Dr.med. Ursula Davatz beschreibt Trauma als ein psychisches oder körperliches Ereignis, das tiefe Wunden hinterlässt, vor allem in der Seele. Diese Ereignisse sind tiefgreifend und können nicht einfach vergessen werden. Sie tauchen oft in der Nacht wieder auf, verfolgen die Betroffenen in ihren Träumen und führen zu Schlafstörungen.

Ein zentrales Element in Dr. Davatz‘ Verständnis von Trauma ist die Rolle des limbischen Systems, auch bekannt als das emotionale Gehirn. Traumatische Erlebnisse werden im emotionalen Gedächtnis des limbischen Systems gespeichert. Diese ständige Präsenz traumatischer Erinnerungen verringert die Verarbeitungskapazität des Gehirns, was zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und einem Gefühl der Abwesenheit führt. Das limbische System ist durch das Trauma „besetzt“ und verhindert, dass das Gehirn neue Erfahrungen frei verarbeiten kann.

Die Verarbeitung von Traumata vergleicht Dr.med. Ursula Davatz mit dem Wiederkäuen bei Kühen. Durch wiederholtes „Durchkauen“ des Traumas, sei es durch Gespräche, Schreiben oder andere Formen der Auseinandersetzung, kann es verarbeitet und schließlich „verdaut“ werden.

Ein entscheidender Schritt in der Traumaverarbeitung ist das Benennen des Traumas. Indem man das Erlebte in Worte fasst, kann der emotionale Stress reduziert werden. Idealerweise wird das Trauma im Grosshirn, dem intellektuellen Teil des Gehirns, abgelegt, wo es zwar nicht vergessen wird, aber emotional nicht mehr belastend ist.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass nicht alle Menschen gleich auf Traumata reagieren. Manche Menschen können Traumata gut verdrängen, während andere ständig damit kämpfen. Sie weist auch darauf hin, dass es wichtig ist, die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu respektieren und ihn nicht zu zwingen, über das Trauma zu sprechen, wenn er noch nicht bereit dazu ist.

Besonders Kinder sind sehr verletzlich und können durch unbedachte Äusserungen oder Handlungen von Erwachsenen traumatisiert werden. Diese Traumata können sich später im Leben in Form von psychosomatischen Beschwerden oder psychischen Problemen manifestieren.

Dr.med. Ursula Davatz räumt auch mit dem Irrglauben auf, dass ADHS/ADS eine Folge von Traumata sei. Sie betont, dass ADHS/ADS genetisch bedingt ist. Allerdings sind Menschen mit ADHS/ADS aufgrund ihrer Sensibilität und Andersartigkeit anfälliger für Traumata.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz Trauma als ein tiefgreifendes Ereignis versteht, das sich auf das emotionale Gehirn auswirkt und die Verarbeitungskapazität des Gehirns beeinträchtigt. Die Verarbeitung von Traumata erfordert eine aktive Auseinandersetzung mit dem Erlebten, um es schließlich im Grosshirn abzulegen und emotional zu „entschärfen“.

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