Dr.med. Ursula Davatz präsentiert in ihren Ausführungen zahlreiche Strategien für den erfolgreichen Umgang mit Jugendlichen, besonders im Kontext der „No Bock, No Future“-Generation:
1. Den Jugendlichen wahrnehmen und verstehen:
- Zeit nehmen: Anstatt schnelle Lösungen zu suchen, sollte man sich die Zeit nehmen, den Jugendlichen und sein Umfeld kennenzulernen und seine Prägungen zu verstehen.
- Auf Augenhöhe begegnen: Jugendliche wollen ernst genommen und nicht von oben herab behandelt werden. Man sollte ihnen auf Augenhöhe begegnen, ohne allwissend oder druckvoll zu sein.
- Indirekte Fragen stellen: Anstatt direkte Fragen zu stellen, die oft zu Abwehr führen, kann man durch indirekte Fragen über Musik, Idole, Filme oder Freunde mehr über den Jugendlichen erfahren.
- Wesen des Jugendlichen erkennen: Man sollte versuchen, das Wesen des Jugendlichen und seine Interaktion mit der Herkunftsfamilie zu verstehen, um seine Verhaltensweisen besser einordnen zu können.
- Vermeidung pathologischer Begriffe: Die Verwendung von psychiatrischen Diagnosen kann stigmatisierend wirken und den Jugendlichen in seiner Entwicklung blockieren. Man sollte stattdessen die zugrundeliegenden Probleme und Bedürfnisse verstehen.
2. Bedürfnisorientierte Kommunikation und Kooperation:
- Authentisch sein: Jugendliche spüren sofort, wenn man ihnen etwas vormacht. Es ist wichtig, authentisch zu sein und auch eigene Schwierigkeiten und Grenzen klar zu kommunizieren.
- Bedürfnisse erfragen und ernst nehmen: Man sollte den Jugendlichen fragen, was er braucht und will, und seine Bedürfnisse ernst nehmen. Ihm helfen, diese Bedürfnisse auf eine sozialverträgliche Art zu äußern.
- Kooperation fördern: Anstatt Befehle zu erteilen, sollte man den Jugendlichen in die Kooperation einbeziehen. Ihn an der Problemlösung beteiligen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
- „Nein“ sagen statt verbieten: Anstatt zu verbieten, sollte man eigene Grenzen klar und standhaft kommunizieren. „Ich will das nicht“ statt „Das darfst du nicht“.
- Fortschritte anerkennen: Selbst kleine Fortschritte sollten wahrgenommen und positiv verstärkt werden. Kritik hingegen führt oft zu Demotivation.
3. Fokus auf die „Herzensebene“:
- Emotionale Verbindung aufbauen: Es ist wichtig, eine emotionale Verbindung zum Jugendlichen aufzubauen und ihm auf der „Herzensebene“ zu begegnen.
- Spielerische Ansätze nutzen: Spielerische Interaktionen fördern das Lernen und die Verbindung zum Jugendlichen.
- Begeisterung vermitteln: Anstatt gegen die digitale Welt anzukämpfen, sollte man die eigenen Werte und Interessen authentisch und mit Begeisterung vermitteln.
- Menschliche Kompetenzen fördern: Im Zeitalter der Digitalisierung ist es wichtig, die menschlichen Fähigkeiten wie Empathie, soziale Kompetenz und die Wahrnehmung von Zwischentönen zu fördern.
- Zeit und Geduld investieren: Entwicklung braucht Zeit. Man sollte geduldig sein und dem Jugendlichen die Zeit geben, die er braucht, um zu lernen und zu wachsen.
Zusätzliche Punkte:
- Bewusstsein für die Gruppendynamik: In Schulen und anderen Gruppen von Jugendlichen ist es wichtig, die Gruppendynamik zu verstehen und zu beeinflussen, um Mobbing und Ausgrenzung zu verhindern.
- Bedeutung von Empathie und Gleichberechtigung: In Teams und Gruppen funktionieren diejenigen am besten, in denen alle Mitglieder gleichberechtigt sind und Empathie füreinander zeigen.
- Verantwortung für Sozialkompetenz übernehmen: Die Vermittlung von Werten wie Ethik, Moral und Sozialkompetenz ist heute wichtiger denn je und sollte nicht nur von der Religion oder Gesetzen, sondern von jedem Einzelnen aktiv gelebt und vorgelebt werden.
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass jeder Jugendliche einzigartig ist und es keine allgemeingültige Anleitung für den Umgang mit ihnen gibt. Die vorgestellten Strategien können jedoch als Orientierung dienen und dazu beitragen, eine positive und unterstützende Beziehung zu Jugendlichen aufzubauen.