Dr.med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag immer wieder, wie entscheidend der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung für den Umgang mit Autisten ist.
- Autisten sind hochsensibel und reagieren stark auf die emotionale Verfassung ihres Gegenübers.
- Sie brauchen Sicherheit und Stabilität, die ihnen durch eine stabile Beziehung gegeben werden kann.
- Ohne eine tragfähige Beziehung reagieren Autisten mit Rückzug, Verweigerung oder Aggression.
Beziehung als Basis für alle Interaktionen:
Dr. Davatz vergleicht den Umgang mit Autisten mit der Arbeit von Primatenforschern wie Jane Goodall und Jörg Hess.
- Um das Verhalten von Gorillas zu verstehen, mussten die Forscher eine Beziehung zu den Tieren aufbauen.
- Genauso müssen wir auch bei Autisten zuerst eine Beziehungsebene schaffen, bevor wir etwas von ihnen erwarten oder fordern können.
Konkrete Beispiele aus dem Berufsleben:
Im Kontext der beruflichen Integration von Autisten wird die Bedeutung der Beziehung besonders deutlich.
- Beispiel 1: Eine junge Frau, die sich aufgrund von Überforderung und Angstzuständen komplett zurückzog, konnte erst wieder Fortschritte machen, als sie eine vertrauensvolle Beziehung zu ihrer Betreuerin aufbaute.
- Beispiel 2: Ein junger Mann, der sich gegenüber seinen Betreuern äusserst ablehnend verhielt, konnte erfolgreich als Busfahrer integriert werden, nachdem es gelungen war, eine stabile Arbeitsbeziehung zu ihm aufzubauen.
„Teilnehmende Beobachtung“ als Methode der Beziehungsgestaltung:
Dr.med. Ursula Davatz empfiehlt die Methode der „teilnehmenden Beobachtung“ als Grundlage für die Interaktion mit Autisten.
- Diese Methode beinhaltet aktives Zuhören, Validierung und das Einbringen eigener Gedanken und Gefühle ohne Erwartungen oder Druck.
- Durch die teilnehmende Beobachtung signalisieren wir dem Autisten, dass wir ihn wahrnehmen und ernst nehmen.
- Dadurch wird Vertrauen aufgebaut, das die Basis für eine stabile Beziehung bildet.
Beziehung als Schlüssel zum Lernen und zur Flexibilität:
- Sobald eine Beziehung aufgebaut ist, sind Autisten offener für Neues und bereit zu lernen.
- Durch die Sicherheit, die ihnen die Beziehung gibt, werden sie flexibler und können sich besser auf neue Situationen einstellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beziehung der wichtigste Faktor im Umgang mit Autisten ist. Nur durch den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung können wir ihnen die Sicherheit und Stabilität geben, die sie brauchen, um sich zu entfalten und ihre Potenziale zu nutzen.