Die Quellen, insbesondere das Interview mit Dr.med. Ursula Davatz, bieten einen umfassenden Einblick in die Therapie von ADHS. Es wird deutlich, dass ein erfolgreicher Therapieansatz verschiedene Aspekte berücksichtigen muss, um den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen gerecht zu werden.

1. Medikamentöse Therapie:

  • Amphetamine: Die gängigste medikamentöse Behandlung von ADHS erfolgt mit Amphetaminen wie Ritalin oder Medikinet.
    • Diese Medikamente wirken stimulierend auf das zentrale Nervensystem und verbessern die Fokussierung und Konzentration.
    • Dr. Davatz vergleicht die Wirkung von Ritalin mit Scheuklappen bei Pferden: Die breite Aufmerksamkeit wird eingeengt, um eine bessere Konzentration auf die gewünschte Aufgabe zu ermöglichen.
    • Nebenwirkungen: Amphetamine können die Persönlichkeit verändern, die Kreativität einschränken und die emotionale Wahrnehmung beeinflussen.
    • Entscheidungsfreiheit der Kinder: Dr. Davatz betont, dass Kinder in die Entscheidung über die Einnahme von Medikamenten einbezogen werden sollten. Sie sollten die Möglichkeit haben, die Medikamente auszuprobieren und selbst zu entscheiden, ob sie die positiven Effekte den möglichen Nebenwirkungen vorziehen.

2. Nicht-medikamentöse Therapie:

  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie zielt darauf ab, ungewünschte Verhaltensweisen zu verändern und neue, hilfreiche Strategien zu erlernen.
    • Im Fokus stehen dabei beispielsweise die Verbesserung der Impulskontrolle, der Konzentration und der Selbstorganisation.
  • Psychotherapie: Die Psychotherapie kann helfen, die emotionalen und sozialen Folgen von ADHS zu bewältigen.
    • Sie bietet einen geschützten Raum, um über die eigenen Erfahrungen zu sprechen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
  • Familientherapie: Die Familientherapie bezieht das gesamte Familiensystem in die Therapie ein.
    • Ziel ist es, die Kommunikation und den Umgang miteinander zu verbessern und so ein unterstützendes Umfeld für den Betroffenen zu schaffen.

3. Alternative Therapieansätze:

  • Neurofeedback: Beim Neurofeedback werden Hirnströme gemessen und dem Patienten rückgemeldet.
    • Durch diese Rückmeldung lernt der Patient, seine Hirnströme zu beeinflussen und so die Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern.
    • Dr.med. Ursula Davatz hat mit dieser Methode unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Bei manchen Patienten war sie hilfreich, bei anderen führte sie zu einer Zunahme der Nervosität.
  • Hobbys: Hobbys, die dem Kind Freude bereiten, können helfen, die Konzentration und Fokussierung zu trainieren und positive Erfahrungen zu sammeln.
  • Klare Strukturen und Rituale: Ein geregelter Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Hausaufgaben und Freizeit bietet Orientierung und Sicherheit.

4. Die Rolle des Umfelds:

Dr. Davatz betont stets die Wichtigkeit eines verständnisvollen und unterstützenden Umfelds für Menschen mit ADHS.

Eltern:

  • sollten ihre Kinder in die Therapie einbeziehen und gemeinsam Lösungen für Probleme erarbeiten.
  • sollten ihre Kinder nicht für ihre ADHS-bedingten Schwierigkeiten beschämen, sondern ihre Stärken und Fähigkeiten anerkennen.
  • sollten ihren Kindern klare Strukturen und Rituale bieten, aber gleichzeitig auch Raum für Flexibilität lassen.

Lehrpersonen:

  • sollten sich über ADHS informieren und die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler berücksichtigen.
  • sollten abwechslungsreiche und interaktive Lehrmethoden einsetzen, um die Aufmerksamkeit der Schüler zu halten.
  • sollten eine positive Lernatmosphäre schaffen, in der Fehler als Lernchance gesehen werden.

Arbeitgeber:

  • sollten sich ebenfalls mit ADHS auseinandersetzen und ihren Mitarbeitern mit ADHS die notwendige Unterstützung bieten.
  • können beispielsweise flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit zum Homeoffice anbieten, um den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter gerecht zu werden.

Fazit:

Die Therapie von ADHS ist ein komplexer Prozess, der ein individuell abgestimmtes Vorgehen erfordert. Es gibt keine Patentlösung, sondern es müssen verschiedene Therapieansätze miteinander kombiniert werden, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Dabei ist die aktive Einbeziehung des Betroffenen und seines Umfelds von entscheidender Bedeutung.

https://ganglion.ch/pdf/fachhochschule_ost.pdf