Gemäss Dr.med. Ursula Davatz ist es entscheidend, die sozialen Muster der Familie und die Wertvorstellungen der Grosseltern zu kennen, um Kindern und Familien optimal helfen zu können. Dies begründet sie mit folgenden Punkten:
1. Einfluss der sozialen Vererbung:
- Dr. Davatz betont, dass soziale Vererbung, die Weitergabe von Werten, Traditionen und Erziehungsmustern über Generationen, einen grossen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes hat.
- Die Wertvorstellungen und Erziehungspraktiken der Grosseltern prägen die Eltern und wirken sich indirekt auf das Kind aus.
- Um die Dynamik innerhalb einer Familie zu verstehen, ist es daher essenziell, die Herkunft der sozialen Muster zu kennen und zu analysieren, welche Werte und Verhaltensweisen von den Grosseltern an die Eltern und schliesslich an das Kind weitergegeben wurden.
2. Verstehen von Konflikten und Blockaden:
- Konflikte zwischen Eltern und Grosseltern entstehen oft aufgrund unterschiedlicher Wertvorstellungen und Erziehungsstile.
- Kenntnisse über die sozialen Muster und Wertvorstellungen der Grosseltern helfen, diese Konflikte besser zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln.
- Ungelöste Konflikte und Blockaden in der Eltern-Grosseltern-Beziehung können sich negativ auf das Kind auswirken, da es in einen Loyalitätskonflikt geraten kann oder die Spannungen im Familiensystem spürt.
3. Ressourcenorientierte Familienarbeit:
- Die Grosseltern sind Teil des „Care Systems“ und können wertvolle Ressourcen für die Familie sein, beispielsweise durch Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder emotionale Unterstützung.
- Um diese Ressourcen optimal nutzen zu können, ist es wichtig, die Grosseltern in die Familienarbeit miteinzubeziehen und ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten zu berücksichtigen.
- Dies erfordert jedoch, dass man ihre Wertvorstellungen und Erwartungen kennt und ihnen mit Wertschätzung und Respekt begegnet.
4. Vermeidung von negativer sozialer Vererbung:
- Negative Erfahrungen und unverarbeitete Konflikte der Grosseltern, beispielsweise aus ihrer eigenen Kindheit oder Elternschaft, können sich auf die Enkelkinder übertragen.
- Indem man die Geschichte der Grosseltern erforscht, kann man diese negativen Muster erkennen und ihnen entgegenwirken.
- Fachkräfte können den Grosseltern helfen, ihre eigenen Erfahrungen zu verarbeiten und so verhindern, dass sich negative Muster wiederholen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kenntnis der sozialen Muster der Familie und der Wertvorstellungen der Grosseltern für eine erfolgreiche Familienarbeit unerlässlich ist. Sie ermöglicht ein tieferes Verständnis der Familiendynamik, hilft Konflikte zu lösen und Ressourcen zu aktivieren sowie negativer sozialer Vererbung entgegenzuwirken.
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