Transkript
Dr.med. Ursula Davatz
15.3.2024
Hochstrittige Eltern
Audio
[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte euch auch ganz herzlich begrüssen zu dieser Weiterbildung.
[00:00:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wurde angefragt, ob ich noch etwas über ADHS/Autismus sagen möchte und über
hochstrittige Eltern.
[00:00:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte, dass ich es kombinieren würde, ihr sieht ja dann, was ich daraus mache.
[00:00:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Medizinerin. Als Medizinerin muss ich immer wieder feststellen, dass das
medizinische Modell einfach immer nur über das Individuum anschaut.
[00:00:31.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Probleme immer nur über das Individuum anschaut, dann verpasst man
sehr viel.
[00:00:32.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sind aufsuchende Familienarbeiterinnen und Arbeiter, ihr geht dann direkt in
das Schlachtfeld, in das Kampffeld rein.
[00:00:45.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen, Interaktionen zu beobachten, ihr seid zusätzlich Teil dann auch
noch von dieser Interaktion.
[00:00:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In bin in den USA als Familientherapeutin ausgebildet worden.
[00:01:05.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin eine passionierte Systemikerin. Ich probiere natürlich immer alles systemisch
anzuschauen und eben die Interaktionen.
[00:01:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit dem Kind, mit dem autistischen Kind anfange.
[00:01:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autismus hat in der letzten Zeit einen riesigen Boom erfahren.
[00:01:24.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird überall diagnostiziert, abklärt, etc.
[00:01:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme vom ADHS/ADS her.
[00:01:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage von daher, ADS kann in die Autismus Richtung gehen und ist für mich das
Gleiche.
[00:01:41.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich gehe von den genetischen Voraussetzungen aus.
[00:01:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss sowohl bei ADHS/ADS, als auch bei Autismus, das sind die psychischen
Krankheitsbilder, die am meisten genetisch vererbt werden.
[00:01:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern, welche in die autistische Richtung gehen, die haben zum Teil noch
Wahrnehmungsstörung häufig im Sprachbereich, d.h. sie haben mehr Probleme im
Spracherwerb.
[00:02:14.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne, sind es eher Kinder, die dann beobachten, schauen, ganz viel hinten
dran denken, aber nicht so viel sagen, also weil sie Mühe haben, sich auszudrücken.
[00:02:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Kind hat, das alles beobachtet sehr viel denkt hinten dran, dann weiss
man nicht, was vorgeht.
[00:02:34.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen, wir erwachsene Menschen, sind natürlich sehr darauf ausgerichtet, dass
man kommunizieren kann, dass man miteinander sprechen kann.
[00:02:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch immer wieder, dass Erwachsene, auch in der Schule erlebe ich das,
dass Erwachsene vom Kind erwartet, es könnte sich schon so ausdrücken wie ein
Erwachsener.
[00:02:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.
[00:02:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Kinder können es noch weniger, weil die eben oft Probleme haben im
Spracherwerb.
[00:03:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne, wenn man mit solchen Kindern umgeht, als Eltern, als Lehrer, als
Kindergärtner und sie dann als Familientherapeuten, muss man lernen, wieder zu
beobachten.
[00:03:17.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie, wenn man gelernt hat, man ist nicht mehr weitergekommen in
einer Sitzung, hat man das Wort abgestellt und hat dann die Sitzung angeguckt ohne
verbale Kommunikation.
[00:03:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die körperliche Kommunikation, der Blick, wie alles läuft, das bleibt natürlich.
[00:03:39.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man beginnt wieder damit sich genauer zu beobachten, wenn man die Sprache nicht
mehr hat.
[00:03:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind dermassen gewöhnt über die Sprache zu kommunizieren, dass wir oft alles
andere auslassen.
[00:03:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Methode zum Lernen, wieder zu beobachten, ist natürlich über Tiere.
[00:04:00.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere können auch nicht sprechen.
[00:04:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommunizieren dennoch miteinander.
[00:04:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit Tieren umgeht, dann muss man auch lernen zu beobachten.
[00:04:12.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo sie autistische ADHS/ADS Kinder um sich herum haben, müssen sie
lernen zu beobachten.
[00:04:19.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssten auch Lehrer und Eltern tun.
[00:04:23.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind so geschult im verbalen kommunizieren, dass wir das dann wie verlernt haben.
[00:04:25.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen es wieder ein wenig lernen.
[00:04:25.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Nochmals ganz schnell zu den autistischen Kindern.
[00:04:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den autistischen Kindern sagt man, dass diese keine Empathie haben.
[00:04:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird das noch vererbt damit, dass sie die Gesichtszüge nicht erkennen.
[00:04:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist aber längstens nicht bei allen so.
[00:04:53.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel, sehr leicht reizbar und sehr schnell überreizbar.
[00:05:04.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gehirn, also das System überfordert wird, dann redet man von System
Overload.
[00:05:11.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo sie in den System Overload reinkommen, dann können sie sich nur
noch abwehren.
[00:05:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man aufgeregt ist, in einem Zustand von System Overload, dann
schaut man nicht mehr, was draussen ist, dann ist man so beschäftigt mit sich selber,
dann muss man zuerst beruhigen. Erst dann kann man wieder wahrnehmen.
[00:05:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden auch viele Fehler gemacht, wenn die Kinder in einen System Overload
reinkommen, dann will man sie sofort wieder erziehen.
[00:05:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man sich doch nicht benehmen, das geht nicht und weiss ich nicht was alles.
[00:05:43.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt alles nichts, nichts, nichts.
[00:05:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dasselbe wie wenn man an einen Hund oder an ein Pferd anredet: du darfst dich
nicht so benehmen, das geht nicht, das ist unanständig, das ist aggressiv. Das bringt
alles nichts.
[00:05:47.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man sich wieder verlangsamen können.
[00:05:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass diese Kinder alle nicht wahrnehmen können, was im Gegenüber
geschieht, sie gehen einfach ganz schnell in einen innere Welt.
[00:05:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, die führt dazu, dass sie schnell in ein Systemoverload
reinkommen und dass sie sich dann zurückziehen in eine innere Welt und dass sie
dann nur noch mit sich kommunizieren.
[00:06:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder nehmen wir natürlich nicht wahr. Hier muss man dann studieren, was alles
davor vorgefallen ist.
[00:06:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich teile heutzutage alles in die vie Stressreflexe ein.
[00:06:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf English reimt sich das schön. Fight (Kampf), Flight (Flucht), Freeze (Todstellreflex),
Tease (Necken).
[00:06:46.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher habe ich nur drei Reflexe gehabt, heute sage ich, Teasing gehört auch dazu.
[00:06:58.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist eigentlich Provokationsverhalten, das übergehen kann in Spielverhalten.
[00:07:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Spielverhalten, das kann adäquat sein oder das Spielverhalten kann ein bisschen
ungeschickt sein.
[00:07:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich jetzt ADHS/ADS Kinder aus der Schule höre, dann höre ich immer wieder so
Geschichten, wie die sich ungeschickt verhalten im Teasen.
[00:07:27.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder wollen eigentlich einen anstossen zum Spielen. Sie wollen cool
sein, aber sie können es nicht recht und dann tun sie irgendein schwaches Kind blöd
hinstellen, dann wird das Kind verrückt oder alle werden dann verrückt auf das Kind und
nachher sind sie wieder das Opfer.
[00:07:47.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich, zu Hause erzählt das Kind nur von seiner Opferrolle und nicht was es
vorne dran getan hat.
[00:07:50.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule sehen wir, was das Kind davor gemacht hat und wie sich das Kind
unmöglich gemacht hat.
[00:08:04.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir dann den Konflikt zwischen der Schule und den Eltern.
[00:08:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat dann Mitleid mit ihrem ungeschickten Teasing Kind, die Schule findet es
ein unmögliches Kind, was es alles falsch macht. Hier muss man dann wieder
zusammensetzen und beide haben Recht.
[00:08:30.490] – Bemerkung 1
Der Zustand vom Teasen, ist das nur im Moment vom System-Overload oder kann das
auch sonst auftreten?
[00:08:37.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das kann auch aktiv eingesetzt werden.
[00:08:40.490] – Bemerkung 1
Sie anderen drei Zustände finden nur im System Overload statt?
[00:08:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da haben sie Recht.
[00:08:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Flight, Fight, Freeze, das ist alles System Overload.
[00:08:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing ist eigentlich in ein Zwischenzustand.
[00:08:58.310] – Bemerkung 2
Das Teasing ist eine Form der Beziehungsaufnahme, oder?
[00:09:01.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut richtig.
[00:09:02.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man oft nicht. Es ist absolut eine Form von Beziehungsaufnahme.
[00:09:08.440] – Bemerkung 3
Ich erzähle von meinem 22 Jährigen. Er wollte bei den Gleichaltrigen cool dastehen und
erzählte, dass er Sprengstoff zu Hause hat. Dann sind die erschrocken, haben in
angezeigt, die Polizei kam in die Wohnung, mit Schutzanzügen und allem möglichen.
Der arme Kerl.
[00:09:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein gutes Beispiel.
[00:09:29.560] – Bemerkung 3
Er wollte einfach cool sein in der Gruppe. Er hat bis heute nicht begriffen, was da genau
abgegangen ist, obwohl er hochintelligent ist, er kann es nicht lassen.
[00:09:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in das Emotionale reingeht, dann können die ADHS/ADS Kinder nicht mehr
abstrahieren und nicht mehr verstehen.
[00:09:52.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut, dass sie das gefragt haben.
[00:09:53.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn, müssen die erwachsenen Bezugspersonen von den Kindern wieder lernen
zu beobachten, lernen zu interpretieren und nicht schon denken: Ich weiss um was es
geht.
[00:10:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule geht es natürlich immer so Regelverhalten.
[00:10:15.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht in das Regelverhalten reinpasst, dann ist es ein schlechtes Kind,
ein böses Kind, ein komisches Kind und dann muss es möglichst schnell wieder auf die
Linie gebracht werden.
[00:10:28.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt es nicht, denn das geht nicht bei den Kindern.
[00:10:32.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die ADHS/ADS Kinder dann an die Kinderpsychiatrie übergeben werden, dann
kommt dort auch sofort wieder ein Korrekturmechanismus.
[00:10:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin macht man den Korrekturmechanismus dann über das Medikament.
[00:10:48.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versteht man das Kind natürlich wieder nicht.
[00:10:51.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird dem andersartigen Kind nicht gerecht.
[00:10:56.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich noch das Problem von der Gesellschaft dazu bringe.
[00:10:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle auf Effizienz ausgerichtet, auf Effektivität, es muss schnell gehen und gut
sein. Das geht bei den Kindern nicht. Man muss sich wirklich verlangsamen und wieder
anfangen zu schauen.
[00:11:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Verlangsamen und lernen. Man muss von dort her eigentlich zum sokratischen Lernen
zurückgehen, dass man immer Lernenderweise an die Situation rangeht und nicht
Wissenderweise.
[00:11:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das fällt uns schwer. Wir wissen ja so viel und meinen, wir wissen es und meinen, dass
wir dann gleich korrigieren können.
[00:11:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die erwachsenen Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, wir als Therapeuten) auf
diese Kinder zugehen, dann müssen wir uns wirklich verlangsamen, wieder
beobachten, nichts wissen, einfach schauen und lernen.
[00:11:39.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind es sehr gewöhnt uns auf die Sprache zu beziehen. Wir müssen ein bisschen
wegkommen von der Sprache.
[00:11:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann immer Tierbeispiele, dort muss ich beobachten, dort kann ich nicht mit
ihnen einfach so reden. Man kann auch mit ihnen kommunizieren, über die Stimme läuft
es und so weiter.
[00:12:19.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft vielmehr über das Emotionale.
[00:12:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr lernen das Emotionale zu beobachten.
[00:12:28.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern mit so einem Kind auskommen müssen, die Eltern kommen je von zwei
verschiedenen Systemen, haben gewisse Sachen gelernt.
[00:12:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie sagte man: Man muss zum gleichen kommen oder die Eltern
müssen am gleichen Strick ziehen.
[00:12:41.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viel mit Schizophrenie-Familien gearbeitet.
[00:12:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dort sagt: die Eltern müssen am gleichen Strick ziehen, das geht einfach
nicht und bringt es auch nicht.
[00:12:57.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle mir dann immer vor, wenn man am gleichen Strick zieht, erwürgt man das
Kind.
[00:13:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder zieht am gleichen Strick, aber jeder in eine andere Richtung.
[00:13:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird das Kind unter diesen Eltern eigentlich erdrückt.
[00:13:16.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum gehe ich ganz weg von dem.
[00:13:17.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen am gleichen Strick ziehen.
[00:13:19.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen herausfinden, woher sie kommen, also was sie für eine Haltung
haben, was sie gelernt haben in ihrer Ursprungsfamilie.
[00:13:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines sind die Wertesysteme und das andere sind die Methoden, wie setze ich es
durch?
[00:13:36.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei verschiedene Dinge.
[00:13:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Da probiere ich dann immer herauszufinden: woher kommt die Mutter, was hat sie für
Wertesysteme gelernt? Wie möchte die Mutter ihre Wertesysteme durchsetzen.
[00:13:45.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Vater das Gleiche.
[00:13:49.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist von Anfang an schon ein Unterschied.
[00:13:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mutter sagt man: unconditional love, die Liebe wird nicht an eine Bedingung
gebunden. Das ist richtig. So ist man als Mutter-Tier.
[00:14:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater, der setzt eher die Regeln durch und macht Konditionen.
[00:14:12.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann Eltern miteinander streiten, dann meint der Vater, seine Methoden seien
richtig und die Mutter spürt, das geht einfach nicht für mich.
[00:14:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher ist es ganz, ganz wichtig, dass man die unterschiedlichen Haltungen von den
Eltern validiert, wertschätzt, wahrnimmt und akzeptiert.
[00:14:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es eigentlich darum, nicht diese auf den gleichen Nenner zu bringen,
sondern möglichst genau auszudividieren.
[00:14:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist die Mutter, was hat sie für Vorstellungen. Woher hat sie ihre Vorstellungen
gelernt? Wie war ihr Vater? Wie war ihre Mutter?
[00:14:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Gegen was geht sie vor? Was will sie verwirklichen? Das Gleiche auf der Vaters Seite.
[00:14:57.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man seine Wertvorstellungen als Vater und als Mutter durchsetzen will, muss man
einander gegenüberstellen, ohne dass man sagt: das ist besser, das ist schlecht.
[00:14:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Situation, je nach Kind, kommt der eine oder der andere besser durch.
[00:15:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft hat man in der Familientherapie probiert, schnell zu einer Einigung zu kommen und
da bin ich eben ganz dagegen, weil das ohnehin nicht geht.
[00:15:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Nein, Differenzierung.
[00:15:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied: In welchen Situationen ist die Methode gut und in welchen die
andere?
[00:15:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Familientherapie macht oder in der Paartherapie, erwarten die Pärchen,
dass man natürlich immer auf der Seite von dem einen und vom anderen ist.
[00:15:55.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich aus den USA zurück gekommen bin, wo ich Familientherapie gelernt habe, habe
ich gesagt: ich kann das nicht. Paartherapie, das kann ich nicht, das ist so unmöglich.
Jeder will einem immer auf die andere Seite ziehen.
[00:15:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen denke ich, dass ich es kann.
[00:16:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann in Ruhe schauen: Aha, du siehst es so, ok. Du siehst es so.
[00:16:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in hochstrittige Familien reinkommen, ist es ganz, ganz wichtig, dass sie
überhaupt nicht den Anspruch haben, die zu einem Konsensus zu bringen, sondern
genau das Gegenteil, eine Differenzierung.
[00:16:36.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, je nach Situation ist die eine Methode effektiver oder die andere.
[00:16:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird überhaupt nicht gewertet.
[00:16:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind keine Juristen.
[00:16:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen auch nicht Recht sprechen.
[00:16:54.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das Leben voranbringen.
[00:16:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nicht in diesem Sinne urteilen.
[00:16:57.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Drittes kommt dann natürlich noch ihre Meinung hinzu.
[00:16:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja auch eine Meinung und sie dürfen auch eine Meinung haben.
[00:16:58.170] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne muss man weder auf die eine Seite noch auf die andere Seite gehen.
[00:16:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Situation, von meinem Empfinden her, von meiner Erfahrung her, hätte ich es
eher so gemacht.
[00:16:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir drei Meinungen.
[00:16:59.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man schauen, was sich daraus ergibt.
[00:17:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher, als ich noch nicht solange in der Familientherapie war, habe ich mich nicht so
getraut, meine Haltung zu sagen.
[00:17:39.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr ich mit Eltern und kleinen Kindern arbeite, sage ich dann auch klar, das
versteht das Kind nicht. Jetzt ist die Situation.
[00:17:48.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht kann man das jetzt nicht machen und ich würde es eher so machen.
[00:17:53.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bringe ich auch meine Meinung rein.
[00:17:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bleibe nicht einfach neutral.
[00:17:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch nicht eine Analytikerin, die hinten auf dem Sofa sitzt.
[00:18:05.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe meine Meinung rein.
[00:18:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann Mutter oder der Vater sagt: Ja, aber wegen dem und wegen dem geht das
nicht, dann bringen sie neue Informationen rein.
[00:18:15.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, ok, wenn man das bedenkt, dann ist das vielleicht noch besser.
[00:18:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man erarbeitet zusammen einen gangbaren Weg.
[00:18:24.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie richtig oder falsch.
[00:18:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die streitenden Eltern, die muss man immer wieder auseinanderhalten.
[00:18:36.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann vom einen versucht herauszufinden, wo er steht und was er
verwirklichen will und was ihm wichtig ist und der andere schiesst gerade rein, dann
muss ich sagen: Warten sie, warten sie, ich will mir zuerst ein Bild von dem einen
machen, dann komme ich dann zu ihnen.
[00:18:49.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind natürlich gewöhnt, immer gerade eine Gegenmeinung zu sagen.
[00:18:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird man voll verrissen.
[00:19:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zwei Hunde miteinander streiten, das sollte man sie nicht vorne am Kopf
anpacken, sondern man muss sie an den Beinen rausziehen, damit sie nicht mehr
miteinander streiten können.
[00:19:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
So versuche ich hochstrittige Eltern immer auseinander zu nehmen.
[00:19:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: ich habe das Bild noch nicht richtig, sie kommen dann schon noch an die
Reihe, aber nicht gleichzeitig, sonst kann ich nicht mehr zuhören.
[00:19:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die hochstrittigen Eltern immer wieder ein bisschen auseinandernehmen.
[00:19:28.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat natürlich das Gefühl, man sei mehr auf der einen oder auf der anderen Seite.
[00:19:30.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man aushalten.
[00:19:34.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne würde ich sage: Es ist ganz wichtig, wenn man mit hochstrittigen Eltern
zu tun hat, dass man ja nicht als Jurist agiert, ja nicht als Schlichter, sondern als
Versteher.
[00:19:51.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann auch wiederholen: Aha, meinen sie das so?
[00:20:02.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sage ich das richtig?
[00:20:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja oder nein, das fehlt noch.
[00:20:03.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eigentlich eine Differenzierungsarbeit, dass man herausfindet, wie jeder steht und
was bei jedem wichtig ist.
[00:20:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht zu schnell zu einer Einigung gehen, sondern eher zu einer Differenzierung zum
Auseinanderhalten und das einfach mal so stehen lassen.
[00:20:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hochstrittigen Familien mit ADHS/ADS Genen, die haben mehr Scheidungen, mehr
Abbrüche etc. Die sind sehr impulsiv, die können nicht warten, die wollen immer gleich
auch ihre Sache sagen. Dann hat man einen grossen Salat.
[00:20:40.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hochstrittigen ADHS/ADS Familien muss man immer wieder beruhigen und sagen:
Ja, sie kommen auch bald an die Reihe, aber jetzt will ich zuerst da hören, sonst
verstehe ich gar nichts.
[00:20:51.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen immer sagen: Sonst komme ich nicht draus, sonst kann ich nicht hilfreich
sein.
[00:20:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die hochstrittigen Familien einem auf ihre Seite ziehen wollen, dann muss man
Widerstand machen können.
[00:20:56.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe zurück zu den autistischen ADS Kindern.
[00:21:03.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind hochsensibel und die nehmen alles Emotionale war, mehr als
andere.
[00:21:03.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann so eine Spannung zwischen den Eltern herrscht, dann haben
die ein völlig verwirrtes Referenzsystem.
[00:21:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder nehmen dann nur die Spannungen war und können sich dann
gar nicht in Ruhe entwickeln, weil sie immer am schauen sind, wo sie sich hinwenden
müssen.
[00:21:31.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es bei den ADHS/ADS Kindern noch viel wichtiger, dass man dieses System
ein wenig auseinander nimmt, dass man Klarheit schafft und erst danach wieder mit
dem Aufbau weiterfährt.
[00:22:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder können dabei sein oder nicht dabei sein, sie nehmen alles war.
[00:22:00.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorhin von der Sprache gesprochen.
[00:22:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind es gewohnt nur noch über die Konzepte und über die Sprache zu
kommunizieren.
[00:22:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kinder geht es ganz schnell in die emotionale Wahrnehmung.
[00:22:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen gar nichts mehr wahr, wenn keine ruhige Situation da ist. Die nehmen nur
noch das Emotionale war.
[00:22:26.030] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne, muss man sehr gut darauf achten, was läuft emotional ab im
Familiensystem.
[00:22:34.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei ist es wichtig, dass man auf diese Hintergründe eingehen kann.
[00:22:34.540] – Bemerkung 4
Deshalb ist es bei diesen Familien so toll mit der Marte Meo Methode zu arbeiten. Man
wird zum Zuschauen gezwungen, man darf nichts sagen, nur beobachten.
[00:22:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die Marta Meo Methode ist sehr gut, sie verpflichtet einem zu verlangsamen, alles
zu bestätigen, alles zu wiederholen.
[00:23:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist sehr sehr hilfreich.
[00:23:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine zeitlang für den ungarischen Familientherapeuten Ivan Boszormenyi-
Nagy der in den USA gelebt hat, übersetzt.
[00:23:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste immer von Deutsch auf Englisch übersetzen und wieder von Englisch auf
Deutsch. Es wurde alles zwei Mal gesagt. Das hat alles sehr verlangsamt und die
Wahrnehmung geschärft.
[00:23:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Marte Meo zwingt einem dazu, dass man wahrnimmt, wahrnimmt, wahrnimmt. Auch
sehr verlangt und die Wahrnehmung dann geschärft. Ja, ja. Marta Meo zwingt einen
dazu, dass man wahr nimmt, wahr nimmt, wahr nimmt und erst dann benennt. Es wird
immer genauer.
[00:23:46.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben sie für hochstrittige Eltern, geben sie mir bitte ein paar Beispiele.
[00:24:28.280] – Bemerkung 5
Wenige.
[00:24:29.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema wurde aber gewünscht.
[00:24:29.680] – Bemerkung 6
Ich habe eine Familie, die Eltern sind getrennt, geben es nach aussen aber nicht preis.
Es weiss es niemand und wohnen immer zusammen in der Familienwohnung. Sie
streiten miteinander.
[00:24:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Familie reingeht, was macht man, mit wem spricht man?
[00:24:54.920] – Bemerkung 6
Mit der Mutter. Ich hatte aber am Dienstag gerade mit beiden ein Gespräch geführt.
[00:25:00.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist es gelaufen?
[00:25:04.440] – Bemerkung 6
Am Anfang sehr angespannt und dann ist es schon ein bisschen besser geworden.
[00:25:09.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay.
[00:25:10.260] – Bemerkung 6
Wenn ich mir ihre Inputs anhöre, dann hätte ich das Gespräch nochmals ein bisschen
anders geführt.
[00:25:16.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich wirklich, dass man lernend einsteigt und versucht herauszufinden, aus
welcher Richtung kommt die Mutter, Unconditional Love, das kommt ohnehin immer.
[00:25:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weiss man schon.
[00:25:35.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann noch: Was hat sie erlebt? Wie sind die Positionen gewesen von ihrer Mutter und
dem Vater? Wem hat sie sich untergeordnet?
[00:25:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Frauen, die dann Sachen von ihren Väter übernehmen und dann relativ
dominant reinkommen, als ob sie ein Mann wären und je nachdem auch relativ autoritär
ihre mütterlichen Sachen durch drücken und nicht so gut schauen wollen, woher denn
der Vater kommt.
[00:26:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist die Mutter?
[00:26:16.240] – Bemerkung 7
Sehr ängstlich, überfürsorglich gegenüber ihrem Sohn. Will aber dass ihr Sohn bereits
in der zweiten Klasse gute Noten nach Hause bringt, selber sich hinsetzt. Der Sohn ist
ADHS.
[00:26:23.720] – Bemerkung 7
Ich spüre einen grossen Druck gegenüber ihrem Sohn. Sie hat auch unheimliche Angst,
dass ihr Sohn in ein Mobbing gerät. Er hat auch eine Hörschwäche, die man nicht
genau einordnen kann, wie stark, dass diese ist.
[00:26:57.020] – Bemerkung 7
Die Mutter hat viele Schuldgefühle.
[00:27:02.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuld wegen was?
[00:27:04.460] – Bemerkung 7
Das Kind hat seit Geburt viele Operationen gehabt in Bezug auf sein Gehör.
[00:27:11.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Mittelohrentzündung?
[00:27:14.860] – Bemerkung 7
Nein, nein, das ist angeboren.
[00:27:16.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ängstliche Mutter, ein ADHS/ADS Kind, das sich nicht regulär verhält und die Mutter
möchte mit mütterlichem Engagement das Kind korrigieren und an den richtigen Ort
bringen. Das gibt einen riesigen Druck.
[00:27:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ängstliche Mütter wollen nur das Beste für das Kind.
[00:27:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Das hat mir mal ein elfjähriger Junge gesagt.
[00:27:47.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zitiere ich immer wieder.
[00:27:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder brauchen viel Platz um sich intrinsisch zu motivieren, intrinsisch ihre
Sachen machen zu können.
[00:27:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Ängstlichkeit wird da ständig interferiert, man stört und stört und stört.
[00:28:24.140] – Bemerkung 8
Die Mutter macht alles für das Kind.
[00:28:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut.
[00:28:25.450] – Bemerkung 8
Ich arbeite mit der Mutter, damit sie dem Kind mehr Freiraum lässt, das Kind mehr
selber bestimmen lässt, auch im Alltag.
[00:28:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Mutter das Kind nicht machen lässt und immer eingreift und hilfreich
eingreifen möchte, aber störend eingreift, dann frage ich meistens nach dem Worst-
Case-Szenario: Vor was haben Sie Angst, dass das passieren könnte?
[00:28:51.150] – Bemerkung 8
Das habe ich auch schon gefragt.
[00:28:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagt die Mutter dann?
[00:28:54.190] – Bemerkung 8
Die Mutter arbeitet nicht und ist 100% zu Hause und hat einen sehr kleinen
Kollegenkreis, sie hat eine Freundin und ist am Abend auch immer zu Hause. Ich habe
vorgeschlagen, dass die Mutter abends mal weggeht oder ins Fitness geht. Das hat sie
eine zeitlang gemacht.
[00:28:54.690] – Bemerkung 8
Die Mutter hat Angst davor, dass es zu Hause eskaliert. Ich habe noch nie in der
Familie gehört, dass es so eskaliert wäre, dass es für Aufsehen gesorgt hat.
[00:29:34.550] – Bemerkung 8
Sie hat immer Angst, dass ihre Nachbarn sie melden.
[00:29:37.560] – Bemerkung 8
Sie will auch immer mit ihrem Sohn in einer guten Stimmung das Haus verlassen, nicht
dass andere merken, dass zu Hause eine gereizte Stimmung herrscht. Die Fassade
nach aussen wird immer gewahrt.
[00:29:52.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch ein Entwicklungs-Verhinderer, wenn man ständig dran ist, etwas
vorzutäuschen oder ja, nicht zu akzeptieren, wie es halt dann ist.
[00:30:04.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es halt auch Konflikte.
[00:30:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man eigentlich immer so in einem Korsett drinnen, also in eine Rüstung
drinnen.
[00:30:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nimmt das Kind wieder wahr und da kann das Kind sich eigentlich gar nicht richtig
emotional entwickeln.
[00:30:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einer Mutter muss man an erster Stelle die Mutter therapieren oder sie zu
beruhigen versuchen.
[00:30:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man das kann, muss man auch wieder zurückfragen: Woher kommt sie denn?
[00:30:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Da frage ich dann auch: Was ist den Eltern wichtig gewesen?
[00:30:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt oft heraus: Fassaden, man muss einen guten Eindruck machen, die
Nachbarn dürfen nichts wissen, etc.
[00:30:44.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das scheint hier sehr stark der Fall zu sein.
[00:30:45.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde eine Generation hochgehen und fragen wie sie es erlebt hat. Wer ist der am
meisten Angepasste gewesen?
[00:30:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat sie es gemacht.
[00:30:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht genau, wo ihre ADHS/ADS Gene herkommen, vom Vater oder von der
Mutter.
[00:30:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Mädchen, die passen sich viel mehr an. Die können das auch besser. Wir
Frauen haben andere Gene, andere Hormone aber man unterdrückt sich dann selber.
[00:31:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Frauen, die sich nicht richtig verwirklicht haben, da geht dann alles in das Kind.
[00:31:29.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind noch ein Handicap hat, mit dem Hörschaden, dann investiert man noch
mehr in das Kind.
[00:31:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie wenn man das Kind zu fest düngt.
[00:31:40.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann eine Pflanze töten mit Dünger.
[00:31:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein bisschen die Situation.
[00:31:50.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht zu viel daran herum zu machen. Das Kind kann sich dann gar nicht richtig
selber entwickeln.
[00:31:51.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mutter könnte man fragen: Was ist für sie das Schlimmste, wenn das Kind was
machen würde?
[00:32:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Extremsituation fragen.
[00:32:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denken sie, was diese Mutter antworten würde?
[00:32:13.880] – Bemerkung 8
Was das Schlimmste ist, was das Kind machen würde?
[00:32:17.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Was will die Mutter verhindern am Kind?
[00:32:23.000] – Bemerkung 8
Sie will nicht, dass er wieder gemobbt wird. Das ist in der Vergangenheit bereits
geschehen.
[00:32:23.420] – Bemerkung 8
Die Mutter will, dass er Freunde hat, dass er gut eingebettet ist sozial und dass er ein
guter Schüler ist und gehorcht in der Schule.
[00:32:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will die Mutter erreichen.
[00:32:36.260] – Bemerkung 8
Sie will einen unabhängigen Mann produzieren, so kommt mir das vor.
[00:32:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut, dass sie das so klar sagen.
[00:32:52.080] – Bemerkung 8
Das war eine heftige Mobbing Geschichte, die sich jetzt aber laut Schule und auch laut
dem Sohn verbessert hat oder gar kein Thema mehr ist.
[00:33:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schüler hat es überwunden.
[00:33:08.340] – Bemerkung 8
Ja, und die Klasse auch.
[00:33:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist er noch in der gleichen Klasse?
[00:33:12.530] – Bemerkung 8
Nein, nur gewisse Schüler sind noch in der gleichen Klasse.
[00:33:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Mutter Angst hat, ihr Kind könnte gemobbt werden und dann das Kind
beschützen will vor dem Mobben, dann passiert eigentlich genau das Gegenteil.
[00:33:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter lässt nicht zu, dass sich das Kind natürlich entwickelt.
[00:33:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter beschützt ihren Sohn ständig vor irgendetwas, das passieren könnte.
[00:33:42.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Sohn nicht natürlich ist, dann versucht man auf eine ungeschickte Art und
Weise Kontakt herzustellen. Das Teasing-Verhalten, dann läuft es genau verkehrt.
[00:33:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter nicht will, dass ihr Sohn gemobbt wird, muss sie ihren Sohn viel mehr
selber machen lassen, selber herausfinden lassen.
[00:33:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem die Mutter ihren Sohn ständig schützt, weiss er gar nicht wie er mit der Welt
umgehen muss.
[00:34:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte gestern eine Geschichte, das ist eine erwachsene Frau, die hat gesagt: Ich will
jetzt mal über mein Trauma sprechen, ich wurde in der Schule gemobbt.
[00:34:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein interessantes Beispiel.
[00:34:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frau hatte eine Freundin. Diese Freundin hat sich dann irgendein Mal mit den
anderen Klassenkameraden zusammengetan und dann haben sie sich gegen sie
gerichtet. Sie haben, als sie zur Türe reinkam in die Klasse, den Atem angehalten. Das
ist nichts schlimmes aber diese Frau war sehr traumatisiert.
[00:35:03.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sie daraus abgeleitet hat, ist: Sie dachte die haben den Atem angehalten, weil sie
stinkt.
[00:35:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat sie das interpretiert.
[00:35:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein ganz fieser, feiner Ausschluss.
[00:35:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hatte sie ein anderes Erlebnis, um zu sehen wie die Schule reagiert.
[00:35:29.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es schneit, dann reiben sich die Schüler gegenseitig den Schnee in das Gesicht.
[00:35:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jungs reiben den Mädchen den Schnee in das Gesicht.
[00:35:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwei Knaben haben dem Mädchen Schnee in das Gesicht gerieben. Dann hat sie
Atemnot bekommen.
[00:35:42.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat ein anderes Kind gesehen.
[00:35:42.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde der Lehrerin gesagt. Die Lehrerin hat dann von den beiden Knaben verlangt,
dass diese einen Entschuldigungsbrief schreiben müssen, an das Mädchen.
[00:35:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dies hatte das Mädchen gar nicht gerne.
[00:35:46.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Über den Entschuldigungsbrief wurde das Mädchen nochmals beschämt.
[00:35:46.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so gedrückt wird, dass man nicht mehr schnaufen kann, das ist
beschämend, man verliert die Kontrolle. Über die Entschuldigungsbriefe fühlte sich das
Mädchen nochmals blöd hingestellt.
[00:36:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee der Lehrer war gut gemeint. Die Lehrer haben in der Erwachsenenwelt
gedacht und nicht in der Kinderwelt.
[00:36:28.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie gefragt: Was wollte sie denn, das gemacht wird?
[00:36:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Antwort: Gar nichts, oder dass sie hätte sagen können: hier seid ihr zu weit gegangen,
habt ihr nicht gemerkt, dass ich nicht mehr gut schnaufen konnte?
[00:36:38.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Geschichte von George Floyd, wo die Polizei ihn auf den Boden gedrückt
hat, weil er eine Zigarettenschachtel nicht bezahlt hatte und der Barkeeper die Polizeit
geholt hat. Der ist wegen einer Zigarettenschachtel gestorben.
[00:36:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht immer gleich mit der Erwachsenen Moral einfahren und so erwachsen
korrigieren. Man muss sich in die Kinderwelt versetzen und schauen, was ist jetzt für
das Kind gut.
[00:37:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich die erwachsene Moral überstülpen.
[00:37:19.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat die Mutter ein schlechtes Gewissen, dass ihr Kind einen Hörschaden hat?
[00:37:38.900] – Bemerkung 8
Ich vermute schon, ja, wegen all diesen Operationen.
[00:37:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genetisch oder das ist angeboren.
[00:37:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter haben dennoch ein schlechtes Gewissen, dass sie nicht ein perfektes Kind auf
die Welt gebracht haben.
[00:37:58.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist irgendwie so angeboren.
[00:38:02.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: Nein, das ist Natur, aber mit dem kann man lernen umzugehen.
[00:38:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt schlimmere Handicaps.
[00:38:11.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter will ständig die Natur korrigieren, mit ihrer Übervorsorglichkeit und fährt
damit eigentlich genau in diesen Baum rein.
[00:38:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist der junge für einer? Ist er sehr lebendig?
[00:38:28.070] – Bemerkung 8
Ja, sehr! Er kann sagen was er will. Er spielt gerne den Polizisten zu Hause.
[00:38:36.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht denn die Mutter?
[00:38:39.600] – Bemerkung 8
Die Mutter nervt sich dann sehr über ihren Sohn.
[00:38:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so gesund.
[00:38:43.970] – Bemerkung 8
Dort ist die Mutter gar nicht überfürsorglich.
[00:38:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dort kommt dann die Erziehung und das runterdrücken.
[00:38:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle würde ich fragen: Was hat denn zu Hause für eine Erziehung
geherrscht?
[00:38:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hatte zu Hause das Sagen? Der Vater, die Mutter?
[00:38:57.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie war der Erziehungsstil?
[00:39:02.290] – Bemerkung 8
Das habe ich erst am Rande mitbekommen.
[00:39:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich einmal fragen. Das lohnt sich.
[00:39:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man zwingt natürlich die Leute, zum reflektieren, indem man sie fragt.
[00:39:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versteht es dann auch gleich viel besser.
[00:39:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte nicht nur im HIER und JETZT bleiben sondern auch zurückfragen in die
Vergangenheit.
[00:39:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es klingt nach irgendwas Autoritärem hinten dran.
[00:39:30.480] – Bemerkung 8
Ja, das habe ich auch mitbekommen. Sie ist nicht mit ihrem Vater aufgewachsen
sondern mit der Mutter und ihrem Stiefvater.
[00:39:37.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Stiefvater war wohl autoritär.
[00:39:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie noch Kontakt zum Stiefvater?
[00:39:38.450] – Bemerkung 8
Ja.
[00:39:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müsste sich als erwachsene Frau ihrem Stiefvater gegenüber positionieren. Nicht
mit ihm streiten. Nicht den Vater demütigen.
[00:39:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach sagen: Ich sehe es so.
[00:40:00.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich könnte jetzt sagen: differenzieren.
[00:40:03.290] – Bemerkung 8
Bei ihrer Mutter macht sie das.
[00:40:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat es die Mutter gemacht?
[00:40:08.050] – Bemerkung 8
Das weiss ich nicht so genau, wie die Mutter sie erzogen hat.
[00:40:13.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Will sie eine bessere Mutter sein, als ihre Mutter?
[00:40:14.620] – Bemerkung 8
Ich denke schon, ja.
[00:40:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hört man ein bisschen heraus.
[00:40:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist sie in einem Wettkampf mit der Mutter und da will sie dann auch keine Kritik von
der Mutter.
[00:40:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder nicht so gesund.
[00:40:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort könnte man auch sagen: sie hat es so gemacht und ich mache es so.
[00:40:38.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss nicht im Wettkampf mit ihrer Mutter sein, sondern darf auch ein bisschen
anders sein.
[00:40:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auch eine andere Zeit.
[00:40:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will als Tochter oft der eigenen Mutter beweisen, dass man es besser macht.
[00:40:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch nicht so gesund.
[00:40:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat Grossmutter für eine Beziehung zu dem Knaben?
[00:41:00.420] – Bemerkung 8
Die Grossmutter hat eine liebevolle Beziehung zu ihrem Enkelkind.
[00:41:05.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann es gut mit ihrem Enkelkind.
[00:41:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht der Vater mit dem Kind? Die leben ja im gleichen Haus.
[00:41:30.120] – Bemerkung 8
Der Vater ist sehr präsent am Wochenende. Jedes Wochende teilen sie sich auf. Die
Mutter geht mit der 15 Jährigen Tochter nach Zürich. Das ist immer das Gleiche.
[00:41:32.540] – Bemerkung 8
Der Vater geht mit dem Sohn auf den Pumptrack oder Velo fahren.
[00:41:37.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.
[00:41:40.900] – Bemerkung 8
Der Vater sieht die Welt nicht so eng und überlässt viel von der Erziehung seiner Frau
und das bringt die Frau in Rage. Dort finden sie sich fast nicht.
[00:41:42.000] – Bemerkung 8
Sie sind kein Liebespaar mehr und leben noch im gleichen Haushalt. Die Reibungen
sind enorm hoch. Sie streiten viel über die Erziehung.
[00:41:54.480] – Bemerkung 8
Sie nervt sich über den Vater, dass er sich keine Zeit für die Hausaufgaben mit dem
Sohn nimmt. Das er sich nicht mit seinem Sohn hinsetzt und Hausaufgaben macht.
[00:42:28.880] – Bemerkung 8
Der Vater arbeitet 100% und kann nicht jeden Tag mit seinem Sohn sich hinsetzen und
Hausaufgaben machen. Sie will, dass der Sohn mehr von der Vaterrolle abbekommt
und eben zu diesem perfekten Mann wird.
[00:42:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viel mit Eltern von schizophrenen Kindern gearbeitet.
[00:42:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer dass die Mütter von ihren Partnern, also von den Vätern der Kinder,
dass die noch bessere Mütter sind.
[00:43:09.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter erwarten, dass die Väter wie die rechte Hand der Mutter sind.
[00:43:11.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat oft eine sehr genaue Vorstellung, wie es der Mann richtig machen muss.
[00:43:20.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es der Mann nicht so macht, dann ist es nicht gut.
[00:43:21.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter beklagen sich dann über den Mann, dass der nie etwas tut. Wenn der Vater
dann aktiv wird, wir sofort gesagt: Aber nicht so.
[00:43:21.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter erheben sich über alles und wollen den Vater im Auftrag von sich selber
reinsetzen.
[00:43:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will kein Mann, dann kommt er sich wie ein Kinderschüler vor.
[00:43:26.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort laufen Frau und Man gegeneinander.
[00:43:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man den Müttern beibringen, dass sie lernen, dass der Vater in eigener Sache
etwas machen kann und dass der Vater nicht einfach die rechte Hand oder die linke
Hand oder ein Angestellter von der Mutter ist.
[00:44:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist oft sehr schwierig.
[00:44:14.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es doch am besten, ich bin Mutter, ich spüre mein Kind, ich weiss es am
besten und der soll es gefälligst so machen, wie ich es finde.
[00:44:26.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft man sehr stark gegen die Mütter an.
[00:44:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer wiederholen: Sie sind die Mutter, das ist ok.
[00:44:32.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater darf in eigener Regie etwas machen.
[00:44:35.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte sehr viele Mütter, die dem Vater vorschreiben wollen, was sie tun müssen.
[00:44:58.710] – Bemerkung 8
Das trifft zu. Ich weiss nicht ob das Thema Nummer eins ist gerade.
[00:45:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss sich von ganz vielen Dingen lösen.
[00:45:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat die Mutter gelernt? Hat die einen Beruf?
[00:45:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig an diese Mütter ranzukommen.
[00:45:35.770] – Bemerkung 8
Ich bin froh, dass sich die Mutter gegenüber mir geöffnet hat.
[00:45:39.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist an sich schon gut. Es ist eine Beziehung vorhanden.
[00:45:50.970] – Bemerkung 8
Mal schauen wie das weiter geht. Ich werde bei ihr mehr auf die eigene Erziehung und
auf die elterliche Erziehung schauen. Die Rolle des Vaters, die Rolle der Mutter und
was sie dort gut und nicht so gut gefunden hat.
[00:45:53.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer: Was wollen sie von Mutter/Vater übernehmen, weil sie es gut gefunden
haben? Was wollen sie gar nicht übernehmen?
[00:46:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer die beiden Extreme anschauen.
[00:46:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man die Mutter fragt, wie sie ihre eigene Erziehung erlebt hat, bringt man sie
dazu ein bisschen zu reflektieren.
[00:46:08.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur bei der Mutterrolle dem Kind gegenüber bleibt, kommt man nicht weg
davon, dann klebt das sehr.
[00:46:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mir auch mal den Vater alleine vornehmen.
[00:46:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater würde ich dann fragen: Was wollen sie als Vater ihrem Sohn mitgeben? Was
ist für sie als Vater wichtig? Wie sehen sie ihre Vaterrolle?
[00:46:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben sie von ihrem Vater bekommen, was haben sie von ihrem Vater nicht
bekommen und was wollen sie weitergeben?
[00:46:55.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lassen oft die Väter aus und die bringen sich auch nicht so schnell ein.
[00:47:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Väter sehr wohl fragen: was wollen sie als Vater ihrem Sohn weitergeben,
was ist ihnen wichtig?
[00:47:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater macht sportliche Sachen mit seinem Sohn. Das ist ok.
[00:47:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will der Vater mental an seinen Sohn weitergeben?
[00:47:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater kann man auch fragen: wie fühlen sie sich gehindert von der Mutter?
[00:47:31.794] – Bemerkung 9
Huch!
[00:47:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Väter zum reden bringen.
[00:48:04.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo haben sie das Gefühl, dass die Mutter vom Kind ihnen im Weg steht?
[00:48:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Dinge ansprechen, wenn sie ihn alleine sehen.
[00:48:15.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist der Vater, es ist ein Junge, das gleiche Geschlecht, das spielt eine wichtige Rolle.
[00:48:16.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Trauen sie sich das zu?
[00:48:41.510] – Bemerkung 8
Ja. Er ist ein sehr netter Vater.
[00:48:57.930] – Bemerkung 8
Ich habe Angst davor, dass ich dann auf die Aussage vom Vater falsch reagieren
könnte, dass ich danach das falsche mache damit.
[00:49:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben überhaupt keine Verpflichtung.
[00:49:18.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hindert die Mutter sie in ihrer Vaterrolle, an ihrem Vatersein?
[00:49:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo fühlen sie sich gestört?
[00:49:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann antwortet der Vater irgendetwas.
[00:49:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass sie etwas damit tun müssen.
[00:49:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie könne dann fragen: und was machen sie dann, wenn sie sich in ihrer Vaterrole
behindert fühlen? Geben sie einfach nach? Fangen sie einen Streit an?
[00:49:32.440] – Bemerkung 8
Genauer zu verstehen versuchen.
[00:49:41.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau, dann versteht man die Interaktion besser.
[00:49:42.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Vater anleitet ist es wichtig, dass man nicht sagt: das andere ist falsch.
[00:49:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater muss sagen: Ich als Vater möchte es so.
[00:49:52.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Einigkeit, keine Gleichheit, sondern Differenzierung.
[00:50:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater muss für sich hin stehen und sagen was für ihn wichtig ist.
[00:50:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter, die stehen einfach hin und machen einfach. Die Mütter handeln aus ihrem
Mutterinstinkt heraus.
[00:50:16.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter, die sind dann oft nirgends, hätten aber auch eine Meinung.
[00:50:20.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die leben im gleiche Haus, tun so als ob alles wunderbar wäre, dann kann der Vater
auch für sich einstehen.
[00:50:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen den Vater so besser kennen und er fühlt sich ein wenig unterstützt.
[00:50:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihn mal alleine sehen, sonst sind wir immer nur auf der Mutter ihrer Seite.
[00:50:51.020] – Bemerkung 9
Warum machen die das, dass sie gegen aussen so tun, als wäre alles in Ordnung?
[00:50:58.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht über den Konflikt spricht und das Kind nichts weiss, meint man es sei
alles in Ordnung.
[00:51:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verbale Kommunikation steht über allem.
[00:51:11.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Nonverbal läuft ja das ab, dass es überhaupt nicht stimmt.
[00:51:15.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre ein Double Bind, das heisst es funktioniert nicht, man kommuniziert verbal
etwas anderes als das Nonverbale.
[00:51:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die perfekte Atmosphäre für die Entstehung einer Schizophrenie.
[00:51:25.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Schizophrenie-Familien ist genau das herausgekommen, die sogenannte Pseudo-
Mutuality, die Pseudo-Einigkeit, die man immer vortäuscht, man sei zusammen,
emotional gespürt man ständig etwas anderes.
[00:51:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht Angst machen, das ist das schlimmste Klima, welches man einem Kind
zumuten kann.
[00:51:54.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie nicht gleich so weitererzählen. Ich will sie auch nicht verängstigen.
[00:52:01.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können fragen: Kennen sie die Untersuchung vom Guy Bodenmann? Das
Schlimmste ist, wenn die Eltern zusammenbleiben und so tun, als ob sie auskommen,
aber nicht zusammen auskommen.
[00:52:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder nehmen das Nonverbale wahr. Wir Erwachsenen haben gelernt, das zu
unterdrücken.
[00:52:27.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können das Nonverbale nicht unterdrücken.
[00:52:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere auch nicht.
[00:52:38.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es an die Oberfläche holen.
[00:52:45.990] – Bemerkung 8
Die Frau ist sehr pingelig.