Es wird die Bedeutung des Genogramms, welches die familiären Beziehungen und deren Geschichte abbildet, hervorgehoben.
1. Bedeutung des Umfelds: Dr.med. Ursula Davatz betont wiederholt den Einfluss des Umfelds auf die Entwicklung und den Verlauf der Borderline-Persönlichkeitsstörung. * Sie beschreibt, wie ein restriktives Umfeld in der Pubertät, in dem der emotionale Ausdruck unterdrückt wird, zur Entstehung der Störung beitragen kann. * Auch im späteren Leben spielt das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. * Ein unterstützendes Netzwerk kann die Mutter stabilisieren und ihr helfen, besser mit ihren Emotionen umzugehen. * Fehlt diese Unterstützung, kann die Situation eskalieren und die Mutter mit ihren Emotionen überfordert sein.
2. Vermeidung von Stigmatisierung und Isolation: Mütter mit Borderline-Persönlichkeitsstörung sind oft stigmatisiert und isoliert. * Dr.med. Ursula Davatz berichtet von Patientinnen, die sich aus Scham und Angst vor Verurteilung zurückziehen und soziale Kontakte meiden. * Ein Verständnis des Genogramms kann den Mütterberaterinnen helfen, die Gründe für diese Isolation zu erkennen und die Mutter besser zu verstehen. * Durch eine wertschätzende und nicht-verurteilende Haltung können sie der Mutter helfen, aus ihrer Isolation auszubrechen und Unterstützung in ihrem Umfeld zu finden.
3. Ressourcen und Belastungen erkennen: Das Genogramm ermöglicht es, die Ressourcen und Belastungen im Umfeld der Mutter zu identifizieren. * Sind unterstützende Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn vorhanden? * Gibt es belastende Faktoren wie finanzielle Sorgen, Arbeitslosigkeit oder Beziehungsprobleme? * Diese Informationen helfen der Mütterberaterin, die Situation der Mutter ganzheitlich zu erfassen und geeignete Unterstützungsmassnahmen zu entwickeln.
4. Individuelle Bedürfnisse und Herausforderungen: Jede Familie und jedes soziale Umfeld ist einzigartig. * Das Genogramm hilft der Mütterberaterin, die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen der Mutter zu verstehen und ihre Beratung entsprechend anzupassen. * Es kann helfen, sensible Themen wie die Beziehung zur eigenen Mutter, die Rolle des Partners oder die Belastung durch die Erkrankung anzusprechen, ohne die Mutter zu überfordern.
Die von Dr.med. Ursula Davatz dargestellten Prinzipien heben ein ganzheitliches Verständnis des Familiensystems und des sozialen Umfelds der Mutter mit Borderline-Persönlichkeitsstörung als essentiell für eine erfolgreiche Beratung hervor. Dieses Verständnis kann durch den Einsatz des Genogramms unterstützt werden.
https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf