Systemische Therapie

Die Systemische Therapie ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit von Dr. med. Ursula Davatz. Sie erlernte die Systemtherapie und Familientherapie in Amerika zwischen 1975 und 1980. Ihr damaliger Chef, Professor Murray Bowen, diente ihr als Lehrer und Spezialist (auch für Schizophrenie).

Die systemische Therapie, wie sie von Dr. Davatz angewendet wird, unterscheidet sich von Ansätzen, die primär auf die Symptombekämpfung abzielen, wie sie oft in der Medizin vorherrscht.

Kernprinzipien der Systemischen Therapie nach Dr. Davatz:

  1. Fokus auf das System statt auf Symptome: Die Aufgabe von Dr. Davatz als Psychiaterin ist es, nicht in erster Linie Symptome zu bekämpfen. Das Symptom wird stattdessen als Warnsignal verstanden, das darauf hinweist, dass „irgendetwas schief läuft“. Mit einem Zitat von Shakespeare vergleicht sie dies mit der Aussage: „es ist etwas faul im Staate Dänemark“. Das Ziel ist es, das System wieder auf eine gute Bahn zu bringen, sodass die Symptome nicht länger notwendig sind, um auf eine Dysfunktion aufmerksam zu machen, und somit verschwinden können.
  2. Einbeziehung des Umfelds: Dr. Davatz behält stets das familiäre und auch weitere soziale Umfeld im Blickfeld, da psychische Krankheiten oft als Entgleisungen in schwierigen Lebenssituationen auftreten, die das psychisch-emotionale Gleichgewicht sowohl der betroffenen Person als auch der Angehörigen stören. Menschen sind soziale Wesen, was in der Psychiatrie oft vergessen wird, wenn nur der Einzelne und nicht die soziale Interaktion betrachtet wird.
  3. Begleitung und Unterstützung: Die systemische Therapie ist primär auf die Begleitung und Unterstützung von Menschen in schwierigen Situationen ausgerichtet. Diese schwierigen Situationen betreffen immer auch die Angehörigen. Die Begleitung des Umfelds und der Patienten ist die zentrale Aufgabe.
  4. Wachstumsbegleitung: Dr. Davatz beschreibt ihre Begleitung als eine Wachstumsbegleitung. Sie versucht, dem System zu helfen, gesund zu wachsen und in eine gesunde Lebensbahn wieder hineinzukommen.
  5. Geduld und Interaktionsansatz: Die Sitzungen sind meist weit auseinandergelegt, oft nur einmal pro Monat (häufiger nur in Notfallsituationen). Dr. Davatz lehrt, dass Geduld in der psychiatrischen Begleitung notwendig ist. Wachstum lasse sich nicht beschleunigen, und manchmal sei es besser, nichts zu machen als Interventionismus anzuwenden, der das System zum Entgleisen bringen könnte.
  6. Fokus auf die „Starken im System“: Als Systemtherapeutin versucht sie, bei den Starken im System anzusetzen und diesen zu helfen, gesündere Verhaltensweisen oder Mechanismen zu zeigen. Dies unterstützt das Gehirn beim Lernen, da es über die Interaktion mit seinem Umfeld lernt. Das Gehirn lernt stetig weiter.
  7. Lernen vom System: Ein wichtiges Prinzip, das Dr. Davatz von Murray Bowen übernommen hat, lautet: „Wenn ihr nicht mehr weiter wisst, hört auf zu therapieren. Lernt von euren Familien.“. Im Sinne des sokratischen Lernens lernt Dr. Davatz als Psychiaterin jeden Tag neue Dinge dazu und fördert eine Begegnung auf Augenhöhe, bei der ein gegenseitiges Lernen stattfindet.

Dr. Davatz sieht ihre Aufgabe auch darin, Menschen zu helfen, eine Krankheit wieder abzulernen und in gesunde Bahnen zu kommen, da sie die Auffassung vertritt, dass Krankheit lernbar ist. Sie versucht ferner, Traumatas, die durch schlechte Interaktionen zwischen Erwachsenen und Kindern entstehen, im späteren Alter verarbeiten zu helfen.

Zur Veranschaulichung der Notwendigkeit von Geduld im therapeutischen Prozess verwendet Dr. Davatz die Analogie: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/11/Buchvernissage_Ursula_Davatz_11.11.2025.m4a.pdf

Systemische Therapie im Kontext von Mutismus und Schulverweigerung

Die Quellen, insbesondere die Ausführungen von Dr. Ursula Davatz, betonen die Bedeutung einer systemischen Herangehensweise an die Therapie von Mutismus und Schulverweigerung. Systemische Therapie betrachtet Probleme nicht isoliert beim Individuum, sondern im Kontext des gesamten Systems, in dem das Kind lebt. Dies umfasst die Familie, die Schule, das soziale Umfeld und auch die Interaktionen zwischen diesen Systemen.

Grundprinzipien der Systemischen Therapie:

  • Ganzheitliche Sichtweise: Die systemische Therapie betrachtet den Menschen als Teil eines komplexen Gefüges von Beziehungen und Einflüssen.
  • Wechselwirkungen im Fokus: Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Elementen des Systems und deren Einfluss auf das Verhalten des Kindes.
  • Ressourcenorientierung: Die systemische Therapie konzentriert sich auf die Stärken und Ressourcen des Kindes und seines Umfelds, um Lösungen zu entwickeln.
  • Lösungsorientierte Herangehensweise: Der Fokus liegt auf der Entwicklung von konkreten Handlungsmöglichkeiten und Lösungen, die im Alltag umsetzbar sind.
  • Veränderungsorientierung: Systemische Therapie zielt darauf ab, dysfunktionale Muster im System zu erkennen und zu verändern.

Anwendungsbereiche der Systemischen Therapie:

  • Beziehungsdynamik in der Familie: Die systemische Therapie kann helfen, dysfunktionale Kommunikationsmuster in der Familie zu erkennen und zu verändern. Dies kann beispielsweise den Umgang mit dem mutistischen Kind betreffen, aber auch allgemeine Konflikte und Spannungen innerhalb der Familie.
  • Zusammenarbeit mit der Schule: Systemische Therapie kann die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Therapeuten fördern, um ein unterstützendes Umfeld für das Kind in der Schule zu schaffen.
  • Umgang mit dem Schulsystem: Die systemische Therapie kann Eltern dabei unterstützen, mit den Herausforderungen des Schulsystems umzugehen und die Interessen ihres Kindes zu vertreten.
  • Entwicklung individueller Lösungen: Systemische Therapie hilft dabei, individuelle Lösungen zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse des Kindes und seines Umfelds zugeschnitten sind.

Konkrete Beispiele für systemische Interventionen:

  • Verständnis und Geduld: Das systemische Denken fördert Verständnis und Geduld im Umgang mit dem Kind. Anstatt Druck auszuüben, wird versucht, die Ursachen der Kommunikationsverweigerung im System zu verstehen und anzugehen.
  • Beziehungsaufbau: Der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu dem Kind ist zentral. Dies gilt sowohl für die Eltern als auch für Lehrer und Therapeuten.
  • Reduktion von Druck: Der Druck auf das Kind wird reduziert, indem man ihm Zeit und Raum gibt, sich zu öffnen und seine Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln.
  • Veränderung der Kommunikation: Die Art der Kommunikation mit dem Kind wird angepasst, indem man offene Fragen vermeidet und ihm stattdessen Wahlmöglichkeiten bietet.
  • Einbeziehung des Umfelds: Das soziale Umfeld des Kindes wird aktiv in die Therapie einbezogen. Dies kann beispielsweise durch Gespräche mit Lehrern, Schulsozialarbeitern oder anderen Bezugspersonen geschehen.
  • Arbeit mit dem Familiensystem: Die Familie wird als Ganzes betrachtet und unterstützt. Es wird versucht, dysfunktionale Muster in der Familie zu erkennen und zu verändern.
  • Arbeit mit dem Schulsystem: Die systemische Therapie versucht, die Schule als Teil des Systems zu verstehen und zu beeinflussen. Es wird mit Lehrern und Schulleitung zusammengearbeitet, um ein verständnisvolles und unterstützendes Umfeld für das Kind zu schaffen.
  • Mediation zwischen Schule und Familie: Systemische Therapeuten können als Mediatoren zwischen Schule und Familie fungieren, um Konflikte zu lösen und eine konstruktive Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Grenzen der Systemischen Therapie:

  • Komplexität des Systems: Die systemische Therapie kann mit der Komplexität des Systems und den vielfältigen Wechselwirkungen überfordert sein.
  • Widerstand im System: Es kann Widerstand gegen Veränderungen im System geben, sowohl von Seiten des Kindes als auch von Seiten des Umfelds.
  • Begrenzter Einfluss: Die systemische Therapie hat nur begrenzten Einfluss auf externe Faktoren wie z.B. die Schulpolitik oder die gesellschaftlichen Normen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die systemische Therapie einen wertvollen Beitrag zur Behandlung von Mutismus und Schulverweigerung leisten kann. Sie bietet einen ganzheitlichen Blick auf das Problem, fokussiert auf die Ressourcen des Kindes und seines Umfelds und hilft, individuelle Lösungen zu entwickeln. Es ist jedoch wichtig, die Grenzen der systemischen Therapie zu kennen und sie mit anderen Therapieformen zu kombinieren.

https://ganglion.ch/pdf/Selektiver-Mutismus-und-Schulverweigerung.pdf

Systemische Therapie: Der Wirkungshebel am Umfeld

Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Referat die Systemische Therapie, auch bekannt als Familientherapie, als einen Ansatz, der den Fokus vom Individuum auf das gesamte Umfeld des Patienten verschiebt. Sie betont, dass der Systemtherapeut seinen Wirkungshebel nicht am schwächsten Glied des Systems, also dem Patienten, ansetzt, sondern am stärksten. Das bedeutet, dass nicht die Symptome des Patienten bekämpft werden, sondern die Ressourcen und Stärken der Personen im Umfeld des Patienten gestärkt werden.

Das soziale Umfeld als Schlüsselfaktor:

Die Systemische Therapie basiert auf der Erkenntnis, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und sein Verhalten und seine psychische Gesundheit massgeblich von seinem sozialen Umfeld beeinflusst werden. Dr. Davatz verwendet Genogramme, um die familiären Beziehungen und die Krankheitsgeschichte eines Patienten zu visualisieren und so wiederkehrende Muster und ungelöste Konflikte im Familiensystem zu erkennen.

Die Rolle des Therapeuten:

Der Systemtherapeut nimmt in der Systemischen Therapie eine aktive Rolle ein. Er analysiert die Interaktionen innerhalb des Systems, identifiziert die Person mit dem grössten Einfluss und versucht, Veränderungen im gesamten System zu bewirken. Dr. Davatz beschreibt ihre eigene Rolle in der Therapie: „Bis zu einem gewissen Grad habe ich auch diese Rolle. Dass ich mal gütige Mutter bin oder strenger Vater oder Geschwister und mich mit den Patienten auseinandersetze.“

Ziel der Systemischen Therapie:

Das Ziel der Systemischen Therapie ist nicht die Beseitigung von Symptomen, sondern die Stärkung des gesamten Systems und die Entfaltung der Ressourcen aller Beteiligten. Dr. Davatz betont, dass es ihr nicht um Normierung, sondern um die Entfaltung der vielen Unterschiede geht. Die Beziehungsgestaltung spielt in der Systemischen Therapie eine zentrale Rolle. Der Therapeut begegnet dem Patienten und seinem Umfeld mit Empathie und versucht, ein Klima des Vertrauens und der Offenheit zu schaffen.

Systemische Therapie und Soziobiologie:

Dr.med. Ursula Davatz sieht die Systemische Therapie als einen Ansatz, der eng mit der Soziobiologie verbunden ist. Beide Disziplinen betonen die Bedeutung des sozialen Kontexts für das Verhalten und die psychische Gesundheit. Die Systemische Therapie nutzt die Erkenntnisse der Soziobiologie, um die Interaktionen innerhalb des Systems besser zu verstehen und gezielte Interventionen zu entwickeln.

https://ganglion.ch/pdf/6_Regierungsraete.pdf

Systemische Therapie: Ein Kernstück der Familienarbeit

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz, beleuchten die Bedeutung der systemischen Therapie im Kontext der Familienarbeit. Systemische Therapie, auch bekannt als Familientherapie oder Systemtherapie, betrachtet das Individuum nicht isoliert, sondern als Teil eines komplexen Systems – in diesem Fall die Familie.

Grundlagen der systemischen Therapie:

  • Familie als System: Systemische Therapie begreift die Familie als ein dynamisches Gefüge, in dem jedes Mitglied durch Interaktionen und Beziehungen miteinander verbunden ist. Veränderungen bei einem Familienmitglied wirken sich auf das gesamte System aus.
  • Fokus auf Interaktionen: Anstatt sich auf die individuelle Pathologie zu konzentrieren, richtet die systemische Therapie den Blick auf die Interaktionsmuster innerhalb der Familie.
  • Ressourcenorientierte Sichtweise: Systemische Therapeuten konzentrieren sich auf die Stärken und Ressourcen der Familie und unterstützen die Familie dabei, ihre eigenen Lösungen zu finden.
  • Neutralität und Allparteilichkeit: Der Therapeut nimmt eine neutrale und allparteiliche Haltung ein und begegnet allen Familienmitgliedern mit Respekt und Wertschätzung.

Vorteile der systemischen Therapie in der Familienarbeit:

  • Ganzheitlicher Ansatz: Durch die Einbeziehung des gesamten Familiensystems können die zugrundeliegenden Dynamiken und Muster, die zu Problemen beitragen, besser verstanden und bearbeitet werden.
  • Verbesserte Kommunikation: Systemische Therapie fördert die Kommunikation und Interaktion zwischen den Familienmitgliedern und hilft ihnen, Konflikte konstruktiver zu lösen.
  • Stärkung der Familie: Die systemische Therapie unterstützt die Familie dabei, ihre Ressourcen zu aktivieren, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und ihre Problemlösungskompetenz zu verbessern.

Systemische Therapie in der Praxis:

  • Hausbesuche: Dr.med. Ursula Davatz betont die Wichtigkeit von Hausbesuchen, um die Familie in ihrem natürlichen Umfeld kennenzulernen und ein authentisches Bild der Familiendynamik zu gewinnen.
  • Beobachtung der Interaktionen: Durch die Beobachtung der Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern kann der Therapeut die Muster und Dynamiken erkennen, die zu den Problemen beitragen.
  • Interventionen auf Systemebene: Die Interventionen zielen darauf ab, die Interaktionsmuster innerhalb der Familie zu verändern und die Kommunikation zu verbessern.

Dr. Davatz‘ Beitrag zur Verbreitung der systemischen Therapie:

Dr.med. Ursula Davatz hat massgeblich zur Verbreitung der systemischen Therapie in der Schweiz beigetragen. In den 1980er Jahren, als die psychoanalytische Therapie noch dominierte, setzte sie sich für die systemische Therapie als geeignetes Modell für die Familienarbeit ein. Sie bildete Assistenzärzte, Sozialarbeiter, Krankenschwestern und andere Fachkräfte in systemischer Therapie aus und förderte die Anwendung dieses Ansatzes in der Praxis.

Fazit:

Systemische Therapie ist ein Kernstück der Familienarbeit und bietet einen effektiven Ansatz zur Unterstützung von Familien in schwierigen Situationen. Durch die ganzheitliche Betrachtungsweise, die Fokussierung auf Interaktionen und die ressourcenorientierte Sichtweise können Familien in ihren Herausforderungen unterstützt, ihre Ressourcen aktiviert und ihre Problemlösungskompetenz gestärkt werden.

https://ganglion.ch/pdf/Geschichte-der-Sozialpsychiatrie.pdf

Familientherapie: Der Kern der Systemischen Therapie

Familientherapie ist ein zentraler Bestandteil der Systemischen Therapie, die Dr.med. Ursula Davatz in ihrem Vortrag vorstellt. Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend vom medizinischen Modell, da er den Menschen nicht als isoliertes Individuum betrachtet, sondern als Teil eines komplexen Beziehungsgeflechts, in erster Linie der Familie.

Zentrale Annahmen der Familientherapie:

  • Symptome als Ausdruck von Störungen im System: Verhaltensauffälligkeiten oder psychische Erkrankungen werden nicht als isolierte Phänomene des Einzelnen betrachtet, sondern als Ausdruck von Störungen im Familiensystem.
  • Veränderung der Interaktionsmuster: Ziel der Familientherapie ist es, die dysfunktionalen Interaktionsmuster innerhalb der Familie zu erkennen und zu verändern.
  • Verbesserung der Kommunikation: Eine offene und wertschätzende Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern ist grundlegend für eine positive Entwicklung des Systems.
  • Stärkung der Ressourcen: Die Familientherapie unterstützt die Familienmitglieder dabei, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen und zu nutzen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Drei-Generationen-Perspektive:

Dr. Davatz betont die Bedeutung der Drei-Generationen-Perspektive in der Familientherapie. Durch die Erfassung der Familiengeschichte über drei Generationen können wiederkehrende Muster und ungelöste Konflikte identifiziert werden, die möglicherweise zur Entstehung der aktuellen Probleme beitragen.

Konkrete Vorgehensweise in der Familientherapie:

  • Erstellung eines Genogramms: Dr. Davatz erstellt mit den Familienmitgliedern ein Genogramm, das die Beziehungen und wichtigen Ereignisse innerhalb der Familie über drei Generationen visuell darstellt.
  • Analyse der Beziehungsdynamik: Anhand des Genogramms und der Schilderungen der Familienmitglieder analysiert die Therapeutin die Beziehungsdynamik innerhalb der Familie.
  • Identifizierung von dysfunktionalen Mustern: Die Therapeutin hilft der Familie, dysfunktionale Kommunikations- und Verhaltensmuster zu erkennen, die zu Konflikten und Spannungen führen.
  • Entwicklung von neuen Handlungsstrategien: Gemeinsam mit der Familie erarbeitet die Therapeutin neue Handlungsstrategien, um die dysfunktionalen Muster zu durchbrechen und eine positive Veränderung im System zu bewirken.

Familientherapie bei ADHS und Schizophrenie:

Dr. Davatz wendet die Familientherapie auch bei der Behandlung von ADHS und Schizophrenie an.

  • ADHS: Bei ADHS liegt der Fokus der Familientherapie auf der Beratung der Eltern. Dr. Davatz gibt ihnen konkrete Handlungsanweisungen, wie sie mit ihrem Kind umgehen können, um Eskalationen zu vermeiden und die positive Entwicklung des Kindes zu fördern.
  • Schizophrenie: Auch bei der Behandlung von Schizophrenie bezieht Dr. Davatz die Familie eng mit ein. Sie ermutigt die Eltern, mit dem erkrankten Kind im Kontakt zu bleiben, ohne die Verantwortung für dessen Leid zu übernehmen und unterstützt sie dabei, eine gesunde Distanz zu finden.

Kontroversen und Kritik:

Die Familientherapie wird nicht von allen Fachleuten uneingeschränkt positiv bewertet. Kritiker bemängeln unter anderem:

  • Mangelnde wissenschaftliche Evidenz: Die Wirksamkeit der Familientherapie ist nicht in allen Bereichen ausreichend wissenschaftlich belegt.
  • Gefahr der Schuldzuweisung: Angehörige könnten sich durch den systemischen Ansatz ungerechtfertigt für die Erkrankung des Patienten verantwortlich fühlen.

Dr.med. Ursula Davatz entgegnet dieser Kritik, indem sie auf die zunehmende Bedeutung des systemischen Denkens auch in der Wissenschaft verweist. Sie betont zudem, dass die Familientherapie die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der Patienten berücksichtigt und die Eigenverantwortung des Einzelnen nicht aus den Augen verliert.

https://ganglion.ch/pdf/neu-in-schizo-adhs.m4a.pdf

Behandlungsansätze für Schizophrenie: Systemische Therapie vs. Medizinisches Modell

Dr.med. Ursula Davatz präsentiert in ihrem Vortrag einen differenzierten Blick auf die Behandlung von Schizophrenie. Sie stellt die Systemische Therapie als Alternative zum klassischen medizinischen Modell vor, das stark auf Medikamente fokussiert. Dabei räumt sie ein, dass Neuroleptika in der Akutphase der Schizophrenie eine wichtige Rolle spielen, um die Symptome zu kontrollieren und den Patienten zu stabilisieren. Sie warnt jedoch vor einer Überdosierung und betont, dass die medikamentöse Behandlung nur ein Teil eines umfassenderen Therapiekonzepts sein sollte.

Kritik am medizinischen Modell:

  • Einseitige Fokussierung auf die Symptome: Das medizinische Modell konzentriert sich primär auf die Beseitigung der Symptome, ohne die zugrundeliegenden Ursachen der Erkrankung ausreichend zu berücksichtigen.
  • Vernachlässigung des sozialen Umfelds: Die Bedeutung des sozialen Umfelds, insbesondere der Familie, wird im medizinischen Modell oft vernachlässigt.
  • Risiko der Chronifizierung: Die langfristige Einnahme von Neuroleptika kann zu unerwünschten Nebenwirkungen und einer Chronifizierung der Symptome führen.

Systemische Therapie als ganzheitlicher Ansatz:

Dr. Davatz plädiert für eine ganzheitliche Behandlung von Schizophrenie, die die Systemische Therapie als zentralen Bestandteil integriert. Dieser Ansatz betrachtet den Patienten nicht isoliert, sondern als Teil eines komplexen Systems, in erster Linie seiner Familie.

  • Beziehungsdynamik im Fokus: Die Systemische Therapie analysiert die Beziehungsdynamik innerhalb der Familie und versucht, dysfunktionale Muster zu identifizieren und zu verändern.
  • Einbeziehung der Angehörigen: Dr. Davatz betont die Bedeutung der Einbeziehung der Angehörigen in den Therapieprozess. Sie ermutigt die Eltern, mit dem erkrankten Kind im Kontakt zu bleiben, ohne in überfürsorgliches Verhalten zu verfallen.
  • Stärkung der Eigenverantwortung: Die Systemische Therapie unterstützt die Patienten dabei, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen und ihren individuellen Fokus zu finden.

Konkrete Interventionen in der Systemischen Therapie:

  • Analyse des Familiensystems: Dr. Davatz erstellt ein Drei-Generationen-Genogramm, um wiederkehrende Muster und ungelöste Konflikte in der Familie zu identifizieren.
  • Beratung der Angehörigen: Dr. Davatz berät die Angehörigen, wie sie mit dem erkrankten Familienmitglied umgehen können, um Eskalationen zu vermeiden und die positive Entwicklung zu fördern.
  • Veränderung der Kommunikationsmuster: Durch gezielte Interventionen soll die Kommunikation innerhalb der Familie verbessert und eine wertschätzende Atmosphäre geschaffen werden.

Kontroversen und Kritik:

Dr. Davatz räumt ein, dass die Systemische Therapie nicht unumstritten ist. Kritiker bemängeln unter anderem die mangelnde wissenschaftliche Evidenz und die Gefahr der Schuldzuweisung an die Angehörigen. Sie selbst entgegnet dieser Kritik, indem sie auf die zunehmende Bedeutung des systemischen Denkens auch in der Wissenschaft verweist.

Fazit:

Dr. Davatz plädiert für eine differenzierte Betrachtung der Schizophrenie und ihrer Behandlung. Sie sieht die Systemische Therapie als wertvolle Ergänzung zum medizinischen Modell, insbesondere im Hinblick auf die langfristige Stabilisierung der Patienten und die Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Wichtige Punkte:

  • Die medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika sollte individuell angepasst und kritisch hinterfragt werden.
  • Die Einbeziehung des sozialen Umfelds und die Analyse der familiären Interaktionsmuster sind entscheidend für den Therapieerfolg.
  • Die Patienten sollten in ihrer Eigenverantwortung gestärkt werden und unterstützt werden, ihren eigenen Fokus im Leben zu finden.
  • Die Systemische Therapie bietet einen ganzheitlichen Ansatz, der über die reine Symptombehandlung hinausgeht.

Anmerkung: Es ist wichtig zu erwähnen, dass die hier dargestellten Ansichten und Erfahrungen von Dr. Davatz stammen und nicht unbedingt die Mehrheitsmeinung in der Fachwelt widerspiegeln. Die Behandlung von Schizophrenie ist ein komplexes Thema, das von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird und individuelle Therapiekonzepte erfordert.

https://ganglion.ch/pdf/neu-in-schizo-adhs.m4a.pdf

Systemische Therapie: Ein Ansatz, der über die Symptombehandlung hinausgeht

Dr.med. Ursula Davatz stellt in ihrem Vortrag die Systemische Therapie als einen Ansatz vor, der sich grundlegend vom medizinischen Modell unterscheidet. Sie betont, dass die Systemische Therapie nicht primär auf die Symptombekämpfung abzielt, sondern den Menschen in seinem Beziehungsgeflecht betrachtet und versucht, die Interaktionsmuster innerhalb dieses Systems zu verändern.

Unterschiede zum medizinischen Modell:

  • Fokus auf das Krankheitsbild: Das medizinische Modell konzentriert sich auf die Diagnose und Behandlung von Krankheiten. In der Psychiatrie liegt der Fokus dabei meist auf dem Gehirn und seinen Funktionen.
  • Symptomorientierte Behandlung: Die Behandlung im medizinischen Modell zielt darauf ab, die Symptome der Krankheit zu lindern oder zu beseitigen. Medikamente spielen dabei eine wichtige Rolle.

Grundlagen der Systemischen Therapie:

  • Der Mensch als Teil eines Systems: Die Systemische Therapie geht davon aus, dass der Mensch kein isoliertes Individuum ist, sondern Teil eines komplexen Systems, in erster Linie der Familie.
  • Beziehungen im Mittelpunkt: Im Fokus der Systemischen Therapie stehen die Beziehungen und Interaktionsmuster innerhalb dieses Systems.
  • Symptom als Ausdruck von Störungen im System: Symptome werden nicht als isolierte Phänomene betrachtet, sondern als Ausdruck von Störungen im System.

Drei-Generationen-Perspektive:

Dr. Davatz betont die Bedeutung der Drei-Generationen-Perspektive in der Systemischen Therapie. Sie erfasst die Familiengeschichte über drei Generationen, um wiederkehrende Muster und ungelöste Konflikte zu identifizieren.

Ziele der Systemischen Therapie:

  • Veränderung der Interaktionsmuster: Durch gezielte Interventionen soll das System in die Lage versetzt werden, dysfunktionale Muster zu erkennen und zu verändern.
  • Verbesserung der Kommunikation: Eine offene und wertschätzende Kommunikation zwischen den Systemmitgliedern ist grundlegend für eine positive Entwicklung des Systems.
  • Stärkung der Ressourcen: Die Systemische Therapie unterstützt die Systemmitglieder dabei, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen und zu nutzen.

Systemische Therapie bei ADHS und Schizophrenie:

Dr. Davatz wendet die Systemische Therapie auch bei der Behandlung von ADHS und Schizophrenie an. Sie sieht diese Erkrankungen nicht als isolierte Störungen des Individuums, sondern als Ausdruck von dysfunktionalen Interaktionsmustern innerhalb der Familie.

  • ADHS: Bei ADHS liegt der Fokus oft auf der Beratung der Eltern. Dr. Davatz gibt ihnen konkrete Handlungsanweisungen, wie sie mit ihrem Kind umgehen können, um Eskalationen zu vermeiden und die positive Entwicklung des Kindes zu fördern.
  • Schizophrenie: Auch bei der Behandlung von Schizophrenie bezieht Dr. Davatz die Familie eng mit ein. Sie ermutigt die Eltern, mit dem erkrankten Kind im Kontakt zu bleiben, ohne die Verantwortung für dessen Leid zu übernehmen.

Kontroversen und Kritik:

Die Systemische Therapie wird nicht von allen Fachleuten uneingeschränkt positiv bewertet. Kritiker bemängeln unter anderem:

  • Mangelnde wissenschaftliche Evidenz: Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie ist nicht in allen Bereichen ausreichend wissenschaftlich belegt.
  • Gefahr der Schuldzuweisung: Angehörige könnten sich durch den systemischen Ansatz ungerechtfertigt für die Erkrankung des Patienten verantwortlich fühlen.

Dr. Davatz entgegnet dieser Kritik, indem sie auf die zunehmende Bedeutung des systemischen Denkens auch in der Wissenschaft verweist. Sie betont zudem, dass die Systemische Therapie die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der Patienten berücksichtigt und die Eigenverantwortung des Einzelnen nicht aus den Augen verliert.

https://ganglion.ch/pdf/neu-in-schizo-adhs.m4a.pdf