Dr.med. Davatz betont, dass es darauf ankommt, den individuellen Fokus und die persönlichen Stärken zu finden, denn wenn ADHS/ADSler ihren Fokus finden, können sie „abgehen wie eine Rakete“.
Allerdings lassen sich aus den Charakteristika von ADHS/ADS bestimmte Tendenzen und geeignete Umfelder ableiten:
- Berufe mit Beziehungen und Empathie: ADHS/ADSler haben oft eine hohe Sensibilität und eine gute Empathie. Sie spüren sofort, wie ihr Gegenüber eingestellt ist und nehmen den emotionalen Ton stark wahr. Berufe, die menschliche Beziehungen erfordern und bei denen diese Empathie eine Rolle spielt, sind oft gut geeignet. Beispiele, die genannt werden, sind:
- Arzt
- Lehrer
- Krankenschwester / Pflegeberufe
- Verkäufer (da sie mit Menschen zu tun haben)
- Berufe, die Abwechslung und Multitasking bieten: Monotone Arbeiten, wie zum Beispiel Fliessbandarbeit, sind für ADHS/ADSler nicht gut, da die Aufmerksamkeit dort sofort weggeht. Tätigkeiten, die Abwechslung bieten oder bei denen rotiert wird, sind besser geeignet. Wenn ihnen die Arbeit Spass macht, sind ADHS/ADSler oft gut im Multitasking, was das Dopamin hochfährt. Zu viel Input kann allerdings auch zu einem System-Overload und Zusammenbruch führen.
- Berufe, die Kreativität ermöglichen: ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer und können besser „Denkgrenzen“ überschreiten. Wenn ein Umfeld genügend Raum für Experimente bietet und nicht zu rigide ist, kann sich die Kreativität entfalten.
- Wunsch nach Selbstständigkeit: Viele ADHS/ADSler möchten selbstständig werden, da sie keine Vorgesetzten mögen und ihr eigener Chef sein wollen. Hierbei muss jedoch bedacht werden, dass auch in der Selbstständigkeit ungeliebte Fleissarbeiten wie Rechnungen schreiben oder Buchhaltung anfallen können. Für solche Aufgaben kann man extern Hilfe suchen (z.B. Buchhalter) oder, wie Dr. Davatz erwähnt, eventuell in diesem Moment Medikamente einnehmen, um sich besser fokussieren zu können.
- Erfolgreiche ADHS/ADSler: Beispiele für Bereiche, in denen ADHS/ADSler erfolgreich sein können, wenn sie ihren Fokus gefunden haben, sind:
- Business-Leute
- Forscher (das ADS kann hilfreich sein, weil es nicht loslässt und zu Hyperfokus führt)
- Sportler (z.B. Roger Federer, Michael Phelps werden genannt, und Sport kann das Dopaminsystem aktivieren)
- Grosse Erfinder (wie Albert Einstein, der als ADS-Typ beschrieben wird)
- Politiker (in Bemerkung 14 genannt als Beispiel für Spitzenleistung)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Berufe, die zwischenmenschliche Interaktion, Abwechslung, die Nutzung von Empathie und die Möglichkeit, den eigenen Fokus und die Kreativität einzusetzen, bieten, für ADHS/ADS-Personen oft besonders geeignet sind. Eintönige oder sehr starre Arbeitsumgebungen sind eher ungünstig. Wichtig ist es, die individuellen Stärken zu erkennen und diese gezielt einzusetzen. Coaching kann dabei unterstützen, den eigenen Typ und geeignete Wege zu finden.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf