Wie können Schulen das soziale Lernen besser fördern?

Dr. med. Ursula Davatz spricht im vorliegenden Workshop einige Aspekte an, die Schulen berücksichtigen könnten, um das soziale Lernen von Kindern und Jugendlichen besser zu fördern.

  • Es ist wichtig, Sozialkompetenzen bereits im Kindergarten und in der Schule zu vermitteln. Dazu gehören Fähigkeiten wie Kooperation, Anpassungsfähigkeit und die Integration in die Gesellschaft.
  • Das Konzept der „Friedensbrücke„, das bereits im Kindergarten gelehrt wird, ist ein Beispiel für frühes soziales Lernen im Umgang mit Konflikten. Es ist entscheidend, Konflikte sorgfältiger zu betrachten und auf bilateraler Ebene zu bearbeiten, anstatt sie mit einer einfachen Entschuldigung abzutun.
  • Schulen könnten das System des „Peacemaker“ einführen, bei dem Kinder lernen, Konflikte untereinander zu schlichten und so Erfahrungen sammeln können. Dieses System und die „Friedensbrücke“ werden in einigen Schulen bereits ab dem Kindergarten angewendet.
  • Dr. Davatz betont, dass Kinder lernen müssen, zusammenzuarbeiten. Im Gegensatz zu individuellem Leistungsdruck und Wettbewerb sollte die Kooperation innerhalb des gesamten Kollektivs gefördert werden.
  • Mobbing sollte als Gruppenprozess betrachtet werden, der alle Gruppenmitglieder betrifft, nicht nur Täter und Opfer. Das soziale Lernen ist entscheidend, um Ungleichheiten zu bearbeiten, die zu Mobbing führen.
  • Lehrpersonen benötigen mehr Unterstützung und Begleitung in ihrer anspruchsvollen Arbeit. Es wäre hilfreich, wenn sie sich mit Kollegen oder Fachpersonen austauschen und frühzeitig Hilfe holen könnten. Das „Vier-Augen-Prinzip“ kann dabei unterstützen.
  • Anstatt sich nur auf das einzelne Kind zu konzentrieren, sollte das Umfeld unterstützt werden.
  • Neben dem IQ (intellektuelle Fähigkeit) sollte auch der EQ (emotionale Intelligenz) beachtet und gefördert werden.
  • Dr. Davatz erwähnt, dass beim Spielen mehr gelernt wird.
  • Es ist wichtig, eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen und die Gruppendynamik so gesteuert wird, dass alle ihren Platz finden. Wenn sich ein Kind in der Gruppe nicht wohlfühlt, kann es sich nicht entfalten.
  • Lehrpersonen sollten sich nicht scheuen, frühzeitig fachkompetente Hilfe zu suchen, bereits im Kindergarten.

Indem Schulen diesen Aspekten vermehrt Aufmerksamkeit schenken und entsprechende Programme und Interventionen implementieren, können sie das soziale Lernen von Kindern und Jugendlichen maßgeblich verbessern. Es ist wichtig, dass Regeln im Schulalltag mit Herz vertreten werden und der Fokus auf Austausch und Lösungen statt auf Täter und Opfer gelegt wird.

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Soziales Lernen: Ein Schlüssel zur Überwindung von Suchtverhalten

Dr. med. Ursula Davatz unterstreicht in ihrem Interview die entscheidende Rolle des sozialen Lernens im Umgang mit Suchtverhalten. Sie sieht darin einen Schlüssel zur Überwindung der Sucht und zur Entwicklung gesunder Verhaltensmuster.

Soziales Lernen als Gegenpol zur Isolation:

Suchtmittel führen oft dazu, dass sich Betroffene sozial isolieren und in einen Teufelskreis aus Scham und Schuldgefühlen geraten. Das soziale Umfeld kann hier einen wichtigen Gegenpol bilden. Indem Betroffene ermutigt werden, über ihre Erfahrungen und Emotionen zu sprechen, können sie den Teufelskreis durchbrechen und neue Perspektiven entwickeln.

Reflektion im sozialen Kontext:

Soziales Lernen ermöglicht es den Betroffenen, ihre Emotionen im Dialog mit anderen zu reflektieren und zu verarbeiten. Dieser Prozess hilft ihnen, die zugrundeliegenden Ursachen ihres Suchtverhaltens besser zu verstehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Fragen als Anstoß zum Nachdenken:

Dr. med. Ursula Davatz ermutigt Vorgesetzte und Kollegen, Betroffenen im Arbeitsumfeld Fragen zu stellen, die sie zum Nachdenken anregen. Diese Fragen sollen nicht wertend oder moralisierend sein, sondern aufrichtig und neugierig. Sie sollen den Betroffenen helfen, ihre eigenen Gedanken und Gefühle zu sortieren und neue Einsichten zu gewinnen.

Beispiele für hilfreiche Fragen:

  • „Was hat dich verletzt, dass du das runterschlucken musstest?“
  • „Was hat dich geärgert?“
  • „Wann konsumierst du meistens – wenn du wütend oder traurig bist, oder beides?“
  • „Was musst du mit deinen Suchtmitteln bewirken?“
  • „In welcher Situation konsumierst du?“

Lernen durch Interaktion:

Durch die Interaktion mit anderen Menschen lernen Betroffene, ihre Emotionen adäquat auszudrücken und neue Verhaltensweisen zu erproben. Das soziale Umfeld bietet ihnen die Möglichkeit, Feedback zu erhalten, Unterstützung zu erfahren und aus ihren Fehlern zu lernen.

Teasing als Lernmethode:

Dr. med. Ursula Davatz erwähnt „Teasing“ als eine Methode, um Lernprozesse anzustoßen. Damit ist jedoch kein bösartiges Necken gemeint, sondern ein spielerisches Herausfordern der gewohnten Denk- und Verhaltensmuster.

Soziales Lernen als lebenslanger Prozess:

Die Überwindung von Suchtverhalten ist ein Marathon, kein Sprint. Soziales Lernen ist ein lebenslanger Prozess, der den Betroffenen hilft, immer besser mit ihren Emotionen umzugehen und ein erfülltes Leben ohne Suchtmittel zu führen.

Fazit:

Soziales Lernen spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit Suchtverhalten. Es bietet den Betroffenen Halt und Unterstützung und ermöglicht es ihnen, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ein Leben in Freiheit und Eigenständigkeit zu führen.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch%20und%20Umgang%20am%20Arbeitsplatz.m4a.pdf