Dr.med. Ursula Davatz argumentiert in ihrem Vortrag, dass die gesellschaftlichen Systeme der letzten 2000 Jahre primär nach dem männlichen Gehirnmodell aufgebaut wurden und sich auf Machterhaltung, Machtausweitung und starre Strukturierung konzentrieren. Sie sieht dies in der Dominanz von Männern in Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Rechtssystemen. Diese männlich dominierten Systeme haben zwar zu Fortschritten geführt, aber sie sind laut Dr. Davatz nicht mehr zeitgemäß und stehen den heutigen globalen Herausforderungen im Weg.

Patriarchale Machtstrukturen und ihre Auswirkungen:

  • Die Referentin veranschaulicht diese patriarchalen Machtstrukturen anhand historischer Beispiele wie dem Römischen Reich, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen und dem Aufstieg der USA zur globalen Wirtschaftsmacht.
  • Sie betont, dass der Drang nach Machtausweitung und die Konkurrenz zwischen den Grossmächten auch heute noch aktuell sind.
  • Dr. Davatz sieht in der globalisierten Wirtschaft eine Spannung, da der freie Handel global funktioniert, während die politischen Strukturen in Ländern wie China und Russland nicht liberalisiert wurden.
  • Dies führt zu Ungleichgewichten und Konflikten, die durch das Festhalten an patriarchalen Machtstrukturen und der Angst vor Meinungsfreiheit verschärft werden.

Die Notwendigkeit eines Wandels:

Dr. Davatz plädiert für einen Paradigmenwechsel von patriarchalen Machtstrukturen hin zu „Power Sharing“, Machtverteilung und Kooperation. Sie sieht in der weiblichen Herangehensweise, die auf Lösungsfindung und Vernetzung fokussiert, den Schlüssel zur Bewältigung globaler Herausforderungen wie der Klimakrise.

  • Die Referentin argumentiert, dass der „übertriebene Individualismus“ im Westen ebenfalls problematisch ist, da er zu einer Erosion der gesellschaftlichen Strukturen führen kann.
  • Sie kritisiert die „Political Correctness“ als Beispiel für diesen übertriebenen Individualismus, der die freie Meinungsäusserung einschränkt.
  • Laut Dr. Davatz braucht es ein Gleichgewicht zwischen Individualismus und Gemeinschaftssinn, um eine gesunde Gesellschaft zu gewährleisten.

Die Rolle von Ethik und Moral:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Ethik und Moral nicht von aussen aufgezwungen werden können, sondern „in uns geortet“ sein müssen. Sie sieht den Menschen als „soziale Spezies“ mit angeborenem Sozialverhalten.

  • Sie illustriert dies anhand von Beispielen aus dem Tierreich und der menschlichen Gesellschaft, die zeigen, dass Sozialverhalten und Hilfsbereitschaft artübergreifend und unabhängig von Religion oder Ethikunterricht existieren.
  • Dr. Davatz kritisiert die Fokussierung auf Bestrafung im Umgang mit gesellschaftlichen Problemen und plädiert stattdessen für frühzeitige Interventionen, die Menschen helfen, sich „menschenwürdig“ zu entwickeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Dr.med. Ursula Davatz zeichnet ein Bild der gesellschaftlichen Systeme als historisch männlich geprägte Strukturen, die in der heutigen Zeit an ihre Grenzen stossen. Sie plädiert für einen Wechsel hin zu Kooperation, Lösungsorientierung und einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Individualismus und Gemeinschaftssinn. Dabei spielt die Stärkung der weiblichen Perspektive und die Förderung von Ethik und Moral eine zentrale Rolle.

https://ganglion.ch/pdf/Gesellschaft%20unter%20Hochdruck.m4a.pdf