Ansatz zur Eltern-Kind-Interaktion bei Wutausbrüchen

Dr.med. Ursula Davatz‘ Ansatz zur Eltern-Kind-Interaktion bei Wutausbrüchen fokussiert auf die Aufrechterhaltung der Beziehung und das Verständnis der zugrundeliegenden Dynamik. Sie betont, dass Wutausbrüche bei Kindern, insbesondere bei hochsensiblen Kindern, oft Ausdruck von Überforderung und einem „System Overload“ sind. Anstatt das Kind zu bestrafen oder zu isolieren, empfiehlt sie den Eltern, die Beziehung aufrechtzuerhalten und dem Kind Sicherheit zu vermitteln.

Konkrete Handlungsempfehlungen:

  • Beziehung aufrechterhalten: Eltern sollten die Beziehung zum Kind auch während eines Wutausbruchs nicht abbrechen. Das bedeutet nicht, dass sie das Verhalten des Kindes gutheissen, sondern dass sie dem Kind signalisieren, dass sie für es da sind und es nicht allein lassen.
  • Im gleichen Raum bleiben: Anstatt das Kind in sein Zimmer zu schicken, sollten Eltern im gleichen Raum bleiben, aber genügend Distanz halten, um sich selbst zu schützen und dem Kind Raum zu geben.
  • Ruhe bewahren: Eltern sollten versuchen, selbst ruhig zu bleiben und nicht in den Wutausbruch des Kindes mit einsteigen. Durch ihre eigene Ruhe können sie dem Kind helfen, sich schneller zu beruhigen.
  • Kommunikation aufrechterhalten: Eltern sollten dem Kind immer wieder ihre Anwesenheit signalisieren und ihm verbale Angebote machen, auch wenn es im Moment nicht darauf reagiert.
  • Verständnis zeigen: Eltern sollten versuchen, die Situation aus der Perspektive des Kindes zu verstehen und ihm signalisieren, dass sie seine Gefühle wahrnehmen und ernst nehmen.
  • Eigenen Zustand kommunizieren: Eltern dürfen dem Kind auch ihren eigenen Zustand kommunizieren und beispielsweise sagen, dass sie jetzt eine Pause brauchen, um sich zu beruhigen. Wichtig ist, dass sie dem Kind signalisieren, dass sie erreichbar bleiben.
  • Keine Beziehungsabbrüche: Verhaltensweisen wie das Kind ins Zimmer schicken oder ihm die Liebe entziehen, werden von Dr. Davatz als Beziehungsabbrüche bezeichnet und sind schädlich für die Eltern-Kind-Beziehung.

Dr. Davatz vergleicht den Umgang mit einem Kind im Wutausbruch mit Meditation: Eltern sollten präsent sein, ruhig atmen und die Situation aushalten, bis der emotionale Sturm vorüber ist. Sie betont, dass Wutausbrüche wie ein Aktionspotenzial im Nervensystem sind: Sie steigen an, erreichen einen Höhepunkt und klingen dann wieder ab.

Wichtig ist, dass Eltern:

  • die Bedürfnisse des Kindes erkennen: Manche Kinder brauchen mehr Nähe, andere weniger.
  • sich nicht vom Verhalten des Kindes anstecken lassen: Eltern sollten lernen, ihre eigenen Emotionen zu regulieren, um ruhig und besonnen reagieren zu können.
  • geduldig sein: Es braucht Zeit, bis das Kind lernt, seine Emotionen zu regulieren.
  • sich selbst Unterstützung suchen: Wenn Eltern sich überfordert fühlen, sollten sie sich professionelle Hilfe holen.

Zusätzliche Anmerkungen:

  • Dr. Davatz kritisiert die gängige Praxis des „Timeouts“, da sie einen Beziehungsabbruch darstellt.
  • Sie weist darauf hin, dass Kinder mit ihrem Verhalten oft versuchen, die Eltern aus ihren Reserven zu locken, beispielsweise bei depressiven Müttern.
  • Sie betont, dass Kinder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen, indem sie beobachten, wie ihre Eltern mit ihren Emotionen umgehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Dr.med. Ursula Davatz‘ Ansatz zur Eltern-Kind-Interaktion bei Wutausbrüchen ist geprägt von Empathie, Geduld und dem Fokus auf die Aufrechterhaltung der Beziehung.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus.pdf