Weshalb ist Heterogenität in Gemeinschaften wichtig?

Frau Dr. med. Ursula Davatz betont mehrfach im Gespräch die Wichtigkeit von Heterogenität in Gemeinschaften aus verschiedenen Gründen.

Sie erklärt, dass wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben mit unterschiedlichen Wertesystemen. Es ist wichtig zu lernen, wie man mit Andersdenkenden kollektiv umgeht und wie man sich einander nähert, indem man versucht zu dezentrieren und zu verstehen, wie der andere etwas sieht.

Frau Dr. Davatz sagt, dass Kinder nicht moralisch erzogen werden sollten, sondern nach ihren eigenen, individuellen Wertvorstellungen, die nie gleich sind. Sie betont: „Wir dürfen unterschiedlich sein“. Je mehr man sich mit Unterschieden auseinandersetzt, umso mehr lernt man voneinander.

Ganz klar sagt Frau Dr. Davatz: „Heterogene Gemeinschaften überleben besser als homogene“. Homogen bedeute, alle hätten die gleichen Gene, und wenn ein Virus komme, könnten alle aussterben. Im Gegensatz dazu sei Heterogenität, mit einer grossen Diversität, fürs Überleben besser, weil jeder Platz habe.

Zusätzlich erwähnt sie, dass neurodiverse Kinder zwar als Störfaktoren gesehen werden könnten, aber auch wie ein Ferment oder ein Katalysator wirken könnten. Jedes störende Kind sei eine Chance für die Entwicklung des ganzen Kollektivs. Man müsse flexibel genug sein, um aus der Störung etwas zu machen.

Zusammenfassend ist Heterogenität in Gemeinschaften wichtig, weil:

  • Sie das Überleben der Gemeinschaft sichert, indem sie die Resistenz gegenüber Ereignissen wie Krankheiten erhöht.
  • Sie das Lernen und die Weiterentwicklung fördert, indem man sich mit verschiedenen Perspektiven und Wertvorstellungen auseinandersetzt.
  • Sie Platz für Individualität und Unterschiedlichkeit bietet, was wichtig ist, weil nicht alle gleich sind.
  • Sogar Störungen, die von heterogenen Elementen ausgehen können, Chancen für Entwicklung und kreative Lösungen bieten.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Wie verändern sich Wertvorstellungen in der Erziehung?

Dr. med. Ursula Davatz spricht in einem Workshop über die Veränderung von Wertvorstellungen in der Erziehung an verschiedenen Stellen im Gespräch an.

Sie erklärt, dass die Erziehung in der Familie dazu dient, die Tradition der Familie aufrechtzuerhalten. Die Wertvorstellungen und wie man diese weitergibt, sind vielfältig. Das kann durch Belohnung, Bestrafung oder durch das Vorbild geschehen, wobei das Vorbild etwas sehr Wichtiges ist. Früher sei der Lehrer die Person gewesen, die alles gewusst habe, aber heute könne man sich das gesamte Wissen im Internet holen. Dies deutet darauf hin, dass sich der Wert von reinem Wissen, das von Autoritätspersonen vermittelt wird, verändert hat. Wissen ist heute nicht mehr so wichtig, da man ja alles googeln kann.

Frau Dr. Davatz betont, dass wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben mit 30% Ausländern in der Schweiz und vielen multikulturellen Heiraten. Das führt dazu, dass verschiedene Erziehungsmodi zusammenkommen, die sich gegenseitig bekämpfen oder ergänzen können. Verschiedene Kulturen bringen auch verschiedene Wertesysteme mit sich. Die Schweiz ist stark geprägt von der christlichen Kultur, aber mit dem Aufeinandertreffen anderer Kulturen könne es schnell zu Streit kommen. Es ist wichtig zu lernen, wie man mit Andersdenkenden kollektiv umgeht und wie man sich einander nähern kann, indem man versucht zu dezentrieren und zu verstehen, wie der andere etwas sieht.

Frau Dr. Davatz sagt, man solle das Kind nicht moralisch erziehen, sondern nach seinen eigenen Wertvorstellungen, die individuell sind und nie gleich. Wir dürfen unterschiedlich sein. Je mehr man sich mit Unterschieden auseinandersetzt, umso mehr lernt man voneinander. Heterogene Gemeinschaften überleben besser als homogene.

Sie kritisiert die Tendenz, Kinder und Jugendliche sich selbst zu überlassen, indem man ihnen Lernpläne gibt und erwartet, dass sie alles selbstständig erarbeiten, oft über Internetportale. Dadurch geht der persönliche Kontakt verloren, was zu Hilflosigkeit bei jungen Menschen führen kann. Es wird nur auf den IQ geschaut, während der EQ (emotionale Intelligenz) vernachlässigt wird. Das emotionale Lernen wird grob vernachlässigt.

Zusammenfassend verändern sich die Wertvorstellungen in der Erziehung unter dem Einfluss von multikulturellen Gesellschaften, dem Wandel des Wissens, das heute leichter zugänglich ist, und einem größeren Fokus auf Individualität und die Akzeptanz von Unterschieden. Gleichzeitig wird aber auch kritisiert, dass emotionale und soziale Werte im Vergleich zu reiner Wissensvermittlung und individueller Leistung eher vernachlässigt werden. Frau Dr. Davatz plädiert für eine Rückbesinnung auf gutes Sozialverhalten und die Pflege von Beziehungen als zentrale Werte in der Erziehung. Es ist wichtig, Regeln im Schulalltag mit Herz zu vertreten und den Fokus auf Austausch und Lösungen statt auf Täter und Opfer zu legen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Wie können Schulen das soziale Lernen besser fördern?

Dr. med. Ursula Davatz spricht im vorliegenden Workshop einige Aspekte an, die Schulen berücksichtigen könnten, um das soziale Lernen von Kindern und Jugendlichen besser zu fördern.

  • Es ist wichtig, Sozialkompetenzen bereits im Kindergarten und in der Schule zu vermitteln. Dazu gehören Fähigkeiten wie Kooperation, Anpassungsfähigkeit und die Integration in die Gesellschaft.
  • Das Konzept der „Friedensbrücke„, das bereits im Kindergarten gelehrt wird, ist ein Beispiel für frühes soziales Lernen im Umgang mit Konflikten. Es ist entscheidend, Konflikte sorgfältiger zu betrachten und auf bilateraler Ebene zu bearbeiten, anstatt sie mit einer einfachen Entschuldigung abzutun.
  • Schulen könnten das System des „Peacemaker“ einführen, bei dem Kinder lernen, Konflikte untereinander zu schlichten und so Erfahrungen sammeln können. Dieses System und die „Friedensbrücke“ werden in einigen Schulen bereits ab dem Kindergarten angewendet.
  • Dr. Davatz betont, dass Kinder lernen müssen, zusammenzuarbeiten. Im Gegensatz zu individuellem Leistungsdruck und Wettbewerb sollte die Kooperation innerhalb des gesamten Kollektivs gefördert werden.
  • Mobbing sollte als Gruppenprozess betrachtet werden, der alle Gruppenmitglieder betrifft, nicht nur Täter und Opfer. Das soziale Lernen ist entscheidend, um Ungleichheiten zu bearbeiten, die zu Mobbing führen.
  • Lehrpersonen benötigen mehr Unterstützung und Begleitung in ihrer anspruchsvollen Arbeit. Es wäre hilfreich, wenn sie sich mit Kollegen oder Fachpersonen austauschen und frühzeitig Hilfe holen könnten. Das „Vier-Augen-Prinzip“ kann dabei unterstützen.
  • Anstatt sich nur auf das einzelne Kind zu konzentrieren, sollte das Umfeld unterstützt werden.
  • Neben dem IQ (intellektuelle Fähigkeit) sollte auch der EQ (emotionale Intelligenz) beachtet und gefördert werden.
  • Dr. Davatz erwähnt, dass beim Spielen mehr gelernt wird.
  • Es ist wichtig, eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen und die Gruppendynamik so gesteuert wird, dass alle ihren Platz finden. Wenn sich ein Kind in der Gruppe nicht wohlfühlt, kann es sich nicht entfalten.
  • Lehrpersonen sollten sich nicht scheuen, frühzeitig fachkompetente Hilfe zu suchen, bereits im Kindergarten.

Indem Schulen diesen Aspekten vermehrt Aufmerksamkeit schenken und entsprechende Programme und Interventionen implementieren, können sie das soziale Lernen von Kindern und Jugendlichen maßgeblich verbessern. Es ist wichtig, dass Regeln im Schulalltag mit Herz vertreten werden und der Fokus auf Austausch und Lösungen statt auf Täter und Opfer gelegt wird.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Emotionales Lernen

Die Zunahme psychisch kranker Jugendlicher und die Frage, was hier schiefläuft, sind zentrale Themen im heutigen Workshop von Dr. med. Ursula Davatz. Die Jugendpsychiatrie sei völlig überfordert. Dr. Davatz deutet an, dass es der Jugend nicht so gut gehe.

Ein wichtiger Aspekt, den Dr. Davatz anspricht, ist die Bedeutung von Beziehungen und Interaktion für die gesunde Entwicklung junger Menschen. Sie betont, dass nichts die persönliche Beziehung ersetzen könne. Wenn Kinder und Jugendliche zu viel Zeit mit Mobiltelefonen verbringen, gehe die wichtige Vernetzung im Gehirn verloren, die im Austausch mit anderen Menschen stattfindet. Dies könne dazu führen, dass emotionale und soziale Kompetenzen vernachlässigt werden.

Dr. Davatz sieht eine Gefahr in der Tendenz, Kinder und Jugendliche sich selbst zu überlassen, indem man ihnen Lernpläne gibt und erwartet, dass sie alles selbstständig erarbeiten, oft über Internetportale. Dadurch gehe der persönliche Kontakt und die aktive Begleitung verloren, was zu einer gewissen Hilflosigkeit bei jungen Menschen führen könne. Es sei eine Verantwortungslosigkeit, wenn man sage, dass sich Jugendliche alles im Internet holen könnten und man nur noch Befehle über den Computer gebe. Dies führe zu einer Vernachlässigung der Jugend, wenn man sie einfach an Computer setze, da die menschliche Beziehung, die Interaktion und das gemeinsame Lernen fehlten.

Ein weiterer Punkt ist die Vernachlässigung des emotionalen Lernens. Oft werde nur auf den IQ geschaut, während der EQ (emotionale Intelligenz) ebenfalls beachtet werden sollte. Im Umgang mit Konflikten beobachtet Dr. Davatz, dass oft keine sorgfältige Konfliktbewältigung stattfindet, sondern Konflikte einfach mit einer Entschuldigung abgetan werden. Sie plädiert für eine sorgfältigere Betrachtung und Bearbeitung von Konflikten auf bilateraler Ebene.

Dr. Davatz betont die Wichtigkeit, frühzeitig mit der Erziehung zu beginnen. Wenn man wolle, dass es in der Pubertät nicht schieflaufe, müsse man früh intervenieren. Bei Kindern mit ADHS/ADS sei ein sorgfältigeres Zuhören und ein Verlangsamen im Umgang notwendig. Generell sei es wichtig, Kinder beim Lernen sorgfältig zu begleiten, anstatt einfach nur „nein“ zu sagen.

Zudem kritisiert Dr. Davatz die gesellschaftliche Tendenz zur Spezialisierung und die Vernachlässigung des „Breiten“. Sie sieht in der fehlenden Förderung von Sozialkompetenz im Kindergarten, in der Schule und in der Familie ein Problem. Es gebe heute zu viel soziale Kompetition und zu wenig Förderung von gutem Sozialverhalten.

Abschliessend betont Dr. Davatz die Notwendigkeit, Beziehungen zu pflegen. Die Sorgfalt gegenüber der Beziehung und die Zeit für die Beziehung seien entscheidend. Im Tagesgeschäft fehle oft die Zeit dafür, was sich negativ auswirken könne. Sie plädiert dafür, die persönliche Beziehung als immer noch interessanter als mobile Geräte zu sehen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Wie verändert sich das Gehirn in der Pubertät?

In der Pubertät verändert sich das Gehirn in einer sehr wichtigen Entwicklungsphase. Dr. Davatz erklärt, dass das Gehirn in dieser Zeit neu vernetzt wird. Dieser Prozess wird als Synaptic Pruning bezeichnet. Dabei werden viele angelegte Netzwerke abgebaut und es entstehen neue, funktionale Netzwerke, die mit Autobahnen verglichen werden können.

Aus diesem Grund spielt die Interaktion mit dem Umfeld in der Pubertät eine riesige Rolle. Jean Piaget hat das Konzept des Dezentrierens entwickelt, welches besagt, dass man in der Pubertät lernen kann, verschiedene Perspektiven zu verstehen. Laut Piaget lernen 60% der Jugendlichen in der Pubertät zu dezentrieren, während 40% dies nie lernen. Jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, kann auch nicht richtig zusammenarbeiten. Es ist also eine Zeit, in der die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zum Perspektivenwechsel massgeblich geprägt wird.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Weshalb ist Vernetzung in der Erziehung wichtig?

