Dr.med. Ursula Davatz betrachtet das Symptom „Schmieren“ bei Kindern nicht als Provokation, sondern als Ausdruck eines tiefen Leidens und einen ungeschickten Versuch der Kommunikation. Sie rät davon ab, das Verhalten mit Sätzen wie „Das macht man nicht“ zu verurteilen. Stattdessen empfiehlt sie, die Botschaft hinter dem Verhalten zu verstehen und dem Kind zu vermitteln, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden.

Mögliche Bedeutungen des „Schmierens“:

  • Kommunikation tiefen Leidens: Dr. Davatz vergleicht das Verhalten mit dem „Schmieren“ bei schizophrenen Patienten, die ebenfalls durch dieses Verhalten ein tiefes Leiden ausdrücken.
  • Bedürfnis nach Raum und Abgrenzung: Sie vermutet, dass das Kind durch das Schmieren mit Kot, einem Symbol des Intimbereichs, versucht, seinen Raum zu markieren und Grenzen zu setzen.
  • Testen von Akzeptanz: Das Verhalten könnte auch als ein Test der emotionalen Toleranz der Bezugspersonen interpretiert werden. Das Kind will möglicherweise erfahren, ob es auch dann noch akzeptiert wird, wenn es Grenzen überschreitet.
  • Ungelöste Konflikte im Familiensystem: Dr. Davatz bringt das „Schmieren“ auch mit ungelösten Konflikten im Familiensystem in Verbindung. Möglicherweise versucht das Kind, auf diese Weise auf die Probleme in seiner Herkunftsfamilie aufmerksam zu machen.

Empfehlungen für den Umgang mit dem Symptom:

  • Validierung der Gefühle: Anstatt das Verhalten zu verurteilen, sollten die Bezugspersonen die dahinterliegenden Emotionen validieren und versuchen, zu verstehen, was das Kind mitteilen möchte.
  • Fragen stellen: Fragen wie „Was willst Du mir damit sagen?“ oder „Was brauchst Du?“ können dem Kind helfen, seine Bedürfnisse auszudrücken.
  • Alternative Ausdrucksmöglichkeiten anbieten: Man könnte dem Kind alternative Möglichkeiten anbieten, seine Gefühle auszudrücken, z.B. durch Malen mit Fingerfarben.
  • Gemeinsames Reinigen: Das Kind sollte in das Reinigen einbezogen werden, jedoch nicht auf eine bestrafende Weise, sondern im Sinne eines gemeinsamen Aufräumens.
  • Analyse der Interaktionsmuster: Es ist wichtig, die Interaktionsmuster in der Pflegefamilie zu beobachten und zu hinterfragen, ob diese möglicherweise das Verhalten des Kindes begünstigen. [basierend auf der vorherigen Diskussion über Interaktionsmuster]
  • Exploration der Familiengeschichte: Die Erkundung der Familiengeschichte des Kindes kann helfen, die Hintergründe des Verhaltens besser zu verstehen. [basierend auf der vorherigen Diskussion über Interaktionsmuster]

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass es kein Patentrezept für den Umgang mit dem Symptom „Schmieren“ gibt. Wichtig ist, das Kind in seiner Individualität zu sehen und zu versuchen, die Sprache seines Verhaltens zu verstehen.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf