Dr.med. Ursula Davatz präsentiert in ihrem Vortrag einen systemischen Ansatz zur Behandlung von ADHS, der sich von der rein symptomorientierten Behandlung mit Medikamenten abhebt. Sie betont, dass ADHS keine Krankheit, sondern ein Neurotyp ist, der sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt.

ADHS als Neurotyp:

  • Breite Aufmerksamkeit: Menschen mit ADHS haben eine breite Aufmerksamkeitsspanne, was bedeutet, dass sie viele Reize gleichzeitig wahrnehmen. Dies kann im Alltag sowohl positiv als auch negativ sein.
  • Hohe Sensitivität: ADHS-Betroffene sind oft sehr sensibel und reagieren stark auf Reize aus allen Bereichen.
  • System Overload: Die hohe Sensitivität und die breite Aufmerksamkeitsspanne können zu einer Reizüberflutung (System Overload) führen, die sich in Rückzug oder Aggressivität äußern kann.

Systemische Therapie bei ADHS:

Im Gegensatz zum medizinischen Modell, das sich auf die Symptombehandlung mit Medikamenten konzentriert, betrachtet die Systemische Therapie den Menschen in seinem sozialen Umfeld, insbesondere in seiner Familie.

  • Beratung der Eltern: Dr. Davatz legt großen Wert auf die Beratung der Eltern von Kindern mit ADHS. Sie gibt ihnen konkrete Handlungsanweisungen, wie sie mit ihrem Kind umgehen können, um Eskalationen zu vermeiden und die positive Entwicklung des Kindes zu fördern.
  • Dos and Don’ts: Sie betont, dass man ADHS-Kinder nicht mit „Nein“ erziehen sollte, sondern ihnen klare Anweisungen geben und sie in Entscheidungen einbeziehen sollte.
  • Intrinsische Motivation: ADHS-Kinder sind oft intrinsisch motiviert, d.h. sie lernen und handeln am besten, wenn sie selbstbestimmt agieren können.
  • Schaffung von Struktur: Dr. Davatz empfiehlt, den Kindern einen strukturierten Rahmen zu bieten, ohne sie dabei unter Druck zu setzen.

Behandlung von Erwachsenen mit ADHS:

Bei der Behandlung von Erwachsenen mit ADHS liegt der Fokus auf der Selbsterziehung.

  • Selbstverantwortung: Dr. Davatz ermutigt die Patienten, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen und ihren individuellen Fokus zu finden.
  • Individuelle Therapie: Die Therapie sollte individuell auf die Bedürfnisse und die Geschichte des Patienten abgestimmt sein.
  • Auseinandersetzung mit der Familie: Dr. Davatz ermutigt die Patienten, sich auf erwachsene Art mit ihren Eltern auseinanderzusetzen und die Unterschiede in der Familie zu akzeptieren.

Medikamentöse Behandlung:

Dr.med. Ursula Davatz kritisiert die übermäßige Verwendung von Medikamenten, insbesondere von Stimulanzien wie Ritalin, in der Behandlung von ADHS. Sie räumt zwar ein, dass Medikamente in einigen Fällen hilfreich sein können, warnt aber vor den Nebenwirkungen und betont, dass sie nur ein Teil eines umfassenderen Therapiekonzepts sein sollten.

https://ganglion.ch/pdf/neu-in-schizo-adhs.m4a.pdf