Die Vernetzung ist in der Erziehung aus mehreren zentralen Gründen von grosser Bedeutung, wie Dr. med. Ursula Davatz in den Quellen betont.

  • Entwicklung des Gehirns: In der Pubertät spielt die Interaktion mit dem Umfeld eine riesige Rolle für die Neuvernetzung des Gehirns, das sogenannte Synaptic Pruning, bei dem funktionale Netzwerke entstehen. Dr. Davatz plädiert generell in der Erziehung sehr stark für die Vernetzung. Sie hebt hervor, dass beim Austausch zwischen Menschen eine riesige Vernetzung im Gehirn stattfindet, im Gegensatz zur Beschäftigung mit einem Mobiltelefon, wo nur wenige Netzwerke aktiv sind. Diese Vernetzung geht verloren, wenn Kinder nur noch mit Mobiltelefonen unterwegs sind.
  • Soziales Lernen und Kooperation: Kinder müssen lernen, sich durchzusetzen, anzupassen und vor allem zu kooperieren. Dr. Davatz betont, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und Zusammenarbeit unerlässlich ist. Schlechte Zusammenarbeit wird oft beobachtet. In der Schule und im Umgang miteinander muss zusammengearbeitet werden.
  • Emotionale und soziale Entwicklung durch Beziehungen: Nichts kann die persönliche Beziehung ersetzen. Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der menschlichen Beziehung, der persönlichen Beziehung, der Interaktion und des gemeinsamen Lernens, die verloren gehen, wenn Kinder nur an Computer gesetzt werden. In der Beziehung läuft das emotionale Lernen ab, welches grob vernachlässigt wird, obwohl neben dem IQ auch der EQ (emotionale Intelligenz) beachtet werden sollte. Eine Beziehung entsteht über Kontakt schaffen, und dies geschieht auch über Musik, die emotional wirkt. Das limbische System, unser Beziehungshirn, schafft Beziehungen immer über das Gefühl.
  • Lernen und Wissenserwerb im Austausch: Dr. Davatz stellt fest, dass Wissen heute nicht mehr so wichtig ist, da man alles googeln kann. Entscheidend ist, was man mit dem Wissen macht und wie einem das Wissen gegeben wird. Lernen von einer Person beinhaltet immer auch einen Austausch, einen emotionalen Austausch, was beim Lernen von künstlicher Intelligenz fehlt. Man lernt mit dem Lehrer und auch für den Lehrer. Das Wissen miteinander erarbeiten, austauschen und vergleichen macht den Menschen aus.
  • Bedeutung von Beziehungen in der Schule: Lehrer müssen Kontakt zur Gruppe schaffen, idealerweise über emotionale und interessante Inhalte. Die persönliche Beziehung zwischen Lehrer und Schüler kann durch nichts ersetzt werden. Es braucht eine Lernatmosphäre, in der sich alle wohlfühlen können, und die Dynamiken müssen so gesteuert werden, dass alle ihren Platz haben.
  • Vernetzung im Umgang mit Konflikten: Konflikte müssen auf bilateraler Ebene angeschaut und bearbeitet werden, nicht nur mit einer einfachen Entschuldigung. Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Vermittlung in Konflikten, auch zwischen Eltern und Lehrern.

Zusammenfassend ist Vernetzung in der Erziehung essenziell für die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie fördert die Gehirnentwicklung, das soziale und emotionale Lernen, den Wissenserwerb im Austausch und die Fähigkeit zur Kooperation und Konfliktbewältigung. Die persönliche Beziehung und Interaktion sind durch digitale Medien nicht zu ersetzen und bilden die Grundlage für eine gesunde Entwicklung. Dr. Davatz warnt vor einer Vernachlässigung dieser menschlichen Beziehungen im Zeitalter der Digitalisierung.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Welche Rolle spielen Beziehungen in der kindlichen Entwicklung?

Beziehungen spielen eine fundamentale Rolle in der kindlichen Entwicklung. Dr. med. Ursula Davatz betont in der vorliegenden Audioaufnahme mehrfach die Wichtigkeit von Interaktion und persönlichen Beziehungen für Kinder und Jugendliche.

  • Gehirnentwicklung: In der Pubertät, einer wichtigen Entwicklungszeit des Gehirns, spielt die Interaktion mit dem Umfeld eine riesige Rolle. Während der Pubertät findet eine Neuvernetzung des Gehirns statt, das sogenannte Synaptic Pruning, bei dem funktionale Netzwerke wie Autobahnen angelegt werden. Obwohl sich dieser Prozess primär auf die Pubertät bezieht, impliziert die Bedeutung der Interaktion für die Gehirnentwicklung in dieser Phase auch eine Wichtigkeit in früheren Kindheitsstadien.
  • Soziales Lernen und Kooperation: Kinder müssen lernen, sich durchzusetzen, anzupassen und vor allem zu kooperieren. Beziehungen und Interaktionen im Kindergarten, in der Schule und in der Familie sind entscheidend, um Sozialkompetenz zu erlernen. Schlechte Zusammenarbeit wird oft beobachtet, und es wird betont, dass der Mensch ein soziales Wesen ist.
  • Emotionale Entwicklung und Regulation: Beziehungen sind zentral für die emotionale Entwicklung. In der Pubertät sollten Kinder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen. Die Kinderstube ist dazu da, um sich auseinanderzusetzen, nicht um brav zu sein. Je mehr Möglichkeiten Kinder zur Auseinandersetzung haben, desto weniger brauchen sie Suchtmittel. Dr. Davatz betont, dass das Beziehungshirn, das limbische System, das ist was die Beziehung schafft und es läuft immer über das Gefühl.
  • Lernen und Wissenserwerb: Beziehungen spielen eine wichtige Rolle beim Lernen. Man lernt mit dem Lehrer und auch für den Lehrer. Die persönliche Beziehung kann durch nichts ersetzt werden. Das gemeinsame Lernen und die Interaktion sind essenziell und werden vernachlässigt, wenn Kinder nur an Computer gesetzt werden. Im Spiel wird mehr gelernt.
  • Konfliktbewältigung: Kinder müssen lernen, mit Konflikten umzugehen. Es ist wichtig, alle Konflikte sorgfältig anzuschauen und auf bilateraler Ebene zu bearbeiten, nicht nur mit einer einfachen Entschuldigung.
  • Vorbild und Werte: Die Erziehung in der Familie dient dazu, die Tradition der Familie aufrechtzuerhalten und Wertvorstellungen weiterzugeben, wobei das Vorbild etwas ganz Wichtiges ist.
  • Auswirkungen von Konflikten in Beziehungen: Wenn die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, ist das kein gutes Klima für Kinder. Wenn Kinder Vermittler sein müssen, nimmt ihnen das viel Energie für ihre eigene Entwicklung weg. Auch stumme Machtkämpfe zwischen Eltern können sich negativ auswirken. In Ehestreits wollen oft beide Recht haben, und es ist wichtig zu lernen, unterschiedliche Perspektiven zu sehen.
  • Rolle von Lehrpersonen: Lehrpersonen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in den Beziehungen der Kinder, indem sie Kontakt zur Gruppe schaffen, idealerweise über emotionale und interessante Inhalte.
  • Wichtigkeit der Beziehungsqualität: Die Qualität der Beziehung ist entscheidend. Wenn man eine gute Beziehung hat, kann man sich vieles leisten. Beziehungen machen gesund und beruhigen. Es braucht mehr Sorgfalt für die Beziehungspflege.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Beziehungen in der kindlichen Entwicklung eine zentrale Rolle für die kognitive, soziale, emotionale und moralische Reifung spielen. Sie beeinflussen die Gehirnentwicklung, ermöglichen soziales Lernen und die Entwicklung von Kooperationsfähigkeit, sind entscheidend für den Umgang mit Emotionen, fördern das Lernen und die Konfliktbewältigung und prägen durch Vorbilder und Werte. Ein Mangel an positiven Beziehungen oder das Vorhandensein von dysfunktionalen Beziehungen können sich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Weshalb ist frühzeitige Hilfe für Kinder wichtig?

Frühzeitige Hilfe für Kinder ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig, wie Dr. med. Ursula Davatz im Gespräch betont.

Die Pubertät ist eine besonders anfällige Phase für die Entwicklung psychiatrischer Krankheiten. Gemäss Dr. Davatz treten 50% der psychiatrischen Krankheiten in der Pubertät auf, und 75% bis zum 25. Lebensjahr. Eine frühzeitige Begleitung und Unterstützung kann verhindern, dass Kinder auf eine Fehlbahn geraten.

Frühzeitige Hilfe kann die Entwicklung von Folgekrankheiten verhindern, insbesondere bei Kindern mit ADHS/ADS. Dr. Davatz erklärt, dass 80% der ADHS/ADS-Betroffenen zusätzlich eine oder mehrere psychiatrische Diagnosen haben, welche sie als Folgekrankheiten betrachtet, die durch frühzeitige Intervention vermieden werden könnten.

Eine frühzeitige Begleitung und Unterstützung ist entscheidend für die gesunde Entwicklung von Kindern mit ADHS/ADS. Dr. Davatz betont, dass man mit diesen Kindern sorgfältiger umgehen muss. Wenn man früh mit der Erziehung beginnt, kann man verhindern, dass es in der Pubertät zu Problemen kommt. Bei ADSlern kann es sogar noch früher zu Schwierigkeiten kommen, wenn ihr Umfeld sehr hyperaktiv ist. Frühzeitiges, sorgfältiges Zuhören und Verlangsamen sind bei ADSlern wichtig.

Eltern brauchen frühzeitig Unterstützung und Begleitung, um zu lernen, wie sie mit ihren Kindern umgehen können, insbesondere wenn die Kinder spezielle Bedürfnisse haben. Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Validierung der Eltern und des gemeinsamen Suchens nach Lösungen. Sie ist der Meinung, dass man Eltern nicht zu schnell sagen sollte, was sie falsch machen, sondern sie validieren muss, damit sie mitmachen.

Auch Lehrpersonen benötigen frühzeitig Unterstützung und Sensibilisierung, um mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen, wie ADHS/ADS, umgehen zu lernen. Dr. Davatz plädiert dafür, dass nicht alle Probleme auf die Psychiatrie geschoben werden, sondern dass Lehrpersonen lernen, damit umzugehen. Sie schlägt vor, dass Lehrpersonen sich nicht scheuen sollten, frühzeitig Hilfe zu holen und Situationen mit jemandem zu diskutieren oder das Vier-Augen-Prinzip anzuwenden.

Ein frühzeitiger systemischer Ansatz ist wichtig, um das Kind in seinem Kontext zu betrachten und nicht nur auf das Individuum zu fokussieren. Dr. Davatz betont, dass man immer das Individuum in seinem Kontext anschauen muss, was in der Medizin oft noch schwierig ist. Sie ist der Meinung, dass man in der Schule nicht gleich das Kind ins Spital tun und der psychiatrischen Klinik überlassen sollte, sondern das Umfeld unterstützen muss.

Frühzeitige Intervention kann dazu beitragen, spätere Schwierigkeiten im sozialen Bereich zu vermeiden, wie zum Beispiel Mobbing. Dr. Davatz betont, dass Sozialverhalten mehr gefördert werden muss und dass man hinschauen muss, wenn jemand Anzeichen zeigt, und sofort handeln muss.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass frühzeitige Hilfe für Kinder entscheidend ist, um ihre gesunde Entwicklung zu fördern, psychische Probleme und deren Folgeerkrankungen zu verhindern, Eltern und Lehrpersonen zu unterstützen und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld frühzeitig anzugehen. Dr. Davatz plädiert für eine frühe und umfassende Unterstützung, die das Kind in seinem gesamten System betrachtet.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Weshalb spielt Interaktion in der Pubertät eine grosse Rolle?

Basierend auf den Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz in den Quellen spielt Interaktion in der Pubertät eine grosse Rolle aus verschiedenen, miteinander verbundenen Gründen:

