Dr.med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag die Wichtigkeit eines achtsamen und wertschätzenden Umgangs mit ADHS/ADS-Kindern, um ihre positive Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Sowohl Eltern als auch Lehrpersonen spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Hier sind die wichtigsten Punkte, die laut Dr.med. Ursula Davatz beachtet werden sollten:
1. Validierung des Kindes:
- Wahrnehmung und Anerkennung der individuellen Eigenschaften des Kindes: ADHS/ADS-Kinder sind nicht alle gleich, sie haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Es ist wichtig, diese Individualität zu erkennen und das Kind in seinem Wesen zu bestätigen (validieren).
- Vermeidung von Kritik und Abwertung: Kinder, die ständig kritisiert und abgewertet werden, entwickeln ein negatives Selbstbild und verlieren das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Das gilt besonders für ADHS/ADS-Kinder, die ohnehin oft mit negativen Erfahrungen konfrontiert sind.
- Fokus auf positive Eigenschaften: Jedes Kind hat Talente und Stärken. Indem man diese in den Vordergrund stellt und das Kind für seine Erfolge lobt, stärkt man sein Selbstwertgefühl.
2. Klare Strukturen und Regeln:
- Schaffung von Sicherheit und Orientierung: ADHS/ADS-Kinder brauchen klare Strukturen und Regeln, um sich in ihrem Alltag zurechtzufinden und ihre Impulsivität zu kontrollieren. Klare Erwartungen und Grenzen geben ihnen Sicherheit und helfen ihnen, sich angemessen zu verhalten.
- Konsequente Durchsetzung der Regeln: Es ist wichtig, die aufgestellten Regeln konsequent durchzusetzen, um dem Kind die Ernsthaftigkeit der Regeln zu vermitteln. Inkonsequentes Verhalten verunsichert das Kind und führt zu Konflikten.
- Weniger ist mehr: Statt vieler kleiner Regeln ist es sinnvoller, wenige, aber wichtige Regeln aufzustellen und diese klar zu kommunizieren.
3. Förderung der Eigenverantwortung:
- Einbeziehung des Kindes in Problemlösungsprozesse: Anstatt dem Kind Lösungen vorzuschreiben, sollte man es in die Suche nach Lösungen aktiv einbeziehen. Dies fördert seine Eigenverantwortung und sein Selbstvertrauen.
- „Wir“-Gefühl stärken: Eltern und Lehrpersonen sollten gemeinsam mit dem Kind an Lösungen arbeiten und ein „Wir“-Gefühl erzeugen. Das Kind soll spüren, dass es nicht allein mit seinen Problemen ist.
4. Förderung der Sozialkompetenz:
- Gelegenheiten für soziale Interaktion schaffen: ADHS/ADS-Kinder brauchen Gelegenheiten, ihre Sozialkompetenz zu trainieren. Eltern und Lehrpersonen können dies fördern, indem sie gemeinsame Aktivitäten organisieren, bei denen das Kind lernen kann, mit anderen Kindern zu kooperieren und Konflikte zu lösen.
- Begleitung und Unterstützung: ADHS/ADS-Kinder brauchen oft Unterstützung im Umgang mit anderen Kindern. Eltern und Lehrpersonen sollten aufmerksam beobachten, wie das Kind mit anderen Kindern interagiert, und ihm bei Bedarf helfen, Konflikte zu lösen oder sich in Gruppen zu integrieren.
5. Individuelle Förderung:
- Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse: Jedes Kind hat seinen eigenen Lernstil und seine eigenen Interessen. Es ist wichtig, diese zu berücksichtigen und das Kind individuell zu fördern.
- Stärkung der intrinsischen Motivation: ADHS/ADS-Kinder lernen am besten, wenn sie intrinsisch motiviert sind. Eltern und Lehrpersonen sollten versuchen, die Interessen des Kindes zu wecken und ihm Aufgaben zu geben, die es spannend findet.
6. Vermeidung von Blamagen und Strafen:
- Respektvoller Umgang: ADHS/ADS-Kinder sind besonders sensibel und verletzlich. Strafen und Blamagen sind deshalb kontraproduktiv und können das Selbstwertgefühl des Kindes nachhaltig schädigen.
- Einzelgespräche statt öffentliche Kritik: Wenn ein Kind die Regeln bricht, sollte man es nicht vor der Klasse bloßstellen, sondern ein Einzelgespräch suchen. In diesem Gespräch kann man dem Kind in Ruhe erklären, warum sein Verhalten nicht in Ordnung war, und gemeinsam nach Lösungen suchen.
7. Geduld und Ausdauer:
- Verständnis für die Schwierigkeiten des Kindes: ADHS/ADS-Kinder haben es im Alltag oft schwerer als andere Kinder. Sie brauchen deshalb Verständnis und Geduld von ihren Eltern und Lehrpersonen.
- Positive Verstärkung: Statt sich auf die negativen Verhaltensweisen zu fokussieren, sollte man das Kind für seine positiven Verhaltensweisen loben und belohnen. Dies motiviert es, sich weiterhin anzustrengen.
8. Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen:
- Austausch über die Bedürfnisse des Kindes: Um das Kind optimal zu fördern, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen unerlässlich. Sie sollten sich regelmäßig über die Entwicklung des Kindes austauschen und gemeinsam an Lösungen für Probleme arbeiten.
9. Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse:
- Stressmanagement: Der Umgang mit ADHS/ADS-Kindern kann für Eltern und Lehrpersonen sehr anstrengend sein. Es ist deshalb wichtig, dass sie auch auf ihre eigenen Bedürfnisse achten und sich regelmäßig Pausen gönnen.
- Reflexion des eigenen Verhaltens: Eltern und Lehrpersonen sollten ihr eigenes Verhalten regelmäßig reflektieren und überlegen, wie sie den Umgang mit dem Kind noch verbessern können.
Indem Eltern und Lehrpersonen diese Punkte beachten, können sie ADHS/ADS-Kinder dabei unterstützen, ihre Stärken zu entwickeln, ihre Schwächen zu kompensieren und zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten heranzuwachsen.
https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf