Dr.med. Ursula Davatz spricht in ihrem Vortrag über verschiedene Therapieansätze bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung und betont dabei die Wichtigkeit der Beziehungsgestaltung.

Ablehnung der reinen Symptombekämpfung:

Dr.med. Ursula Davatz kritisiert die klassische Herangehensweise, die sich auf die Beseitigung von Symptomen konzentriert. Sie plädiert stattdessen für einen Ansatz, der den Menschen in seiner Gesamtheit betrachtet und ihm hilft, „noch ganz Erwachsen zu werden„.

Beziehungsorientierte Therapie als „Nachentwicklungshilfe“:

Sie bezeichnet ihren Ansatz als „Entwicklungshilfe“ oder „Nachentwicklungshilfe„, die darauf abzielt, die emotionale Reife des Patienten zu fördern. Im Zentrum steht dabei die Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut und Patient.

Verständnis und Akzeptanz statt Erziehung:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass es wichtig ist, dem Patienten Verständnis und Akzeptanz entgegenzubringen, anstatt ihn erziehen zu wollen. Sie warnt insbesondere vor dem „Erziehungsversuch-Falle„, in die viele Therapeuten tappen. Die Verhaltenstherapie, die oft bei Borderline-Patienten eingesetzt wird, sieht sie als eine Art Erziehungsmethode, die dem eigentlichen Problem nicht gerecht wird.

Standhaftigkeit und Authentizität des Therapeuten:

Der Therapeut sollte dem Patienten ein standhaftes Gegenüber sein und sich nicht manipulieren lassen. Gleichzeitig sollte er authentisch sein und seine eigenen Grenzen offen kommunizieren. „Lieber eingestehen, dass man überfordert ist, als so zu tun, als ob man alles im Griff hat„.

Beziehungsabbrüche vermeiden:

Beziehungsabbrüche, insbesondere durch Liebesentzug, sind laut Dr. Davatz „Gift“ für Borderline-Patienten. Sie sollten daher unbedingt vermieden werden. Stattdessen sollten Beziehungen immer auf einer positiven Ebene beendet werden, mit dem Hinweis auf ein Wiedersehen.

Positive Verstärkung von Fortschritten:

Der Fokus sollte auf den Fortschritten des Patienten liegen, die positiv verstärkt werden sollten. „Sie dürfen so sein, wie sie sind, aber es gibt die und die Reaktionen. Man lernt miteinander„.

Zusätzliche Aspekte des Therapieansatzes:

  • Bewältigung der Ablösungsproblematik: Die Therapie sollte dem Patienten helfen, sich von seinen Eltern zu lösen und eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln.
  • Emotionsregulation: Der Patient sollte lernen, mit seinen Emotionen umzugehen und sie zu kontrollieren.
  • Verbesserung der Beziehungsfähigkeit: Der Patient sollte lernen, gesunde Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.
  • Arbeit mit dem „verletzten inneren Kind“: Der Therapeut sollte versuchen, an die verletzliche Seele des Patienten heranzukommen und ihm helfen, seine Verletzungen zu heilen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz einen Therapieansatz befürwortet, der auf Verständnis, Akzeptanz, Geduld und einer stabilen therapeutischen Beziehung basiert. Ziel ist es, dem Patienten zu helfen, emotionale Reife zu erlangen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

https://ganglion.ch/pdf/Borderline.pdf