Datum: 20.9.2013
Ort: Olten
Zielgruppe: Hebammen, Pflegefachfrauen

Transkription

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Dr.med. Ursula Davatz

20.9.2013
Postpartale Depression und Wochenbettpsychose
Audio

[00:00:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt Weiterbildung zum Thema: postpartale Depression und
Wochenbettpsychose.

[00:00:12.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vortrag ist organisiert vom Schweizerischen Hebammen Verband und findet statt in
Olten, am 20. September 2013.

[00:00:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse sie ganz herzlich zu dem Weiterbildungsseminar: Postnatale Depression
und Wochenbettpsychose.

[00:00:38.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere ihnen einen theoretischen Hintergrund einen dynamischen Hintergrund
mitzugeben, wie sie sich die Depression erklären können.

[00:00:49.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich reduziere die psychiatrischen Krankheiten oft auf so einfache Sätze, damit es jeder
verstehen kann.

[00:00:55.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, eine Depression tritt bei einem Menschen immer dann auf, wenn er das
Gefühl hat, dass er verliert. Die Depression ist eine Verlierer Krankheit.

[00:01:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann gegen wichtige Bezugspersonen verlieren, das kann der Vater, die Mutter,
der Chef allenfalls sein, eher wichtige Bezugspersonen im eigenen
Verwandtschaftssystem, z.B. auch gegen seinen eigenen Partner.

[00:01:22.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann verlieren gegen seine eigenen hohen Vorstellungen.

[00:01:22.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Mutter zur Geburt geht, hat sie riesige Erwartungen an sich selber, dass sie
das gut machen muss.

[00:01:40.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich muss es ja die Natur machen.

[00:01:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem an der Geburt ist: man kann es nicht vom Kopf her machen. Man kann es
nicht steuern. Man muss es passieren lassen.

[00:01:49.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom Allerschwierigsten in der heutigen Zeit.

[00:01:53.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Mütterberaterinnen aus Müsterlingen TG in der Nähe der Psychiatrie, habe ich
schon gehört, wenn sie Frauen oder Berufsfrauen hatten, die hatten die schwierigsten
Geburten.

[00:02:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man sich vorstellt, wie gut man es machen muss, umso weniger kann man die
Natur machen lassen.

[00:02:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sicher ein Problem der Frauen.

[00:02:16.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Frau sich noch so gut vorbereitet hat, viele Bücher gelesen hat, das hat wie
wahrscheinlich eher durcheinander gebracht. Die Mutter geht mit vielen Vorstellungen in
die Geburt hinein und es läuft nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat.

[00:02:20.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Im letzten Moment gibt es einen Kaiserschnitt. Dann fühlt sie sich beschissen um ihre
Geburt.

[00:02:42.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der natürliche Geburtsvorgang ist etwas, das man eigentlich erleben möchte. Es ist
auch etwas spezielles.

[00:02:52.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem der Arzt noch versprochen hat: das geht schon, wir machen das auf eine
ganz natürliche Art und Weise, am Schluss geht es doch nicht, es wird gewechselt auf
Kaiserschnitt, dann fragt man die Frau nicht mehr, dann geht es um das Überleben vom
Kind, dann wird einfach ein Kaiserschnitt gemacht.

[00:03:09.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte so eine Frau. Sie hatte nach der Geburt eine Depression.

[00:03:15.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie konnte zum Kind keine Beziehung herstellen.

[00:03:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kam ein halbes Jahr später zu mir.

[00:03:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die ganze Geschichte aufgenommen, sie konnte ihre ganze Enttäuschung
sagen.

[00:03:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie gefragt: hilft es ihnen, wenn sie mit der Geburtshelferin oder dem
Geburtshelfer nochmals reden können?

[00:03:56.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dem Chef vom Spital geschrieben, dem Professor, und gesagt, sie habe eine
traumatische Geburt gehabt, es brauche eine Gegenüberstellung, sie müsse ihre
Geburt aufarbeiten, das traumatische Erlebnis.

[00:04:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Oberarzt wurde zur Verfügung gestellt. Die Frau ging mit ihrem Mann zusammen
hin. Ich habe ihr gesagt, dass sie nicht alleine gehen soll, sonst kann sie sich nicht
richtig verteidigen, positionieren, sonst wird sie vielleicht wieder schnell abserviert.

[00:04:26.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab ein eineinhalbstündige Gespräch. Danach war sie zufrieden. Sie müsste nicht
mehr in die Psychiatrie kommen, sie konnte ein gute Beziehung zum Kind entwickeln.

[00:04:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass sie als Hebamme, wenn irgendetwas nicht ganz rund gelaufen ist,
auch wenn es ganz rund gelaufen ist aus Ihrer Sicht, dass man nachher vielleicht die
Frau nochmals fragt: wie ist es gegangen? Wo sind ihre Erwartungen erfüllt gewesen?
Wo nicht? Wo macht sie Kritik an sich?

[00:04:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Nachbesprechung der Geburt machen.

[00:05:07.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Fachperson denkt man natürlich, das Kind ist gesund, es ist wunderbar, es ging
alles gut. Dann vergisst man oft das Wohl der Mutter

[00:05:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist aber wichtig für die Mutter Kind Beziehung.

[00:05:21.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eine Möglichkeit, dass sie fragen.

[00:05:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiterer Punkt, wo sich eine Frau als Verliererin vorkommt, ist, wenn es mit dem
Stillen nicht gut klappt.

[00:05:35.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann sie wahrscheinlich auch.

[00:05:37.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne Geschichten, wo die Ärzte sehr ungeschickt reagiert haben, die haben
gesagt: ja dann stillen sie einfach ab.

[00:05:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater sagen zu Patientinnen, welche schon Medikamente haben: sie müssen jetzt
abstillen.

[00:05:48.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente sind wichtiger als das Stillen.

[00:05:48.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Frau ist das nicht so klar. Die Frau möchte lieber stillen und die Medikamente
abstellen.

[00:05:55.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Für den Psychiater sind die Medikamente am wichtigsten.

[00:06:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Entscheid ist sehr heikel.

[00:06:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt sich die Mutter wieder als Verliererin vor, als Versagerin vor, wenn sie nicht
stillen kann, wenn das Kind nicht richtig trinkt.

[00:06:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist sie keine gute Mutter.

[00:06:19.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich dem Kind gegenüber nicht als richtige Mutter vorkommt, dann wird die
Mutter-Kind-Beziehung von Anfang an ein wenig gestört.

[00:06:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Anfang der Mutter-Kind-Beziehung ist natürlich etwas ganz, ganz wichtig.

[00:06:42.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein bisschen wegleitend.

[00:06:45.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte nicht zu stark Angst machen, wenn irgendwas schief geht, dass dann alles
weiterhin schlecht laufen muss.

[00:06:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein wichtiger Moment.

[00:06:53.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind bei diesem wichtigen Moment mit dabei.

[00:06:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Geburt ist eine natürliche Krise.

[00:07:02.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Krisen sind immer Situationen, wo es in alle möglichen Richtungen laufen kann.

[00:07:09.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein chinesisches Zeichen: Gefahr oder Chance für eine Entwicklung.

[00:07:24.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine positive Entwicklung und negative Entwicklung, der Ausgangspunkt ist sehr nahe
beieinander, das ist nicht vorbestimmt.

[00:07:32.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sind sie so wichtige Personen, weil sie bei so einem wichtigen Moment mit dabei
sind.

[00:07:39.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gerade gehört, sie werden in ihrer Kompetenz zurückgedrängt von den Ärzten.

[00:07:46.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte haben mehr Technik zur Verfügung, mehr Operationsmöglichkeiten.

[00:07:51.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben das Menschliche zur Verfügung.

[00:07:54.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Technik überlappt auf das Menschliche.

[00:07:56.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sehr dafür plädieren, dass sie das Menschliche einbringen und die Frau so
begleiten, dass eben dann die Beziehung mit dem kleinen Kind gut beginnen kann.

[00:08:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiterer Grund für eine Depression, das ist die Familientherapeutin, welche das
sagt, sind irgendwelche Störfaktoren im Umfeld.

[00:08:26.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind ist der erste natürliche Störfaktor zwischen Mann und Frau, in der
Partnerbeziehung. Vor der Geburt ist es eine Zweierbeziehung. Mit der Geburt gibt es
eine Dreierbeziehung. Der Mann muss seine Beziehung zur Frau teilen, auch der Mann
muss das teilen. Die Frau muss neu zu zwei Menschen die Beziehung aufrecht
erhalten.

[00:08:52.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Moment ist auch die Partnerbeziehung sehr störanfällig.

[00:08:58.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man die Männer bei der Geburt rausgeschickt aus dem Geburtsraum. Ich
hatte einen Fall, da war der Mann so beleidigt, dass er danach wochenlang mit seiner
Frau nicht gesprochen hat.

[00:09:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Fürchterlich. Niemand hat es bemerkt. Die Frau hat gedacht: was habe ich falsch
gemacht? Was ist nicht recht.

[00:09:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau denkt oft: was habe ich falsch gemacht?

[00:09:25.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sich weiter gezogen. Als Psychiaterin konnte ich das erst aufschlüsseln, als der
Sohn 17 Jahre alt war.

[00:09:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Sohn hat mit 17 Jahren Delinquenzverhalten gezeigt, dass er mit einem Gewehr
auf dem Parkplatz rum geschossen hat.

[00:09:46.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Sohn hat die Spannung zwischen Mutter und Vater, am Tag seiner Geburt, welche
sich weiter gezogen hat, welche in einen Ehekonflikt rein gegangen ist, schlussendlich
haben sie dann sogar geschieden. Das Kind hat die Spannung gespürt.

[00:10:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass sie nicht nur das Kind und die Mutter-Kind-Beziehung im Auge
haben, sondern auch die Partnerbeziehung.

[00:10:25.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Partnerbeziehung davor gut gelaufen ist, wenn dann die zusätzliche
Belastung, die Krise von der Geburt kommt und wenn dann noch irgendetwas schief
läuft, dann droht die Partnerbeziehung oft zu zerbrechen oder zu eskalieren, die
Konflikte werden schlimmer.

[00:10:48.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das nachvollziehbar? Haben sie es auch schon erlebt?

[00:10:51.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich schon.

[00:10:54.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nicht nur Vater und Mutter. Es gibt auf beiden Seiten Grosseltern.

[00:11:02.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist das etwas sehr wichtiges in der Familie.

[00:11:05.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Grosseltern sind auch immer sehr daran interessiert, sie können sich auf das Kind
stürzen.

[00:11:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wie die verschwägerten Familien miteinander auskommen, geht dann dort
sogar der Clankrieg los.

[00:11:24.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer darf eher kommen, wer darf das Kind sehen?

[00:11:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Mütter erlebt, welche von ihrer erweiterten Familie überrannt worden sind,
häufig von der Familie, vom Mann und das gar nicht gut ertragen haben, aber sich nicht
getraut haben zu sagen: ich möchte euch nicht sehen.

[00:11:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sage zur Mutter: sie darf sagen, wen sehen möchte und wen sie nicht sehen
möchte. Sie soll das im voraus überlegen.

[00:11:43.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zur Geburt kommt, ist man so durcheinander, so mitgenommen, dass man
nicht mehr überlegen kann, das man nicht getraut sich zu wehren.

[00:12:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter soll zuvor schon überlegen und das schon bekannt geben: ich will in der
ersten Woche nur meine Mutter sehen, meinen Mann und sonst gar niemanden. Wenn
ich dann zu Hause bin, ab dann und dann ist Besuchszeit.

[00:12:20.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter darf bestimmen, wie sie das reguliert. Dadurch hat die Mutter das Gefühl,
dass sie geschützt ist in ihrer Beziehung zu ihrem Kind. So muss sich die Mutter nicht
zusätzlich gegenüber weiteren Übergriffen und Einflüssen zur Wehr setzen.

[00:12:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ersten Kind konnte sie das nicht. Das hat wieder lange Nachwehen gegeben. Es
lohnt sich zu überlegen, wenn möchte ich als erstes zu Besuch und wenn möchte ich
noch nicht.

[00:13:02.340] – Bemerkung 1
Das ist sehr schwierig zum Durchsetzen, für diese Frauen. Dann sind sie wieder
beleidigt.

[00:13:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Angst, dass ihre Schwiegermutter beleidigt ist. Sie haben Angst vor der
Reaktion.

[00:13:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, in dem man es mit der Mutter bespricht, vielleicht auch mit dem Vater
bespricht, indem man eine Art Bild macht, es ist eine sehr sensible Situation, so eine
Neugeburt von einem Kind.

[00:13:33.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Atmosphäre muss geschützt werden, der Mensch ist ein Nesthocker. Das Nest
muss geschützt werden.

[00:13:36.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Nest muss geschützt werden. Das ist wichtig.

[00:13:36.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie braucht wahrscheinlich Unterstützung. Sie braucht Unterstützung von einer
Fachperson und vielleicht noch vom Mann dazu.

[00:13:54.930] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man es zuvor bespricht, ist sie eher in der Lage, das zu tun.

[00:14:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass es klappt.

[00:14:22.160] – Bemerkung 2
Es ist sehr schwierig.

[00:14:22.850] – Bemerkung 3
Viele sagen dann: die hat eine Schraube locker, jetzt beginnt die schon so. Die will sich
abgrenzen, bevor das Kind auf der Welt ist.

[00:14:23.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht wird so gedacht.

[00:14:23.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich nachher die Mutter habe, die sagt: es war wahnsinnig schwierig für mich, ich
habe darunter gelitten, ich konnte keine richtige Beziehung zu meinem Kind herstellen,
dann ist das noch schlimmer.

[00:14:39.560] – Bemerkung 4
In den meisten Fällen ist es umgekehrt. Die Eltern entlasten für mich das ambulante
Wochenbett. Ich kann mich nur an eine Frau erinnern, welche dieses Problem hatte.
Wenn Eltern helfen können, ist das wunderbar. Die Grosseltern sind oft einfach im
Hintergrund.

[00:15:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Lösen können sie es nicht. Auf jeden Fall. Der Normalfall ist sicher so, dass man froh
ist, wenn Grosseltern kommen.

[00:16:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin natürlich mit lauter Problemfällen behaftet.

[00:16:12.950] – Bemerkung 5
Ich arbeite länger mit den Müttern. Bei mir kommen solche Dingen dann ganz anders
heraus, wo die Mütter unter enormem Druck stehen von ihren Müttern und
Schwiegermüttern. Zuviel Druck. Die Frauen konnten sich nicht wehren.

[00:16:46.550] – Bemerkung 5
Ich hatte gerade so eine Frau, welche sich abgegrenzt hat. Es wurde im ganzen Dorf
rum geschwatzt, was sie für eine komische ist, dass sie keinen Besuch wollte. Dann
geht es darum, dass wir als Fachpersonen genau das unterstützen.

[00:16:50.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Glück läuft es in vielen Situationen gut. In der Mehrzahl läuft es gut.

[00:17:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann halt eher die Frauen, wo es nicht so gut läuft.

[00:17:01.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, dass sie das lösen müssen.

[00:17:02.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es wahrnehmen.

[00:17:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es wahrnehmen, können sie es ansprechen.

[00:17:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es auch nur ansprechen, haben sie sehr viel getan für diese Frau.

[00:17:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Lösen müssen sie es nicht. Sie können fragen: wünschen sie fachliche Hilfe
diesbezüglich? Dann holen sie sich diese Hilfe.

[00:17:31.850] – Bemerkung 6
Man muss die Frauen dafür schon in der Geburtsvorbereitung sensibilisieren. Sie
müssen bestimmen, wer zuerst das Kind auf den Arm nehmen darf. Das sind einem die
Frauen dankbar. Die Männer gehen während der Geburt gleich ans Telefon.

[00:18:30.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Geburtssaal müsste man die Telefone verbieten.

[00:18:42.140] – Bemerkung 7
Das bringt nichts.

[00:18:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es mit den den Schwiegermüttern oder Müttern Probleme gibt, dann gab es im
voraus schon grosse Probleme. Darum müssen sie es auch nicht lösen und können es
auch nicht lösen.

[00:18:51.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrnehmen hilft. Ansprechen hilft.

[00:19:11.540] – Bemerkung 8
Wenn man das Familienthema anspricht, erzählen die Frauen oft Geschichten. Das
Verhältnis zu Schwiegereltern etc. Die Familiensituation zu besprechen, finde ich ganz
wichtig. Raushören was die Wünsche der Frau sind: viel Kontakt oder wenig Kontakt.
Dann die Frau in ihren Wünschen unterstützen. Das tut ihr gut. Dann fühlt sie sich
bestätigt. Ich mache das richtig.

[00:19:44.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch mein Anliegen, nicht nur Mutter und Kind anschauen, sondern auch die
Mutter in ihren Beziehungen zum Partner, zur Schwiegermutter, zur eigenen Mutter und
dann noch die Systeme untereinander.

[00:20:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur in dem man ihnen die Möglichkeit gibt, darüber zu sprechen, sieht man die
Schwachstellen, Konfliktstellen.

[00:20:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie es einfach nur erzählen dürfen, ist schon sehr viel für sie getan.

[00:20:14.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie meinen, dass sie eine perfekte Mutter sein müssen, sie müssen in Frieden sein,
jetzt ist es ja so toll, alles wunderbar. Sie schlucken alles runter, das ist nicht gut.

[00:20:30.640] – Bemerkung 9
Das wird schwierig sein bei kulturellen Interpretationen. Dort ist es sehr schwierig
rauszuspüren für die Frauen, wenn die Grosseltern übernehmen. Die Schwiegermütter
können sehr dominant sein.

[00:20:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[00:20:50.620] – Bemerkung 9
In den muslimischen Kulturkreisen ist es auch schwierig für mich, dahin zukommen. Die
Mutter/Matrone, welche neben mir steht übernimmt dann einfach. Oft ist es so, dass sie
sehr nahe stehen. Die Frau rückt dann in den Hintergrund. Ich versuche dann, dass sie
Mutter zum Kind findet. Oft übernimmt dann einfach die Grossmutter.

[00:21:15.280] – Bemerkung 9
Wie sieht es aus bei der Frau mit Migrationshintergrund? Depression und Psychose,
wie können wir uns dort einfühlen?

[00:22:11.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Konzept der Depression. Man kommt sich als Verlierer vor. Man hat das Gefühl,
dass man es nicht gut genug macht. Man hat selten so einen hohen Anspruch an sich

als Mutter, wie bei der Geburt und gleich danach, weil man so neu ist in seiner Rolle.
Das Umfeld spielt eine Rolle.

[00:22:31.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Migration muss man sich als erstes vor Augen halten: das sind meistens sehr
patriarchale Systeme nach aussen.

[00:22:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer machen Politik, aber nach innen sind es matriarchale Systeme und zwar
sehr starke.

[00:22:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben sie sehr schön geschildert.

[00:22:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Matronen, die Mütter kommen, das ist ganz klar, die übernehmen.

[00:23:01.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man wissen, es geht um das Überleben, es geht um die Zukunft. Häufig sind
die Ehen auch noch von den Eltern geschlossen worden. Sogenannt arrangierte Ehen.

[00:23:02.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Da weiss man dann gar nicht genau, wie gut die Eltern überhaupt zusammenpassen,
wie glücklich die Frau ist.

[00:23:24.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die junge Frau in der Schweiz, welche sie sieht, Schweizer Frauen haben freie Wahl
und alle möglichen Freiheiten.

[00:23:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau mit Migrationshintergrund ist natürlich eingeschränkt.

[00:23:34.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf ihnen dann nicht sofort das westliche Modell überstülpen.

[00:23:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man das System begrüssen.

[00:23:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dem: das System dort abholen, wo es steht.

[00:23:47.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich müssen sie dort wirklich hierarchisch begrüssen.

[00:23:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst die Grossmutter begrüssen, ihre Freude an dem Kind, die Nachkommen, wer
den Namen gegeben hat.

[00:24:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In Griechenland muss der Knabe den Namen vom Vater oder Grossvater übernehmen.

[00:24:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Mädchen muss den Namen der Mutter vom Vater übernehmen. Es wird patriarchal
weiter gegeben.

[00:24:10.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann könnte auch nach der Namensgebung fragen, dann sieht man wie es läuft, wo die
Macht ist.

[00:24:17.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn sie das matriarchale System abgeholt haben, dann sich der Mutter
zuwenden.

[00:24:34.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht erst sich der Mutter zuwenden, wenn die Schwiegermutter nicht mehr da ist.

[00:24:40.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder wenn sie da ist, wenn sie Deutsch kann, dann die Schwiegermutter fragen, wie es
für sie ist.

[00:24:52.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man fragen: ist es eine Unterstützung oder ist es manchmal auch ein wenig
schwierig?

[00:24:52.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Fragen, welche sie stellen, müssen sie stellen, damit es nicht allzu verletzend ist.
Man darf nicht ganz so deutlich reinfahren mit dem eigenen Urteil. Eher sich ran tasten.

[00:25:14.890] – Bemerkung 10
Mit welchen Fragen kann man am meisten verletzen?

[00:25:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie eine schlechte Beziehung zu ihrer Schwiegermutter? Wenn sie zu direkt
sind.

[00:25:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Balkanregionen, auch in der Türkei, sagt man, dass man keine psychischen
Schwierigkeiten hat. Das gibt es einfach nicht. Das ist quasi ein Affront für die Familie.
Das ist eine Schande der Familie.

[00:25:43.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Problem hat, dann hat man einfach einen körperlichen Schmerz.

[00:25:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Daher somatisieren alle diese Frauen auch.

