Die Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion beschreiben ihren Alltag mit ADHS/ADS als eine Mischung aus Herausforderungen und Chancen. Sie betonen die Individualität der Diagnose und wie unterschiedlich sich ADHS/ADS bei verschiedenen Menschen äußern kann.
Einige wiederkehrende Themen in ihren Schilderungen sind:
- Strukturierungsbedarf und emotionale Schwankungen: Ondine Riesen und Elsa Wuchner berichten, dass Struktur und Routine für sie enorm wichtig sind, um ihren Alltag zu bewältigen. Ohne diese Struktur fühlen sie sich schnell überfordert und desorientiert. Riesen beschreibt, wie ihr Tag „kaputt“ war, als sie einmal verschlief und dadurch ihre Routine durcheinandergeriet. Wuchner betont, dass sie jeden Tag Zeit braucht, um sich zu strukturieren und ihre Aufgaben zu organisieren. Andernfalls empfindet sie ihren Tag als „nicht mehr so cool“. Beide Frauen beschreiben zudem, dass sie zu starken emotionalen Schwankungen neigen, die oft unvorhersehbar auftreten und ihren Alltag beeinflussen.
- Schwierigkeiten in der Schulzeit: Reena Krishnaraja berichtet, dass sie in ihrer Schulzeit oftmals als „temperamentvoll“ wahrgenommen wurde, da man die Symptome ihres ADHS/ADS nicht richtig deuten konnte. Obwohl sie gute Noten hatte, fiel es ihr schwer, sich ohne einen Stundenplan zu organisieren und Motivation für Aufgaben zu finden, die sie nicht interessierten. Ondine Riesen hatte massive Probleme in der Schule und schaffte es nur „per Zufall“ ins Gymnasium und an die Universität. Erst mit der Diagnose und der Einnahme von Ritalin konnte sie ihr Studium abschließen.
- Anpassung und Erschöpfung: Alle Teilnehmerinnen beschreiben, dass sie sich im Laufe ihres Lebens stark angepasst haben, um in einer Welt zu funktionieren, die nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ondine Riesen vergleicht diese Anstrengung mit dem Training für die Olympischen Spiele und betont, wie anstrengend und kräftezehrend dieser Prozess ist. Elsa Wuchner berichtet, dass sie erst durch ihre Diagnose erkannte, dass sie unter einem Leidensdruck stand, der ihr vorher nicht bewusst war, da sie ihr Verhalten immer als „normal“ empfunden hatte.
- Individuelle Strategien und Herausforderungen: Die Teilnehmerinnen berichten von unterschiedlichen Strategien, die sie entwickelt haben, um mit ihrem ADHS/ADS umzugehen. Riesen setzt auf das Erlernen und Üben von Verhaltensweisen, Wuchner auf Struktur und Organisation, und Krishnaraja versucht, ihren Alltag so zu gestalten, dass er ihren Bedürfnissen entspricht. Trotz dieser Strategien bleiben Herausforderungen bestehen, wie zum Beispiel die Schwierigkeit, den eigenen Fokus zu finden, die Neigung zur Selbstüberschätzung und die Gefahr von Folgeerkrankungen.
Die Schilderungen der Teilnehmerinnen verdeutlichen, dass ADHS/ADS nicht nur eine Diagnose, sondern eine Lebensrealität ist, die den Alltag der Betroffenen in vielfältiger Weise prägt. Sie zeigen aber auch, dass Menschen mit ADHS/ADS trotz der Herausforderungen erfolgreiche und erfüllte Leben führen können, wenn sie die richtige Unterstützung und ein verständnisvolles Umfeld haben.