Dr.med. Ursula Davatz beschreibt ADHS/ADS nicht als Krankheit mit klar definierten Symptomen und Folgen, sondern als Neurotyp, der mit vielfältigen Langzeitfolgen einhergehen kann. Sie betont dabei, dass die Folgen stark von der Interaktion zwischen der individuellen Veranlagung und dem Umfeld abhängen, insbesondere vom Erziehungsstil der Eltern und Lehrer.

Negative Folgen bei ungünstigem Umfeld:

  • Delinquenz: Dr.med. Ursula Davatz weist darauf hin, dass in Gefängnissen 30% bis 40% der Insassen ADHS/ADS haben. Sie führt dies auf die oft negative Interaktion zwischen ADHS/ADS und einem autoritären Erziehungsstil zurück, der die Kinder nicht in ihrer Persönlichkeit fördert, sondern durch Bestrafung und mangelndes Verständnis zu unangepasstem Verhalten treibt.
  • Psychische Erkrankungen: ADHS/ADS-Betroffene sind laut Dr.med. Ursula Davatz anfälliger für verschiedene psychische Erkrankungen wie bipolare Störungen, Depressionen, Essstörungen und Suchterkrankungen. Sie erklärt dies mit der „Vulnerabilität“ des ADHS/ADS-Gehirns, das auf ungünstige Umweltbedingungen mit psychischen Problemen reagieren kann.
  • Schwierigkeiten im Schulsystem: Das heutige Schulsystem mit seinem Fokus auf Gleichmacherei, Belohnung und Bestrafung ist laut Dr. Davatz für ADHS/ADS-Kinder ungeeignet. Sie leiden unter der fehlenden individuellen Förderung und dem Unverständnis der Lehrer, was zu Frustration, Schulversagen und psychischen Problemen führen kann.

Positive Folgen bei günstigem Umfeld:

  • Kreativität und Innovation: Dr. Davatz sieht die Kreativität als eine der grossen Stärken von ADHS/ADS-Betroffenen. Sie führt dies auf die besondere Struktur ihres Gehirns zurück, das offener für neue Erfahrungen und unkonventionelle Denkweisen ist. Bei entsprechender Förderung können Menschen mit ADHS/ADS diese Kreativität in verschiedenen Bereichen wie Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft erfolgreich einsetzen.
  • Erfolgreiche Integration in die Gesellschaft: Dr. Davatz betont, dass Menschen mit ADHS/ADS bei angemessener Förderung und Unterstützung ein erfülltes und erfolgreiches Leben führen können.
  • Entwicklung von Resilienz: Durch die Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen, können ADHS/ADS-Betroffene eine hohe Resilienz entwickeln, also die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen.

Fazit:

Die langfristigen Folgen von ADHS/ADS sind vielfältig und hängen stark von der Interaktion zwischen dem individuellen Neurotyp und dem Umfeld ab. Ein verständnisvolles und unterstützendes Umfeld, das die besonderen Bedürfnisse und Stärken der Betroffenen berücksichtigt, ist entscheidend für eine positive Entwicklung.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf