Dr.med. Ursula Davatz plädiert in den Quellen für einen systemischen Ansatz im Umgang mit ADHS/ADS. Sie hat selbst drei Jahre bei Murray Bowen, einem bekannten Familientherapeuten der ersten Stunde, in Amerika studiert und ist überzeugt, dass dieser Ansatz unerlässlich ist, um mit Kindern und Erwachsenen mit ADHS/ADS lernen umzugehen und so interpersonelle Konflikte und Risikofaktoren zu minimieren.
Der familientherapeutische Ansatz betrachtet das Individuum nicht isoliert, sondern als Teil eines Systems, in diesem Fall der Familie. Verhaltensweisen, Probleme und Symptome werden im Kontext der familiären Beziehungen und Interaktionen verstanden.
Anstatt sich auf die Diagnose und die Korrektur des vermeintlich „kranken“ Individuums zu fokussieren, liegt der Schwerpunkt auf den Interaktionen und Dynamiken innerhalb des Familiensystems. Es geht darum, die Muster und Regeln zu erkennen, die das Verhalten des Einzelnen beeinflussen, und diese zu verändern.
Im Zusammenhang mit ADHS/ADS bedeutet dies:
- Das Umfeld einbeziehen: Eltern, Geschwister, Lehrer und andere wichtige Bezugspersonen werden in den therapeutischen Prozess einbezogen.
- Verständnis für die Bedürfnisse aller Familienmitglieder entwickeln: Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern die Herausforderungen und Bedürfnisse jedes Einzelnen zu verstehen.
- Kommunikation und Interaktion verbessern: Die Familientherapie unterstützt die Familienmitglieder dabei, ihre Kommunikationsmuster zu reflektieren und neue, konstruktive Wege der Interaktion zu finden.
- Gemeinsam Lösungen entwickeln: Die Familie arbeitet gemeinsam an Lösungen, die den Bedürfnissen aller gerecht werden.
- Ressourcen stärken: Der Fokus liegt auf den Stärken und Ressourcen der Familie, die im Umgang mit ADHS/ADS hilfreich sein können.
Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Beziehungsgestaltung im Umgang mit ADHS/ADS. Lehrer und Therapeuten müssen eine Verbindung zu den Betroffenen aufbauen, um ihre Bedürfnisse zu verstehen und sie individuell zu unterstützen.
Der familientherapeutische Ansatz kann dazu beitragen,
- die Belastung für die Familie zu reduzieren,
- die Kommunikation und den Zusammenhalt in der Familie zu verbessern und
- ein Umfeld zu schaffen, in dem das Individuum mit ADHS/ADS seine Potenziale entfalten kann.
Zusätzliche Information: Murray Bowen hat am Topika Institut mit schizophrenen Familien gearbeitet und aus seinen Beobachtungen eine Theorie entwickelt. Er hat Familien mit einem schizophrenen Mitglied (Vater, Mutter und Kind) über ein Jahr am NIMH hospitalisiert und beobachtet. Dies ist eine zusätzliche Information, die nicht direkt aus den Quellen stammt, sondern aus meinem allgemeinen Wissen. Sie können diese Information gerne unabhängig überprüfen.