Dr.med. Ursula Davatz bietet einige Anhaltspunkte, um die damit verbundenen Herausforderungen zu beleuchten.

Soziale Vererbung und kulturelle Unterschiede:

  • Dr.med. Ursula Davatz betont die Bedeutung der sozialen Vererbung, also der Weitergabe von Werten, Traditionen und Erziehungsmustern von Generation zu Generation.
  • Bei Familien aus unterschiedlichen Kulturen treffen unterschiedliche soziale Vererbungen aufeinander, was zu Konflikten und Missverständnissen führen kann.
  • Beispielsweise können unterschiedliche Vorstellungen von Familienrollen, Erziehungsstilen oder der Bedeutung von Individualismus und Kollektivismus die Integration erschweren.

Integration vs. Anpassung:

  • Dr.med Ursula Davatz weist darauf hin, dass die Schweiz oft eine „Anpassungspolitik“ gegenüber Migranten verfolgt, die von ihnen erwartet, sich den Schweizer Werten und Normen anzupassen.
  • Dieser Ansatz kann jedoch problematisch sein, da die Veränderung der sozialen Vererbung ein langwieriger und komplexer Prozess ist.
  • Eine erfolgreiche Integration erfordert gegenseitiges Verständnis, Respekt und die Bereitschaft, von anderen Kulturen zu lernen.

Konkrete Herausforderungen in der Familienarbeit:

  • Sprachbarrieren: Die Kommunikation zwischen Fachkräften und Familien aus anderen Kulturen kann durch Sprachbarrieren erschwert sein.
  • Kulturelle Sensibilität: Fachkräfte müssen über kulturelle Kompetenzen verfügen, um die Bedürfnisse und Perspektiven von Familien aus unterschiedlichen Kulturen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.
  • Vertrauensaufbau: Der Aufbau von Vertrauen ist essenziell für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Dies kann jedoch zeitaufwändig sein, insbesondere wenn die Familien negative Erfahrungen mit Behörden oder Institutionen gemacht haben.

Potenziale der Familienarbeit:

  • Vermittlung zwischen Kulturen: Fachkräfte können als „kulturelle Brückenbauer“ fungieren und Familien dabei unterstützen, sich in der Schweizer Gesellschaft zurechtzufinden und gleichzeitig ihre eigene kulturelle Identität zu bewahren.
  • Stärkung der Familienressourcen: Die Familienarbeit kann dazu beitragen, die Ressourcen und Kompetenzen von Familien aus anderen Kulturen zu stärken und ihnen so eine bessere Integration zu ermöglichen.
  • Sensibilisierung der Schweizer Gesellschaft: Die Familienarbeit kann auch dazu beitragen, die Schweizer Gesellschaft für die Herausforderungen und Bedürfnisse von Migrantenfamilien zu sensibilisieren und so ein Klima des gegenseitigen Respekts und der Toleranz zu fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Integration von Familien aus unterschiedlichen Kulturen in die Schweizer Gesellschaft mit vielfältigen Herausforderungen verbunden ist. Die Familienarbeit kann jedoch einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Familien unterstützt, Brücken zwischen Kulturen baut und die Schweizer Gesellschaft für die Bedürfnisse von Migrantenfamilien sensibilisiert.

https://ganglion.ch/pdf/Grosseltern_11.9.2024.m4a.pdf