[00:25:52.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Medizin reinkommt, dann will die Medizin beim somatischen angreifen.
Dort gibt es nichts zu tun.

[00:25:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich sind die Mediziner frustriert, dass sie nicht helfen können.

[00:25:53.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesen Leuten müssen sie ihren Blickwinkel öffnen und schauen was im
Familiensystem läuft.

[00:26:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann schon sehr viel nur durch das beobachten sehen.

[00:26:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden Augen verdreht, da wird weg geschaut.

[00:26:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft eine körperliche Kommunikation, eine nonverbale Kommunikation.

[00:26:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sanft anfragen: sind hier gewisse Schwierigkeiten?

[00:26:28.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie es manchmal ein bisschen schwierig mit Ihrer Schwiegermutter?

[00:26:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wäre das diplomatisch gefragt?

[00:26:43.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe die Auswahl: empfinden sie sie als Unterstützung oder empfindet sie es
manchmal ein bisschen schwierig? Es kann auch beides sein.

[00:27:00.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spürt dann raus, was mehr überwiegt.

[00:27:17.350] – Bemerkung 11
Was mir dort hilft ist, wenn sie es auf einer Skala von 1 bis 10 ausdrücken kann.

[00:27:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie das auch bei Migrantenfamilien machen?

[00:27:17.990] – Bemerkung 11
Dort geht es fast besser.

[00:27:35.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es in Zahlen umwandeln können, dann ist es nicht mehr so persönlich. Es
wird entpersönlicht und dann dürfen sie es eher sagen. Das ist eine gute Idee.

[00:27:45.880] – Bemerkung 12
Gewisse Migranten können auch mit Piktogrammen arbeiten, um ihre Gefühle zu
zeigen, wie bei Kindern.

[00:28:07.220] – Bemerkung 13
Was mache ich jetzt mit dieser schwierigen Mutter?

[00:28:08.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Fachperson müssen die Schwiegermutter her mit besonderer Sorgfalt
behandeln, damit sie weniger ein Störfaktor ist. Eher selber ein bisschen abfangen.
Dann haben sie mehr Platz für die Mutter.

[00:28:34.550] – Bemerkung 14
Ich bin mit Rezepten das Wochenbett verlängern gegangen. Ich habe über einen
längeren Zeitraum die schwierige Mutter beobachtet. Die Schwiegermutter hat das Kind
nicht aus dem Armen gegeben. Dann hat es kein Bonding gegeben zwischen Mutter
und Kind. Die Mutter kam nicht mehr an ihr Kind ran, sie hatte keine Kommunikation
mehr mit dem Kind. Dort ist die Gefahr der Depression sehr gross. Wo schreiten wir
dann ein, wenn die Schwiegermutter die ganze Zeit das Kind halten möchte?

[00:29:23.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schwiegermutter begrüssen, ihre Freude mit ihr teilen, wie toll das ist, sie dort
abholen wo sie ist. Dann als Fachfrau reinkommen und sagen: so, darf ich ihnen das
Kind jetzt mal wegnehmen? Jetzt möchte ich es der Mutter geben. Dann als Fachfrau
theoretisch reinkommen.

[00:29:41.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Methode, wenn etwas schwierig ist, ist das generalisieren. Das ist ähnlich wie mit
Zahlen. Ihren ihren Breitengraden, wo sie aufgewachsen ist, hat es keine Hebammen
oder Mütterberaterin gegeben. Dort war es das einzige.

[00:30:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Schwiegermutter auch fragen: hat sie Angst, dass es die
Schwiegertochter noch nicht kann? Hat sie Angst, dass es die Tochter nicht richtig
macht? Man muss sie bei ihrer Angst abholen.

[00:30:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: ja, das verstehe ich, aber ich möchte es ihr jetzt geben, damit sie es lernt.

[00:30:10.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind ein Brücke, damit sie das Kind rüber geben können.

[00:30:20.630] – Dr.med. Ursula Davatz

Damit muss man schon früh beginnen.

[00:30:20.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das Kind der Schwiegermutter aus dem Arm reissen. Dann arbeitet die
Schwiegermutter gegen sie.

[00:30:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Fehler, welchen wir in der westlichen Kultur viel machen. Wir schreiten
gleich zur Handlung, wir sind Handlungstypen, wir wissen wie es richtig ist. Wie
begrüssen die Kultur und die Person, welche in Aktion ist nicht.

[00:30:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wohlwollend begrüssen, dann gibt sie das Kind viel eher aus der Hand.

[00:30:48.560] – Bemerkung 15
Das Kind der Mutter geben.

[00:30:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sagen: das ist wichtig. Da kommen sie als Fachperson rein. Man hat die
Erfahrung gemacht, dass der Anfang so wichtig ist, das Bonding ist wichtig. Das
müssen wir jetzt gleich machen. Sie will sicher auch nur das Beste für ihr Enkelkind.
Darum geben wir es weiter.

[00:31:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Bauernfamilien war es häufig so: die Grossmutter hat geschaut und die Mutter
ging wieder auf das Feld. Das war das Modell. Das ist hier nicht der Fall.

[00:31:30.380] – Bemerkung 16
Zuerst freundlich begrüssen und dann können wir die Macht benutzen, dass wir
Fachfrau sind.

[00:31:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Ganz genau.

[00:31:49.460] – Bemerkung 16
Und es ist jetzt einfach so. Wir wollen das jetzt und es ist ganz wichtig und dann ist es
einfach so. Fast ein bisschen missbrauchen, wenn es notwendig ist. Die haben schon
Respekt.

[00:32:51.410] – Bemerkung 17
Ich versuche der Grossmutter gegenüber glaubwürdig zu sein, bis sie mir freiwillig das
Kind übergibt.

[00:34:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das, was ich meine, dass man sie wirklich begrüsst, wertschätzt. Dann darf man
schon seine professionelle Macht verwenden. Man reisst ihr das Kind nicht aus der
Hand.

[00:34:20.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt müssen sie wieder bedenken: intern sind das matriarchale Systeme. Extern sind
es patriarchale Systeme. Alle Berufsleute gehen eher in das patriarchale System rein.

[00:34:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum dürfen sie als Berufsfrau wohlwollend aber bestimmt sagen: es ist wichtig und
dürfen wir jetzt das Kind dieser Mutter geben, wegen dem Bonding. Sie können
generalisieren.

[00:34:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das allgemein thematisieren.

[00:34:47.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man trifft sich um auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

[00:34:52.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist das Wohl vom Kind. Das will sie ja.

[00:34:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frage wäre noch, ob sie Angst hat, dass sie es nicht so gut kann?

[00:34:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf dieser Ebene kann man die Grossmutter/Schwiegermutter auch noch abholen.

[00:34:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: wir helfen ihr, dass sie es lernt.

[00:35:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Je früher sie es lernt, umso besser.

[00:35:18.530] – Bemerkung 18
Ich frage mich: wie viele verstecke Depressionen hier laufen? Dinge welche zehn Tage
dauern, aber was läuft dann später ab bei der Frau wo ich dachte: die hat gar keinen
Zugang zum Kind. Wann entdeckt man die Depression oder Psychose? Wird die Stelle
der Mütterberaterinnen genutzt?

[00:36:04.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gehen ihnen nach.

[00:36:09.760] – Bemerkung 19
Ganz wichtig ist der Übergang, das Weitergeben, die wohlwollende Übergabe.

[00:36:15.460] – Bemerkung 18
Depressionen treten erst Monate später auf, wenn der Schlafentzug da ist.

[00:36:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie merken, dass es eine Schwierigkeit gibt, ist es ganz wichtig, dass sie es an
die lokale Mütterberaterin weiter weisen, nicht an den Psychiater. Der Psychiater wird
von diesen Familien nicht akzeptiert.

[00:36:39.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wohlwollend übergeben. Dann muss die Mutter weiter schauen.

[00:37:02.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht so viel tun, aber sie können wahr nehmen und sie können weiter
geben, sie können kommunizieren. Ich denke, das ist wichtig.

[00:37:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles ansprechen, was sie schon tun, ist Vorarbeit für die nächste Fachperson.

[00:37:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht hilft es, wenn sie die Fachperson so im Bild von einer erweiterten Familie
anschauen. Das ist die Tante und jetzt kommt eine nächste Tante.

[00:37:27.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben nicht mehr im erweiterten Familiensystem. Dafür haben wir Fachkräfte.

[00:37:43.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fachkräfte sind wie ein erweitertes Familiensystem.

[00:37:48.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dienen zur Unterstützung. Das muss man ihnen vor Augen halten.

[00:37:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Schande bei uns.

[00:37:54.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Hier kommt das Problem der Männer.

[00:37:54.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Patriarchat, hat die Vorstellung: die Mutter muss doch das können.

[00:38:06.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause im Heimatland konnte man es auch. Die Mutter sollte doch tauglich sein.
Wenn die nicht taugt, ist sie keine gute Mutter.

[00:38:08.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann noch die Vorstellung kommt, dass der Mann helfen muss, dann ist gleich
alles fertig.

[00:38:20.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Migranten Väter kennen das Konzept nicht. Die europäischen Väter kennen das
Konzept. Vielleicht kommt es jetzt auch bei den Migranten. Für viele ist es ehrenrührig.
Ich mache doch das nicht.

[00:38:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls man den Vater erlebt und merkt, er hat das Gefühl, die Mutter soll nicht so blöd
tun, die muss doch das können, meine Mutter hat es doch auch gekonnt, die hat doch
auch Kinder aufgezogen, dass man das wahrnimmt und dass man dann den
Unterschied zeigt.

[00:38:57.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Mutter in einem fremden Land gebärt, wo man die Sprache nicht kann,
ist man von vornherein schon eingeschüchtert, verängstigt.

[00:39:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man krank wird in einem fremden Land, ist man auch eingeschüchtert.

[00:39:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz

So geht es auch den Männern. Wenn die in einem fremden Land krank werden, sind die
Männer viel wehleidiger und haben viel mehr psychosomatische Sachen. So kann man
das dann auch vergleichen.

[00:39:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es wichtig, dass diese Frau jetzt zusätzliche Unterstützung kriegt.

[00:39:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind es die Männer, welche die Unterstützung nicht erlauben.

[00:39:32.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade bei Moslem Familien darf niemand anders in den Haushalt kommen.

[00:39:38.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, diese Frau ist nicht gut genug, die muss doch einfach funktionieren.

[00:39:44.050] – Bemerkung 20
Wer erkennt die Depression bei den Migranten? Wer agiert? Wer reagerit darauf?

[00:39:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütterberaterinnen merken es sicher, die kriegen alles gemeldet. Sie kriegen jede
Geburt in der Region gemeldet.

[00:39:50.040] – Bemerkung 21
Gerade bei den Migranten ist es schwierig rein zukommen.

[00:39:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss.

[00:40:05.370] – Bemerkung 21
Die hängen einem zum Teil gleich das Telefon auf.

[00:40:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau berate ich die Mütterberaterinnen. Je mehr sie abwehren, umso mehr
braucht es etwas. Man muss versuchen daran ran zu kommen.

[00:40:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird besprochen, wie man vorgehen muss.

[00:40:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Migranten Familien begleitet.

[00:40:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütterberaterin macht dann die erweiterte Beratung.

[00:40:39.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Mütterberaterinnen sind dann mit der Mutter zum Psychiater gegangen, als
Brücke.

[00:40:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schon einen Therapeuten oder eine Person wissen und sagen, wollen sie
allenfalls professionelle Hilfe annehmen, wollen sie das einmal versuchen. Soll ich
ihnen eine Adresse geben? Man kann ihnen nicht sagen: suchen sie etwas im
Telefonbuch. Auch den Schweizer Müttern kann man das zum Teil nicht sagen. Man
muss eine Adresse angeben. Bei gewissen sind die Mütterberaterinnen sogar mit
gegangen.

[00:40:56.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression spürt man.

[00:41:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose zu stellen, ist das einfachste.

[00:41:21.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man damit tut, das ist dann das Schwierige.

[00:41:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu stark mit der Diagnose einfährt und sagt: sie haben eine Depression, sie
sollten sich behandeln lassen, dann fühlen sich die meisten gekränkt und sagen: mit der
will ich nie mehr sprechen.

[00:41:37.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sagt man es, damit es nicht konfrontativ wirkt?

[00:41:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist es ihnen schon einmal durch den Kopf gegangen, haben sie sich schon überlegt,
fachliche Hilfe anzunehmen?

[00:41:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes fragt man: wer in ihrem verwandten System kann Unterstützung geben?
Falls es dort nicht mehr reicht, dann sagt man: wären sie allenfalls auch bereit eine
professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen? Warum? Warum nicht?

[00:42:17.490] – Dr.med. Ursula Davatz
So tastet man sich langsam vor.

[00:42:20.790] – Bemerkung 22
Ich finde es sehr schwierig, an professionelle Hilfe ran zu kommen.

[00:42:24.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das stimmt. Wie machen sie es?

[00:42:31.920] – Bemerkung 22
Über den Gynäkologen. Ich habe es schon direkt versucht, das hat nicht geklappt.

[00:42:36.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Am besten funktioniert es, wenn sie mal in ihrer Region schauen, welcher Psychiater,
welcher Psychotherapeut entspricht ihnen, mit wem könnten sie zusammen arbeiten?

[00:42:55.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müssen sie mit dem Psychiater Kontakt machen, bevor sie einen Fall haben.

[00:42:59.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann fragen: ist er bereit solche Mütter zu begleiten? Was ist seine Haltung?

[00:43:12.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, wenn es eine Frau ist.

[00:43:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Verbindung im voraus herstellen.

[00:43:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wen sie jemand haben, der Beratung benötigt, dass sie dann selber anrufen und
sagen: ich habe jetzt hier jemanden, was soll ich tun? Sie sind das Bindeglied.

[00:43:38.070] – Bemerkung 23
Wie soll ich wissen, wer fachlich gut ist? Das ist das zweite Problem. Das ist sehr
schwierig. Die einzige, welche darauf spezialisiert ist, ist komplett ausgebucht.

[00:43:40.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Und Psychologen? Wenn sie mit einem Psychiater zusammen arbeiten, dann kann man
über die Krankenkasse abrechnen. Falls nicht, muss man über die Zusatzversicherung
gehen. Wenn sie keine Zusatzversicherung haben, dann können sie das nicht tun.

[00:44:26.810] – Bemerkung 23

Im Raum Zürich gehen wir direkt über die PUK. Die vermitteln dann weiter. Man kann
dort auch telefonieren und zurück fragen.

[00:44:27.110] – Bemerkung 24
In Olten werden die Leute einfach direkt eingeliefert.

[00:44:47.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht notwendig.

[00:45:24.870] – Bemerkung 25
In Luzern gibt es eine Liste.

[00:45:58.260] – Bemerkung 26
Ich hatte eine junge Frau, welche ich schlussendlich weitergeben konnte.

[00:45:58.650] – Bemerkung 26
Der Gynäkologe wollte sie in die Psychiatrie verlegen.

[00:46:53.850] – Bemerkung 26
Ich habe Hilfe gebraucht. Ich hatte echt Angst.

[00:47:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihnen wirklich mal raten, sich in ihrer Region kundig zu machen. Holen sie
sich eine Liste von Psychologen. Der Kantonsarzt hat diese Liste.

[00:47:15.510] – Bemerkung 26
Es gibt eine Frau, zur der wollen immer alle gehen.

[00:47:44.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie sich eine Liste von Psychologen und Psychiatern in der Region.

[00:47:44.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Den offiziellen staatlichen Dienst kann man natürlich auch fragen. Die sollten es auch
ein bisschen wissen.

[00:47:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das psychiatrische Ambulatorium vom Kanton Solothurn.

[00:48:08.409] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.solothurnerspitaeler.ch/unsere-spitaeler/psychiatrische-dienste

[00:48:08.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme an, das ist in Solothurn, ich weiss es nicht.

[00:48:11.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau habe ich diesen Dienst geliefert, als ich dort angestellt war. Heute
mache ich es eher privat.

[00:48:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie dort nach. Sie müssen sich eine Art Liste machen, von Psychiatern und
Psychologen, mit denen sie zusammen arbeiten können und helfen, den Kontakt
dorthin herzustellen.

[00:48:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie im voraus organisieren. Im Notfall geht dann nichts.

[00:48:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man bereits Kontakt hat mit einem Psychiater oder einer Psychologin, wenn man
dann in der Not anruft, ist diese Person eher gewillt, zu sagen ok, wegen ihnen nehme
ich jetzt diesen Fall, auch wenn ich eigentlich keinen Platz mehr habe. So geht es mir.

[00:49:14.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Netz muss man vorher knüpfen.

[00:49:14.780] – Bemerkung 27
Die Frauen mit psychiatrischen Problemen müssen auf eine lange Warteliste. Man kann
erst nach drei Wochen kommen.

[00:49:39.050] – Bemerkung 27
Ich kenne Affoltern, dort gibt es eine Mutter-Kind Abteilung.

[00:49:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Triemli Spital gibt es auch eine Mutter/Kind Abteilung. Die haben zum Teil zwei
Plätze.

[00:49:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte gar nicht unbedingt hospitalisieren. Wenn gar nichts mehr geht, ist nur noch
das möglich.

[00:49:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Nützen sie lokal ihre Ressourcen aus. Knüpfen sie ein Netz. Holen sie sich selber Hilfe
und holen sie sich Hilfe für ihre Leute.

[00:50:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nichts Schrecklicheres, als wenn man eine unfähige Mutter sieht und das ganze
System bricht zusammen und das hilflose Geschöpf ist in der Mitte.

[00:50:24.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das so, so Sinn?

[00:50:31.340] – Bemerkung 28
Psychologen können ab nächstem Jahr nur noch mit einem Verweis via der
Krankenkasse abrechnen.

[00:50:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosser Streit von den Krankenkassen her, ob sie selber abrechnen können?

[00:50:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eher dran, dass die Psychologen selber abrechnen dürfen und in die
Krankenkassen Leistung aufgenommen werden. Das ist noch nicht so weit.

[00:50:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Psychologe kann über die Zusatzversicherung abrechnen, dann geht das.

[00:51:07.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient keine Zusatzversicherung hat, dann kann er über die delegierte
Psychotherapie abrechnen. Dann muss jemand überweisen. Das ist in der ganzen
Schweiz so.

[00:51:26.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher Psychologen, welche sich darauf spezialisieren können, welche sich auf
Zeit dafür nehmen. Es gibt viele Psychologen. Sie müssen vom Arzt einfach eine
Überweisung bekommen.

[00:51:26.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage gibt es auch schon psychiatrische Spitex Schwestern.

[00:51:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch psychiatrische Spitex Schwester hinzu ziehen.

[00:51:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können mit psychiatrischen Sachen umgehen.

[00:51:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Spitex in der ganzen Schweiz hat jetzt den Auftrag, dass sie immer auch eine
psychiatrische Fachfrau haben.

[00:52:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können an den Spitex Verein gelangen und sagen: ich habe hier eine psychiatrische
Betreuung, bitte machen sie eine Abklärung.

[00:52:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen dann vor Ort.

[00:52:15.680] – Bemerkung 29
Ich habe ein Nachmittag lang Institutionen gesucht.

[00:52:19.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das glaube ich ihnen gerne. Was haben sie schlussendlich gemacht?

[00:52:36.800] – Bemerkung 29
Wie sie gesagt haben, wenn man es vorher weiss, kann man besser vorgehen im
akuten Fall. Die Frau hatte ein Grundleiden.

[00:52:37.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen wir den Fall anschauen?

[00:53:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hormone spielen eine sehr wichtige Rolle in der Schwangerschaft, bei der Geburt,
beim Stillen und überhaupt in unserem Gefühlsleben.

[00:53:43.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle ihnen ein einfaches Hirnmodell vor, das "Triune Brain" von Paul D. MacLean.

[00:53:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz

https://www.youtube.com/watch?v=oeKD2mUdD90

[00:53:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=7uVSGbnEHOg

[00:53:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe es hier sehr rudimentär aufgezeichnet. Es heisst das dreieinige Gehirn von
Paul D. MacLean.

[00:53:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_D._MacLean

[00:53:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hatte diese Idee.

[00:54:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Finger sind das Grosshirn, mein Daumen ist das limbische System, mein
Handgelenk ist das Stammhirn, mit dem Kleinhirn hinten dran.

[00:54:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Gehirnteile haben sich entwickelt, das hat es schon bei den Reptilien gegeben,
deshalb spricht man vom Reptilienhirn.

[00:54:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System hat sich hauptsächlich bei der Säugetieren entwickelt.

[00:54:55.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Säugetiere, das ist ihnen alles klar, die können ja nicht überleben, die kommen auf die
Welt und die müssen eine Mutter-Kind-Bindung haben um zu Überleben. Sie brauchen
Milch. Sie können nicht auf die Weide Gras fressen gehen.

[00:55:11.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System spielt eine sehr wichtige Rolle für die Beziehungen, für das
Bonding. Es sind die Emotionen, welche dort gelagert sind.

[00:55:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die positiven Emotionen im Sinne der Motivation um auf etwas zu zu gehen.

[00:55:28.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die negative Aversion, was sie vorher geschildert haben, diese Frau ist unangenehm.

[00:55:36.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort laufen die Emotionen ab.

[00:55:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn, dass ist unser Prozessor, unser Speicher, unser Intellekt usw.

[00:55:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen wir nochmals zum limbischen System, zu den Emotionen.

[00:55:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Hirn, welches uns Kraft gibt. Das ist das Gehirn, welches als erstes
angeschaltet wird, wenn sie jemandem begegnen.

[00:56:00.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist der mir sympathisch oder ist er mir unsympathisch?

[00:56:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen unsere Umgebung zuerst emotional an. Erst danach kommt das
Intellektuelle, warum, wie und was.

[00:56:11.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Wie merke ich, dass jemand depressiv ist und vielleicht ins Wasser springt.

[00:56:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Checklisten führen nirgends hin.

[00:56:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mörder der Frau, sie war eine top Fachperson, eine Psychologin, hat noch
Kriminologie studiert, hat sicher alle Checklisten gekannt. Alle Checklisten haben ihr
nichts genützt.

[00:56:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vergessen sie die Checklisten, hören sie auf ihre Emotionen. Die sind schneller,
intuitiver. Das emotionale Hirn ist ganzheitlicher.

[00:56:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man der Familientherapie mit einem Fall nicht weiter kommt, hat man das Wort
abgeschaltet, die Stimme abgeschaltet, man nur noch geschaut.

[00:57:02.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in einem fremden Land reisen und sie verstehen die Sprache nicht, müssen
sie schauen, sie müssen beobachten, sie müssen spüren.

[00:57:12.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Checkliste ausschalten, das emotionale Gespür anschalten.

[00:57:25.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie präziser und nehmen ihr Gegenüber besser wahr, als mit jeglicher
Checkliste.

[00:57:36.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin sieht sich als Wissenschaft, welche immer eine Checkliste aufstellt, damit
sie vergleichen kann.

[00:57:43.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist das schlechteste Objekt, um mit Statistiken zu erfassen.

[00:57:46.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist so unterschiedlich.

[00:57:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Untersuchung über Depressionen. Es gab 100 Fälle die verglichen wurden.
Am Schluss waren drei Fälle übrig. Operation gelungen, Patient gestorben.

[00:58:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwarten sie keinen Gigerzähler, der sagt, jetzt wird es gefährlich und jetzt ist es gut.
Das gibt es nicht. Sie müssen auf sich selber hören.

[00:58:24.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Motivator, dass wir Dinge tun.

[00:58:41.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir depressiv sind, ist der Motivator zusammengebrochen. Dann ist die Batterie
leer.

[00:58:41.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Batterie ist leer, weil wir falsch gekämpft haben.

[00:58:50.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression ist eine Verlierer Krankheit.

[00:58:58.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man lange falsche Strategien im Leben anwendet, dann ist irgendwann der Motor
verbrannt, ausgelaugt, dann muss man über die Bücher gehen und schauen: wie kann
ich meine Strategie verändern.

[00:59:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt dann stimulierende Medikamente.

[00:59:07.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lebensplan wird aber nicht geändert.

[00:59:14.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorübergehend können die Medikamente einem schon aus dem Sumpf holen.

[00:59:27.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch an sich arbeiten.

[00:59:28.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht korrekt wenn man nur Medikamente gibt und nicht auch noch therapeutisch,
also verändernd an sich arbeitet.

[00:59:32.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles andere ist eine reine Symptombekämpfung.

[00:59:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Hormonen.

[00:59:44.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System, der mittlere Teil vom Gehirn, welcher von den Säugern stark
entwickelt wurde, hat einen direkten Zugang zur Hypophyse, das ist die
Hirnanhangsdrüse.

[01:00:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Bahnen, welche von hier runter gehen.

[01:00:12.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hypophyse ist die Königin, welche sämtliche Hormone steuert.

[01:00:13.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Rein nervlich haben wir über unsere Hirnzellen und alle Bahnen, welche wir hier
drinnen haben, haben wir eine direkte Steuerung von unserem Sozialverhalten und eine
indirekte Steuerung, langsamere Anpassung über das Hormonsystem.

[01:00:28.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Während der Schwangerschaft gibt es Veränderungen von den Hormonen.

[01:00:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach der Geburt, müssen die Frauen wach sein, sie müssen eine gute Beziehung zum
Kind entwickeln.

[01:00:46.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hören auch die hohen Töne vom Kind, wenn es schreit besser. Sie sind sensibler.
Manchmal ist es auch der Vater, der es besser hört. Das ist auch gut.

[01:01:04.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist hormonell so eingestellt, dass man durchlässiger ist und mehr auf Reize
reagiert.

[01:01:23.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus solchen Gründen, wollen Frauen nicht so viel Kontakt und Besuch.

[01:01:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit hört man das Kind und das ist lebenserhaltend.

[01:01:28.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Fall in Schottland. Die Frau war sehr müde nach der Geburt. Der
Hausarzt hat ihr Valium gegeben. Sie hat Valium genommen, durch geschlafen und in
der Nacht ist ihr Baby gestorben.

[01:01:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Arzt hat es gut gemeint mit der Frau, aber es ist schlecht raus gekommen.

[01:01:56.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Wunder, viele Jahre später, hatte die Frau immer noch eine Wut auf den Hausarzt,
hat getrauert, hat sich gesagt: hätte ich doch das Medikament nicht genommen, wäre
ich doch aufgestanden, hätte ich mein Baby retten können.

[01:01:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss es nicht. Vielleicht war es ein plötzlicher Kindstod. Das weiss man nicht.

[01:02:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur ist so eingerichtet, dass sie dann besser für das Kind schaut.

[01:02:32.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt auch mit sich, dass man sensibler ist.

[01:02:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind in diesem ganz sensiblen Moment mit der Frau zusammen. Sie dürfen Fragen
stellen, sie dürfen auf sie eingehen, die Frauen sind ein offenen Buch.

[01:02:39.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen sagen auch: nach der Geburt, rund um die Geburt kommen mir meine
Geschichten mit meiner Mutter in den Sinn. Und so weiter.

[01:02:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es öffnet ein Tor. Wenn man eingespielt ist, geht das Tor wieder ein wenig zu.

[01:03:07.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sie nur aufmuntern, offene Fragen zu stellen.

[01:03:08.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hormone spielen eine Rolle. Das limbische System spielt eine Rolle.

[01:03:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie noch weitere Fragen zu den Hormonen?

[01:03:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist eine Ganzheit. Die Hormone und das Neurologische arbeiten
zusammen.

[01:03:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Gynäkologen, welchen den Frauen in den Wechseljahren Östrogene geben.
Östrogene haben viele Funktionen, unter anderem auch, dass man stabiler ist,
tragfähiger ist, nicht nur in der Knochenresistenz, sondern auch der Seele.

[01:04:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche Psychopharmaka greifen im limbischen System ein und machen weniger
verletzlich. Alle neuen SSRI gegen die Depression, die machen Scheuklappen, das
einem alles ein bisschen weniger ausmacht, nicht mehr so nahe geht.

[01:04:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele fühlen sich dann auch nicht so zufrieden. Es kann einem schützen.

[01:04:41.960] – Bemerkung 31

Ist das limbische System dann zusammen gefallen? Was geschieht, wenn man die
Medikamente wieder absetzt?

[01:05:01.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Kerne im limbischen System. Das limbische System ist
kreisförmig miteinander verbunden. Das limbische System kann sich aufschaukeln. Es
kann sich auch runter dämpfen.

[01:05:25.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein berühmtes Buch: Depression ist lernbar.

[01:05:25.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Paul Anton Watzlawick

[01:05:25.470] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Watzlawick

[01:05:25.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch das Buch: die Anleitung zum traurig sein.

[01:05:46.150] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/Anleitung-zum-Traurigsein-gelernt-Trauer/dp/3832182268

[01:05:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn kann den Schmerz fixieren. Das Gehirn kann die Depression lernen und
dann fixieren.

[01:05:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt man Medikamente, welche das Gehirn aus diesen Bahnen wirft.

[01:06:01.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss den Menschen auch als Ganzes anschauen.

[01:06:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, wo funktioniert der Mensch innerhalb seiner Beziehungen,
innerhalb von seinem Arbeitsfeld, auf eine Art und Weise, wo er sich selber ausbeutet.

[01:06:16.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mensch sich selber ausbeutet, dann muss er immer wieder depressiv
werden. Dann muss der Mensch lernen, sich besser abzugrenzen und lernen mit
schwierigen Situationen aktiver umzugehen, nicht einfach sich zurück zu ziehen. Wenn
man sich zurück zieht, geht die Energie weg.

[01:06:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Französisch sagt man: L'appétit vient en mangeant.

[01:06:45.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Deutsch: der Appetit kommt mit dem Essen.

[01:06:45.610] – Dr.med. Ursula Davatz
L'emotion vient en faisant. Wenn man aktiv etwas macht, dann kommt auch wieder
Energie.

[01:06:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so: wenn der Akku unten ist, dann liegt man in sein Bett und dann hat man
mehr Energie.

[01:07:02.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Depressiven ist das nicht so. Die Depressiven muss man eher aktivieren.

[01:07:08.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Depressiven muss man schauen, wo sie davor Energie verschwendet haben,
für Dinge, welche nicht zu ihnen gehören und ihnen nicht gut tun.

[01:07:25.090] – Bemerkung 32
Ich habe eine Depression, also habe ich falsch gekämpft. Das finde ich sehr
interessant. Vielleicht setzt sie ihre Energie bei einer Person falsch ein.

[01:08:07.870] – Bemerkung 32
Es kann kann sein, dass es dann nach eine Wochenbett Betreuung aufwärts geht.

[01:08:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Falsch gekämpft ist gut gesagt.

[01:08:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine kleine Publikation in einem Heft. Die wurde von einer depressiven Frau
gelesen.

[01:08:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bild im Artikel war: wenn man depressiv wird, kämpft man falsch. Man kämpft
gegen irgendetwas und nicht für sich. Man hat sich eigentlich verloren. Man weiss gar
nicht recht, was man ist.

[01:08:59.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Mensch von seiner Familie geprägt wurde, dass man immer den
anderen geholfen hat und eigentlich nicht richtig weiss, wer man ist, dann kämpft man
falsch, weil man selber verloren geht.

[01:09:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Depression muss man durch den Brunnen auf seine eigenen Blumenwiese fallen,
zu sich selber.

[01:09:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Märchen von der Goldmaria, Pechmaria und der Frau Holle.

[01:09:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Goldmaria_und_die_Pechmaria

[01:09:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man durch den Brunne durchgeht, man muss die Depression aussitzen, man
kommt unten auf den Boden und die Blumenwiese. Man muss sich selber entdecken.

[01:09:46.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verliert sich in der Depression. Man verliert sich, weil man falsch kämpft.

[01:09:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die depressive Frau fand das ein sehr schönes Bild.

[01:09:59.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kam einmal zu mir und hat gesagt: sie habe sich immer dem Mann angepasst und
gedacht, dass das gut sei und dass er das möchte.

[01:10:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat sie gemerkt, dass muss sie eigentlich gar nicht, ich darf für mich selber
schauen, ich darf für mich einstehen. Der Mann hat gesagt: das ist mir viel lieber. Jetzt
geht es ihr gut.

[01:10:31.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt: ich hatte noch nie so eine Wunderheilung.

[01:10:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt das Bild ein wenig. Man muss das Prinzip erkennen.

[01:10:48.550] – Bemerkung 33
Was ist die postnatale Depression? Die Hormonschwankung ist eine
Grundvoraussetzung um in eine Depression zu fallen?

[01:10:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so. Darum tritt sie dann auch eher auf.

[01:10:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange man noch schwanger ist, hat man das Kind immer bei sich. Man ist zu zweit.
Man ist wichtig. Wenn alles gut geht, macht die Natur alles für einem.

[01:11:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind geboren ist, ist das Kind draussen und man ist wieder alleine.

[01:11:11.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel Aufmerksamkeit geht auf das Kind.

[01:11:16.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geburt ist ein Verlusterlebnis. Man verliert sein Kind und man muss mit seinem Kind
interagieren. Man findet sich in einer neuen Rolle wieder. Man ist unsicher.

[01:11:44.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann noch hohe Ansprüche an sich selber hat, dann hat man Grund um
depressiv zu werden. Dann kämpft man wieder auf der falschen Schiene.

[01:12:01.110] – Bemerkung 34
Für mich war es immer so, dass die Frauen prädestinierter sind, eine postnatale
Depression zu machen, auch allgemein eine Depression zu machen. Durch die Geburt
wird das noch verstärkt.

[01:12:01.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Und natürlich noch durch das Umfeld, durch die Situation.

[01:12:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man sehr sensibel ist und nicht so gut in der Welt steht, nicht ganz sicher auf
seinen zwei Beinen steht, dann kommt ein Kind, dann wird man nochmals verunsichert.
Dann ist natürlich die Gefahr grösser, dass man eine Depression macht.

[01:12:30.870] – Bemerkung 35
Kommt nicht auch eine Erschöpfung dazu?

[01:12:36.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erschöpfung an sich muss keine Depression sein. Aber klar, man ist erschöpft.

[01:12:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Patientin, welche unter den Geschwistern immer der Sonnenschein war.
Sie hat immer alle aufgeheitert. Sie hat immer alles getragen. Man hat gar nicht
gekannt, dass sie mal traurig ist. Die hat eine schwere Grippe durchgemacht. Sie war
durch die Grippe sehr geschwächt. Dieses Gefühl kannte sie gar nicht an sich. Sie
dachte dann, dass sie depressiv ist.

[01:12:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine starke Müdigkeit und eine Depression fühlen sich rein körperlich gleich an.

[01:13:19.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil sie das Gefühl der Müdigkeit nicht kannte, weil sie sich dagegen gewehrt hat, hatte
sie ein lange, hinaus gezögerte Depression. Sie hatte auch noch schwierige Kinder.

[01:13:24.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat noch den Eisenhaushalt erwähnt. Heutzutage wird viel IV Eisen gegeben.

[01:13:50.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Frau zu wenig Eisen hat, dann fühlt man sich auch ein wenig müder.

[01:13:55.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man von sich verlangt, dass man alles leisten muss und es geht nicht, dann
kämpft man wieder gegen sich, dann kann sich das auch wie eine Depression anfühlen.

[01:14:00.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt man Eisen, dann kann man wieder mehr machen und dann hat man das
Gefühl, dass die Depression weg ist.

[01:14:02.513] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach der Geburt hat man ohnehin einen Eisenmangel.

[01:14:03.217] – Bemerkung 36
Wir hatten in Luzern eine Depressions-Video-Vorstellung.

[01:14:34.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Faulenzen der Wöchnerinnen ist der Segen der Familie.

[01:15:01.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

[01:15:01.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht mehr müde sein. Dabei ist das müde sein etwas natürliches.

[01:15:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sagt der Körper: ich muss mich jetzt ein wenig erholen.

[01:15:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle die Vorstellung: es muss immer alles rund um die Uhr laufen, wie ein
Roboter, wie die Börse. Das ist eine Katastrophe.

[01:15:40.430] – Bemerkung 37

Es läuft immer alles unter normal, unter gesund. Was das für den Körper heisst, das
vergessen alle.

[01:15:45.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Afrikaner sagen: in den ersten zwei Wochen hat die Mutter gar nichts zu tun. Dort
nimmt man das Kind auch ab.

[01:15:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bringt es zum Stillen und sonst sorgt man für alles und die Mutter wird verwöhnt,
sie wird gefüttert, die Mutter muss gar nichts machen.

[01:15:59.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei uns nicht so.

[01:16:04.190] – Bemerkung 38
Bei den muslimischen Kulturen habe ich das Gefühl, dass viel für die Frauen gemacht
wird in den ersten 40 Tagen.

[01:16:39.080] – Bemerkung 39
Wie gross ist das Risiko einer Depression beim zweiten Kind, wenn es beim ersten Kind
bereits eine Depression gegeben hat nach der Geburt?

[01:16:39.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss nicht sein.

[01:16:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls eine Frau bereits eine Depression hatte und sie das als sehr unangenehm
empfunden hat, ist es abhängig davon, was in ihrem Grosshirn abläuft.

[01:16:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht speichert sie dann die Angst vor der Depression.

[01:17:02.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Angst, die selbsterfüllende Prophezeiung. Dass sie Angst hat davor und dann sie es
gleich wieder macht.

[01:17:07.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls man es mit ihr auflösen kann, weshalb sie damals so erschöpft war, in ein Loch
gefallen ist. Man versucht es anders vorzubereiten, anders aufzugleisen, dann kann das
durchaus verhindert werden. Es ist überhaupt kein Muss.

[01:17:08.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es liegt nicht in den Hormonen, dass es wieder kommen muss. In den Hormonen liegt
es für alle Frauen gleich.

[01:17:08.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls die Frauen genügend Unterstützung erhalten, muss keine postnatale Depression
auftreten, wenn die Frau mit dem Arrangement zufrieden ist.

[01:17:59.130] – Bemerkung 40
Ab wann spricht man nicht mehr von einem Baby Blues sondern von einer Depression?

[01:17:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder so eine Definitionsfrage.

[01:18:03.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach einer Geburt darf man erschöpft sein. Nach einem Verlust darf man erschöpft
sein, wenn die Mutter, der Vater oder ein Geschwister stirbt.

[01:18:14.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wie lange es dauert. Wenn es ein halbes Jahr dauert, ist es nicht mehr
einfach nur ein Baby Blues.

[01:18:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn es einen Monat oder zwei Monate dauert, kann man es immer noch in diesem
Rahmen anschauen.

[01:18:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte ohnehin schauen, wo ist die Unterstützung und wo könnte man mehr
unterstützen?

[01:18:35.850] – Bemerkung 41
Die meisten Frauen haben ihre Tage wo sie weinen. Ein, zwei, drei Tage innerhalb der
ersten Woche, dann ist es vorbei. Das ist für mich der Baby Blues.

[01:18:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon der Baby Blues.

[01:18:52.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Anpassung an ihre neue Situation kann länger gehen, als nur ein paar Tage.

[01:19:01.100] – Bemerkung 41
Das wäre immer noch normal?

[01:19:03.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls sie das merken, würde ich schon schauen, wie man der Frau sonst noch
Unterstützung geben könnte. Wie könnte sie entlastet werden, damit sie auch mehr Zeit
für sich hat, damit sie wieder regenerieren kann.

[01:19:30.960] – Bemerkung 42
Ich finde es gut, wenn die Frau in den Baby Blues kommt und weint, dann kommt alles
ins Fliessen. Unten fliesst es, oben fliesst es, überall fliesst es.

[01:19:37.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr interessant.

[01:19:39.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Tränen beinhalten Stresshormone.

[01:19:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so gestresst ist und dann weinen kann, dann wird man entspannt.

[01:19:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann fliesst die Milch.

[01:19:52.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher darf man den Frauen sagen, dass sie weinen dürfen. Es ist sogar gut.

[01:19:52.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe etwas gelernt, ich habe das noch nie so gehört. Ich finde das super.

[01:19:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nichts Schlimmes wenn man weint.

[01:19:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Frau denkt, dass sie immer fein rausgeputzt sein muss, in Form sein muss,
dann sieht sie das als etwas Negatives.

[01:20:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin sehr froh, dass sie das so sagen, es soll ruhig fliessen.

[01:20:13.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle Brünnlein fliessen, dann muss man trinken.

[01:20:29.850] – Bemerkung 44

Das hat mir auch eine ältere Hebamme gesagt, dass man weinen muss. Ich denke
nicht, dass diese Frauen danach ein Defizit haben, wegen dem Weinen oder wenn sie
nicht weinen.

[01:20:59.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht jede Frau weinen, damit sie gesund ist. Es kommt auf den Typ an.

[01:21:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ein emotionales System haben, das schnell zum Weinen kommt, welches
schnell das ausdrückt.

[01:21:07.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ein emotionales System haben, welches eher ein wenig verhaltener ist. Dann
muss man diese Frau nicht zum Weinen zwingen. Gar nicht.

[01:21:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gilt nichts für alle.

[01:21:30.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche das Weinen krampfhaft unterdrücken, für die ist es nicht gut. Die
haben viele Emotionen, binden alle zurück und dann geht auch das nicht.

[01:21:47.800] – Bemerkung 45
Wenn die Frau während der Geburt zu weinen beginnt, macht sie viel schneller auf.
Wenn sie oben verkrampft ist, macht es unten schneller auf.

[01:21:58.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr interessant.

[01:21:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Zurückgehaltene Emotionen sind gestaute Energie.

[01:22:06.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bahnen gehen auch runter in das vegetative System.

[01:22:06.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man oben loslässt funktioniert auch der Muttermund.

[01:22:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr interessant.

[01:22:12.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein weiterer Beweis, dass alles zusammenhängt.

[01:22:22.510] – Bemerkung 46
Wenn eine Frau zwei bis drei Tage weint im Wochenbett, ist dann ihr limbisches System
auch leer?

[01:22:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, über das Weinen wird das limbische System nicht leer.

[01:22:43.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange die Frau noch weinen kann, ist noch Energie vorhanden, es zeigt sich noch
etwas.

[01:22:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn sie stumm wird und nur noch klagt und apathisch ist.

[01:23:04.550] – Bemerkung 47
Es gibt auch die Wochenbett Depression, wo die Frauen total hyperaktiv werden und
keinen Schlaf mehr brauchen.

[01:23:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Das geht in Richtung Psychose. Dann kommen wir zur Psychose.

[01:23:13.020] – Bemerkung 48
Durch das Weinen kann man seine Gedanken auch wieder finden und sortieren. Es ist
völlig ok für diese Anstrengung, welche total klein gemacht wird. Gewisse Frauen wollen
während der Geburt noch Emails schreiben.

[01:23:50.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt geht es wieder weiter.

[01:24:56.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Erwachsene weinen und an sich kritisieren, dass sie weinen müssen, dann sage
ich: die Tränen nähren auch die Seele. Tränen füllen auch wieder. Tränen nähren die
Seele welche ausgetrocknet ist.

[01:25:18.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu verkrampft alles im Griff haben möchte, dann vertrocknet die Seele.
Wenn man das gemacht hat, muss man eher weinen und das gibt dann eher Energie.

[01:25:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Bild vom Setzling, vom Keimling, der Wasser bekommt und wachsen kann.

[01:25:42.900] – Bemerkung 49
Ich habe noch eine Frage bezüglich für die falsche Sache kämpfen. Das kann dann zu
einer Depression führen. Kann man den Satz auch allgemein verwenden?

[01:26:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja! Diese Aussage ist nicht spezifisch nur für die Wöchnerin. Die Wöchnerin kämpft
falsch, indem sie zu perfekt sein möchte, alles selber können möchte in dem sie sich
nichts abnehmen lässt. Das gilt für alle.

[01:26:14.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Überall wo ich eine Depression antreffe, finde ich das, kann ich danach suchen.

[01:26:23.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet es nicht immer so schnell.

[01:26:38.910] – Bemerkung 50
Was gibt es für einen Zusammenhang mit der Vererbung?

[01:26:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression an sich wird nicht vererbt.

[01:26:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Prof. Werner Schmid hat das auch verneint.

[01:26:52.170] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Schmid_(Genetiker)

[01:26:52.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Genen, welche gefunden wurden, auch bei den manisch-depressiven, sind an sich
normale Gene, vielleicht eine unglückliche Kombination.

[01:27:07.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Was vererbt wird, ist eine gewisse Sensibilität, auch eine gewisse Impulsivität. Das ist
das ADHS/ADS.

[01:27:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Was vererbt wird ist eine gewisse leichte Verletzlichkeit.

[01:27:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Gehen wir davon aus, dass wir in einer Familie viele sensible Leute haben, die sind
schnell verletzt und man geht nicht sorgfältig mit ihnen um, dann ist die Reaktion: ich
ziehe mich zurück.

[01:27:23.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann zieht man sich zurück. Der Depressive zieht sich auch zurück. Dann lernt man
nichts mehr.

[01:27:27.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen in dieser Familie lernen dann: wenn etwas nicht geht, dann ziehe ich mich
zurück. Ich kann es nicht.

[01:27:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen sie sich als Opfer, als passiv und so weiter.

[01:27:52.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird in den Verhaltensmustern abgeschaut und ist nicht genetisch bestimmt.

[01:27:52.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Interaktion zwischen der genetischen Veranlagung wie:
Temperament, Impulsivität, Sensibilität und dem Umfeld.

[01:28:12.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel der vier Generationen. Immer der erste Sohn wird Lehrer, ist
jetzt das genetisch vererbt oder ist das nachgemacht?

[01:28:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lernaspekt ist beim Mensch viel wichtiger als die Genetik.

[01:28:33.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin sucht immer wieder nach dem genetischen weil das so gut zum Festhalten
ist, weil im Genbereich viel geforscht wird.

[01:28:46.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet gewisse Anlagemuster, aber das macht noch lange keine Krankheit aus.

[01:28:51.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Krankheit ist ein Phänotyp wie man sagt.

[01:28:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene, das sind der Genotyp.

[01:28:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Phänotyp, was in Erscheinung tritt, der entsteht über die Interaktion.

[01:28:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4notyp

[01:28:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Phänotyp ist nicht vorbestimmt.

[01:28:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt solche Gene, speziell diejenige, welche für das Gehirn zuständig sind, die sind
so flexibel, wenn man das mit denen macht, dann entwickelt sich das, wenn man etwas
anderes macht, dann entwickelt sich etwas anderes.

[01:29:23.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ähnlich wie bei den Ameisen. Die Ameisenkönigin hat die gleichen Gene wie die
Arbeiterbiene aber sie werden anders gefüttert.

[01:29:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns geht das nicht so mit dem Futter.

[01:29:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns ist es das soziale Futter, also die Interaktion. Die Interaktion ist unser Futter.

[01:29:47.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach unserer sozialen Interaktion entwickeln wir dann aus diesen Genen eher das
oder etwas anderes.

[01:29:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Als die Portugiesen 2004 zu Hause das Finalspiel verloren haben, haben sich alle auf
den Boden geworfen und haben geweint. Das ist eine depressive Reaktion, eine
vorübergehende.

[01:30:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sportler sind Kämpfer. Bei ihnen dauert die Depression nicht so lange an.

[01:30:26.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die fragen sich auch nicht warum und wie und was. Sie gehen wieder zum nächsten
Fussballspiel und versuchen wieder zu siegen.

[01:30:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Sportler Typ.

[01:30:30.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Menschen sind so, nicht alle Menschen sind so kämpferisch.

[01:30:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eher zurückhaltenden Menschen denken: was hätte ich tun sollen? Was muss ich
anders machen und verhindern sind dann am Handeln und am wieder ins Leben
gehen?

[01:30:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir haben Gene die uns bestimmen. Diese Gene bestimmen aber nicht die
Krankheiten.

[01:31:03.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt vererbte Krankheiten, aber nicht in der Psychiatrie.

[01:31:04.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Was vererbt wird, ist das ADHS/ADS. Das sieht man auch in den Familien.

[01:31:28.430] – Bemerkung 51
Meine Freundin ist Heilpädagogin und sagt, dass 70% der Kinder ein ADHS/ADS
haben. Ist das korrekt?

[01:31:44.470] – Bemerkung 52
So kann man Ritalin verkaufen.

[01:31:55.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS/ADS sucht man nach den verschiedenen genetischen Komponenten. Es ist
nicht nur ein Gen. Es sind verschiedene Gene, welche das Gehirn beeinflussen.

[01:32:07.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Gene, welche das Gehirn beeinflussen, die sind viel plastischer.

[01:32:08.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist unser soziales Organ. Wir lernen über das Gehirn. Das ist unsere
Überlebensstrategie.

[01:32:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir überleben nicht, dank den vielen Haaren auf der Haut oder unseren Klauen. Wir
überleben wegen unserem Gehirn. Dort sind wir Menschen am besten.

[01:32:35.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort haben wir die grösste Evolution durch gemacht.

[01:32:43.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Erbfaktoren.

[01:32:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Lange Zeit hat man das ADHS/ADS geleugnet. Nur die Kinderärzte haben es zum Teil
schon gesehen. Ich verfolge es schon über 30 Jahre.

[01:32:49.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder und Psychiater haben gesagt: das ADHS/ADS gibt es nicht, das ist nur erfunden.

[01:32:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den bildgebenden Verfahren, mit allen neuropsychologischen Tests, kann man es
beweisen, man kann sehen, die Gehirnzentren funktionieren anders, gewisse sind
defizitär, andere tun überfunktionieren.

[01:32:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Varianten davon.

[01:33:11.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, man sagt es ein bisschen schnell. Man gibt auch zu schnell Ritalin ab.

[01:33:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Leute, die eine ADHS/ADS Komponente haben. Diese Leute sind
vulnerabler für alle möglichen späteren Störungen.

[01:33:38.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es wichtig, dass man mit den ADHS/ADS Menschen geschickt umgeht.

[01:33:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hyperaktive Junge ist vielleicht nur so hyperaktiv, weil die Mutter so depressiv ist.

[01:33:52.390] – Bemerkung 53
Von denen gibt es sehr viele. Bei dem Kind war einfach der Umgang anders.

[01:33:59.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang mit ADHS/ADS spielt eine sehr grosse Rolle. Der Umgang kann steuern.
Wenn man artgerecht mit diesen Kinder umgeht, dann entwicklen die sich zu tollen
Persönlichkeiten. Bei jedem Kind muss man auf seine Persönlichkeit Rücksicht
nehmen.

[01:34:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS wird viel diagnostiziert. Das Kind wird zum Schulpsychologen geschickt,
dann zum Kinderarzt und dann wird Ritalin verschrieben.

[01:34:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bin ich ganz dagegen.

[01:34:34.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das Gehirn der ADHS/ADS Kinder anschauen, die Bahnen vom limbischen
System zum Grosshirn, der präfrontalen Kortex, die sind beim ADHS/ADS Kind nicht so
gut ausbildet, respektive ADHS/ADS Kinder lassen sich immer wieder ablenken von
anderen Dingen.

[01:34:48.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Ritalin gibt, das ist ein Doping, ein Amphetamin. Die Dopaminbahnen
werden stimuliert, sodass sie sich besser fokussieren können und dann auch
konzentrierter sind und ruhig sitzen können.

[01:35:07.530] – Bemerkung 54
Ritalin macht das Gegenteil. Man wird ruhiger oder man wird aktiver.

[01:35:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse können sich dann besser fokussieren.

[01:35:44.570] – Bemerkung 55
Gibt es heute wirklich mehr Depressionen als früher?

[01:35:44.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es nicht, ich kann es nicht sagen.

[01:35:47.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt oft, dass die Depression eine Frauenkrankheit ist. Ich frage mich warum?

[01:35:56.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben von ihrer Natur her und von ihrer Rolle als Mutter gegenüber den
Kindern, haben sie eher die Tendenz, sich anzupassen.

[01:36:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen passen sich oft auch gegen ihr Naturell an.

[01:36:07.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die japanische Frau, welche das früher einfach als ihre Rolle gesehen hat, die wurde
sicher nicht depressiv.

[01:36:12.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich anpasst und eigentlich noch einen anderen Wunsch hat, contre coeur,
dann wird man wieder depressiv.

[01:36:20.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gibt es mehr Depressionen, weil heute die Leute so viel von sich fordern, weil
sie sich mit der ganzen Welt vergleichen, immer mit der Spitze vergleichen, überall

spricht man immer von der Superlative, noch mehr. Dann muss man depressiv werden,
weil man niemals all das erreichen kann.

[01:36:45.020] – Bemerkung 56
Viele Kinder haben heute auch schon Depressionen. Bei den Teenagern geht es immer
nur darum eine coole Foto zu machen, morgen wieder eines, viele Likes zu kriegen.
Das geht ständig so weiter. Noch ein cooleres Foto, noch ein Like mehr.

[01:37:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kompetitive, wo man immer mit der ganzen Welt im Wettkampf steht, immer der
beste sein muss, dann kann man eigentlich nur noch verlieren.

[01:37:44.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Leute wieder zurück nehmen zu sich.

[01:37:50.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Du gehst deinen eigenen Weg. Du musst dich gar nicht immer so vergleichen.

[01:37:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Du wächst nach deinem eigenen Wachstum, nach deiner eigenen Entwicklung. Das ist
noch schwierig.

[01:38:05.160] – Bemerkung 57
Gibt es Studien über Frauen aus ländlichen Gegenden, welche ihren Job für ein paar
Jahre an den Nagel hängen, Mutter sein dürfen nach der Geburt und erst danach
wieder zur Arbeit gehen. Haben die weniger Depressionen als Mütter in städtischen
Gebieten, welche gleich nach den zehn bis zwölf Wochen wieder arbeiten gehen?

[01:38:26.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, ob es dazu Studien gibt.

[01:38:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kann mir vorstellen, dass es so rauskommt, wenn diese Frauen gut eingebettet sind.

[01:38:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie unter der Fuchtel der Schwiegermutter sind, dann nicht.

[01:38:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne einige Grossfamilien, dort sind die Frauen dann auch depressiv.

[01:38:48.110] – Bemerkung 58
Die Umwelt prägt uns enorm. Als meine Kinder klein waren und ich nicht gearbeitet
habe, war ich eine Pfeife, weil ich nicht gearbeitet habe. Danach hiess es, dass ich ein
Egoist bin.

[01:39:21.050] – Bemerkung 58
Frauen mit einer guten Ausbildung dürfen gar nicht mit weniger als 60% einsteigen,
sonst ist ihre Position weg.

[01:39:22.070] – Bemerkung 58
Männer gehen einfach arbeiten. Wir Frauen haben die Kinder und stillen, Wochenbett.
Das ist brutal.

[01:39:26.090] – Bemerkung 59
Es gibt auch Männer, die gerne mehr zu ihren Kindern schauen würden, jedoch einfach
einen Betrag nach Hause bringen müssen. Viele Männer würden auch gerne zu Hause
bleiben. Unsere Wirtschaft ist nicht so gut darauf eingerichtet.

[01:40:16.370] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer Wohlstands- und Leistungsgesellschaft, ist die Brutpflege ernsthaft
gefährdet.

[01:40:28.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie kommen an das ran. Man muss sowohl Väter als auch Mütter in ihrer
Brutaufzuchtsrolle unterstützen.

[01:40:38.450] – Bemerkung 60
Das ist ein gesellschaftliches Problem. Da müssen wir uns alle an der Nase nehmen,
alle zusammen. Der Vater, der auf dem Spielplatz sitzt, hat es sehr schwer. Der wird
ausgegrenzt. Sozial hat der es wesentlich schwieriger als jede Frau, die auf dem
Spielplatz sitzt. Da machen alle Frauen mit.

[01:41:02.420] – Bemerkung 60
Was ich zur Zeit am eigenen Leib realisiere ist, dass es ein Vater, der reduziert arbeitet,
Renten technisch sehr, sehr schlecht gestellt ist. Das ist Politik und das ist Gesellschaft.
Das betrifft uns alle zusammen. Das sind wir sehr, sehr unsensibel.

[01:41:33.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb gehen bei uns auch die Geburten zurück. Es will niemand mehr in Kinder
investieren.

[01:41:44.040] – Bemerkung 61
Ich habe ein Artikel gelesen in der Zeit. In Frankreich gehen die Frauen nach zehn
Wochen wieder 100% arbeiten. Die Brutpflege ist nicht mehr existent. Erwachsene
leiden zunehmend unter psychischen Störungen, welche zurückzuführen sind auf
mangelnde Bindungsfähigkeit. Das wiederum ist zurückzuführen darauf, dass die
neugeborenen Säuglinge keine Bezugspersonen haben.

[01:42:25.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch etwas zur Bindungstheorie.

[01:42:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter-Kind-Bindung ist ganz etwas wichtiges bei allen Säugetieren. Der Mensch ist
auch ein Säugetier. Die Bindung ermöglicht das Überleben. Zu dieser Bindung gehört

natürlich nicht nur die Muttermilch oder die künstliche Milch, sondern auch die seelische
Beziehung.

[01:42:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kleinkind nimmt wahr, wenn eine Mutter abwesend ist.

[01:42:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kleinkind merkt besser, wenn die Mutter depressiv ist, als wir Erwachsene.

[01:42:58.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erwachsene hören auf die Worte, das Kleinkind schaut.

[01:43:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Depression ist die Mimik ärmer. Der Redefluss ist anders. Man macht einen
Lätsch. Unterschiedliche äussere Merkmale.

[01:43:19.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Video, wo die Mutter ganz klar depressiv war. Das Kind gegenüber hat
versucht die Mutter zu aktivieren.

[01:43:25.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder übernehmen bei dysfunktionalen Müttern schon ab dem Tag eins, die Mutter in
Gang zu behalten. Kinder übernehmen eine therapeutische Funktion.

[01:43:44.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist verrückt.

[01:43:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder müssen das tun.

[01:43:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Kinder sind abhängig von der Mutter und sie tun alles, damit die Mutter funktioniert.

[01:43:56.490] – Bemerkung 62
Wie geht es den Kindern danach?

[01:44:00.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt dann funktionalisierte Kinder, welche immer für die anderen schauen müssen.

[01:44:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erwachsene Patienten, die sagen: ich habe meine Mutter nie fröhlich gesehen.
Ich habe immer gelitten unter meiner Mutter, wenn sie traurig war, geweint hat, in das
Zimmer verschwunden ist.

[01:44:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen das verarbeiten.

[01:44:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesen Kindern ist dann oft ein leeres Gefäss, welches wir dann therapeutisch füllen
müssen über mehrere Jahre hinweg.

[01:44:43.170] – Bemerkung 63
Meistens bricht es aus, wenn man selber Kinder kriegt.

[01:44:43.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt es sicher raus. Wenn man selber Kinder bekommt, dann kommt das alles
wieder hoch, was man alles für die Mutter geleistet hat. Dann fehlt irgendwo die
Energie. Dann hat man das Anrecht von einer professionellen Person Hilfe zu
bekommen, damit man das verarbeiten kann.

[01:45:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann das Schicksal nie ändern. In dem man das Schicksal erzählen darf, in dem
man das Schicksal reflektieren darf, mit einer wohlwollenden Person darüber sprechen,
gibt es doch eine gewisse Integration.

[01:45:05.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Form von Therapie, die heisst: der narrative Rekonstruktivismus.

[01:45:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat festgestellt, wenn man seine Geschichte erzählen darf, wenn man seine
Geschichte kohärent erzählen darf, wenn man dazu gefragt wird, wenn jemand
wohlwollen zuhört, dann gibt es eine Verbindung zwischen dem defizitären limbischen
System und dem gedanklichen. Das geht hin und her.

[01:45:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Gefühle in Worte fasst, dass sind sie besser handhabbar und auch wieder
besser fühlbar. Wenn die Gefühle drinnen bleiben, gehen sie eher in das vegetative
Gehirn und machen irgendwelche Krankheiten.

[01:46:18.960] – Bemerkung 64
Mütter die eine Depression haben, werden von den Kindern aufgeheitert.

[01:46:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits heitern sie die Mutter auf oder sie hängen die Mutter ziemlich bald ab und
suchen etwas anderes.

[01:46:35.510] – Bemerkung 65
Die Kinder machen auf sich aufmerksam, weil die Mutter nicht präsent ist. Die Mutter ist
nur physisch präsent. Das gibt einen Kreislauf, der sich hoch schraubt. Die Kinder sind
nur noch am schreien, weil sie merken, dass die Mutter nicht vorhanden ist. Wenn wir
diese Kinder nehmen, weil die Mutter eine Auszeit braucht, dann rufen die Kinder immer
nach dieser Mutter. Die Mutter erträgt das Kind nicht, weil ihr alles zuviel ist. Das gibt
einen verrückten Kreislauf.

[01:47:08.570] – Bemerkung 65
Das Gefühl ich werde allein gelassen.

[01:47:33.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud sagte, dass alles was in den ersten drei Jahren geschehen ist, ist
absolut prägend, für das ganze Leben. Das sagt man heute nicht mehr. Wir können
nicht in diese Gehirne reinschauen.

[01:47:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud

[01:47:33.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder nehmen sich etwas davon mit. Manchmal kommt es später auch wieder
raus, ein grosses Gefühl der Verlassenheit. Es ist schwierig zu sagen. Wir können nicht
in diese Gehirne reinschauen.

[01:47:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Gott sei Dank hat der Mensch sehr viele Möglichkeiten zum wieder auskorrigieren,
sonst würden wir nicht überleben.

[01:47:57.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, wenn es in den ersten drei Jahren schwierig gelaufen ist, hat man das
Leben lang Schwierigkeiten.

[01:48:03.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Kinder können früh die Mutter abhängen und sich alles irgendwo beschaffen
gehen, so wie Romulus und Remus, die zur Wölfin gehen.

[01:48:12.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die holen es irgendwo anders.

[01:48:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so Kindern, wenn man diese auf der Strasse sieht, man schaut sie an, die würden
gleich mit einem mitkommen.

[01:48:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die suchen sich dann Bezugspersonen irgendwo anders. Die holen sich das.

[01:48:43.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kinder, welche das nicht können. Die introvertierten Kinder, können das nicht so
gut. Die haben die Tendenz, eher ein wenig zu verkümmern.

[01:49:02.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die stillen Leider.

[01:49:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Spannung zwischen den Eltern kommt noch dazu.

[01:49:09.540] – Bemerkung 66
Ich finde es sehr wichtig, dass man die Kompensationsfähigkeit von Kindern und
Erwachsenen nicht vergisst. Sonst wird der Druck auf die Mütter dermassen gross.
Wenn man lebt, macht man Fehler, immer. Wie es rauskommt, weiss man nicht. Wir
haben alle in unserem Leben schwierige Phasen, wo wir auch zurück denken, an das,
was nicht so gut gelaufen ist, was gut gelaufen ist. Grundsätzlich versucht es jede
Mutter und jeder Vater so gut wie möglich zu machen. Das finde ich sehr wichtig. Man
muss auch den Blick auf die Probleme richten. Der Druck, wenn es einem nach der
Geburt schlecht geht, der wächst ins Unermessliche.

[01:50:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat so viele Möglichkeiten, sich die Dinge zu holen. Das Kind hat so viele
Kompensationsmöglichkeiten. Im Lauf des Lebens, kann sich hier wieder ganz viel
ausgleichen.

[01:50:38.310] – Bemerkung 66
Als Mutter habe ich auch ganz viele Möglichkeiten, auch Sachen wieder zu
kompensieren, die vielleicht einen Moment lang nicht gut gelaufen sind, länger oder
kürzer.

[01:50:48.420] – Bemerkung 66
Auch da sind Kompensationsmöglichkeiten absolut wichtig.

[01:50:55.950] – Bemerkung 67
Als selber Betroffene muss ich dazu sagen, dass die Angehörigen und insbesondere die
Kinder wahrgenommen werden müssen.

[01:51:02.610] – Bemerkung 67
Lange Zeit sind in der Psychiatrie nur die Patienten behandelt worden. Die Angehörigen
waren nirgends. Wenn man als Kind nie erfährt, was los ist, dann nimmt man als Kind
alles auf sich. Dann hat das Kind noch mehr Probleme in seinem Rucksack. Das ist die
Problematik. Wahrnehmen und über die Probleme zu sprechen, das ist wichtig.

[01:51:05.610] – Bemerkung 66
Kompensieren muss man, das ist klar. Wenn die Phase nach der Depression vorbei ist,
muss das angeschaut werden, klar.

[01:51:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrnehmen, sich getrauen darüber zu sprechen, nicht Angst haben, dass das zu intim
ist. Es ist nichts zu intim, es darf auf den Tisch.

[01:52:23.320] – Bemerkung 67
Es gibt viele Mütter und Väter, welche nicht zusammen sprechen. Es wird dann einfach
über den Kinderarzt gelöst.

[01:52:23.650] – Bemerkung 67
Kurz nach der Befruchtung hat das Kind Gefühle.

[01:52:23.820] – Bemerkung 67
Wir haben Szenen gesehen, wo die Mutter das Kind korrekt wickelt, aber mit dem Kind
nicht kommuniziert. Das Kind ist nie schmutzig, das Kind ist gut angezogen. Das Kind
hat sich mit der Zeit von der Mutter abgewendet.

[01:53:14.090] – Bemerkung 67
Es gibt Berichte, wo solche Kinder gestorben sind.

[01:53:14.450] – Bemerkung 67
Das sprechen mit dem Kind, ist sehr wichtig.

[01:53:18.530] – Bemerkung 67
Viele Mütter sagen mir oft: warum öffnet das Kind bei ihnen immer die Augen?

[01:53:18.630] – Bemerkung 67
Das Sprechen und der Kontakt ist sehr wichtig. Die Kinder verstehen viel mehr als wir
meinen.

[01:54:03.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Was antwortet ihnen die Mutter, wenn sie diese fragen, weshalb sie nicht mit dem Kind
spricht?

[01:54:24.980] – Bemerkung 67
Ich sage jeder Mutter, dass sie viel mit ihrem Kind sprechen soll.

[01:54:25.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sprechen mit dem Kind animiert das limbische System. Sprache ist Musik, die rüber
kommt. Die Modulation der der Stimme.

[01:54:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Kinder hören das.

[01:54:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch demente Leute, welche den Inhalt nicht mehr verstehen, mit diesen muss man
auch sprechen. Sie hören den Redefluss, sie hören die Stimmung von einem. Ist man
ihnen gut gesinnt. Ist man verrückt? Man spricht mit den Tieren, die verstehen nicht
alles. Tiere hören die Stimme und sie hören wie man gestimmt ist. Das ist wichtig.

[01:54:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommunikation ist die Nummer eins.

[01:55:09.440] – Bemerkung 68
Ich hatte ein Mutter, die viel mit dem Kind gesprochen hat.

[01:55:11.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand, der depressiv ist, bei dem ist die Batterie unten, dann spricht er auch nicht
mehr.

[01:55:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit den Leuten sprechen, Dinge raus finden, nicht erschrecken, vielleicht
bringt man sie auch wieder zum sprechen.

[01:55:23.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst immer zusätzliche Leute reinholen, welche selber Unterstützung geben können,
Ersatzfiguren, etc.

[01:56:21.300] – Pause
Pause

[01:56:34.630] – Bemerkung 69

Die Mutter war am Tisch neben dem Kind und hat irgendwo hin gestarrt. Es entstand
der Eindruck, dass die Mutter sehr beschäftigt ist. Es ist aber nichts dabei heraus
gekommen.

[01:56:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Überbeschäftigtsein.

[01:56:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der emotionale Turbo abläuft, können viele Emotionen hoch gehen, sodass das
Gehirn, die Kognition zusammenbricht.

[01:56:56.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch viele Impulse in das Stammhirn gehen. Dort können zwanghafte
Beschäftigungen ausgelöst werden.

[01:57:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Psychose kann es zwei bis fünf Jahre dauern, bis man die Diagnose stellt.

[01:57:16.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wird die Psychose auch verkannt, weil diese Personen viele Geschäftigkeiten,
Zwanghaftigkeiten haben.

[01:57:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal wirken diese Personen auch depressiv. Wenn man dann ein
Antidepressivum gibt, werden sie gleich psychotisch. Das treibt an und macht die
Psychose.

[01:57:44.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen kommen einem komisch vor. Sie funktionieren nicht mehr normal. Sie
reagieren nicht normal. Das was sie tun, ist eher roboterhaft.

[01:58:02.490] – Bemerkung 70

Eine Mutter hat 1.5 Stunden den Schnuller und den Schoppen geputzt.

[01:58:03.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Schnuller und Schoppen putzen, diese manuelle Geschäftigkeit, das ist eine Art ein
Ritual um die Angst runter zu holen.

[01:58:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Naturvölkern, wenn man Angst hat vor Regen, Blitz und Donner, dann haben
sie in ihren Reismühlen gestampft, um die bösen Geister zu vertreiben.

[01:58:36.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Schnuller und dem Schoppen, vertreibt man die bösen Geister, welche im Kopf
oben sind.

[01:58:46.570] – Bemerkung 70
Wir konnten danach auch wieder besser kommunizieren. Die Mutter war offener.

[01:58:52.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft drehen die Mütter irgendwelche Gedanken im Kopf, welche sie einem nicht sagen.
Die Mütter versuchen sich so noch einigermassen funktionstüchtig zu behalten.

[01:58:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System bricht zusammen. Die Persönlichkeit bricht zusammen.

[01:59:19.680] – Bemerkung 71
Ich habe eine Frau im Wochenbett betreut, welche nie sagen konnte, dass etwas nicht
mit ihr stimmt. Wir sind dann mit dem Mann und der Schwiegermutter, einem guten
sozialen Netz, haben wir uns an den Tisch gesetzt. Sie konnte anfangs noch darüber
sprechen. Mit jedem Besuch hat sich etwas verändert. Die Frau hat überall Post-It's hin
geklebt, an den Kühlschrank, an den Schoppen. Sie konnte mit ihren eigenen Worten
sagen: ich kann nicht mehr klar denken.

[02:00:15.150] – Bemerkung 71
Dann habe ich sie angesprochen und gesagt: jetzt ist der Moment gekommen, um
professionelle Hilfe zu holen. Sie wollte das. Sie hat jemanden bei gezogen. Sie kommt
nicht daraus heraus. Sie hat keine Beziehung zum Kind, das hat alles der Mann und die
Schwiegermutter übernommen. Die Schwiegermutter ist aus Italien angereist. Sie ist
nach wie vor in Behandlung und bekommt Medikamente.

[02:00:43.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie läuft ihre Beziehung zum Mann? Wie spürt man die Beziehung?

[02:01:07.590] – Bemerkung 71
Die Beziehung spürt man nicht. Es ist ein funktionieren. Das Wochenbett war von
Anfang an durchgeplant. Zum Glück waren die Leute da unten konnten übernehmen.

[02:01:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann ist Italiener und die Frau ist Schweizerin? Was ist mir ihren Eltern?

[02:01:39.840] – Bemerkung 71
Ihre Eltern waren komplett überfordert. Die konnten nicht übernehmen.

[02:01:45.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für eine Beziehung habe die Eltern zu ihrer Tochter?

[02:01:50.400] – Bemerkung 71
Es war auch ein Funktionieren, nicht emotional.

[02:01:59.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiefer unten stecken massive Beziehungsprobleme. Darüber darf man nicht sprechen,
dann ist man dysloyal, dann bewirft man seine Familie mit Dreck. Dort müsste man
beginnen. Rein mit Medikamenten geht das nicht weg. Das bekämpft nur das Symptom.
Diese Frau hat tief unten irgendwo eine grosse Wut auf etwas, wahrscheinlich ihre
Eltern.

[02:02:35.430] – Bemerkung 71
Sie konnte sagen, dass etwas nicht mehr mit ihr stimmt, dass sie nicht mehr sich selber
ist.

[02:02:35.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer: hirnt es? Das wäre der Turbo? Dann kommt die Antwort: ja! Dann frage
ich: worüber hirnt es? Was ist das Thema?

[02:02:35.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst kommt dann meistens etwas Oberflächliches. Dann muss man weiter boren
gehen. Es hirnt etwas, was sie gar nicht loslässt.

[02:03:09.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann Medikamente nehmen, geht das Gefühl ein bisschen weg, das Problem
ist jedoch nicht gelöst.

[02:03:10.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einer Frau ist das Problem eher bei der Ursprungsfamilie, der Herkunftsfamilie.

[02:03:20.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme immer den ganzen Stammbaum auf. Vielleicht sehe ich dann ein paar
Anhaltspunkte, wo man schauen kann, wo es nicht klappt.

[02:03:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die psychiatrische Behandlung beginnt, wird für die Psychose nur das
Medikament gegeben. Die Störfaktoren dahinter, werden in der Regel nicht
angegangen.

[02:03:35.580] – Bemerkung 72
Ohne Medikamente würde gar nichts mehr funktionieren.

[02:03:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schon Medikamente geben, aber man sollte zusätzlich noch die
archäologische Arbeit leisten.

[02:03:59.840] – Bemerkung 72
Das ist eindrücklich.

[02:04:07.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denken sie, wie es hier weitergeht? Wird sich dieser Mann irgendwann trennen
von seiner Frau? Hatte die Frau einen Beruf vor der Schwangerschaft?

[02:04:16.670] – Bemerkung 73
Sie war eine Topmanagerin, sie hatte eine hohe Position, sehr klar, sehr strukturiert.
Sehr exakt.

[02:04:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollte die jemals Mutter werden? Das wäre eine weitere Frage. Falls sie von ihrem Job
nicht Abschied nehmen wollte, weil sie dort gut war, dann steht sie im Dilemma, Mutter
zu sein. Eigentlich möchte sie das nicht und dann hat sie gar nichts.

[02:04:44.090] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich muss man sie vom Schuldgefühl befreien, dass sie auch ein Kindermädchen
nehmen kann, wie Kate Middleton oder Königin Elisabeth. Man holt sich eine Hilfe rein
und macht das andere, wo man gut ist. Die hat das Problem nicht gelöst.

[02:05:13.130] – Bemerkung 73
Der Kindsvater hat übernommen.

[02:05:18.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie geht nicht wieder arbeiten?

[02:05:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie merkt, dass ihre Kognition nicht mehr richtig funktioniert, dass etwas nicht mehr mit
ihr stimmt. Diesen Menschen erkläre ich, was bei ihnen abläuft, dass es hirnt, was ist
denn das?

[02:05:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen muss man dazu bringen, was die Emotionen sind. Die ist, dass man die
verschiedenen Emotionen einzeln benennt. Wut, Angst, Trauer, Eifersucht,
Beschämung, schlechtes Gewissen, Schuldgefühl. Sie muss diese Gefühle benennen.

[02:05:57.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sein, dass sie Schuldgefühle hat, dass sie jetzt keine gute Mutter ist und jetzt
ist sie gar nichts mehr, weder Berufsfrau noch Mutter.

[02:05:58.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage lautet, ob sie nicht lieber wieder Berufsfrau werden möchte, und das Mutter
sein lieber einem Kindermädchen oder ihrem Mann abgeben möchte?

[02:06:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist stecken geblieben. Was war der Beruf ihrer Eltern? Hatten die ein hohes Niveau?

[02:06:20.440] – Bemerkung 73
Die waren Arbeiter.

[02:06:22.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sie etwas aufgegeben, was die Eltern nicht hatten. Das ist alles ein wenig
spannungsgeladen.

[02:06:32.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie noch Kontakt mit ihr?

[02:06:32.800] – Bemerkung 73
Sie ruft immer mal wieder an.

[02:06:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie sie mal ein bisschen aus.

[02:06:47.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich schon viele Jahre mit der Psychose, ich therapiere die Psychose
auch.

[02:06:48.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist es sehr sehr schwierig. Ich gehe immer auf die Suche.

[02:07:11.200] – Bemerkung 74
Was ist der Ursprung bei der Wochenbett Psychose?

[02:07:11.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Ursprung ist ähnlich wie bei der Depression. Es sind einfach andere Leute.

[02:07:18.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Personen, welche eine Psychose machen, haben oft eine starke Emotionalität,
welcher stark zurück gebunden ist. Das macht dann den Turbo, welcher die Kognition
zerstört.

[02:07:35.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depressiven sind oft nicht so emotional, eher ruhige Gemüter. Dann ist der
Speicher einfach leer.

[02:07:41.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühlsmässig läuft innerlich etwas, aber es wird völlig unterdrückt.

[02:08:06.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der psychotisch wird, auf Schweizerdeutsch sagt man verrückt, er spinnt.

[02:08:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Schweizerdeutsch ist wütend und spinnen das gleiche Wort.

[02:08:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
In bin verrückt, ich drehe durch.

[02:08:13.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche psychotisch werden, haben sehr starke Emotionen, lassen die aber
nicht raus, behalten die Dinge unter der Decke, sie sind gute Verdränger.

[02:08:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich müssten sie etwas in ihrer Situation verrücken. Sie müssten etwas
verändern, tun das aber nicht und zwingen sich zum gleich weiter machen. Dann
explodieren sie.

[02:08:55.770] – Bemerkung 75
Eine Frau war für 1.5 Stunden nicht mehr ansprechbar. Sie hat sich ausgeklinkt. In der
Therapie ist etwas angestanden, wo sie hätte weiterarbeiten müssen. Wo geschieht das
Ausklinken?

[02:09:11.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein katatoner Zustand. Das Ausklinken ist eine Fluchtreaktion, eine
Verweigerungshaltung. Es ist eine Trotzhaltung.

[02:09:28.750] – Bemerkung 75
Sie will einfach nicht.

[02:09:37.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Fluchtreaktion, ein Totstellreflex, Schreckstarre. Man stellt sich wie tot. Man
hört alles aber man bricht ab.

[02:10:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Schwelle nicht mehr überschreiten. Es ist eine Spaltung zwischen dem
limbischen System und dem Grosshirn.

[02:10:20.540] – Bemerkung 76
Was ist der Unterschied zwischen Neurose und Psychose?

[02:10:35.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie gibt es verschiedene Erklärungsmuster.

[02:10:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Neurose ist ein Begriff, welcher Sigmund Freud definiert hat.

[02:10:45.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neurose gehört zum Gesünderen.

[02:10:48.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht von einer neurotischen Depression.

[02:10:50.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression gehört meistens in die Neurose rein.

[02:10:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage spricht man von einer Anpassungsstörung. Man ist depressiv wegen einer
Situation.

[02:11:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Neurotiker, wir haben alle ein bisschen eine Neurose, die sind noch angepasst, die
funktionieren, die haben vielleicht viele Schuldgefühle. Die sind vielleicht ein wenig
zwanghaft oder haben andere, kleinere Symptome. Sie sind funktionstüchtig.

[02:11:13.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Psychotiker klinkt sich aus. Die funktionieren nicht mehr. Die haben zum Umfeld
keinen realistischen Bezug mehr, sie interagieren nicht mehr normal.

[02:11:37.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In der akuten Psychose sind sie steif und abgeschaltet.

[02:11:39.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es herrscht eine Überwachsamkeit, aber das Ganze funktioniert nicht mehr zusammen.
Es wird abgespalten.

[02:11:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie ein Schockzustand, wenn man von einem Einbrecher erschreckt wird und
sich nicht mehr bewegen kann. Eine Schreckstarre, Totenstarre. Sie sind erstarrt.

[02:12:01.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es länger geht, dann beginnen sie, Theorien zu entwickeln, sie beginnen zu
denken und dann treten Wahnsysteme auf, Verfolgungswahn, Grössenwahn. Diese
Vorstellungen haben meistens etwas mit ihnen zu tun. Die Wahnvorstellungen kann
man interpretieren.

[02:12:26.880] – Bemerkung 77
Die sehen dann Mäuse?

[02:12:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, Mäuse sehen die Alkoholiker. Das ist ein anderes Symptom.

[02:12:46.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Alkoholiker sedieren ihr Gehirn mit dem Alkohol. Wenn man ihnen den Alkohol
wegnimmt, dann haben sie Entzug, dann überschiesst das. Die sehen dann Mäuse,
Tiere, kleine Elefanten. Das ist typisch für die Alkoholiker.

[02:12:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum genau, weiss ich nicht. Das ist ein Erfahrungswert.

[02:13:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Visuelle Halluzinationen haben Schizophrene in der Regel nicht. Das haben nur die
Drogensüchtige mit LSD.

[02:13:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Schizophrene hören Stimmen und haben irgendwelche komischen Vorstellungen.

[02:13:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zu mir nicken, dann denke ich als Psychotikerin, dass sie einen bösen Blick
haben, sie wollen etwas gegen mich machen. Schizophrene interpretieren Dinge falsch.
Sie beziehen alles auf sich. Der Radio spricht zu ihnen. Auf der Strasse sind plötzlich
alle Leute wegen ihnen. Das ist eher ein Grössenwahn. Wenn man im Facebook ist, hat
man immer einen Grössenwahn.

[02:13:36.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Ausländerin war mit einem Schweizer unglücklich verheiratet.

[02:14:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ihr schlecht ging, hat sie sich einfach mit einem Filmstar unterhalten. Danach
ging es ihr besser.

[02:14:18.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die späteren Symptome, wenn eine Psychose länger läuft. Dann organisiert
man sein Gehirn neu.

[02:14:30.270] – Bemerkung 78
Können Frauen in der Wochenbett Psychose dem Kind etwas antun?

[02:14:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja.

[02:14:33.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frauen sind dann unrealistisch. Sie haben eine starke Angst. Sie haben einen
Kontrollverlust. Der Kontrollverlust löst eine grosse Angst aus. Sie machen sich dann
alle Vorstellungen, dass ihnen die Kinder weg genommen werden, geraubt, getötet
werden von einem Bösewicht. Diese Frauen bringen dann ihre Kinder lieber selber um,
als dass sie ihre Kinder der Welt ausliefern.

[02:14:44.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine tragische Geschichte aus Schottland. Die Mutter war in psychiatrischer
Behandlung, sie war depressiv. Der Arzt hat zur Mutter gesagt: was werden ihre Kinder
tun, wenn sie sich das Leben nehmen? Dann hat sie ihre Kinder umgebracht. Sie
bringen immer zuerst die Kinder um und versuchen dann sich selber umzubringen und
das gelingt dann nicht immer.

[02:15:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern gelingt das, wenn die ihre Rivalen erschiessen, dann die Familie und
am Schluss sich selber.

[02:15:55.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen erschiessen sich meistens nicht selber, dann klappt es nicht bei sich selber. Die
Frau hat dann die Kinder umgebracht und war selber noch am Leben.

[02:15:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine Frau mit einer Postpartalen Psychose in Königsfelden. Sie hatte zwei
Kinder. Der Mann war ein Alkoholiker. Die Frau hat sich gar nicht unterstützt gefühlt
durch den Mann. Der Haushalt war perfekt, die Kinder gut versorgt. Sie hat sich
komplett überfordert gefühlt. Das Umfeld hat das nicht gemerkt. Man ging schauen, es
war alles schön brav. Man hat nicht auf seine Buchgefühle gehört. Dann hat sie die
Kinder umgebracht und selber ist es ihr nicht gelungen.

[02:16:22.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Leuten, wo sie merken, dass eine Psychose vorliegt, muss man aufpassen, dass
man keinen Druck auf die Frau aufsetzt. Dann ist die Chance grösser, dass sie die
Kinder umbringt. Daher muss man die Kinder sofort wegnehmen oder die Mutter gleich
mit den Kinder irgendwo hin tun oder sich sanft an sie rantasten. Wenn man der Mutter
Angst macht, dann macht sie es eher.

[02:17:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich bei den Katzen erlebt. Wenn wir Kinder die jungen Katzen zu stark gestört
haben, hat die Katze ihre Brut verschleppt.

[02:17:01.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erleben wir auch bei den Mütterberaterinnen. Die haben eine psychotische Mutter,
eine präpsychotische Mutter. Wenn man ihnen zu dringlich sagt, dass sie Hilfe holen
müssen, ziehen sie in einen anderen Kanton, in eine andere Region. Sie verschleppen
auch ihre Brut.

[02:17:39.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Zeichen, es liegt eine Psychose vor. Dann muss man anders vorgehen.

[02:17:50.250] – Bemerkung 79
Eilt immer eine Wochenbett Depression der Psychose voraus?

[02:17:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, es kann direkt in die Psychose gehen. Manchmal rutscht es so rüber. Es kann
direkt ein eine Psychose gehen. Es kann gleich abhängen.

[02:18:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depressiven, die sagen es noch, dort sieht man die Tränen. Bei den Psychotikern
ist alles zu, eingeschlossen.

[02:18:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist ein Teil des Problems bei den Psychotikern, dass sie gar keine Gefühle
rauslassen. Ihre Gefühle bringen sie dann völlig zum abschalten. Sie spalten voll ab.

[02:18:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es an den Augen. Psychotiker schauen durch sie durch. Es herrscht kein
guter Augenkontakt.

[02:18:18.230] – Bemerkung 80
Kann man den Psychotikern in den meisten Fällen helfen? Nicht nur mit
Medikamenten? Man muss den Dingen auf den Grund gehen. Das ist ein schwieriger
Job.

[02:18:54.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau hatte ich Mütterberaterinnen mit psychotischen Müttern. Man sieht es gleich
an wenigen Symptomen. Dann schau sich gleich um.

[02:19:04.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Im einen Fall gab es eine ambivalente Beziehung zwischen Tochter, Mutter und
Grossmutter. Die Mütterberaterin hat die Grossmutter reingeholt und mit der
Grossmutter gearbeitet, das Ganze begleitet. Die Mutter musste nicht hospitalisiert
werden.

[02:19:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde versuchen eine psychiatrische Spitex Schwester zu holen. Die kann mit
solchen umgehen. Es geht darum die Mutter aufzufangen, abzufangen. Nicht der Mutter
Angst machen.

[02:19:35.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man Angst macht, wird alles schlimmer. Man muss selber total ruhig sein, selber
keine Angst haben um sie zu beruhigen. Das ist auch wieder eine Regel. Wenn man mit
einem System in Kontakt tritt, das sehr ängstlich ist, die sind alle auf einem hohen

Angstpegel, wenn man ein bisschen weniger Angst hat und ruhiger ist, mit ihnen
Kontakt macht, dann beruhigen sich die Psychotiker auch.

[02:20:07.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld rein nehmen und schauen, was man mit deren Unterstützung machen
kann.

[02:20:08.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer im natürlichen Umfeld zu behandeln und nur in allergrösster Not
heraus reissen und in die Psychiatrie tun.

[02:20:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer nochmals ein Trauma. Sie fühlen sich beschämt, als Versager, das macht
wieder Stress und sie behalten den Stress.

[02:20:35.380] – Bemerkung 81
Dann ist man Mutter, Grossmutter und Schwiegermutter. Gute Nacht.

[02:20:47.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie meinen als Betreuerin?

[02:20:49.450] – Bemerkung 81
Ja, selber als Privatperson.

[02:20:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ihnen läuft ja alles gut.

[02:20:49.600] – Bemerkung 81
Ja, ich hoffe das bleibt auch so.

[02:21:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir besprechen hier schwierige Fälle.

[02:21:23.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht alle Hebammen, viele von ihnen sind Hebammen. Ich sehe, die
Hebamme muss sehr schnell richtig handeln können. Es geht um die Geburt und man
hat nicht so viel Zeit. Wenn man es falsch macht, dann ist es falsch.

[02:21:23.930] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie ist das anders.

[02:21:51.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe ihnen etwas ganz anderes bei.

[02:21:51.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe, sie hätten gerne eine Lösung, damit die Geburt gut geht.

[02:21:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss ihnen hier etwas anderes bei bringen.

[02:21:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geburt müssen sie darauf achten, dass diese gut geht.

[02:21:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Psychose und der Depressionen dürfen sie Fragen stellen, sie dürfen
konfrontieren, sie dürfen sich als Mensch mit der Familiensituation auseinandersetzen.

[02:22:27.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar keine Lösung haben.

[02:22:27.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für sie als Hebammen fremd.

[02:22:33.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen die Person gerne weiter geben, dass es jemand anderes weiter macht.

[02:22:39.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist hilfreich, im Moment, wo sie zusammen sind, eine sinnvolle Begegnung haben,
eine menschliche, authentische Begegnung haben und Fragen stellen dürfen.

[02:22:52.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Anstatt Probleme lösen zu wollen, können sie eine Art Geburtseinleitung machen zur
Problemlösung.

[02:23:05.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Erfahrungen im Biologischen.

[02:23:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das System richtig antippt, auf eine geschickte Art und Weise antippt, dann
macht das System ganz viel selber.

[02:23:20.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee kommt auch ein bisschen von der Eigenblutinjektion.

[02:23:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man füttert Dinge zurück in das System, welche aus dem System heraus kommen.

[02:23:28.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System sagt einem etwas. Man kaut das durch.

[02:23:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem die Person einem sagen muss was ist, in dem etwas transparent wird, in dem
man das zurück spiegelt oder das einfach nur entgegen nimmt, kann das schon sehr
viel Klärung für das System geben.

[02:23:55.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man nicht unterschätzen.

[02:23:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ganze ohne, dass sie die fertige Lösung haben.

[02:23:56.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur findet dann oft einen weiteren Weg, es muss ihr einfach über eine Schwelle
hinweg geholfen werden und dann geht es weiter.

[02:23:56.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Hebamme können sie im Seelischen Sinne auch Geburtshelfer sein.

[02:24:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Geburtshelfer, dass nachher ein weiterer seelischer Prozess abläuft, ohne dass sie
wissen, wo der hin geht.

[02:24:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben oft die Vorstellung, dass wir die Lösung bereits im voraus wissen müssen,
dass man nur etwas machen darf, wenn man die Lösung weiss.

[02:24:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Lösung überhaupt nicht im voraus kennen.

[02:24:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Witz unter den Medizinern: der interne Mediziner, der weiss alles, aber kann nichts
machen. Er hat viel Diagnostik und ist hilflos.

[02:24:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Chirurg, der weiss überhaupt nichts, aber der kann sehr viel machen, der schneidet
einfach auf und macht irgendetwas. Dann ist er der König.

[02:24:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Psychiater, der weiss nichts und kann nichts. Das hat mir mal ein Chirurg gesagt.

[02:24:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Antwort lautet: ja, dafür lernt er ständig.

[02:24:56.960] – Dr.med. Ursula Davatz
An einem Familiensystem können sie lernen und sie können das System zum lernen
bringen.

[02:25:02.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Geburtshilfe zum Lernen.

[02:25:17.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in diesem wichtigen Moment mit dem Familiensystem zusammen sind, wo ein
neues Leben auf die Welt kommt, da ist das System sehr offen für alles. Dann sind sie
Geburtshelferin im doppelten Sinn.

[02:25:23.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können helfen, dass alte Knöpfe angegangen, angeschaut werden. Sie können
versuchen, diese alten Köpfe ein bisschen zu lösen.

[02:25:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In welchem Zustand kann man ein Business System zu einer gesunden Veränderung
bringen?

[02:25:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht wenn es dem System sehr gut geht, alles ruhig ist. Dann ist das System gar nicht
daran interessiert, etwas zu ändern. Auch nicht im Zenit der Krise, dann wird alles
abgewehrt.

[02:25:51.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychotiker befinden sich im Zenit ihrer Krise. Dann darf man ja nicht zu viel
vorschlagen oder verändern wollen. Sie müssen warten, bis sie das System ein wenig
beruhigt haben, durch ihren ruhigen Kontakt, in dem sie irgendetwas sprechen, Gugus
spielen mit der Bettdecke. Das beruhigt alles.

[02:25:55.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Er nachdem sie eine Beziehung hergestellt haben und alles ein wenig ruhiger ist, kann
man mit neuen Vorschlägen kommen.

[02:26:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein System kann man am besten verändern, wenn es leicht erregt ist, nicht in totaler
Panik und auch nicht im totalen Ruhezustand.

[02:26:35.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Zustand kommen die Hebammen oft an das System ran und können dort
auch etwas bewirken.

[02:26:55.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn für sie?

[02:26:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie nur aufmuntern, haben sie keine Angst, auch wenn es nicht ihr
Fachgebiet ist, das macht gar nichts. Sie sind Menschen und sie haben mit Menschen
zu tun. Sie haben ein natürliches, menschliches, soziales Gefühl.

[02:27:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie dürfen ganz natürliche Fragen stellen. Sie dürfen auch ihre Neugierde befriedigen.
Ihre Neugierde hilft, das System ein wenig zu analysieren. Das System macht dann
selber etwas damit.

[02:27:20.900] – Bemerkung 83
Als Hebamme bin ich gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, zu machen und Punkt.
Man muss sich das ganz anders überlegen.

[02:27:26.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist eine andere Denkweise. Das ist eine komplett andere Denkweise. Diesen
Lichtblick hatte ich. Beides geht und sie sind zwei Mal Geburtshelfer.

[02:27:30.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen keine Verantwortung dafür übernehmen, dass es fertig und abschliessend
gelöst wird.

[02:27:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen auch keine Angst haben, dass sie schlimme Dinge tun.

[02:27:36.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Psychiater machen es eher schlecht, weil wir meinen, dass wir noch mehr bohren
müssen.

[02:27:43.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Hebammen reagieren eher natürlich.

[02:27:43.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Möchte die Frau nichts sagen, dann lassen sie es sein.

[02:27:58.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens muss man nur ein wenig antippen und dann kommt der ganze Schwall. Die
erzählen ihre Geschichte noch so gerne.

[02:27:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie es antippen, haben sie dieser Person so viel Gutes getan, weil sie mal reden
darf.

[02:28:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hören ihr zu!

[02:28:06.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hört heute schon gerne zu? Es sind alle bereits bei der Lösung, bevor das Problem
erfasst wurde.

[02:28:06.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Problem nicht fertig erfasst haben. Sie müssen sich nur ein wenig
damit auseinandersetzen, neugierig weiter fragen.

[02:28:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Neugierig, menschlich, ganz natürlich. Sie werden nichts falsch machen.

[02:28:33.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf dem psychiatrischen Gebiet sind sie Laien und das ist besser.

[02:28:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben sie nicht allzu viele Konzepte im Kopf, was jetzt das genau ist. Keine
Schublade. Sie stecken den Menschen nicht in eine Schublade rein.

[02:28:43.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mögen es nicht, wenn man sie in eine Schublade reinsteckt.

[02:28:52.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich nehme sie auch immer mehr daraus heraus. Ich muss Diagnose stellen für die
Krankenkasse und einen anderen Arzt.

[02:28:57.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit dem Patient arbeite, ist die Diagnose unwichtig.

[02:29:13.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann mit ihnen zum Teil die psychischen Probleme lösen.

[02:29:17.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Vieles löst sich auch von selber.

[02:29:23.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sich im doppelten Sinn als Geburtshelfer sehen.

[02:29:25.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr interessant, wie sie die Geschichte erzählt haben.

[02:29:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gesagt: ich komme in zwei Tagen wieder.

[02:29:44.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau antwortete: kommen sie doch bitte morgen wieder.

[02:29:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe heraus gespürt, dass die ihnen ein Geheimnis anvertrauen wollte. Die hat ein
Geheimnis auf der Brust und dieses Geheimnis möchte sie loswerden.

[02:29:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wurden in dem Moment als Beichtfrau verwendet.

[02:30:04.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat eine sehr grosse Wirkung.

[02:30:06.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben mitgemacht. Sie hat es ihnen erzählt. Sie haben einfach zugehört. Der Frau
war es ein Anliegen, dass sie das sagen darf. Das ganze Thema war für die Frau eine
grosse Belastung.

[02:30:06.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Als sie gefragt haben: wem gleicht das Kind, sind sie voll in das rein getreten.

[02:30:21.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut. Sie haben es unbewusst richtig gemacht.

[02:30:39.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Bauchgefühl. Man weiss nicht was man macht und man macht es richtig.

[02:30:40.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben genau die richtige Frage gestellt und die Frau ist darauf zurück gekommen.

[02:30:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann einem gar nicht gleichen, weil es von einem anderen Mann kommt.

[02:30:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
So wurde das Geheimnis leichter gelüftet.

[02:30:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Frau hat es sehr geholfen, dass sie das sagen durfte.

[02:30:46.390] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man hier noch therapeutisch etwas hinzufügen möchte, kann man sagen: es gibt
sehr viel mehr Kuckucks-Eier als man denkt. Ok, warum nicht, es darf auch ein
Kuckucks-Ei sein.

[02:31:03.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sie fragen: tun sie sich moralisch verurteilen? Wird sie der Schwiegervater
verurteilen? Wissen es nur die Frauen? Möchten sie es gerne sagen?

[02:31:28.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann sagen sie es dem Kind? Das ist ein Thema. Sagen sie es dem Kind nie? Sie
muss gar nicht entscheiden. Das ist Thema. Diese Fragen kann man stellen.

[02:31:28.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Lösen müssen sie gar nichts, einen Tipp müssen sie auch nicht geben.

[02:31:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich nur noch ein bisschen mit dem System unterhalten.

[02:32:01.600] – Bemerkung 84
Sie würde da auch weiter reden? Ich möchte es nicht schlimmer machen.

[02:32:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen nichts schlimmer, wenn sie darüber sprechen.

[02:32:08.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen darüber fragen und sagen, dass das nicht so gewöhnlich ist.

[02:32:08.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können gleich generalisieren und sagen: wissen sie, es gibt viel mehr Kuckuckseier
als man denkt. Ja, das sind auch Kinder. Weshalb soll das schlimm sein?

[02:32:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann fragen: wer ist der Mann gewesen, wie hat sie ihn kennen gelernt? Was sagt
sie zum dem? Der hat ja Anrecht auf das Kind.

[02:32:31.690] – Bemerkung 84
Er weiss es.

[02:32:31.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie möchte er damit umgehen?

[02:32:31.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat seine eigene Familie.

[02:33:03.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Will sie ihrer Tochter dann mal sagen: das ist dein Ziehvater? Du hast einen
Spendenvater.

[02:33:13.840] – Bemerkung 84
Denkt sie dann nicht, dass ich neugierig bin?

[02:33:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das ist Verarbeitung.

[02:33:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau hat sehr darauf gedrängt, ihnen das Geheimnis zu erzählen. Dann dürfen sie
alles fragen. Möglichst natürlich darüber sprechen. Kein grosses Tabu daraus machen.

[02:33:46.570] – Bemerkung 85
Was ist mit dem sexuellen Problem zwischen dem Ehepaar? Führt das nicht zu einer
Spannung?

[02:34:07.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein längerfristiges Problem, das könnte man auch noch fragen. Kann sie mit
dem leben oder möchte sie das nicht? Dazu müsste sie zu einem Sexualtherapeuten
gehen.

[02:34:19.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können wir nicht so schnell lösen. Der Frau war es ein grosses Anliegen, ihr zu
beichten. Man darf über alles mit ihr sprechen.

[02:34:20.220] – Bemerkung 86
Vielleicht hat der Ehemann auch ein schlechtes Gewissen, weil es nicht geklappt hat,
ein Kind zu zeugen.

[02:34:49.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme es an.

[02:35:04.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwie fühlt er sich schuldig, dass er nichts Sexuelles mehr haben wollte mir ihr, sie
wollte noch ein Kind haben. Dann ist es passiert. Er hat die Hilfe geholt. Sie wollte
beichten. Das ist sehr interessant.

[02:35:38.550] – Bemerkung 87
Muss man die Frau fragen, ob man das weiter erzählen darf oder nicht.

[02:35:38.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde umgekehrt fragen. Wir haben nur eine sehr begrenzte Zeit zusammen,
möchten sie das noch weiter bearbeiten?

[02:35:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr begrenzt drinnen. In kleinen Schritten vorgehen.

[02:35:54.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Wer, mit wem. Möchten sie es mit der Mütterberaterin auch behandeln? Die unterliegt
auch dem Berufsgeheimnis.

[02:35:55.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Möchten sie zu einer Psychologin gehen? Nein lieber gar nicht?

[02:36:14.230] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man fragen. Möchten sie es noch mit jemandem weiteren bearbeiten?

[02:36:15.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht genügt es für sie schon, dass sie hier deponieren konnte.

[02:36:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollte die Geschichte unbedingt deponieren. Der Mann hat sie reingeholt, daher
dürfen sie alles fragen.

[02:36:43.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch: wollen sie es dem Kind mal sagen? Wollen sie es nie sagen? Wie
wollen sie es handhaben?

[02:36:43.410] – Bemerkung 88
Ich habe auch schon erlebt, dass es nicht rund läuft und dann habe ich nach gefragt.
Dann musste ich nicht mehr kommen.

[02:37:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht bei denen, die alles abdecken wollen. Dennoch. Die wollen immer als
heilige Familie da stehen. Sie haben denen auch nicht geschadet. Sie hat sich ja
gewehrt. Nur weil es solche gibt, die sagen: schauen sie mir nicht in den Fadenkorb
rein, darf man nicht bei all denen, die möchten, dass man bei ihnen reinschaut, nicht
reinschauen. Ich würde mich nicht nach denen richten.

[02:37:38.210] – Bemerkung 87

Ich habe die Mütterberaterin informiert. Mir ging es um die Zwillinge. Die Mütterberaterin
ist auch freiwillig, die muss man nicht aufsuchen. Das ist schwierig.

[02:37:58.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig, aber es ist kein Kunstfehler, wenn die Frau ihnen sagt, dass sie zu
neugierig sind.

[02:38:01.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin sage immer: ich bin neugierig von Beruf ist. Das ist mein Beruf.

[02:38:01.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sagen: wissen wie, wenn ich mehr weiss, kann ich ihnen auch mehr helfen.

[02:38:07.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht mir nur darum. Wenn ich ihnen zu nahe trete, dann akzeptiere ich das.

[02:38:07.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie sich nicht abschrecken, nur weil die Leute sagen: sie sind mir zu neugierig.

[02:38:28.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht um Moral und Höflichkeit.

[02:38:28.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um besorgt sein um diese Kinder. Sie haben das Recht besorgt zu sein um
diese Kinder.

[02:38:28.880] – Bemerkung 88
Das ist meine Pflicht.

[02:38:28.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau. Das ist unser soziales Verantwortungsgefühl.

[02:38:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Verantwortungsgefühl haben wir als Berufsfrau und auch als Mensch.

[02:38:51.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sehen, dass etwas nicht so gut ist, dann dürfen wir eine Frage dazu stellen.

[02:38:51.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschheit ist heute genügend stumpf und läuft einfach an allem vorbei. Wenn
man schon so nahe dabei ist, bringt man es nicht über sein Herz, sich nicht doch damit
abzugeben.

[02:39:00.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht gar nichts, wenn ihnen jemand sagt, dass sie zu neugierig seien.

[02:39:17.420] – Bemerkung 89
Wenn ich eine Familie betreue, wo ich finde, dass es nicht rund läuft, besuche ich
relativ lange. Dorthin gehe ich länger als nur zwei Wochen. Dorthin gehe ich zum Teil
bis zu zwei Monate, bis ich weiss, dass das Wochenbett abgeschlossen ist, die Zeit ist
vorbei, jetzt geht es mit Beratung weiter. Dann übergebe ich die Familie schriftlich der
Beratung.

[02:39:53.780] – Bemerkung 89
Mit der Aufhebung von der Kostenbeteiligung bei den Pathologien in der Mutterschaft
wird das sowieso aufgeweicht mit den zehn Tagen. Das wird nicht mehr haltbar sein.
Dann können wir Mütterberaterinnen unseren Auftrag auch besser ausfüllen.

[02:40:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie merken, es läuft nicht ganz so rund, dann spricht das wieder ihr
professionelles Gewissen an. Dann finde ich es adäquat, dass sie länger zur Familie
gehen.

[02:40:35.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Verrechnungssystem her müssen sie schauen wie sie es begründen.

[02:40:35.800] – Bemerkung 90
Man befindet sich dort in einer Grauzone.

[02:40:35.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das stört mich nicht. Wir machen es für die Frauen und die Kinder. Es ist sehr
präventiv. Alles was sie hier tun, helfen, ist präventiv und hat viel grössere
Konsequenzen, als wenn man hinterher wieder alles flicken muss.

[02:41:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Helfe ich präventiv und hat viel grössere Konsequenzen, als wenn wir hinterher alles
flicken.

[02:41:19.750] – Bemerkung 91
Ob ich jetzt den Gesetzestext wirklich sehr eng interpretiere und meine Arbeit in den
ersten zehn Tagen mache oder ob ich sage: hier steht die Betreuung im Vordergrund.
Ich interpretiere das einfach ein bisschen weiter.

[02:41:49.300] – Bemerkung 92
Ich hatte eine sehr beklommene Frau, die gesagt hat, dass sie sich nicht mehr selber
erkennt.

[02:41:49.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Kindheitserlebnisse der Frau anschauen. Wie gut war das Bonding mit
ihrer Familie, ihrem Vater, ihrer Mutter. Das klingt nach einem Nachholbedürfnis. Es
klingt auch nach Verlustangst. Eine wichtige Unterstützungsperson könnte mir verloren
gehen.

[02:42:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Man versteht einen Menschen viel besser, wenn man seine Geschichte kennt. Ich habe
ein Buch mitgenommen von Sandra Konrad: das bleibt in der Familie.

[02:42:16.212] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1032684789

[02:42:33.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie zeigt in ihrem Buch, wie Familiengeschichten über Generationen hinweg einen
Einfluss haben. Es ist sehr natürlich beschrieben. Man kann es gut verstehen. Sie als
Hebamme und Wochenbett Betreuerinnen sind wirklich in einer wichtigen Phase, in
einer offenen Phase bei der Familie.

[02:42:34.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da lohnt es sich, wenn sie ein wenig die Zusammenhänge sehen.

[02:43:19.320] – Bemerkung 93
Ich war anfangs auch vorsichtig mit meiner Neugier und habe gemerkt, dass ich den
Frauen so nicht helfe. Ich hatte Angst, dass die Frauen nicht mehr kommen würden. Ich
habe es nie negativ erlebt. Wenn ich nicht neugierig bin und es nicht anspreche, dann
dümple ich einfach nur oberflächlich rum. Das hilft auch nicht. Zum Teil sind die Frauen
einfach noch nicht bereit.

[02:44:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Überall wo man abgewiesen wird, geht es oft in den Tabubereich rein. Wenn wir mit
dem Tabu mitmachen, dann helfen wir dem System nicht.

[02:44:24.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, wenn wir in einen Tabubereich rein kommen, dass man nicht wertend fragt.
Keine Wertvorstellungen haben, keine Verurteilungen, nichts. Sich einfach nur neutral
durchtasten.

[02:44:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Neugierig, Anteil nehmen, einfach fragen.

[02:44:39.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beispiel zu so einem Problem. Ich habe die dann später.

[02:44:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Knaben, der ist mit 14 Jahren delinquent geworden und völlig aus dem
Rahmen gefallen. Wie ist das gelaufen?

[02:44:48.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ging in den Biologie Unterricht, hat sein Blutgruppe bestimmt. Zu Hause hat er
gesagt, dass seine Blutgruppe nicht stimmt.

[02:44:48.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann musst die Mutter zugeben, dass er einen Leihvater hatte. Es war eine künstliche
Befruchtung. Das ist nicht dein Vater.

[02:44:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sein ganzes Weltbild ist dann durcheinander gefallen und er ist in eine tiefe Krise
gefallen. Er kam in ein Erziehungsheim. Ich habe ihn eine zeitlang begleitet. Ich habe
die Eltern begleitet, es waren Engländer. Ich musste dem Knaben einen neue
Geschichte geben. Er musste sich neu orientieren. Er musste eine neue Beziehung zu
seinem Ziehvater entwickeln. Das braucht ein Umdenken im Gehirn.

[02:46:13.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat in betrogen und nicht gesagt, was es gewesen ist.

[02:46:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat dann eine Lehre abgeschlossen. Ich habe jetzt nichts mehr gehört. Ich hoffe, es
geht im gut.

[02:46:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist ein Erdbeben.

[02:46:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist dann: wann sage ich des dem Kind?

[02:46:26.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie gut.

[02:46:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte es nicht erst in der Pubertät sagen.

[02:46:33.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist das Schlimmste, dort ist ohnehin schon alles aufgebrochen,
durcheinander.

[02:46:34.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch nicht gleich im Kleinkindalter. Die müssen sich noch eine Beziehung schaffen.

[02:46:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher in der Vorpubertät, in der Latenzzeit, zwischen sieben und zwölf.

[02:46:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es sich vornehmen.

[02:46:53.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man eine Art Geschichte macht.

[02:46:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon ein paar Mal das Wort narrative Rekonstruktion verwendet.

[02:47:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Da ist es nicht eine Rekonstruktion, da ist es eine narrative Konstruktion.

[02:47:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich eine zusammenhängende Geschichte machen, welche stimmig ist.

[02:47:16.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: wir sind ein Paar aber irgendwo hat es im sexuellen irgendwo nicht
geklappt, das ist passiert und du bist in diesem Sinne ein Glückskind, von einem
anderen Vater.

[02:47:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man seine Haltung kund tun.

[02:47:38.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin froh, dass ich das Kind habe. Ich wollte das Kind haben.

[02:47:38.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage kann man an die Samenbank: ich will einen blonden, so gross, so schwer,
athletisch, so und so gescheit. Davon will ich Samen haben um ein Kind zu bekommen.

[02:48:17.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss sie vom Vater noch etwas erzählen können.

[02:48:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommt meine Neugier. War es eine Affäre? War es eine Liebesbeziehung? War sie
begeistert von ihm? Was ist es gewesen? Wollte sie einfach ein Kind? Haben sie ein
Gefühl dafür?

[02:48:31.400] – Bemerkung 94
Das hatte mit ihrem Sexualleben zu tun. Sie fühlte sich angezogen. Es war eine
Kurzschlussreaktion. Nicht verliebt.

[02:48:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dieser Sicht ist er ein begehrtes Kind, ein impulsives, ein vitales Kind, es hat sofort
eingeschlagen.

[02:49:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur hat gesagt: also gut, jetzt gibt es ein Kind. Das ist nicht so schlimm.

[02:49:16.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auch ok. Man kann auch als nicht genetischer Vater zu einem Kind eine gute
Beziehung herstellen.

[02:49:16.890] – Bemerkung 95
IVF kommt häufig vor.

[02:49:37.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit kann man es auch vergleichen.

[02:49:42.210] – Bemerkung 95
Ist es nicht besser, wenn man da von Anfang an offen damit umgeht?

[02:49:42.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte es transparent machen und man sollte es sagen. Nicht schon mit zwei Jahre
sagen: das ist eigentlich nicht dein Vater, du hast einen anderen Vater. Das gibt kein
Konzept.

[02:49:42.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb sage ich ehr so ab Schulalter oder Vorschulalter.

[02:50:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich muss jedes Paar selber herausfinden, wann sie es sagen wollen.

[02:50:06.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher ist, dass es in der Pubertät eher zu spät ist.

[02:50:06.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stehe auch hinter dem, dass man es eigentlich sagen sollte.

[02:50:07.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind hat das Recht zu wissen, wer sein Vater ist.

[02:50:35.630] – Bemerkung 96
Es kommt eh irgendwann aus.

[02:50:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben die Kuckucks Kinder über ihre Position gesagt?

[02:50:49.610] – Bemerkung 97
Schlechte Gefühle, es braucht ganz viel Aufarbeitung. Es war nie positiv. Eine Frau hat
immer geweint.

[02:51:11.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sicher sagen. Von fünf bis elf Jahren. Nicht ganz klein.

[02:51:11.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Adoptivkinder habe ich das gleiche Problem. Ich begleite Eltern von Adoptivkinder,
welche ein Kind mit drei Monaten oder halbjährig adoptieren.

[02:51:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Haltungen.

[02:51:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage hat man immer die Haltung, dass man es sagen soll.

[02:51:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fachleute welche die Adoptiveltern begleiten, meinen man muss es sofort sagen,
immer sagen und immer Bezug zu der leiblichen Mutter nehmen.

[02:51:53.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich schwierig.

[02:51:53.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt ein Durcheinander und das Kind weiss dann nie auf wen es sich beziehen soll.

[02:51:58.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es ein wenig raus finden, wie es geht.

[02:52:03.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begleite ein Paar mit einem Adoptivkind aus Marokko. Das Kind hat eine andere
Hautfarbe, sieht anders aus. Das Mädchen hat lange gebraucht, bis sie sich an ihre
Adoptiveltern angewöhnt hat.

[02:52:04.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Adoptiveltern sind meistens ganz speziell besorgte Eltern.

[02:52:27.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Adoptiveltern muss man unterstützen, dass sie mehr in das Natürliche reinkommen.

[02:52:33.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine weitere Geschichte, wo ein Mann ein uneheliches Kind hatte. Dann hat er
geheiratet und dann hatte er noch zwei Kinder.

[02:52:34.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die uneheliche Tochter, die hat ihren Vater nie kennengelernt.

[02:52:41.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter der unehelichen Tochter, hat verboten, dass der Vater mit ihr Kontakt hat.

[02:52:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Als sie schwanger wurde, hat sie damit begonnen Fragen zu stellen und wollte wissen
wer ihr leiblicher Vater ist.

[02:53:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat dann Kontakt mit ihrem leiblichen Vater aufgenommen und eine Beziehung
hergestellt. Was ist passiert? Die Frau von diesem Mann wurde dann eifersüchtig auf
die uneheliche Tochter.

[02:53:03.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab einen Kampf. Der Vater hatte natürlich ein Nachholbedürfnis und hat die
uneheliche Tochter regelmässig gesehen. Er hat auch sein Enkelkind seiner Tochter
gesehen.

[02:53:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste dann eine Zusammenführung machen.

[02:53:31.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe längere Zeit mit dem Mann gearbeitet.

[02:53:35.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat nie richtig Stellung genommen.

[02:53:35.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat wusste nicht wie er sich zwischen den beiden Frauen verhalten muss.

[02:53:40.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich musste ihm helfen, damit er eine klare Stellung einnimmt.

[02:53:40.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier bin ich Frau und hier bin ich Vater.

[02:53:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten schlussendlich gemeinsam eine Sitzung.

[02:54:00.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo dann die Tochter und der Vater dabei war.

[02:54:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil habe ich ein Telefon der Tochter bekommen, dann wieder von der Frau. Der
Mann schwamm immer dazwischen.

[02:54:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben wir erreicht, dass es sich wieder entspannt hat und dass die
zusammen miteinander verkehren können.

[02:54:08.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Arbeit um die Systeme zusammen zu führen.

[02:54:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Familien, wo jedes Kind von einem anderen Vater ist, von einem Knecht, usw.

[02:54:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann immer tabuisiert. Ich sage: aufdecken. Es sind alles Kinder, es ist alles
lebendig. Man muss kein Tabu darüber legen.

[02:54:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einer Familie waren auch viele Kinder.

[02:54:57.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind war von einem anderen Mann. Dieses Kind wurde schizophren.

[02:54:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat gespürt, dass etwas nicht stimmt. Ein Schwester von ihr habe ich beraten, dass
man es aufdeckt. Sie hat auch ihre Mutter gefragt. Es wurde alles aufgedeckt und dann
ging es der Schwester wesentlich besser.

[02:55:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder spüren das. Es ist immer so. Es ist immer etwas Unklares, Ambivalentes.

[02:55:14.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Realität hat immer Vortritt. Nicht die Moral.

[02:55:26.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss der Realität in die Augen schauen, diese akzeptieren. Dann kann man
besser damit umgehen, als wenn man sich irgendetwas konstruiert oder versucht die
Realität zu verdecken. Dazu benötigen sie Hilfe, dass sie das tun können.

[02:55:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich: sie dürfen Geburtshelfer sein.

[02:55:58.960] – Bemerkung 98
Eine Frau hatte acht Kinder mit einem ungarischen Priester. Eine Tochter hat gespürt,
dass sie ein Kuckucks-Kind ist. Sie hat auch gespürt wer ihr Bruder ist.

[02:56:26.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kuckuckskinder spüren: irgendetwas ist nicht recht. Irgendetwas stimmt nicht.
Irgendwo ist man nicht ehrlich mit mir.

[02:56:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Buch: Familienbande.

[02:56:39.085] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.limmatverlag.ch/programm/titel/89-familienbande.html

[02:56:39.220] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Buch werden die verschiedenen Familienformen vorgestellt. Die
Regenbogenfamilie. Es wird erzählt wie die leben. Sie sind interviewt worden. Diese
Familien funktionieren auch.

[02:57:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt X Formen von Kinder zeugen, zusammenleben, Kollektiv. Es muss nicht nur die
Ein-Eltern-Familie geben.

[02:57:16.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss ab und zu auch die Patchworkfamilie zusammenführen und dann dort die
Regeln machen.

[02:57:30.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt ihnen das ein wenig einen Anhaltspunkt.

[02:57:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gar nichts falsch gemacht. Sie dürfen noch ein bisschen mehr machen, in
einem nächsten Fall.

[02:57:44.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr schön, wie diese Frau ihnen einfach beichten wollte. Sie wollte es ihnen
einfach erzählen.

[02:58:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sind der Priester gewesen.

[02:58:29.490] – Bemerkung 99
Was ist wenn man dem ersten Kind gegenüber ein schlechtes Gewissen hat?

[02:58:30.030] – Bemerkung 99
Das Erstgeborene zieht sich zurück und konzentriert sich mehr auf den Vater.

[02:58:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern oder Mütter haben oft Angst, das erste Kind würde eiversüchtig auf das zweite
Kind.

[02:58:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man so Dinge gemacht, dass das erste Kind ausquartiert wurde.

[02:58:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben Ärzte sogar gesagt, damit die Mutter genügend Zeit für das zweite Kind hat.
Das ist natürlich ganz falsch.

[02:58:57.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte in den USA eine Familie, die Angst hatte, ein zweites Kind zu haben, weil die
Mutter Angst hatte, dass sie ihre Liebe nicht teilen könnte.

[02:59:07.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist völlig unnatürlich.

[02:59:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Mütter muss man beruhigen.

[02:59:23.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss ihnen zeigen, wie sie das Erstgeborene einbeziehen können in die Pflege
vom zweiten Kind.

[02:59:27.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie können sie dem Erstgeborenen zeigen wie das alles geht. Jetzt mache ich das,
jetzt mache ich das. Du darfst zuschauen.

[02:59:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erstgeborenen sind interessiert an dem.

[02:59:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Falsch ist, wenn sie das Erstgeborene weglassen. Du musst jetzt warten und ich mache
jetzt alleine mit dem etwas. Dann wird das Erstgeborene neugierig, dann holt sich das
Erstgeborene Zugang zum zweiten Kind, wenn es nicht erlaubt ist.

[03:00:04.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sofort zeigen, wie man es mit dem Kind macht. Wie geht es mit dem Zweitgeborenen.
Was kann es dafür machen. Gewisse kaufen für das Erstgeborene eine Puppe, die
auch gestillt werden darf.

[03:00:04.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man den Kindern zeigt was läuft und sie nicht ausschliesst.

[03:00:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Erstgeborenen ausschliesst, dann holen sie es sich gewaltsam und dann
wird es eher negativ.

[03:00:18.620] – Bemerkung 100
Die Mütter haben dann zum Teil ein schlechtes Gewissen.

[03:00:18.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mütter haben eine zu absolute Vorstellung, wieviel sie dem Kind geben müssen.

[03:00:19.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unnatürlich zu meinen, wenn ich ein zweites Kind habe, dann vernachlässige ich
das Erste.

[03:00:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas widernatürliches. Die Natur kann mit zwei Kindern umgehen.

[03:00:46.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zwölf Kinder sind, dann wird es anders.

[03:00:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwei Kinder zu meistern, das geht auf jeden Fall.

[03:00:53.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Mutter beruhigen.

[03:00:58.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde auch wieder hinauf fragen. An welchem Platz war sie. Wie zufrieden war sie
mit dem, was sie bekommen hat?

[03:00:58.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter selber zu wenig bekommen hat, dann hat sie beim zweiten Kind immer
Angst: ich muss aufpassen, dass das zweite Kind nicht zu wenig kriegt.

[03:01:14.000] – Bemerkung 101
Es gibt ein wunderschönes Bilderbuch zu diesem Thema von Astrid Lindgren.

[03:01:18.800] – Bemerkung 101
Ich möchte auch Geschwister haben.

[03:01:20.939] – Bemerkung 101
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1000343740

[03:01:21.290] – Bemerkung 101
Das ist aus der Kinderperspektive, die Ankunft vom zweiten Kind.

[03:01:25.430] – Bemerkung 101
Es ist wunderschön, es trifft genau das Thema. Ich gebe immer dieses Buch an.

[03:01:28.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Gute Idee.

[03:01:37.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Astrid Lindgren ist eine bekannte Kinder Journalistin.

[03:01:44.750] – Bemerkung 101
Pipi Langstrumpf.

[03:01:45.140] – Bemerkung 102
Wenn das Erstgeborene zu Besuch kommt, dann soll das Zweitgeborene nicht im Arm
gehalten werden. Das hat ein Kinderarzt immer gesagt.

[03:02:03.860] – Bemerkung 102
Dem erstgeborenen Kind ein Geschenk bereit halten wenn es zu Besuch zum
Zweitgeborenen kommt. Zum Beispiel eine Rolle Smarties.

[03:02:12.260] – Bemerkung 102
Ich bin auch eine geschädigte Erstgeborene. Das Erstgeborene kommt zur Türe rein
und das Kind kann wie nicht reagieren.

[03:02:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Das habe ich mir nie so vorgestellt, aber das kann gut sein. Die Mutter hat die Hände
frei, das Zweitgeborene liegt dort und sie macht so.

[03:03:08.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nimmt man zusammen das kleine Kind raus, dem Erstgeborenen zeigt, usw.

[03:03:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Sache.

[03:03:16.690] – Bemerkung 103
In die Sitzgruppe sitzen. Am Anfang ist der Drang, das Kind zu halten, mit dem Kind
mäuseln. Das geht schnell vorbei. Wenn man dem Erstgeborenen immer sagt: du darfst
das Zweitgeborene nicht haben, das ist nicht gut.

[03:03:16.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder müssen mit dem Neugeborenen Erfahrung machen dürfen.

[03:03:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter geht von einem egoistischen Geschwister aus. Das ist falsch.

[03:04:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ältere hat Freude, dass ein Neues Geschwister kommt. Das ist ganz natürlich.

[03:04:07.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die Vorstellung der Erwachsenen, dass das Kind nur einem selber möchte.

[03:04:20.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erstgeborene kann das Zweitgeborene besser integrieren, als wir Erwachsene es
tun können in unserem Kopf.

[03:04:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir Erwachsene machen eher ein Problem daraus.

[03:04:32.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Erwachsen gemacht.

[03:04:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur ist anders. Da kommt etwas Neues. Das ist interessant. Das möchte man
sehen.

[03:04:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter kein schlechtes Gewissen hat, dann muss gar nichts passieren beim
ersten Kind. Das ist eher ein Erwachsenes Denken. Das spürt das Kind.

[03:04:57.460] – Bemerkung 104
Ich habe vier Kinder und bei allen hat immer der Älteste reagiert, die anderen nicht. Bei
jedem.

[03:05:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat der Älteste reagiert?

[03:05:15.840] – Bemerkung 104
Eifersüchtig. Zurückgesetzt. Besorgt.

[03:05:16.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich bei meinen Kindern nicht so erlebt. Es ist bei allen Kindern
unterschiedlich.

[03:05:28.890] – Bemerkung 105
Ich habe auch schon gehört, dass mein Älterster gesagt hat: ich soll das Baby wieder
wegschicken.

[03:05:37.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen viele Kinder.

[03:05:37.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Also gut, wir geben das Kind weg, dann kommt immer die Antwort: nein, ja nicht
weggeben.

[03:05:38.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Dinge sagen die Kinder. Das muss man nicht so tragisch nehmen. Die Kinder
haben gar keine Vorstellung, was dann geschieht.

[03:05:53.560] – Bemerkung 106
Die Frauen haben vor allem mit sich selber Stress. Beim ersten Kind geht es
einigermassen. Beim zweiten Kind, wird es dann sehr anstrengend. Ich habe zwar den
ganzen Tag sehr viel gemacht, aber trotzdem nicht genug geleistet. Ich bin keinem von
beiden Kindern gerecht geworden.

[03:06:09.130] – Bemerkung 106
Ich sage immer, dass mann für das Erstgeborene 20 Minuten am Tag haben soll. Zehn
Minuten reichen auch. Während dieser Zeit wird das zweite Kind nicht beachtet. Wenn
das zweite Kind dann schreit, dann soll man es einfach schreien lassen. Das Erste
merkt dann, jetzt ist es absolut meine Mutterzeit, egal was geschieht. Das ist besser, als
nur mit dem halben Ohr zuzuhören.

[03:07:03.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass ich bewusst die Zeit mit dem Kind verbringen also indem man sagt wirklich 20
Minuten mit dem Ältesten verbringen ohne Störfaktor und wenn das Kleine schreit
trotzdem nicht zu dem gehen, sondern dann macht es der Vater oder jemand anders
oder das Kind schreit einfach.

[03:07:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt dem Erstgeborenen Sicherheit.

[03:07:24.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber die Sicherheit haben, dass man Beziehung zu dem Kind hat, dass
man das auch pflegen kann und dann ist das Erstgeborene nicht eifersüchtig.

[03:07:34.690] – Bemerkung 107
Ich sage dem Babysitter immer, dass es erlaubt ist, mit dem kleinen Kind zu spielen.

[03:08:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat jemand noch jemanden, der psychotisch war? Gibt es noch weitere Fragen?

[03:08:31.800] – Bemerkung 108
Nach der In-vitro-Fertilisation hatte der Vater eine sehr komische Beziehung zu diesem
Kind, weil er bei der Zeugung nicht dabei sein konnte.

[03:09:29.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die In-vitro Geschichten sind ganz, ganz schwierige Geschichten. Da muss man neue
Geschichten konstruieren.

[03:09:40.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Von meinem Gefühl her, finde ich das nicht so geschmackvoll oder komisch, wenn die
In-vitro Befruchtung passiert und der Vater mit dem grösseren Kind mit geht.

[03:09:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein medizinischer Akt.

[03:09:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Normalerweise ist das grössere Kind nicht dabei, bei der Zeugung des kleineren
Kindes.

[03:09:56.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Für mich ist das eine absolut unnatürliche Situation.

[03:09:56.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: wenn der Vater dabei sein möchte, wenn die Zeugung stattfindet, dann
müsste das grössere Kind nicht dabei sein. Das macht er für sich. Er nimmt das
grössere Kind in etwas rein, das nicht zu ihm gehört.

[03:10:39.110] – Bemerkung 109
Das sind zwei Geschichten. Normalerweise geschieht das nicht so.

[03:10:47.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum möchte der Mann bei diesem Akt dabei sein? Wer ist steril? Er?

[03:10:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich konstruiere jetzt etwas. Er muss seine Männlichkeit doch noch demonstrieren, in
dem er mindestens anwesend ist. So hat er es auch gesagt. Er möchte beim
Zeugungsakt dabei sein, obwohl es nicht sein Samen ist. Das ist seine Sache. Wenn er
das möchte, dann darf er das. Er darf das Kind nicht mit reinziehen.

[03:10:55.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind schreit zurecht. Das Kind weiss, dass es nicht dorthin gehört.

[03:11:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit der Gynäkologie Abteilung vom Kantonsspital Baden gesprochen.

[03:11:31.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Geschichten. Bis sie dort sind, möchten sie das Kind nicht mehr, sie
bekommen Drillinge, oh je, so schwierig.

[03:12:01.820] – Bemerkung 110
Hat jemand schon erlebt, dass die Mutter ihre Kinder mit zur Geburt nimmt? Die Mutter
möchte, dass das Kind dabei ist. Das habe ich schon erlebt.

[03:12:27.310] – Bemerkung 110
Ich habe zu Hause geboren. Davon gibt es eine Foto. Wenn ich sehe wie ich bei
diesem Schmerz aussehe, möchte ich das nicht einem Kind zumuten. Soll das ein Kind
mit anschauen? Kann ein Kind davon traumatisiert werden?

[03:13:27.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das kann ein Kind traumatisieren. Hat jemand eine solche Situation erlebt?

[03:13:32.530] – Bemerkung 111
Ist das nicht eine erwachsene Sicht?

[03:13:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Geburt zu Hause ist und die Kinder sind dort und sie sind neugierig und sie
wollen reingehen, kommt es auf das Naturell vom Kind an. Dann dürfen sie das. Dann
würde ich es dem Kind nicht verbieten.

[03:13:48.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für die Beerdigung.

[03:13:58.160] – Bemerkung 112
Das Kind wird dann auch nicht lange drinnen bleiben. Das Kind wird rein und wieder
rausgehen.

[03:14:05.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder dürfen reinkommen, schauen und wieder gehen. Im Spital sind die Kinder
nicht zu Hause, dort dürfen sie nicht gehen. Im Spital sind die Kinder gebunden, dort
müssen die Kinder bleiben und werden vergewaltigt. Das ist nicht natürlich im Spital. Zu
Hause ist es natürlich, wenn das Kind bei der Geburt zuschaut.

[03:14:19.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind kann dann seine Aufmerksamkeit selber dosieren. Das eine Kind bleibt länger
drinnen, das andere bleibt weniger lange drinnen.

[03:14:24.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Spital kann das Kind nicht davon rennen. Ich würde das gar nicht empfehlen.

[03:14:24.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause können die Kinder rein und rauslaufen bei der Geburt.

[03:14:42.350] – Bemerkung 113
Meine 15-jährige Tochter wolle unbedingt bei der Geburt ihrer Halbschwester dabei
sein. Das haben wir zusammen besprochen. Als das Kind gekommen ist, ist sie auf
dem Parkplatz zusammengebrochen. Das muss man offen lassen wie das geht.

[03:15:05.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine 15-jährige Tochter ist etwas anderes. Die hat sich dann auch übernommen.

[03:15:14.140] – Bemerkung 113
Die weiss nicht wohin damit. Wenn die dann mal ein Kind, dann bin ich nicht dabei.
Dankeschön!

[03:15:19.180] – Bemerkung 114
Ich habe das schon oft erlebt, das Kind, welches bei der Geburt zuschaut, hatte dann
aber immer eine Begleitung dabei, eine Grossmutter, eine Tante, eine Freundin. Die
Mutter welche am gebären ist, sollte nicht noch nach dem anderen Kind schauen
müssen.

[03:15:39.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[03:15:42.160] – Bemerkung 114

Man hat dem Kind nichts angemerkt. Die Mutter und der Vater können sich in diesem
Moment nicht um das Kind kümmern, wie es reagiert.

[03:15:55.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind zur Geburt mitgeht, dann muss eine Begleitperson für das Kind dabei
sein. Die Begleitperson muss merken, wenn es zu viel wird für das Kind, damit die
Begleitperson dann rausgehen kann.

[03:16:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater vom Kind musste dabei bleiben und war in einer Doppelfunktion. Das geht
nicht, das ist nicht gut. Da wird das Kind missbraucht oder man vergewaltigt das Kind.

[03:16:04.720] – Bemerkung 115
Wie ist es für das Kind, wenn das Kind die Mutter leiden sieht? Ist das nicht unnatürlich
für das Kind, wenn das Kind sieht, dass es der Mutter nicht gut geht?

[03:16:39.550] – Bemerkung 116
Das Kind entscheidet selber, ob es rausgehen möchte oder nicht.

[03:16:52.450] – Bemerkung 115
Ich finde, das Kind soll nie zuschauen können bei der Geburt. Das Kind kann dann eher
schlechte Erinnerungen haben. Das ist für mich mehr natürlich als unnatürlich. Das
würde ich einem Kind nie zumuten.

[03:17:13.240] – Bemerkung 115
Auch bei einer Hausgeburt. Auf jeden Fall. Ich würde ein Kind nie zur Geburt
mitnehmen.

[03:17:55.000] – Bemerkung 116
Bei einer Kuh darf das Kind zuschauen, wie das Kalb rauskommt?

[03:17:58.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist nicht seine Mutter. Ich sehe, es gibt grosse Kontroversen.

[03:18:02.530] – Bemerkung 116
Es kommt darauf an, ob es ein Bauernkind ist oder nicht.

[03:18:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte dem Kind auch sagen: die Mutter braucht jetzt Ruhe, es ist eine schwierige
Situation. Wir machen jetzt das. Wenn das vorbei, gehen wir wieder schauen.

[03:18:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann wieder eine Geschichte daraus machen.

[03:18:46.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss nicht bei allem dabei sein.

[03:18:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterschiedliche Mütter haben unterschiedliche Lösungsansätze.

[03:18:59.500] – Bemerkung 117
Ich habe Hausgeburten erlebt, wo die Kinder rein und raus gegangen sind. Das ist gut
gegangen. Es hängt davon ab, wie man mit diesen Kindern davor umgeht, wie man die
Kinder darauf vorbereitet. Die Kinder wissen auch, dass die Mutter Schmerzen hat und
dass die Schmerzen auch aufhören können. Das wissen diese Kinder.

[03:19:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hat diese Kinder vorbereitet? Haben sie diese Kinder vorbereitet?

[03:19:44.800] – Bemerkung 117
Die Eltern und ich haben diese Kinder mit Bilder vorbereitet, Bilder welche ich
mitgebracht habe. Die Eltern haben für eine lange Zeit immer wieder darüber
gesprochen. Wenn das Kind schläft und die Geburt erreignet sich in der Nacht, ist eine

Bezugsperson da. Dann kann das Kind frei zirkulieren. Das Kind kann wieder zur Mutter
schauen gehen, es kann spazieren gehen.

[03:20:23.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen also, dass es mit so einer guten Vorbereitung wunderbar geklappt hat.

[03:20:31.420] – Bemerkung 117
Das Kind darf nicht von der Mutter getrieben sein, dass es sehen muss, wie sein
Geschwister auf die Welt kommt. Das ist falsch.

[03:20:37.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist falsch.

[03:20:38.230] – Bemerkung 118
Die Mutter kann auch entscheiden, ob die anderen Kinder dabei sein sollen oder ob sie
bei der Geburt alleine sein möchte.

[03:20:38.530] – Bemerkung 118
Die Mütter haben zu Hause bei der Geburt ihre eigenen Kleider an.

[03:21:01.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Möglichkeiten. Die Eltern müssen es wollen und dahinter stehen. Man
muss es offen machen.

[03:21:02.190] – Bemerkung 119
Das Kind muss entscheiden können.

[03:21:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hat Erfahrung mit der Familienaufstellung?

[03:21:42.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Bert Hellinger ist der Begründer der Familienaufstellungen.

[03:21:47.830] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger

[03:21:48.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine erstaunlich wirksame Methode.

[03:22:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zu einem Familienaufsteller und erzählt ganz wenig von seiner Geschichte.

[03:22:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man aus dem Publikum Personen wählen für sich selber, für seine Mutter,
für seinen Vater, für seine Geschwister. Diese Personen muss man im Raum aufstellen.

[03:22:43.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Derjenige, welcher das Ganz begleitet muss dann diese Person fragen: wie fühlst du
dich hier? Wie geht es dir? Es ist erstaunlich, was die Leute, welche die
unterschiedlichen Personen darstellen müssen, was die dann an Gefühlen bekommen
und diese Gefühle repräsentieren.

[03:22:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wahnsinnig wie die Dinge vom System übernehmen.

[03:23:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee ist dann: schlussendlich wird die Person, welche alles aufgestellt hat,
ausgewechselt, die fremde Person wird raus genommen und die wirkliche Person wird
reingestellt. Diese Person muss dann auch wieder sagen, wie es ihr geht.

[03:23:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Familienaufsteller ordnet das System neu, sodass sich alle wohler fühlen. Der
Familienaufsteller macht Ordnung.

[03:23:26.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passt relativ gut zu meinem System. Es ist einfach symbolisch mit andern Leuten
und es läuft an erster Stelle gefühlsmässig ab.

[03:23:37.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Bert Hellinger, der das macht sagt: danach darf man nicht darüber sprechen, sonst wirkt
es nicht.

[03:23:53.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil kann es Auswirkungen haben, welche auch enorm sind. Diese fängt er damit
nicht auf.

[03:24:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist wie ein Heiler oder ein Guru.

[03:24:16.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sehr viel Emotionales herausholen, wo man sonst nicht hinkommt.

[03:24:22.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei gewissen Leuten muss man noch daran arbeiten.

[03:24:34.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Patienten, welche zu einer Familienaufstellung gegangen sind. Ich musste
diese Patienten danach ein wenig auffangen.

[03:24:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, dass man danach nicht darüber sprechen darf.

[03:24:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich spreche auch darüber mit den Patienten. ich versuche das Ganze zu interpretieren.
Ich nehme es wieder in meine Therapie rein.

[03:24:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Therapie, sende ich die Leute auch in das eigene Familiensystem, in
lebendige, das natürliche.

[03:24:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse sie ihr Verhalten ändern. So haben sie dann eine andere Auswirkung auf sich
selber.

[03:25:00.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Familiensteller ist es einfach nur ein momentanes, gefühlsmässiges Erlebnis, ein
intensives Erlebnis. Gewisse sind damit überfordert.

[03:25:15.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele gehen in eine weitere Therapie und arbeiten weiter an sich selber.

[03:25:33.550] – Bemerkung 120
Der Familiensteller sollte einem doch helfen, oder?

[03:25:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es kann einem auf eine Spur bringen. Es kann emotionale Dinge hervorbringen,
manchmal viel schneller hervor bringen, als wenn man nur redet. Daher ist es eine sehr
potente Methode.

[03:25:39.610] – Bemerkung 121
Es funktioniert.

[03:25:49.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es funktioniert auf jeden Fall.

[03:25:49.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein unglückliches Beispiel erlebt, wo ich bei Bert Hellinger zugeschaut habe.
Das war eine Ärztin, welche ihre Familie aufgestellt hat. Er hat dann gesagt: dein Kind
ist besser aufgehoben beim Kindesvater, du bist kalt. Er hat sie sehr hart angepackt.
Dann wurde mit dem Publikum diskutiert.

[03:26:01.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie immer, wenn so Gurus auftreten, gibt es im Publikum Therapeuten, welche es
besser wissen und mit dem Guru rivalisieren. Das ist geschehen. Er konnte die nicht
richtig bremsen. Die Frau ist dann zwischen dem Mitleid und seiner Aussage, sie sei zu
kalt, stecken geblieben, ambivalent und die hat sich umgebracht.

[03:26:11.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat Bert Hellinger in Verruf gebracht. Das wurde in der Zeitung rumgeschleppt. Das
war in Dresden. Ich dachte, oh je, das läuft schief.

[03:27:07.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Er konnte das nicht entschlüsseln, dass die aus dem Publikum ihm das Handwerk
abgegraben haben, ihn unterwandert haben. Die Patientin hing dann in der freien Luft.

[03:27:08.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wurde weder von diesen Leuten gestützt noch musste sie die harte Aussage von
Bert Hellinger verarbeiten.

[03:27:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[03:27:38.170] – Bemerkung 122
kann man die Familie auch mit Holzmännchen repräsentieren?

[03:27:38.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann die Familie auch mit Holzmännchen auf einem Brett aufstellen. Das ist der
Vater, das ist die Mutter. Nahe Distanz. Dann können sie fragen: wie hätten sie es gerne
verändert? Was passt ihnen nicht an dieser Aufstellung? Wie möchten sie es gerne
verändert haben?

[03:27:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht es die Person selber.

[03:28:00.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den anderen Familienstellern macht es der Familiensteller.

[03:28:01.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man fragt auch: wie möchtest du es gerne geändert haben? Was möchtest du anders
haben?

[03:28:08.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stellt man um, bis es ein Kohärenzgefühl gibt, ein Wohlgefühl, mehr Zufriedenheit.
Es kann sehr potent sein.

[03:28:23.710] – Bemerkung 123
Ist es bei Bert Hellinger nicht auch so, dass er sehr weit zurück schauen geht,
systemisch? Was ist vorgängig vorgefallen, was sind die Wiederholungen, Schneiden,
Brechen?

[03:28:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es ist ein systemisches Vorgehen, auf jeden Fall.

[03:28:45.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Er geht einfach intuitiv vor.

[03:28:48.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist ein sehr ein intuitiver Mensch und sehr gespührig.

[03:28:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt er: war etwas bei deiner Grossmutter? So stösst er auf Tabus, Geheimnisse
usw. Das ist absolut systemisch.

[03:29:16.900] – Bemerkung 123
Es ist frappant wie sich die Dinge wiederholen können, von der Mutter zur Tochter.

[03:29:17.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache es systematischer mit der Anamnese. Er macht es sehr intuitiv.

[03:29:23.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn man es so systematisch macht mit allem aufzeichnen und fragen, dann
kommen einem auch so Dinge in den Sinn, da ist noch irgendetwas, da ist noch etwas,
wo nichts gesagt wird.

[03:29:57.230] – Bemerkung 124
Was ist, wenn der Vater eine Depression hat in der Wochenbettphase?

[03:29:57.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Männer haben eine Affäre, wenn die Frau schwanger ist und gebärt. Wenn
eine enge Beziehung vorliegt zwischen Mann und Frau, wenn die Frau ein Kind
bekommt und gebärt, wird der Mann aussen vor gelassen, er fühlt sich vernachlässigt.
Aus dieser Vernachlässigung heraus kann er eine Depression machen.

[03:30:35.150] – Bemerkung 124
Der Mann trägt dann mehr Verantwortung.

[03:30:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann trägt dann mehr Verantwortung und man ist nicht mehr so auf den Mann
bezogen, der Mann kriegt dann nicht mehr soviel Zuwendung.

[03:30:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man schauen, ob der Mann es gewohnt ist, dass immer alles auf ihn geht. Ist
der Mann eher einer, der schon zu Hause zu kurz gekommen ist? Ich rate auch den
Männer, dass sie sich Hilfe holen, dass sie sich Unterstützung holen, dass sie etwas zu
Gute haben.

[03:31:01.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man nur von Mütterberatung gesprochen.

[03:31:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spricht man von Mutter- und Väterberatung.

[03:31:09.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil hat man Väterberater angestellt, man macht Vätergruppen. Dann erzählen die
Väter, wie hilflos sie sich vorgekommen sind, als das Kind auf die Welt gekommen ist
und sie sich als Vater neu orientieren mussten.

[03:31:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das mit anderen Vätern austauschen können, ist das auch wieder eine
Unterstützung.

[03:31:26.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es gehört zur Anamnese. Wie gut geht es dem Mann? Wie alleine gelassen
fühlt sich der Mann? Wie komisch kommt sich der Mann vor? Wo kann man allenfalls
Hilfe holen. Die Väter werden durchaus vernachlässigt.

[03:31:44.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurden die Väter bei der Geburt vor die Türe geschickt. Dann hat der Mann der
Frau einen Kopf gemacht für zwei Wochen.

[03:31:44.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss die Männer miteinbeziehen. Sie spielen eine wichtige Rolle. Die Männer sind
nicht so stark wie man meint.

[03:32:06.500] – Bemerkung 125
Man muss den Männern auch die Freiheit lassen, falls sie nicht dabei sein wollen.

[03:32:08.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt. Ich hatte einen schwarzen Assistenzarzt aus Ghana, er ist ab 18 Jahren in
Deutschland aufgewachsen. Es sagte: was macht ihr hier für einen Blödsinn. Die
Geburt ist doch nichts vom Mann. Das ist Frauensache. Das geht die Männer nichts an.
Da gehen die Männer weg, das muss alles von den Frauen gemacht werden.

[03:32:31.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine letzte lustige Geschichte.

[03:32:31.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war eine Frau, die nicht ganz zufrieden war in ihrer Partnerschaft. Sie hat ein
zweites Kind bekommen. Beim zweiten Kind bei der Geburt, hat der Geburtshelfer oder
die Hebamme gesagt: ich gehe nochmals nach Hause frühstücken. Dann kam er zu
spät.

[03:32:41.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat die Frau schon geboren gehabt und der Mann war nicht dabei.

[03:32:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau war dann sehr sauer auf den Mann und hat eine halbe Psychose gemacht, sie
war auch ein wenig psychotisch. Sie hat sich auch vom Arzt nicht richtig behandelt
gefühlt. Ich habe sie begleitet und versucht zu beruhigen.

[03:32:46.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollte dann ein drittes Kind haben, damit der Mann dabei sein kann und er seinen
Fauxpas korrigieren kann.

[03:33:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat ihren Mann dazu gebracht, dass es ein drittes Kind gegeben hat.

[03:33:25.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dritt Kind war eine Hausgeburt unter der Obhut einer Hebamme. Es war ihr dann
egal ob der Mann dabei ist oder nicht.

[03:33:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie war zu Hause, ist auf die Toilette gegangen und das Kind viel in die Toilette.

[03:33:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur der Mann war anwesend. Er musste als Geburtshelfer funktionieren. Er hat das
Kind aus dem WC gefischt. Es war ein gesunder, toller Junge.

[03:33:54.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat sich der Mann auf seine Art wieder rehabilitiert. Die Frau hatte ihr drittes Kind.

[03:34:11.420] – Bemerkung 126
Wurde die Beziehung danach besser?

[03:34:21.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab noch eine Krise in der Beziehung. Der Mann hatte eine Affäre und die Frau hat
sich wieder gemeldet. Sie sind zusammen geblieben.

[03:34:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor hatte die Frau eine sehr negative Haltung gegenüber Psychiatern. Die kommen
nicht draus. Sie hat sich auch ein wenig verliebt in ihren Gynäkologen. Der war mit ihr
überfordert.

[03:34:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie hatte am Schluss doch so viel Vertrauen in das System, dass sie mir andere Leute
geschickt hat.

[03:34:50.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwo war die Frau zufrieden.

[03:34:50.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat mich mal angerufen und gesagt, dass es ihr gut geht.

[03:34:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat noch eine Ausbildung gemacht, sodass sie Hausmädchen haben durfte.

[03:34:55.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind zusammen durch verschiedene Krisen gesegelt.

[03:35:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht immer alles nach Schema. Sie müssen gar keine Lösung wissen.

[03:35:09.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wenn sie dran kommen, versuchen sie aktiv und interessiert das Ganze zu
begleiten. Lernen sie daraus. Haben sie keine Angst davor, sich mit ihrem Gegenüber
offen auseinanderzusetzen?

[03:35:32.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche ihnen ganz viel Spass in ihrem Beruf.

[03:35:32.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe, dass sie ein bisschen etwas mitbekommen haben.

Ganglion Frau Dr. med. Ursula Davatz – http://www.ganglion.chursula.davatz@ganglion.ch
Mübe ISB Zürich
Fortbildung für Mütterberaterinnen
Vortrag vom 09.05.01 über
Postpartale Depression

U. Davatz, http://www.ganglion.ch

I. Funktionelle Beschreibung
Definition der Depression: Der depressive Zustand ist immer die Reaktion auf
einen Verlust im wirklich realen oder übertragenen Sinne.
− Die Frau nach der Geburt ist in einer natürlichen Abschieds- oder Verlust-
phase. Sie verliert das Kind im wahrsten Sinne des Wortes zum ersten Mal
und verliert somit an Gewicht, dies löst eine Art Trauerreaktion aus, ein
Abschiedsschmerz.
− Während sie vorher im Mittelpunkt stand, steht jetzt das Kind im Zentrum und
sie muss sich auf das Kind beziehen und nicht die Umwelt auf sie.
− Falls sie grosse, d.h. überhöhte Ansprüche an sich selbst hat in bezug auf
ihre Mutterrolle, kann sie diese nicht erfüllen und steht wieder als Verliererin
da.
− Wenn sie sehr kompetente Vorbilder hat in der eigenen Mutter oder
Schwiegermutter, oder bei Schwestern oder Freundinnen und sich mit diesen
vergleicht, ist sie wiederum eine Verliererin.
− Falls sie Hilfe von ihrem Ehemann bräuchte, und dieser die Hilfe aber nicht
anbieten kann, ist sie enttäuscht, fühlt sich nicht wertvoll, kommt sich wieder
als Verliererin vor.
− Alle zusätzlichen Belastungen wie Ehekonflikt, Konflikt mit der Mutter oder
Schwiegermutter, Konflikt im Umfeld, verbrauchen zusätzlich zum Umgang
mit dem Kinde Energie und bringen die Frau schnell an die Belastungs-
grenze. Dies führt zum Gefühl der Überforderung und somit wieder zum
Verlierergefühl, denn man kann das Kind nicht einfach als „Projekt“ zurück-
stellen, bis man wieder bei Kräften ist.

Knotenpunkt menschlicher Beziehungen 1

Ganglion Frau Dr. med. Ursula Davatz – http://www.ganglion.chursula.davatz@ganglion.ch
II. Therapeutisches Vorgehen bei postpartaler Depression
− Als erstes der Frau helfen, ihre Ansprüche herunterzusetzen, ihr aufzeigen,
dass sie nur Mensch ist und nicht Übermensch und sich auch als Mutter
ersetzen lassen darf.
− Möglichst alle zusätzlichen energieaufzehrenden Konflikte aufdecken und
angehen.
− Ihr Unterstützung zukommen lassen, damit sie weg vom Abgrund der Über-
forderung kommt und mehr aus der Mitte heraus, einem inneren Gleich-
gewicht, funktionieren kann.
− Den Mann als zusätzliche Bezugsperson hereinholen und falls dieser nicht
kann, eine andere zusätzliche Bezugsperson suchen, die ihr bei der Brut-
pflege behilflich ist.
− Die Familienkonflikte unbedingt auf der Mehrgenerationenebene angehen,
die Geburt eines Kindes macht das System flexibel und öffnet. Diese Chance
sollte man nicht verpassen.

Knotenpunkt menschlicher Beziehungen 2

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