Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS nicht als Krankheit, sondern als eine genetisch bedingte, biologische Veranlagung, einen Neurotyp. Sie betont, dass die Art und Weise, wie das Umfeld mit dieser Veranlagung umgeht, entscheidend für die Ausprägung von ADHS-Symptomen ist: „Es kommt darauf an, wie das Umfeld mit dieser Biologie umgeht“. Sie verweist auf die Diskussion „Nature versus Nurture“, die die Frage nach dem Einfluss von Genen und Umwelt auf die Entwicklung eines Menschen beleuchtet. Dr. Davatz vertritt die Ansicht, dass sowohl die Gene als auch die Umweltfaktoren eine Rolle spielen.

ADHS-Forschung an Hunden:

Dr. Davatz erwähnt eine interessante Forschungsarbeit aus Finnland, die von Sini Sulkama und ihren Kollegen durchgeführt wurde. Diese Forscher haben sich der Frage gewidmet, ob auch Hunde ADHS entwickeln können. In ihrer Studie konzentrierten sie sich auf die beiden Hauptsymptome von ADHS: Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizit. Sie befragten Hundehalter verschiedener Hunderassen zu den Haltungsbedingungen und dem Verhalten ihrer Tiere, um herauszufinden, ob und wie diese Faktoren mit den Symptomen zusammenhängen. Dr. Davatz sieht in dieser Forschungsmethode ein vielversprechendes Modell für die ADHS-Forschung beim Menschen. Sie argumentiert, dass wenn es möglich ist, Hundebesitzer über die Erziehung ihrer Tiere zu befragen, es auch möglich sein sollte, Eltern von Kindern mit ADHS systematisch zu deren Erziehung und Entwicklung zu befragen.

Vision einer Datenbank für ADHS-Forschung:

Dr.med. Ursula Davatz hat die Vision, in Zusammenarbeit mit einem Genetiker eine Datenbank für ADHS-Betroffene zu erstellen. Anhand von Fragebögen, die sowohl an die Betroffenen selbst als auch an deren Eltern geschickt werden, sollen Daten über Erziehungsstile und deren Auswirkungen auf die Ausprägung von ADHS gesammelt und analysiert werden. Das Ziel ist es, herauszufinden, welche Erziehungsstile für Kinder mit ADHS förderlich und welche eher schädlich sind. Dr. Davatz betont, dass nicht jeder Erziehungsstil zu jedem Kind passt und umgekehrt.

https://ganglion.ch/pdf/6_Regierungsraete.pdf