Der Begriff „Synaptic Pruning“, den Dr.med. Ursula Davatz in ihren Ausführungen verwendet, beschreibt einen wichtigen Prozess im Gehirn während der Pubertät. Wörtlich übersetzt bedeutet „Synaptic Pruning“ so viel wie „synaptisches Beschneiden“. Es handelt sich dabei um einen natürlichen Prozess, bei dem neuronale Verbindungen, also Synapsen, im Gehirn abgebaut werden.

Vereinfacht dargestellt:

  • Kindesalter: Das Gehirn eines Kindes bildet unzählige Synapsen, um möglichst viele Informationen aufnehmen und verarbeiten zu können.
  • Pubertät: In der Pubertät werden die Synapsen, die nicht genutzt werden, abgebaut. Gleichzeitig werden die Verbindungen, die häufig genutzt werden, verstärkt.

Dieser Prozess dient dazu, das Gehirn effizienter zu machen. Durch den Abbau ungenutzter Synapsen werden Ressourcen frei, die für die Stärkung wichtiger Verbindungen genutzt werden können. Das Gehirn spezialisiert sich sozusagen auf die Bereiche, die für den Jugendlichen wichtig sind.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass das Gehirn während dieser Umbauphase besonders empfindlich auf äussere Einflüsse reagiert. Negative Erfahrungen, wie z.B. ein übermässig kontrollierendes Umfeld, Stress oder Drogenkonsum, können den Prozess des „Synaptic Pruning“ stören und dazu führen, dass wichtige Verbindungen nicht ausreichend gestärkt oder sogar abgebaut werden. Dies kann die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen.

Daher ist es besonders wichtig, Jugendlichen in der Pubertät ein unterstützendes und stabiles Umfeld zu bieten. Sie brauchen Freiraum, um ihre eigene Identität zu entwickeln, aber gleichzeitig auch klare Grenzen und Regeln, die ihnen Sicherheit geben. Ein positives Umfeld kann dazu beitragen, dass der Prozess des „Synaptic Pruning“ optimal verläuft und das Gehirn sich gesund entwickelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Synaptic Pruning“ ein wichtiger Prozess für die Reifung des Gehirns in der Pubertät ist. Ein unterstützendes Umfeld und positive Erfahrungen können dazu beitragen, dass dieser Prozess optimal verläuft und das Risiko für psychische Erkrankungen minimiert wird.

https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf