Dr. med. Ursula Davatz unterscheidet in ihren Ausführungen zwei Haupttypen von konflikthaften Kindern: solche, die aus konfliktbeladenen Familien stammen und ein aggressives Verhalten zeigen, und solche, die aus vernachlässigenden Familienstrukturen kommen und durch übermäßige Anhänglichkeit und Eifersucht auffallen.

Kinder aus konfliktbeladenen Familien:

  • Ursache der Aggression verstehen: Anstatt das aggressive Verhalten sofort zu unterdrücken, sollte man versuchen, die zugrundeliegende Verletzung des Kindes zu verstehen.
  • Verletzung validieren: Dem Kind zeigen, dass man seine Verletzung und die damit verbundenen Emotionen versteht.
  • Alternative Strategien aufzeigen: Dem Kind alternative, sozialverträgliche Strategien zur Konfliktlösung beibringen.
  • Geduld und Übung: Es braucht Zeit und Geduld, bis das Kind lernt, seine Emotionen zu regulieren und neue Strategien anzuwenden.

Kinder aus vernachlässigenden Familienstrukturen:

  • Bedürftigkeit erkennen: Verstehen, dass das Kind aufgrund seiner Vernachlässigung ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung hat.
  • Kein Tadel für das Verhalten: Das Kind nicht für seine Anhänglichkeit, Eifersucht oder seinen Besitzanspruch kritisieren.
  • Ruhe und Zeitgefühl vermitteln: Dem Kind das Gefühl geben, dass es genügend Zeit und Aufmerksamkeit bekommt und nicht alles sofort passieren muss.
  • Ausgleich schaffen: Sicherstellen, dass alle Kinder gleichermaßen Aufmerksamkeit und Zugang zu Spielsachen bekommen.

Grundsätzlich betont Dr.med. Ursula Davatz die Wichtigkeit von:

  • Authentischer Autorität: Regeln und Grenzen mit innerer Überzeugung vertreten und dem Kind ein glaubwürdiges Vorbild sein.
  • Klarer Kommunikation: Regeln klar und deutlich kommunizieren, ohne lange Erklärungen.
  • Konsequenz: Regeln konsequent durchsetzen, aber flexibel bleiben und in ruhigen Situationen Freiräume schaffen.
  • Führung übernehmen: In chaotischen Situationen die Führung übernehmen und klare Anweisungen geben, ohne das einzelne Kind zu bestrafen.

Dr.med. Ursula Davatz vergleicht die Rolle der Betreuungsperson in solchen Situationen mit der eines Dirigenten oder Kapitäns, der die Richtung vorgibt und für Ordnung sorgt. Sie hebt hervor, dass es wichtig ist, die Bewegungen der Kinder zu antizipieren und vorausschauend zu handeln, anstatt nur auf bereits eingetretene Situationen zu reagieren.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_Kindern_schwierigem_privatem_Umfeld.pdf