Sucht wirkt als Fluchtmechanismus, indem sie es Menschen ermöglicht, schwierigen Situationen, unangenehmen Gefühlen oder Problemen auszuweichen. Die Quellen beschreiben, wie Sucht diese Funktion erfüllt und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen:

  • Seelisch-geistige Distanz: Suchtmittel oder bestimmte Verhaltensweisen bieten die Möglichkeit, eine Distanz zu den Problemen zu schaffen und den damit verbundenen negativen Emotionen zu entkommen. Die Person kann sich durch die Sucht in eine andere Realität flüchten und die Belastungen des Alltags für einen Moment vergessen.
  • Vermeidung unangenehmer Gefühle: Sucht ermöglicht es, Gefühle wie Angst, Stress, Unzufriedenheit oder Frustration zu vermeiden oder zu betäuben. Anstatt sich mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen, greifen Betroffene zu Suchtmitteln, um diese Gefühle zu unterdrücken.
  • Scheinbare Entlastung: Die durch die Sucht erzeugte Entlastung ist jedoch nur von kurzer Dauer und löst die eigentlichen Probleme nicht. Sobald die Wirkung des Suchtmittels oder des Suchtverhaltens nachlässt, kehren die negativen Gefühle zurück und können sich sogar verstärken. Dies führt zu einem Teufelskreis, in dem die Sucht immer wieder als Fluchtmittel eingesetzt wird.
  • Verdrängung von Problemen: Sucht dient dazu, die zugrunde liegenden Probleme zu verdrängen, anstatt sie aktiv anzugehen. Durch die Flucht in die Sucht wird die Auseinandersetzung mit den wahren Ursachen der Probleme verhindert.
  • Verlust der Realitätswahrnehmung: Die Sucht kann die Wahrnehmung der Realität verzerren und es dem Betroffenen ermöglichen, in einer Scheinwelt zu leben. Die Person nimmt die Umwelt und ihre Probleme weniger wahr und konzentriert sich stattdessen auf die Sucht.
  • Sucht als zivilisierte Flucht: Die Quellen beschreiben chemische Sucht als eine von mehreren Fluchtmöglichkeiten und ordnen diese sogar den zivilisierten oder sozial höflichen Fluchtarten zu.
  • Auswirkungen auf das soziale Umfeld: Die Flucht in die Sucht hat auch Auswirkungen auf das soziale Umfeld des Betroffenen. Anstatt sich mit Problemen in Beziehungen oder am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen, kann die Person in die Sucht flüchten, um diesen Konflikten auszuweichen.
  • Sucht als „Notfallplan“: In schwierigen Situationen kann Sucht als eine Art „Notfallplan“ dienen, um mit Stress und Überforderung umzugehen. Die Person greift auf die Sucht zurück, um den unmittelbaren Druck zu mindern.
  • Erhöhte Anfälligkeit in der Pubertät: Gerade Jugendliche, die mit vielen neuen Herausforderungen und Unsicherheiten konfrontiert sind, können die Sucht als eine Art Flucht vor den Problemen des Erwachsenwerdens nutzen.
  • Sucht als Kompensation: Die Flucht in die Sucht kann auch dazu dienen, innere Leere, Unzufriedenheit oder mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sucht als Fluchtmechanismus eine kurzfristige Lösung für belastende Situationen bietet, jedoch langfristig die Probleme nicht beseitigt, sondern verschlimmert. Sie ermöglicht es den Betroffenen, der Realität zu entfliehen, führt aber dazu, dass die zugrunde liegenden Probleme nicht gelöst werden und ein Teufelskreis entsteht. Die Sucht wird somit zu einem Hindernis für eine gesunde Entwicklung und eine erfolgreiche Bewältigung von Problemen.

Auszug aus dem Buch