massnahmen:

  • Bessere Ausbildung von Lehrern: Lehrerinnen und Lehrer müssen besser über ADHS/ADS informiert und im Umgang mit den betroffenen Kindern geschult werden.
  • Anpassung der Lehrmethoden: Die Lehrmethoden müssen an die Bedürfnisse von ADHS/ADS-Kindern angepasst werden. [Dr. Davatz nennt keine konkreten Beispiele, aber es ist anzunehmen, dass sie Methoden befürwortet, die die intrinsische Motivation fördern, die Bewegung integrieren und die individuellen Lerntempi berücksichtigen.]
  • Schaffung eines positiven Lernklimas: In der Schule sollte ein positives Lernklima herrschen, das von Akzeptanz, Verständnis und Wohlwollen geprägt ist.
  • Fokus auf die Stärken: Die Schule sollte die besonderen Stärken von ADHS/ADS-Kindern erkennen und fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz das Schweizer Schulsystem als ungeeignet für ADHS/ADS-Kinder betrachtet. Sie sieht in der mangelnden Anpassung der Schulen an die Bedürfnisse dieser Kinder einen entscheidenden Faktor für die Entstehung von Folgeerkrankungen und die Behinderung ihrer Potentialentfaltung.

https://ganglion.ch/pdf/Hilfesuchende_ADHS_1.10.2024.m4a.pdf