Trauma und Traumatherapie

Vortrag zum Thema Trauma und Traumatherapie.

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Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

26.6.2019

Trauma und Umgang mit traumatisierten Klienten
Audio

[00:00:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Möchte sie alle ganz herzlich begrüssen zum heutigen Thema, das heisst: "Trauma und Umgang mit
traumatisierten Klienten".

[00:00:05.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst etwas Kurzes zum Begriff "Trauma".

[00:00:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ursprünglich ist der Begriff Trauma und die Traumatisierung von Sigmund Freud geprägt worden

[00:00:28.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Freud hat ja die Vorstellung gehabt, ein Kind wird traumatisiert, wenn es die Sexualität der Eltern
sieht.

[00:00:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das sogenannte Urtrauma gewesen.

[00:00:39.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich längstens nicht jedes Trauma und es muss auch gar nicht ein Trauma sein.

[00:00:46.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann es auch eines sein.

[00:00:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist der Begriff Trauma viel ausgeweiteter und wird eher auf Situationen angewendet, dass
wenn der Mensch in eine Situation hineinkommt, die er nicht kontrollieren kann, das wäre ein Unfall, eine
Lawine, eine Naturkatastrophe, ein Flugzeugabsturz, Krieg und so weiter, das sind alles Situationen, die
man nicht kontrollieren kann.

[00:01:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch das wird man traumatisiert.

[00:01:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind gewohnt, dass wir uns mehr oder weniger im Griff haben wir erwachsenen Menschen.

[00:01:28.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann etwas kommt, das wir gar nicht im Griff haben, dann tut uns das durcheinander bringen.

[00:01:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Kriegstraumatas sind natürlich auch Traumata.

[00:01:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sexueller Missbrauch ist Trauma.

[00:01:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim sexuellen Missbrauch ist es ein bisschen anders, da passiert einem etwas, das gesellschaftlich
verurteilt, moralisch als negativ angeschaut wird.

[00:02:01.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind oder ein junger Erwachsener, der in so etwas hineinkommt, der steht dann zwischen dem
Geschehen der Sexualität und vielleicht hat er sogar Lust dabei und ja weil das halt einfach der Körper
ist, der so reagiert und der gesellschaftlichen Meinung, die sagt, das darf nicht passieren.

[00:02:23.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kommt dann in die Klemme zwischen Natur und Moral.

[00:02:28.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt auch ein Trauma.

[00:02:31.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, die sogenannt sexuell missbraucht werden, die wissen jeweils manchmal gar nicht was ihnen
passiert.

[00:02:38.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann später erfahren um was es geht, dann fühlen sie sich häufig verantwortlich für das, was
passiert ist, weil sie dann die gesellschaftliche Moral übernehmen.

[00:02:53.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die tun wir uns alle Aneignen und dann haben wir die Haltung, ich hätte das verhindern können müssen.

[00:03:00.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Riesenproblem.

[00:03:03.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, sie wollen heute nicht an erster Stelle über sexuellen Missbrauch reden, sondern vielleicht
mehr über Kriegstraumatas, dann sie haben ja viele Flüchtlinge, die eher so Kriegstraumatas erlebt
haben.

[00:03:20.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sage ich, wenn jemand in einem Unfall ist oder in einem Krieg traumatisiert wird, ist das
häufig fast sogar weniger schlimm, sie können es besser verarbeiten, weil das ganze Kollektiv darunter
kommt, als wenn ihnen alleine etwas passiert, also wenn sie als Einzelmensch in irgendeine schwierige
Situation verwickelt sind.

[00:03:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unterschiedlich und es ist je nach Mensch wie der geartet ist, wie sensibel dass er ist, macht es ihm
mehr Problem.

[00:04:05.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt Trauma, Sachen, die man nicht verarbeitet hat, die kommen im Traum wieder.

[00:04:12.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, so ist der Sigmund Freud auch auf das Wort Trauma gekommen.

[00:04:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Mindestens ich behaupte das jetzt so.

[00:04:20.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich ist die Nacht, das Schlafen dazu da, dass man alles wieder heraus wirft aus dem Gedächtnis,
dass man das Gedächtnis wieder frei macht für neue Erlebnisse am nächsten Tag.

[00:04:31.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sachen, die nicht verarbeitet werden, die kommen im Traum und an die erinnert man sich dann auch
noch am nächsten Tag.

[00:04:40.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her kommt dann das Wort Trauma, also Sachen wo man sich erinnert, wo man darüber träumt
als wo man nachher bewusst wieder weiss das und das habe ich geträumt.

[00:04:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die zeigen eigentlich auf da ist etwas in der Seele noch nicht verarbeitet.

[00:04:56.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir in der Psychotherapie fragen die Leute manchmal dann auch nach den Träumen.

[00:05:01.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von den Träumen kann ich sehen, ob ein Mensch etwas eben noch nicht verarbeitet hat und ich
kann auch sehen wo der Mensch hingehen will.

[00:05:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kommen in den Träumen Dinge heraus, die eigentlich schon besser sind als was im täglichen
Leben ist.

[00:05:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Art ein Richtungsweiser.

[00:05:21.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat dann dort gesagt, wenn wir in bewusstem Zustand sind, dann ist unser sogenannt Unbewusstes,
also allenfalls was da im Hirn noch an Erinnerung vorhanden ist, ist einer Kontrolle einer Zensur
unterstellt.

[00:05:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zensur erlaubt, dass man es am Tag nicht sagt.

[00:05:43.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Nacht fällt die Zensur weg und dann kommt das wieder hervor.

[00:05:47.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so bei Sachen, die vorwärts gerichtet sind und das ist natürlich auch so bei unverarbeiteten
Traumatas.

[00:05:56.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe selber keine Traumatherapieausbildung gemacht.

[00:06:06.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Heute tut man extra solche Ausbildungen machen.

[00:06:09.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist etwas, was wir Psychotherapeuten alle können sollten, denn wir haben immer wieder Menschen,
die Traumatas gehabt haben.

[00:06:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grundprinzip der Methode ist, dass man die Geschichte nochmals rauf holt, die Geschichte erzählen
lässt und das in dem Augenblick, wo der Patient die Geschichte erzählt, dass man als das Gegenüber
das ganz neutral entgegennehmen kann und nicht in irgendeinen emotionalen Absturz oder in eine
emotionale Aufregung hineinkommt, sodass dann der Patient das Gefühl hat, er dürfe das nicht erzählen,
man könnte es nicht handhaben usw.

[00:06:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sehr genau in diese Sachen hineingehen und man sagt, sie sollen sie in Details erzählen.

[00:06:59.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem bei den sexuellen Traumatas, muss man dann aufpassen, dass man nicht zum Voyeurist
wird und sich daran begeilt, dass da so Geschichten erzählt werden, sondern dass man wirklich neutral
einfach zuhört und wenn der Patient nicht alle Details erzählen mag, dass man dann das noch weglässt.

[00:07:20.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur so viel erzählen lassen, wozu der Klient auch bereit ist.

[00:07:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Situationen, also zum Beispiel, als das Flugzeugunglück gewesen ist in Halifax, sind viele
hin gereist haben dann die Traumatisierten behandeln wollen.

[00:07:38.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt durchaus Menschen, die wenn sie so ein Trauma erlebt haben, die können erfolgreich verdrängen
und das Leben geht weiter.

[00:07:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen jungen Mann gehabt, dem sein Vater ist gestorben, in einer Lawine der hat alles
verdrängt. Er ist einfach weitergegangen in die Schule hat seine Arbeit gemacht und hat keine einzige
Träne vergossen.

[00:07:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist für ihn hilfreich gewesen, so konnte er gut sein Leben weiter bewältigen.

[00:08:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den gezwungen hätte dazu, er müsse jetzt sein Trauma verarbeiten, hätte man ihm eher
geschadet.

[00:08:11.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Menschen auch ihre Traumatas verdrängen lassen, das ist absolut in Ordnung.

[00:08:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat es solche Situationen gegeben, dass Therapeuten eifrig weil sie halt jetzt Traumatherapie gelernt
haben, dass sie dann bei diesen Menschen alle diese Traumatas Herausholen wollten.

[00:08:26.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man von Re-Traumatisierung.

[00:08:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat über die Therapie diese Personen re-traumatisiert also wieder traumatisiert, anstatt dass man
ihnen geholfen hat.

[00:08:38.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine natürliche Verdrängung da ist, muss man das zulassen.

[00:08:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig dauert die Verdrängung auch ein bisschen länger.

[00:08:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem jungen Mann, der sein Vater in der Lawine verloren hat, der hat dann zwei Jahre später glaube
ich, als er dann seine Matur gehabt hat und gewusst hat, was er studieren will, dann hat er gesagt, jetzt
bin ich bereit und jetzt will ich diese Trauma-Arbeit machen und das ist richtig gewesen.

[00:09:04.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat sogar ein schlechtes Gewissen gehabt, dass er keine Tränen vergossen hat.

[00:09:07.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich müsste man doch trauern, wenn ein Vater stirbt.

[00:09:13.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist dann quasi selber wieder traumatisiert gewesen, dass er nicht traurig gewesen ist.

[00:09:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich gesagt, das ist normal.

[00:09:21.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn nur ein einziges Mal gesehen. Ich habe gesagt, das ist normal, dass sie keine Träne
vergossen haben.

[00:09:26.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie mussten weitergehen im Leben.

[00:09:28.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur so haben sie gut Überleben können, das Trauma überschreiben.

[00:09:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann so weit sind, um das Ganze anschauen zu können, dann machen sie dann das schon.

[00:09:39.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist er bereit für das.

[00:09:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Symptom, das er gehabt hat, er hat nicht gut geschlafen.

[00:09:45.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich in der Nacht da hat er nicht so gut verdrängen können, nicht so gut zu zensurieren
können, da ist ihm das irgendwie im Unterbewusstsein in den Sinn gekommen.

[00:09:58.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es nicht genau, ob er über den Unfall geträumt hat oder nicht, aber er hat einfach nicht gut
geschlafen.

[00:10:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sicher verursacht gewesen durch den Tod des Vaters.

[00:10:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Man hat ihn trotzdem nicht dazu bringen können, darüber zu reden und das ist auch recht gewesen.

[00:10:12.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat einen Bruder gehabt, der hat nicht funktioniert, der hat sich nur zurückgezogen hat, auch nicht gut
darüber sprechen können.

[00:10:21.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat sich so wie ausgeklinkt aus dem normale Leben.

[00:10:26.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat man dann dem Umfeld beibringen müssen, dass sie ihn nicht Zwingen zum darüber reden, denn
das hätte ihn auch wieder re-traumatisiert, um dass man ihn auch nicht einfach zwingt, jetzt ganz normal
wieder in die Schule zu gehen.

[00:10:40.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir mussten ihm Zeit lassen, mit der Zeit ist er dann wieder gegangen, das Leben ist weitergegangen
und dem geht es auch wieder besser.

[00:10:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem will ich zeigen, man kann nicht immer einfach die Bearbeitung anbieten, man muss manchmal
auch warten können.

[00:10:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt so Leute, die nie über gewisse Traumatas sprechen.

[00:10:58.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtige Traumatas, also wo man heutzutage auch mehr darüber redet, ist der zweite Weltkrieg, wo viele
also jüdische Familien ihre Grosseltern im Konzentrationslager verloren haben.

[00:11:15.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder von denen haben häufig nicht darüber geredet, weil das so schrecklich gewesen ist und weil
sie nicht re-traumatisiert werden wollten.

[00:11:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grosskinder, von den Grosseltern, die in den Konzentrationslagern umgebracht worden sind, die
nehmen das irgendwie auf.

[00:11:44.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Auch wenn nie darüber geredet wird.

[00:11:45.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist da irgendetwas in der Luft und die Traumata, die da passiert sind, die gehen weiter.

[00:11:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Enkelkinder und Urenkel wäre es besser, wenn man darüber reden könnte.

[00:11:57.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Da braucht es in der Regel einen Therapeut, der das Ganze begleitet.

[00:12:01.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Trauma reden, das ist so wie durch ein Stromschnelle hindurch fahren.

[00:12:07.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen quasi ein Lotse, der sie begleitet, der auffangen hilft.

[00:12:13.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Familie schon in Therapie ist oder wenn die das bereden wollen, dann ist es sehr hilfreich,
wenn man das Macht.

[00:12:21.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Enkelkinder beklagen sich auch häufig: meine Eltern haben nie über das geredet und mich hätte es
wundergenommen.

[00:12:30.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es schlechter verarbeiten, wenn nicht darüber geredet wird.

[00:12:35.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist halt dann früher so gemacht worden und dann ist es im Dunkeln.

[00:12:41.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Grosseltern dann schon gestorben sind, lohnt es sich vom Therapeut her trotzdem mit dem
Enkelkind über die Geschichten zu reden und halt das Rekonstruieren was man kann.

[00:12:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eher kriegstraumatisierte, sie haben Flüchtlinge.

[00:13:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht muss ich noch etwas anderes sagen.

[00:13:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Beispiel eine Patientin gehabt, die ist in ein Autounfall hinein verwickelt worden. Ihr ist zwar
schlecht gegangen, aber nicht so schlecht. Sie ist nicht so fest verletzt gewesen wie irgendjemand
anderes.

[00:13:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sich die Notfall-Equipe um die anderen Verletzen gekümmert und sie hat man einfach sitzen
lassen. Man hat gesagt, ja dir geht es nicht so schlecht dich lassen wir jetzt da mal warten.

[00:13:33.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir kommen dann wieder, wenn wir den anderen verarztet haben, weil sie nicht genug Leute gehabt
haben.

[00:13:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat sich total im Stich gelassen gefühlt, dass man sie einfach sitzen lassen hat.

[00:13:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Als man sie dann in den Operationssaal oder in die Klinik genommen hat, sie hat sich ja im Strich
gelassen gefühlt, sie hat sich traumatisiert gefühlt, hat sie dann geschrien wie am Spiess und dann hat
man sie noch zurechtgewiesen, dass sie so blöd tut.

[00:14:01.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Tun sie nicht so hysterisch.

[00:14:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein iatrogrene, also eine ärztliche Traumatisierung von dieser Patientin, die sich da nicht recht
behandelt gefühlt hat.

[00:14:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Psychiater haben sie dann jahrelange in Therapie gehabt, weil sie immer noch verrückt gewesen ist
auf die Ärzte und die Helfer, die Notfallhelfer, die sie nicht ernstgenommen haben und die Ärzte, die sie
sogenannt zusammengestaucht haben, dass sie sich nicht besser benimmt.

[00:14:33.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Ärzte können auch traumatisieren, wenn sie einen Patienten nicht ernst nehmen oder wenn ein Eingriff
ist.

[00:14:40.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Beispiel eine Patientin gehabt, die hat geboren.

[00:14:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ihr zuerst gesagt, sie könne eine normale Geburt haben und nachher hat man für einmal ganz
ganz schnell geschwenkt auf Kaiserschnitt.

[00:14:53.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat sie nicht gut vorbereitet und gesagt, jetzt braucht es einen Kaiserschnitt, jetzt müssen wir leider
das und das und das machen.

[00:14:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat es einfach gemacht.

[00:15:01.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, wenn es eilt, dann handeln die Ärzte einfach und dann haben sie oft keine Zeit mehr zum Erklären.

[00:15:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mutter ist so traumatisiert gewesen, dass sie keine Beziehung zum Kind hat entwickeln konnte.

[00:15:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie zu mir gekommen und dann habe ich mir das Ganze erzählen lassen und dann habe ich ihr
gesagt, dann habe dem Chefarzt geschrieben, die Frau ist traumatisiert von der Geburt her und ich bitte
ihn, dass er nochmal ein Gespräch organisiert mit ihr, ihrem Mann und dem Geburtshelfer.

[00:15:31.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat er dann gemacht, die sind gegangen, die haben anderthalb Stunden mit dem Arzt reden können,
sie haben sich ernstgenommen gefühlt, alle beide, die Frau und der Mann.

[00:15:40.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist das Trauma bearbeitet gewesen und dann konnte sie eine Beziehung zum Kind entwickeln.

[00:15:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine unsorgfältige Behandlung kann auch zu einer Traumatisierung führen.

[00:15:52.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht nur immer der Flugzeugabsturz und die Naturkatastrophe die Lawinen usw.

[00:16:00.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte können auch traumatisieren, wenn wir unsorgfältig umgehen.

[00:16:04.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern können traumatisieren, wenn ein Kind Probleme in der Schule hat, sich im Stich gelassen fühlt,
gemobbt fühlt, wie man heute so sagt.

[00:16:17.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern nehmen es nicht ernst und sagen ja, du musst dich halt anpassen oder der Lehrer wird schon
seinen Grund haben, warum er jetzt da dich so kritisiert oder zurechtweist.

[00:16:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt dann eine Traumatisierung, die nicht so auffällig ist, aber die nicht weniger schlimm ist, im
Gegenteil.

[00:16:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hören dann die Traumatas in der Therapie. Die Leute erzählen uns das.

[00:16:45.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel Prozent Kriegserfahrene haben sie bei ihren Klienten?

[00:16:54.960] – Bemerkung 1
5%

[00:16:55.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt frage ich sie, was ist für sie schwierig im Umgang mit denen?

[00:17:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo stehen sie an?

[00:17:15.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ja eine Weiterbildung organisiert und man organisiert das meistens wenn es ein bisschen
schwierig für einem.

[00:17:22.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist für sie schwierig im Umgang mit denen wo stehen sie an?

[00:17:32.250] – Bemerkung 2
Wir haben kürzlich einen Klient gehabt, der hat nicht gesprochen. Fragen hat er mit Ja und Nein
beantwortet. Den Gesichtsausdruck konnte man nicht deuten. Ist es Freude? Ist er dabei? Anhand seiner
Körperhaltung, wusste man nicht wo man steht. Wir konnten ihn nicht richtig fördern.

[00:17:36.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr interessant, das ist eine typische Reaktion.

[00:18:24.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand ein Trauma erlebt hat und dann spricht man das Trauma an, dann kann es eine
Dissoziation geben, d.h. eine Abspaltung der Gefühle.

[00:18:30.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wieder vom Trauma spricht, dann kann es da eine Überschwemmung von diesen negativen
Erfahrungen mit Angst usw. geben, was die nicht wollen.

[00:18:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wollen natürlich nicht die Überschwemmung von diesen Gefühlen haben.

[00:18:52.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spalten sie ab und dann haben sie das Gesicht.

[00:18:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das bei einem Therapeut passiert, dann ist der natürlich gewohnt mit dem umzugehen und je
nachdem lässt er dann das und sagt okay, wir gehen nicht weiter darauf ein oder er geht weiter.

[00:19:10.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er weitergeht und genügend Sicherheit ausstrahlt, dann kann der Therapeut das ein bisschen
bearbeiten, aber sie sind ja nicht Therapeuten und wenn sie sehen, wenn sie fragen und sie sehen der
spaltet jetzt ab oder wird versteinert, macht eine Abspaltung und das kann bis zur Psychose gehen, also
dass sie weg treten, einfach weil es so eine Überschwemmung der Gefühlen gibt, also das was ich
beschreibe mit der Monsterwelle.

[00:19:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Was in ihrem Fall wichtig ist, dass sie sagen, ok ich sehe du kannst, du willst nicht darüber reden, du
willst nicht du kannst nicht.

[00:19:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich akzeptiere es.

[00:19:49.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie dann wieder zur Tagesordnung übergehen.

[00:19:53.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie dann zu der Arbeit übergehen.

[00:19:57.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es tut ihm doch schon gut, dass sie realisieren, er hat ein Trauma gehabt.

[00:20:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt ihm schon ein bisschen Verständnis ein bisschen Tragfähigkeit.

[00:20:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine ganz typische Reaktion.

[00:20:14.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ihn dort zwar abgeholt, er kann aber nicht darüber reden okay, ich sehe, du kannst nicht
darüber reden. Das ist ja Ok ich akzeptiere das.

[00:20:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht frustriert, dass du nicht darüber sprichst. Das ist noch wichtig. Man will ja da helfen und jetzt
macht er nicht, das darf man natürlich nicht.

[00:20:33.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Du kannst nicht darüber reden okay, dann machen wir jetzt das.

[00:20:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie dann wieder zur Tagesordnung gehen.

[00:20:40.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wenn sie wieder sehen, kann man sagen, kommen Dir Erinnerungen in den Weg?

[00:20:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sie ja nicht therapeutisch sind, sondern arbeitstherapeutisch, dürfen sie immer sagen, ja, ich sehe das
beschäftigt dich jetzt, aber kommen wir doch wieder zu dem und dann die Arbeit machen.

[00:21:00.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem sagt man und das hat auch Sigmund Freud so gesagt, man überschreibt das traumatische Erlebnis
mit anderen guten Erlebnissen.

[00:21:11.780] – Dr.med. Ursula Davatz
So funktioniert eben auch das Gedächtnis. Wenn das Zeugs da immer wieder heraufkommt, aber sie
können trotzdem nicht darüber reden, sie haben auch keinen Therapeut, der mit ihn darüber redet.

[00:21:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann zwar sehen, dass es da ist, aber man tut es wieder überschreiben.

[00:21:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man tut es in dem Sinn nicht verdrängen aber man akzeptiert, dass er es halt nicht bearbeiten kann.

[00:21:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Überschreiben.

[00:21:38.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man ihn da gut überschreiben kann immer mit dem Wissen, dass die Geschichte hinten dran ist
aber ohne dass man die zu fest – ich sage jetzt absichtlich voyeuristisch auspackt – dann hat man etwas
getan für den Menschen.

[00:21:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt diese magnetische Maltafeln für Kinder. Dort kann drauf zeichnen, dann den Schieber bewegen
und dann ist die Zeichnung weg.

[00:22:13.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dinge die einem ständig im Kopf rum drehen, der Mensch hirnt an dem, das kann man überschreiben,
indem man in etwas hinein geht, das dann ein positives Erlebnis ist.

[00:22:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man in der Beziehung bleibt zu diesen Leuten und nicht sie weg stösst aber auch nicht
in der Wunde bohrt.

[00:22:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie bereit sind, etwas zu sagen, dann kann man ein bisschen darüber fragen und sie können ein
bisschen erzählen. Sie sind nicht an erster Stelle Therapeuten.

[00:22:48.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können kurze Stücke mit ihnen anschauen und dann auch Empathie zeigen und sagen ja das muss
schwierig gewesen sein, das kann ich verstehen.

[00:22:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann nach Flash-Backs Fragen.

[00:23:01.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumata kommen oft zurück in Flash-Backs nicht nur im Traum, sondern auch am Tag, also die
Erinnerung kommt.

[00:23:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man wertschätzen, aber dann geht es weiter.

[00:23:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will sie nicht zu Therapeuten machen, ich will nur, dass sie lernen können damit umzugehen.

[00:23:17.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Methode, wie man solche Flash-Backs wegschickt, wenn jemand in einem Unfall gewesen ist, dann
kommt einem immer wieder in den Sinn, wie das gewesen ist.

[00:23:27.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen gehabt, der ist von einem Flugzeug angeflogen worden, während er auf dem Schiff
gewesen ist. Das sind so Wasserflugzeuge gewesen.

[00:23:35.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem ist immer wieder das Bild gekommen.

[00:23:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine einfache Methode ist das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), das machen
auch Traumatherapeuten.

[00:23:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe nur eine Übung davon, man tut seine Finger hin und her bewegen. Mit den Augen muss ich den
Fingern folgen, mit dem Kopf darf ich nicht bewegen. Drei koordinatorische Übungen.

[00:24:02.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man in die Motorik hinein geht, kann man nicht mehr denken.

[00:24:10.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Reden kann ich, das ist motorisch.

[00:24:13.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt wie das Gehirn funktioniert.

[00:24:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn tut entweder sensorisch Sachen aufnehmen und verarbeiten, oder nach aussen motorisch.

[00:24:23.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Schwatzen gehört zum motorischen.

[00:24:26.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann Schwatzen aber ich kann nicht denken.

[00:24:29.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen ja immer wieder zurück zu diesen Gedanken, tun die immer wieder aufwärmen und das will
man eigentlich überschreiben.

[00:24:36.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch eine Art eine Überschreibung.

[00:24:40.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine ganz eine einfache Methode zum machen, das könnte man machen.

[00:24:46.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur die Augen dürfen sich bewegen.

[00:24:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Merken sie, wie man nicht denken kann?

[00:24:54.340] – Bemerkung 3
Ich müsste es wohl ein bisschen länger machen.

[00:24:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man muss es ein bisschen länger machen. Oder sonst halt wieder.

[00:25:03.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch noch andere Methoden, alle Geschicklichkeitsmethoden helfen überschreiben.

[00:25:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es hier hirnt am Trauma, dann kann man irgendetwas machen.

[00:25:14.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Jonglieren, auf einem Bein stehen, Slackline üben, alles was mit Links Recht zu tun hat, wo
motorische Koordination gebraucht wird, unterbricht das Denken.

[00:25:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Trauma holt man ja immer wieder die dramatischen Erinnerungen hoch.

[00:25:35.990] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapie bringen einem die Leute das häufig, das ist dann unsere Aufgabe und dem sage ich
dann, wir müssen das Trauma wiederkäuen, bis es endlich verdaut ist.

[00:25:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne braucht es viel Geduld.

[00:25:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatas können auch verwendet werden, wenn man etwas nicht will.

[00:26:02.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas nicht will, sagt man immer, ich bin halt traumatisiert und darum kann ich das alles nicht
machen.

[00:26:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht haben sie das zum Teil auch.

[00:26:09.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann eine Verwendung des Traumas.

[00:26:13.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt es bei jetzt sexuellen Traumatas, das das gibt es bei Kriegstraumatas, das das gibt es bei
Traumatas durch einen Vater, der einem geschlagen hat usw.

[00:26:20.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann eine sogenannte Verwendung von dieser Geschichte und das will man natürlich auch
nicht.

[00:26:28.290] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle dürfen sie nicht verrückt werden, dass ein Mensch das Macht, sondern sie müssen
immer ihn Wertschätzen: ja ich weiss, das ist dir Widerfahren und das ist schlimm gewesen und das ist
nicht korrekt gewesen.

[00:26:44.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen immer sagen, ich bin kein Therapeut, sondern sie sind Arbeitsagogen, jetzt tun wir trotzdem
weiterarbeiten.

[00:26:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie sich mit dem Trauma nicht aus dem Gleis bringen lassen und von ihrer Arbeit ablenken lassen.

[00:27:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen es nur so machen.

[00:27:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen es wertschätzen, aber dann geht man weiter.

[00:27:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird wieder überschrieben.

[00:27:08.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sich dann nicht reinziehen lassen in die schreckliche Erfahrung.

[00:27:16.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute machen nicht nur mit den Traumatas Krankheitsgewinn.

[00:27:24.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das Wort nicht gerne.

[00:27:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja eigentlich nichts davon, aber es wird einfach verwendet.

[00:27:29.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin depressiv, darum kann ich das nicht.

[00:27:29.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Borderline, darum kann ich das nicht.

[00:27:30.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man immer sagen, ja das mag sein, ich muss mich zwar nicht mit Diagnosen befassen, aber wir
tun jetzt trotzdem arbeiten.

[00:27:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade weil eben das Trauma dich so beschäftigt, tun wir uns jetzt etwas anderem zuwenden und das
Ganze überschreiben.

[00:27:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Für ein Trauma ist eigentlich die Arbeit sehr gut, denn das unterbricht das in dieser Wunde herum bohren.

[00:28:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja das wären so ein paar Gedanken und jetzt möchte ich sie natürlich gerne fragen, was wollen sie von
mir noch wissen und vielleicht anhand von Fällen könnten wir schauen, was sie von mir noch brauchen
könnten. Wer getraut sich etwas zu Fragen?

[00:28:23.340] – Bemerkung 4
Bei der Polizeikontrolle muss man auch was machen mit dem Finger und der Nase.

[00:28:25.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Polizeikontrolle wird der Finger-Nasen-Versuch gemacht.

[00:28:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man getrunken hat, also der Finger-Nasen-Versuch ist, treffe ich meine Nase so, mit
geschlossenen Augen.

[00:28:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich betrunken bin, dann gehe ich vielleicht daneben.

[00:28:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Da will man die Koordination prüfen und die Koordination wird schlecht, wenn man Alkohol getrunken hat.

[00:29:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch den Strichgang machen.

[00:29:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Alter ist man ein bisschen schlechter in dem Strichgang.

[00:29:05.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man betrunken ist, dann kann man nicht gut laufen.

[00:29:10.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch eine motorische Übung, aber da will man sehen, ob man es kann. Anhand von dem sieht es.

[00:29:19.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich ein neurologischer Test.

[00:29:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Neurologen machen den Finger-Nasen-Versuch auch. Ich kann es gerade noch.

[00:29:23.780] – Bemerkung 5
Ich versuche das jetzt nicht.

[00:29:23.860] – Bemerkung 6
Gibt es irgendwelche klaren Indikationen wo man feststellen kann, der ist jetzt traumatisiert? Gibt es da
klare Indizien oder sind es eine Menge Dinge die da zusammenspielen? Was würden sie da sagen?

[00:29:52.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch ein Trauma gehabt hat und das kann nicht recht verarbeitet werden, dann bleibt
meistens der Schmerz bestehen, z.B. bei einem Verkehrsunfall.

[00:30:11.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das Trauma nicht richtig verarbeitet, dann bringt man wie die Schmerzen nicht weg.

[00:30:16.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schleudertrauma, da hat man lange dem Patienten Unrecht getan und gesagt, ja die haben nichts,
an den Knochen sieht man nichts.

[00:30:26.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schleudertrauma ist ein Schertrauma des Gehirns. Das heisst der unterer Teil vom Gehirn wird
gegen den oberen des Gehirns so hin und her geschert.

[00:30:34.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann dann Gedächtnisverlust und alles Mögliche geben.

[00:30:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat einen Anwalt gehabt, der sich eingesetzt hat für dieses Schleudertrauma, der hat viel Geld
herausgeholt für die Opfer.

[00:30:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Patienten bei dem bleiben, dann werden sie nicht wieder eingegliedert.

[00:30:50.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat diesen viel Unrecht getan und dann ist es in die andere Richtung gefallen, dass dann die
Schleudertraumatisierten ewig IV bekommen haben oder ewig von der SUVA eine Rente bekommen
haben.

[00:31:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich erlebe, sei es ein Autounfall oder ein Arbeitsunfall, also Leute, die auf dem Bau arbeiten oder auf
der Strasse arbeiten oder so, ein Arbeitsunfall.

[00:31:16.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Schmerzen nicht heilen und sie klagen immer über das Trauma, dann gehe ich immer
schauen, was ist hinten dran?

[00:31:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich ich mal einen Vortrag gehalten: Umgang mit Traumata aus psychiatrischer Sicht.

[00:31:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens bleibt der Schmerz oder die Traumatisierung wenn vornedran schon eine Vorbelastung
gewesen ist oder wenn eine Zusatzbelastung kommt.

[00:31:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wir jetzt, wir haben einen jungen Mann oder mittelalterlichen Mann in guter körperlicher
Konstitution. Der hat einen Arbeitsunfall, der wird krank geschrieben, der hat aber zuhause also eine
Familie, für die er Aufkommen muss, die Frau verdient nicht. Der hat in Italien oder Kosovo irgendwo ein
Haus anfangen zu bauen er kommt dann in Schulden.

[00:32:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat Sorgen oder hat vielleicht schon Sorgen mit einem Kind, das drogensüchtig ist oder Eheprobleme.

[00:32:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch andere psychosoziale Probleme. Der Hintergrund, die psychosozialen Probleme, da kommt
das Trauma oben drauf, die psychosozialen Probleme schaut niemand mehr an.

[00:32:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hängt dann alles an das Trauma.

[00:32:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn sage ich psychosozialer Hintergrund zu dieser Trauma Verarbeitung.

[00:32:35.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Ärztin, die mal bei der SUVA gearbeitet hat in Bellikon, die hat gesagt, wenn die Patienten nicht
ernst genommen worden sind, bei ihrem Unfall und bei ihren Schmerzen, dann ist alles schlechter
geheilt.

[00:32:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben sie zum Teil einen Sudeck gemacht. Ein Sudeck ist anstatt dass der Knochen aufgebaut wird
und heilt wird der Knochen abgebaut. Das ist ein Stressphänomen.

[00:33:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Körper zieht sich dann zurück.

[00:33:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem hat man gesehen, die haben sich nicht ernstgenommen gefühlt, und das Trauma, der Unfall ist
nicht gut behandelt worden.

[00:33:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn hintendran schon ein Belastungsfaktor steht oder mehrere Belastungsfaktoren, wird es auch
schlechter bearbeitet.

[00:33:27.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein Wesen, das sich an Sachen erinnert und im Hirn häufen sich die verschiedenen
Sachen auf.

[00:33:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Probleme mit meinem Sohn. Ich habe Probleme in meiner Ehe, ich mache jetzt noch einen
Unfall, dann wird alles zusammen summiert und dann tue ich weniger gut mich erholen von meinem
Unfall.

[00:33:53.140] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn, wenn sie sehen, dass einer nicht wegkommt von seinem Trauma, können sie ihn fragen,
gibt es noch andere Sachen, die sie belastet haben, die vorne dran gewesen sind?

[00:34:07.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sachen wie: haben sie sich ungerecht behandelt gefühlt?

[00:34:11.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schaue ich auch immer an. Es passiert ein Unfall am Arbeitsplatz.

[00:34:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann suche ich immer nach: hat er sich ungerecht behandelt gefühlt von einem Kollegen?

[00:34:20.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat er sich ungerecht behandelt gefühlt vom Vorgesetzten?

[00:34:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist er entlassen worden, bedroht worden irgendwie und dann heilt alles auch nicht und das Trauma geht
nicht auf die Seite.

[00:34:31.360] – Dr.med. Ursula Davatz
An das Trauma wird noch alles daran gehängt.

[00:34:35.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kriegstraumatisierten kann man immer auch wieder zurückschauen.

[00:34:41.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei allen Migranten frage ich immer: von was wandern sie weg auf was wandern sie zu?

[00:34:47.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ja alles Wanderer, die Wandern natürlich weg, zum Teil von Kriegsgebieten, zum Teil aber auch
nur von sozialen Missstände.

[00:34:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann probiere ich immer zu schauen, was ist denn dort die Situation gewesen? Da könnte man dann
auch schauen, was für Traumatas dort gewesen sind?

[00:35:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für eine Erwartungshaltung haben sie gehabt an dieses Land, wo sie jetzt hinkommen?

[00:35:11.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Missstände, die vorne dran gewesen sind und die wahnsinnig hohen Erwartungshaltungen, die dann
unser Land haben, denn die Schweiz wird natürlich auf der ganzen Welt so ein bisschen als Paradies
angeschaut.

[00:35:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst man ist da und es geht einem dann gut.

[00:35:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man die von dieser Paradiesvorstellung von unserem Land ein wenig herunter holen.

[00:35:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hilft es, wenn man sie fragt, was haben sie für eine Erwartung gehabt an unser Land?

[00:35:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals 1956, als die Ungaren eingewandert sind, viele von denen haben überrissene
Erwartungshaltungen gehabt an die Schweiz, die dann nicht erfüllt worden sind. Dann sind sie alle krank
geworden aus Enttäuschung heraus. Enttäuschte Erwartungshaltungen machen dann wieder krank.

[00:36:03.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie fragen, wie merkt man, ob jetzt hier jemand traumatisiert ist?

[00:36:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Er bleibt Hängen bei Sachen. Er ist nicht ganz bei der Sache. Er ist da immer so ein bisschen am
Studieren.

[00:36:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel psychosomatisches, also psychosomatische Erscheinungen.

[00:36:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch über die Sachen nicht reden kann, dann geht es halt in den Körper.

[00:36:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man immer fragen, was liegt dir auf dem Magen?

[00:36:32.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht dir Kopfzerbrechen? Was sitzt dir im Nacken?

[00:36:34.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Volkssprüche verwenden, um etwas herauszufinden was belastet.

[00:36:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Was nicht heisst, dass sie dann therapieren müssen, aber sie verstehen dann ein bisschen besser was
läuft.

[00:36:55.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ihm läuft natürlich auch etwas ab.

[00:36:58.750] – Bemerkung 7
Ein Klient von mir hat eine Schusswunde im Knie und das Knie bereitet ihm auch jetzt noch Probleme.
Vielleicht ist noch eine Beziehungsgeschichte darin verwoben. Er hat auch eine Herkunftsfamilie. Er will
aber keinen Kontakt mit der Familie. Er sagt die Familiensituation belastet ihn. Er zieht sich zurück, kann
nicht schlafen und ist abwesend.

[00:37:33.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist er?

[00:37:48.840] – Bemerkung 7
22 Jahre alt. Wir wissen nicht, ob er überhaupt arbeitsfähig ist mit all seinen Problemen. Er hat auch
Schlafstörungen. Zur Zeit ist er nicht so motiviert.

[00:37:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einem, also wenn sie mir jetzt diese Geschichte erzählen, würde ich wahrscheinlich sagen, der hat
Krach gehabt, also der hat eine Auseinandersetzung gehabt und er ist verletzt worden.

[00:38:42.020] – Bemerkung 7
Ja, der Unfall hat sein Lebern 180 gedreht. Er konnte früher immer Arbeiten. Der Unfall ist im Heimatland
geschehen.

[00:38:44.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen, es ist noch in einem Konflikt gewesen, wenn man einen Unfall hat und wenn man einen
Konflikt hat, dann geht es ja immer um Dominanzkampf.

[00:39:03.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann den Unfall hat oder mit dem Messer gestochen wird und was auch immer das ist, dann
hat man verloren.

[00:39:09.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Demütigung, das ist eine Kränkung.

[00:39:12.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Neben der Wunde, die er hat, ist noch die Kränkung. Von dort her würde ich das ein bisschen erfragen.

[00:39:22.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde fragen, wer hat ihm den Schaden zugefügt? Wem gibt er die Schuld?

[00:39:29.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei solchen Sachen frage ich immer und wem geben sie die Schuld?

[00:39:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann seinem Kontrahenten die Schuld gegeben.

[00:39:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einem Kollegen die Schuld geben, der einem nicht geholfen hat.

[00:39:41.710] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer anderen Situation kann man dem Arzt die Schuld geben.

[00:39:45.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt irgendjemanden die Schuld.

[00:39:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man jemanden die Schuld gibt, tut man die Aktionsfähigkeit dorthin. Dann verstehen sie ein
bisschen besser um was es geht im Kopf.

[00:39:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde bei dem, die sind ja alle sehr stolz und von dort her würde ich noch nach dem Gefühl der
Demütigung fragen.

[00:40:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht geht das Wort Demütigung nicht oder sie müssen schauen, welches Wort, dass sie verwenden
können. Hat er sich geniert, hat er sich geschämt dafür? Scham ist ein ganz schwieriges Gefühl.

[00:40:13.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz speziell für Männer, ist Scham sehr schwer zum Aushalten.

[00:40:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Er will nichts mit der Familie zu tun haben. Dort könnte auch Scham dabei sein.

[00:40:32.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er der älteste der Familie ist, dann müsste er eigentlich ein Vorzeigekind sein und jetzt ist er aus
der Reihe getanzt, oh wie schrecklich.

[00:40:39.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nach der Scham fragen.

[00:40:41.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Geniert er sich vor seinen Kollegen? Geniert er sich vor seiner Familie? Wie hätte er gerne sein wollen,
wie wäre er gewesen, wenn das nicht passiert wäre?

[00:40:53.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wieder Realität und Wunschvorstellung ansprechen. Dann kann man Verständnis, Verständnis,
Verständnis zeigen.

[00:41:00.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Realität hat immer Vorteile und es ist jetzt halt so und jetzt was machen wir daraus?

[00:41:09.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihn abholen bei dieser Scham, bei dieser Wut, bei dieser Schuldzuweisung und das empathisch
anhören, dann können sie eher wieder zum weiterarbeiten gehen. Es geht nicht darum, ob er körperlich
arbeitsfähig ist oder nicht. Die Wunde schmerzt, wenn es im Kopf nicht gelöst ist.

[00:41:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne sagt man auch der Schmerz beginnt im Kopf.

[00:41:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Kopf und das ist so, wir haben hier Schmerzzentren und die können aktiviert werden und die können
ein bisschen gedämpft werden.

[00:41:48.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt ja Antidepressiva damit sogenannte Schmerzdistanzierung passiert.

[00:41:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Therapeutin sage viel eher, man muss an die Geschichte rangehen, an die Scham, an die Wut, an
den Gesichtsverlust usw.

[00:42:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ein bisschen genauer feststellt oder mit ihm Orten kann, dann wird er freier.

[00:42:17.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der geniert sich vor der eigenen Familie.

[00:42:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat er Schwestern, die jünger sind?

[00:42:26.450] – Bemerkung 7
Er hat einen älteren Bruder, der zum Beispiel die Schwester nicht unterstützen möchte. Er hat viel für die
Familie gemacht.

[00:42:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, er will raus. Da müssen wir auch sonst ein bisschen fragen, wie erfolgreich ist der ältere Bruder? Das
wissen sie nicht?

[00:42:46.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man dann immer vergleichen, dann ist er eifersüchtig auf den, der kann es noch, ich kann es
nicht mehr, dann schere ich ganz aus.

[00:42:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich genieren vor dem Vater, vor der Mutter. Wo ist es ein wichtiger? Dass man so etwas schaut, wo
steht er denn in dem System?

[00:43:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man akzeptiert, dass er sich geniert.

[00:43:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn für sie? Ich meine, das sind nicht so viele Fragen und es hilft ihm.

[00:43:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiater fragt man dann das oft nicht.

[00:43:19.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft kommt man ja gar nicht an das ran.

[00:43:23.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind mit ihnen zusammen und dann lohnt es sich solche Dinge zu fragen.

[00:43:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie natürlich immer auch kulturspezifisch Fragen. Ist das in ihrer Kultur eine Schande?
Schämt man sich dort speziell stark? Erst danach sagen: Ich verstehe, es kann jedem passieren und wie
machen wir jetzt weiter?

[00:43:47.100] – Bemerkung 8
Ich arbeite in einem Kurs, nur mit Flüchtlingen und begegne immer wieder eingeschränktem
Lernverhalten. Ich habe jetzt nicht grundsätzlich den Eindruck, die sind alle traumatisiert. Ich denke,
irgendwo hat das auch einen Einfluss. Deutsch zu lernen ist das zentralste. Ich bin nicht Deutsch
Lehrperson.

[00:44:27.980] – Bemerkung 8
Ich bringe ihnen Selbstmanagement Themen, Mathematik und PC bei.

[00:44:31.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie bemerken Widerstand beim Lernverhalten. Wie machen die Widerstand? Wie verhalten sie sich?

[00:44:38.470] – Bemerkung 8
Aktiv wie auch passiv, im Sinne von nicht in ein Thema hinein sich vertiefen wollen. Sich nicht
blossstellen wollen, wenn man sich zu einem Thema nicht artikulieren kann, wenn man etwas nicht
versteht. Sie können etwas nicht nachgehen. Sie sind nicht so vorwärts gekommen, wie sie es sich
gewünscht haben. Dann machen sie jetzt erst Recht nichts mehr. Sie machen auch blau. Es sind
praktisch nur Männer.

[00:45:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes würde ich gleich am Anfang frage: Ich bin eine Frau ihr seid Männer, wie gut könnt ihr etwas
von einer Frau übernehmen?

[00:45:38.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die aus Kulturen kommen, wo die Frau nur dient, kocht, zu dient, hilft.

[00:45:45.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen tun sie nur von Männern, dann ist das schon am Anfang schwer.

[00:45:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her würde ich als erstes in solchen Klassen das Fragen.

[00:45:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn?

[00:45:58.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind hier in der Schweiz. Ihr kommt aus einer anderen Kultur. Wir tun die Kultur wertschätzen, aber
ich muss ihnen jetzt eine Frage stellen: ist das für sie ein Problem oder wie gut können sie von einer Frau
etwas lernen?

[00:46:16.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das anrüchig?

[00:46:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das für sie schambesetzt, wenn ich da irgendetwas besser kann als sie?

[00:46:23.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre der Einstieg.

[00:46:26.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nächste, wenn sie etwas nicht so gut können, dann wollen sie das nicht zeigen.

[00:46:34.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: wie gut können sie zugeben, wenn sie etwas nicht können.

[00:46:42.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder schambesetzt, das kränkt narzisstisch.

[00:46:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wort kennen sie wahrscheinlich nicht, aber vielleicht können sie es dann einführen.

[00:46:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind alles Männer. Ein Mann – jetzt spreche ich sexistisch – der kann es prinzipiell einfach, der muss
nicht lernen, der hat ja schon von Anfang an eine höhere Stellung und jetzt muss der Mann noch von
einer Frau lernen, ist das schlimm für sie?

[00:47:19.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch fragen, was haben sie von ihrer Mutter gelernt oder was haben sie von ihrer älteren
Schwester gelernt?

[00:47:25.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dann ins Familiensystem einsteigen.

[00:47:28.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie sich von der Mutter etwas zeigen lassen?

[00:47:30.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht haben sie Kochen gelernt. Ich weiss es ja nicht. Vielleicht haben sie von der Schwester
irgendetwas gelernt.

[00:47:36.130] – Dr.med. Ursula Davatz
So können sie dann auch wieder ins Familiensystem einsteigen.

[00:47:40.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei der Scham, wo sie sich genieren, dass sie etwas nicht können, da kann man sagen ja ja wir
Schweizer sind auch so.

[00:47:51.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule trauen wir uns nicht aufzustrecken, wenn wir etwas nicht wissen. Lieber schön ruhig und
nicht zu sagen, dass man etwas nicht weiss.

[00:47:59.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer sind dort durch auch nicht Helden.

[00:48:02.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bringe ich immer das Beispiel: an der ETH Zürich hat man jetzt sogar einen Lehrstuhl und der
heisst Productive Failure, also produktives Versagen/Misserfolg.

[00:48:14.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man weiterkommt, muss man auch zugeben können, dass man irgendetwas nicht recht kann.

[00:48:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sagen wir dann sogar: an den Fehlern lernt man.

[00:48:32.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben einen Spruch im lateinischen, der oft zitiert wird: Errare Humanum est.

[00:48:36.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Irren ist menschlich.

[00:48:36.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst: etwas falsch machen ist menschlich.

[00:48:42.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle patriarchalen Kulturen machen nicht gerne Fehler.

[00:48:50.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her muss man ihnen das ein bisschen näherbringen.

[00:48:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn Frauen Vorträge halten, dann sagen sie, das ist noch nicht so gut und jenes ist noch nicht so gut
und das habe ich auch nicht so gut gemacht.

[00:49:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Männer Vorträge halten, ich schaue das manchmal ein bisschen an, dann heisst es, das habe ich
gut gemacht und das habe ich gut gemacht und das habe ich gemacht.

[00:49:11.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Männer sich bewerben bei einer Stelle, dann können sie das und jenes gut. Die Frau sagt dann viel
eher: ja, da muss ich vielleicht noch ein bisschen lernen.

[00:49:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind da ein bisschen bescheidener, auch nicht alle.

[00:49:23.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen, uns Frauen fällt das nicht so schwer etwas nicht so gut zu können, man muss
lernen.

[00:49:31.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man natürlich vom dominanten Geschlecht ist, dann ist das schwierig.

[00:49:36.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer das kulturspezifische etwas reinnehmen und dann auch mit der Schweiz vergleichen und sagen,
das ist bei uns auch nicht alles so wunderbar.

[00:49:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie diesen Männern näher kommen, dass die lernen dürfen.

[00:49:53.640] – Bemerkung 9
Das immer wieder stehen bleiben am gleichen Ort.

[00:49:53.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Geben sie mir ein Beispiel bitte.

[00:49:54.030] – Bemerkung 9
Ich habe sie nach ihren Stärken gefragt. Dann haben sie nach dem dritten Mal fragen eine sehr dünne
Antwort gegeben.

[00:50:23.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jeder Vorstellung müssen wir sagen: was sind ihre Stärken, was sind ihre Schwächen?

[00:50:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht ihre Sprache. Die kennen das gar nicht, das ist psychologisiert und das müssen sie
irgendwie übersetzen.

[00:50:34.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen vielleicht sagen, was können sie gut und was können sie gar nicht?

[00:50:42.000] – Bemerkung 9
Das haben wir gemacht ja.

[00:50:43.490] – Bemerkung 9
Es ging mir dort mehr darum wie sie sich Sachen auch merken oder lernen können.

[00:50:51.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja also ich denke da braucht es eine ganze Generation bis sie das können.

[00:50:56.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kulturspezifische, das sitzt so tief in den Adern drinnen und im Gehirn drinnen. Das geht einfach nicht
rein.

[00:51:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sie ein bisschen übersetzen. Da müssen sie ihre Sprache etwas übersetzen, das ist ihnen
dermassen fremd.

[00:51:16.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nicken, wie würden sie nach den Stärken und Schwächen fragen?

