Frühzeitige Hilfe für Kinder ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig, wie Dr. med. Ursula Davatz im Gespräch betont.

Die Pubertät ist eine besonders anfällige Phase für die Entwicklung psychiatrischer Krankheiten. Gemäss Dr. Davatz treten 50% der psychiatrischen Krankheiten in der Pubertät auf, und 75% bis zum 25. Lebensjahr. Eine frühzeitige Begleitung und Unterstützung kann verhindern, dass Kinder auf eine Fehlbahn geraten.

Frühzeitige Hilfe kann die Entwicklung von Folgekrankheiten verhindern, insbesondere bei Kindern mit ADHS/ADS. Dr. Davatz erklärt, dass 80% der ADHS/ADS-Betroffenen zusätzlich eine oder mehrere psychiatrische Diagnosen haben, welche sie als Folgekrankheiten betrachtet, die durch frühzeitige Intervention vermieden werden könnten.

Eine frühzeitige Begleitung und Unterstützung ist entscheidend für die gesunde Entwicklung von Kindern mit ADHS/ADS. Dr. Davatz betont, dass man mit diesen Kindern sorgfältiger umgehen muss. Wenn man früh mit der Erziehung beginnt, kann man verhindern, dass es in der Pubertät zu Problemen kommt. Bei ADSlern kann es sogar noch früher zu Schwierigkeiten kommen, wenn ihr Umfeld sehr hyperaktiv ist. Frühzeitiges, sorgfältiges Zuhören und Verlangsamen sind bei ADSlern wichtig.

Eltern brauchen frühzeitig Unterstützung und Begleitung, um zu lernen, wie sie mit ihren Kindern umgehen können, insbesondere wenn die Kinder spezielle Bedürfnisse haben. Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Validierung der Eltern und des gemeinsamen Suchens nach Lösungen. Sie ist der Meinung, dass man Eltern nicht zu schnell sagen sollte, was sie falsch machen, sondern sie validieren muss, damit sie mitmachen.

Auch Lehrpersonen benötigen frühzeitig Unterstützung und Sensibilisierung, um mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen, wie ADHS/ADS, umgehen zu lernen. Dr. Davatz plädiert dafür, dass nicht alle Probleme auf die Psychiatrie geschoben werden, sondern dass Lehrpersonen lernen, damit umzugehen. Sie schlägt vor, dass Lehrpersonen sich nicht scheuen sollten, frühzeitig Hilfe zu holen und Situationen mit jemandem zu diskutieren oder das Vier-Augen-Prinzip anzuwenden.

Ein frühzeitiger systemischer Ansatz ist wichtig, um das Kind in seinem Kontext zu betrachten und nicht nur auf das Individuum zu fokussieren. Dr. Davatz betont, dass man immer das Individuum in seinem Kontext anschauen muss, was in der Medizin oft noch schwierig ist. Sie ist der Meinung, dass man in der Schule nicht gleich das Kind ins Spital tun und der psychiatrischen Klinik überlassen sollte, sondern das Umfeld unterstützen muss.

Frühzeitige Intervention kann dazu beitragen, spätere Schwierigkeiten im sozialen Bereich zu vermeiden, wie zum Beispiel Mobbing. Dr. Davatz betont, dass Sozialverhalten mehr gefördert werden muss und dass man hinschauen muss, wenn jemand Anzeichen zeigt, und sofort handeln muss.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass frühzeitige Hilfe für Kinder entscheidend ist, um ihre gesunde Entwicklung zu fördern, psychische Probleme und deren Folgeerkrankungen zu verhindern, Eltern und Lehrpersonen zu unterstützen und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld frühzeitig anzugehen. Dr. Davatz plädiert für eine frühe und umfassende Unterstützung, die das Kind in seinem gesamten System betrachtet.

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