Dr.med. Ursula Davatz betrachtet Medikamente im Kontext von ADHS/ADS als ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erkennt sie den potenziellen Nutzen von Medikamenten wie Ritalin, Concerta und Elvanse, insbesondere in Bezug auf die Fokussierung der Aufmerksamkeit und die Verbesserung schulischer Leistungen. Sie räumt ein, dass diese Medikamente, die zur Gruppe der Amphetamine gehören, Kindern helfen können, in einer leistungsorientierten Gesellschaft besser zurechtzukommen. Sie verschreibt selbst Medikamente an Kinder und Erwachsene, wenn diese Prüfungen absolvieren, intensiv lernen oder sich auf Aufgaben konzentrieren müssen, die ihnen schwerfallen, wie beispielsweise das Ausfüllen der Steuererklärung.

Andererseits betont sie die Nachteile und Risiken der medikamentösen Behandlung. Sie vergleicht die Wirkung von Amphetaminen mit Stress und weist darauf hin, dass die Einnahme zu einem Verlust der „breiten Aufmerksamkeit“ und der „Aufmerksamkeit nach innen“ führen kann. Betroffene berichten, dass sie sich unter Medikamenteneinfluss weniger „sie selbst“ fühlen. Darüber hinaus kritisiert sie die gängige Praxis, ADHS/ADS primär medikamentös zu behandeln und dabei die Bedeutung des erzieherischen Umfelds zu vernachlässigen.

Besonders wichtig ist ihr, dass die Entscheidung über die Einnahme von Medikamenten bei den Eltern und dem Kind liegt und nicht von Lehrern beeinflusst werden sollte. Sie plädiert für eine ganzheitliche Behandlung, die Medikamente, falls erforderlich, nur als Ergänzung zu einer individuellen Beratung und Förderung sowie einer Veränderung des erzieherischen Umfelds einsetzt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Davatz die medikamentöse Behandlung von ADHS/ADS mit Skepsis betrachtet und Medikamente nur als letztes Mittel in Kombination mit anderen Therapieformen empfiehlt. Sie warnt vor den Nebenwirkungen und der Gefahr, dass die Einnahme von Medikamenten die Kreativität der Betroffenen einschränken könnte. Stattdessen plädiert sie für einen respektvollen Umgang mit der Neurodiversität von ADHS/ADS-Betroffenen und die Schaffung eines Umfelds, in dem sie ihre individuellen Stärken entfalten können.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf