Dr.med. Ursula Davatz‘ Ansatz zum Umgang mit unrealistischen Zielen bei der Berufsfindung zeichnet sich durch Verständnis und eine schrittweise Annäherung an die Realität aus. Sie betont die Wichtigkeit der Validierung dieser „hochfliegenden“ Ziele, bevor man versucht, die Betroffenen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
1. Verstehen und Anerkennen der „hohen Ziele“:
Anstatt die unrealistischen Ziele sofort abzuwerten oder zu negieren, plädiert Dr. Davatz dafür, sich Zeit zu nehmen, um die Beweggründe und Bedürfnisse hinter diesen Zielen zu verstehen.
- Woher kommen diese Ziele?
- Welche Rolle spielen Vorbilder, familiäre Erwartungen oder gesellschaftliche Normen?
- Welche Sehnsüchte und Wünsche drücken sich in diesen Zielen aus?
Indem man diese Fragen stellt und den Betroffenen aktiv zuhört, zeigt man ihnen Respekt und Wertschätzung und schafft eine Atmosphäre des Vertrauens, in der sie sich öffnen und ihre Gedanken und Gefühle frei äussern können.
2. Validierung als Schlüssel zum Loslassen:
Dr. Davatz verwendet den Begriff „validieren“, um diesen Prozess des Verstehens und Anerkennens der „hohen Ziele“ zu beschreiben. Die Validierung ist entscheidend, um die Betroffenen zu erreichen und ihnen zu helfen, ihre unrealistischen Ziele loszulassen.
Wenn man die „hohen Ziele“ einfach ignoriert oder abtut, werden sich die Betroffenen nicht ernst genommen fühlen und sich möglicherweise noch stärker an ihre unrealistischen Vorstellungen klammern. Die Validierung hingegen ermöglicht es ihnen, ihre Ziele zu hinterfragen und sich schrittweise der Realität zu nähern.
3. Sanfte Landung in der Realität:
Nach der Validierung der „hohen Ziele“ geht es darum, die Betroffenen behutsam auf den Boden der Tatsachen zurückzuführen. Dr. Davatz vergleicht diesen Prozess mit einer „sanften Landung“.
Man sollte den Betroffenen ihre tatsächlichen Fähigkeiten und die realen Anforderungen des Arbeitsmarktes aufzeigen, aber ohne sie zu entmutigen oder zu beschämen. Stattdessen sollte man ihnen helfen, realistische Alternativen zu finden, die ihren Talenten und Interessen entsprechen und gleichzeitig im Bereich des Möglichen liegen.
4. „Tandemflug“ und schrittweise Annäherung:
Dr. Davatz beschreibt diese Begleitung der Betroffenen von den „hohen Zielen“ zur Realität als „Tandemflug“ und „Tandemlandung“. Sie betont, dass es wichtig ist, diesen Weg gemeinsam zu gehen und den Betroffenen Schritt für Schritt zu unterstützen.
5. Selbsterkenntnis und Akzeptanz:
Im Idealfall führt dieser Prozess der Validierung und sanften Landung dazu, dass die Betroffenen ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen realistischer einschätzen lernen und sich mit ihren tatsächlichen Möglichkeiten auseinandersetzen.
Dr.med. Ursula Davatz weist darauf hin, dass es wichtig ist, dass die Betroffenen selbst zur Erkenntnis gelangen, dass ihre ursprünglichen Ziele unrealistisch waren. Wenn sie diese Erkenntnis selbst gewinnen, sind sie eher bereit, neue, realistischere Ziele zu entwickeln und sich neu zu orientieren.
6. Von unrealistischen Zielen zu erfüllenden Aufgaben:
Letztendlich geht es darum, den Betroffenen zu helfen, von unrealistischen Zielen zu erfüllenden Aufgaben und Tätigkeiten zu finden, die ihnen Freude und Zufriedenheit bringen. Der Fokus sollte nicht auf dem „Traumberuf“ liegen, sondern auf konkreten Handlungen und Fähigkeiten, die den Betroffenen liegen und die sie in einem realistischen Berufsfeld einsetzen können.