Dr.med. Ursula Davatz übt in ihren Ausführungen deutliche Kritik am Schweizer Schulsystem und dessen Umgang mit ADHS/ADS. Sie stellt fest, dass das Schulsystem in der Regel nicht in der Lage ist, mit ADHS/ADS-Persönlichkeiten umzugehen, mit Ausnahme von einigen wenigen Ausnahmen.

Sie sieht darin ein grosses Problem, das viel Leid und hohe Kosten verursacht. Anstatt auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen, herrscht im Schulsystem oft noch die Vorstellung, dass Kinder sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten müssen. Weichen sie von dieser Norm ab, werden sie oft als krankhaft abgestempelt und sollen korrigiert werden.

Dr. Davatz kritisiert insbesondere:

  • Fokus auf intellektuelle Leistung: Die Schule legt den Schwerpunkt auf intellektuelle Leistung, die durch Medikamente wie Amphetamine und Stimulanzien gesteigert werden kann. Dies fördere aber nicht die persönliche Entwicklung der Kinder.
  • Normierung: Anstatt individuelle Lösungen zu finden, wird versucht, Kinder mit ADHS/ADS in ein vorgegebenes Schema zu pressen.
  • Bestrafung und Belohnung: Viele Erzieher setzen immer noch auf Bestrafung und Belohnung, anstatt intrinsische Motivation zu fördern.
  • Befehle statt Zusammenarbeit: ADHS/ADS-Kinder reagieren auf Befehle mit Widerstand und Verweigerung. Stattdessen sollten sie in die Lösungsfindung einbezogen und zur Zusammenarbeit ermutigt werden.
  • Beschämung: Beschämung ist kein guter Lehrmeister und führt nur zu Aversionsverhalten. Kinder, die in der Schule beschämt werden, verweigern oft den Schulbesuch.

Dr. Davatz plädiert für einen geschickten Umgang mit ADHS/ADS im Schulsystem, der auf Verständnis, Zusammenarbeit und individuellen Lösungen basiert. Sie betont, dass es wichtig ist, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, ihre intrinsische Motivation zu fördern und ihre Kreativität zu nutzen.

https://ganglion.ch/pdf/50_Jahre_ADHS_ADS_6.12.2024.m4a.pdf