Dr.med. Ursula Davatz erklärt den Zusammenhang zwischen Stress, dem emotionalen Hirn und psychosomatischen Erkrankungen anhand des Modells des „dreieinigen Gehirns“. Dieses Modell postuliert, dass unser Gehirn aus drei miteinander verbundenen Teilen besteht:
- Grosshirn: Verantwortlich für höhere kognitive Funktionen wie Denken, Sprache und Entscheidungsfindung.
- Mittelhirn (emotionales Hirn): Steuert Emotionen, Motivation und Bindungsverhalten. Es ist der Sitz unserer „Seele“.
- Stammhirn: Reguliert grundlegende Körperfunktionen und instinktive Reaktionen wie Kampf, Flucht und Erstarrung.
Laut Dr. Davatz entstehen psychosomatische Erkrankungen dann, wenn das emotionale Hirn durch Stress überlastet wird. Diese Überlastung kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- Konflikte: Ungelöste Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich, z.B. in der Familie, im Beruf oder in der Partnerschaft, können zu anhaltendem Stress führen.
- Unterdrückte Emotionen: Wenn wir unsere Emotionen nicht adäquat ausdrücken oder verarbeiten können, stauen sie sich im emotionalen Hirn an.
- Unangemessene Anpassungsmuster: Wenn unsere erlernten Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien in einer bestimmten Situation nicht greifen, entsteht Stress.
- Starre Wertvorstellungen: Wenn wir an starren Wertvorstellungen festhalten und uns nicht von alten Mustern lösen können, führt dies ebenfalls zu Stress.
Die gestaute emotionale Energie im Mittelhirn sucht sich dann einen anderen Weg, um sich zu entladen. Da das Mittelhirn eng mit dem Stammhirn verbunden ist, kann diese Energie in das Stammhirn und von dort in den Körper weitergeleitet werden. Im Körper manifestiert sich diese Energie dann in Form von psychosomatischen Symptomen. Dr. Davatz beschreibt dies mit den Worten: „Die Psyche lässt den Körper sprechen, wenn sie keine Worte mehr findet“.
Welche Symptome auftreten, ist individuell unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Genetische Veranlagung: Manche Menschen reagieren von Natur aus empfindlicher auf Stress als andere.
- Familiäre Vorbilder: Wir lernen oft unbewusst von unseren Eltern und anderen Bezugspersonen, wie wir mit Stress umgehen.
- Art der Belastung: Die Art des Stresses, dem wir ausgesetzt sind, spielt ebenfalls eine Rolle.
Beispiele für psychosomatische Erkrankungen, die Dr. Davatz erwähnt, sind:
- Hautausschläge
- Asthma
- Bluthochdruck
- Verdauungsprobleme
- Morbus Crohn
- Kopfschmerzen
Dr. Davatz betont, dass psychosomatische Erkrankungen ernst genommen werden sollten, da sie ein Zeichen dafür sind, dass die Seele leidet. Sie plädiert für einen ganzheitlichen Behandlungsansatz, der sowohl die Psyche als auch den Körper einbezieht.
Neben Psychotherapie zur Bearbeitung der zugrundeliegenden emotionalen Konflikte empfiehlt sie auch Körpertherapie, Achtsamkeitsübungen und Entspannungstechniken, um den Körper in den Heilungsprozess einzubeziehen. Ziel ist es, den Menschen wieder in seine „innere Mitte“ zu führen, damit er seine Emotionen besser regulieren und mit Stress gelassener umgehen kann.
https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf