Dr.med. Ursula Davatz beschreibt das Gehirn von Menschen mit ADHS/ADS als „etwas speziell“ und hebt dabei drei Hauptmerkmale hervor:

  • Verstärkte Vernetzung des emotionalen Gedächtnisses: Das emotionale Gedächtnis ist bei ADHS/ADS-Betroffenen stärker mit dem restlichen Gehirn vernetzt. Dies könnte ihre hohe Sensibilität erklären und dazu führen, dass sie intensiver auf Reize aus ihrer Umgebung reagieren. Sie nehmen Stimmungen und Veränderungen schnell wahr und reagieren möglicherweise impulsiver.
  • Verzögerte Reifung: ADHS/ADS-Gehirne reifen langsamer und schließen ihre Synapsen später ab. Dieser Prozess, bekannt als Synaptic Pruning, bedeutet, dass im Gehirn weniger „Autobahnen“ gebildet werden, was die Betroffenen flexibler und offener für neue Erfahrungen macht. Dies könnte eine Erklärung für die oft beobachtete Kreativität bei Menschen mit ADHS/ADS sein.
  • Kreativität als Stärke: Dr. Davatz sieht die Kreativität von ADHS/ADS-Betroffenen als eine direkte Folge ihrer andersartigen Gehirnstruktur. Anstatt diese Kreativität zu unterdrücken, plädiert sie dafür, sie zu fördern und zu unterstützen.

Dr.med. Ursula Davatz vergleicht das Gehirn mit einem sozialen Organ, das durch Interaktion lernt und sich anpasst. Sie betont den starken Einfluss der Umwelt auf die Entwicklung des Gehirns, insbesondere bei ADHS/ADS. Negative Erfahrungen, wie beispielsweise ständige Kritik oder ein autoritärer Erziehungsstil, können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und zu psychischen Problemen führen.

Zusammenfassend beschreibt Dr. Davatz das Gehirn von ADHS/ADS-Betroffenen als komplex und einzigartig. Es zeichnet sich durch eine hohe emotionale Vernetzung, eine verzögerte Reifung und ein hohes kreatives Potenzial aus. Anstatt ADHS/ADS als Krankheit zu betrachten, plädiert sie dafür, es als Neurodiversität zu verstehen und die individuellen Stärken der Betroffenen zu fördern.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf