Gründe für das Verschleppen der Brut durch Mütter mit psychischen Problemen

Der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz beschreibt das Phänomen des „Verschleppens der Brut“ bei Müttern mit psychischen Problemen und bietet einige Einblicke in die möglichen Gründe dafür.

1. Angst vor Beurteilung und Stigmatisierung:

  • Mütter mit psychischen Problemen, insbesondere solche mit einer Vorgeschichte von Sucht oder Borderline-Persönlichkeitsstörung, haben oft Angst vor der Beurteilung und Stigmatisierung durch ihre Umgebung.
  • Sie befürchten, dass ihre psychische Erkrankung negativ auf sie und ihr Kind zurückfallen könnte, und dass sie von der Gesellschaft ausgeschlossen werden könnten.
  • Diese Angst kann dazu führen, dass sie den Kontakt zu Hilfsangeboten und Unterstützungssystemen meiden und sich sozial isolieren.
  • Der Umzug in einen neuen Bezirk, wo sie nicht bekannt sind, kann eine Möglichkeit sein, dieser Stigmatisierung zu entgehen.

2. Vertrauensverlust in die Helfer:

  • Wenn Mütter mit psychischen Problemen das Gefühl haben, dass die Helfer ihnen nicht vertrauen oder sie verurteilen, kann dies dazu führen, dass sie sich zurückziehen und den Kontakt abbrechen.
  • Dieses Misstrauen kann verstärkt werden, wenn die Helfer ambivalente Signale senden, z.B. einerseits Unterstützung anbieten, andererseits aber auch die Möglichkeit einer Kindeswegnahme in Erwägung ziehen.
  • Die Erfahrung, dass die eigenen Probleme nicht ernst genommen oder bagatellisiert werden, kann ebenfalls zu einem Vertrauensverlust führen.
  • In solchen Fällen kann das Verschleppen der Brut eine Reaktion auf das Gefühl der Bedrohung und des Unverständnisses sein.

3. Kontrollverlust vermeiden:

  • Mütter mit psychischen Problemen, insbesondere solche mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, haben oft Schwierigkeiten, Kontrolle abzugeben.
  • Sie erleben die Einmischung von Helfern und Behörden als Eingriff in ihre Autonomie und als Bedrohung ihrer Mutterrolle.
  • Das Verschleppen der Brut kann eine Möglichkeit sein, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen und sich der Einflussnahme von außen zu entziehen.

4. Schutz des Kindes:

  • In einigen Fällen kann das Verschleppen der Brut auch aus dem Wunsch heraus motiviert sein, das Kind zu schützen.
  • Mütter mit schweren psychischen Erkrankungen, wie z.B. Schizophrenie, können in einem psychotischen Schub die Realität verzerrt wahrnehmen und das Kind als gefährdet ansehen, obwohl dies objektiv nicht der Fall ist.
  • In ihrer veränderten Wahrnehmung glauben sie, dass sie das Kind nur durch die Flucht vor den Helfern und Behörden schützen können.
  • Es ist wichtig zu betonen, dass dies ein Extremfall ist und nicht auf alle Mütter mit psychischen Problemen zutrifft.

5. Vermeidung von Konfrontation und Unterstützung:

  • Manche Mütter mit psychischen Problemen vermeiden die Konfrontation mit ihren eigenen Problemen und der Notwendigkeit, Unterstützung anzunehmen.
  • Der Umzug in einen neuen Bezirk kann eine Möglichkeit sein, diese Konfrontation aufzuschieben und den scheinbaren Frieden zu wahren.
  • Langfristig verschlimmert dies jedoch oft die Situation, da die zugrundeliegenden Probleme nicht angegangen werden.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf