Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, zeigen auf, dass unterschiedliche Erziehungsstile der Eltern zu verschiedenen Herausforderungen in der Familie führen können:

Konflikte und Unsicherheit:

  • Unterschiedliche Meinungen über die „richtige“ Erziehung: Eltern haben oft unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Kinder erzogen werden sollten. Dies kann zu Konflikten führen, die von den Kindern wahrgenommen werden und zu Unsicherheit, Angst und Loyalitätskonflikten führen können.
  • „Am gleichen Strick ziehen“ – Mythos oder Realität?: Dr. Davatz argumentiert, dass es nicht immer sinnvoll ist, wenn Eltern in allen Erziehungsfragen einer Meinung sind. Sie plädiert dafür, dass jeder Elternteil seinen eigenen Stil vertreten darf, solange sie sich nicht gegenseitig ins Handwerk pfuschen.
  • Konsequenzen für die Kinder: Wenn Eltern uneins sind und ständig über Erziehungsfragen streiten, kann dies dazu führen, dass Kinder die Orientierung verlieren und nicht wissen, an wen sie sich halten sollen. Sie lernen möglicherweise nicht, eigene Entscheidungen zu treffen und für ihre Bedürfnisse einzustehen, da sie ständig versuchen, den widersprüchlichen Erwartungen der Eltern gerecht zu werden.
  • Manipulation und Optimierung: Kinder lernen schnell, die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen, wenn Eltern inkonsequent sind. Sie „optimieren“ ihre Situation, indem sie denjenigen Elternteil um etwas bitten, von dem sie wissen, dass er eher nachgibt.

Unterschiedliche Stile – unterschiedliche Bedürfnisse:

  • Persönlichkeitsgerechte Erziehung: Dr. Davatz betont, dass jeder Mensch, auch jedes Kind, eine eigene Persönlichkeit hat, die bei der Erziehung berücksichtigt werden sollte. Sie vergleicht dies mit der artgerechten Tierhaltung: „Man kann mit einem Araberpferd nicht genau gleich umgehen wie mit einer Kuh.“
  • Hochsensible Kinder und die Grenzen der Strenge: Sie weist darauf hin, dass besonders sensible Kinder, z.B. Kinder mit ADHS, unter einem zu strengen Erziehungsstil leiden können.
  • Über- vs. Unterforderung: Ein Erziehungsstil, der für das eine Kind passend ist, kann für ein anderes Kind über- oder unterfordernd sein. Eltern müssen lernen, die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen und ihren Erziehungsstil entsprechend anzupassen.
  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Unterschiedliche Erziehungsstile können auch positive Effekte haben, indem sie Kinder flexibler und anpassungsfähiger machen. Sie lernen, dass es unterschiedliche Sichtweisen und Herangehensweisen gibt und dass nicht immer alles einheitlich sein muss.

Kommunikation und Reflexion als Schlüssel:

  • Offene Kommunikation: Es ist wichtig, dass Eltern offen und ehrlich über ihre unterschiedlichen Erziehungsstile sprechen und versuchen, einen gemeinsamen Nenner zu finden.
  • Reflexion der eigenen Prägungen: Eltern sollten sich ihrer eigenen Prägungen bewusst sein und darüber nachdenken, wie diese ihren Erziehungsstil beeinflussen.
  • Hinterfragen von „eingefahrenen“ Mustern: Manchmal ist es notwendig, alte Muster zu hinterfragen und neue Wege zu gehen, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.
  • Professionelle Hilfe: Wenn Eltern bei der Bewältigung der Herausforderungen durch unterschiedliche Erziehungsstile an ihre Grenzen stossen, kann professionelle Hilfe durch Therapeuten oder Familienberatungsstellen sinnvoll sein.

https://ganglion.ch/pdf/Herkunftsfamilie_Praegung.pdf