  • Gehirnentwicklung und -vernetzung: In der Pubertät findet eine massive Neuvernetzung des Gehirns statt, ein Prozess, der als Synaptic Pruning bekannt ist. Während dieser Zeit werden viele angelegte neuronale Netzwerke abgebaut und es entstehen neue, funktionale Netzwerke wie Autobahnen. Dr. Davatz betont, dass deshalb die Interaktion mit dem Umfeld in der Pubertät eine riesige Rolle spielt. Diese Phase ist eine sehr wichtige Entwicklungszeit für das menschliche Gehirn.
  • Soziales Lernen und Kooperation: Die Pubertät ist eine Zeit, in der Jugendliche lernen müssen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Dr. Davatz unterstreicht, dass sie lernen müssen, sich durchzusetzen, sich anzupassen und vor allen Dingen zu kooperieren. Interaktion mit Gleichaltrigen und Erwachsenen ist unerlässlich für die Entwicklung dieser sozialen Kompetenzen. Sie betont, dass man immer zusammenarbeiten muss.
  • Entwicklung der Perspektivenübernahme (Dezentrieren): Jean Piaget beschreibt das Dezentrieren als eine Fähigkeit, die man idealerweise in der Pubertät lernt. Das bedeutet, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können und zu erkennen, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig gültige ist. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Auseinandersetzung und Interaktion mit anderen. Dr. Davatz merkt an, dass jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, auch nicht richtig zusammenarbeiten kann.
  • Emotionale Entwicklung und Regulation: Während der Pubertät erleben Jugendliche oft ein intensiveres emotionales Auf und Ab. Interaktion mit ihrem Umfeld, insbesondere mit unterstützenden Erwachsenen, hilft ihnen, ihre Emotionen wahrzunehmen und zu lernen, damit umzugehen. Dr. Davatz betont, dass junge Menschen ein Gegenüber brauchen, mit dem sie sich auseinandersetzen können, um den Umgang mit ihren Emotionen zu lernen.
  • Konfliktbewältigung und soziales Lernen: Konflikte sind in der Pubertät nicht unüblich. Interaktion in Konfliktsituationen, wenn sie konstruktiv begleitet wird, bietet wichtige Lernmöglichkeiten für die Konfliktlösung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Dr. Davatz betont, dass es wichtig ist, Ungleichheiten, die stören, im Gruppenprozess zu bearbeiten, was ein wichtiger Aspekt des sozialen Lernens ist.
  • Autonomieentwicklung: In der Pubertät streben Jugendliche nach mehr Selbstständigkeit. Interaktion mit Erwachsenen, die ihnen Raum für eigene Meinungen und Entscheidungen geben, während sie gleichzeitig Orientierung bieten, ist entscheidend für die Entwicklung ihrer Autonomie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pubertät eine sensible Phase der Umstrukturierung auf neurologischer, sozialer und emotionaler Ebene ist. Interaktion mit der Umwelt und mit anderen Menschen ist in dieser Zeit unerlässlich, da sie den Reifungsprozess des Gehirns massgeblich beeinflusst, die Entwicklung wichtiger sozialer und emotionaler Fähigkeiten fördert und zur Herausbildung einer eigenständigen Persönlichkeit beiträgt.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Was versteht Piaget unter Dezentrieren in der Pubertät?

Dr. med. Ursula Davatz erklärt, dass Jean Piaget das Konzept vom Dezentrieren entwickelt hat. In der Pubertät bedeutet dies, dass man lernen kann, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Man erkennt, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig gültige ist.

Dr. Davatz führt aus, dass man in der Pubertät lernen kann zu verstehen: „du siehst das so, ja, ich kann das nachvollziehen. Ich sehe es so. Es muss niemand Recht haben. Beide Blickwinkel sind absolut in Ordnung„. Sie vergleicht dies mit dem physikalischen Phänomen, dass Licht sowohl als Welle als auch als Korpuskel gesehen werden kann. Selbst in den harten Wissenschaften können Dinge unterschiedlich betrachtet werden.

Wenn jemand jedoch darauf besteht, Recht haben zu müssen, ist eine unterschiedliche Betrachtung der Dinge nicht möglich. Laut Piaget lernen etwa 60% der Menschen in der Pubertät, sich zu dezentrieren, während die restlichen 40% dies nie lernen.

Dr. Davatz betont, dass jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, auch nicht richtig zusammenarbeiten kann. Im emotionalen Zustand ist Dezentrieren ohnehin nicht möglich. Man muss sich zuerst beruhigen, um wieder das Grosshirn einschalten und die Sache mental betrachten zu können. Dezentrieren bedeutet, sich von der intellektuellen und emotionalen Bindung zu lösen und die Sache mental anzuschauen, den anderen wahrzunehmen und seine Perspektive zu erkennen.

Zusammenfassend versteht Piaget unter Dezentrieren in der Pubertät die Fähigkeit, sich von der eigenen egozentrischen Sichtweise zu lösen und die Perspektive anderer zu erkennen und zu verstehen, ohne dabei auf dem eigenen Recht zu beharren. Dies ist eine wichtige Entwicklung für die soziale Interaktion und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit.