Dr.med. Ursula Davatz erörtert in ihrem Vortrag den Zusammenhang zwischen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung). Sie weist darauf hin, dass beide Störungen eine gemeinsame genetische Grundlage haben. Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) haben gezeigt, dass ADHS/ADS, Schizophrenie, bipolare Störung, Autismus und schwere Depression denselben veränderten Genlocus aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass diese Störungen genetisch miteinander verwandt sind.

Dr.med. Ursula Davatz räumt ein, dass sie nicht sicher sagen kann, ob ADHS und ADS genetisch unterschiedlich sind. Sie beschreibt jedoch beobachtbare Unterschiede im Verhalten:

  • ADHS: Betroffene reagieren nach außen, was sich in Hyperaktivität und Aggressivität äußern kann.
  • ADS: Betroffene reagieren nach innen, indem sie viel nachdenken.

Gemeinsamkeiten von ADHS/ADS und Autismus:

Sowohl Menschen mit ADHS/ADS als auch Autisten sind hochsensibel. Autisten neigen dazu, viele Dinge miteinander zu verknüpfen und brauchen daher länger, um zu einem Schluss zu kommen. Ähnliches gilt für ADS, da Betroffene viel nachdenken.

Darüber hinaus betont Dr. Davatz, dass Ritalin, ein Medikament zur Behandlung von ADHS, in einem Fall dazu führte, dass ein autistischer Junge, der weder sprach noch schrieb, plötzlich mit dem Schreiben begann. Dies unterstreicht den engen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Autismus.

Dr.med. Ursula Davatz kommt zu dem Schluss, dass das Gehirn ein ganzheitliches Organ ist, in dem alles zusammenkommt und dass man es von verschiedenen Seiten her angehen kann. Die Unterscheidung zwischen ADHS und ADS, sowie zwischen diesen Störungen und Autismus, ist daher möglicherweise nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Zusätzliche Einblicke:

  • Autisten, wie auch Menschen mit ADHS/ADS, brauchen klare Strukturen und sind leicht verunsichert, wenn diese Strukturen verändert werden.
  • Extrinsische Motivation funktioniert bei ADHS/ADS nicht, sie brauchen intrinsische Motivation.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS und ADS eng miteinander verwandt sind und viele Gemeinsamkeiten mit Autismus aufweisen. Die genetische Veranlagung spielt bei allen drei Störungen eine Rolle, und die Grenzen zwischen den einzelnen Diagnosen sind fliessend.

https://ganglion.ch/pdf/Wendepunkt-ASS-26.11.2024.m4a.pdf