Dr. med. Ursula Davatz beschreibt in ihrem Vortrag vom 5. Mai 2014 die Borderline-Persönlichkeitsstörung und gibt einige Empfehlungen, wie man Betroffenen helfen kann.

Zentrale Punkte:

  • Professionell Pubertierende: Dr.med. Ursula Davatz bezeichnet Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung als „professionell Pubertierende“. Sie haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu regulieren und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
  • Kein Erziehen, sondern Interagieren: Anstatt zu erziehen, sollten Helfer versuchen, mit Betroffenen zu interagieren und sich selbst authentisch zu zeigen. Erziehung vermittelt dem Gegenüber das Gefühl, nicht akzeptiert zu werden, was die Symptomatik verschlimmern kann.
  • Ruhe und Stabilität bieten: Wichtig ist, dass Helfer selbst Ruhe und Stabilität ausstrahlen, um die emotionale Achterbahn der Betroffenen zu beruhigen.
  • Liebesentzug vermeiden: Liebesentzug ist eine besonders schädliche Methode im Umgang mit Borderline-Patienten. Er verstärkt die Angst vor Zurückweisung und kann zu selbstschädigendem Verhalten führen.
  • Selbstverletzendes Verhalten nicht dramatisieren: Selbstverletzungen sollten nicht ignoriert, aber auch nicht überbewertet werden. Sachliche Hilfe und das Gespräch über die zugrundeliegenden Emotionen sind wichtig.
  • System einbeziehen: Die Unterstützung des familiären Umfelds ist entscheidend. Oftmals engen Angehörige die Betroffenen zu sehr ein, was die Symptomatik verstärkt.
  • Ambulante Therapie bevorzugen: Ambulante Therapie bietet mehr Flexibilität und Freiheit als stationäre Behandlung. Im stationären Setting fühlen sich Betroffene oft eingeengt und kontrolliert.
  • Geduld und Verständnis: Heilungsprozesse brauchen Zeit und Geduld. Betroffene müssen lernen, mit ihren Emotionen umzugehen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Konkrete Hilfestellungen:

  • Stützende Bezugspersonen: Betroffene brauchen stabile Bezugspersonen, die ihnen Halt und Sicherheit geben.
  • Therapeutische Begleitung: Eine Therapie kann helfen, die Ursachen der Borderline-Störung aufzuarbeiten und neue Verhaltensweisen zu erlernen.
  • Kreative Ausdrucksmöglichkeiten: Betroffene sollten ermutigt werden, ihre Emotionen auf kreative Weise auszudrücken, z.B. durch Kunst, Musik oder Sport.
  • Verständnis für die Suchtproblematik: Sucht und Borderline treten häufig gemeinsam auf. Auch hier ist es wichtig, nicht zu moralisieren, sondern die Betroffenen in ihrer Eigenverantwortung zu stärken.

Wichtige Punkte im Umgang mit dem familiären Umfeld:

  • Mutter der Betroffenen unterstützen: Die Mutter spielt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Betroffenen.
  • Vater einbeziehen: Der Vater sollte in den Unterstützungsprozess einbezogen und ermutigt werden, die Mutter zu unterstützen.
  • Geschwister entlasten: Geschwister sollten nicht in die Rolle des „Ersatztherapeuten“ gedrängt werden.
  • Professionelle Unterstützung: Mütterberaterinnen und andere Fachpersonen können wertvolle Unterstützung bieten.

Zusätzliche Anmerkungen:

  • Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Borderline-Persönlichkeitsstörungen heilbar sind.
  • Die Heilungschancen hängen stark von der Qualität der therapeutischen Beziehung und der Unterstützung durch das Umfeld ab.
  • Wichtig ist, den Betroffenen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen und ihnen zu helfen, ihre eigenen Stärken zu entdecken.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf