Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, beleuchten die enge Verbindung und den potenziellen Konflikt zwischen Selbstfürsorge und Empathie, insbesondere bei Menschen mit ADHS.
Empathie als Stärke und Herausforderung:
- Menschen mit ADHS zeichnen sich häufig durch eine ausgeprägte Empathie aus. Sie spüren die Emotionen und Bedürfnisse ihrer Mitmenschen sehr intensiv und reagieren stark darauf.
- Diese hohe Sensibilität ist eine wertvolle Eigenschaft, birgt aber auch die Gefahr, dass ADHSler ihre eigene Bedürfnisse vernachlässigen, während sie sich für andere aufopfern.
- Dr. Davatz beschreibt, wie ADHSler aufgrund ihrer Empathie dazu neigen, sich übermässig in ihr Umfeld zu investieren. Sie setzen sich für soziale Belange ein, kämpfen gegen Ungerechtigkeiten und versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden.
Die Folgen mangelnder Selbstfürsorge:
- Die ständige Fokussierung auf das Aussen und die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse kann zu einem emotionalen Ungleichgewicht führen.
- ADHSler laufen Gefahr, sich selbst auszubeuten, ihre Ressourcen zu erschöpfen und in einen Zustand von Burnout oder Depression zu geraten.
- Dr. Davatz verwendet die Metapher des Sauerstoffs im Flugzeug: Um anderen helfen zu können, müssen wir zuerst sicherstellen, dass wir selbst genügend Sauerstoff, also Energie und Ressourcen, haben.
Selbstfürsorge als Notwendigkeit:
- Um der Gefahr des Ausbrennens entgegenzuwirken, ist Selbstfürsorge für Menschen mit ADHS unerlässlich.
- Selbstfürsorge bedeutet, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, zu respektieren und ihnen Raum zu geben.
- Es geht darum, bewusst Zeit für sich selbst einzuplanen, Dinge zu tun, die Freude bereiten und Energie spenden, und klare Grenzen zu setzen.
Den Balanceakt meistern:
- Die Herausforderung besteht darin, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Empathie und Selbstfürsorge zu finden.
- Dr. Davatz betont, dass Empathie nicht unterdrückt werden sollte, sondern dass es darum geht, bewusst mit der eigenen Empathie umzugehen.
- Statt sich in jeder Situation emotional zu involvieren, können ADHSler lernen, zwei Schritte zurückzutreten und die Situation aus einer neutraleren Perspektive zu betrachten.
- Dieses bewusste Distanzieren ermöglicht es, die eigenen Grenzen zu wahren und sich vor emotionaler Überforderung zu schützen.
Der Weg zur Balance:
- Selbstkenntnis: Der erste Schritt zur Balance besteht darin, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen kennenzulernen.
- Achtsamkeit: Achtsamkeitsübungen können helfen, die eigenen Emotionen und Bedürfnisse besser wahrzunehmen und bewusster mit ihnen umzugehen.
- Kommunikation: Es ist wichtig, die eigenen Bedürfnisse klar und deutlich zu kommunizieren und auch „Nein“ zu sagen, wenn es notwendig ist.
- Unterstützung: Der Austausch mit anderen Menschen mit ADHS, sei es in Selbsthilfegruppen oder mit vertrauten Personen, kann wertvolle Unterstützung auf dem Weg zur Balance bieten.
Zusammenfassend:
Selbstfürsorge und Empathie sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Für Menschen mit ADHS ist es wichtig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen zu finden. Indem sie lernen, ihre Empathie bewusst einzusetzen und gleichzeitig auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, können sie ein erfülltes Leben führen, ohne sich selbst zu vernachlässigen.
https://ganglion.ch/pdf/Depression%20ist%20der%20Anfang%20zur%20Selbstfindung.m4a.pdf