Angst spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer Sucht, sowohl als Auslöser als auch als aufrechterhaltender Faktor. Die Quellen beschreiben, wie Angst auf verschiedenen Ebenen mit Sucht interagiert.

Angst als Auslöser von Sucht:

  • Angst als Warnsignal: Angst hat die Funktion eines Warnsignals, das sowohl bei Tieren als auch bei Menschen Verhaltensmuster wie Kampf oder Flucht auslöst, um sich vor Gefahren zu schützen.
  • Angst und Stressreaktionen: Angst aktiviert das autonome Nervensystem, was zu körperlichen Reaktionen wie erhöhtem Blutdruck, beschleunigtem Puls und Muskelanspannung führt. Diese Stressreaktionen können als sehr unangenehm empfunden werden.
  • Sucht als schnelle Problemlösung: Wenn Menschen in schwierigen Situationen wiederholt überfordert sind und keine angemessenen Problemlösungsstrategien haben, können sie in der Sucht eine schnelle Möglichkeit sehen, ihren negativen Gefühlen zu entkommen. Die Einnahme von Suchtmitteln kann eine unmittelbare Veränderung der psychischen Befindlichkeit bewirken und so das Gefühl der Angst kurzfristig reduzieren.
  • Sucht als Flucht: Sucht kann als Flucht vor schwierigen Situationen, Problemen oder Gefühlen dienen. Menschen in schwierigen Situationen greifen zur Sucht, um ihren Problemen auszuweichen. Die Wirkung von Suchtmitteln ermöglicht es, unangenehme Situationen zu überdecken und ein Gefühl von Wohlbefinden zu erzeugen.

Angst als aufrechterhaltender Faktor:

  • Angst vor Entzugserscheinungen: Bei Absetzen des Suchtmittels können Angstzustände auftreten. Um diese unangenehmen Gefühle zu vermeiden, greifen Betroffene wieder zu Suchtmitteln.
  • Teufelskreis von Angst und Sucht: Ein Teufelskreis entsteht, wenn die Sucht dazu dient, Angst zu bekämpfen, was wiederum die Sucht verstärkt. Die Person greift zu Suchtmitteln, um der Angst zu entkommen, was aber das zugrunde liegende Problem nicht löst, sondern zu noch mehr Angst führt.
  • Angst als Auslöser von Rückfällen: Angst kann auch Rückfälle auslösen, wenn Betroffene in Situationen geraten, die sie an ihre Angst erinnern. Die Angst vor dem erneuten Auftreten der ursprünglichen Probleme kann die Person dazu bringen, wieder zu Suchtmitteln zu greifen.

Angst in der Erziehung und Familie:

  • Erziehung durch Angst: Ein Erziehungsstil, der auf Angst und Einschüchterung basiert, kann suchtfördernd wirken. Kinder, die durch Angst erzogen werden, lernen möglicherweise keine konstruktiven Problemlösungsstrategien und greifen eher zu Suchtmitteln.
  • Angst der Eltern: Die Angst der Eltern vor den Folgen der Sucht ihrer Kinder kann zu kontraproduktiven Verhaltensweisen führen, wie z.B. übermässiger Kontrolle oder Schuldzuweisungen.
  • Angst vor Ablehnung: Jugendliche, die unter dem Druck ihrer Eltern stehen, können aus Angst vor Ablehnung und Verurteilung in die Sucht flüchten.

Weitere Aspekte:

  • Angst und Suchtmittel: Suchtmittel werden oft als Mittel zur Bekämpfung von Angst eingesetzt. Psychopharmaka, die angstlösende Wirkung haben, sind ebenfalls suchterzeugend.
  • Angst und Stress: Stress führt zu einer Endorphinausschüttung, was zur Sucht führen kann.
  • Angst und Leistungsdruck: Der hohe Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft und der Drang nach schnellen Problemlösungen kann dazu führen, dass Menschen in der Sucht eine schnelle Flucht sehen, um sich vor der Überforderung zu schützen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Angst eine zentrale Rolle bei der Suchtentstehung spielt. Sie kann sowohl Auslöser als auch aufrechterhaltender Faktor sein. Die Sucht wird oft als Mittel eingesetzt, um mit Angst umzugehen, was aber zu einem Teufelskreis führt, in dem die Sucht immer weiter verstärkt wird. Es ist daher wichtig, die Rolle der Angst bei der Behandlung von Sucht zu berücksichtigen.

Auszug aus dem Buch