Generationen und ADHS/ADS

Die Quellen behandeln das Thema „Generationen und ADHS/ADS“ im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit vier Frauen: Dr. med. Ursula Davatz, Ondine Riesen, Reena Krishnaraja und Dr. med. Elsa Wuchner. Moderiert wird die Diskussion von der Journalistin Gabriella Alvarez-Hummel.

Obwohl das Thema Generationen explizit als Jahresthema im Karl der Große erwähnt wird, wo die Podiumsdiskussion stattfindet, wird es im Verlauf des Gesprächs nicht vertieft. Die Diskussion konzentriert sich hauptsächlich auf die Erfahrungen von Frauen mit ADHS/ADS, die Diagnose und die Herausforderungen im Alltag.

ADHS/ADS: Von der Kinder- zur Erwachsenen-Diagnose

Die Quellen zeigen, dass ADHS/ADS lange Zeit als eine „Kinderkrankheit“ betrachtet wurde, die vor allem Jungen betrifft. Diese Sichtweise hat sich in den letzten Jahren jedoch grundlegend geändert. Immer mehr Erwachsene, insbesondere Frauen, erhalten die Diagnose ADHS/ADS.

Dr.med. Ursula Davatz führt diese Entwicklung darauf zurück, dass Mädchen und Frauen aufgrund ihrer Sozialisierung besser darin sind, sich anzupassen und ihre Symptome zu verbergen. Sie entwickeln daher seltener die typischen, nach aussen gerichteten Symptome, wie Hyperaktivität und Impulsivität, die bei Jungen häufiger vorkommen und früher erkannt werden. Stattdessen leiden Mädchen und Frauen oft unter innerer Unruhe, Unsicherheit und Angststörungen, die erst im Erwachsenenalter zu einer Diagnose führen.

Herausforderungen für Frauen mit ADHS/ADS

Die Diskussion zeigt, dass Frauen mit ADHS/ADS mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind. Neben den Schwierigkeiten, die mit dem Neurotyp an sich verbunden sind, müssen sie sich mit gesellschaftlichen Erwartungen und Geschlechterrollen auseinandersetzen. Ondine Riesen beschreibt eindrücklich, wie anstrengend es für sie ist, sich ständig anpassen zu müssen, um in einer Welt zu funktionieren, die nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Sie vergleicht ihre Anstrengungen mit dem Training für die Olympischen Spiele.

Bedeutung der Diagnose und des Umfelds

Alle Teilnehmerinnen sind sich einig, dass die Diagnose ADHS/ADS eine grosse Erleichterung sein kann. Sie ermöglicht es den Betroffenen, sich selbst und ihre Schwierigkeiten besser zu verstehen und sich Hilfe zu holen.

Gleichzeitig wird in der Diskussion deutlich, wie wichtig das Umfeld für Menschen mit ADHS/ADS ist. Eine unterstützende Familie, verständnisvolle Lehrer und ein offenes Arbeitsumfeld können den Betroffenen helfen, ihre Stärken zu entfalten und ihre Herausforderungen zu meistern.

Kritik am Schulsystem und der Versorgungslage

Die Teilnehmerinnen kritisieren das Schulsystem, das oft nicht auf die Bedürfnisse von Kindern mit ADHS/ADS ausgerichtet ist. Sie fordern mehr Sensibilisierung, Aufklärung und individuelle Förderung. Auch die Versorgungslage in der Schweiz wird als „schlecht“ bezeichnet. Es gibt lange Wartezeiten für Diagnostik und Therapie, und die Beratung, insbesondere für Eltern, ist oft unzureichend.

Bedeutung des „Fokus“

In der Diskussion wird immer wieder die Bedeutung des „Fokus“ für Menschen mit ADHS/ADS hervorgehoben. Dr.med. Ursula Davatz ist der Ansicht, dass ADHS/ADS-Betroffene einen „breiten Sucherinstinkt“ haben, bis sie ihren persönlichen Fokus gefunden haben. Dieser Fokus muss nicht unbedingt ein Beruf sein, sondern kann auch in anderen Bereichen des Lebens liegen, wie zum Beispiel in Hobbys oder sozialen Engagements. Wichtig ist, dass es sich um einen persönlichen Fokus handelt, der den Interessen und Talenten des Einzelnen entspricht.

Zusammenfassung

Die Podiumsdiskussion bietet wertvolle Einblicke in die Lebenswelt von Frauen mit ADHS/ADS. Sie zeigt die Herausforderungen auf, mit denen Betroffene konfrontiert sind, und betont die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose, eines unterstützenden Umfelds und der individuellen Förderung. Auch wenn das Thema Generationen nicht explizit behandelt wird, verdeutlicht die Diskussion, dass das Verständnis für ADHS/ADS im Laufe der Zeit gewachsen ist und sich die Wahrnehmung des Neurotyps gewandelt hat.

https://ganglion.ch/pdf/Generationen_ADHS_31.5.2024.m4a.pdf

Generationen und ADHS

Transkription

30.05.2024 · 19:00 – 21:00 · Saal, Zentrum Karl der Grosse, Zürich

ADHS wird vermehrt von einem Kinder- zu einem Erwachsenenthema – und im Besonderen zu einem Frauenthema, da ADHS bei Frauen und Mädchen unterdiagnostiziert ist. Viele Frauen finden erst bei der Abklärung ihrer Kinder heraus, dass sie selbst betroffen sind. Inwiefern zeigt sich ADHS bei Frauen und Mädchen anders? Was bedeutet dies für den Diagnoseprozess und den Umgang mit einer solchen Diagnose? Welche Rolle spielen das Patriarchat, der Menstruationszyklus und soziale Medien? Und was sind nützliche Strategien für Frauen mit ADHS?  

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