[00:51:20.350] – Bemerkung 10
Ich habe so einen kulturellen Hintergrund. Über Schwächen spricht man nicht. Über die spricht man nicht,
das wieder die Scham.

[00:51:21.310] – Bemerkung 10
Man spricht über die eigene Stärke, ohne dass der andere merkt, dass man über seine eigenen Stärken
spricht.

[00:51:21.310] – Bemerkung 10
Bei den Interviewgesprächen verstehen die den Sinn der Frage nicht.

[00:51:21.310] – Bemerkung 10
Sie finden den Unterricht oft kindlich. Sie können den Unterricht innerlich gar nicht mitmachen. Sie geben
schon auf.

[00:52:29.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssten das Übersetzen in was machen sie gerne und was können sie gut, das wäre die Stärke.

[00:52:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht über die abstrakte Stärke sprechen.

[00:52:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen sie nicht gern?

[00:52:41.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie es nicht gerne, weil es Frauenarbeit ist oder sonst unwürdig?

[00:52:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder machen sie es nicht gerne, weil sie es nicht können?

[00:52:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind auch noch Unterschiede.

[00:52:53.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Übersetzen.

[00:52:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur über Stärken und Schwächen zu sprechen ist zu abstrakt.

[00:52:56.540] – Bemerkung 11
Haben Traumatisierte auch eine Lernbeeinträchtigung?

[00:53:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben eine Lernbeeinträchtigung, wenn sie ständig an ihr Trauma denken.

[00:53:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie der Psychotiker, der sich immer in seinem Zeug herum dreht.

[00:53:22.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Prozessorkapazität im Hirn ist dann vermindert.

[00:53:28.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man, wenn man ihnen in die Augen schaut, dann schweifen sie ab. Man merkt, ob der Mensch
konzentriert ist auf das was man sagt oder ob er irgendwo anders ist.

[00:53:38.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Da frage ich dann, wo sind sie jetzt? An was denken sie jetzt?

[00:53:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, wenn man ständig an das Trauma denkt und wenn man denkt, die da vorne redet Blödsinn, dann ist
man auch weg.

[00:53:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen herausfinden, sie müssen fragen, an was denken sie?

[00:53:59.070] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn können die Leute schon beeinträchtigt sein.

[00:54:01.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut so, wenn sie ständig an das Trauma denken.

[00:54:03.680] – Bemerkung 12
Die lernen sehr viel auswendig. Das Diktat, das lieben sie. Die lernen einfach anders. Die brauchen
vielleicht eine andere Lernmethode.

[00:54:37.540] – Bemerkung 13
In unserer Gesellschaft ist ja so viel Eigeninitiative und Selbstmotivation und Selbstorganisation
erwünscht. Bei vielen von denen, ist das einfach nicht vorhanden. Das ist das Kernproblem. Wie kann
man das fördern oder entwickeln? Sie auf den Weg bringen, damit sie das lernen, sonst werden sie nicht
überleben können.

[00:54:44.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Als erstes müssen sie den Unterschied wissen zwischen dieser Gesellschaft, wo sie herkommen und sich
das schildern lassen.

[00:55:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie haben sie gelernt, auswendig gelernt, nachgemacht, Diktat, etc.

[00:55:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: jetzt sind wir hier in der Schweiz. Das ist alles gut und recht und bei uns läuft es so.

[00:55:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Mehr diesen Unterschied aufzeigen. Wir haben immer die Tendenz, die jetzt in dem Land wohnen, das ist
uns alles klar, dass es dann den anderen auch klar ist.

[00:55:35.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein ist es nicht.

[00:55:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir vergessen die Unterschiede.

[00:55:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich immer wieder zu fragen: Wie ist es bei euch gewesen?

[00:55:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir habt ihr es gemacht?

[00:55:44.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Und dann: wir machen es so.

[00:55:47.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen diesen Unterschied sehen und dann können sie auch den Sprung von ihrer Kultur zu unserer
Kultur einfacher machen.

[00:55:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen wenn wir einfach erwarten, dass sie jetzt da einfach einsteigen, dann machen sie nur
Widerstand, hängen ab und wir werden verrückt, dass sie nicht mitmachen.

[00:56:04.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Macht das Sinn? Das können sie auch bestätigen.

[00:56:08.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Fehler machen wir häufig, dass wir alles schon voraussetzten, schliesslich sind sie hier, dann
müssen sie sich nach uns richten, dass sie sich anpassen.

[00:56:20.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nicht, weil sie da noch verhaftet sind.

[00:56:23.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich besser anpassen, wenn man die Unterschiede klarer herausholt.

[00:56:28.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas ganz wichtiges.

[00:56:30.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne ist die Schweiz nicht so gut im integrieren der fremden Kulturen.

[00:56:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie zeigt nicht auf was der Unterschied ist und wie es bei uns ist.

[00:56:41.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo der Unterschied ist.

[00:56:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, wir sind es gewohnt, wir haben schon vier Sprachen, wir sind eigentlich sowieso ein
Integrationsland, aber das heisst nicht, dass wir Neuankömmlingen das nicht wieder vor Augen führen
müssen – und insbesondere uns vor Augen führen müssen.

[00:56:58.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was für uns natürlich ist, ist für die vielleicht überhaupt nicht natürlich.

[00:57:03.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum müssen wir zurück gehen und Fragen.

[00:57:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dem, man muss den Menschen, wir unsere Patienten, dort abholen, wo sie sind.

[00:57:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sie dort abholen wo sie sind, sie dort wertschätzen, man sagt dann Validieren, dann kann man
hinüber wechseln zu wo wir jetzt sind.

[00:57:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie den Sprung besser machen und dann machen sie auch besser mit.

[00:57:25.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat ihnen das ein bisschen etwas gegeben?

[00:57:32.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist für sie natürlich auch interessant, weil sie dann immer über deren Kultur, über ihre Denkweise
etwas lernen?

[00:57:41.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden dann im Kopf auch multikulturell.

[00:57:47.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Fähigkeit, von der Jean Piaget gesagt hat, dezentrieren.

[00:57:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kinder wachsen wir einfach in unserer Welt auf und das ist alles so normal wie es halt ist.

[00:57:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir in die Pubertät kommen, dann lernen wir, bei uns ist es so und der andere denkt so.

[00:58:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem sagt man dezentrieren.

[00:58:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ethnozentrisch denken also Helvetisch, bei uns ist es so und darum ist es überall so.

[00:58:12.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder man kann dezentrieren von dem ethnozentrischen von dem Helvetischen und zuerst schauen, wie
ist es dort, aha okay und bei uns ist es so.

[00:58:23.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müssen wir unser Land auch besser erklären. Uns läuft das so normal, dass wir gar nicht auf die
Idee kommen, das zu erklären.

[00:58:32.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es denen erklären.

[00:58:35.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann werden wir ungeduldig, wenn sie sich nicht an unsere Regeln halten.

[00:58:42.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, ich sehe es ist an der Zeit. Ich hoffe, sie haben ein bisschen etwas mitnehmen können und sie
können mit dem ein bisschen weiterarbeiten, denn es ist ja sehr interessant mit so fremden Kulturen und
Wanderern zu arbeiten. Man lernt immer etwas von denen.